Es ist wie im Falle des nackten Kaisers, dessen
"schöne Kleider" all jene beklatschen, die entweder den Kontakt mit
der Realität oder den Mut zur Umsetzung des Wahrgenommenen verloren
haben. Die FATF/GAFI, welche uns hier beschäftigt (www.solami.com/FATF.htm
¦ .../oecdmandate.htm),
ist inzwischen weit über ihren ursprünglichen Wirkungskreis im
Fiskalbereich hinausgewachsen, und zwar ohne demokratische Rechtfertigung,
ohne nachhaltige Vorteile, und jedenfalls zum Nachteil der produktiven
Kräfte unserer Wirtschaft und Gesellschaft. Wie schon deren Homepage
erkennen lässt, ist die FATF zwar als
Taskforce im Dunstkreis
der OECD angesiedelt, verfügt tatsächlich aber über keinerlei
Rechtsgrundlagen. Als solche ist die FATF eine entsprechend zu
handhabende
wildgewachsene Ausgeburt des überhandnehmenden bürokratischen
Gesetzgebers.
Als
Weltverbesserer sind uns die ursprünglich auf einen kurzen
Zeitraum zugemuteten Moralprediger und Welt-Fiskalpolizisten
aus dem Pariser OECD-Hauptquartier von Anfang an als systemwidrig
aufgefallen. Dies dürfte nicht zuletzt darauf zurückzuführen
sein, dass es 1971 dem wesentlich kaum überwachten Fiskalkommittee
dieser Industriestaaten-Organisation gelang, sich ein Mandat zuzuschanzen,
welches seine eigene Position anhob, im übrigen aber selbst für
die Mitgliedländer sich als höchst schadenträchtig erwies,
und zudem nie mit den OECD-Statuten zu vereinbaren war.
Zum Schaden der Wirtschaft insgesamt ist seither nämlich ein Gebot
in Kraft, welches nicht nur den Steuerbetrug und die Steuerhinterziehung
betrifft, sondern sogar das Kernstück der Marktwirtschaft,
nämlich die Steuervermeidung, in Misskredit brachte und sogar
deren Bekämpfung vorschrieb. Wen wundert's, dass im selben Geist in
allen einschlägigen OECD-Schriften seither eine Falschübersetzung
dieser drei Schlüsselbegriffe gepflegt wird. Konkret:
"tax avoidance
and evasion" wird seither in- und ausserhalb der OECD systematisch
mit "évasion et fraude fiscale" übersetzt. Es bleibt
dahingestellt, ob die damit verbundene allgemeine und spezielle Verwirrung
im ohnehin schon komplizierten Steuerrecht Absicht oder Zufall ist.
All das fand in den Achtzigerjahren universell abgelehnten Ausdruck in
der
INTERFIPOL, der OECD-Amtshilfekonvention in Steuersachen
(.../Orwell.htm). Und das
führte wenige Monate später zu der uns heute erstmals etwas intensiver
beschäftigenden FATF. Wie die Erfahrung lehrt eignet sich dieses vom
OECD-Glanz ungehörig profitierende Beamtengremium in hervorragender
Weise um schwache, nicht oder zuwenig gefügige fremde Geheimnisträger
wirksam unter Druck zu setzen. Dabei gehören Schweizer Banken und
Finanztreuhänder zu den bevorzugten Druckvehikeln. Derselbe
Nährboden führte übrigens auch zu den überflüssigen,
jedoch realen Schaden stiftenden OECD-Projekten bezüglich des sogenannten
"schädlichen
Steuerwettbewerbs". Doch jenes ist ein hier nicht weiter zu behandelndes
aktuelles Thema.
Was uns sodann schon vor Jahren missfiel - und einige von uns auf die Barrikaden
brachte - ist inzwischen auch andern Beobachtern immer mehr und immer unbekömmlicher
aufgestossen. Dazu gehören nicht zuletzt die ungehörig anmassenden
Schandpfahl-Listen von souveränen Staaten, welche gewissen bürokratischen
Wertvorstellungen, Normen und fremden politischen Agendas widersprechen
mögen. Diese Listen entstammen allsesamt OECD-Gremien, welche selbst
mangelhafte und dringend korrektionsbedürfte Aufträge verfolgen.
Oder aber es handelt sich um Arbeiten von OECD-Untergruppen, welche entsprechend
selbstherrlich sich selbst zudienen konnten und können, und welche
dabei effektiv von niemandem kontrolliert oder zurückgebunden werden.
Dazu gehört die FATF, welche damit weniger denn je in die Landschaft
völkerrechtlich bindender Abkommen passt. Und welche im übrigen
kaum zu vereinbaren ist mit unseren Vorstellungen über demokratisch
kontrollierte bürger- und wirtschaftsfreundliche Institutionen.
Dementsprechend sind Korrekturbemühungen dringend geboten.
Mit seinem "Marschhalt" und seinen an der Bankiertagung 2006 vorgetragenen
Leitplanken
hat der Bundesrat die Voraussetzungen dafür geschaffen. Den Trägern
des Finanzplatzes Schweiz obliegt es nun, diese Signale in- & ausserhalb
des Parlaments und im
Ausland umzusetzen. Es gilt, kritische Massen für die überfälligen
OECD-Reformen
herbeizuführen. Dazu gehört die Ersetzung der FATF durch Selbstüberwachungsgremien.
Zur Vertretung unserer Interessen genügt ein kompetenter Botschafter
bei der OECD; unser Botschafter bei der FATF ist durch einen Beobachter
zu ersetzen. Und die FATF ist auch durch keinerlei offizielle Stellungnahmen
aufzuwerten. Bedenkenswert ist auch der bereits von etlichen Kongressabgeordneten
mitgetragene Vorschlag auf Suspendierung
der amerikanischen OECD-Beitragszahlungen. Es darf jedenfalls kein
Zweifel mehr darüber bestehen, dass wildgewachsene Bürokratien
nicht zu nähren und auch nicht durch Nichtstun zu stärken sind.
Diese sind im Gegenteil schnellstmöglich in Einklang mit den Interessen
unserer Bürger und Wirtschaft zu bringen. Wobei, wie Bundesrat
Merz betonte, dem Bürger jene
Stellung gegenüber dem Staat zurückzugeben ist, "die eigenverantwortliches
Handeln ermöglicht."
From
Hijacked Anti-Terrorism Laws to Promoting Individual Responsibility,
Cambridge Symposium (8 Sep 06); Bad
advisers,
Washington Times, Richard W. Rahn (13 Nov 2005); FATF:
OECD
mission creep & Piper of Hamelin bureaucratic lawmaking (7 Nov
2005); The lost trail
- Efforts to combat the financing of terrorism are costly and ineffective,
Economist (28 Oct 05); Personne
ne sait vraiment si le système anti-blanchiment fonctionne correctement
(25 oct 05); Anti-money laundering
rules under scrutiny (15 Oct 05); 3ème
rapport FATF sur la Suisse (14 oct 05); Die
Schweiz im Geldwäscherei-Examen (13. Okt 05); Postulat
Stähelin 05.3456: Kosten,
Nutzen und Erfolg der FATF-Empfehlungen (17.Juni 05; Zusatzeingaben,
oben adaptiert wiedergegeben); Postulat
Stähelin 05.3175: Umsetzung
der FATF-Empfehlungen in anderen Ländern (17.März 05; Debatte);
War
on Economic Crime: Qualitative Cost-Benefit Considerations (10 sep
04); Waking Up to the
OECD (30 June 97)