Gläubiger müssen 223 Millionen
ans Bein streichen
SLT-Liquidation abgeschlossen
Die Liquidation der Spar- und Leihkasse Thun (SLT) ist bald 15 Jahre nach der Pleite der Bank abgeschlossen. Insgesamt wurde den Gläubigern 899 Millionen Franken zurückbezahlt. Schulden von 223 Millionen Franken konnten dagegen nicht bedient werden, wie die Liquidatorin am Mittwoch in Thun mitteilte(ap) Seit der Schalterschliessung im Oktober 1991 wurden 467 Mio. Fr. an pfandgesicherte und privilegierte Gläubiger, 86 Mio. Fr. an Kleingläubiger und 346 Mio. Fr. an 5. Klass-Gläubiger überwiesen. Der Verlust der 5. Klass-Gläubiger hätte nach Angaben der Liquidatorin 258 Mio. Fr. betragen, konnte aber auf 223 Mio. Fr. reduziert werden.
Schlussstrich unter Bankenpleite
Liquidation der Spar- und Leihkasse Thun abgeschlossen
Der Zusammenbruch der Spar-und Leihkasse Thun vor 15 Jahren führte der Schweiz drastisch die Krise der Regionalbanken vor Augen. Nach einem langwierigen Verfahren liegt heute endlich der Schlussbericht zur Liquidation vor.
Der 3. Oktober 1991 war für die Schweizer Bankenwelt im Kleinen, was zehn Jahre später das Swissair-Grounding für das ganze Land im Grossen war. Die Bilder mit verzweifelten Sparern, die vor den geschlossenen Schaltern der Spar- und Leihkasse Thun (SLT) um ihre Einlagen bangten, gingen um die ganze Welt, der Imageschaden war beträchtlich.
Kollaps nach 125-Jahr-Feier
Nur wenige Monate vor dem Kollaps hatten die SLT-Verantwortlichen
noch stolz ihr 125-Jahr-Jubiläum gefeiert und betont, dass man als
zweitgrösste Bank des Berner Oberlandes auf Qualität setze und
dank einer guten Abschreibungspolitik über einen sauberen Tisch verfüge.
Keine fünf Monate später musste die Eidgenössische Bankenkommission
(EBK) das Institut schliessen.
Unbegreiflich aus heutiger Sicht ist, dass keine
der angefragten Grossbanken die nur 70 Personen beschäftigende SLT
übernehmen wollte. Die Bank sei zu sehr heruntergewirtschaftet, liessen
die Grossbanken nach kurzer Prüfung verlauten. Der Imageschaden, der
der ganzen Schweizer Bankenwelt aus dem Zusammenbruch der kleinen Regionalbank
erwuchs, stand in keinem Verhältnis zu den finanziellen Mitteln, die
bei einer Übernahme des maroden Instituts hätten eingesetzt werden
müssen.
Immobilienkrise führte zum Bankencrash
Der Kollaps der SLT muss im Zusammenhang mit der
damaligen Immobilienkrise gesehen werden. Auch die SLT war bei der Belehnung
von Immobilien ein allzu grosses Risiko eingegangen. Die Folge: für
die hohen Wertberichtigungen reichten die Reserven nicht mehr aus. Zudem
zeigten sich bei einer ersten Untersuchung erschreckende Organisationsmängel.
Am 18. Oktober 1991 setzte die EBK eine Liquidatorin
ein und verfügte den endgültigen Bewilligungsentzug. Die zumeist
aus der Region Thun stammenden Spar- und Lohnkontogläubiger mussten
sich noch bis Januar 1993 gedulden. Die letzte Auszahlung an die rund 6300
Gläubiger der 5. Klasse erfolgte erst im Dezember 2005. Diese erhielten
insgesamt 60,7% ihrer ursprünglichen Guthaben bei der Bank zurück.
Insgesamt wurde allen Gläubigern 899 Mio. Fr. zurückbezahlt.
Schulden von 223 Mio. Fr. konnten dagegen nicht bedient werden.
Gesundungsprozess
Das Fiasko von Thun sorgte trotz weiteren dramatischen
Vorkommnissen bei Regional- und Kantonalbanken auf mehreren Ebenen für
einen Gesundungsprozess in der Branche. So wurden im Interesse des Gläubigerschutzes
die Vorschriften zur Rechnungslegung ausgebaut, die Eigenmittelvorschriften
verschärft sowie die Einflussmöglichkeiten der EBK auf die Revisionsstellen
verbessert.
Auch der Markt reagierte rasch auf die Regionalbankenkrise.
Innert zehn Jahren reduzierte sich die Zahl der Regionalbanken von 204
auf 103 Institute im Jahr 2000. 53 der heute noch 83 existierenden Regionalbanken
sind unter dem Dach der im September 1994 gegründeten RBA-Holding
zusammengeschlossen.
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Dornenvolle Verantwortlichkeitsprozesse
A Thun regional bank has been liquidated
14 years after it went bust,
depriving over 6,000 depositors of more
than a third of their savings.
Thun bank collapse is finally settled
Swissinfo with agencies
The Savings and Loan Bank in Thun (SLT) was forced
to close down in 1991 to the consternation of the
Swiss banking world. Its closure led to major changes in the financial
landscape. Nearly SFr900 million ($685 million) has been returned to creditors
but a further SFr233 million will not be paid out, said the liquidators.
The bankruptcy affected some 5,000 small creditors.
Large creditors included the Swiss Bankers Association. The liquidators
said that a number of those owed money could not be reached to receive
a settlement. They added that unclaimed money would eventually be transferred
to the town of Thun as well as to the local authorities in Spiez and Saanen,
which were left to deal with a number of hardship cases caused by the bank's
collapse.
Sea change
The Swiss Federal Banking Commission's decision
to close SLT branches and cash machines on October 3, 1991 sent a shudder
through the banking sector. It led to a new law on bank insolvency and
increased depositor protection. The move also speeded up restructuring
of regional banking.
The sector's umbrella organisation put together
a new concept with the motto "autonomous in the front, cooperation in the
back office". It founded a new association called RBA-Holding, which was
to oversee the restructuring efforts of member
banks. "The regional banks could remedy their structural weakness with
the help of the umbrella organisation,"
Professor Beat Bernet of St Gallen University said.
According to analysts, thanks to this new
way of doing business, the banks were able to weather the storm. Hans Geiger,
a professor at Zurich University, called the concept a "good achievement".
"The banks did their homework," he added.
Less drama
Bernet stressed that one could never rule out the
collapse of a bank. However, should such an event take place today, "the
consequences for the customers would be less dramatic".
One change in the law after the collapse of
the Thun bank was that deposits up to SFr5,000 would be paid out immediately
in the event of a bank's liquidation. Also the culture of risk management
had developed since the 1990s.
The Banking Commission has increased its supervisory
role, according to Bernet. "Today the Commission without a doubt employs
a much stricter regime with the small banks," he said.