Frei nur bleibt, wer seine Freiheit gebraucht*) 1.Teil
illustriert an den Beispielen Leserbrief-Zensur und Tobin-Steuer
von Anton Keller, Parlamentarier-Sherpa seit 40 Jahren - swissbit@solami.com

Hatten Sie auch schon Anlass, Lust oder sonst was um - als souveräner Bürger der Sie eigentlich sind - auf eine Entwicklung einzuwirken, oder ganz einfach auf einen Zeitungsartikel zu reagieren? Vor dem Internet-Zeitalter gabs die Leserbrief-Seite, wo mir Der Bund und Der Spiegel von der Vielfältigkeit und vom Umfang her noch gut in Erinnerung sind. Das ergab dann im besten Fall die Beachtungsgenugtuung einer Eintagsfliege, resp. ein einwöchiges Aufmerksamkeitsfenster. Mit den uns alle überschwemmenden veränderten Lese- und Kommunikationsgewohnheiten wächst die Bedeutung der elektronischen Echtzeit-Leserzuschriften auch gegenüber den Anlass gebenden Artikeln selbst. Sie stehen auch bezüglich Langlebigkeit in Konkurrenz zum Werk des Journalisten und zeichnen sich nicht selten durch grösseren Tiefgang, mehr Fachwissen und weiterführende Perspektive aus. Darin liegt auch für die Entwicklung des Verhältnisses Bürger/Staat ein herausforderndes und ermutigendes Potenzial. Statt Bücher zu schreiben die kaum jemand liest, habe ich deshalb in den vergangenen 15 Jahren begonnen, meine Erfahrungen und Erkenntnisse zu aktuellen Themen in Kurzkommentaren auf den Punkt zu bringen (die voll indexierte Sammlung dazu findet sich auf: www.solami.com/iconoc.htm).

Die unterschiedliche Handhabung dieser tiefgreifenden Entwicklungen im In- und Ausland ist instruktiv. Die beobachteten Zeichenanschlagslimiten sind z.B.: TA, BAZ 400; NZZ 950; FAZ 1000, Spiegel 1200; Zeit 1500; NYT 2500; WSJ 3000; FT 3500; Economist 5000. Gegenüber inländischen Redaktionen scheinen ausländische Zeitungsmacher diese interaktive Leserdimension sehr viel mehr zu erkennen, zu berücksichtigen und zu fördern. Das zeigt sich insbesondere auch bezüglich zensur-ähnlicher Einschränkungen. Ausländische Kolleginnen und Kollegen habe ich bisher fast nie als inhaltliche, sondern höchstens als um Stunden verzögernde Torhüter schätzen gelernt. Dies im Gegensatz zu staats-gläubigen hiesigen Bücklingsmachern & Weisheits-Monopolisten, wobei gewisse Falkenstrasse-Dünnbrettbohrer sich mit 8 Zugangsverweigerungen für mich an die Schweizer Zensurspitze gestellt haben - sogar noch vor gewissen noch mehr obrigkeits-hörigeren Grünschnäbeln des Tagi. Ob all diese Seldwyler in dieser auch dem NZZ-VR-Präsidenten gemeldeten mediokren Position sich noch lange werden gefallen & halten können wird sich weisen. Für den souveränen Bürger ist es jedenfalls anregend, solchen unbehelflichen Anmassungen wirksam entgegentreten, und sich konstruktiver als je zuvor einbringen zu können.

Das 2. Beispiel für eine eigenständigere, würdigere und zukunftsträchtigere Haltung betrifft unser gemeinsames Erbe, unsere Position als Finanzgrossmacht und unseren fahrlässig aufs Spiel gesetzten Werk- und Finanzplatz. Seit der weltweiten Aufhebung des Goldstandards, seit der Entankerung auch unserer Währung 1971 und danach, ist der Wurm drin und sitzt uns der Teufel im Nacken. Aus dem Nichts gestampftes, durch nichts unterlegtes und mittlerweile ver-ZIG-fachtes Fiat-Geld verzerrt und überschwemmt tsunami-ähnlich die realen Volkswirtschaften - Weissgeld? mon oeil, nächstens Weiss-Strom! Wer seine Grundfehler nicht eingesteht, Wiedergutmachung verweigert, und wie die schwarzfahrenden Weissgeld-Pharisäer mit Seiltricks, St.Galler-, Genfer- und andern Schlaumeiereien prinzipien- und vernunft-widrig sich an Ort durchzuschummeln versucht, statt sich zeitig auf die nahegelegene Anhöhe zu begeben, vergiftet sich selbst und verbaut unser aller Zukunft (QI, Rubik & unverhältnismässige Boni: .../iconoc.htm#WAKN). Wehklagen und markige Sprüche sind unglaubwürdig und kein Ersatz für fundiertes und konsequentes Handeln. Dazu gehören ein sofortiger Stop dem andauernden Souveränitäts-, Kunden- und Interessen-Verrat, dem Bankdatentransfer welcher den US-Begehrlichkeiten Vorschub leistet, sowie schnellstmögliche Besinnung auf das uns anvertraute Erbe und Rückkehr zur lex helvetica (z.B. keinerlei Gruppenanfragen in Amts- & Rechtshilfefällen, keine weiteren Kniefälle vor ausser Kontrolle geratenen fremden OECD-, FATF- & IRS-Bürokraten, Reaktivierung von Art. 271 StGB: .../abwehr.htm)! Abbau und Entflechtung der gemeinschädlichen Flut von Casinochips ist dringend angesagt. Die US-Angriffe auf die europäischen Länder & Institutionen geben visionären Schweizer Diplomaten & Politikern Gelegenheit zu gegenseitig hilfreichen Initiativen. Mit dezidierter Schweizer Unterstützung und in abgewandelter Form dürfte Sarkozys Vorstoss europaweit zum Tragen gebracht werden. Statt der überholten Tobin-Steuer wäre eine zweckmässig ausgestaltete Casino- oder Sisyphus-Abgabe für sterile Fiat-Geldoperationen wohl geeigneter, die Wirtschaft wieder auf Kiel zu bringen - in ganz Europa und ohne abartige QI- und Rubik-Scheinlösungen! Dies in Verbindung mit gegengewichteten realwertigen Lokalwährungen (.../WIR.htm).

*) mit Adolf Muschg abgesprochene Dynamisierung seines in der Schweizer Verfassung festgeschriebenen Leitsatzes.