Hugo Blümner, Technologisches (Schwefel, Alaun und Asphalt im Alterthum), in Festschrift zur 39.Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner, Universität Zürich, Zürcher & Furrer, 1887, S.23-39

Technologisches

(Schwefel, Alaun und Asphalt im Alterthum)
Von Prof. Dr. Hugo Blümner.

In meinem nunmehr zum Abschlüsse gebrachten Werke über die Technologie der Gewerbe
und Künste bei Griechen und Römern haben verschiedene in das Gebiet der Technologie
einschlagende Gegenstände nur eine beiläufige Behandlung finden können. Es gilt dies
namentlich von einer Anzahl mineralischer Stoffe, welche in gewissen Erwerbszweigen eine
mehr oder minder bedeutsame Anwendung finden und in diesem Zusammenhange in meinem
genannten Buche auch erwähnt worden sind, welche aber auch an sich sowohl in Bezug auf
ihre natürliche Beschaffenheit und ihr geographisches Vorkommen als hinsichtlich ihrer Ge-
winnung, Darstellung und Benutzung eine zusammenfassende Behandlung verdienen. Einige
von diesen Stoffen, zu denen u. a. auch Salz, Soda u. dgl. gehören, will ich hier im Zu-
sammenhange besprechen, nämlich Schwefel, Alaun und Asphalt, und zwar gerade diese drei
mitsammen, weil sie auch von den Alten als verwandte Stoffe betrachtet und demgemäss häufig
miteinander verbunden genannt werden.')

Unter diesen drei Stoffen ist derjenige, welchen die Griechen zuerst kennen gelernt
haben, jedenfalls der Schwefel. Bereits dem homerischen Zeitalter ist er wohlbekannt; in
den homerischen Epen wird sowohl seine praktische Anwendung erwähnt, als auch mohrfach
bei P>wähnung von Blitzerscheinungen der bezeichnende, den Blitz begleitende Schwefelgeruch
hervorgehoben (welcher freilich nicht von Schwefel, sondern von Ozon herstammt).^) Mit letz-
terer, auch später noch häufig von den Schriftstellern bemerkten Eigenthümlichkeit*) brachten
die Griechen den Namen, welchen bei ihnen der Schwefel führte, nämlich &slov, in Verbindung,
wenn auch sicher irrthümlich*); denn der eigentliche Ursprung des Namens ist eben so dunkel,
wie der des lateinischen tmlfiir, sulphur oder siilpur''). Die frühe Kcnntniss und Verwendung
des Schwefels im Alterthum wird sicherlich dem Umstände verdankt, dass er an sehr vielen
Stellen der alten Welt") in gediegenem Zustande vorkommt'). Die Hauptstätten der Schwefel-
gewinnung waren im Alterthum die Inseln Melos und Nisyros, die liparischen (oder aeolischen)
Inseln, Neapel mit Umgegend und die leukogaeischen Hügel bei Capua; an letzterem
Platze wurde der Schwefel auf bergmännische Art durch Minen gewonnen und durch Eeuer dar-
gestellt'). »Man unterscheidet nun heutzutage zwischen gediegenem und nicht gediegenem
Schwefel und versteht unter erstercm solchen, der in der Natur chemisch rein vorkommt
(gleichviel ob er direkt benutzbar oder ob er mit anderm Gestein, als Mergel, Gyps etc.
verbunden ist und erst durch Ausschmelzen gewonnen werden kann), wälu-end der nicht ge-
 
 

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diegenc in chemischen Verbindungen cntlialten ist. Die Gewinnung solches nicht gediegenen
Schwefels, die heut möglich ist, aber nur selten angewandt wird, war den Alten sicherlich
unbekannt, da ihnen die hierzu nothwcndigen Apparate fehlten'); hingegen bedienten sie sich
des gediegenen Schwefels, jedoch anscheinend häufiger des im reinen Zustande gefundenen,
als des erst durch Ausschmelzen gewonnenen, welcher heutzutage die Hauptmasse des im
Handel befindlichen Schwefels ausmacht.«*) Jener, welcher also rein, nicht mit anderm Gestein
verbunden ist und in diesem Zustande bisweilen in kleinen Krystallen vorkommt, heisst bei
den Griechen, weil er nicht erst durch Feuerschmelzung aus schwefelhaltigem Gestein gewonnen
werden muss, &siov änvQOv^), bei den Römern sidpur vivum^'*); er wird richtig als von glän-
zend grüner Farbe, durchscheinend, ohne steinige Beimengung, beschrieben"). Von den andern,
durch Feuerbearbeitung gewonnenen Arten {nsnvQafiivov &siov) giebt Plinius drei Gattungen an,
welche er glaeba, egula und canta (d. i. xavtri) nennt, von denen er aber nur die technische Ver-
wendung berührt, ohne über ihre Beschaffenheit näheres mitzutheilen. Freilich sagt er im all-
gemeinen von den dem sulpur viviim gegenüber gestellten Gattungen, sie beständen aus einer
Flüssigkeit und würden durch Einkochen mit Oel gewonnen '^) ; darnach müsste man annehmen,
dass Plinius unter diesen andern Sorten concentrirte Schwefellösungen in Oel versteht, allein
Lenz hält die ganze Bemerkung für eingeschoben oder doch au einen andern Platz gehörig, weil
Plinius die eine dieser Sorten als zum Bleichen der Wolle dienend bezeichnet, hiefür aber nur
reiner Schwefel, kein in Oel gekochter, dienen könne '^). Da wir sonst nirgends über die
Arbeit in den Schwefelgruben {sulfurariae) ") etwas erfahren, so muss es dahingestellt bleiben
in welcher Weise die Alten den Schwefel aus mineralogischen Verbindungen gewonnen haben.
Was nun die Verwendung des Schwefels anlangt, so ist wohl die älteste diejenige,
welche uns in der Litteratur zuerst entgegentritt, nämlich zu Räucherungen in religiöser
Tendenz. Die Veranlassung zu dieser Benutzung hat neben der leichten Brennbarkeit des
Schwefels und der Verwandtschaft, welche der Blitz in Lichterscheinung und Geruch mit dem
Schwefel hat"*), vornehmlich die Beobachtung gegeben, dass die Schwefelräucherungen in
hohem Grade dcsinficirend wirken. So hat denn in der Odyssee, wenn Odysseus sein Haus
nach dem Freiermord mit Schwefel durchräuchert (d'Eioca), dies theils den Zweck, durch die
scharfen Schwefeldämpfe eine gründliche Desinfection des Hauses zu bewirken, theils soll
der Schwefel als xaxäv «xog das durch Blutvergiessen betleckte Haus wieder entsühnen'*).
Dieser Gebrauch wird auch in der spätem Zeit häufig erwähnt"); ausser Schwefel gehörte
dazu noch die brennende Fackel, mit welcher man den in einem Gefässe befindlichen Schwefel
anzündete'*); und wie bei andern heiligen oder abergläubischen Ceremonien war auch hier
eine drehnalige Wiederholung der Räucherung üblich '*). Wie das Haus, so wurden auch Vieh-
ställc, Gefiügelkäfige u. dgl. mit Schwefel durchräuchert-"), und man beschränkte diese Lustration
nicht bloss auf Baulichkeiten, sondern übertrug sie auch auf einzelne Geräte des Hauses, z. B.
Betten, oder direkt auf lebende Personen selbst, wie denn auch Gefässe, welche zur Libation
 
 

*) Die in Anführungszeichen gesetzten Stellen verdanke ich der schon so oft bewährten Freundlichkeit des
Hrn. Prof. Dr. Georg Lunge, der mir auch in dieser Abhandlung seinen sachkundigen Beirath nicht versagt hat.
 
 

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dienen sollten, bevor man sie in Wasser wusch, mit Schwefel gereinigt wurden^')- Bei dieser
hohen Bedeutung, welche man dem Schwefel als Lustrationsmittel beilegte, ist es denn sehr
begreiflich, dass derselbe auch bei Zauberhandlungen, Beschwörungen u. dgl. eine Rolle
spielte. ^'')

Ebenfalls auf der desinficirenden Kraft des Schwefels beruhte es, wenn man bereits im
Alterthum, wie heut noch, durch Anzünden von Schwefel (um durch die schweflige Säure die
verunreinigenden Pilze zu tödten) die Weinfässer reinigte^*); und eben damit hängt es auch zu-
sammen, wenn der Schwefel in der Landwirthschaft, sowohl beim Weinbau als bei der Baum-
kultur, zur Verhütung und Ausrottung des Ungeziefers Anwendung fand^*). Diese reinigende
Wirkung des Schwefels gegenüber parasitischen Organismen hatte auch seine sehr ausgedehnte
Benutzung zu medicinischen Zwecken zur Folge, bei Krankheiten von Menschen ^^) und Vieh ^'),
namentlich in Form von Pflastern (emiüastra malagmata), oder sonst äusserlich^'), wobei man
sich nur des reinen sidinir vivuin bediente^*). In technologischer Hinsicht sind vornehmlich
folgende Anwendungen zu verzeichnen:

Die leichte Brennbarkeit des Schwefels war Veranlassung, sich seiner sowohl beim
Feueranzünden als beim Beleuchtungsmaterial zu bedienen. Beim Erzeugen von Feuer aus
Steinen, welche man aneinander schlug und von deren dadurch hervorgerufenen Funken man
dürres Holz oder dergl. sich entzünden Hess, bestrich man die Steine mit Schwefel: ein uns
etwas seltsam erscheinendes Verfahren, welches aber durchaus sicher bezeugt ist und seinen
Erfolg gewiss auch nicht verfehlt hat^'). Erfolgreicher war jedenfalls die Anwendung des
Schwefels, wenn man ihn beim Feuerschlagen an Stein und Eisen oder bei hölzernen Reib-
feuerzeugen als Zündstoft' verwandte ^"j. Daher benutzte man Schwefel bei der Anfertigung von
Lampendochten, jedenfalls damit dieselben beim Anbrennen der Lampen sich schneller ent-
zündeten"), und umwickelte Fackeln oder zum Brennen bestimmte Kienspäne mit Schwefel-
fäden, welche nebst Werg und Pech zu den wichtigsten Materialien bei der Herstellung von
Fackeln gehörten^''); Händler mit solchen Schwefelfäden (mlpurata) gingen (wie heut noch
in schweizerischen und deutschen Dörfern) in Rom hausirend in den Strassen herum und
tauschten dagegen zerbrochene Glasgefässe ein '"), welche sie vermittelst Schwefelkittes wieder
flickten und vermuthlich um ein Billiges weiterverkauften. Die kittende Kraft des Schwefels^*)
wurde nämlich gern zum Glaskitten benutzt, und diese Anwendung wird bei den römischen
Schriftstellern oft erwähnt'^).

Sehr bekannt ist die Benutzung des Schwefels zum Bleichen wollener Tücher; es gehörte
diese Arbeit zu den verschiedenen Thätigkeiten des Walkers""), welcher sich dabei eines aus
Weiden geflochtenen Gestelles bediente, über welches die angefeuchteten Tücher gebreitet und
unter dem der Schwefel angezündet wurde"); da aber die Schwefeldämpfe unechte Farben
verschwinden lassen, so war dies Verfahren nur bei weissen Stoff'en oder bei echt gefärbten
anwendbar*'). — In der Metallarbeit gehrauchte man den Schwefel zur Herstellung einer in
der ägyptischen Technik angewandten Mischung aus Silber, Kupfer und Schwefel, welche höchst
wahrscheinlich zur Ausfüllung vertiefter Zeichnungen auf Silbergrund nach Art derjenigen
Arbeiten, welche man heut Niello nennt, diente"®). Bei massivem Goldschmuck wurde Schwefel
 

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zum Ausgiessen der Höhlungen verwendet, wozu er sich seiner Leichtigkeit wegen vortrefflich
eignete '"').

Erwähnung verdienen hierbei auch die Schwefelquellen, von denen bei den Alten
häufig die Rede ist. Von hervorragendster Bedeutung waren die heissen Schwefelquellen'*'),
deren medicinische Wirksamkeit namentlich bei rheumatischen Leiden bereits den Alten bekannt
war*''). Als besonders namhaft sind zu bezeichnen die Schwefelquellen von Bajae und Um-
gegend (Averner See und Cumae)*'), ferner die schwefelhaltigen Quellen in der Nähe von Tibur
(aqiiae Alhulae)**) und im Gebiet von Ardea*'^), sowie der umbrische, mit dem Tiber sich ver-
einigende Fluss Nar*"). Wenn die Eigenschaft dieser Wässer, Versteineiningen anzusetzen,
gelegentlich erwähnt wird*'), so hängt dies mit dem Schwefelgehalt nicht zusammen, da dieselbe
noch weit öfter bei nicht schwefelhaltigen Quellen vorkommt.
 
 

Dass den Alten der Alaun bekannt gewesen sei, ist keineswegs ausser allem Zweifel.
Der gelehrte und um die Technologie auch des Alterthums hochverdiente Beckmann hat in einer
ausführlichen Abhandlung*') darzulegen gesucht, dass die Alten unsern Alaun nicht kannten, und
dass dasjenige, was die Griechen axvnrrjQia, die Römer alumen nannten, Vitriol gewesen sei, und
nicht einmal reiner Vitriol, sondern ein solcher, welcher sich selbst in Gruben bildet, oft auch
weiter nichts, als eine vitriolische Erde. Beckmann gründet seine Behauptung theils darauf,
dass Alaun und Vitriol salzige Substanzen sind, welche die grösste Verwandtschaft tmter einander
haben, beide von stark zusammenziehender Kraft sind und nicht selten auch zusammen an einerlei
Orten gefunden werden, theils darauf, dass Griechen und Römer von keinem andern als natürlichen
Alaun reden, wogegen unser Alaun fast niemals gediegen vorkommt. Um uns in dieser Frage
entscheiden zu können, müssen wir zusammenstellen, was wir aus den Nachrichten der Alten
über den ßxvmriQia oder alumen genannten Stoff entnehmen können.

Als Fundort wird vornehmlich Aegypten bezeichnet, dessen Bergwerke fast jegliche Gattung
des Stoffes lieferten*'); von andern Orten werden namentlich erwähnt: die liparischen Inseln
(zumal Lipara und Strongyle) ^'') ; Melos, dessen Produkt an Güte dem ägyptischen beinahe
gleich kam*'), Makedonien, Sardinien, Hierapolis in Phrygien, Libyen, Armenien,
Pontus, Spanien, Kypern u. s. ^^). Eine genaue Beschreibung der Gewinnung oder der
Arten des Vorkommens finden wir bei keinem alten Schriftsteller; Plinius sagt sehr allgemein,
es sei ein Erdsalz, salsugo terrae, und entstehe aus Wasser und Schlamm, aus einem gewisser-
massen von der Erde ausgeschwitzten Stoffe; man sammle ihn im Winter und lasse ihn durch
die Sonne zur Reife gelangen**). »In dieser Angabe dürfen wir wohl die Thatsache finden,
dass man damals Alaun oder Vitriol in ähnlicher Weise gewann, wie Kochsalz, Soda u. dgl.,
d. h. durch Ausschwitzen der betr. Salzlösungen aus dem Erdboden, aus denen dann durch
die Sonnenwärme das Wasser verdunstete und die Salze zum Auskrystallisiren kamen.«''*) Nun
werden bei den Alten vornehmlich drei Arten ihres Alauns unterschieden: fasriger, runder und
 

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feiuihter '*''). Die OtvmijQin öj;törr} '*"), aliinien scistiile oder scissum^''), wird als die beste be-
zeichnet, und als die vorzüglichste Sorte davon diejenige beschrieben, welche sehr weiss, ohne
Steine, von starkem Geruch (der aber nur von ganz zufälligen Verunreinigungen herstammen
konnte) und sehr adstringirend ist"^"); sie komme namentlich auch in Form von Fäden oder
grauen Haaren vor und könne von ähnlichen Steinen am besten durch den Geschmack unter-
scliieden werden, welcher letzteren fehlt ^'). Dazu bemerkt dann noch Plinius, es werde diese
Art aus einem Stein, chalcitis, bereitet, aus welchem man auch Kupfer gewinne: sie sei ge-
wissennassen eine Ausschwitzung dieses Gesteins, welche zu Schaum verdichtet sei, und man
koche sie in Tiegeln, bis sie aufhöre, flüssig zu sein*"). Diese clialcitis ist nach der Meinung
von Lenz ein Alaunstein, welchen man wegen seiner vielen Eisenkrystalle und deren Messing-
farbe chalcitis genannt habe; dagegen glaubt Beckmann, dass das alnmen scissile identisch sei
mit dem sog. Halotrichon (Haarsalz), welches von vitriolischen Grubenwässern in vielen langen,
weissen, glänzenden, gleichlaufenden Fäden abgesetzt wird, die zuweilen feste Haufen bilden,
welche sich jedoch leicht wieder in Fäden zertheilen lassen. Dieses Haarsalz ist nun aller-
dings kein Alaun, sondern schwefelsaure Thonerde oder auch ein Gemisch von Sulfaten, wobei
auch wirklicher Alaun vorkommen kann, aber nur ausnahmsweise. Da nun Tournefort diesen
Stoff, welcher der Beschreibung des alumen scissile der Alten entspricht, auf Melos vorgefunden
hat"'), so schliesst Beckmann daraus, dass diese Art des Alauns der Alten kein wirklicher
Alaun gewesen sei, und wir werden ihm darin recht geben müssen, zumal wenn wir die Be-
merkung des Plinius über Bereitung des alumen aus der chalcitis damit zusammenhalten.
»Da nach Plinius aus diesem Erz auch Kupfer gewonnen wurde *^), so werden wir es in diesem
Falle nicht für Galmei, das sonst auch so bezeichnet wird, sondern für ein Kupferkies ent-
haltendes Gestein halten müssen, wobei gleichzeitiges Vorkommen von Eisenkies und Thon nicht
nur möglich, sondern sogar höchst wahrscheinlich ist. Durch Verwitterung und noch schneller
durch Rüstung {coquere bei Plin.)"') solcher Gemenge entsteht regelmässig sowohl Eisenvitriol
als auch schwefelsaure Thonerde, welch letztere öfters als Haarsalz in der oben beschriebenen
Form auskrystallisirt. Da nun die weisse Farbe des alumen scissile den Eisenvitriol aus-
schliesst, so kann man nur an schwefelsaure Thonerde denken, womit auch die andern
Angaben stimmen. Wirklicher Alaun (das Doppelsalz von schwefelsaurer Thonerde und schwefel-
saurem Kali) ist kaum anzunehmen, weil die Beschreibung der Krystalle dazu nicht stinmit;
es müsste denn auch wirklicher Alaunstein vorhanden gewesen sein, der freilich auf Melos
vorkommt, auch das nöthige Kali enthält und wirklichen Alaun liefern konnte, aber nicht in
der Form des Haarsalzes. Dagegen kommt nicht kalihaltiger Alaunschiefer, aus dem Haar-
salz entstehen kann, auch anderwärts häufig vor.«

Die zweite Gattung ist der runde Alaun, OTvnrijQia OtQoyyvh], alumen rotundum **) ; der-
selbe ist nach Dioskorides von Natur rund, mit Blasen, ziemlich weiss, fettig, ohne Steine,
leicht zerreiblich und muss unterschieden werden von einem künstlichen Fabrikat, bei welchem
die rundliche Form durch Handarbeit hervorgebracht ist*''). Plinius unterscheidet beim runden
Alaun zwei Arten: eine schlechte, welche schwammig ist und durch Feuchtigkeit sich leicht
auflösen lässt, und eine bessere, von bimsteinartigem Aeussern, durch röhreuförmigc Oeffnungen
 

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schwaminähnlich, von Natur rund, dem Weiss sich nähernd, fett, ohne sandige Beimengung»
leicht zerreiblich und nicht schwarz färbend; derselbe werde für sich allein auf reinen Kohlen
geröstet, bis er zu Asche werde®*). Beckmann will hierin vitriolischen Stalaktit sehen; Sprengel"')
ninmit an, dass damit sog. Bergbutter gemeint sei, d. h. oinc Salzausblähung auf schwefel-
kieshaltigen Schiefern und daher ein bestimmtes Gemenge schwefelsaurer Salze, während Lenz
an Alaunkrystalle denkt, welche sich durch Erhitzung in Pulver verwandeln. Hier ist aber
Sprengel im Recht. »Die Mehrzahl der salzigen Substanzen, an die man hier denken könnte,
zerfällt beim Erhitzen durch Verlust des Kvystallwassers zu Pulver, und es ist gar nicht ab-
zusehen, warum diese Gemenge gerade wesentlich aus dem äusserst selten in Ausschwitzungon
auftretenden wirklichen Alaun bestehen sollten. Es werden wohl Gemenge von verschiedenen
Sulfaten gewesen sein, darunter auch Aluminium- und Ferrosulfat, welche den styptischen Ge-
schmack geben.« Beide Gattungen, das fasrige wie das runde alumen, werden auch zu-
sammengenommen gegenüber dem flüssigen als alumen spissum oder concretum oder aridwm
bezeichnet®').

Die flüssige Art, ßrvnTrjQia i5ypa "*), alumen liquidtim, ist nach Dioskorides am besten, wenn
sie durchscheinend, milchweiss, gleichmässig, nicht steinig, feurig isf"); ausführlicher bemerkt
Plinius, welcher die entsprechende Beschreibung giebt, man nenne diese Art phorimon und
mache die Probe auf Echtheit vermittelst des Saftes von (punischen) Granatäpfeln, weil der
echte Alaun damit vermischt schwarz werde. Allein »diese Probe kann nicht gut auf wirk-
lichen Alaun gehen, ausser wenn dieser ziemlich eisenhaltig ist.« Eine zweite Gattung des
flüssigen Alauns, paraphoron genannt, sei blass und rauh und werde durch Galläpfel gefärbt").
Nun wird reiner Alaun, wie der aus Alaunstein bereitete, heut »römischer Alaun« genannte,
durch Galläpfel nicht gefärbt, wohl aber, wenn er Eisen vitriol-Bestandtheile enthält; und es ist
nach dem bisher Gesagten hinlänglich gewiss, dass unter denjenigen Stoffen, welche die Alten
zum Alaun rechneten, sich auch manche befanden, welche unrein und mit fremden Bestand-
theilen gemengt waren. Damit ist freilich die Beschaffenheit dieses flüssigen Alauns noch
lange nicht im Klaren. Beckmann wollte darin, trotz des Namens, nicht eine Flüssigkeit,
etwa ein vitriolisches Grubenwasser, sondern ein angeschossenes trockenes Salz sehen;
Sprengel nimmt an, dass in alaunhaltigen Gegenden durch Aufnahme des Alauns im stagnirenden
Wasser flüssiger Alaun entstanden sei, scheint aber dabei alaunhaltiges Wasser, dessen bei
den Alten häufig gedacht wird"), mit dem sog. flüssigen Alaun zu verwechseln: denn darin
hat Beckmann wohl recht, dass dieser Stoff trotz des Beinamens nicht als wirkliche Flüssig-
keit, sondern eher als eine schlüpfrige Substanz zu betrachten ist. Sonst aber wird man wohl
über die Beschaffenheit dieses flüssigen Alauns eben so wenig in's Klare kommen, wie über den
von Plinius an erster Stelle genannten ky prischen Alaun, welcher nach ihm in zwei Farben,
weiss und schwärzlich vorkam'*); es ist wohl möglich, dass dieser sog. schwarze Alaun nichts
als Eisenvitriol war. Es ist sehr zu bedauern, dass die Schrift des Theophrast, in welcher
er eigens über die tirvntrjQia gehandelt hatte"), verloren ist; wir würden sonst höchst wahr-
scheinlich auf diese Fragen bestimmtere Antworten zu geben wissen. Im allgemeinen aber
ergiebt sich, dass kein sicherer Beweis dafür, dass die Alten wirklichen Alaun gekannt haben,
 

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vorliegt und imin daher den Alaun der Alten für andere, wenn auch in manchen Beziehungen
verwandte Stoffe halten inuss.

Was die Verwendung des Alauns anlangt, so ist an erster Stelle die ausgedehnte Be-
nutzung desselben für mcdicinische Zwecke anzuführen; sie war jedenfalls die älteste, wie
man aus dem Namen schliessen darf, der auf den sauern, zusammenziehenden Geschmack des
Minerals hinweist. Der Alaun wird denn auch als Heilmittel bei den alten Aerzten und Natur-
forschern von Hippokrates an sehr häufig erwähnt'-'). In technischer Hinsicht haben wir
folgende Verwendungen desselben anzuführen:

Eine sehr wichtige Anwendung fand der Alaun bei der Färberei. Der Alaun diente dabei
freilich nicht als Färbemittel, wohl aber war er bisweilen zur Entwicklung der Farbe noth-
wendig und trug zur Verschönerung und Dauerhaftmachung der Farben bei; nach Plinius
kam der weisse Alaun bei hellen Stoffen, der schwärzliche bei braunen oder dunkeln Stoffen
zur Anwendung''). Die hicfür benützte Sorte hiess denn auch speciell alnmen infectorhim'''').
»Alaun ist auch heut noch eine der allerwichtigsten und unentbehrlichsten Beizen, besonders
für Wollfärberei; hierzu braucht es aber nicht wirklichen Alaun, die schwefelsaure Thonerde
oder , Haarsalz' (die örvnvrjQia c%iaxii der Alten) thut es auch.« Nicht minder wichtig ist die
Rolle, die er in der Gerberei spielte"); es darf als sicher gelten, dass dasjenige weiche Leder,
welches den Namen aluta führte, so benannt war wegen des dabei benutzten Alauns, und dass
damit alaungares oder weissgegerbtes Leder gemeint ist'"). — Weiterhin wurde dann Alaun
verwendet zur Iinprägnirung des Holzes, weil so getränktes Holz schwerer Feuer fing.*"). —
Mannichfache Anwendung fand ferner der Alaun in der Metallarbeit. So gebrauchte man
schwarzen Alaun oder nach Strabo alaunhaltige Erde als Zuschlag bei der Goldläuterung oder
der Scheidung des Silbers vom Golde*'); i" tler That ist Alaunschiefer ein geeignetes Zu-
schlagsmittel beim Caementationsverfahren *^). Auch bei der Vergoldung von Erz durch Gold-
schaum (hmcleae) wurde Alaun benutzt, und zwar in Verbindung mit Bimstein und Quecksilber;
allein die bei Plinius gegebene Vorschrift ist so unklar und technisch unausführbar, dass
irgendwelche Irrthümer nothwendig mit unterlaufen müssen und man die von ihm angegebene
Benutzung des Alauns unmöglich recht verstehen kann'*). Ebenso wenig giebt er deutlich an,
was der Alaun beim Löthen von Kupferblech für eine Rolle zu spielen hat; höchst wahrschein-
lich muss mau dabei an ein Mittel zur Luftabschliessung bei den zu löthcnden Stelion denken,
oder der Alaun konnte dabei auch das die Löthung verhindernde oberflächliche Oxyd auflösen*^).
Ferner diente Alaun zum Anstreichen von Eisenwaaren, welche dadurch ein bronze-ähnliches
Ansehen bekamen*^). Als Zuschlag diente Alaun zugleich mit Salz oder Soda bei der künst-
lichen Bereitung derjenigen Grünspansorte, welche exwAr/| genannt wurde'*), so wie bei der
Fabrikation des von den Malern benutzten Kupfergrünes, der jjpuöoxöAA«*'). — Endlich mag
noch angeführt werden, dass Alaun auch bei der Bereitung des Weines Anwendung fand, indem
er dem Weine beigesetzt denselben dauerhafter machte und seine Schärfe milderte**).
 

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sehr alt, namentlich im Orient ist die Kcnntniss des Asphalts (Eni- oder Judenpech),
aöfpaltog, bitumen^^) genannt, das an zahlreichen Stellen der alten Welt sich ündct und je
nach seiner Beschaffenheit als fester oder flüssiger Asphalt unterschieden wird^"). Weitaus
am berühmtesten unter allen Arten war der Asphalt vom todten Meere. Das todte Meer
hatte bekanntlich im Alterthum von dem häufigen Vorkommen von Asphalt in demselben den
Namen Asphaltsee, «ög^KAurig Uuvt]^'), lacus asphaltites^^); genaue Beschreibungen des Sees
und der Asphaltgewinnung sind uns bei mehreren alten Schriftstellern erhalten ''). Der Asphalt
löst sich nämlich in grossen Massen vom Boden des Sees ab'*); diese schwarzen Klumpen,
bisweilen von ganz riesigen Dimensionen ''?'), werden beschrieben als grossen, kopflosen Stier-
leibern ähnlich, weshalb auch die Anwohner die grösseren Stücke Stiere, die kleineren Kälber
nannten"*). Das Heraufkommen des Erdpechs, welches angeblich zu bestimmten Zeiten des Jahres
erfolgen sollte"'), werde, heisst es, durch gewisse Anzeichen schon einige Zeit vorher erkannt;
es verbreite sich nämlich rings um den See auf viele Stadien hin ein sehr scharfer, von der
Luftströmung fortgetragener Geruch, und alles in der Nähe befindliche Geräth von Gold, Silber
oder Erz verliere seine Farbe; auf dies Anzeichen hin rüsten sich die Umwohnenden zur Ge-
winnung des werthvoUen Materials"").

Ueber die natürliche Beschaffenheit des Stoffes war man begreiflicherweise sehr wenig im
Klaren; verbreitet war die Meinung, es sei ein Erdstoft", welcher durch unterirdisches Feuer
aufgelöst und, in flüssigem Zustande in die Höhe getrieben, durch das kalte Wasser des Sees zum
Erstarren gebracht werde "") ; ja Tacitus bietet sogar die Angabe, der Asphalt schwimme noch
als flüssige Masse auf der Oberfläche und erstarre erst durch Besprengung mit Essig'"").
(»Es wäre dies nicht unmöglich, wenn man Asphalt mit heissen Quellen zusammen vorkommend
fände; das Besprengen mit Essig würde dann nur wie das mit kaltem Wasser wirken.«) Noch
wunderlicher freilich und schon von den alten Autoren nicht ohne Kopfschütteln mitgetheilt
ist das, was über die Art der Gewinnung erzählt wurde. Es giebt hierüber mehrere, einander
aber sehr ähnliche Versionen. Nach Diodor stellten die Bewohner von beiden Ufern, die
über die Gewinnung des Asphaltes oft in Fehde geriethen, aus Binsen leichte Flösse her,
die nicht mehr als drei Mann trugen, von denen zwei ruderten, der dritte aber, mit Bogen
und Pfeilen bewaffnet, die Anwohner des andern Ufers fern hielt oder, wenn sie einen Angriff
machten, abwehrte. Bei den schwimmenden Asphaltmassen angelangt, sprangen die Leute mit
Beilen vom Floss auf den Asphalt, hieben Stücke davon ab, die sie auf ihr Floss brachten, und
ruderten, wenn sie genug hatten, wieder zurück""). Etwas abweichend ist die Erzählung,
die Umwohner hätten von ihren Biusenflössen aus die auf dem Wasser schwimmenden Massen
mit den Händen ergriffen und sie zu sich auf das Schiff gezogen: hier aber setze sich die
klebrige Substanz gleich so fest an, dass sie durch kein schneidendes Werkzeug, weder aus
Stahl noch aus Erz, losgemacht werden könne. Dazu bedürfe es dann ganz besonderer Mittel:
abgesehen von gewissen Zauberformeln vornehmlich allerhand übelriechender Stoffe (wie denn
solche bekanntlich unter den Geheimmitteln der alten und der mittelalterlichen Technik von
jeher eine bedeutende Rolle gespielt haben), wie z. B. Urin'"^); ganz besonders aber schrieb
man dem Menstruationsblut der Frauen die Wirkung zu, den festklebenden Asphalt abzu-
 

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lösen und zerschneidbar zu machen '"'). Doch war man vielfach auch besser unterrichtet und
wusste, dass die schwimmenden Asphaltblöcke von den mit der Einsammlung Beschäftigten an's
Ufer getrieben und dort an's Land gezogen wurden; wenn sie dann durch die Sonnenwilnne
getrocknet waren, wurden sie durch Aexte und Keile wie Balken oder Steine in Stücke zer-
schlagen '"*).

Eine andere reiche Fundstätte des Asphalts war Babylonien, wo dasselbe in grossen
Mengen in zähflüssigem Zustande gewonnen und seit uralten Zeiten als Bindemittel bei
Bauten verwendet wurde'"'*). Nach Vitruv hätte sich daselbst ein umfangreicher Asphaltsee
befunden, auf welchem ebenso, wie auf dem todten Meere, Asphalt schwamm; und ähnliche
Seen waren bei Joppe in Syrien, sowie in Arabien, und zwar in der Nähe von Lagern
festen Erdpechs (bitumen (ijtrMm) "*"). Ein festes Harz kam auch in der Nähe von Sidon
vor'"^). Unter den Erdpechquellen, welche den Asphalt in flüssigem Zustande hervorbrachten,
waren ferner berühmt Zakynthos (wo heut noch Asphaltquellen sind) und die Umgegend
von Apollonia und Dyrrhachion '"*'). Das hier besonders bei einer in Brand befindlichen
Asphaltquclle an einer Stelle, welche den Namen Nymphaion führte '"''), gewonnene Erdpech
kam sowohl in flüssigem als in der Nähe in festem Zustande vor""); man bezeichnete jenes
zum Unterschiede von andern Sorten mit dem Namen ;riööa6qDaArog " '). Häufig genannt wird
auch der flüssige Asphalt von Akragas, welcher den Namen ÄxfAov tlaiov führte und mehr
eine Art Erdöl oder Naphtba gewesen zu sein scheint; er wird beschrieben als eine auf dem
Wasser von Quellen daselbst schwimmende Flüssigkeit, welche die Einwohner durch die Büschel
von Binsen vom Wasser abschöpften und sowohl zum Brennen als zu medicinischen Zwecken
verwandten"^). Ueberhaupt wurden flüssiger Asphalt und Naphtha sehr häufig identificirt, wie
sie ja auch in der That sehr nahe verwandt sind"'). Am bekanntesten war das Erdöl von
Babylon (wie denn Mesopotamien auch heute noch als Produktionsort von Erdöl bekannt
ist)"*); es gab davon zwei Arten, eine schwarze und eine weisse, doch wurde nur letztere
Sorte als eigentliches Naphtha, die schwarze dagegen als flüssiger Asphalt bezeichnet"'').
Auch in Susiana waren Naphthaquellen (bei Arderikka)""); und verwandter Art mögen die
ölhaltigen Quellen gewesen sein, welche in Kilikien in der Nähe von Soloi, in Indien, in
Aethiopien und bei Karthago vorkamen"'), wie denn überhaupt im allgemeinen bitumi-
nöse Gewässer häufig bei den alten Schriftstellern erwähnt werden"^).

Unter den verschiedenen Sorten des Erdpechs galt das vom todten Meere (nach welchem
der Asphalt auch heute noch bisweilen mit dem Namen »Judenpech« bezeichnet wird"'), für
das beste. Der Beschaffenheit nach unterscheidet Dioskorides zwei Arten: eine purpurfarben
glänzende von starkem Geruch und Gewicht, welche für die bessere galt, und eine schwarze,
schmutzige, welche von Dioskorides wenigstens für medicinische Zwecke verworfen wird, weil
sie durch Pech verfälscht wurde'""). Diejenigen Eigenschaften, welche am häufigsten als die
charakteristischen des Asphaltes hervorgehoben werden, sind sein intensiver Geruch'*'), seine
Klebrigkeit und leichte Brennbarkeit'*^).

Was die Anwendung des Erdpechs anlangt, so gehen zwei Arten derselben jedenfalls in
sehr hohes Altcrthunj zurück. Die eine ist die Benutzung des Asphalts zum Einbalsamiren; die
 

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Araber am schwarzen Meere sammelten den Asphalt vornehmlich eben deswegen, um ihn für
diesen Zweck nach Aegypten zu versenden, und sie hatten hierin eine lohnende Einnahme-
quelle'^*). Ebenso alt wohl war die allbekannte und bei den alten Schriftstellern sehr häufig
erwähnte Benutzung desselben als Bindemittel bei Bauwerken. Diese Anwendung ist uns frei-
lich nur aus Babylon bekannt, wo eben Asphalt in grossen Mengen vorkam; man baute hier
wesentlich aus gebrannten Ziegeln und gebrauchte dabei den Asphalt als Mörtel'^*), und der
auf solche Weise hergestellten Mauern von Babylon wird bei den Alten oft gedacht'^"). In-
dessen anderwärts war diese Benutzung des Asphalts allem Anschein nach ungebräuchlich;
und ebenso war das Dichtmachen von Schiffen durch Asphalt, an dessen Stelle man sonst Pech
oder Theer nahm'^*), und das Anstreichen des Holzwerkes in den Häusern, namentlich der
Thüren, mit Asphalt jedenfalls lokaP^'), da dadurch die Feuersgefahr zu gross wurde; man
pflegte daher anderwärts nur solches Holz, welches man schnell entzünden wollte, mit Asphalt
zu bestreichen'^'), namentlich Fackeln'^*). Flüssiger Asphalt oder Erdöl wurde in jenen
Gegenden, wo es vorkam, zum Brennen anstatt des gewöhnlichen Olivenöles benutzt"**); aber
auch dies war kein allgemeiner Gebrauch, und Export des Erdöles fand im Alterthum zu die-
sem Behufe jedenfalls nicht statt. Allgemeiner scheint es aber gewesen zu sein, Metallwaaren
mit Asphalt zu bestreichen, theils um ihnen eine dunklere Färbung zu geben, theils um sie
gegen äussere Einflüsse, Rost u. s. w. dauerhafter zu machen (wie man heute künstlichen Asphalt
[aus Steinkohlentheer] zu demselben Zwecke verwendet); so wurden Bronze- und Eisenwaaren,
namentlich die Köpfe von Eisennägeln, behandelt, ja Plinius berichtet sogar, dass man Bronze-
statuen mit Asphalt überzogen habe''"). In der Landwirthschaft bediente man sich, wie heute
des Theers, so des Asphalts beim Weinbau, indem man die Weinstöcke mit einer Mischung
von Asphalt und Schwefel zur Abwehr der Wickelraupe (convolviiliis) bestrich '*^). Auch im
sacralen Gebrauch fand der Asphalt, ähnlich wie der Schwefel, wenn auch viel vereinzelter,
Anwendung'*'); dagegen spielte er eine sehr wichtige Rolle und fand wohl seine ausgedehnteste
Verwendung im medicinischen Gebrauche für Menschen '**) und für Vieh '*^).
 
 

') Hippocr. de aere, loc. et aqua T. I, p. 534 K. : GKlriQa yciQ dväyxrj itvai r} f?rt oxo« 9fQiiä väuTä teriv
7] eiSrjQog yiyvsrat ^ j;«A)t6s rj agyiipog rj jjpuaös rj &Hov ^ eTvntrjQia rj aacpalrov ^ vItqov. Tim. Locr. p. 9f> C.
Vitr. II, 6, 1; ib. VIII, 2,8; ib. 3,1; ib. 3,5. Senec. quacst. nat. III, 20,2. Galen. Hippocr. epidcm. IV,
10 (T. X, 155 K.) u. s. Mitunter werden auch bloss zwei miteinander verbunden, so Arist. de anima II, 9 p.
421 B, 24: aetfctlzog xal «fi«; vgl. id. de sensu 5 p. 444 B, 33. Vitr. VIII, 7 (6), 12. v. met. XV, 350;
oder Qilov xoi azvTtrrjQia, wie Ps. Arist. mir. ausc. 127 p. 842 B, 22. — '') Hom. IL VIII, 135; XIV,
415. Od. XII, 417. Vgl. Buchholz, Homer. Real. I, 2, 291 fg. Der Blitz heisst daher bei römischen
Dichtern auch ganz direct „Schwefel", vgl. Lucan. Phars. VII, 160: aetherium siilfur. Pars. 2, 25:
sulpur sacrum. — ') Vgl. Virg. Aen. II, 698 mit Serv. ad h. 1. Plin. XXXV, 177. Daher heisst der Schwefel
bei Nonn. Dion. XXXVII, 63 Siößltjrov 9iitov; denn der Schwefel galt gewissermassen, wie der Blitz, als von
Zeus selbst auf die Erde herabgesandt, vgl. Planck, die Feuerzeuge der Griechen und Römer (Stuttg. 1884),
S. 9, Anm. — *) Plut. qu. conv. IV, 2, 3, p. 665 C: o9iv oTfiai xai rö &tiov tovoaue^cti rij ofioiörtjTt rijs öa/iijg,
r)v tk Tiaiöftfvct toTg «tQavvoTg acplijaiv IxTQißofiivrjv (wohl zu lesen iMtgißä/iiva) nvQmdrj xmi SQififiav. Eustath.
 

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ad Od. XXII, 481 p. 1935, 19: tö äl 9hov yivitai dnb to« 9(6g. Vgl. Et. inagn. p. 449, 22. Cartius,
Griecli. Etymol. ', S. 259 bringt es mit dem Stamm •8'« in der zweiten Bedeutunf,' desselben „rauchen" oder
„räucliern" in Verbindiing, indem er &ifiov von einem verlorengegangenen 9bfog ableitet. — ') Isid. Origg.
XVI, 1, 9 erklärt: sulphur vocatum, qiiod igne accenditur, nvg enim ignis est. — •) Vgl. Lucr. VI, 806: nonne
vides eliam terra quoque sulpur in ipsa gignier? Sc nee. qu. nat. V, 14, 4: illud vero manifestum est, magttam
esse sab terris vim sulphuris. — ') Betreffs des Vorkommens in vulkanischen Gegenden vgl. Ov. met. XV, 340:
nee quae s)dphnreis ardet fornacihus Aetna. — ') PI in. XXXV, 174: nascitur (?•iulpur) in insuUs Aeoliis inier
Siciliam et Italiam qua/i ardere diximus, sed nobilissimum in Meto insu/a. In Italia quoque invenitttr in Nea-
politano Campanoque agro, collibus qui voeantur Leucogaei. ibi e cuniculis efj'ossum perpcitur igni. Diosc. V,
123: yivvttzai öi Tiliiotov {&ilov) iv Mrjlio «oi Amü^ci. Den Schwefel von Melos und Nisyros erwähnt Poll.
VII, 99. — ») Vgl. Kopp, Gesch. d. Cliemie III, 301. — ») Plin. XXXV, 175: vivum, qtcod Graeci apyron
vocant nascitur solidum. Geis. V, 18, 13: sulphuris ignem non experti, quod änvQov vocatur. Geop. XII, 8, 1.
Galen, meth. med. VI, 2 (T. X, 393); de succed. T. XIX, p. 730 K. Eustath. 1. 1. p. 1935, 22. Hesych. v. 9ilov
5jri«eov. — '") Virg. Georg. III, 449. Ovid. rem. am. 260; Fast. IV, 739; Met. III, 374. Calpurn. ccl. 11, 65;
cf. ib. :,,18:viventia stdphura. Plin. XXII, 125; XXVI, 157; XX VIII, 180 sq. u. s. Vgl. Apul. met. IX, 24, p. 640:
vivax metallum. — ") Diosc. 1. 1.: 9iXov Sh ägiatov rjyrjtiov x6 anvQov xo! XafntvQi^ov rrj XQ°f, öXoiaß(p n ^aXctaaij. Juv. 2, 157: cuperent lustrari, si qua darentur
sulpura cum taedis. Luc. Philops. 12: 9ii(o xal SaSl >ici9ciyvleag zöv xönov. Dazu kommt als drittes bis-
weilen auch noch Wasser (Meerwasser wie bei Diphilus oder geweihtes) zur Bespritzung hinzu ; vgl. Ov. met.,
VII, 261: terque senem ftamma, ter aqua, ter sulphure lustrat; auch Meerzwiebel, Eier u.dgl. spielen neben dem
Scliwefcl eine Rolle, vgl. Ov. a. am. 11, 329.- et veniat, quae lustrat anus lectumque locumque, praeferat et tre-
mrda sulpur et ova manu. — '*) Ov. 1. 1. Prop. IV, 8, 86: terque meum tetigit sulphuris igne caput. Cal-
purn. ecl. 11, 65: (to') incendens vivo crepitantes sulphure lauros. Bei Tih. I, 5, 11 haben die IIss.: ipse-
que te circum lustravi sulphure puro; trotzdem möchte man, zumal auch v. 14 wieder ter folgt, mit den altern
Herausgebern ter circum schreiben oder, wie Hiller vermuthet, ter lecium. — '") Ov. Fast. IV, 739: caerulei
fiant vivo de sulphure fumi, tactaque fumaiiti sulphure batet Ovis. Colum. VIII, 5, 11: sulfure et bitumine
atque ardente taeda perlustrant (paleas gallinis substrata). — ^') Hom. II. XVI, 228: tö (Sinag) ^a z6z' i«
XtjXolo Xaßdv {iid9rjge 9eti) Plin. XXXVI, 138: (lapides) qui clavo vel allero lapide percussi scintillam
 

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edunt, qime excepta siilpure aut fimgis aridis vel foliis diclo eelerius praehet ignem. Rinsichtlich der leichten
Brennbarkeit des Schwefels vgl. auch Ov. rem. am. 731. Senec. qu. nat. I, 1, 8, und im allgemeinen Planck,
a. a. 0. 19. — '") PI in. XXXV, 175: caute ad ellyclinia maxime conficienda. — '?') Ov. met. III, 373: non
äliter quam cum suinmis circumlita taedis admotam rapiunt vivacia sulpura flammam. Id. her. 7, 25 : uror, ut
inducto ceratae sulpure taedae. Plut. Cicero 18: g/qpjy ds xal orvTinita Kai 9£tov iig rrjv Ki&i^yov (pigovrtg oUiav
änixQvij}av. Id. Otho 10; sv&ijmivcov Big tu nXola SäSa ^liov xai nixTrjg ävanltaiv. Vgl. .Ju v. l-'i, 1 45: incendia
sulpure coepta atque dolo. — ") Mart. I, 41, 3: Transtiberinus amhulator, qui pallentia sulpurata fractis per-
mutat vitreis. Id. XII, 57, 14 : sulpicratae lippus institor mercis, v?obei lippus darauf geht, dass diese Händler,
welche sowohl bei der Herstellung der Schwefelfäden als beim Glaskitten so viel mit dem giftigen Material
zu thun hatten, dadurch augenleidend wurden (chronische Augenentzündungen sind bei Schwefelarbeitern
nichts seltenes). Auch Stat. Silv. I, 6, 73: quique comminutis permutant vilreis gregale sulpur. — '*) Plin.
epp. VIII, 20, 4: sulpiiris odor vaporque medicatus, ois qua fracta solidantur. — ") Plin. XXXVI, 199: vitrum
sulpuri concoctum feruminatur in lapidem. Juv. 5,48: rupto poseentem sulpura vitro. Mart. X, 3, 3: quae
sulpuraio nolit empta ramento Vatiniorum proxeneta fractorum. — '*) Poll. VII, 41: xal 9iiov Si zmv vno-
VQyovvzmv rä -nvaipit, äcp' ov Avemnog' ovS' dvuKväipag aal 9iiciaag zag d).loTQiag inivoiag. Vgl. Plin. XXXV,
175: allerum genus appellant glaebam, fullonum tantum officinis familiäre, tertio quoque generi unus tantum est
usus ad lanas suffiendas, quoniam candorem mollitiamque confert; eguln vocatur hoc genus. — ") Apul. met.
IX, 24, p. 640: viminea cavea, quae fustium flexu tereti in rectum aggregata cwmilum laeinias circuvidatas suffusa
Candida fumo sulfuris inalbabat ; vgl. die Abbildung des pompejanischen Wandgemäldes, Technologie I, 176. —
") Quint. XII, 10, 76: si vero iudicium his corruptis acrius adhibeas ut fucinis sulfura: iam illum, quo fefellerant,
exuant vientitum colorem et quadam vir, enarrahili foeditate pallescant. Pliu. XXXV, 197: fucatus (color) depre-
henditttr nigrescitque et funditur sulpure, veros autem et pretiosos colores emoUit Cimolia et quodam nitore ex-
hilarat contristatos siilpure. — '^) Plin. XXXIII, 131 mit Technologie IV, 268. — ") Artemid. Onir. II, 5: äfi St
ä/iBivovcg ol acpvQijXazuf ol yag xivol &hov svSov (xovzsg äoXovg «ofi iveSQcts CTjiiaivovatv. — *') Vitr. II, 6, 1:
iferventes fontes), qui non essent, si non in imo häberent aut e sulphure aut alumine aut bituviine ardentes ma-
ximos ignes. Id. VIII, 3, 1; ib. 3, 5. Plin. XXXI, 5. Senec. nat. quaest. III, 24,4: quidam existimant per loca
sidphure plena exeuntes vel intro euntes aquas calorem beneficio materiae, per quam flmmt, trahere, quod ipso
colore gustuque testantur; cf. ib. III, 2, 1. — ") Plin. XXXI, 59 : sulpurata aqua nervis utilis. Hör. Ep. 1, 15, 5:
sane murteta relinqui dictaque cessantem nervis elidere morbum sulfure contemni, vicus gemit. Nerven bedeuten
nach alter Terminologie wesentlich Muskeln und Sehnen. Vitr. VIII, 3, 4. Su et. Aug. 82. Als Trinkquellen
wurden sie aber nicht benutzt, Sen. n. qu. III, 20, 2: hac ratione correptae cum vitae periculo bibuntur. —
*') Lucr. VI, 746: is locus est Cumas apud, acri sulpure montes oppleti calidis ubi fumant fontibus aucti.
Hör. 1. 1. Ov. a. a. I, 226 von Bajae: quae de calido sulpure fumat aquam. Mart. VI, 43, 1: Baiae
canaque sulphureis nymplia natatur aquis. Suet. Nero 31. — ") Mart. I, 12, 2: canaque sulphttreis Albula
fumat aquis. Plin. XXXI, 10. Auch auf Inschriften werden sie bisweilen erwähnt, Orelli 1641 fg. 1897.
1904. Marini, Atti Arv. p. 393. — ") Vitr. VIII, 3, 2: uti in Tiburtina via flumen Albula et in
Ardeatino fontes frigidi eodem colore qui sulphurati dicuntur et reUquis locis similibus. — ") Virg. Aen.
VII, 517: audiit amnis sulphurea Nar albus aqua. Mart. VII, 93, 1: Narnia, sulphureo quam gurgite candi-
dus amnis circuit. Plin. III, 109. Nach Serv. ad Virg. 1. 1. bedeutete „nar" im Sabinischen „Schwefel".
— *') Sen. nat. qu. III, 20, 4: hoc minus tibi videbitur mirum, si notaveris Albulas et fere sulphuratam aquam
circa canales suos ripasque durari. — *') In den Commentat. Soc. Gotting. und ausführlicher in den Beiträgen
z. Gesch. d. Erfindungen, II, 92 ff. — ") Diosc. V, 122 (123): ervnzi^Qiccg Si axiSbv nav ilSog ini zcöv aviäv
iv zy Alyinzat pizälXtav tvQiaKtzat. Plin. XXXV, 184 bezeichnet das aegyptische alumen als die beste Sorte.
Wie bedeutend die Gewinnung hier war, geht daraus hervor, dass nach Ilerod. II, 180 König Amasis dem
delphischen Tempel 1000 Talente davon schenkte, wozu die in Aegypten wohnenden Hellenen noch 2ti Minen
ihrerseits zulegten. Damit war wohl weniger beabsichtigt, dass die Delphier diese ungeheuren Quantitäten
für sich selbst (zu baulichen Zwecken u. dgl.) verwenden sollten , als dass sie durch den Verkauf ihren
Tempelschatz bereichern könnten. Aegyptischer Alaun wird auch erwähnt bei Gels. V, 28, 12. Plin. X.XVIII,
100; ib. 164; 214 u. o. Scribon. de comp. 47. — ") Der Bergwerke auf Lipara gedenkt vornehmlich Diod.
V, 10; derselbe berichtet, dass die Römer davon bedeutende P^inkünfte bezögen; er behauptet aber zugleich,
es komme nirgend anderswo Alaun in namhaften Quantitäten vor, und die Liparer setzten daher den Preis
ihrer Waare nach Belieben fest. Nur Melos produciere noch Alaun, jedoch in unbedeutender Menge, welche
 

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nicht geniigen könne. — Alaun von Lipara erwähnt ferner Di ose. 1. 1. und IMin. 1. 1.; das Bergwerk. Strah.
VI, 275. — ") Plin. XXXV, 184: laudatisaimum in Aegypto, proximum in Melo; cf. ib. 188 u. 190. Zzvn-
TriQitt firjUiT) wird schon bei Hippocr. de ulcer. T. III, p. 317 K. erwähnt; ferner bei Diosc. 1.1. Cels. VI,
19. Scril)on. 2'2<3. — ") Diosc. 1- 1.: ytvvärat St xai iv aUocs rtat zönoig, tv MrjXm, iv ManiSovia, Iv Ai-
TCttQttig Kix'i Ziafiöovla, «ol IfQaTioift T^s ^t^vyins, Aißvtj, AQ/ifvia, xai iv ulXotg dt lono/s rcXtioaiv. Plin. 1. 1.
184 ; giijnilur autem in Ifispania, Aegypto, Armenia, Macedonia, Fonto, Africa, iu-iuliü Sardinia, Melo, Lipara,
Strongijlc. Cypern wird ebd. 183 genannt. — ") Plin. 1. 1.: fit autcm omne ex aqua limoque, hoc est terrae
exudantis natura, cunrivatum hieme aeMvis solihus maluratur. quod fuit ex eo praecox, candidius fit. — **) Lenz
S. 133, Anm. -ISö glaubt, dass die Alten den am Alaunstein, Alauuschiefer oder Alaunerde befindlichen Alauu
wohl ohne weiteres durch Wasser ausziehen mochten, daneben aber, um mehr zu gewinnen, wohl ein etwas
umstiindlicheres Verfahren noch einschlugen. — ") Eine andere Eintheilung hat Galen, de simpl. medic.
teniper. IX, 30 (T. XII p. 23ö sq.); er stellt auf die eine Seite atvntrjQia öj;iarii, azQoyyvXri und daTgayaXmz)),
auf die andere vyQÜ, nXccmzig und nXiv&iTts. Dioskorides und Plinius nennen nur jene drei Arten, weil bloss
diese zu medicinischen Zwecken benutzt wurden. — ") Galen, meth. med. III, 5 (T. X, 199); de sectis 8
(T. I, 91); de succedan. (T. XIX, p. 744). Geop. VII, 12, 29; ahmen schiston, Plin. XXX, 74; Cels. V, 2:
alumen et scisKile, quod ax"'^°^ vocatur, et liquidum. — ") Plin. XXIII, 108. Colum. VI, 13, 1. Cels. V, 2;
ib. 8 u. s. Auch alumen fissuni, Scribon. de comp. 4; 31; 41 etc. — ") Vom adstringieren, atxxpttv, kommt
ja auch der Name des Minerals, Galen, comp. med. VI, 2 (T. XIII, 877). — '•') Diosc. 1. 1.: ägiatr) dl vnägxi'
i} aiiOTT], xal raürjjs ij Tteoaqooftos xo! Xiv^fi ayav xal aXt9og xai ßaqvol^oi, otvcpovaä re ivzövais. In di ov
ne-niiefifvij ßcoXi^ööv rj (i;i;id'ax>;5ö»', aii' i^aafitvt] nazä /iovciäag, noXiaig ^Qi^iv iftq^i^mg, oTa laziv Jj Xiyoiiivt]
ZQixizig, ytvvcofiivj] di iv Alyvnzto' ivt/io^izat öi xol Xi&og ifl-
xöä ÜTto^äXXn rrjv löioTTjza zov jjgfö/uarog. aW aut»; jutv anoxK'ö'icrara» näliv, intiSüv dvatpvafjaai avfißfi nüaup
rrjv uatpnlTof. Hierzu bemerkt Lenz S. 34, Anm. 122; „Der Dotlen jener Gegend ist sehr reich an Schwefel.
Alle schwcl'elhalti^en Dämpfe verwandeln die Uberflilche des Silbers und Kupfers in Scliwefelsilber und
Schwofelkupfer, und diese beiden chemischen Verbindungen sind glanzlos und schwarzlich. Gold dagegen
wird durch Schwofehlanipfe nicht verändert, es sei denn, dass es viel Silber und Kupfer enthalte." Virlet
bei Lartet a. a. 0. denkt an Schwefelwasserstoffdämpfe. — "") So Strab. p. 7C4: tur« 6' ?) äatpaitos yijs
ßäSLos, vyqatvoiiivri filv vrcö 9eQiiov xai ävacpvecojihri xol diaxiofiivtj, näXiv Si fKzoßaU.ovaa lig näyov iaxvQÖv
?inö zov rpvx^ov vSaiog, otöv iazt z6 z^g Xi'fivr]s vS(oq, mazc zofifjg xai xonijg Siia9ai. ? — '"") Hist. 1. 1.: ater
siiaptc natura luxuor et sjrJorÄO aceto concretus innatat. — "") Diod. XIX, '>'): zijv ä' ixnlnzovoav SaifaXzov ol
ÄißioixoDvTfs f'l dfitfoziiimv zäv fifQtSv zijv Xifivr]v Öiagna^ovai, noXffitv.cSg öiaxfifxtvot nQÖg äXXtiXovg, avcv nXoiav
iöiu^ovriog zijv xoiiiörjv tioiovßivoi. TtaQaaxivaaditivot yd(i StOfiäg nctXdficov ivfiiytd'iis ifißäXXovaiv ftg z'rjv Xifivj^v.
ini 6t zovzg lUöq,
zrjg ^fflioD rfjs äacpakritiäos' fiiraXlov d' avTrjs 'iari nXrjaiov fnl ioqpoi)" rö äf T/zrj&lv txTikrjQOVTat ndhv reo jjgövM,
r^S iyx(ovvvfiivrii slg rä ögvy/iaza yfjg fiiTctßaXiovBrjs iis aacpalrov, mg cpr]at floonSäviog. P 1 i n. II, 237 :
semper ardens Nymphaei crater . . . augetur imhrihus egeritque bitumen temperandum fönte illo ingustahili, alias
omni hitumine dilutms. — "") Strab. 1. 1. Ps. Ar ist. mir. ausc 127 p. 842 B, 14: iv Sl 'AnoXXmvla rij nXrjolov
r^S zäv 'ATXavtivmv xfÖQCig qjaal yiyvead'at aatpaXzov ögvKzrjv xal niaaav, zov avzbv zqÖjiov ix zrjg yijg dvanriöä-
aav zotg vöaaiv, ovSiv SiacpsQovaav zrjg Maxsäovix^g, nikai'zsQav di xal naxvztQuv nirpvxivat ixdfrig. Die darauf
folgende Beschreibung der brennenden Naphthaquelle ist nicht ohne Interesse. Ebenso Ael. Var. bist. XIII,
16. Als liquidum bitumen nennt PI in. XXXV, 178 das Apolloniaticum , quae omnia Graeci pissasphallon
appellant ex argumenta picis ac bituminis. — "') Diese. I, 100: xaltizai öf zig xai niaauatpaXzog, yivveofiivrj
iv 'AnoXXmvta z^ nQÖg 'Eniäa/iva), ijzig ex ztöv Kh^avvicov ogcöv avyxazatpigtzai r^ zov noza/xov Qvfiri xai ix-
ßQÜaeizai xazä zeig i^iövag, ßcaXofiSäg av/imnrjyvta, o^ovaa niaarjg fiifiiy/iivrig datpäXzio. PI in. XXIV, 41: est
et pissanphaltos mixta bitumini pice naiuraliter ex Apolloniatarmn agro. Geop. XV, 8. Veget. r. vet. VI,
14, 1 unterscheidet ausdrücklich bitumen Äpollonium und bitumen Judaicum. — "*) Diese. I, 99: yivizai 8t
Kai xttzu ZTjv 'AxQuyavzivmv jjwpaji zrjg SixBXiag vygöv inivrixöiiivov zaig xqrjvaig, (p XQ'^"^"' tlg zobg Xvxfovg
avzi iXaiov, xaXoUvzig aiizb SixiXbv eXaiov TiXavdfitvoi' üazi yÜQ daipdXzov vyQÜg däog. PI in. XXXV, 179:
gignitur et pingue oleique liquoris in Sicilia, Agragentino fönte, inficiens rivuvi. inculae id harundinum
paniculis colligunt citissime sie adhaerescens, utunturque eo ad lucernarum lumina olei vice, Hern ad scaljiem
iumentorum. — '") Plin. ib.: sunt qui et naphtham bituminis generibus adscribant, verum eius ardens natura
et ignium cognata procul ab omni non abest. Das auf der Stelle feuerfangende Naphtha konnte freilich nicht,
wie das Erdöl von Akragas, zum Brennen benutzt werden, da man sich noch nicht auf die Reinigung desselben
verstand. Im Griech. kommen die Formen >) vdq>&a und rö vaif^a vor, vgl. Eustath. ad II. VIII, 84 p. 700,
56. — '") Im Abendland scheint man es erst seit Alexander d. Gr. kennen gelernt zu haben; wenigstens ist
die oft erzählte Geschichte von Alexander (vgl. Strab. XVI, 743. Plut. Alex. 35), wie derselbe, um die
Feuergefährlichkeit des Naphthas und sein Brennen im Wasser zu erproben, einen Knaben im Bade damit
bestreichen und dann ein Licht in die Nähe bringen Hess, bei welcher Gelegenheit der arme Bursche um ein
Haar elend verbrannt wäre, nur denkbar, wenn der König den Stoff bis dahin noch nicht gekannt hatte. Aus
späterer Zeit vgl. Amm. XXIII, 6, 16: hie et naphtha gignitur picea specie glutinosa, similis ipsa quoque
bitumini; cf. ib. 38. — "'J Diosc. I, 101: xuXetTai öi zig xat vdif>9tt, onfg lezi zrjg BaßvXeoviov daqjdXzov
mQiij9r]lia, zm jigdöjitan Xsvxov, ivQiBxtrcti St xai fiiXav. Hier wird Naphtha also irrthümlich als ein durch
Seihen verdünnter Asphalt bezeichnet, während es in jenen Gegenden (heut vornehmlich noch bei Baku und
Tauris) rein aus der Erde fliesst. Vgl. auch Poseidon, b. Strab. 1. 1. p. 743: rioonSmviog St (frjoi. zov h zfi
BaßvXcovia vd(p9a zag nrjyäg zdg fiiv tlvai Xtvxov zdg äi fiiXavog' zovzrov df zag fiiv iivai &tiov vygov (Xiym
ät zdg zov Xtvxov' zavzag S' tivai zdg imantoeag zdg tpXoyag), zdg Si zov fiiXavog datpdXzov vyQag. a> avz
iXaiov zoiig Xvxvovg xaiovai. In späterer Zeit führte das Naphtha auch den Namen „Medisches Oel" (Mrjötiag
tXatov), s. Procop. b. Geth. IV, 11 (T. II p. 512 ed. Bonn.). — '") Herod. VI, 119: xai daqiaXzov xal aXag
xal 'iXaiov ogvaaovzai ^| avzov (sc. zoü q>Qtazog); nach der folgenden Beschreibung ist dies tXaiov eine Art
Steinöl. Eratosth. bei Strab. 1. 1.: tj /liv vygd {aacpaXzog), r;V xaXiovai vd(f9av, yivizai tv rt/ Zovaiöi, i} Si
^rjQÜ Svvajiivri nrjzzta&ai iv zy BaßvXcovia. Plin. VI, 99 nennt im Gebiet von Susiane die De.ximontani, qui
bitumen perficiunt. Vgl. über den Asphalt von Arderikka Ritter, Erdkunde IX, 200. — '"; In Aethiopien wird
von Plin. VI, 179 ausdrücklich ein bituminis fons genannt. Vitr. 1. 1.: alii autem per pingues terrae venas
profluentes uneti oleo fontes erumpunt, uti Solis, quod oppidum est Ciliciae, flumen nomine Liparis, in quo na-
tantes aut lavuntes ab j'p.sa aqua tmguuntur. similiter Aethiopia locus est, qui unctos homines efficit, qui in
eo nataverint., et India qui sereno caelo emittit olei magnam multitudinem, item Carthagini fons in quo natat
insuper oleum odore uti scobis citreae, quo oleo etiam pecora solent ungui. — "*) Theophr. C. pl. II, 5, I.
Vitr. II, 6, 1; Vm, 2, 8; ib. 3, 4; 7, 12 u. s. Senec. Nat. qu. III, 20, 2. Plin. XXXI, 5. Nach Callim.
b. Antig. Gary st. 144 wäre auch im thrakischen Meere beim heiligen Berge zu bestimmten Zeiten Asphalt
auf dem Meere schwimmend vorgekommen. — '") Und so auch bei den Alten sXs ozvnzrjQia'lovSaixrj, bitumen
Judaicum, Diosc. I, 99. Veg. VI, 14, 1. Scribou. 207; 209 u. s. — ™) Diosc. I, 99: äecpaXzog Siacpigti
>} lovSa'ixr] z^g ^oin^g° lozt St xaiij rj nogcpvQtiSmg dnooziXßovaa, tvzovog zrj öafifj xal ßagtla. ij Äf niXaiva
 

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Kai ^nmSrji tpavUrj- SoXovTai yäg niaat]i (iiyvvfiivtjg. Ebenso Plin. XXXV, 180: bituminis prohatio ut quam
viaxime sphndeat sitque ponderosiim, grave, leve autem modice, qiioniam ndulteratur pice. Cf. Galen, simpl.
med. tenip. XII, 2, 10 (T. Xll p. 375): ttaXklazrj «öqpaAros yEvvärat xarä rtjv vexQÖcv övo/jaSofiivrjv 9ai.aaaav;
cf. de antid. I, 12 (T. XIV, 68). — "') Schol. Nie. Ther. 44. Lucr. VI, 807. Ps. Arist. mir. ausc. 115
p. 841 A, 33 u. s. — '") Ov. met. IX, 660. Tac. hist. V, 6. Amm. XXIII, 6, 16. Betr. Brennbarkeit vgl.
Ov. met. XV, 350; am meisten gilt das natürlich vom flüssigen Asphalt resp. vom Naphtha, bei dem diese Eigen-
schaft vornehmlich hervorgehoben wird, vgl. Diosc. I, 101. Plin. 1. 1. 179 u. s. Es gab dies Veranlassung, den
Stoff zu allerlei Taschenspioler-Knnststückchen zu verwenden, vgl. Beckmann, Beitr. z. Gesch. d. Erfindg. IV,
67 ff. — '*') Diod. XIX, 08: zavTrjv d' fiovzig ol ßä^ßagoi n^öaoöov ändyovat rijv äaipairov ttg ttjv Atyvntov
v.aX ncüXovaiv (ig zag rugixslag zcöv vtxgmv. fiTj fiiyvvfitrrig yciQ zavrrig zoig Xotnojg ÖQÜ/iaatv ov ävvazöv yiy-
vta&ai zfjv zäv amfiuzcov cpvlaxlji' noi.vxQÖvioi'. — '''') Strab. XVI p. 738: /| önzrjg TtXivQov xorl äaipäXzov
xaziaxBvaafiivoi xal avzol xal al ipaXiSig xai rä Ka/xn^cöfiaza; cf ib. 743. Xen. Anab. II, 4, 12: tjv mxoäoftr]-
fiivov nXiv^oig önzalg iv äatpäXza Kii/ifvaig. Vitr. I, 5, 8: Babylone abundantes liquido bitumine pro calce
et harena ex cocto latere factum habent murum. — •") Herod. I, 179. Theoer. 10, 100. Diod. LI, 7.
Vitr. VUI, 3, 8. Justin. I, 2, 7. Gurt. V, 1, 25. Plin. XXXV, 182. Amm. XXIII, 6, 23 u. s. ö. — '")
Strab. 1. 1. p. 743: cpocal Si «ai nXola nXixia9ai. ifinXaa&ivza S' äa) J. Grimm, deutsche Rechtsalterthflmer (1. Ausg.). Göttingen 1828. S. 908.

'') Siehe z. H. von Frftliern Friedrich Major, Geschichte der Ordalien, insbesondere der gerichtlichen
Zweikilmpfo in Deutschland. Jena ITO.'). S. 14 fg., welcher S. 1—3 die ältere Litteratur verzeichnet; von
Neuern A. v. Uaxthauscn, Trauskaukasia. Andeutungen etc. 1856. Bd. 2, S. 269 fg., und vgl. Anm. 6.



S.35

Als liquidum bitumen nennt PI in. XXXV, 178 das Apolloniaticum , quae omnia Graeci pissasphallon
appellant ex argumenta picis ac bituminis. — "') Diese. I, 100: xaltizai öf zig xai niaauatpaXzog, yivveofiivrj
iv 'AnoXXmvta z^ nQÖg 'Eniäa/iva), ijzig ex ztöv Kh^avvicov ogcöv avyxazatpigtzai r^ zov noza/xov Qvfiri xai ix-
ßQÜaeizai xazä zeig i^iövag, ßcaXofiSäg av/imnrjyvta, o^ovaa niaarjg fiifiiy/iivrig datpäXzio. PI in. XXIV, 41: est
et pissanphaltos mixta bitumini pice naiuraliter ex Apolloniatarmn agro. Geop. XV, 8. Veget. r. vet. VI,
14, 1 unterscheidet ausdrücklich bitumen Äpollonium und bitumen Judaicum. — "*) Diese. I, 99: yivizai 8t
Kai xttzu ZTjv 'AxQuyavzivmv jjwpaji zrjg SixBXiag vygöv inivrixöiiivov zaig xqrjvaig, (p XQ'^"^"' tlg zobg Xvxfovg
avzi iXaiov, xaXoUvzig aiizb SixiXbv eXaiov TiXavdfitvoi' üazi yÜQ daipdXzov vyQÜg däog. PI in. XXXV, 179:
gignitur et pingue oleique liquoris in Sicilia, Agragentino fönte, inficiens rivuvi. inculae id harundinum
paniculis colligunt citissime sie adhaerescens, utunturque eo ad lucernarum lumina olei vice, Hern ad scaljiem
iumentorum. — '") Plin. ib.: sunt qui et naphtham bituminis generibus adscribant, verum eius ardens natura
et ignium cognata procul ab omni non abest.


PM    4.12.08

Et bituminis vicina natura est. aliubi limus, aliubi ita est, limus e Iudaeae lacu, ut diximus,

emergens, terra in Syria circa Sidonem oppidum maritimum. spissantur haec utraque et in densitatem

coeunt. est vero liquidum bitumen, sicut Zacynthium et quod a Babylone invehitur; ibi quidem et

candidum gignitur. liquidum est et Apolloniaticum, quae omnia Graeci pissasphalton appellant ex

argumento picis ac bituminis.

 

 

Pliny, de Rerum Naturae, book 35, ch. 51

 

 

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Pliny, de Rerum Naturae, book 35, ch. 51

CHAP. 51.--BITUMEN, AND THE SEVERAL VARIETIES OF IT; TWENTY-SEVEN REMEDIES.

Nearly approaching to the nature of sulphur is that of bitumen,1 which in some places assumes the

form of a slime, and in others that of an earth; a slime, thrown up, as already2 stated, by a

certain lake in Judæa, and an earth, found in the vicinity of Sidon, a maritime town of Syria. In

both these states, it admits of being thickened and condensed. There is also a liquid3 bitumen,

that of Zacynthus, for example, and the bitumen that is imported from Babylon; which last kind is

also white: the bitumen, too, of Apollonia is liquid. All these kinds, in Greek, have the one

general name of "pissasphaltos,"4 from their strong resemblance to a compound of pitch and bitumen.

There is also found an unctuous liquid bitumen, resembling oil, in a spring at Agrigentum, in

Sicily, the waters of which are tainted by it. The inhabitants of the spot collect it on the

panicles of reeds, to which it very readily adheres, and make use of it for burning in lamps, as a

substitute for oil, as also for the cure of itch-scab in beasts of burden.

 

Some authorities include among the bitumens, naphtha, a substance which we have already mentioned

in the Second Book;5 but the burning properties which it possesses, and its susceptibility of

igniting, render it quite unfit for use. Bitumen, to be of good quality, should be extremely

brilliant, heavy, and massive; it should also be moderately smooth, it being very much the practice

to adulterate it with pitch. Its medi- [p. 6294] cinal properties are similar to those of sulphur,

it being naturally astringent, dispersive, contractive, and agglutinating: ignited, it drives away

serpents by the smell. Babylonian bitumen is very efficacious, it is said, for the cure of cataract

and albugo, as also of leprosy, lichens, and pruriginous affections. Bitumen is employed, too, in

the form of a liniment, for gout; and every variety of it is useful for making bandolines for

eyelashes that are refractory and impede the sight. Applied topically with nitre,6 it is curative

of tooth-ache, and, taken internally, with wine, it alleviates chronic coughs and difficulty of

respiration. It is administered in a similar manner for dysentery, and is very good for arresting

looseness of the bowels. Taken internally with vinegar, it dissolves and brings away coagulated

blood. It modifies pains also in the loins and joints, and, applied with barley-meal, it forms a

peculiar kind of plaster, to which it has given its name.7 It stanches blood also, heals wounds,

and unites the sinews when severed. Bitumen is administered for quartan fevers, in doses of one

drachma to an equal quantity of hedyosmos,8 the whole kneaded up with one obolus of myrrh. The

smell of burnt bitumen detects a tendency to epilepsy, and, applied to the nostrils with wine and

castoreum,9 it dispels suffocations of the uterus. Employed as a fumigation, it acts as a check

upon procidence of the uterus, and, taken internally with wine, it has the effect of an

emmenagogue.

 

Another use that is made of it, is for coating the inside of copper vessels, it rendering them

proof against the action of fire. It has been already10 stated that bitumen was formerly employed

for staining copper and coating statues. It has been used, too, as a substitute for lime; the walls

of Babylon, for instance, which are cemented with it. In the smithies they are in the habit of

varnishing iron and heads of nails with it, and of using it for many other purposes as well.