Eine Schweizer Alpen-Olympiade im Jahre 2022?
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11.Jan 13    Graubünden will nachhaltige Winterspiele, NZZ, Jörg Krummenacher
9.Dez 12    Zur Schweizer Olympia-Kandidatur für 2022, Iconoclast




Iconoclast    ..9.Dezember 2012
Zur Schweizer Olympia-Kandidatur für 2022
von Iconoclast

Das Projekt Alpen-Winter-Olympiade 2022 hat m.E. nur unter folgenden Bedingungen reale Erfolgschancen:

1.    Die Versprechen der Promotoren - "klein, weiss und grün" - sowie die angesagten Ziele "Nachhaltigkeit, Innovation und Vermächtnis" stehen im Gegensatz zu den Tatsachen der vergangenen Spiele. Um für den Souverän dennoch glaubwürdig und mehrheitsfähig zu werden, müssen diese Attribute ohne weiteres und von Anfang an nachvollziehbar sein, und muss das national einende und mobilisierende Vorhaben von einer politisch, gesellschaftlich und wirtschaftlich kritischen Masse mitgetragen werden. Dies bedingt den Einbezug der Umweltverbände, welche in den meisten Punkten ihrer Kritik überzeugen und deshalb volle Beachtung verdienen.

2.    Die damit aufgezeigte politische Dimension macht eine auf höchster Ebene zu führende dezidierte und nachdrückliche Vertretung der Schweizer Grundanliegen unabdingbar. Dies auch und besonders gegenüber einem IOC, welches - bei einem routinemässigen freien Lauf der Dinge - in die statutenwidrige Richtung des bankenähnlichen und sich selbst zudienenden Gigantismus tendiert (und wozu die derzeitige Rechtsgrundlage - Art.60 ZGB - ohnehin recht fragwürdig ist).

3.   Nicht Konzentration der Veranstaltungen auf Graubünden ist anzustreben, sondern Verteilung auf die Kantone Graubünden, Tessin, Uri und Wallis: von Sitten bis nach Samedan, von Ambri bis nach Göschenen. Die Austragungsorte sind unter Beizug der am Vernehmlassungsverfahren teilnehmenden Umweltschutzorganisationen und unter der Schirmherrschaft von Swiss Olympic nach den Geboten des Umweltschutzes, der Nachhaltigkeit, den besonderen Bedürfnissen der Bergbevölkerung und dem Vorrang des öffentlichen Verkehrs festzulegen. Die anstehenden Entscheide im Kanton Graubünden - Dezember 2012 und 3.März 2013 - anerbieten sich zur entsprechenden Projektredimensionierung, sei es explizit oder auf dem Weg der erläuternden Materialien.

4.    Für die Beherbergung ist wesentlich auch auf den Bestand an Zweitwohnungen zurückzugreifen. Und für die Eröffnungs- und Schlussfeiern sind keine besonderen Stadien zu errichten, sondern es sind die alpinen Besonderheiten - z.B. Matterhorn - u.a. mit Lichtspielen in den Fokus zu bringen.

5.    Die Integration aller Austragungsorte durch die Alpenbahnen und deren freizügige Benutzung durch die Besucher ist Wesensmerkmal und Marketing-Schwergewicht dieser Alpen-Olympiade. Dahingehend soll der NEAT-Anschluss mit einer ausgebauten Porta Alpina zumindest via Sedrun und über den Operalp-Pass und den Furkatunnel sichergestellt werden. Für eine lawinengeschützte Verbindung zwischen Graubünden und Uri anerbietet sich zusätzlich ein optionaler Horizontalstollen vom Porta Alpina-Schacht nach Andermatt.

6.    Der weltweit einzigartige und ausserordentlich resonanzstarke NEAT-, Porta Alpina- und Alpenbahn-Hintergrund der hier skizzierten Alpen-Olympiade ist eine weit über die Spiele hinaus werthaltige Visitenkarte. Unter den gegebenen Umständen kann auch damit gerechnet werden, dass bei sorgfältigerer und zweckmässigerer Handhabung unserer Hoheitsrechte ausländische Investoren zur Mitfinanzierung dieser dauerhaften Bahnzusatz-Infrastrukturen gewonnen werden können - quasi in Erinnerung an die Schweizer Pionierinvestitionen beim damaligen Bau der russischen Eisenbahnen.

7.    Die besonders auf dem Finanz- und Werkplatz Schweiz um sich greifenden Schwierigkeiten dürften in den nächsten zehn Jahren noch zunehmen. Die Gesellschaft, die Wirtschaft und das Selbstwertgefühl der Bürgerinnen und Bürger werden darunter leiden. Umso bedeutungsvoller und allseits gewinnbringender wäre da ein die Eigenständigkeit betonendes gesamtschweizerisch getragenes Vorhaben. In diesem Sinne ist unsere Kandidatur für die Alpen-Winter-Olympiade 2022 zu begrüssen.




Neue Zürcher Zeitung    11.Januar 2013

Olympia 2022
Graubünden will nachhaltige Winterspiele
Jörg Krummenacher, Landquart

Klimaneutralität, Transparenz, keine neue Verschuldung: Diese und weitere Ziele setzen sich die Promotoren Olympischer Winterspiele 2022 in der Schweiz. Mit einer Charta gehen sie neue Wege samt der Möglichkeit eines Rückzugs der Kandidatur.

Olympische Winterspiele im Raum der Oberengadiner Seenlandschaft sollen nachhaltig sein. (Bild: Arno Balzarini / Keystone)

«Hier sitzen keine Olympia-Turbos und keine Abzocker.» Die Aussage zu Beginn der Medienkonferenz kam aus dem Mund von Urs Lacotte, bis 2011 Generaldirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), nun Vorsitzender des Ausschusses für Nachhaltigkeit, Innovation und Vermächtnis (NIV) der Bündner Olympia-Promotoren. Vordringliches Anliegen ist ihnen, Vertrauen zu schaffen in die Redlichkeit und Glaubwürdigkeit ihrer Kandidatur. Bis zum 3. März, wenn Graubünden sowie die beiden Austragungsorte St. Moritz und Davos über die Olympia-Kandidatur abstimmen, müssen sie das Stimmvolk überzeugen, dass die Chancen Olympischer Winterspiele gross, die Risiken minimierbar sind. Die am Donnerstag in ihren vorläufigen Grundzügen präsentierte NIV-Charta dient dazu. Sie setzt aber auch ein Zeichen Richtung IOK: Entweder dieses goutiert das Konzept weisser, natur- und sozialverträglicher Spiele oder aber die Bündner ziehen ihre Bewerbung zurück.

Charta ist verbindlich
Die NIV-Charta ist nicht von den Olympiapromotoren selbst erarbeitet worden, sondern von einer, wie Urs Lacotte betonte, unabhängigen Gruppe kritischer Geister. Im Lauf der nächsten Wochen und Monate soll die Charta weiter konkretisiert werden. Co-Leiter der Arbeitsgruppe sind Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern, und Daniel Wiener, Geschäftsführer des Basler Beratungsbüros Ecos. Zu den Mitgliedern gehört der grünliberale Bündner Nationalrat Josias Gasser.

Die NIV-Charta wird für verbindlich erklärt, sofern die Schweiz Kandidatin und schliesslich Ausrichterin Olympischer Winterspiele in Graubünden wird. Zu den Zielen gehört eine klimaneutrale Durchführung der Spiele samt der Möglichkeit von Kompensationen durch Klimaschutz-Projekte und ebenso die Respektierung von Schutzgebieten. Ausgeschlossen wird eine zusätzliche Verschuldung der Austragungsorte und des Kantons Graubünden. Zudem sollen die Marken Schweiz, Graubünden, St. Moritz und Davos Klosters «nachweisbar gestärkt» werden. Insgesamt soll die Schweiz von der Weltöffentlichkeit als «Vorreiterin der nachhaltigen Entwicklung und als gastfreundliches Land» wahrgenommen werden. Mit der NIV-Charta betritt die Schweiz laut dem Bündner Regierungspräsidenten Hansjörg Trachsel Neuland.

Vorerst nur auf dem Papier
Trotz dem Bemühen um Verbindlichkeit sehen sich die Olympiapromotoren mit der Tücke konfrontiert, dass sie neun Jahre vor der allfälligen Durchführung der Winterspiele naturgemäss wenig Konkretes präsentieren können. Insbesondere können sie nicht belegen, dass die in der NIV-Charta postulierten Ziele tatsächlich umgesetzt werden. Dies räumt auch Jürg Stettler ein: «Die Charta allein wird es nicht richten.»

Darauf zielt denn auch die Kritik der Olympiagegner. Die Bündner SP spricht von einem «Papiertiger», von «Schönfärberei» und «frommen Wünschen». Sollte indes die Bündner Bevölkerung Ja sagen zur Kandidatur, garantiert die NIV-Charta, dass auch bisherige Olympiagegner in die Begleitgruppe kritischer Geister sowie in ein noch zu gründendes externes Kontrollorgan aufgenommen werden. Diesem bliebe es dann vorbehalten, dem IOK allenfalls auch eine Ablehnung der Bündner Olympiakandidatur zu empfehlen.