And if, post-UBS, there were still a real market for genuine privacy, bank secrecy & investor protection?
Schweizer Bänkler: quo vadis?
courtesy by: Swiss Investors Protection Association - url: www.solami.com/bankingfuture.htm
inputs by: Hans Geiger, Beat Kappeler, Bernard Lietaer, Patrick Martin, Patrick Masters, Erich Reyhl, Andreas Schweizer, Gian Trepp, ao
related e-books: .../swissbanks.htm ¦ .../walderbsi.htm ¦ .../diamantball.htm ¦ .../QI.htm ¦ .../fatca.htm ¦ .../06069.htm ¦ .../hornung.htm
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.../vision.htm ¦ .../finma.htm ¦ ../USvsUBS.htm ¦ ../Strasbourg.htm ¦ ../Kundenschutz.htm ¦ ../WIR.htm ¦ .../outofthebox.htm ¦ ../autogoal2.htm
.../Anekdoten.htm ¦ ../DSK.htm - tks 4 notifying errors, ommissions & suggestions: +4122-7400362 ¦ swissbit@solami.com - copyright

Schweizerische Interessen, NZZ-Inserat, Trumpf Buur, 26.3.88

21 Jan 13    Banks Face the Innovator's Dilemma, American Banker  JP Nicols
19.Jan 13   Schwarzgeld: Die UBS bricht das Inlandkunden-Tabu, Der Sonntag. Michael Heim
17.Jan 13   William White: «Die Währungskriege sind sehr gefährlich», NZZ, Christof Leisinger
11.Jan 13   BANKENPLATZ SCHWEIZ: Drei Affen, Journal 21,René Zeyer, Kommentar
7.Jan 13   Ehrenhafter Abschluss einer Affäre, Basler Zeitung, René Zeyer
31.Dez 12   BSI-Präsident Alfredo Gysi: «Diese Prognose war zu optimistisch», Tages-Anzeiger, René Lenzin
27.Dez 12   Wo ist das Fähnlein der sieben Aufrechten?, Inside Paradeplatz, Anton Keller
27.Dez 12   Banking im Gotthard, Inside Paradeplatz, Hans Geiger
24.Dez 12   Börsen und Märkte auf der Achterbahn: Untragbare Expansion der Notenbank-Bilanzen, NZZ, Andreas Uhlig
Dez 2012   Schönwetterchancen, Schweizer Monat, Thomas Schmidheiny, Kommentar
29 Sep 12   As Money Pours Down, It’s No Wonder That Stocks Are Up, NYT, JEFF SOMMER
20 aoû 12  La Suisse ne gagnera rien à ramper devant les grandes puissances, Le Temps, Michel Halpérin
17.Aug 12   «Weissgeldstrategie» - Das Unwort des Jahres, NZZ, Dan Kohler
13.Aug 12   Finanzielle Repression: «Sichere Anlagen» schützen nicht vor stiller Enteignung, NZZ, Michael Rasch
13 Aug 12   On Wall Street, the Rising Cost of Faster Trades, NYT, NATHANIEL POPPER
5 Aug 12   Markets Brace for Washington's 'Fiscal Cliff', WSJ, GREGORY ZUCKERMAN
3 Aug 12   Frankenstein Takes Over the Market, NYT, Joe Nocera
3 Aug 12   Trading Program Ran Amok, With No ‘Off’ Switch, NYT, Jessica Silver-Greenberg et al.
6.Jul 12   Steuerflucht: Das lukrative Geschäft mit neuen Pässen, Handelszeitung,:Olivia Kühni
2.Juli 12   Gezinkte Karten, manipuliertes Roulette, Tages-Anzeiger, Philipp Löpfe, Kommentare
30 Jun 12   How Delaware Thrives as a Corporate Tax Haven, NYT, LESLIE WAYNE
31.Mai 12   Das beste Hypothekenmodell der Welt, Tages-Anzeiger, Philipp Löpfe
27 mai 12   HSBC a dénoncé plus de mille employés, Le Matin Dimanche. François Pilet
26 May 12   JPMorgan blues: The Hunch, the Pounce and the Kill, NYT, AZAM AHMED
25.Mai 12   Souveränitätsaushebelung: ESM, das Dritte Ermächtigungsgesetz, Smart Investor, Schweizerzeit, Erwin Grandinger
25.Mai 12   US-Angriff auf Finanzplatz Schweiz, Schweizerzeit , Ulrich Schlüer
25.Mai 12   Gefahren des Papiergeld-Systems, NZZ, Michael Ferber, Kommentare
21.Mai 12   Nebeneffekte der Geldwäscherei-Bekämpfung, NZZ, Martin Killias et al.
20 May 12   Heist of the century: Wall Street's role in the financial crisis, Guardian, Charles Ferguson
13.Mai 12   Angesehene New Yorker Familie im UBS-Steuerstrudel, Tages-Anzeiger, Walter Niederberger, Kommentare
13.Mai 12   Forcierte Wertschriftentransaktionen bewirken automatischen Bankdatentransfer, Sonntags-Zeitung, Catherina Boss et al.
13 mai 12   Des données de clients seront livrées automatiquement à l’IRS, Le Matin Dimanche, François Pilet
11.Mai 12   Die Globallösung im Steuerstreit mit den USA ist gescheitert, Tages-Anzeiger, Arthur Rutishauser, Kommentare
10.Mai 12    Food for thought for an American journey, Anton Keller (deutsch)
9 mai 12   «Pour une égalité de traitement de la Suisse», BILAN Myret Zaki
9.Mai 12    Nicolas Pictet: «Wir sind nicht im Visier der USA», Finanz und Wirtschaft, Thomas Wyss
7.Mai 12   Pictet fühlt sich sicher, NZZ, Ermes Gallarotti
6 May 12   Pictet & Cie: not accused in breach of US law & not targeted by US Tax Authorities
6. Mai 12   Bank Pictet: Konti nicht deklariert, Sonntags-Zeitung, Catherine Boss et al
5 May 12    These Islands Aren’t Just a Shelter From Taxes, NYT, ROBERT M. MORGENTHAU
Mai 2012   Keine Angst vor Uncle Sam, Schweizer Monat, Daniel Mitchell et al.
Mai 2012   Hanspeter Thür zum Bankgeheimnis: Einer gegen alle, Schweizer Monat
30.Apr 12   Wie Apple Steuern in Milliardenhöhe umgeht, Tages-Anzeiger, Kommentare
28 Apr 12   How Apple Sidesteps Billions in Taxes, NYT, CHARLES DUHIGG et al.
25.Apr 12   Deutsche verhaften falschen Swiss Banker, insideparadeplatz.ch, Ih, Kommentare
23.Apr 12   Steuerstreit mit USA: Knackpunkt ist Identifikation der Bankkunden, Tages-Anzeiger, Andreas Flütsch
14.Apr 12   Notiz zur Parlamentarierreise nach Washington (6.Mai)  (English)
14.Apr 12   Oswald Grübel: «Diese Weissgeldstrategie ist unbrauchbar», Tages-Anzeiger, Rita Flubacher et al.
10.Apr 12   Steuerstreit mit den USA: Die Suche nach Plan B, Tages-Anzeiger, Arthur Rutishauser
6.Apr 12   Streit um das Bankgeheimnis: Das dicke Ende kommt erst noch, Berner Zeitung, Bernhard Kislig
4 avr 12   Les grandes banques sommées de traquer les évadés fiscaux américains, Le Monde, Anne Michel
28.Mär 12  Die USA ziehen Staatsanwälte im Steuerstreit zurück, Tages-Anzeiger , Walter Niederberger et al.
27 Mar 12   U.S. Tax-Evasion Probes Said to Slow as Prosecutors Transfer, Bloomberg, David Voreacos, comments
27.Mär 12  Keine Sargnägel für Totengräber!, Iconoclast
24.Mär 12  FATCA-Laudatio: Danke, Mister President, Tages-Anzeiger Magazin, Daniel Binswanger
18.Mär 12  Die Schweiz sollte in den USA viel offensiver auftreten, NZZ, Richard W. Rahn
15.Mär 12  Motion 12.3255: Keine Fiskalexperimente ohne Reziprozität ¦ No fiscal experiments without reciprocity
11.Mär 12  Der Diebstahl - Auf den unglaublichen Spuren einer Daten-CD, SF
10.Mär 12  US-Kunden-Samariter Wegelin hat mit IRS QI-Abkommen, Tages-Anzeiger, Bund, Basler Zeitung (zensuriert)
10.Mär 12  Unser Staat ist kein Richterstaat, Tages-Anzeiger, Bund, Basler Zeitung (zensuriert)
9.Mär 12  ARIGIN (Arroganz, Ignoranz & Inkompetenz) ist eine gefährliche Mischung, Basler Zeitung (zensuriert)
9.Mär 12  Wegelin steht als Samariter grad, Basler Zeitung (zensuriert)
9.Mär 12  Der Schmid ist gefragt, nicht der Schmidli!, Basler Zeitung (zensuriert)
9.Mär 12  Auch der Bundesrat hat kein Monopol auf gute Ideen, Basler Zeitung
9.Mär 12  Keine Verhandlungen mit IRS flat earth fellows und Peinigern!, Tages-Anzeiger, Bund, Basler Zeitung (zensuriert)
9.Mär 12  Elisabeth Kopp: «Ich plädiere für Standhaftigkeit», Tages-Anzeiger, Bund, Claudia Blumer, Kommentare
9.Mär 12  Elisabeth Kopp: «Ich wäre viel härter vorgegangen», Basler Zeitung, Thomas Lüthi, Kommentare
8 Mar 12   Swiss President Wants Tax Accord From U.S., NYT, DAVID JOLLY
8.Mär 12  Anschuldigungen fremder Staaten und Staatsanwälte, ThinkingThingsOver, Walter E. Haefliger
6 Mar 12   Chasing foreign investment out of the U.S. is Job-Killing Madness, Washington Times, Richard W. Rahn
6.Mär 12  Irreführung der Saturierten, NZZ, Anton Keller
5.Mär 12  Elisabeth Kopp: Frei bleibt nur wer seine Freiheit gebraucht, NZZ (Kommentare unterdrückt da nicht in NZZonline aufgenommen)
4.Mär 12    Haltlose US-Anklage gegen Bank Wegelin, Schweizerzeit, Hans Spitz
4.Mär 12  Wegleiter für eine würdige Globallösung
19.Feb 12   Brisanter Vorschlag aus dem Finanzdepartement, Tages-Anzeiger, ami
16.Feb 12   Wie der Steuerstreit mit den USA anfing, NZZ Online, Zoé Baches, Kommentare
16.Feb 12   Die plagende Zusatzerklärung im UBS-Staatsvertrag, NZZ, Hansueli Schöchli, Kommentar
14.Feb 12   Diplomatische Verhandlungslösung per Schiedsgericht?, ASDI/SIPA, Anton Keller
14.Feb 12   Finanzkontrolleur USA: FATCA, Die dunkle Seite der Macht, Journal 21, René Zeyer
13.Feb 12   Steuerstreit USA/Schweiz: Stunde der Dilettanten, Journal 21, René Zeyer
11 Feb 12   Back from the brink, WSJ, Anton Keller
9 Feb 12   The Fight Against Tax Evasion, NYT, editorial
6.Feb 12   Hannes Germann: Wider die Gruppenanfragen - Mehr Selbstbewusstsein ist gefragt, TA
3.Feb 12   Oswald Grübel: «Die Rede von der Weissgeldstrategie ist sehr gefährlich», NZZ, Z.Baches
3.Feb 12   Bank Wegelin von den USA angeklagt, NZZ Online, Christoph Eisenring
1.Feb 12   Der Schweizer Finanzplatz in Not, NZZ, Peter A. Fischer, Kommentar
1.Feb 12   Faith Whittlesey: «Spielen Sie 'American hardball'", BAZ, Bund, TA,  Markus Wüest
29.Jan 12   Härtere Haltung im Steuerstreit gefordert, NZZ am Sonntag, Felix E. Müller
27.Jan 12   Ein Weckruf für die Schweiz, NZZ, Markus Spillmann, Kommentar
27.Jan 12   Konrad Hummler: «Wir geben unser Lebenswerk auf» Wegelin kapituliert, NZZ Online, tsf
21.Jan 12   Wer hat die elf Banken verraten?,Tages-Anzeiger, Arthur Rutishauser
20.Jan 12   Wer macht in den Banken noch Politik?, Tages-Anzeiger, Constantin Seibt
14.Jan 12   Das Bankgeheimnis ad absurdum geführt, NZZ, Leitartikel
14.Jan 12   Das ungelöste Rätsel der Union, Fuldaer Zeitung, Frank Schäffler
12.Jan 12   Finanzmarktransaktionssteuer: Wer die Kosten wirklich trägt, eigentümlich frei, Ralph Bärligea
12.Jan 12   Der Kampf um die Notenbanken, Tages-Anzeiger, Philipp Löpfe
12.Jan 12   Nicolas Pictet:  «Finanzwelt wurde vergiftet», finews.ch
11.Jan 12   CS liefert zu viele Kundendaten, NZZ, Zoé Baches, Leserkommentare
11.Jan 12   Robert Holzach:  Erfolgsrezepte früherer Bankiergenerationen, finews.ch, Robert U. Vogler
9 Jan 12   Swiss Central Bank Chief Resigns After Uproar, NYT, JACK EWING
8.Jan 12   Mit Vollgeld aus der Krise, Zeitpunkt,:Christoph Pfluger
7 jan 12   Max Gallo: «Nous n’avons pas de menace extérieure grave ...», Le Temps, Mathilde Farine
22 Dec 11   Suppose: I'm a kingpin with $100mio to wash, Iconoclast
19.Dez 11   Credit Suisse und die Schattenbanken, Basler-Zeitung, Bernhard Fischer
18 Dec 11   Tax avoidance trade puts Square Mile in spotlight again, The Observer, Nick Mathiason
18.Dez 11   Die USA offerieren elf Schweizer Banken Straffreiheit, Sonntags-Zeitung, Lukas Hässig
16.Dez 11   «Das Vertrauen in den Finanzplatz Schweiz ist geschwunden», NZZ Online, Zoé Baches
14 déc 11  Le Conseil des Etats aplanit le différend avec les Etats-Unis, Le Temps, Willy Boder et al.
13 déc 11  Le Conseil fédéral accusé d’avoir agi sans base légale, Le Temps, Denis Masmejan
12.Dez 11   Fragwürdiger Plan zur «Rettung» der Banken, NZZ, Rainer Schweizer
12 déc 11  Les exigences du nouveau client bancaire, Le Temps, Christian Kobler
11.Dez 11   Erwägungen zum DBA-Zusatzabkommen (Gruppenanfragen), Anton Keller
11.Dez 11   Banken: Neuer Staatsvertrag mit USA, Sonntags-Zeitung, Joël Widmer et al.
10 déc 11  Accord fiscal avec les Etats-Unis: le parlement devant le fait accompli, Le Temps. Denis Masmejan
30.Nov 11   Sündenböcke: Wie es den im Steuerstreit mit den USA angeklagten Schweizern ergeht, NZZ, Zoé Baches
30.Nov 11   Von der Fiktion «des Bösen», NZZ, Zoé Baches
29 Nov 11   Time to Think the Unthinkable on the Euro, Wall Street Journal, SIMON NIXON
26 nov 11   Hans-Werner Sinn: «L’Union européenne ne fait que retarder l’inévitable.», Le Temps,  Frédéric Therin Munich
26.Nov 11   Euro – keine ernsthafte Währung mehr, Basler Zeitung, Jeremy Warner
24 Nov 11   Death of a currency as eurogeddon approaches, The Telegraph, Jeremy Warner
23.Nov 11   Die grosse Reform, moneta - Zeitung für Geld & Geist, Gian Trepp
16.Nov 11   320 Milliarden Papiermark für ein Ei, NZZ, Walter Günthardt
14 nov 11   Goldman Sachs: le trait d'union entre Mario Draghi, Mario Monti et Lucas Papadémos, Le Monde, Marc Roche
14.Nov 11   Staatsrecht 101 - 107, NZZ  (zensiert)
2.Nov 11   Schattenbanken als neue Spielcasinos der Finanzmarktzocker, Basler Zeitung
27 oct 11   La Suisse relativise les menaces européennes sur Rubik, Le Temps, Sébastien Dubas
21 oct 11   Mettre en œuvre «Rubik», le casse-tête des banquiers, Le Temps, Sebastien Dubas et al.
3.Okt 11 Monetative – eine monetäre Modernisierung, Zeitfragen, Werner Wüthrich
26.Sep 11   Es braucht eine scharfe Gangart, NZZ, Werner Enz, Kommentare
26.Sep 11   Der Wurm sitzt noch tiefer, NZZ Online, Anton Keller
25.Sep 11   Schweizer Banken erfüllen neues Ultimatum aus Washington, NZZ am Sonntag, Sebastian Bräuer
24.Sep 11   Markus Somm: Wir sind nicht der Irak - US wollen unser Bankgeheimnis brechen, Bundesrat taumelt, BAZ
22.Sep 11   Geheimnotiz zeigt Zugeständnisse an die USA, Tages-Anzeiger, Christian Brönnimann et al.
19.Sep 11   Vor heiklem Entscheid im Steuerstreit mit den USA, Neue Zürcher Zeitung, Hansueli Schöchli
19.Sep 11   Frei nur bleibt wer seine Freiheit gebraucht, NZZ, Anton Keller
18.Sep 11   Die UBS in fünf Jahren, NZZ am Sonntag, Markus Städeli
18.Sep 11   Lex Credit Suisse - ohne FDP, SP, SVP? Neue Weissgeldstrategie der SP, Tages-Anzeiger, mrs, Kommentare
17.Sep 11   Hans-Werner Sinn: «Und dann gehen wir alle gemeinsam unter», Tages-Anzeiger, Niklaus Bernhard.
17.Sep 11   Im Steuerstreit mit den USA zeichnet sich eine Einigung ab, Tages-Anzeiger, Arthur Rutishauser, Kommentare
16.Sep 11   Amerikaner signalisieren Bereitschaft für globalen Deal, NZZ Online, Zoé Baches, Leserkommentare
16.Sep 11   Mehr Übermut als Demut bei der UBS, NZZ Online, Marco Metzler, Kommentare
15.Sep 11   FDP & SVP gegen Lex CS:Bundesrat irritiert Banken und Politiker, NZZ Online, Zoé Baches, Leserkommentare
14 Sep 11   "only those who use their freedom remain free" Zitat  entstammt der CH-Verfassung, NZZ Online, Anton Keller
13 Sep 11   Abartige Weissgeldstrategie statt festhalten an Bewährtem, NZZ Online, Anton Keller
13 Sep 11   Entwürdigender Niedergang der Titanic, NZZ Online, Anton Keller
10 Sep 11   Cambridge Philippika: Adam Smith's failing "invisible hand", Symposium on Economic Crime, Anton Keller
7 sep 11   Myret Zaki: Investisseurs, politisez-vous! La solvabilité des Etats-Unis repose sur l’échec de l’Europe, BILAN
4.Sep 11   Steuerstreit mit den USA eskaliert, Sonntagszeitung, Lukas Hässig
4.Sep 11   Die Schweizer Banken befürchten Milliardenbusse im US-Steuerstreit, Sonntagszeitung, Martin Spieler
Aug 2011   Rainer J. Schweizer: Der Rechtsstaat und die EMRK im Fall der Kunden der UBS AG, AJP/PJA
28.Aug 11   Lex Credit Suisse: Das Bankgeheimnis steht vor dem Aus, Tages-Anzeiger
26.Aug 11   Wen der UBS-Vertrag schützt – und wen nicht, NZZ Online, Zoé Baches
24.Aug 11   Bis hierher und nicht weiter, NZZ, Hansueli Schöchli
24.Aug 11   Recht, Respekt und Glaubwürdigkeit, NZZ, Hansueli Schöchli
23 Aug 11   Swiss Banks and Taxes, NYT, Swiss Ambassador Manuel Sager, Letter to the Editor
20.Aug 11   Hallo Bern!, themageld.blogspot.com, Kaj Niggli
16 Aug 11   Swiss Banks, Aiding and Abetting, NYT, editorial
5.Aug 11   Der Weg aus dem Steuerstreit, NZZ Online, Zoé Baches
4.Aug 11   Die Büchse der Pandora ist offen, NZZ Online, Zoé Baches
1.Aug 11   Ohne Selbstbestimmung keine Freiheit, Schweizerzeit, Ulrich Schlüer
28.Jul 11   Sollen sich Schweizer Grossbanken aufspalten?, NZZ Online, mtz
25.Jul 11   «Die Schweizer Diplomatie ist unfähig, hart aufzutreten» Tages-Anzeiger, Claudia Blumer
22.Jul 11    USA setzen der Schweiz Pistole an die Brust, 20minuten.ch,  Lukas Hässig,  Kommentare
21.Jul 11   Kevin Downing: Der härteste Gegner des Bankgeheimnisses, Tages-Anzeiger, Lukas Hässig
21.Jul 11   Gefährlicher Unsinn aus Lausanne, Weltwoche, Gans Geiger
18.Jul 11    Spätfolgen des "landesverräterischen Liebesdienstes", Anton Keller
17.Juli 11   Zur Motion 10.4069 Proaktiver Finanzmarktschutz, Memo to a comrade-in-arms
17 juil 11   Protection proactive de la place financière, Motion 10.4069
17 juil 11   TF, UBS: Conséquences d’un «service de traitre», swissbit
16 juil 11   Clients UBS livrés aux Etats-Unis: le Tribunal fédéral couvre la Finma, Le Temps, Denis Masmejan
16 juil 11   Affaire UBS: les mains sales, Le Temps, Denis Masmejan, commentaire
15.Jul 11   BG desavouiert BVG: Herausgabe der Daten an die USA rechtmässig, NZZ, SDA
15 Jul 11   US Congressman Bill Posey, et al.: H.R.2568 -- Nonresident Alien Deposit Bill
15 Juli 11   US lawmakers fighting for preserving foreign bank client privacy, Bill Posey
7.Jul 11   Hoffnung für verratene UBS-Kunden, ASDI/SIPA, Anton Keller
27 Jun 11    A UBS Customer Pleads Guilty to Tax Evasion, NYT, REUTERS
28.Jan 11   Der UBS-Staatsvertrag mit den USA ist erfüllt, NZZ, Rainer J. Schweizer
21.Jun 11   Was der Bankenvergleich bringen muss, NZZ Online, Zoé Baches
9.Mai 11   Die Regulierer entdecken das schwarze Loch der Hedgefonds, BaZ / Tages-Anzeiger, Robert Mayer
10 Oct 10    Iconoclast: Did the IRS' money-laundering save the global economy?
12 Sep 10    Follow the Dirty Money, NYT, ROBERT MAZUR
11.Sep 10   FATCA: ein neues US-Gesetz mit grosser Tragweite, NZZ, Peter R. Altenburger et al. (English)
10 Sep 10   Towards a democratically controlled QI system, Cambridge Symposium, ASDI/SIPA, Anton Keller
10 Sep 10   Drug Money Props Up Banks During Recession, New American, Joe Wolverton
18 May 10   FATCA: New automatic info exchange tool may be more than what the IRS gambled for, Tax Justice Network
18 Apr 10   Antonio Maria Costa: International crime groups have acquired military dimensions, UNTV
9 Apr 10    How the U.S. cracked open secret vaults at UBS, Reuters, Lisa Jucca
9.Jan 10   Urs Behnisch: «Die Herausgabe der Kontendaten war katastrophal», Tages-Anzeiger, David Vonplon
6 Jan 10   Israeli Banks Bar U.S. Customers From Holding Securitiesy, Globes,  Hadas Magen
26 Dec 09   Robert Morgenthau, whipping master of Credit Suisse, steps down, WSJ, James Freeman, comments
13 Dec 09   $352 bn drug money saved banks in global crisis, claims UN advisor, The Observer, Rajeev Syal
8 Oct 09   America’s Quest to Collect Taxes Abroad, NYT, JEFFREY GOLDFARB et al.
22.Feb 09   Urs Behnisch: «Die Aktenherausgabe im Fall UBS ist kriminell», NZZ Online, Zoé Baches
21.Feb 09   Robert Waldburger: Unbegründete Angst um das Bankgeheimnis, NZZ, rg./ti
30.Jan 09    Behnisch-Gutachten: US-Amtshilfegesuch im Fall UBS auf wackligen Füssen, NZZ Online, Zoé Baches et al.
19.Jan 89   Kuhhandel: Ex-Bundesanwalt Walder arbeitete für die USA, Basler Zeitung, Erich Reyhl
6.Jul 06   Der CIA treu ergeben, FACTS, Martin Stoll
19.Apr 85   Schweizer Banken zu nachgiebig?, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Blick durch die Wirtschaft,
26.Mär 85  Lex Americana?, Wall Street Journal, editorial
15.Mär 85  Rechtshilfeabkommen: Zunehmende USA-Übergriffe in die schweizerische Wirtschaft, BAZ, Erich Reyhl
15.Mär 85  Fahrlässige Zerstörung des Schweizer Finanzplatzes, Basler Zeitung, Erich Reyhl, Leitartikel
26.Okt 81   Friend-in-need or traitor indeed? Hans Walder's private legal assistance in BSI insider case
25.Nov 73   Fünfzig Jahre nach der größten Inflation der Weltgeschichte, NZZ, Walter Günthardt




LEGAL OPINION BY PROF. DR. HANS WALDER, UNIVERSITY OF BERNE, INSTITUTE OF CRIMINAL LAW.
RE: SEC v. Banca della Svizzera Italiana, etc. al.  81 Civil 1836 (MP) (S.D.N.Y.)     [emphasis added]

1.  I STUDIED THE LEGAL OPINION OF MR. AUBERT DATED 13TH JULY 1981 IN THE ABOVE MENTIONED CASE.  ALL THAT MR. AUBERT SAYS IN RELATION TO ARTICLES 273 AND 162 OF THE SWISS PENAL CODE AND ARTICLE 47 OF THE SWISS BANKING ACT IS AS A GENERAL APPROACH CORRECT AND VALID.

2.  MR. AUBERT, HOWEVER, DOES NOT PROPERLY DEAL WITH THE QUESTION: WHAT IF THE FOREIGN (NON-SWISS) AUTHORITY, FOR INSTANCE A U.S. JUDGE, DOES NOT TAKE INTO CONSIDERATION SWISS LEGISLATION?  WHAT IF THE FOREIGN AUTHORITY DOES NOT KNOW SWISS LAW OR IS NOT WILLING TO TAKE IT INTO CONSIDERATION, WHATEVER THE REASONS MIGHT BE?  IN SUCH A CASE, THE PERSON WHO SHOULD GIVE THE INFORMATION REQUESTED IS A VICTIM OF TWO CONFLICTING OBLIGATIONS: (1) HE SHOULD GIVE INFORMATION, FOR INSTANCE AS A WITNESS, TO THE FOREIGN AUTHORITY, AND IF HE DOES NOT HE WILL BE PUNISHED (FINE, IMPRISONMENT, LOSS OF LICENSE FOR HIS ENTERPRISE AND SO ON); (2) IF HE GIVES THE INFORMATION TO THE FOREIGN AUTHORITY, HE COULD BE PUNISHED "AT HOME" (SWITZERLAND) ACCORDING TO ARTICLES 273 AND 162 OF THE SWISS PENAL CODE, AS WELL AS ARTICLE 47 OF THE SWISS BANKING ACT (IF HE IS A BANKER), BECAUSE HE GAVE AWAY SECRETS PROTECTED BY SWISS LAW.

3.  IT IS NOT THE FIRST TIME THIS PROBLEM HAS OCCURRED, AND THERE ARE A FEW SWISS COURT DECISIONS DEALING WITH THIS CONFLICT.  IN THESE DECISIONS THE JUDGES EXAMINED THE CASES UNDER ARTICLE 34 OF THE SWISS PENAL CODE, CALLED "STATE OF NECESSITY", WHICH SAYS (IN FREE TRANSLATION): "THE (CRIMINAL) ACT SOMEBODY COMMITS TO PROTECT HIS  OWN GOOD ("GOOD" I.E. INTEREST), ESPECIALLY LIFE, BODY, FREEDOM, HONOR AND FORTUNE, FROM AN IMMEDIATE DANGER THAT CANNOT OTHERWISE BE AVOIDED, WILL NOT BE PUNISHABLE IF HE IS NOT RESPONSIBLE FOR THE DANGER AND IF ONE CANNOT EXPECT HIM TO GIVE UP HIS (MORE VALUABLE) GOOD."

4.  PRACTICALLY THE SAME HOLDS IF SOMEBODY HELPS ANOTHER PERSON (OR ENTERPRISE) AVOID DAMAGE BY DESTROYING ANOTHER LESS VALUABLE GOOD.

5.  TO BE QUITE CLEAR, IN ORDER TO ACCEPT A STATE OF NECESSITY THE FOLLOWING CONDITIONS MUST BE FULFILLED:
A)  THERE IS A DANGER TO A GOOD, FOR INSTANCE TO SOMEBODY'S FORTUNE;
B)  THIS DANGER IS IMMEDIATE AND CANNOT BE AVOIDED IN A MILDER WAY THAN BY COMMITTING A CRIMINAL ACT;
C)  THE PERSON ACTING IS NOT RESPONSIBLE FOR THE CONFLICT HE GOT INTO;
D)  WE CANNOT EXPECT THE PERSON IN QUESTION TO GIVE UP HIS GOOD (OR THE GOOD OF ANOTHER PERSON) BECAUSE THE ENDANGERED GOOD IS MORE IMPORTANT THAN THE GOOD HE IS DESTROYING (TO SAVE THE FIRST).  THIS COMPARISON OF GOODS INVOLVED IS IMPORTANT.

6.  IF ALL THESE CONDITIONS ARE FULFILLED, THE PERSON COMMITTING THE CRIMINAL ACT WILL NOT BE PUNISHABLE UNDER SWISS LAW.  THE COURT OR THE INVESTIGATING MAGISTRATE WILL FIND HIS ACTION JUSTIFIED OR EXCUSED.

7.  I DO NOT KNOW WHAT THE SANCTIONS IN THE UNITED STATES WOULD BE IF BANCA DELLA SVIZZERA ITALIANA OR THEIR REPRESENTATIVES REFUSE TO GIVE THE INFORMATION REQUIRED BY THE SEC OR BY A U.S. JUDGE.  IF IT WERE ONLY A RELATIVELY SMALL FINE, A SWISS JUDGE APPLYING ARTICLES 273 AND 162 OF THE SWISS PENAL CODE AND ARTICLE 47 OF THE SWISS BANKERS' ACT COULD HARDLY CONSIDER AS A STATE OF NECESSITY THE SITUATION OF THE PERSON GIVING AWAY SECRETS.  HOWEVER, IF THE SANCTIONS (IN CONSEQUENCE OF NOT GIVING THE REQUIRED INFORMATION) WERE, FOR EXAMPLE, A VERY HIGH FINE, IMPRISONMENT OR LOSS OF LICENSE TO CARRY OUT BANKING TRANSACTIONS IN THE U.S., IT WOULD BE DIFFERENT: I THINK THE SWISS JUDGE WOULD QUALIFY THE SITUATION AS NECESSITY, WITH THE CONSEQUENCE THAT HE COULD NOT PUNISH THE PERSON INVOLVED.  BUT I AM NOT A SWISS JUDGE, AND I CANNOT SAY FOR SURE HOW A SWISS JUDGE WOULD DECIDE.

8.  THERE IS, HOWEVER, A DECISION OF THE ZÜRICH HIGH COURT IN THIS RESPECT, THE "ACKERMANN CASE" (NOT PUBLISHED AS FAR AS I KNOW):  MRS ACKERMANN, SWISS CITIZEN, INHERITED FROM HER HUSBAND A SMALL ENTERPRISE IN CZECHOSLOVAKIA (CSSR) DIRECTED BY A CZECHOSLOVAK CITIZEN.  THE SALARY OF THIS MAN WAS PARTLY PAID IN THE CSSR, PARTLY IN SWITZERLAND.  NOT INFORMING THE CSSR AUTHORITIES OF THE SWISS SALARY HE RECEIVED WAS A VIOLATION OF CSSR LAW. WHEN MRS. ACKERMANN ENTERED THE CSSR AFTER RECEIVING THE INHERITANCE, SHE WAS INTERROGATED BY THE CSSR AUTHORITIES AND WAS TOLD SHE COULD LOSE HER ENTERPRISE IN THE CSSR IF SHE DID NOT GIVE INFORMATION ABOUT THE CSSR DIRECTOR'S SALARY IN SWITZERLAND.  SHE THUS MADE SOME STATEMENTS VIOLATING IN PRINCIPLE ARTICLE 273 OF THE SWISS PENAL CODE.  RETURNING TO SWITZERLAND SHE SENT ADDITIONAL INFORMATION TO THE CSSR AUTHORITIES, WHICH HAD NOT BEEN REQUIRED BY THEM.  A CRIMINAL CASE WAS OPENED AGAINST HER IN SWITZERLAND.  SHE WAS NOT PUNISHED FOR GIVING AWAY SECRETS ABOUT THE DIRECTOR'S SALARY WHILE INTERROGATED IN THE CSSR, BECAUSE THE SWISS COURT FOUND SHE HAD ACTED WHEN IN A STATE OF NECESSITY.  ON THE OTHER HAND, SHE WAS CONVICTED FOR GIVING AWAY ADDITIONAL SECRETS AFTER HAVING RETURNED TO SWITZERLAND, THAT HAD NOT BEEN REQUIRED BY THE CSSR AUTHORITIES.
 9.  THERE ARE OTHER COURT DECISIONS IN RELATION TO ARTICLES 273 AND 34 (STATE OF NECESSITY).
10.  IF YOU NEED A MORE EXTENSIVE LEGAL OPINION OF THE  PROBLEM AND MORE COURT DECISIONS, PLEASE LET ME KNOW.

PROF. DR. HANS WALDER,  BERNE    FORMER ATTORNEY GENERAL OF SWITZERLAND
BERNE, OCT. 26, 1981

ROBERT B. BLACKBURN, ESQ.  SECURITIES AND EXCHANGE COMMISSION
26 FEDERAL PLAZA - ROOM 1100       NEW YORK, NEW YORK 10007




BASLER ZEITUNG
19.Januar 1989
Kuhhandel: Ex-Bundesanwalt Walder arbeitete für die USA
von  Erich Reyhl, Wirtschaftsredaktor Genf
Der Berner Strafrechtsprofessor und Ex-Bundesanwalt Hans Walder hat den USA verraten, wie sie das Schweizer Bankgeheimnis erfolgreich knacken können, um Insideroperationen aufzudecken. Den in den USA tätigen Schweizer Banken kam dieser« Kuhhandel» vielleicht nicht einmal ungelegen.
    1981 ging durch die Schweizer Presse und die Parlamente ein Aufschrei des Protestes, weil es die Amerikaner wagten, Schweizer Banken mit hohen Beugestrafen zur Verletzung des damals noch sakrosankten Bankgeheimnisses zu zwingen. Gegen die Banca della Svizzera Italiana wollte der New Yorker Bundesdistriktrichter Milton Pollak tägliche Bussen von 50 000 $ bis zur Preisgabe der geforderten Bankgeheimnisse verhängen, dazu die Sperrung sämtlicher Vermögenswerte der Bank in den USA, die Verhaftung von Bankfunktionären und das Verbot jeglicher Geschäftstätigkeit in den USA.
    Andere Schweizer Institute standen damals vor ähnlichen Drohungen. So die Kreditanstalt, der Bankverein, Swiss American Securities Inc. und Lombard Odier.
    Nun bekennt der dem Landesring angehörende Prof. Walder «Der New Yorker Bundesrichter Pollak ist meiner Auffassung gefolgt, hat das der betreffenden Bank bekanntgegeben, worauf diese Auskunft erteilte:»
    Die «Auffassung» des damals, bereits seit 8 Jahren nicht mehr im Amt stehenden Bundesanwaltes bestand in einem Gutachten, das er auf Bestellung der amerikanischen Botschaft in Bern für die Börsenaufsichtsbehörde SEC am 26. Oktober 1981 verfasste und per Telex aus dem kriminologischen Institut der Universität Bern an Robert B. Blackburn von der Securities and Exchange Commission (SEC), 26 Federal Plaza, New York, schickte.

Banken im «Notstand»

    In dem Gutachten schlug er den Amerikanern kurzerhand vor, die Schweizer Banken (sei es auch nur zum Schein) in einen derartigen «Notstand» zu versetzen, dass sie sich auf den Notstandsartikcl 34 des Schweizerischen Strafgesetzbuches beziehen können, um in der Heimat ungestraft das Bank- und Geschäftsgeheimnis verletzen zu können, aus Notwehr sozusagen.
    Bei den bis dahin kleinen Bussen der Amerikaner würden Schweizer Richter eine Verletzung des Bankgeheimnisses (Art. 47 Bankgesetz) und des Verbotes von wirtschaftlichem Nachrichtendienst (Art. 273 Strafgesetzbuch) sicher entsprechend bestrafen. Art. 273 sieht beispielsweise «Gefängnis, in schweren Fällen Zuchthaus», «verbunden mit Busse», für den vor, der «ein Fabrikations- oder Geschäftsgeheimnis einer fremden amtlichen Stelle oder einer ausländischen Organisation oder privaten Unternehmungen oder ihren Agenten zugänglich macht».
    «Wenn hingegen», so Walder in seinem Gutachten, «die Sanktionen (für die Verweigerung der Preisgabe der geforderten Informationen) beispielsweise in einer sehr hohen Busse, Gefängnis oder dem Verlust der Lizenz in den USA geschäftlich tätig zu sein, bestehen würde, wäre die Lage anders. Ich denke, dass dann ein Schweizer Richter die Lage als Notstand ansehen müsste, mit der Konsequenz, dass er die betreffende Person nicht bestrafen könnte». Dieses Rezept des Berner Kriminologen und frühern höchsten Hüters der schweizerischen Gesetze, inklusive des Bankengesetzes und Strafgesetzes, wendeten die Amerikaner postwendend an.

Banken waren gleich zwei Sorgen los

    Die international aktiven Schweizer Banken waren auf einen Schlag zwei Sorgen los. Sie riskierten keine Strafverfolgung mehr, weder in der Schweiz noch in den USA. Ausserdem konnten sie ihre damals gewaltige Expansion in den USA und auf den dortigen Finanzmärkten ungestört fortsetzen.
    Das schweizerische Bankgeheimnis war damit allerdings zum erstenmal ernsthaft durchlöchert. Wie ein Beamter des SEC auf Anfrage der BaZ erklärte, wurde das damalige Walder-Gutachten «als Zeichen angesehen, dass es den Schweizern mit der Verteidigung des Bankgeheimnisses nicht mehr ernst ist, ja dass sie dieses Bankgeheimnis als lästig empfinden». In dieser Meinung wurden sie durch die weiteren Entwicklungen bestärkt. Es wurden teils bereitwillig Auskünfte gegeben, bevor die Amerikaner offiziell danach fragten. Auch die bis anhin geltende «doppelte Voraussetzung» für eine Lockerung des Bankgeheimnisses wurde darauf in der Praxis mehrmals verletzt, nämlich, dass l. eine Straftat vorliegen müsse und 2. durch die Beeinträchtigung der Geheimhaltungsinteressen privater Unternehmungen nicht auch gleichzeitig «die Interessen der schweizerischen Volkswirtschaft und damit gesamtschweizerische Interessen verletzt oder gefährdet» werden.

Stilles Entsetzen

    Andreas Hubschmid von der Schweizerischen Bankiervereinigung erklärt zwar: «Wir waren damals entsetzt über das Walder Gutachten... Es lag politisch völlig daneben ... Wir haben dann aber eine andere Lösung gefunden...» Die Bankiervereinigung hat jedoch ihr Entsetzen nie öffentlich bekundet und nicht einmal intern wirksam umgesetzt.

Ahnungslose Politiker

    Die bewährtesten Stützen der Wirtschaft in den Parlamenten wussten bis heute nichts vom damaligen Kuhhandel. Sie bekamen das Walder Gutachten erst in den letzten Tagen zu Gesicht. Nationalrat Eisenring erklärt beispielsweise: «Wenn man so etwas sieht, dann denkt man zuerst an eine Fälschung, und der zweite Gedanke ist: < Es darf nicht wahr sein>.» Alt-Bundesrat Furgler, der Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartementes der damaligen Zeit, erklärt, dass auch er nicht informiert worden sei. Walder, der damals bereits seit mehr als acht Jahren aus dem Amt des Bundesanwaltes ausgeschieden war, habe aber durchaus das Recht gehabt, ein Gutachten für die Amerikaner abzugeben.

"Alle haben es gewusst»

    Prof. Walder selbst erklärt gegenüber der BaZ: «Die Banken haben es gewusst, die Aufsichtsbehörde (Bankenkommission. Die Red.) hat es gewusst, die Bundesanwaltschaft hat die Richtigkeit des Gutachtens indirekt anerkannt, indem sie gegen die Verletzung des Bankgeheimnisses unter den gegebenen Umständen nicht vorging.» Nach Walder muss es auch der Bundesrat gewusst haben. «Ich muss den Bundesrat zwar nicht fragen, um ein solches Gutachten abzugeben, aber er hat es wahrscheinlich schon erfahren», erklärt er.
    Tatsache ist, dass der von Walder, sei es nun mit oder ohne Zustimmung oder gar auf Verlangen der Banken und des Bundesrates, ausfindig gemachte Weg zur Unterwanderung des Bankgeheimnisses so effizient war, dass er nachträglich «unter Druck legalisiert werden musste».
    Die Banken lösten das Problem ab dem l. Januar I983 mit der sogenannten «Konvention XVI der Schweizerischen Bankiervereinigung betreffend die Behandlung von Ersuchen der amerikanischen SEC um Auskunft über den Missbrauch von Insider Informationen». So der Titel. Mit dieser Konvention wurden die Bankkunden privatrechtlich unter bestimmten Bedingungen zum «freiwilligen» Verzicht auf den Schutz durch das Bankgeheimnis gezwungen. Sie mussten entsprechende Revers unterzeichnen.
    Um die Verantwortung für die Durchlöcherung des Bankgeheimnisses gegenüber ihren Kunden völlig los zu werden, arbeiteten dann die Bankenvertreter «konstruktiv» an der Insidergesetzgebung mit. Sie löste die Konvention XVI ab, welche Ende I988 auslief.

«An der Nase herumgeführt»

    «Dies wirft ein völlig neues Licht auf unsere parlamentarische Arbeit», erklärt sogar ein «linker» Nationalrat gegenüber der BaZ, der an und für sich für eine Lockerung des Bankgeheimnis und eine Verschärfung der Verbrechensbekämpfung ist. «Wir glaubten aus Eigenverantwortung heraus, als souveränes Parlament, zu handeln, das mit dem Insidergesetz einen Beitrag zur Bekämpfung der internationalen Finanzverbrechen leisten wollte. Nun entdecken wir, dass wir an der Nase herum, genau dorthin geführt wurden, wo die Verwaltung, die Grossbanken und die Amerikaner wollten, um zu rechtfertigen, was sie früher heimlich eingefädelt hatten.»
    Die Affäre dürfte auch den Graben zwischen den multinationalen Schweizer Banken und jenen, die weiterhin hauptsächlich in der Schweiz geschäften wollen, vergrössern. Die letztern sind an der möglichst vollständigen Erhaltung des Bankgeheimnisses als einer besondern schweizerischen «Standort-Spezialität» interessiert. «Für unser Geschäft ist der Kundenschutz zentral», erklärt ein solcher Bankier aus der Basler Region. Für die multinationalen Banken sind die internationalen Expansionsmöglichkeiten jedoch ganz offensichtlich wichtiger.




BASLER ZEITUNG
15.März 1985
Rechtshilfeabkommen: Zunehmende Übergriffe der USA
in die schweizerische Wirtschaft
von  Erich Reyhl

Es häufen sich die Fälle, bei denen die USA ungeniert versuchen, die bestehenden Vereinbarungen über die
gegenseitige Rechtshilfe zu unterlaufen. Die Schweizer Behörden tragen zu der bestehenden Rechtsunsicherheit bei.

     Die Schweiz wird in letzter Zeit wieder mit zunehmenden Übergriffen der USA in ihrer Justizhoheit konfrontiert. Die Genfer Security Bank Pacific wurde für zwei Jahre vom amerikanischen Terminmarkt ausgeschlossen und mit einer Busse von 100000$ belegt, weil sie nicht sofort den Namen eines ihrer Kunden bekanntgab. Die Genfer Anwälte Delissy und Hornung wurden mit Gefängnisandrohung für sich und ihre Klienten in den USA daran gehindert, die Rechte von zwei Amerikanern in der Schweiz zu verleidigen.
    In einem Telegramm an alle amerikanischen Staatsanwälte kündigte das US-Justizdepartement an, dass die Übergriffe von amerikanischen Gerichten, Untersuchungsrichtern und Slaatsanwälten in die ausländische Justizhoheit trotz der Proteste mehrerer Länder diplomatisch und aussenpolitisch abgesichert werden. Damit wird der übliche, völkerrechtlich festgelegte Rechtsweg zwischen den USA und der Schweiz umgangen.

Rechtshilfeabkommen...

    Zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität hat die Schweiz generell und speziell in bezug auf die USA verschiedene Instrumente zur Verfügung gestellt (siehe Kästli). Das Rechtshilfeabkommen, welches in der systematischen Sammlung des Bundesrechtes unter der Nummer 0.351.933.6 mit dem Briefwechsel über 40 Seiten füllt, ist wohl das modernste, längste und weitreichendste Abkommen dieser Art, das von der Schweiz, geschlossen wurde. Es sieht besondere Verfahren zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens vor und sichert den Amerikanern in der Schweiz «Zwangsrnassnahmen» gegen Tatverdächtige bei 35 Straftaten zu, die in einem besonderen  Katalog genauer umschrieben werden.

... ist restriktiv konzipiert

    Der Katalog enthält im Prinzip nur Straftaten, welche auch im schweizerischen Strafgesetzbuch aufgeführt sind und die dementsprechend auch unter die schweizerische Gerichtsbarkeit fallen würden. Bei Fällen, welche in der Schweiz nicht strafbar sind, darf im Prinzip zugunsten der Amerikaner nicht ermittelt werden. Beweismaterial, das den Amerikanern via Rechtshilfe zukommt, darf ebenfalls «im Prinzip» in den USA nicht zur Verfolgung von Verbrechen und Vergehen angewendet werden, die in der Schweiz nicht strafbar sind.

Briefwechsel spricht Bände

    Aber die Auslegung dieser prinzipiellen Begrenzungen lässt doch einen grossen Ermessensspielraum zu. Die willkürliche Nutzung dieses Ermessensspielraumes führt seit einiger Zeit zu vielen Reibereien zwischen Washington und Bern. Die Schweiz lässt sich bei der Rechtshilfe mehr und mehr von politischer Opportunität leiten, wie nicht nur aus der gehandhabten Rechtshilfepraxis, sondern auch aus einem Briefwechsel zwischen dem Bundesamt für Polizeiwesen und dem Vorsitzenden der Genfer Anwaltskammer, Albert-Louis Dupont-Willemin, hervorgeht. Er äusserte an Hand eines konkreten Falles Sorge über schwere Übergriffe der Amerikaner in die schweizerische Rechtspraxis und damit die schweizerische Souveränität (siehe weiter unten). P. Schmid vom Amt für Polizeiwesen antwortete auf diesen Brief: «Das Problem der Verletzung der schweizerischen Souveränität ist ein politisches Problem, das von Fall zu Fall gelöst weiden muss... Andere Umstände können zu einer anderen Entscheidung führen.»

Druckmittel

    Den Amerikanern genügt jedoch ganz offensichtlich weder die schweizerische Rechtshilfe noch das Abkommen der Banken über ihre Sorgfaltspflicht. Amerikanische Untersuchungsbehörden und Gerichte setzen unter Umgehung des Rechtshilfeweges mehr und mehr direkte Druckmittel ein. Es handelt sich im wesentlichen um drei Beugemassnahmen:
    • Die These des Waiver by Conduct. Nach dieser These akzeptieren Personen und Gesellschaften, die in der Schweiz ansässig sind, automalisch die amerikanische Gesetzgebung, wenn sie Geschäftsbeziehungen mit Amerikanern eingehen oder in den USA sogar eine Niederlassung haben. Dies gilt auch für Aktivitäten in der Schweiz. So wurde kürzlich die Genfer Securily Pacific Bank von der US-Commodily Futures Trading Comrnission (CFTC) vom Terminmarkt ausgeschlossen, weil sie unter Berufung auf das schweizerische Bankgeheimnis den Namen eines Kunden nicht bekanntgeben wollte. Die automalische Akzeptierung amerikanischer Gesetze und Regeln, beispielsweise jene der Börsenaufsicht, soll nun neu auch allen jenen aufgezwungen werden, welche an den Aktienbörsen in den USA tätig sind.
    • Durch das Mittel der Subpoena, das heisst durch direkte Gerichtsvorladungen an Personen und Gesellschaften mit schweizerischer Adresse, wird der ordentliche Rechtshilfeweg ebenfalls umgangen. Die amerikanischen Gerichte setzen einfach hohe tägliche Bussen fest, beispielsweise 25000 $ im Fall der Bank of Nova Scotia und 50000 $ pro Tag im Fall Marc Rich, um die direkte Herausgabe von Akten zu erzwingen, desgleichen von Zeugenaussagen und anderen rechtlichen Hilfeleistungen.
    • Im Zusammenhang mit der Weigerung eines Ausländers, einer «Subpoena» Folge zu leisten, kann sich ein amerikanisches Gericht auch als «beleidigt» oder «verachtet» erklären, und für dieses Delikt des sogenannten «Contempt of Court» gibt es nicht nur Busse, sondern Gefängnis. Ende des letzten Jahres hat sich ein Gericht in Florida sogar als «beleidigt» angesehen, weil Genfer Anwälte gegen die Prozedur der Beglaubigung von Bankauszügen in der Schweiz, die auf dem ordentlichen Rechtshilfeweg geliefert worden waren, Beschwerde eingelegt haben. Die Genfer Anwälte selbst und ihre Kunden in den USA wurden mit Gefängnisandrohung gezwungen, auf die rechtlich möglichen Rekurse in der Schweiz zu verzichten. Dies war der Anlass des weiter oben zitierten Briefwechsels zwischen dem Amt für Polizeiwesen und der Genfer Anwaltskammer.

Verräterisches Telegramm

    Das amerikanische Justizdepartement schützt diese Mittel ausdrücklich, wie aus einem Telegramm an alle amerikanischen Staatsanwälte hervorgeht, welches der BaZ vorliegt. Im Telegramm wird vermerkt, dass mehrere ausländische Staaten wegen diesen Methoden «harte Proteste» eingereicht haben, und zwar beim Justiz- wie beim State Department (Aussenministerium). «Wir haben diese Proteste zurückgewiesen und haben auch nicht die Absicht, die hart errungenen Gewinne in dieser Schlacht wieder aufzugeben, aber wir möchten diese Gelegenheit wahrnehmen, um diese Prozesse in Beistandsofferten an die betroffenen Länder umzuwandeln», heisst es in diesem Telegramm des amerikanischen Justizdepartements.
Zerstörung
   Zu beobachten ist die langsame, aber sichere Zerstörung des schweizerischen Rechtssystems: Auf der einen Seite durch seinen Missbrauch durch Verbrecher und andererseits durch den Missbrauch, den ein demokratischer Rechtsstaat, nämlich die Vereinigten Staaten mit diesem System treiben.
   Immer mehr erscheinen die USA im Zusammenhang mit Wirtschaftskriminalität in den Schlagzeilen. Die amerikanische Unterwelt schwappt in alle befreundeten Länder über. Die Bekämpfung dieser Inlernationalisierung ist letzten Endes auch im Interesse der Drittländer wie der Schweiz. Deswegen kann man ohne weiteres Solidarität walten lassen.
   Die Amerikaner würden in der Schweiz ohne jeden Zweifel auf sehr sehr viele offene Ohren stossen, wenn sie um noch mehr Hilfe ersuchen würden. Die Gewaltmethoden, mit denen die Amerikaner jedoch ins schweizerische Rechtssystem einbrechen und die Leichtigkeit, mit denen diese Methoden offiziell geduldet, ja gefördert werden, sind hingegen äusserst kontraproduktiv.
   Auch Benutzer des schweizerischen Finanzplatzes, die sich keine Vorwürfe irgendwelcher Art machen müssten, fühlen sich nun verunsichert. Wenn Verbrecher die Schweiz als zu heiss empfinden, soll das zwar nur recht sein. Aber ehrliche Leute muss man ja nicht gleich auch noch verjagen. Der Trennungsstrich zwischen der Behandlung der einen und der anderen muss noch deutlicher, noch radikaler und noch nachdrücklicher gezogen werden.    Erich Reyhl





FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG
19.April 1985
Schweizer Banken - zu nachgiebig?
Eine Attacke der schweizerischen Investoren-Schutz-Vereinigung
Die schweizerischen Großbanken klagen zu nehmend über eine mögliche Gefährdung ihrer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland. Gewünscht wird der Abbau geschäftshemmender Steuern und blockierender Vorschriften, die die Teilnahme Schweizer Banken an modernen Finanzinnovationen vom Boden der Eidgenossenschaft aus erschweren oder verhindern. Nicht überall in der Schweiz wird die Meinung der Großbanken geteilt. Insbesondere wird im poiltischen Raum auf die gegenwärtige exzellente Gewinnlage der schweizerischen Großbanken hingewiesen. Aber auch aus dem Kreis schweizerischer Bankkunden werden kritische Stimmen laut, die Banken mögen zunächst einiges selber tun, um das Vertrauen zum Finanzplatz Schweiz nicht zu gefährden. Wir veröffentlichen nachstehend einen Beitrag des Sekretärs der Schweizer Investoren-Schutz-Vereinigung (ASDI) Genf, H. Anton Keller, in dem eine Attacke gegen die Großbanken wegen ihres Verhaltens gegenüber amerikanischen Forderungen zur Durchlöcherung des Bankgeheimnisses und der nationalen Souveränität geritten wird. Die Meinung der Schutz-Vereinigung dürfte auch aus der Sicht deutscher Kunden interessant sein.  Die Redaktion
    ZÜRICH. Die legitimen Interessen der Kunden schweizerischer Großbanken scheinen heutzutage immer mehr den Eigenbedürihissen dieser Institute geopfert zu werden. Einige Banken haben hauptsächlich ihre lukrative Teilnahme am amerikanischen Finanzgeschäft im Auge. Dem stehen aber Interessen ihrer Kunden und anderer Banken gegenüber. Wie jüngste Konfliktfälle - zum Beispiel der Insiderfall Santa Fe - deutlich zeigen, sind die amerikanischen Niederlassungen von Schweizer Banken einem schnell wirksamen Druck amerikanischer Behörden und Gerichte zur Preisgabe des Bankkunden-Geheimnisschutzes vorderhand ausgeliefert. So wurden im besagten Fall Kundenkonti in Genf und Zürich 1981 unverzüglich gesperrt und sind seither Guthaben von rund 7 Millionen Dollar eingefroren - ohne daß hierfür eine von Rechts wegen unabdingbare Arrestverfügung eines Schweizer Richters oder auch nur ein entsprechendes Rechtshilfebegehren vorliegen würde. Das vermeintlich so solide Schweizer Bankgeheimnis kann auf diesen und ähnlichen Wegen auch zu Lasten von deutschen Bankkunden durchbrochen werden, auf Veranlassung inquisitorischer Behörden und unter bloßer Glaubhaftmachung eines entsprechenden Straftatbestandes.
    Zum Eindruck, daß das schweizerische Bankgeheimnis Gefahr läuft, für den einzelnen Bankkunden zu einem „Emmentalerkäse-Bankgeheimnis" zu werden, haben folgende Entwicklungen beigetragen:
    1. Eine zunehmende Abkehr von den fundamentalen Souveränitäts- und Besteuerungsprinzipien. Statt der bisherigen ausschließlichen Steuerhoheit wird, zu Lasten der eigenen Steuerzahler, fremden Staaten per Staatsvertrag das Recht zur subsidiären, ergänzenden Besteuerung eingeräumt, und dies sogar unter dem Titel der „Vermeidung von Doppelbesteuerung".
    2. Das Inkrafttreten des Gesetzes zur Rechtshilfe in Strafsachen gegenüber dem Ausland, welches seit dem 1. Januar 1983 ausländischen Behörden eine zuvorkommende Mitwirkung schweizerischer Behörden bei der Rechtshilfe erlaubt - neu auch bei „Abgabebetrug".
    3. Auf Veranlassung der betroffenen Schweizer Banken hat die Schweiz gegenüber der amerikanischen Börsenaufsichtskommission SEC erhebliche Zugeständnisse gemacht. So soll nun einer der verbliebenen Freiräume, die wirtschaftliche Nutzung von Insiderwissen, durch eine „Lex Americana" kriminalisiert werden.
    4. Eine liebedienerische Praxis der schweizerischen Bundesbehörden bei der Anwendung des Rechtshilfeabkommens mit den Vereinigten Staaten auch in Zivilfällen, obwohl dieses Abkommen zur Bekämpfung des organisierten Verbrechertums abgeschlossen wurde und demnach ausschließlich schwere, von Amts wegen zu verfolgende Straftaten Gegenstand von Rechtshilfe sein sollten.
    5. Neuste Entscheidungen des Bundesgerichtes und des schweizerischen Bundesrates, wo sich die Behörden unter tätiger Mitwirkung der betroffenen Banken über den unmißverständlichen gesetzgeberischen Willen hinweggesetzt haben, zu Lasten verbriefter Individualrechte.
    Wer die Wahl einer Bankadresse zu treffen hat und sich auf die traditioneilen Qualitätsmerkmale des schweizerischen Bankgeschäftes stützen möchte: Bankgeheimnis, Kompetenz und Konkurrenzfähigkeit, der darf nicht nur die „Größe" einer Bank im Auge behalten. Für vergleichbare Dienstleistungen werden zum Teil recht unterschiedliche Kommissionen in Ansatz gebracht.
    Für die weitsichtigeren politischen Kräfte in der Schweiz sollte die Entwicklung wie ein Alarmsignal wirken. Der Gesetzgeber hat die Meinungen der großen Banken lange Zeit übergewichtet. Die legitimen Interessen der nicht auf Amerika ausgerichteten Klein- und Mittelbanken und ihrer Kunden sind dabei erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden. Es ist daher angezeigt, dem unmißverständlichen Volkswillen, wie er am 20. Mai 1984 bei der Volksabstimmung über die sozialdemokratische Bankeninitiative zum Ausdruck gebracht wurde, auch auf Gesetzes-und Verwaltungsstufe im Sinne eines verstärkten Bankkundenschutzes nachzuleben. Das Wall Street Journal hat in drei Leitartikeln vom 22. Februar, 18. März und 28. März 1985 nachdrücklich dargestellt, daß eine weitgehende Selbstaufgabe der schweizerischen Rechtspositionen zugunsten vorübergehender Marktvorteile von Schweizer Banken in Amerika unweigerlich zum Verlust des wichtigsten Kapitals des Finanzplatzes Schweiz führen kann, nämlich des Vertrauens zu stabilen Rahmenbedingungen. Die besonders von den Großbanken betriebene „Kuscherei'' gegenüber amerikanischen Behörden führt zur Aushöhlung der schweizerischen Rechtsfundamente und zur Abwertung jener Flagge, unter der die schweizenschen Bankkunden sich beschützt wähnen. Ohne radikale Rückbesinnung auf ihre Wurzeln dürfte ein zu großer Tribut an Amerika von den Banken und von der schweizerischen Regierung entrichtet werden müssen.
(Blick durch die Wirtschaft, 19. 4.1985)




NZZ Online    30. Januar 2009, 14:59

Gutachten bringt US-Steuerbehörde unter Zugzwang
Amerikanische Amtshilfe im Fall UBS auf wackligen Füssen
Von Zoé Baches und Markus Städeli

Die Amerikaner wollen, dass die Schweizer Steuerbehörden so rasch als möglich Daten von UBS-Kunden ausliefern. Ein Gutachten wirft ein neues Licht auf die Angelegenheit. Die USA verstricken sich in Widersprüche. Ein Gutachten zeigt auf, dass die Schweiz vor Einführung des QI-Vertrages auf die Problematik der Zwischenschaltung von Vermögensverwaltungsgesellschaften durch amerikanische Steuerpflichtige aufmerksam gemacht hatte. Die Amerikaner erklärten sich damit einverstanden. Das wirft grosse Fragen zum Argumentationsgebäude rund um die US-Amtshilfe auf.
Die amerikanische Steuerbehörde IRS will, dass die Eidgenössische Steuerbehörde in Bern in den nächsten Wochen die Kundendaten von 300 US-Kunden der UBS ausliefert. Der Grossbank wird vorgeworfen, US-Steuerpflichtigen mittels Zwischenschaltung von Offshore-Gesellschaften ermöglicht zu haben, US-Wertschriften zu kaufen, zu halten, zu verwalten und zu verkaufen, ohne dies gegenüber den US-Steuerbehörden offengelegt zu haben. So sollen Millionen von Dollar am US-Fiskus vorbeigeführt worden sein, was in den Vereinigten Staaten als schweres Delikt gilt. Ein Gesuch um Amtshilfe in dieser Sache stellten die Amerikaner im letzten Juli. Im Visier der Behörden sind amerikanische UBS-Kunden, deren Gelder in einer solchen «Non-Operating-Company» ausserhalb der USA lagen.

Überraschender Schluss
Ein Gutachten von Professor Urs Behnisch von der Universität Basel kommt nun zu einem überraschenden Schluss. Es zeigt anhand mehrerer Zirkulare der Schweizerischen Bankiervereinigung aus dem Jahr 2000 und verschiedenen Quellen aus den USA, dass sich die Schweizer Banken unter Führung der Bankiervereinigung bereits sehr früh mit den möglichen Problemen befassten, die sich aus den 2001 in Kraft getretenen Neuerungen der amerikanischen Quellensteuer für die Schweizer Banken aufgrund des sogenannten QI Status (Qualified Intermediary) ergaben (vgl. Kasten). Als die US-Steuerbehörde Anfang 2000 eine definitive Version des QI-Vertrags veröffentlichte, gab es nämlich in einigen wichtigen Punkten Unklarheiten, wie ein Zirkular der Bankiervereinigung ausführt.

Am 7. März 2000 sprach deshalb eine Delegation der Schweizer Steuerverwaltung und der Bankiervereinigung vor den Steuerbehörden in Amerika vor. An diesem Treffen unterbreiteten die Schweizer Vertreter den US-Behörden offen, dass das QI-Abkommen in der vorliegenden Form brisante Fragen offen lasse. So sei es in der Schweiz üblich, dass Privatpersonen aus unterschiedlichen Gründen Vermögensverwaltungsgesellschaften gründen, ihre Gelder auf diese überweisen und diese künftig als wirtschaftlich Berechtigte im steuerlichen Sinne agieren würden. Nach den strengen Schweizer Geldwäschereigesetzen, insbesondere der «Know your Customer»-Regel, wussten die Schweizer Banken aber in jedem Fall – ausser in Fällen betrügerischer Handlungen -, welche private Person hinter der jeweiligen Gesellschaft steht. Denn in diesen Fällen verlangen die Schweizer Banken regelmässig das sogenannte Formular A, das nicht den wirtschaftlich Berechtigten gemäss Steuergesetz, also zum Beispiel eine juristische Person oder Gesellschaft, sondern den letztlich wirtschaftlich Berechtigten, also die Person hinter der juristischen Person oder Gesellschaft, nennt.

Dahinterstehende Person interessierte nicht
Die USA anerkannten gemäss Zirkular der Bankiervereinigung, dass die Schweiz mit diesem Vorgehen «anerkanntermassen weit über die geltenden Standards hinausgehe». Wie in vielen anderen Ländern auch, genügte es nämlich auch den USA bei Offshore-Gesellschaften ausserhalb der USA, diese als wirtschaftlich berechtigt anzusehen. Nicht gefragt wurde in diesem Fall nach der dahinter stehenden Person, auch wenn es sich um einen US-Steuerpflichtigen handelte.

Die USA erklärten den Schweizer Behörden denn auch, dass das Formular A im QI-Verfahren «keine eigenständige Rolle» spielen werde. Die Frage, wer der wirtschaftliche Berechtigte an den Depotwerten sei, werde sich im QI-System ausschliesslich nach dem US-Steuerrecht richten. In der Folge verlangten die USA nicht, dass die Schweizer Banken das aufgrund des Formulars A erlangte Wissen gegenüber den US-Behörden verwenden mussten. Über diese Handhabung wurden im Oktober 2000 auch die Revisoren der betroffenen Schweizer Banken informiert. Im Fall der UBS führte Ernst & Young in der Folge zwei QI-Audits zuhanden der Steuerbehörde IRS durch.

Probleme der UBS nahmen zu
Im Laufe des Jahres 2007 und dann vor allem im 2008 akzentuierten sich die Probleme der UBS in den USA. Als im Februar 2008 der Verkauf von Kundendaten der liechtensteinischen LGT-Bank an die deutschen Steuerbehörden einen internationalen Steuerskandal lostrat, intensivierten auch die US-Steuerbehörden ihre Nachforschungen. Im Mai 2008 wurde mit Bradley Birkenfeld ein ehemaliger UBS-Banker verhaftet. Ihm wurde Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Dann kam der 17. Juli. Am Tag des Hearing im US-Senat zum Thema entschuldigte sich die UBS für Fehler in der Handhabung des Offshore-Geschäfts in den USA. In einem auf diesen Tag datierten Bericht des US-Senators Carl Levin ist auf Seite 26 zu lesen, dass die US-Steuerbehörde den QI-Vertrag in Bezug auf die Behandlung von US-Bürgern, die ausländische Offshore-Gesellschaften halten, ausbauen müsse, da er den Ansprüchen nicht mehr entspricht. Levin war in einem früheren Bericht zum Schluss gekommen, dass «derzeit keine Auflage (im QI-Vertrag) bestehe, dass ausländische Offshore-Gesellschaften, die von US-Bürgern gehalten werden, der US-Steuerbehörde gegenüber offengelegt werden müssen».

Es wäre zu erwarten gewesen, dass sich die Schweizer Behörden und Banken klar dazu bekennen, dass man sich wenigstens in der Vergangenheit mit den US-Steuerbehörden über diese Art der Handhabung einig war. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. In den bisher beim Bundesverwaltungsgericht eingereichten fünf Schlussverfügungen der Steuerbehörde in Bern wird argumentiert, dass die betroffenen Amerikaner «durch betrügerische Machenschaften erreicht haben», so der Wortlaut in einer Schlussverfügung der Steuerbehörde vom 3. November, dass die QI Normen «arglistig umgangen wurden». So hätten die UBS-Kunden der UBS den Sachverhalt verheimlicht, die wahren wirtschaftlich Berechtigten hinter diesen Vermögensverwaltungsgesellschaften zu sein. Daraus wird ein Steuerbetrug geschlossen, was bedeutet, dass Amtshilfe geleistet werden kann.

«Gar nicht möglich, wahre Identität zu verschleiern»
Dies ist eine Argumentation, die Urs Behnisch überhaupt nicht nachvollziehen kann. «Einem amerikanischen Kunden war gar nicht möglich, vor der UBS seine wahre Identität zu verheimlichen. Die UBS wusste aufgrund des ausgefüllten Formulars A, wer der wirtschaftlich Berechtigte hinter den jeweiligen Gesellschaften war und die US-Steuerbehörden wussten, dass die UBS das wusste und waren damit über die Jahre hinweg einverstanden.»

Bisher schweigen die Schweizer Behörden und die Grossbank UBS zum Gutachten von Behnisch, das am 26. Januar auszugsweise in der Onlinezeitschrift JUSLETTER publiziert worden ist. Aufgrund der unterschiedlichen Auffassungen über Steuerhinterziehungen in der Schweiz und den USA gibt sich Behnisch überzeugt, dass die Amerikaner das Vorgehen der UBS in den USA als wesentlich stossender wahrnehmen als die Schweizer. So schickte die UBS – wie aus dem Verfahren gegen Bradley Birkenfeld hervorgeht - ihre Berater aus der Schweiz heraus in die USA, wo sie ihre amerikanische Kunden auf die Umgehung der amerikanischen Offenlegungsvorschriften durch die Gründung von Offshore-Gesellschaften hingewiesen haben sollen, um so die Steuergesetze der USA zu umgehen. Das Schweigen könnte auch dadurch erklärt werden, dass die ganze Angelegenheit nicht nur für die UBS sehr heikel ist, sondern für den ganzen Finanzplatz. Die Schweiz ist die Nummer eins weltweit im Geschäft mit dem grenzüberschreitenden Offshore-Banking.

Die Schweiz leistet nur bei Steuerbetrug Amtshilfe. Dazu müssen die USA nachweisen, dass die amerikanischen Kunden den amerikanischen Fiskus arglistig getäuscht haben. Wusste letzterer, was passierte, liegt keine Täuschung und damit auch kein Betrug vor. Das Gutachten von Behnisch lässt das Gesuch um Amtshilfe auf wackligeren Füssen stehen.

Begriffe und Hintergrund
QI-Vertrag: Seit 2001 müssen die Schweizer Banken im Rahmen des «Qualified Intermediary»-Systems (QI) den amerikanischen Behörden die Namen aller US-Bürger zu melden, die US-Wertschriften halten. Der QI-Vertrag muss im nächsten Jahr neu abgeschlossen werden. Die Zwischenschaltung einer Offshore-Gesellschaft ermöglicht aber einem amerikanischen Kunden das Halten von US-Wertschriften, ohne dass die UBS den US-Behörden den Namen des Kunden offenlegen muss.

Aktueller Stand beim Gesuch um Amtshilfe: In einem gemeinsamen Vorgehen versuchen die Schweizer Steuerbehörden, die Bankenaufsicht, das Bundesamt für Justiz und der Bundesrat den Forderungen der USA nachzukommen, ohne das Bankgeheimnis zu verletzen. Beim Bundesverwaltungsgericht liegen derzeit fünf hängige Beschwerden von US-Kunden gegen die Schlussverfügungen der Eidgenössischen Steuerbehörde vor.

Prof. Urs Behnisch: Urs Behnisch, Professor für Steuer- und Wirtschaftsrecht an der Universität Basel, stiess im Zusammenhang mit einem Gutachten, das er im Auftrag der Anwaltskanzlei Rüd Winkler erstellte – diese vertreten einen betroffenen UBS-Kunden – auf die im Artikel ausgeführte Problematik. Der NZZ liegen alle erwähnten Zirkulare, Berichte und Verfügungen vor. Das Gutachten wurde letzte Woche ans Bundesverwaltungsgericht geschickt.




Reuters    Apr 9, 2010 6:12am EDT

Special Report
How the U.S. cracked open secret vaults at UBS
Lisa Jucca

ZURICH (Reuters)- After the collapse of Lehman Brothers in September 2008, Switzerland's largest bank was teetering. UBS, which was more than three times bigger than Lehman in terms of assets, had to write down some $50 billion during that tumultuous period.

U.S.
Investors the world over breathed a sigh of relief on October 16 when the Swiss government rescued UBS. But unbeknownst to them at the time, the bank faced a potentially devastating crisis on a very different front.

One day after the bailout, top executives from UBS and Swiss regulators were summoned to a closed-door meeting in New York by U.S. officials who were conducting a wide-ranging tax fraud investigation that centered on the bank.

The UBS delegation, led by newly-appointed Group General Counsel Markus Diethelm, arrived armed with the results of an internal report highlighting instances of tax fraud within the bank, insiders told Reuters. The plan was simple: admit guilt, settle the case quickly and move on.

But Kevin Downing, the U.S. Department of Justice Tax Division Attorney who had been investigating UBS since the middle of 2008, chose that meeting to drop a bombshell: he wanted the bank to disclose names of U.S. tax evaders as a condition for a settlement.

That put UBS in the nightmarish position of either breaching nearly a century of Swiss bank secrecy or risking indictment in the United States.

"UBS was already in a position of weakness from the credit crisis," said one person who attended the meeting and spoke to Reuters on condition of anonymity. "It became crystal clear at that meeting that without addressing the issue of client names, no settlement could be found."

Interviews with insiders and a review of documents reveal previously undisclosed details about how the sprawling tax case was resolved -- at several points in the process, for example, Secretary of State Hillary Clinton was involved.

The confrontation also pushed UBS closer to the brink than is commonly realized. And while the bank ultimately defused the situation by coughing up $780 million and agreeing to hand over some client names, the damage to its huge and increasingly important wealth management operation still weighs heavily on the Swiss banking flagship.

In the months ahead, UBS's new management team will try to stabilize its battered wealth management division, whose advisers have been bolting and taking clients with them.

All of this in turn has forced the bank to confront a broader, more existential question: what exactly is UBS today? An asset-gathering megabank or a leaner player, more attentive to its wealthy clients' needs.

SWISS SECRETS
For UBS and other Swiss banks, the implications of the New York meeting on October 17, 2008 were hardly trivial.

Sharing bank client data would have been against UBS's core principles: confidence, security and discretion, symbolized by the three keys of its 70-year-old logo. Doing so might also shatter wealthy clients' trust in the bank -- and in the whole Swiss financial center.

Under scrutiny by the DOJ was the so-called U.S. cross-border business of UBS. This consisted of wealth management services offered to American residents outside the United States. It operated out of Switzerland and was separate from UBS's New York-based Americas wealth management business.

In documents relating to the UBS case, the DOJ said the bank helped some 52,000 Americans hide billions of dollars of untaxed assets in secret Swiss accounts between 2000 and 2007. According to settlement documents, UBS sometimes used shell financial entities to hide the money, depriving the Internal Revenue Service of hundreds of millions of dollars of tax revenues.

The business was referred to by some UBS executives as "toxic waste" due to the risks it carried under U.S. law. But UBS bankers, seemingly unaware of the legal consequences, made 3,800 trips to the United States to visit these clients in 2004 alone.

The cross-border accounts were hardly a big part of the bank's business. They added up to almost $20 billion, or less than 1 percent of UBS's total invested assets of about $2 trillion (2.174 trillion Swiss francs) at the end of 2008.

The business was so small it was initially below the radar screen of Swiss financial regulator FINMA, at the time known as the Federal Banking Commission. The agency's main concern back then was the systemic risks posed by UBS's increasingly wobbly fixed-income division.

Passing on some UBS client data to the United States was possible under certain strict conditions under an existing U.S.-Swiss tax agreement. U.S. authorities put in a request for the client data to Berne, but the process was cumbersome and slow and the Department of Justice grew increasingly impatient.

The investigation was launched by the U.S. Securities Exchange Commission, which suspected that UBS had breached U.S. securities law. But when the Department of Justice became involved, raising the prospect of criminal prosecutions, Swiss regulators became alarmed.

Their concerns grew in April, 2008, when U.S. authorities briefly detained Martin Liechti, the Zurich-based head of UBS's U.S. cross-border business, while he was visiting Miami. Then in May, Bradley Birkenfeld, a former UBS financial adviser who famously admitted smuggling a diamond in a toothpaste tube on behalf of a client, was arrested. He began a 40-month sentence in January.

Those cases got the Swiss Federal Banking Commission's attention. As the summer wore on, the agency started pressuring UBS to speed things up. But the bank, still in the throes of the financial crisis, was preoccupied with its own survival.

UBS had recently removed its all-powerful chairman, Marcel Ospel, who had blessed UBS's big expansion into the United States a decade earlier and fostered the risky U.S. investments that eventually brought UBS to its knees. Peter Kurer, a well-known Swiss lawyer who had joined the bank in 2001 as its general counsel, replaced Ospel as chairman in April 2008.

Kurer took months to appoint Diethelm as UBS's top lawyer. That lengthy process did not help the bank's dealings with U.S. authorities.

Diethelm, an ambitious former chief legal officer at Swiss Re, had made his name in the legal community by negotiating a multi-billion-dollar settlement between a group of insurers and a developer of the World Trade Center.

But within weeks of taking on the job he found himself working for a nearly crippled lender that was facing indictment in the United States.

Hoping to come to the rescue in what was clearly becoming an untenable situation for UBS, the Swiss Finance Ministry sent a letter to its U.S. counterparts to make clear that Berne was willing to find a solution to the UBS case despite the obvious legal constraints.

That did not sit well with U.S. officials, who saw the letter as political interference, insiders say. The Swiss never got an official response. Instead, the next time U.S. officials contacted the bank, on November 12, it was to inform UBS that Raoul Weil, its global head of wealth management, was being indicted.

"That was a clear message," said a high-level Swiss source. "One can imagine that without the letter they would have at least delayed the indictment of Weil."

Executives inside the bank feared that Chief Executive Marcel Rohner and Chairman Peter Kurer would be next, although neither had been named in court documents, these insiders say.

The indictment of Weil, who immediately stepped down from the executive board and has denied all wrongdoing despite remaining a fugitive in Switzerland, jump-started the negotiations.

In November, the Department of Justice asked UBS to submit a collateral consequences study, normally one of the last steps before an indictment of a company. "They said: we have now the authority from the highest level of government to proceed with an indictment," the UBS source said.

Inside the Federal Reserve Bank of New York, officials were also alarmed. They feared the indictment of UBS could panic already jittery financial markets. But the N.Y. Fed could not interfere in the DOJ's affairs.

"UBS has to find a way to disclose the taxpayer names to DOJ in order to avoid the potentially catastrophic consequences of an indictment," Thomas Baxter, the New York Fed's general counsel, told a Swiss interlocutor, according to another person familiar with the discussions.

In December, UBS held an intense board meeting at which top executives examined alternatives and assessed risks. Kurer, who had recused himself because of pending UBS litigation, could not take part.

At the meeting, directors discussed the possibility of "Notrecht" -- German for emergency law, which the government could use to bypass bank secrecy rules and rescue UBS.

But the board decided that the bank should act within the parameters of existing Swiss law. "UBS had to go back to the drawing board," said one insider.

Was the Department of Justice really going to pull the trigger? Would it risk pushing over the cliff a bank with three times more employees than Lehman Brothers, about 27,000 of whom were based in the United States?

No one knew for sure, but the Swiss decided not to take the risk. On a cold night on February 18, the Swiss government convened an emergency late evening cabinet meeting in Berne and gave its blessing to a hefty $780 million criminal settlement.

More painful than the money, though, was an agreement by UBS to deliver about 280 names of serious U.S. tax avoiders. The government had essentially traded nearly a century of Swiss bank secrecy for UBS's survival.

This was done with the blessing of Swiss regulators, who had to draft an emergency regulation to bypass the court system to save UBS from the risk of failure.

A day after the settlement, the U.S. Internal Revenue Service shocked the Swiss government by demanding that UBS disclose the names of 52,000 possible U.S. tax evaders. The Swiss had clearly failed to take both the criminal and civil investigation into UBS off the table, and pressure on their treasured bank secrecy laws continued.

THE JOHN DOE SUMMONS
Finding someone to take on the job of steadying the UBS ship amid financial turmoil and a U.S. criminal investigation was not easy. "No-one wanted to talk to us because of this thing," said a senior UBS source.

In the weeks running up to the February 18 criminal settlement Kurer interviewed three candidates. One of them was German-born Oswald Gruebel, a former Chief Executive of Credit Suisse credited with turning around the second largest Swiss bank at a difficult time. Gruebel had retired with a bitter taste in this mouth after losing a battle to become chairman of the bank he had spent 22 years with.

On February 26, 2009, barely a week after the settlement of the criminal side of the UBS case, Gruebel agreed to take on the challenge. He immediately signaled a change of tune by announcing sharp cost cuts in an interview with local media. He said it would take him two to three years to rebuild the bank.

Kurer reluctantly left the bank and was replaced by former Swiss finance minister Kaspar Villiger. UBS was counting on Villiger's political ties to help it settle the remaining leg of the U.S. tax case, known as the John Doe summons.

A former trader of humble origins and no formal university education, Gruebel is an outsider in what remains a close-knit hierarchical world of Swiss banking. Born in East Germany in 1943, he fled through the Iron Curtain as a 10-year-old orphan and learned the ropes of the business on Deutsche Bank's bond trading floor in the 1960s.

A straight-talking banker with a dry sense of humor, he is described as "cold" and "tough" by close aides and tends to avoid the limelight. Yet Gruebel is admired by peers as a fighter who possesses deep knowledge of investment banking, wealth management and commercial banking at a time when most banking executives tend to be specialized.

UPHILL STRUGGLE
When Gruebel took the job of chief executive in February, the bank had just been stabilized thanks in part to a loan from the Swiss state. It was also safe from U.S. criminal charges after its February settlement.

But UBS was by no means out of the woods. It still faced a civil tax litigation that threatened the confidentiality of thousands of U.S. clients and led to an exodus of clients and financial advisers. And the bank remained far from profitable, losing over 21 billion Swiss francs in 2008, the biggest annual loss in Swiss corporate history.

The John Doe summons represented a real legal headache for UBS. While it had been possible to stretch Swiss law to settle charges of tax fraud, the summons breached new ground by targeting tax evasion, an area in which the Swiss do not offer international cooperation.

Insiders say that by early March, it was clear that without Swiss government intervention, UBS would face another damaging legal clash that threatened Switzerland's relationship with the United States.

While UBS continued talks with the Internal Revenue Service and the Department of Justice, the Swiss foreign ministry got in on the act, sending officials to visit the U.S. State Department in late March. The following month, Swiss Finance Minister Hans-Rudolf Merz, who at the time also held the rotating post of Swiss President, met with U.S. Treasury Secretary Tim Geithner in Washington.

By their own reckoning, the Swiss were in a weak negotiating position: on April 2, the Group of 20 nations had put them on a list of tax havens and the U.S. administration was pressing ahead with legislation against illicit tax gains in offshore centers.

But they had a few things going for them. The U.S. State Department was grateful for the nation's diplomatic support -- such as representing U.S. interests in places like Cuba and Iran and helping to broker a deal that normalized relations between Turkey and Armenia. The pact was signed in Switzerland last October.

This, insiders said, helped create what they called a "certain atmosphere" that made it possible for Swiss Foreign Minister Micheline Calmy Rey to have numerous phone calls with U.S. Secretary of State Hillary Clinton and to meet her face to face three times in the run-up to the August deal.

In the end, at a crucial July 31, 2009 meeting, Clinton and Calmy Rey were able to agree a deal in principle to avert a damaging court case against UBS.

The Swiss, constrained by their red tape, could not guarantee the timing of the delivery of any client names. But the IRS was satisfied with reassurances that Swiss authorities would eventually do so.

A U.S. State Department official said the United States welcomed the deal "and the continued efforts by the Swiss government to ensure that its obligations under the UBS Agreement are met." The State Department declined further comment for this story.

UBS and the United States settled the civil leg of the case on August 19. There was no fine involved this time around, but a promise to hand over another 4,450 names within a year.

Two months later Gruebel played his ace: after weeks of secret contacts, he hired Robert McCann, a former head of wealth management at archrival Merrill Lynch, to be the new face of UBS's battered American franchise.

Within three months of starting, McCann installed a brand new team of mostly ex-Merrill executives -- known within the bank as the Wealth Management Americas Renewal Team.

STOPPING THE ROT
It has taken Gruebel less than a year to show investors and clients that the bank has regained its financial footing. This involved some tough choices. Gruebel shrunk the bank's workforce by 11,000, to 65,000. He also sold a crown jewel -- Brazil's wealth management unit Pactual -- for $2.5 billion just three years after buying it.

But the Swiss giant is still losing client money and withdrawals at its wealth management franchise accelerated in the fourth quarter of 2009. And investors balked when Gruebel said he saw no immediate recovery in inflows and predicted more withdrawals over the next few quarters.

Since the middle of 2008, a total of 225 billion Swiss francs have left the bank, according to calculations from Keefe, Bruyette and Wood's analyst Matthew Clark. That is more than 11 percent of the bank's combined wealth management assets of 2 trillion Swiss francs at the end of March 2008.

At the current rate, Morgan Stanley analyst Huw van Steenis reckons that rival Credit Suisse will surpass UBS in terms of wealth management assets by next year. "Credit Suisse Private Banking momentum means it could become larger than UBS in Swiss private banking going into 2011," said Steenis, who expects UBS to lose a further 37 billion Swiss francs this year.

Gruebel recognized early on that the loss of credibility among wealth management clients was the single biggest issue he had to deal with. At first, clients were withdrawing their money strictly because of the credit crisis. But the breach of trust that followed the tax fraud scandal in the United States only made the matter worse.

He is expected to face a tough shareholder meeting on April 14. Activist investors like the investment fund Ethos plan to challenge the bank's sizable 2009 bonuses and to vote against the discharge of UBS board members from any responsibility stemming from the credit crisis.

"Having done a fantastic job in building a global brand they were seriously damaged by the fact they went almost bust and did some serious missteps in public relations in the U.S. tax affair," said Michael Malinski, a specialist wealth management consultant who has 22 years of practical experience in the business. "If you are a potential client, unless there was a compelling reason to go with UBS, you would choose someone else."

Even though UBS suffered the bulk of its client outflows outside America, Former Paine Webber President Joseph Grano, who ran the post-merger UBS PaineWebber wealth management business in the United States before leaving in 2004, said he believes the Swiss bank's brand name in the country is beyond repair.

Gruebel's top priority is to stop the exodus of private client money. Some of the outflows are the result of clients choosing to remain with UBS financial advisers who have bolted the bank for greener pastures.

Ultimately, he must figure out what to do with the bank's U.S. wealth management business -- the old Paine Webber franchise that it bought for $12 billion in 2000 and which has been unprofitable ever since.

UBS tried to sell it repeatedly during the crisis, but could only attract low-ball offers.

With McCann on board, UBS believes it has a chance to make the business work. "If he can achieve that, keeping the unit or selling it will be a purely financial choice," said Ray Soudah, founder of Millennium Associates, a Swiss-based M&A consultancy with a focus on wealth management.

More importantly, UBS has another tough decision to make. Given the current political and regulatory pressures in Switzerland, the bank cannot continue playing a big role in both investment banking and wealth management.

Swiss National Bank Chairman Philipp Hildebrand is drafting a proposal that would make it impossible for UBS or Credit Suisse to drag the economy down should another crisis hit the banking sector. And some Swiss political parties, including the radical ultra-nationalist SVP, the country's biggest political force, have called in the past for forcing UBS to sell its investment banking business.

Gruebel, who helped shape the universal banking model in Switzerland, is not expected to give up on investment banking so easily. Nor will Credit Suisse.

But he may be forced to curb investment banking activities, which, unlike the wealth management business, are capital intensive. And in the current financial environment, capital remains an important commodity.

ANGRY GERMANS
Ongoing heavy pressure on Switzerland by cash-strapped Western nations seeking to recoup taxpayers' undeclared cash is also not helping UBS. In the wake of its painful 2009 U.S. tax settlement, all Swiss-based private banks are attempting to kick suspected U.S. tax cheats out. But European governments are not sitting still waiting for this to happen.

Germany, whose citizens own a quarter of an estimated 726 billion Swiss francs of undeclared EU assets stashed in Switzerland according to Helvea analyst Peter Thorne, has been particularly virulent. On March 19, German prosecutors launched an investigation of Credit Suisse for allegedly aiding German clients to dodge taxes.

UBS is also the subject of a German inquiry, launched in February, that focuses on suspected fraud and tax evasion in that nation. None of this is helping the Swiss bank rebuild client trust at a time when Berne is trying to negotiate a sensitive new tax treaty with its German neighbors.

The Swiss giant is reacting to the international attacks on bank secrecy and offshore banking by narrowing its focus to the super-rich and to high-growth markets like Asia, a region where the Swiss wealth manager remains a leader. "In the U.S., UBS is just a shadow of itself. In Asia they are still the strongest. In Europe they are somewhat in between," a former UBS executive said.

Even though the bank still offers private banking services to clients, it has quietly adopted a strategy of making it less attractive for small undeclared European accounts to stick with UBS, insiders say. Banking on a strictly-confidential basis is more costly for clients, who must now travel to Switzerland, at risk of being noticed by custom police, if they want to see how their investments are doing.

The bank has also adopted a new code of business conduct and ethics clearly stating that "UBS does not provide assistance to clients in acts aimed at breaching their fiscal obligations."

And there are indications that unwanted client defections may be slowing. "Outflows persisted in the fourth quarter of 2009 but are well below the peak," said analyst Matthew Clark. "Despite everything that happened to UBS, cumulative outflows only correspond to 16 percent of the wealth management business (ex-U.S.)," he said.

"This is not a lot and this is a very resilient business," he added. "Considering everything that has happened to UBS, its wealth management business has proven remarkably resilient and there is scope to see the glass half full."

All Swiss banks appear to be counting on the government to find a solution to the "Schwarzgeld" or black money, as the untaxed money belonging to Westerners is commonly known in Switzerland.

But the stakes remain exceptionally high. In February, Gruebel said UBS alone holds about 140 billion francs of potentially undeclared assets of Western European origins. Rival Credit Suisse said for it the amount was 100 billion Swiss francs.

Even so, the highest end of the market appears safe for UBS and other Swiss banks. That is because the super wealthy use lawyers to minimize the tax impact through sophisticated watertight tax avoidance structures rather than stashing cash in a secret bank account, or they come from emerging countries that are less sensitive about tax evasion issues.

"Tax evasion is not a problem of the big guys," said one seasoned Swiss banker.

(Additional reporting by Kristina Cooke, Arshad Mohammed, Joseph Giannone, Kim Dixon, Rachelle Younglai, Martin de Sa'Pinto, editing by Jim Impoco and Claudia Parsons)




Basler Zeitung / Tages-Anzeiger    9. Mai 2011

Die Regulierer entdecken das schwarze Loch der Hedgefonds
Von Robert Mayer

Die verschärfte Regulierung der Banken, so fürchten bei weitem nicht nur ihre Lobbyisten, könnte die Verlagerung von risikobehafteten Aktivitäten zu den «Schattenbanken» beschleunigen.
Die Regulierung zielt an den Schattenbanken vorbei: Das Risiko, dass eine solche eine nächste Krise auslöst sei aber höher als beim Bankensektor, sagt ein Experte. Bild: Reuters

Ob «Basel III», Bankerboni oder «Too big to fail» – all die im In- und Ausland vorgeschlagenen oder bereits in Kraft gesetzten Regulierungen gelten lediglich für den Bankensektor. Nicht aber für die «Schattenbanken», wozu Hedgefonds, Private-Equity-Firmen, Geldmarktfonds oder Clearinghäuser zählen. Diese Asymmetrie in der Finanzmarktregulierung beklagen in der Öffentlichkeit nicht so sehr die Aufseher, sondern die Banken. Ihre Protagonisten warnen davor, dass gewisse Bankaktivitäten – und dabei solche mit erheblichem Risikopotenzial – zu den Schattenbanken abwandern würden, wenn die regulären Banken an die kurze Leine müssten, die Hedgefonds aber weiterhin freien Auslauf hätten.

Regulierung von Hedgefonds
Auch die Schweiz will Schattenbanker an die Leine nehmen
    Erstmals wollen sich die G-20-Staaten in diesem Jahr mit den Schattenbanken und den von ihnen ausgehenden Risiken für das weltweite Finanzsystem auseinandersetzen. Bis zu ihrem nächsten Gipfel im November soll das Financial Stability Board (FSB), ein internationales Gremium bestehend aus Vertretern von Notenbanken, Finanzaufsehern und Regierungen, Vorschläge zur Regulierung von Hedgefonds und anderen Institutionen ohne Bankenstatus erarbeiten.
    Allerdings sieht sich das FSB bei der Erforschung dieser undurchschaubaren und verschwiegenen Welt mit dem Problem der Informationsbeschaffung konfrontiert. Dies gelte in erster Linie für Akteure, die jenseits des regulierten Nichtbankenbereichs agierten oder ihren Sitz in Offshore-Finanzzentren hätten, wie das FSB unlängst in einem Bericht festhielt.Die USA – mit der Dodd-Frank-Finanzmarktreform – und die EU – mit der Richtlinie über die Manager alternativer Investmentfonds (AFIM) – unternahmen indes Vorstösse, um den Schattensektor zu regulieren und den Finanzwächtern Interventionsmöglichkeiten für den Fall akuter Probleme bei Hedgefonds zu eröffnen. Die neue EU-Regulierung hat wiederum die Schweiz zum Nachziehen bewogen: Im März ist das Finanzdepartement vom Bundesrat beauftragt worden, einen Entwurf für die Anpassung des Kollektivanlagegesetzes an die AFIM-Richtlinie auszuarbeiten.

Fonds ersuchen um Aufsicht
    Damit, so Tobias Lux, Sprecher der Finanzmarktaufsicht (Finma), wolle die Schweiz verhindern, dass Schattenbanken, die sich der verschärften EU-Regulierung zu entziehen suchen, ihren Sitz hierher verlegen. Denn, anders als in der EU, ist hierzulande der Vertrieb von ausländischen kollektiven Kapitalanlagen für qualifizierte Anleger nicht reguliert. Ferner besteht für Verwalter von ausländischen Fonds keine zwingende Aufsichtspflicht, wohl aber können sie sich unter bestimmten Voraussetzungen freiwillig beaufsichtigen lassen.
    Genau davon wollen die Akteure vermehrt Gebrauch machen: «Wir spüren ein zunehmendes Bedürfnis seitens der institutionellen Vermögensverwalter, sich einer Aufsicht zu unterstellen», sagt Lux. Dafür gibt es laut dem Finma-Sprecher zwei Beweggründe: «Einerseits verlangen dies mehr und mehr Kunden, anderseits wollen sich die Anbieter solcher Finanzdienstleistungen damit den Zugang zu anderen Märkten – nicht zuletzt zu den europäischen – sichern, wo eine Beaufsichtigung der Asset Manager immer mehr zur Bedingung wird.» Die vom Bundesrat angestrebten Anpassungen des Schweizer Rechts haben denn auch zum Ziel, den Zugang zum EU-Markt für Schweizer Dienstleister aufrechtzuerhalten.Ernst Baltensperger, emeritierter Wirtschaftsprofessor der Universität Bern, warnt allerdings davor, die Schattenbanken im gleichen Zug wie die Banken zu regulieren. Mit dem Argument, dass gewisse Bankgeschäfte zu Hedgefonds abwandern, solange diese weniger reguliert seien, dürfe man es «nicht übertreiben», so Baltensperger. Wenn es zu solchen Verlagerungen komme, sei dies unter Risikoaspekten sogar vorteilhaft, weil Hedgefonds – im Unterschied zu Grossbanken – nicht zugleich noch gesamtwirtschaftlich sensitive Bereiche wie Kundeneinlagen und Zahlungsverkehr unter ihrem Konzerndach führten. Bei aller Zurückhaltung mit Regulierungen anerkennt Baltensperger, dass die Aufsicht über Hedgefonds vor allem in Bezug auf deren Transparenz «noch deutliche Lücken aufweist». (rm)

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Obgleich sich die Banker weniger um die Stabilität des Finanzsystems sorgen, sondern vielmehr die Hedgefonds als Konkurrenten im Kampf um die gewinnträchtigsten Geschäfte und die talentiertesten Arbeitskräfte fürchten – ihre Argumente werden von unabhängigen Experten geteilt. «Die Finanzakteure suchen und finden in einem hocheffizienten Markt stets Möglichkeiten, um neuen Regulierungen zumindest teilweise auszuweichen», sagt Beat Bernet, Professor für Bankwirtschaft an der Universität St. Gallen. Der Parabanken- oder Schattenbankenbereich biete sich geradezu an.Auch die Finanzmarktaufsicht Finma ist sich der Problematik bewusst: «Das Risiko der Verlagerung in den Schattenbankensektor», so ihr Sprecher Tobias Lux, «nimmt mit der Verschärfung der Regulierung im beaufsichtigten Sektor typischerweise zu.» Um dem zu begegnen, müssten der Regulierungskreis und die Grenzen zum unregulierten Sektor genau beobachtet und allenfalls weiter gezogen werden.

Unterschätzte Schattenbanken
Bernet geht in seiner Einschätzung noch einen Schritt weiter. «Der Schattenbankenbereich ist längst zu einem neuen Risikoherd für das globale Finanzsystem geworden – und wird sich weiter verstärken», betont der Finanzprofessor. Was vielen Aussenstehenden dabei kaum bewusst ist: Das Universum der Schattenbanken ist erheblich grösser als das der regulären Banken. Laut Schätzungen der US-Notenbank betrug das weltweite Volumen der Schattenbanken 2010 etwa 16'000 Milliarden Dollar, verglichen mit gar 20'000 Milliarden vor Ausbruch der Finanzkrise Anfang 2008. Im gleichen Zeitraum hat sich der traditionelle Bankensektor von 11'000 auf 13'000 Milliarden Dollar vergrössert.

Hinzu kommt, dass Hedgefonds als die gemeinhin populärsten Vertreter der Schattenbanken mit verwalteten Vermögen von zuletzt rund 2000 Milliarden Dollar eine untergeordnete Rolle spielen, verglichen etwa mit Rohstoff-Handelshäusern, Clearinghäusern und Geldmarktfonds.Welch beträchtliches Stabilitätsrisiko diese Institutionen verkörpern können, wurde im Herbst 2008 deutlich, als ein Geldmarktfonds in den USA nach dem Kollaps von Lehman in Schieflage geriet. Die US-Regierung eilte sogleich zu Hilfe, um einen Run der Anleger auf die Geldmarktfonds zu verhindern. Erinnert sei ferner an den Hedgefonds Long Term Capital Management, der nach Fehlspekulationen 1998 ins Wanken geriet und, so Bernet, «die vorletzte grosse Finanzkrise auslöste».

Intransparente Risiken
Richtig sei aber auch, so kontert Patrick Fenal, stellvertretender Verwaltungsratspräsident des Genfer Vermögensverwalters Unigestion, dass die jüngste Finanzkrise vom Bankensektor ausgegangen sei und nicht von den Hedgefonds – «wenngleich die Banken heute gerne etwas anderes Glauben machen wollen». Fenal, der in der Hedgefonds-Vereinigung Aima bei der Erarbeitung eines «Best practice»-Führers mitwirkte, hält auch die Wahrscheinlichkeit für «höchst gering», dass Hedgefonds eine künftige Finanzkrise auslösen könnten. Seine Begründung: Die Banken seien heute mit Kreditvergaben an die Hedgefonds «wesentlich zurückhaltender» als in den 1990er-Jahren. Letztlich, betont Fenal, seien es die Banken, welche die Verschuldung (Leverage) der Hedgefonds bestimmten. «Ohne Banken gibt es keine Hedgefonds», so sein Fazit.Gegenteiliger Ansicht ist Bankenprofessor Bernet: «Die Wahrscheinlichkeit, dass eine nächste grössere oder kleinere Krise durch den Schattenbankensektor verursacht wird, ist höher als beim Bankensektor.»

Als Hauptgründe nennt er zum einen die immensen Transaktionsvolumina des Schattensektors und «die hohe Intransparenz der damit verbundenen Risiken». Zum andern verweist er auf die «immer engeren Verflechtungen dieser Institutionen sowohl mit den Banken als auch mit der Realwirtschaft».Was die Verbindungen zu den Banken anbelangt, beschränken sie sich laut Bernet nicht allein auf die Finanzierung der Schattenbanken. Die Banken übernähmen ausserdem Produkte der Schattenbanken in ihre Bilanz oder agierten als deren Gegenparteien im Derivategeschäft. «Eine Krise im Schattensektor», resümiert der St. Galler Professor, «wirkt sich zwingend auf das Bankensystem aus – und ab einer gewissen Grösse auch auf die Realwirtschaft». Da Hedgefonds, Private-Equity-Gesellschaften und andere alternative Fondsformen die Realwirtschaft immer mehr auch direkt finanzieren – unter Umgehung der Banken –, bestehen laut Bernet «zusätzlich direkte Verbindungen in die Wirtschaft, die zu Übertragungs- und Ansteckungseffekten führen».




NZZ Online    21. Juni 2011, 09:52

Was der Bankenvergleich bringen muss
Die Kriterien, die über die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes entscheiden
Von Zoé Baches

Bern entscheidet mit darüber, wie die Zukunft des Schweizer Finanzplatzes aussieht. (Bild: Keystone / Peter Klaunzer)
Staatssekretär Michael Ambühl verhandelt in Washington mit den amerikanischen Behörden über einen globalen Vergleich rund um die Steuerthematik. Für die Zukunft des hiesigen Finanzplatzes wird massgebend sein, welche Zugeständnisse Ambühl den Amerikanern abringen kann.
Staatssekretär Michael Ambühl spricht mit den USA über die Ausgestaltung der neuen Finanzmarkt-Richtlinie Fatca. Parallel dazu führt er Gespräche über die Bereinigung von Steuerthemen. Angepeilt wird ein globaler Vergleich der Schweiz mit den USA, der die Situation rund um undeklarierte Konten amerikanischer Bürger auf Schweizer Banken ein für allemal klären soll.

Der Vergleich ist von entscheidender Bedeutung für die Schweizer Banken. Ein Anwalt verweist auf das enorme Drohpotenzial der Amerikaner. «Rund um die Steueramnestie der amerikanischen Steuerbehörde IRS im Fall UBS haben sich über 18'000 amerikanische Steuersünder bei den amerikanischen Behörden gemeldet. Daraus haben die USA eine enorme Datenbank extrahiert». Im Rahmen der Voluntary Disclosure nannten die Selbstanzeiger, bei denen sich auch viele Personen gemeldet haben sollen, die nicht oder nicht nur bei der UBS Kunde waren, die Namen verschiedener Schweizer Banken und Berater.

«Ein riesiger Goldschatz»
Die Meinung, dass es sich bei diesen gesammelten Informationen um eine wahre Fundgrube für den IRS handelt, teilen auch andere. Ein US-Anwalt, der im Fall UBS für das amerikanischen Justizdepartmentes arbeitete, sprach in der Fernsehsendung «10 vor 10» von einem «riesigen Goldschatz».

Mit den bisher eingereichten Klagen wie gegen den einstigen UBS-Banker Renzo Gadola oder den Credit-Suisse-Banker Christos Bagios und vier weitere CS-Mitarbeiter haben die USA nur Versuchsballone gestartet, ist ein Rechtsexperte aus der Schweiz überzeugt. Auch wenn die angeführten Klagepunkte nicht immer stichhaltig sind – «die Amerikaner können sich im Prinzip ewig Zeit lassen und wenn sich ein Vorwurf nicht belegen lässt, nehmen sie einfach einen weiteren Zettel mit den Informationen zu einer weiteren Schweizer Bank und einem weiteren Bankberater vom Stapel und starten die nächste Klage», so der Anwalt.

Staatssekretär Michael Ambühl (Bild: Reuters (Archivaufnahme von 2008))

Es könnte sich dabei um ein Fass ohne Boden handeln. Für die Zukunft des Schweizer Privatkundengeschäfts – sprich, eine Zukunft, in der die hiesigen Banken im grenzüberschreitenden Geschäft nicht mehr konstant mit einer in manchen Fällen geschäftszerstörenden Klage seitens USA rechnen müssen – wird entscheidend sein, wie gut Staatssekretär Michael Ambühl verhandelt. Und wie sich der globale Vergleich letztlich präsentiert.

Damit er wirklich global und allumfassend ist, muss er zum ersten die Vergangenheit abschliessend regeln.

Der Vertrag muss umfassend gelten
    * Für alle Schweizer Banken
      Es genügt nicht, wenn man nur Banken in den Vergleich aufnimmt, die das grenzüberschreitende (Offshore-) Private Banking mit den USA betreiben oder betrieben haben. Ein Rechtsexperte betont, es könne vorkommen, dass die Banken selber gar nicht wüssten, dass sie amerikanische Kunden haben oder hatten. Mit in den Vergleich müssten auch die Auslandsbanken, also Schweizer Banken mit einem ausländischen Mehrheitsaktionär wie HSBC Private Bank (Suisse) oder Bank Sarasin.

    * Für alle Private Banker, die für die genannten Schweizer Banken arbeiten
      Erneut, ein Vergleich muss allumfassend sein, er darf nicht nur für Kundenberater gelten, die explizit amerikanische Kunden beraten haben. Hat ein Kunde beispielsweise einen Schweizer Pass und einen Schweizer Wohnsitz, wurde in der Vergangenheit von Seiten Bank oft nicht abgeklärt, ob er zusätzlich noch eine Greencard (amerikanische Arbeitserlaubnis) oder einen zweiten, eben amerikanischen Pass hat.

    * Für alle externen Schweizer Berater und Anwälte
      Diese Gruppe muss eingebunden werden, da in der Vergangenheit viele Banken wie beispielsweise die UBS die Erstellung bestimmter Strukturen wie beispielsweise diejenige von ausländischen Vermögensverwaltungsgesellschaften oder Trusts, hinter denen auch ein US-Bürger stand, an externe Berater und Anwälte vergaben.

    * Für die unabhängigen Vermögensverwalter
      Gelten muss der Vertrag auch für die Gruppe der unabhängigen Vermögensverwalter. «Nimmt man diese Gruppe nicht mit in den Vergleich, dann ist es kein globaler Vergleich», ist ein Rechtsexperte überzeugt. Ein Grossteil der Probleme mit den USA im Steuerbereich würden sonst nicht gelöst, da genau diese Gruppe grosse Mengen an Geldern von amerikanischen Kunden zu Schweizer Banken brachte.

    * Für Versicherungsgesellschaften, die Policen für amerikanische Personen ausgestellt haben (Sogenannte Insurance Wrappers, z.B. bei der Swisspartners oder der Swiss Life)
      Insurance Wrappers sind Vorsorgelösungen vorwiegend für vermögende Kunden, deren Gelder in einen «Versicherungs-Mantel» gehüllt sind oder, unfreundlicher formuliert, Steuerschlupflöcher via Lebensversicherungen. Diese Produkte empfahlen Schweizer Banken auch verstärkt ihren grossen amerikanischen Kunden, nachdem die Strukturen von Vermögensverwaltungsgesellschaften und Trusts, wo die nicht deklarierten Gelder bis lang parkiert waren, immer stärker in den Fokus der Steuerbehörden gerieten.

Der Vertrag muss für alle Arten von amerikanischen Kunden gelten
    * Individualkunden, sprich US-Personen mit Namenkonto
    * Individualkunden, sprich US-Personen mit Nummernkonto
    * Trusts mit US-Bezug
    * Stiftungen mit US-Bezug
    * (Offshore-)Gesellschaften mit US-Bezug
    * Versicherungspolicen mit US-Bezug

Der Vertrag muss sämtliche Dienstleistungen des Private Banking umfassen
    * die Vermögensberatung
    * das Halten und Handeln von Wertschriften
    * die Weiterweisung an Dritte
    * das Empfehlen und Erstellen von Strukturen, egal ob aktiv oder passiv

Die Rückwirkung muss ausgeschlossen sein
    * Wenn der Vergleich unterschrieben ist, kann jemand, der unter den Vergleich fällt, nicht mehr für Handlungen aus der Vergangenheit angeklagt werden.

Heutige in den USA bestehende Klagen müssen fallen gelassen werden, entsprechende Prozesse gestoppt
    * Die verschiedenen derzeit laufenden Klagen an US-Gerichten gegen Schweizer Banker, Schweizer Berater und Schweizer Anwälte müssen gestoppt und fallengelassen, inhaftierte oder festgehaltene Schweizer freigelassen werden.

Falls erneut Kundennamen geliefert werden müssten, dann nur unter dem geltenden DBA
    * Rund um diesen Vergleich wird spekuliert, dass erneut eine Bussenzahlung wie im Fall UBS geleistet und noch einmal  Kundeninformationen in die USA geliefert werden müssen. Falls es zum zweiten kommen sollte, dürfte das nur nach geltendem Recht geschehen, sprich es müssten konkrete Verdachtsmomente auf Steuerbetrug oder Abgabebetrug (Tax fraud and alike) vorliegen. Eine Hinterziehung – auch von grossen Summen – würde nicht ausreichen, so ein Rechtsprofessor. Allerdings, so wendet ein Anwalt ein: Es dürfte in der heutigen Welt ausgesprochen schwierig sein, gegenüber dem Ausland noch auf die unterdessen hinfällig gewordene Unterscheidung von Steuerhinterziehung und Steuerbetrug zu pochen.

Rechtsmittel und Rechtssicherheit
    * Falls es erneut zu Amtshilfe kommt, müssen die betroffene Kunden Rechtsmittel ergreifen können. Es darf nicht zu einer Wiederholung der Farce wie im Fall UBS  – die Aktenherausgabe der Finma – kommen. Die Rechtssicherheit muss dieses Mal gewahrt werden.

Das Ausschliesslichkeitsprinzip muss gewahrt bleiben
    * Im Vergleich muss das Ausschliesslichkeitsprinzip vorgesehen werden, damit die USA nicht auf andere als vertragliche Mittel zurückgreifen können, um ihre Ziel zu erreichen.

In einem zweiten Teil müsste der Vergleich auch die Spielregeln für die Zukunft klären. Das umfasst wirtschaftliche und politische Forderungen mit dem Ziel, dass das Schweizer Private Banking wettbewerbsfähig bleibt. Eine erneute hohe Bussenzahlung und vor allem ein erneuter Austausch von Daten, würde dem Finanzplatz Schweiz schwere Schäden zufügen. Falls es doch dazu kommt, dürften negative Auswirkungen auf die Arbeitsstellen und die Steuereinnahmen in der Schweiz zu erwarten sein.

Wie die «NZZ am Sonntag» ausführte, dürfte dieser zweite Teil des Vertrags auf der Basis von Fatca, also einem Informationsaustausch (siehe Box), basieren. Hier läge ein Unterschied zur Lösung vor, wie sie im Fall von Deutschland und Grossbritannien angestrebt wird und die auf einer jährlich zu zahlenden Abgeltungssteuer basiert. Noch ist einiges unklar, nicht zuletzt wie Schweizer Banken künftig im Rahmen von Fatca Informationen weitergeben dürfen, ohne sich strafbar zu machen.

Fatca
Fatca verlangt eine Identifizierung sämtlicher Kunden von Banken, die direkt oder indirekt in US-Wertschriften investieren, bei der Steuerbehörde IRS. Selbst Anleger, die lediglich ein gewöhnliches Sparbuch besitzen, müssten also künftig zumindest laut gegenwärtiger Lesart nach Washington gemeldet werden, sobald die Bank beispielsweise in US-Aktien investiert. Bei ausbleibender Kooperation droht eine Quellensteuer von 30 Prozent auf sämtliche Einkommen aus US-Quelle. Z.B.


Geregelt werden müssten die folgenden Punkte:
Level Playing Field garantieren
    * Beispielsweise in Sachen Transparenz der Truststrukturen und Sitzgesellschaften muss Gleichbehandlung (Level playing field) garantiert werden. Sprich: Die USA versprechen auch der Schweiz, dass es umgekehrt nicht zu solchen Fällen kommen kann. Rechtsexperten schätzen diesen «grundsätzlich sehr wichtigen» Punkt gegenüber NZZ Online als «letztlich illusorisch» ein. Die USA würden sich selber nicht an die Regeln halten, vor allem angesichts der Tatsache, dass sie selber die «grössten Geldwäscher für Süd- und zentralamerikanische Gelder» seien.

Gleiche Regeln für beide Seiten
    * In Bezug auf die Kundenaquirierung und Kundenbehandlung müssen die Regeln nicht nur für die Banken, Banker, Anwälte und Berater auf der Schweizer Seite gelten, sondern auch für die amerikanischen Kollegen. Benötigt beispielsweise ein amerikanischer Banker im grenzüberschreitenden Geschäft keine Lizenz bei der Akquisition in der Schweiz, dann muss das umgekehrt auch für den Schweizer Banker bei der Ausübung seiner Tätigkeit in den USA gelten. Auch diese «tatsächlich sehr wichtige» Forderung bezeichnen angefragte Fachleute als «eher nicht umsetzbar», da die USA weiterhin «eigene Regeln für ihre Leute» aufsetzen dürften.

Ambühl wird zeigen können, ob bei diesen Punkten tatsächlich zu viel Pessisimus in der Schweiz herrscht. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen wollte, erwartungsgemäss, keine Stellung zur obigen Liste nehmen. Es entspricht der Schweizer Mentalität, während laufenden Verhandlungen keine Forderungen öffentlich zu präsentieren. Allerdings: In den USA funktioniert auch das komplett anders.





REUTERS, June 27, 2011

A UBS Customer Pleads Guilty to Tax Evasion
By REUTERS

An 81-year-old disbarred New York maritime lawyer admitted hiding more than $26.4 million at the Swiss bank UBS to avoid paying taxes, and agreed to pay a $9.8 million fine in pleading guilty on Monday.

The former lawyer, Kenneth Heller, banked the money with UBS and then moved it to a smaller private Swiss bank, Wegelin, in June 2008 after reading that UBS might identify account holders, federal prosecutors said.

Mr. Heller is the sixth person to plead guilty to criminal charges of tax evasion out of seven charged in April 2010. He faces a possible maximum prison term of 15 years after his guilty plea before Judge P. Kevin Castel of United States District Court in Manhattan. Sentencing was scheduled for Sept. 27.

In February 2009, UBS entered into a deferred prosecution agreement with the United States, admitting it had helped taxpayers hide accounts from the Internal Revenue Service.

As part of the agreement, UBS provided the government with names and account information for a number of United States-based account holders whom bank employees had helped to hide their money to avoid paying taxes.

The indictment against Mr. Heller said he had opened a UBS account in the name of a sham offshore company in December 2005. The next month, he wired $26.4 million from the United States to the account and his name did not appear as the account holder on UBS documents.




NZZ Online    15. Juli 2011, 15:53

Herausgabe der Daten an die USA rechtmässig
Entscheid des Bundesgerichtes zum Vorgehen der Finma

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat 2009 mit der Herausgabe der Kontendaten von 255 amerikanischen UBS-Kunden an die USA rechtmässig gehandelt. Laut Bundesgericht handelte sie mit Zustimmung des Bundesrates zur Abwehr eines drohenden volkswirtschaftlichen Desasters.
(sda) Am 18. Februar 2009 hatte die Finma die UBS angewiesen, ihr die Kontendaten von rund 250 amerikanischen Kunden auszuhändigen. Die gelieferten Daten leitete die Finma direkt an die amerikanischen Steuerbehörden weiter. Mit ihrem überraschenden Vorgehen hebelte die Finma das laufende Amtshilfeverfahren aus.

Im Interesse der Schweiz
Die Finma hatte ihr Vorgehen damit gerechtfertigt, dass die USA mit einem Strafverfahren gegen die UBS gedroht hätten, falls die Kundendaten zu den mutmasslichen amerikanischen Steuersündern nicht sofort geliefert würden. In diesem Fall hätte der UBS die Insolvenz gedroht. Das habe man im Interesse der Schweiz verhindern müssen.

Bundesverwaltungsgericht entschied anders
Das Bundesverwaltungsgericht hiess 2010 die Beschwerde betroffener UBS-Kunden gut. Es kam zum Schluss, dass sich das Vorgehen der Finma nicht mit den zu wenig bestimmten Regelungen des Bankengesetzes rechtfertigen liessen. Auch auf Notstandsrecht habe sich die Finma nicht berufen können.

Das Bundesgericht hat in seiner Beratung vom Freitag die Beschwerde der Finma nun im Wesentlichen gutgeheissen und festgestellt, dass ihr Beschluss zur Datenherausgabe rechtmässig gewesen ist. Auch die Richter in Lausanne erachten zwar das Bankengesetz nicht als ausreichende Gesetzesgrundlage.

Nichts anderes übrig geblieben
In der knapp fünf Stunden dauernden Beratung waren sich alle Richter der II. Öffentlichrechtlichen Abteilung einig, dass das Bankengesetz für die Herausgabe keine ausreichende Grundlage darstellt. Drei der fünf Richter kamen in der Folge zum Schluss, dass sich das Vorgehen der Finma dennoch rechtfertigen lasse.

Betont wurde dabei, dass der Bundesrat die Finma im Dezember 2008 darum ersucht hatte, «alle notwendigen Schritte im Interesse der Stabilität des Finanzsystems zu unternehmen», um eine Anklage der USA gegen die UBS zu verhindern. Die Finma habe insofern keine Wahl gehabt und sei überzeugt gewesen, handeln zu müssen.

Unmittelbare Notsituation
Als die Finma die Datenherausgabe verfügte, durfte sie laut Bundesgericht davon ausgehen, dass die UBS im Falle einer Anklage zusammenbrechen könnte und das schweizerische Wirtschaftssystem schwer erschüttert würde. Nach Ansicht des Gerichts wären davon grosse Teile der Bevölkerung schwer betroffen gewesen.

Insofern habe die Finma ihren Schritt auf die polizeiliche Generalklausel zur Abwehr einer unmittelbaren Notsituation stützen können und dabei in Übereinstimmung und mit Zustimmung des Bundesrates gehandelt.

Die Interessen der 255 betroffenen UBS-Kunden an der Wahrung des Bankgeheimnisses hätten hinter das Interesse an der Verhinderung eines volkswirtschaftlichen Desasters zurückzutreten.

In ihrem Entscheid kommen die Richter in Lausanne weiter zum Schluss, dass der damalige Finma-Präsident Eugen Haltiner aufgrund seiner früheren Tätigkeit bei der UBS beim Beschluss über die Datenlieferung in den Ausstand hätte treten müssen. Rechtliche Folgen hat diese Feststellung allerdings nicht.

Hängige Anzeigen
Bei der Bundesanwaltschaft (BA) sind im Zusammenhang mit der Datenlieferung noch Anzeigen wegen Bankgeheimisverletzung hängig. Sie richten sich gegen die UBS und die Finma beziehungsweise gegen Ex-Verwaltungsratspräsident der UBS Peter Kurer und den ehemaligen Finma-Präsidenten Eugen Haltiner.

Wie BA-Sprecherin Jeanette Balmer auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA erklärte, wartet die BA das schriftlich begründete Urteil des Bundesgerichts ab und wird anschliessend über das weitere Vorgehen entscheiden.
 

13 Leserkommentare

Anton Keller (18. Juli 2011, 10:11)
Spätfolgen des "landesverräterischen Liebesdienstes"
"Schafft den Notstand per Beugehaft von Bankmanagern, Beugebussen, etc., und der Richter wird per Interessenabwägung den Bankkundenschutz aufheben können" riet alt-BA Hans Walder seinem NY-Kollegen 1981 (www.solami.com/walderbsi.htm). Nach diesem Modell haben 3 Bundesrichter den vom BVG als illegal geahndeten Verrat von 255 UBS-Kunden legitimiert. Die US-Erpressungen werden so honoriert. Nur der Bundesrat hat dazugelernt. Auf die Motion 10.4069 hin (.../lawoftheland.htm#Wirkung) stoppte er die Kundendatenlieferungen in die USA bei EMRK-Beschwerden gegen ESTV-Schlussverfügungen. Womit die Erben & Anhänger der treuhänderischen Bankentraditionen beginnen können, den Scherbenhaufen abzutragen, indem sie den Kundenschutz vorrangig & real betreiben. Nach dem Vorbild von Jacques Darier, der nach dem Krieg in Paris verhaftet wurde, die Kundenliste aber verschluckte statt sie dem Kommissar zu erläutern: .../swissbanks.htm#Jacques.

Patrick Schlessinger (15. Juli 2011, 18:19)
Rechtmässigkeit der Herausgabe der Daten an die USA?
Der Entscheid des BG ist mehr als zweifelhaft und ist eher politisch motiviert als rechtens. Somit hat das BG klar ihre Rolle und Aufgabe nicht erfüllt. Die polizeiliche Generalklausel ist sicherlich nicht die Beurteilungsgrundlage weil die dafür vorgesehenen Bedingungen nicht erfüllt wurden. Es geht hier bei dieser Klausel um die Konkrete und akute Bedrohung des STAATES und nicht einer privaten Firma. Diese Hauruckkonstruktion war zum Schutz der FINMA und des BR. Bestehendes Recht wurde klar verletzt. Weder die FINMA noch der BR hat die Kompetenz, sich über die Gesetzte hinweg zu setzten. Dies wurde leider gemacht, und dies nun mit dem Segen des BG. Die Politiker sollten sich lieber auf die Funktionsweise der Gerichte und dessen Kompetenzen fokussieren als mit aller Kraft endgültig den Finanzplatz Schweiz zu zerstören.

Gunther Kropp (15. Juli 2011, 17:36)
Staatsinteressen und Gerechtigkeit
Man muss schreiben: zum "Glück" hat das Bundesgericht so entschieden. Ansonsten hätte es wohl ein politisches Desaster gegeben.
Gunther Kropp, Basel

Francois Stocker (15. Juli 2011, 17:25)
Beamte schützen Beamte...
... für mich ist dieses Urteil nicht verwunderlich. Denn in einer Bananenrepublik ist es ja immer so, dass Beamte ihresgleichen mit allen Mitteln schützen. Daher ist es nur konsequent wie sich unser Bundesgericht verhalten hat.

Bernhard Lehmann (15. Juli 2011, 16:53)
Methoden wie in Schurkenstaaten
Der Entscheid des Bundesgerichtes ist eines zivilisierten demokratischen Staates unwürdig und hat das beschädigte Schweizer Image im Ausland nachhaltig zementiert. Wer selbstverschuldet ein Desaster produziert, hat kein Recht, Gesetzte zu beugen und damit andere in Bedrängnis zu bringen. Schlicht skandalös!

Vincent Vega (15. Juli 2011, 16:51)
Kapital Gesellschaft
Nichts anderes zu erwarten in eine Kapital Gesellschaft. Bin überhaupt nicht überrascht.

Fritz Müller (15. Juli 2011, 16:00)
die polizeiliche generalklausel
darf nur angewendet werden in unmittelbarer bedrohung wenn sanktionen nicht mehr abwenbar sind, und zwar gegen den staat, nciht gegen irgendeine bank. so wie das bundesgericht die klausel anwendet ohne konkrete bedrohung entspricht sich der lesart einer klassischen diktatur wo der bürger ein sklave der regierung ist. polizieliche generalklauseln führen zur totalen, und das sollte sich das bundesgericht merken, wegfegung der bürger-und freiheitsrechte, was nichts anderes als ein kriegsfall ist.

Werner Moser (15. Juli 2011, 15:36)
Nicht Überraschend!
Wenn Gesetze (Bankgeheimnis) zum (drohenden u/o effektiven) Schaden des gesetzgebenden Landes missbraucht werden, hat dieses Land das Recht & die Pflicht, sich vor solchem Schaden zu schützen. Beide Gerichte (BVG & BG) entschieden so, wie sie zu entscheiden hatten: Das BVG bankengesetzlich (BaG/Finma), das BG alles überwiegend notstands- & polizeirechtlich (Bundesrat/Generalklausel). P.S. Sogar das BVG hätte das „Ermessen“ höher gewichten können & damit zum gleichen Schluss wie das BG kommen können. So wie sich die Gerichtsentscheide jetzt präsentieren, wurde dem Rechtsstaat Schweiz optimal Genüge getan. Nicht überraschend für jeden, der die Gesetze so liest, wie sie geschrieben sind!

Troppi Klaus (15. Juli 2011, 15:33)
BV
Gemäss Art. 185 BV hat der Bundesrat die Möglichkeit Massnahmen zum Schutze der inneren und äusseren Sicherheit und zum Schutz der öffentlichen Ordnung in der Schweiz zu treffen. Dies ist die polizeiliche Generalklausel, welche das Bundesgericht nun herangezogen hat um das Handeln der FinMA zu legitimieren. Letztlich bleibt also nur die Frage, ob tatsächlich eine Insolvenz der UBS gedroht hätte, wenn die Finma die Daten nicht herausgegeben hätte. Wenn dem so ist, so war die Aktion gerechtfertigt, da eine Insolvenz der UBS wohl die innere Sicherheit bzw. öffentliche Ordnung hätte bedrohen können. Ob aber tatsächlich ohne die Herausgabe der Kundendaten eine Insolvenz der UBS gedroht hätte, wird der einfache Bürger wohl nie erfahren bzw. beantworten können - diese Beurteilung muss man schon den Experten bzw. dem Bundesrat überlassen oder will das Schweizer Volk bald nicht mehr nur Gesetzgeber sondern auch noch Exekutive spielen?!

Jean Bossy (15. Juli 2011, 14:50)
Es war einmal....
Somit ist das Kapital der Schweiz - das Vertrauen - endgültig vernichtet worden.
Es wird bereits von Entlassungen bei den Grossbanken gesprochen und es wird über die Probleme der Privatbanken geschrieben.
Es bleiben der Schweizer bald wie Victor Hugo es damals feststellte: die Kühen und der Käse! Sozusagen eine Rückkehr zu den "ursprünglichen" Schweizer Werten!

Friedrich Lorenz (15. Juli 2011, 14:46)
War abzusehen,
dass das doch oft (zu ?) progressiv urteilende Bundesverwaltungsgericht von den Gralshütern des Bundesgerichts zurückgestutzt würde.

Karl Hugentobler (15. Juli 2011, 14:44)
Ich tobe!
Dieser Entscheid ist ein Skandal. Er zeigt, dass das Bundesgericht völlig ausser Kontrolle geraten ist. Ähnlich wie die Nationalbank entscheidet operiert es völlig "unabhängig". In diesem Fall: unabhängig von elementaren Prinzipien eines Rechtsstaates. Jetzt wissen wir, was Berlusconi meint, wenn er von "Verschwörungen linker Richter" spricht. Bei mir breitet sich ein sehr mulmiges Gefühl aus, und ich (als Schweizer) werde bald nach Singapur fliegen, um dort eine Bankbeziehung zu eröffnen und einen Teil meines Vermögens dorthin zu verschieben. Ich muss mich vor dem Zugriff des Staates schützen, dessen Verhalten immer bedrohlicher wird.

Fritz Müller (15. Juli 2011, 14:33)
das bundesgericht als willfährige adlatin des bundesrates.
das bundesgericht hat sein einiger zeit die tendenz, die rechte der verwaltung gegenüber den rechten des bürgers und individuums zu bevorzugen. könnte es sein, dass hier beamte anderen beamten gegen zulasten des bürgers "helfen"?




Le Temps     16 juillet 2011

secret bancaire
Clients UBS livrés aux Etats-Unis: le Tribunal fédéral couvre la Finma
Denis Masmejan

Le gendarme des banques n’a pas violé la loi en transmettant au fisc américain 255 dossiers de clients UBS aux Etats-Unis. Le président de l’autorité de surveillance des marchés financiers, Eugen Haltiner, aurait cependant dû se récuser
L’opération s’était effectuée de nuit, le plus discrètement possible et dans l’urgence. Il est autour de 22?h?30 le 18 février 2009. L’ultimatum lancé par les autorités américaines va expirer, quand l’autorité de surveillance des marchés financiers, la Finma, fait remettre à l’ambassade américaine à Berne les supports informatiques contenant les données bancaires de 250 clients d’UBS aux Etats-Unis. Le lendemain, quand la nouvelle est connue, c’est le choc. Pour sauver la banque, la Suisse venait de faire l’impensable.

Deux ans et demi plus tard, alors que les commissions de gestion viennent de refermer le dossier, le Tribunal fédéral a créé la surprise. Par trois voix contre deux, au terme d’une délibération publique qui a duré près de cinq heures, les juges ont déclaré légale, vendredi, la décision de transmettre ces 255 dossiers en court-circuitant les procédures ordinaires d’assistance administrative. Les juges ont estimé «matériellement fondé» l’envoi de ces informations aux autorités américaines. Ils ont ainsi renversé un jugement du Tribunal administratif fédéral rendu janvier 2010, contre lequel la Finma faisait recours. Pour le Tribunal fédéral, le président de la Finma, le controversé Eugen Haltiner, aurait dû se récuser dans ce dossier en raison de ses liens passés avec UBS.

Jusqu’ici, la base juridique sur laquelle se fondait la Finma – les articles 25 et 26 de la loi sur les banques – ne convainquait pas grand monde. Ces dispositions habilitent le gendarme des marchés à prendre des «mesures protectrices» pour prévenir les risques liés à l’insolvabilité d’une banque. Pour la plupart sinon pour la totalité des juristes, il s’agissait là d’un pur prétexte: la vérité était que les autorités suisses n’avaient pas eu d’autre choix que de céder aux pressions de Washington.

C’est le seul point sur lequel les cinq juges de la Cour sont tombés d’accord: les articles 25 et 26 de la loi sur les banques n’autorisaient en rien la Finma à prendre une mesure d’une telle portée

En revanche, les membres de la Cour ont divergé sur un point essentiel. La Finma pouvait-elle se fonder sur une norme implicite de l’ordre juridique qui habilite n’importe quelle autorité à prendre dans son champ de compétence, en cas d’urgence et même sans base légale, les mesures propres à éviter une catastrophe – ce que les juristes appellent la «clause générale de police»?

Pour la majorité des juges, emmenée par le président de la Cour, Andreas Zünd, la réponse est oui, avec des nuances. Pour eux, les conséquences redoutées pour UBS et pour l’économie suisse dans son ensemble si les données n’étaient pas transmises et qu’une procédure pénale était ouverte contre la banque étaient plausibles. Dès lors, la décision de la Finma était une mesure admissible, propre à éviter à la Suisse des conséquences bien plus dommageables.

La juge Florence Aubry Girardin a toutefois apporté une réserve. Il est impossible à ses yeux de reconnaître à la Finma la latitude de prendre ellemême des mesures d’une telle portée sans l’aval du Conseil fédéral. Or on sait que le gouvernement n’a pas voulu faire usage lui-même des prérogatives que lui confère la Constitution pour prendre, sans base légale, les mesures nécessaires pour sauvegarder les intérêts essentiels du pays. La question a embarrassé la majorité, qui a eu besoin de se concerter quelques minutes à huis clos pour mettre au point une formule aux termes de laquelle les juges reconnaissent que la Finma a agi de concert et avec l’accord du Conseil fédéral.

Une ambiguïté n’en subsiste pas moins dans les rôles respectifs de la Finma et du Conseil fédéral, à qui on a reproché d’avoir laissé la première se salir les mains. Les deux juges de la minorité, Peter Karlen et Yves Donzallaz, se sont engouffrés dans la brèche. De deux choses l’une, a exposé en substance le second. Ou bien le Conseil fédéral estimait qu’UBS était en péril, et il fallait alors qu’il se résolve à un acte de gouvernement en prenant une décision qu’il est le seul à pouvoir prendre aux termes de la Constitution, comme il l’a fait en
octobre 2008, et avec des motifs semblables, pour recapitaliser la banque. Ou bien il ne prenait pas cette décision, et la Finma ne pouvait pas non plus la prendre à sa place. Au fond, a-t-il ironisé, la position de la majorité revient à faire endosser par le Conseil fédéral une décision prise «à l’insu de son plein gré». On reste «dans le mélange des genres».

La Finma attendra les considérants écrits de la décision pour prendre position. Pour UBS, qui s’était rangée du côté de la Finma et soutenait son recours au Tribunal fédéral, ce verdict montre que la Finma a agi correctement. L’avocat qui représentait les clients concernés devant le Tribunal fédéral, Andreas Rüd, s’est déclaré surpris de l’interprétation extensive de la clause de police par les juges. Déçu, Me Douglas Hornung, avocat genevois qui défend plusieurs clients faisant partie de la charrette des 250, relève que cette décision ferme toute possibilité de rechercher la Confédération en responsabilité. Il ne croit toutefois pas que ce jugement va avoir pour effet d’affaiblir la position de la Suisse sur le secret bancaire «ou ce qu’il en reste».

Affaire UBS: les mains sales
Denis Masmejan

Le Tribunal fédéral juge aujourd’hui que l’autorité de surveillance des marchés financiers était en droit de décider de ces mesures hardies parce que le Conseil fédéral l’avait appelée à les prendre

Alors que les commissions de gestion du parlement fédéral ont mis un point final, au début de ce mois, au volet politique du dossier UBS, le Tribunal fédéral est venu clore lui aussi, à sa manière, un chapitre aussi décisif que mouvementé.

Les juges ont créé la surprise, vendredi, en admettant le recours dont ils avaient été saisis par l’autorité de surveillance des marchés financiers, la Finma. Celle-ci entendait faire reconnaître qu’elle n’avait pas violé la loi, comme tout le monde ou presque lui en faisait grief, en décidant in extremis, le 18 février 2009, de transmettre au fisc américain les informations relatives aux comptes de 255 clients d’UBS aux Etats-Unis.

Une telle opération, sans précédent, semblait violer tous les principes, faire fi de toutes les garanties et faire sauter tous les verrous que la législation a mis ou avait mis en place pour protéger le secret bancaire. Elle était à la mesure, selon la lecture qu’on choisissait d’en faire, de la démission des autorités devant les pressions de Washington, ou de l’aveuglement avec lequel la Suisse avait continué à croire en la solidité du secret bancaire et à différer d’inévitables adaptations.

Le réveil a été brutal. Moins d’un mois plus tard, le Conseil fédéral comprenait qu’une ère venait de se terminer et déclarait vouloir s’adapter aux standards de l’OCDE.

Le Tribunal fédéral juge aujourd’hui que l’autorité de surveillance des marchés financiers était en droit de décider de ces mesures hardies parce que le Conseil fédéral l’avait appelée à les prendre. Toute la nuance est là, car le gouvernement, précisément, ne les a pas prises lui-même.

C’est là qu’il est le moins convaincant: l’arrêt de Mon-Repos laisse dans l’ombre cette responsabilité que le Conseil fédéral a exercée sans l’exercer, préférant que la Finma se salisse les mains à sa place. Tout au plus les juges donnent-ils une légitimité à ce dont seuls les rêveurs peuvent encore douter: la situation était devenue à ce point dramatique, au soir du 18 février, qu’il n’y avait pas d’autre issue que celle qui a été choisie. Mais on aurait aimé que les juges fassent savoir au Conseil fédéral que c’était à lui et à lui seul de l’assumer.

Vos commentaires
swissbit
 TF, UBS: Conséquences d’un «service de traitre»
«Créez l’état d’urgence en mettant un directeur de banque en tôle, en imposant des amandes journalières prohibitives, etc., et le juge, en pesant les intérêts en jeu, pourra faire fi du secret bancaire!» Tel était l’avis que l’ancien procureur fédéral Hans Walder a télexé à son collègue newyorkais en 1981 (www.solami.com/walderbsi.htm). Et tel était le model appliqué par le TF pour légitimer la trahison des 255 clients d’UBS que le TFA avait condamné comme illégale. Tandis que l’IRS était déjà sur le coup pour poursuivre ces chantages ainsi facilités. Le Conseil fédéral, lui, commence a comprendre – et réagir. Suite à la motion 10.4069 (…/lawoftheland.htm#Wirkung) il a ordonné l’effet suspensif pour les recours – y compris à Strasbourg – contre les décisions finales de l’AFC en matière des donnés bancaires. Les héritiers et adeptes des dignes traditions bancaires peuvent donc commencer à reconstruire l’édifice. En suivant l’exemple brillant d’un engagement personnel et d’une protection réelle et prépondérante des intérêts des clients fournie, p.ex., par Jacques Darier (arretè en visite à Paris après la guerre, il a avalé la liste de ses clients plutôt que de l’expliquer au commissaire qui l’interrogeait: …/swissbanks.htm#Jacques).




Dear comrade-in-arms,

I was pleased to meet you again - after years of growing turbulences - at the Swiss Federal Supreme Court's memorable deliberations of July 15 (www.solami.com/swissbanks.htm#trahison). The decision thus handed down is one which makes me bend my head in shame (see my brief comments published in the NZZ and the Tribune de Genève: .../swissbanks.htm#Liebesdienst ¦ .../iconoc.htm#trahison). Albeit not because of a legal obligation, but notably because of our dignity, self-respect and sense of honor, it is thus up to us, sovereign citizens, to do what we can and to act beyond the call of duty. This is called for, in order to correct and repair the inadmissable consequences of the less-than honorable FINMA decision which - now legitimized by an opportunistic TF - outrageously violated the UBS' fiduciary duties, further wetted the IRS' appetite for blackmail, and betrayed the confidence of 255 UBS clients.

The political and legal avenues available are clear: on the Swiss side, they are already on the book under the following titles: Lex Helvetica (motion 09.3452), Trahison diplomatique par négligence (interpellation 10.3610), and Protection proactive de la place financière (motion 10.4069). On the US side, reactivation of the Cambridge plan may be an option. And on the legal front, active support for UBS clients dragged before US courts - e.g. Mr. Kenneth Heller (.../swissbanks.htm#Wegelin) is now called for. This may entail follow-ups to our UBS amicus curiae brief of August 4, 2009 (.../USvsUBS.htm), etc. And, most urgently, an immediate blockage of all remaining cases is to be operated unilaterally through principled and steadfast application of Switzerland's sovereign rights - as successfully demonstrated in the notorious Polanski case.

This latter measure may be based on the arguments offered by Rainer J. Schweizer ("Der UBS-Staatsvertrag mit den USA ist erfüllt", NZZ, 28.1.11: .../ubs.htm#extensive), the basic philosophy having been laid down in "Hardball or Softball? Diamantball!" (.../diamantball.htm). In the event, this may be coupled with arguments such as those reflected and developed in "EMRK-Beschwerde, Rechtliches" (.../Strasbourg.htm#A22) and "Rechtsansätze für einen nachhaltigeren UBS-Kundenschutz" (.../DBAmemo.htm) which have been politically exposed by Oskar Freysinger (motion 10.4069). For reasons detailed before in "Hoffnung für verratene UBS-Kunden" (.../Kundenschutz.htm), and outlined below based on the Conseil Fédéral's official French answer to Freysinger's motion, all remaining cases - reportedly some 70 UBS clients - may now find effective protection through prompt filings to the Human Rights Court (.../Strasbourg.htm). In order not to waste rare resources on an already overburdened court, agreement with the Federal Administration should be sought to effectively stop all related data transfers until the Strasbourg Court will have finally disposed of all outstanding UBS cases which have already been or will still be submitted.

Please check with your clients, and advise me as soon as possible, also on whether and to what extent they - and/or some other interested comrades-in-arms - are ready, able and willing to support this common good operation. . Salve!

Anton Keller    022-7400362


10.4069 – Motion  [Originalversion - soulignée par nos soins]
Protection proactive de la place financière
Déposé par    Freysinger Oskar
Date de dépôt    16.12.2010    Déposé au    Conseil national
Etat des délibérations    Non encore traité au conseil Texte déposé

Le Conseil fédéral est chargé de renforcer la confiance dans la place financière suisse par tous les moyens légaux et durables, afin de limiter et de réparer dans toute la mesure du possible les dommages qu'elle a subis:

1. en suspendant sans délai toute entraide administrative en matière bancaire, qui excède les limites des dispositions prévues dans les conventions de double imposition, aussi longtemps
    a. que les accords et les modifications qui leur sont apportées ne seront pas ratifiés de manière conforme à l'arrêt du Tribunal administratif fédéral du 21 janvier 2010 (A-7789/2009) par les instances compétentes des Etats contractants,
    b. qu'il n'est pas exclu que des Etats pratiqueront le recel de données,
    c. que les points de droit litigieux n'auront pas été tranchés définitivement par les tribunaux nationaux ou la Cour européenne des droits de l'homme; et

2. en insistant pour que ceux qui sont à l'origine des dommages paient à chaque client pour les frais judiciaires encourus - en sus des 40 millions de francs versés à la Confédération au titre de l'indemnisation des frais de procédure (10.048) - une indemnité forfaitaire de 50 000 francs et aux associations et particuliers qui ont contribué de façon probante à la limitation des dommages une indemnité équitable; on désignera parmi les signataires des personnes qui veilleront à ce que cette procédure d'indemnisation se déroule rapidement et sans entraves inutiles, et qu'un rapport soit remis au Parlement.

Développement
Dans l'affaire des données bancaires qui a opposé la Suisse et les Etats-Unis, les autorités américaines n'ont apparemment pas l'intention de soumettre l'"executive agreement" du 19 août 2009 (RS 0.672.993.612) à l'examen et à la ratification du Sénat, seule autorité compétente en la matière: de ce fait l'accord n'est qu'une simple convention administrative qui ne peut déployer des effets de droit que dans les limites de la convention de double imposition en vigueur; de surcroît le Tribunal administratif fédéral l'a déclaré illégal dans son arrêt, dans la mesure où il outrepasse les dispositions de la convention de double imposition Suisse-Etats-Unis du 2 octobre 1996 (RS 0.672.933.61). Or l'accord ayant été invalidé par le Tribunal administratif fédéral, même s'il a été ratifié unilatéralement par le Parlement fédéral, la transmission des données bancaires visées par l'accord a elle aussi et subséquemment été jugée illégale; à cela s'ajoute que les données déjà transmises ne peuvent pas être produites devant les tribunaux américains.

Réponse du Conseil fédéral du 16.02.2011
1.a Le Conseil fédéral ne partage pas l'avis de l'auteur de la motion selon lequel l'accord conclu entre la Suisse et les Etats-Unis d'Amérique concernant une demande d'assistance administrative relative à UBS SA (accord concernant UBS) n'est pas valable faute d'avoir été approuvé par le Sénat américain. Signé le 19 août 2009, l'accord concernant UBS est contraignant pour les deux parties depuis cette date. Il doit donc être respecté en vertu du principe "pacta sunt servanda" inscrit à l'article 26 de la Convention de Vienne sur le droit des traités (RS 0.111), et ce bien qu'il ait été qualifié de simple accord amiable par le Tribunal administratif fédéral dans son arrêt du 21 janvier 2010. Il convient en outre de préciser que les parties au protocole modifiant l'accord sur UBS du 31 mars 2010 ont convenu que le protocole entrerait en vigueur dès que la Confédération suisse aurait annoncé aux Etats-Unis par écrit que sa procédure de ratification a abouti. Elles ont également convenu de l'application provisoire du protocole. L'approbation de l'accord par le Parlement suisse a été notifiée aux Etats-Unis le 17 juin 2010. Le fait qu'aucune procédure semblable de notification de la part des Etats-Unis ne soit prévue ne change rien à la validité de l'accord sur l'UBS. L'appréciation donnée au sujet de l'accord sur UBS dans l'arrêt du Tribunal administratif fédéral s'applique uniquement à la Suisse et ne donne aucune indication quant aux compétences d'approbation de l'accord aux Etats-Unis. Cette question est réglée exclusivement par le droit américain.

1.b En ce qui concerne la question citée par l'auteur de la motion et portant sur l'acquisition de données bancaires volées par des Etats étrangers, le Conseil fédéral note que l'ordonnance relative à l'assistance administrative d'après les conventions contre les doubles impositions (OACDI; RS 672.204), entrée en vigueur le 1er octobre 2010, stipule explicitement dans l'article 5 alinéa 2 lettre c qu'une demande d'assistance administrative émanant de l'étranger est rejetée par la Suisse si elle est fondée sur des renseignements qui ont été obtenus ou transmis par le biais d'actes punissables selon le droit suisse. En conséquence, la Suisse n'entrera en matière sur des demandes d'assistance administrative que si la requête respecte le principe de bonne foi et rejettera une telle requête si elle est fondée sur des renseignements qui ont été obtenus ou transmis par le biais d'actes punissables selon le droit suisse.

1.c Le droit suisse ne prévoit pas de contrôle abstrait des lois fédérales ou des traités internationaux. Les questions juridiques sont examinées par les tribunaux en cas de recours, dans des cas concrets. Le recours contre une décision d'octroi de l'assistance administrative a effet suspensif (art. 13 al. 3 OACDI), si bien que les données ne peuvent pas être transmises à l'autorité requérante tant que la procédure est pendante.

2. En ce qui concerne les indemnités demandées, le Conseil fédéral note qu'un client de banque ou toute autre personne est en mesure de réclamer des dommages-intérêts à l'Etat si les conditions posées par la loi sur la responsabilité (RS 170.32) sont remplies. Ainsi, la Confédération répond du dommage causé sans droit à un tiers par un fonctionnaire. Si un client de banque ou une autre personne réclame des dommages-intérêts de la part d'autres responsables de dommages, il convient d'examiner si la demande se fonde sur une base légale existante et, le cas échéant, si les conditions posées sont remplies. En vertu du droit suisse, des dommages-intérêts sont dus en proportion du montant de l'atteinte causée et ne peuvent pas être versés sous la forme d'une indemnité forfaitaire.

Compte tenu des explications qui précèdent, le Conseil fédéral estime que les mesures demandées par l'auteur de la motion ne sont pas justifiées.

Déclaration du Conseil fédéral du 16.02.2011
Le Conseil fédéral propose de rejeter la motion.




Weltwoche    21. Juli 2011




Tages-Anzeiger    21.Juli 2011

nomen est omen: Kevin Downing
Der härteste Gegner des Bankgeheimnisses
Der US-Staatsanwalt Kevin Downing knöpft sich nach der UBS die CS und andere Schweizer Banken vor.
Lukas Hässig

Er wirkt nett. Das Telefon beantwortet Kevin Downing mit: «Hi, how are you?» Es ist der vielleicht 15. Anlauf seit Ausbruch der UBS-Steueraffäre vor drei Jahren, mit dem Chefankläger der USA zu sprechen. Nach kurzem Small Talk vertröstet er stets: «In 30 Minuten bin ich frei», sagt er oder: «mailen Sie Ihre Fragen.» Das kann man tun, aber von Downing hört man nichts mehr.

So bleibt der Cheffahnder des US-Justizministeriums ungreifbar – und ein in der Öffentlichkeit unbekanntes Gesicht (es gibt nur ein Pressefoto von ihm). Dabei ist es Downing, der mit nur einer Handvoll Mitstreitern das Schweizer Bankgeheimnis, das 75 Jahre lang gehalten hatte, knackte. Die Geiselnahme der UBS hat ihm zu einer offenen Tür verholfen, nun greift er nach dem Inhalt des Tresors. Letzte Woche hat er eine Untersuchung gegen die Credit Suisse eröffnet; auch Julius Bär, die ZKB und die Bank Wegelin müssen zittern. Downing will noch mehr Namen amerikanischer Steuerflüchtlinge und noch mehr Bussgeld von Schweizer Banken.

US-Anwalt William Sharp, der viele Amerikaner mit Schwarzgeld auf Schweizer Konten berät, bezeichnet Downing als «Ausnahmeerscheinung». Die meisten anderen Spitzenbeamten des US-Justizministeriums würden vom Büro aus agieren. «Downing jedoch boxt seine Fälle vor Gericht selbst durch.»

Der Mittvierziger, der Gerüchten zufolge bei den Marines, einer Elitetruppe, gekämpft haben soll (was er selbst dementiert), quetscht zuerst Kunden und reuige Banker aus. Dann zwingt er die Bank, über ihre Praktiken auszupacken. Zuletzt hält der Chefankläger einen wasserdichten Fall in den Händen – und stellt die Bank vor die Wahl: Kapitulation oder Anklage.

Die UBS knickte ein, zahlte 780 Millionen Dollar und bot dazu Hand, dass über 4500 US-Kunden als Steuersünder identifiziert und verfolgt werden konnten. Die CS geht denselben Weg: Sie betont, dass sie umfassend mit Downing kooperiere. Und weil die Grossen kuschen, dürfte er bei den Kleinen leichtes Spiel haben.

Lee Sheppard, Journalist des Fachblatts «Tax Analysts», beschreibt den US-Staatsanwalt als präzisen Redner, «einen Militärkopf, der es gewohnt ist zu befehlen. Das Gegenteil eines Glamour-Boys: Er will den Job erledigen.» Worum es Downing geht, machte er vor zwei Jahren amerikanischen Steueranwälten in Chicago deutlich: «Die Privilegierten, die von den Vorteilen dieses Landes profitiert und bei den Steuern betrogen haben, will ich vor Gericht bringen – und verurteilt sehen», erklärte Downing. Und weiter: Er werde es nicht beim Fall UBS bewenden lassen. «Täuschen Sie sich nicht: Die UBS war keine Anomalie. Sie war der Anfang.»

Die Verantwortlichen des Schweizer Finanzplatzes haben es mit einem harten Gegner zu tun. Als sich die UBS-Affäre zuspitzte, machten sie Downing klar, dass US-Steuerbetrüger die Offenlegung ihrer Daten durch alle Gerichtsinstanzen anfechten können. «Wir spürten unmittelbar, wie sich die Stimmung verschlechterte», erinnert sich Urs Zulauf von der schweizerischen Finanzmarktaufsicht (Finma), der Downing im Herbst 2008 zu einer geheimen Aussprache in New York traf. Die Schweizer Vertreter hätten unser Rechtssystem pflichtgetreu verteidigt, «aber was unsere Gesetze besagen, war Downing und seinen Ermittlern völlig gleich. Die hatten ihren Auftrag und wollten ihn zu Ende führen.»


Kommentare
20minuten.ch    22. Juli 2011

USA setzen der Schweiz Pistole an die Brust
Mit den neuen Anklagen gegen CS-Banker machen die USA endgültig klar: Es ist Krieg,
und wenn die Schweiz nicht rasch Kundendaten rausrückt, werden die Banken zerstört.
Lukas Hässig

Was in der Nacht im US-Steuerstreit geschah, rechtfertigt kriegerisches Vokabular. Die USA klagten vier weitere aktive oder ehemalige Banker der Grossbank Credit Suisse (CS) an und zündeten damit sinnbildlich eine Atombombe über dem CS-Hauptsitz am Zürcher Paradeplatz.
Die CS-Chefs schwenken die weisse Fahne und fordern, dass Bern kapituliert. «Wir können nur hoffen und beten, dass der Bund die US-Forderungen rasch akzeptiert», sagt ein CS-Banker.
CS hat kapituliert
Die CS wünscht sich eine Schweizer Kapitulation, weil dies Voraussetzung für einen Separatfrieden mit den USA ist. Kapitulation heisst: Die USA kriegen praktisch alle Namen von US-Steuersündern ausgeliefert, die Gelder auf Schweizer Konten versteckt hielten.

Die CS kann diese Forderung im Alleingang aber nicht erfüllen, damit würde sie Schweizer Recht verletzen. Sie betont, dass sie mit den USA kooperiert und dass es eine Finanzplatzlösung braucht.

UBS-Staatsvertrag, reloaded
Gefordert sind Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf und ihr Chef-Unterhändler Michael Ambühl. Für sie stellt sich die Frage anders. Wie können die USA befriedigt werden, ohne dass es zum politischen Debakel kommt?

Eine Datenherausgabe mit Tausenden von Namen müsste wohl vom Parlament abgesegnet werden. Die bisher offerierte Amtshilfe im Rahmen des alten Gesetzes genügt den USA nicht.

Ein UBS-Staatsvertrag, reloaded, wenige Wochen vor nationalen Wahlen ist ein unwägbares Risiko für eine Politikerin mit einer schwachen Partei im Rücken.

Bundesgericht sei Dank
Da kam das Bundesgerichtsurteil vom letzten Freitag gerade rechtzeitig. Es spielt allen Kontrahenten in die Hände: Die USA fühlen sich bestärkt in ihrer Meinung, dass die Schweiz bereit zu jeder rechtlichen «Schandtat» sei; der Bundesrat kann hoffen, dass weitere Rechtsbeugungen vom obersten Gericht gedeckt werden; die Banken können ihre Kunden ans Messer liefern mit der Entschuldigung, dass die Schweiz die Welt mit dem Segen ihrer obersten Instanz neu betrachtet.

Unfähige Vergangenheitsbewältigung
Das «Verrückte» an der Geschichte ist die Unfähigkeit der Schweiz, ihre dunkle Vergangenheit aus eigener Kraft aufzuarbeiten. Wie bei früheren Grosskrisen – Nazi-Gold, Holocaust-Gelder, Potentaten-Gelder, Insiderdelikte – waren es meist ausländische Behörden, an vorderster Front fast immer die USA, die das Land in die Neuzeit katapultierten.

Nicht weiter schlimm. Schlimm aber ist, dass auf diesem Weg die nötige Selbstreinigung ausbleibt. Der Fall UBS zeigt dies exemplarisch. Während kleine Kundenberater mit einer US-Vergangenheit um ihre Existenz fürchten, bleiben die obersten Verantwortlichen der Bank verschont von Anklagen.

USA sei Dank
Die Schweizer Mentalität, eigenes Fehlverhalten so lange wie möglich zu vertuschen und dann, wenn es dank des Auslands offensichtlich wird, rasch zur Seite zu wischen, verspricht im aktuellen Fall nichts Gutes. Die fehlende saubere Aufarbeitung der Schwarzgeld-Ära, zu der eine klare Benennung der Verantwortlichen gehört, verzögert den nötigen Schritt ins neue Zeitalter.

In Zukunft zählen für die Banken nur noch Konkurrenzfähigkeit, Transparenz und Sorgfaltspflicht, nicht mehr Steuer- und andere Schlaumeier-Modelle. Der Finanzplatz sträubt sich dagegen, wie das immer mehr zum Fehlkonstrukt mutierende Konzept der Abgeltungssteuer zeigt.

Statt einen klaren Schnitt zwischen alter Bankgeheimnis- und neuer Transparenz-Finanzwelt vorzunehmen, hängen sich einflussreiche Banker an den Rockzipfel des alten Bankgeheimnisses. Die Gefahr ist gross, dass die Schweiz damit zweimal verliert: Sie zahlt viel für ihre Vergangenheit und muss später doch noch den europäischen Informationsaustausch-Standard akzeptieren.

Den USA kommt bei diesem Umbruch das Verdienst zu, den Schweizer Finanzplatz in die Neuzeit zu «bomben». Wenn der Krieg dereinst vorbei ist, wird man den Amerikanern dafür dankbar sein.

2 Kommentare
paul-dieter mehrle    10. September 2011 um 14:47
Sehr geehrter Herr Haessig,glücklicherweise gibt es in der Schweiz solche Stimmen wie die Ihre, die es auf den Punkt bringen.Das Land” Schweiz” kann all diesen dankbar sein.Der damalige “Erfinder” des Bankgeheimnis-Konstrukts ( u. später als Nazi-Sympathisant von seinen Landsleuten nicht mehr goutierte Nationalrat) hat zwar viel Wohlstand kreiiert,die Glaubwürdigkeit eines ganzen Landes-leider- nachhaltig geschädigt. Und was gibt es Erstrebenswerteres als glaubwürdig zu sein.Hoffentlich wird diese Seuche”kriminelle Steuerhinterzieher aller Länder-verachtenswerter Hort der hinterzogenen Gelder/Bankgeheimnis”eingedämmt.Lumpen wird es immer geben, ein Staat mit Kultur u.Geschichte wie die Schweiz sollte seine Gesetzgebung aber nicht nach denen ausrichten u. damit neues Böses gebären.Mit freundlichen Grüßen Dr.Mehrle

Anton Keller    26. September 2011 um 15:26    So kann man’s auch sehen – als Einäugiger, that is!
    Schon mal gehört, dass sich Engländer „subjects of the Queen“ nennen, und dies mit stolzer Überzeugung? Im Gegensatz etwa zu uns Schweizern die – umgekehrt und mit nicht weniger tiefverwurzeltem & verpflichtendem Recht und Selbstwertgefühl – sich als der Souverän, als niemandem als sich selbst und der Gemeinschaft verpflichtete souveräne Bürger verstehen. Oder wenigstens bis vor kurzem sich so verstanden und meist auch verhalten haben – bis hinauf zum Bundesrat und zum Bundesgericht.
    Das war einmal. Wie in der 1.August-Rede Ohne Selbstbestimmung keine Freiheit“, sowie in einer kürzlich erschienen parlamentarischen Anekdotensammlung in Erinnerung gerufen. Wie nachzulesen im BAZ-Leitartikel Wir sind nicht der Irak: US wollen unser Bankgeheimnis brechen, Bundesrat taumelt(www.solami.com/bankingfuture.htm#taumelt). Und wie von Adolf Muschg in der Verfassungspräambel mahnend auf den Punkt gebracht: Frei nur bleibt wer seine Freiheit gebraucht.
    Die mit dem Bankdatenklau einhergegangene Hehlerei von Staats wegen gab Gelegenheit, in ausländischen Medien resonanzstark hinzuweisen auf einen auch hierzulande zusehends in Vergessenheit geratenen Grundsatz zum Verhältnis Bürger Staat.
    Zugegeben: Manch einem ist Glasnost kein Begriff mehr. Kaum bekannt ist ausserhalb der Schweiz auch das besondere Staatsverständnis vom souveränen Bürger, gläsernen Staat, und verfassungsmässig garantierten Schutz auch der wirtschaftlichen Privatsphäre (Art.13 BV; BVG-Entscheid i.S. FINMA, 5.1.10, E. 4.1). Das dem Staat anvertraute Tun & Lassen, ja dessen Existenzberechtigung gründet in des Bürgers Wohl. Womit erhellt, was in Art.8 ZGB festgeschrieben und davon abzuleiten ist.
    Grundsätzlich bestimmt der Souverän, d.h. der Stimmbürger den Steuertarif. Und soweit er einer Umkehr der Beweislast nicht zugestimmt hat, obliegt diese dem Staat. Mit der Steuererklärung erklärt er verbindlich was Sache ist, was von seinem Eigentum er mit dem Staat teilen will. Es obliegt sodann dem Staat zu beweisen, dass ihm mehr als deklariert zusteht. Bis zu diesem Nachweis, der zufolge des Hehlereiverbots nicht auf illegal beschaffte Daten abgestützt werden darf, erscheint der Begriff Diebesgut für vorenthaltene Steuerbeträge als verfehlt.
    Anwendbar ist er hingegen auf unrechtmässig erhobene Abgaben, sowie auf die Geldentwertung durch staatlich bewirkte Inflation.
MaW: wer den gläsernen Bürger will, nimmt dessen Staats-Bevormundung in Kauf. Zulasten des Gemeinwohls untergräbt er damit auch den Verantwortungs- und Bürgersinn. Und er missachtet die historische Tatsache, dass die Berliner Mauer in westlicher und nicht in östlicher Richtung umgefallen ist – auch wenn bedenklichste Entwicklungen in der EU, USA, OECD, etc. das Gegenteil vermuten lassen.




Tages-Anzeiger    25.Juli 2011

«Die Schweizer Diplomatie ist unfähig, hart aufzutreten»
Von Claudia Blumer

Klagen in den USA, Druck aus der EU – die Schweizer Diplomatie steckt in einer Krise. Was man besser machen müsste, sagen ehemalige Diplomaten im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet.
Umfrage
Fehlt es der heutigen Schweizer Diplomatie an Geduld und Beharrlichkeit?
Ja     90.6%         Nein     9.4%
Schweiz im Vielfrontenkampf
    Aussenpolitisch führt die Schweiz zurzeit einen Vielfrontenkampf. Die EU legt weitere bilaterale Verträge so lange auf Eis, bis die automatische Rechtsübernahme geregelt ist. Und die USA wollen die nächste Tranche Bankkundendaten. Der neuste Schachzug diesbezüglich ist eine Klage gegen CS-Banker, denen vorgeworfen wird, Steuerhinterziehung aktiv unterstützt zu haben. Die Verhandlungen in den USA seien auf Eis gelegt, berichtete der «Tages-Anzeiger» mit Berufung auf Bankenkreise. Die Verhandlungsdelegation um Michael Ambühl habe bisher keinen Erfolg gehabt.
    Noch vor zwei Jahren gab es einen kollektiven Aufschrei, als der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück drohte, gegen die Schweiz die «Peitsche» einzusetzen, wenn sie beim Bankgeheimnis nicht selber nachgibt. Heute wirbelt der italienische Finanzminister Giulio Tremonti nicht mehr viel Staub auf, wenn er sich weigert, direkt mit Schweizer Behörden zu kommunizieren. Und auch der öffentliche Wutausbruch der Aussenministerin Micheline Calmy-Rey an die Adresse der EU wird vergleichsweise gelassen zur Kenntnis genommen.
 
 
Dossiers
Eine schwierige Beziehung
Die komplette Blockade
EU-Ratspräsident Van Rompuy in Zürich
«Es wird überschätzt, was in Schweizer Tresoren liegen soll»
Der Kampf um die Bankdaten
Wer hat die elf Banken verraten?
USA bieten elf Schweizer Banken Straffreiheit an
US-Behörden klagen weiteren Ex-UBS-Banker an
Artikel zum Thema
US-Justiz klagt weitere Schweizer Top-Banker an
Frontalangriff auf Schweizer Banken
«Das Verhalten der EU ist inakzeptabel»
Giulio Tremonti ärgert die Schweiz
Der Kampf um die Notenbanken
Dickere Kapitalpolster für die amerikanischen Banken

Die Schweiz macht zurzeit eine schlechte Figur auf dem internationalen Parkett. Staatssekretäre bemühen sich an allen Fronten um Kompromisse, vergebens. Woran liegt es? Ist unsere Diplomatie von gestern, oder einfach nicht krisentauglich? Ehemalige Diplomaten sagen, wo das Problem in ihren Augen liegt: Untalentierte Verhandlungsteilnehmer, bescheidenes Auftreten und das Abseitsstehen der Schweiz.

Franz Blankart, ehemaliger Staatssekretär des Aussendepartements (EDA), fordert von den Schweizer Gesandten mehr «Geduld und Beharrlichkeit». Und er gibt zu bedenken: «95 Prozent aller internationalen Verhandlungen weltweit scheitern.»
Bild: Keystone

Der heutigen Schweizer Diplomatie fehle es an Geduld und Beharrlichkeit, sagt Franz Blankart, ehemaliger Staatssekretär im Bundesamt für Aussenwirtschaft (Bawi), das es heute nicht mehr gibt. Für solche schwierigen Situationen, wie jene mit der EU oder den USA, brauche es eine «subtile, hartnäckige Diplomatie». Blankart hat unter anderem den EWR ausgehandelt. Für das Versicherungsabkommen beispielsweise habe er 17 Jahre benötigt. «Man muss sich jederzeit die Freiheit nehmen können, vom Verhandlungstisch aufzustehen und nach Hause zu gehen. Man darf bei Verhandlungen nicht unter Zeitdruck sein.»

Das Vorgehen der Schweiz mit den Bankkundendaten im Fall UBS war in seinen Augen ein Fehler. «Ich hätte das vermutlich durchgestanden. Man kann nicht die Kunden, die einem vertraut haben, verraten. Das Gesetz zu ändern, um Schwarzgeldanlagen in der Schweiz zu vermeiden, ist eine andere Sache.»

«Nur noch professionelle Unterhändler zulassen»
Auch organisatorisch sieht Blankart Mängel bei der Schweizer Diplomatie: «Wir müssten dafür sorgen, dass nur noch professionelle Unterhändler am Verhandlungstisch mit der EU sitzen», sagt Blankart. Das sei heute nicht immer der Fall. Neben den sehr guten Leuten wie Michael Ambühl, Chef des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen, oder Botschafter Henri Gétaz, Chef des Integrationsbüros Schweiz-EU, gebe es manche Angestellte der Bundesverwaltung, die sich an den Verhandlungen mit der EU betätigen, ohne über die nötige «Gabe, Erfahrung und Gesamtübersicht» zu verfügen.

«Die Schweiz tritt viel zu bescheiden auf. Und sie spielt ihre Trümpfe nicht aus»: Thomas Borer, ehemaliger Botschafter in Deutschland.  Bild: Keystone

Thomas Borer, ehemaliger Botschafter in Deutschland, sieht das Problem im schweizerischen Regierungssystem mit seinen sieben gleichberechtigten Ministern, das nicht auf Führung und strategische Aussenpolitik ausgerichtet sei. «Daher scheinen wir Entwicklungen zu verschlafen, keine Prävention zu treffen und unsere Interessen nicht nachhaltig international durchsetzen zu können.»

Die Schweiz trete aussenpolitisch nicht nur viel zu bescheiden auf, sie spiele auch eindeutige Trümpfe nicht aus, sagt Borer. So in der Flughafen-Frage: «Der Flughafen Zürich wird zu 75 Prozent von deutschen Airlines angeflogen – und wir bringen kein vernünftiges Anflugregime zustande.» Obwohl wir laut Borer viele weitere Optionen hätten, um Deutschland unter Druck zu setzen: «Vertragsbruch bei der Neat, das Doppelbesteuerungsabkommen, die Zehntausenden von Grenzgängern». Borers Fazit: «Die Schweizer Diplomatie ist unfähig, hart aufzutreten.» Die Schweiz reagiere bei Krisen immer wieder falsch und mache eine schlechte Figur auf dem internationalen Parkett.

«Minderwertigkeitskomplex»
Die Schweizer würden an einem permanenten Minderwertigkeitskomplex leiden, sagt Borer. «Wir pochen immer auf den Mythos des Kleinstaats, das wird uns von Kind auf eingeimpft. Dabei sind wir mit modernen Massstäben gemessen sicherlich unter den 20 mächtigsten Staaten der Welt.» Borer reagiert vehement auf den Einwand, die USA und die EU seien gegenüber der Schweiz am längeren Hebel: «Das stimmt doch nicht!» Die EU mit ihren 28 Mitgliedern biete intern viele Allianzmöglichkeiten. Und auch die USA könnten mit einer geschickten, langfristig ausgerichteten Lobbyingstrategie massgeblich beeinflusst werden. Ferner gebe es andere Allianzpartner wie China oder Russland, welche als Alliierte gewonnen werden könnten.

Das in Borers Augen nicht für Krisen gemachte Schweizer Regierungssystem lasse auch frühzeitiges Handeln kaum zu: «Dass der Druck auf das Bankgeheimnis wachsen wird, hat man vor zehn, zwölf Jahren schon gemerkt. Dort hätte man Gegenmassnahmen ergreifen müssen: Allianzen suchen, eine Informationsoffensive lancieren, rechtzeitig mit Verhandlungen beginnen.»

Franz von Däniken sieht den Grund für die Krise der heutigen Aussenpolitik im Abseitsstehen der Schweiz: «Wären wir mit der EU im permanenten Austausch, hätte sich Peer Steinbrück 2009 nicht mit dieser Grobheit gegenüber der Schweiz geäussert», sagt der ehemalige Staatssekretär.
Bild: Keystone

«Die Schweiz hat keinen Götti mehr»
«Die aussenpolitische Stellung der Schweiz hat sich in den letzten zehn Jahren nicht verbessert», sagt Franz von Däniken, ehemaliger Staatssekretär des Aussendepartements. Noch im Jahr 2000 habe aussenpolitische Aufbruchstimmung geherrscht, erinnert sich von Däniken, der unter anderem die Bilateralen II koordiniert hat. Das Volk segnete die bilateralen Verträge ab, beschloss den Beitritt zur UNO, das Parlament sagte Ja zur zivilen Friedensförderung. 10 Jahre später sehe es anders aus: «In Sachen Finanzplatz hat die Schweiz keinen Götti mehr.»

Dass sich Staaten wie Luxemburg und Österreich beim Bankgeheimnis hinter die Schweiz gestellt haben, sei von Bundesrat und Medien überbewertet worden. «Diese Länder haben selber zu wenig Gewicht, um ihre Finanzplatzinteressen vertreten zu können. Die Schweiz ist gegenüber den USA und der EU in der Defensive.»

Eiszeit herrscht auch zwischen der EU und der Schweiz. Bis die Schweiz sich zur automatischen Rechtsübernahme bereit erklärt, sollen keine neuen Verträge mehr abgeschlossen werden. Im Bild: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey und José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission.  Bild: Keystone

Den diplomatischen Bemühungen mit der EU fehle eine Vorwärtsstrategie, und im Verhältnis mit den USA gehe es jetzt vor allem um Schadensbegrenzung, glaubt von Däniken. Den Grund für die aussenpolitische Stagnation sieht er unter anderem im Abseitsstehen der Schweiz: «Die Behörden der EU-Mitgliedsländer sehen sich seit Jahren beinahe jede Woche. Die Schweiz ist nicht dabei, dadurch entfremdet sie sich im Verhältnis zu den EU-Staaten.» Wären der Austausch und der persönliche Kontakt kontinuierlicher, hätte sich Steinbrück 2009 nicht mit dieser Grobheit gegenüber der Schweiz geäussert, glaubt von Däniken. Hinzu komme der wachsende Einfluss der G-20 – ein Gremium, dem die Schweiz nicht angehört und in dem sie ebenfalls keine Paten erwarten dürfe.


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NZZ Online    28. Juli 2011, 18:15

Sollen sich Schweizer Grossbanken aufspalten?
UBS und Credit Suisse leiden an ihren Investmentbanken.
Eine abgespaltete Investmentbank könnte wieder deutlich höhere Risiken eingehen.
Von Marco Metzler

UBS und Credit Suisse haben ihren Investmentbanken Zügel angelegt. Der Regulator fordert höhere Sicherheitspuffer. Ohne den Aufschwung fallen die Gewinne enttäuschend aus. Ohne Risiken einzugehen, funktioniert das Geschäftsmodell nicht. Eine Abspaltung würde viele Probleme lösen.
mtz. Erneut ist es die stark zyklische Natur der Investmentbanken (IB), die den beiden Schweizer Grossbanken, UBS und Credit Suisse (CS), einen Strich durch die Erfolgsrechnung macht. Die «domestizierten» IB haben die in sie gesteckten Hoffnungen bisher nicht erfüllt. Die IB sind zwar gut aufgestellt, um von einer allfälligen Markterholung zu profitieren – nur bleibt diese Erholung aus. Und so liegen die Gewinne weit unter den Erwartungen, und die Kapazitäten der IB erweisen sich als zu gross, die Kosten als zu hoch. Beide Grossbanken haben Sparmassnahmen und Entlassungen angekündigt. Kreative Ideen, wie man sich an die Herausforderungen der neuen Realität anpassen will, sind kaum zu erkennen.

Hochgesteckte Ziele
Zwar haben die Banken im zweiten Quartal durchaus ansehnliche Gewinne ausgewiesen. Weil die Erwartungen aber so hochgeschraubt waren, rufen diese lediglich Enttäuschung hervor. Die Verantwortlichen selbst haben diese hohen Erwartungen geschürt. So hat Oswald Grübel 2009 vollmundig das Ziel einer Eigenkapitalrendite von 15 bis 20 Prozent gesetzt. Nun musste er kleinlaut zurückkrebsen.

Die CS hatte schon Anfang Jahr ihre Ziele bezüglich Eigenkapitalrendite von 18 Prozent auf immer noch «über 15 Prozent» korrigiert. Auch wenn die CS im Tonfall bescheidener auftritt, den Ball flacher spielt, sich gegenüber dem Regulator unterwürfiger verhält als die UBS: Die beiden Banken gleichen einander in ihrer integrierten Strategie wie ein Ei dem anderen.

Das Festhalten an einer integrierten IB führt dazu, dass die Grossbanken weiterhin stark den Launen der Märkte ausgeliefert bleiben. Die IB ist ein volatiler Generator von positiven wie auch negativen Überraschungen. Wenn es überdurchschnittliche Quartale und zu hohe Boni gibt, dann ist meistens die IB verantwortlich – bei Katastrophen auch. Die Vermögensverwaltungssparten entsprechen dagegen dem, was man sich unter einer klassischen «Schweizer» Bank vorstellt: solide, dafür auch deutlich langweiliger. Auch hier hat man sich aber zu lange auf dem anhaltenden Zufluss von ausländischen Schwarzgeldern ausgeruht. Dieses Geschäftsmodell steht weltweit unter Druck.

Zu gross, um unterzugehen
Gleich im Anschluss an die Finanzkrise wurde mancherorts über die Abspaltung der IB von den Grossbanken diskutiert. Die UBS begann auf dem Höhepunkt der Krise die drei Sparten – Vermögensverwaltung, IB und Asset Management – stärker voneinander zu trennen. Von Schnellbooten anstatt von einem Supertanker war plötzlich die Rede. Als Grübel ans Ruder kam, hat er diese Episode mit der Rückkehr zu seiner «One Bank»-Strategie schnell wieder vergessen gemacht.

In der Zwischenzeit ist es um das Thema Abtrennung der IB ruhig geworden. Die Diskussion bleibt aber aktuell. Eine Abspaltung könnte für alle Anspruchsgruppen grosse Vorteile bieten: Die Grossbanken wären besser zu steuern, die Investmentbanker könnten sich von ihren Fesseln lösen, die Aktionäre besser nach ihrem Risikoprofil diversifizieren, der Staat könnte seine Rolle als Retter in der Not ablegen.

Die beiden Grossbanken sind zu gross, um unterzugehen («Too big to fail»), und auch zu gross, um vom Staat gerettet zu werden, ohne dass sie diesen in den Abgrund ziehen würden («Too big to rescue»). Ein Klumpenrisiko erwächst dem Retter Staat auch dadurch, weil sich die Banken zu ähnlich sind. Der Chef der UBS, Oswald Grübel, der bereits die CS zur integrierten Bank umgebaut hatte, machte aus der UBS mit denselben Rezepten wie vor der Krise eine zweite CS. Sein Traum von einer Eigenkapitalrendite von über 20 Prozent zeigt, dass er wenig Lehren aus der Krise gezogen zu haben scheint. Er bewegt sich noch mehrheitlich in der Gedankenwelt, die vor der Krise die Branche beherrschte. Die Bankenwelt heute aber ist aber nicht mehr dieselbe.

Abspaltung der Investmentbank
Die Grossbanken beteuern derweil immer wieder, dass sie ihre IB domestiziert und auf die Kundenbedürfnisse ausgerichtet haben. Doch dies klingt stark nach der Quadratur des Kreises: Risiko und Sicherheit sind Pole, die sich gegenseitig abstossen. Ohne Risiken einzugehen – und sei es auch nur im Auftrag eines Kunden –, kann eine IB nicht richtig funktionieren. Solange der Steuerzahler für systemrelevante Banken haftet, ist der Regulator dazu gezwungen, den IB der Grossbanken höhere Eigenkapitalanforderungen als Sicherheitspuffer aufzuerlegen. Mit einer Abspaltung könnten sich die IB aus diesen Fesseln befreien. Der Vorteil daraus für das Mutterhaus: Das Vermögensverwaltungsgeschäft ist viel weniger komplex und dadurch auch besser steuer- und überwachbar.

Als unabhängige, abgetrennte Institute wären die IB der Grossbanken nicht mehr systemrelevant und könnten – weil sie in den Konkurs geschickt werden können – wieder deutlich höhere Risiken eingehen. Eine Abtrennung der IB könnte eine logische Folge aus den höheren Eigenkapitalanforderungen an die Schweizer Grossbanken sein. Bisher sind die Grossbanken aber dazu nicht bereit: Das «Wall Street Journal» spekulierte bereits im Mai 2011 über eine Abspaltung der UBS-IB, die Bank dementierte.

Aktionäre als Gewinner
Eine Abspaltung hätte auch für die Aktionäre Vorteile – gerade weil die Geschäfte der IB und der Vermögensverwaltung stark unterschiedlicher Natur sind. Die volatilen Geschäfte der IB sind nicht für das Risikoprofil eines jeden Aktionärs geeignet.

Bei einer Aufspaltung würde jeder Aktionär einer Grossbank einen Teil seiner Investition in Vermögensverwaltungs- und einen zweiten in IB-Aktien ausbezahlt erhalten. Wer dann als Aktionär weiterhin bereit wäre, das hochriskante, unberechenbare Geschäft der IB mitzutragen, könnte dies tun. Wer nicht, kann sich am Markt von der IB-Aktie trennen, die Vermögensverwaltungs-Aktie aber behalten. Bis heute bleibt beispielsweise den Schweizer Pensionskassen oder Index-Investoren gar nichts anderes übrig als zwangsmässig auch in die IB-Sparten der Grossbanken zu investieren. Damit müssen sie aber unter Umständen für ihr Risikoprofil zu riskante Geschäfte mittragen.

Das Argument der besseren Diversifikation einer integrierten Bank gilt aus Aktionärssicht nicht. Der Aktionär kann bei einer Aufspaltung am besten gemäss seinen Präferenzen den Grad seiner Diversifikation wählen. Heute können die Eigentümer nicht selbst bestimmen, sie sind darauf angewiesen, dass die Bankführung die richtigen Entscheidung trifft. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass man dies nicht erwarten kann.

Hinzu kommt, dass bei den Grossbanken mittlerweile mehr Geld an die Kadermitarbeiter ausgeschüttet wird als an die Besitzer. Auch dies entspringt der angelsächsischen Tradition der IB – nur dass es die Schweizer Grossbanken sogar schon bunter treiben als beispielsweise Goldman Sachs. Dadurch werden aber letztlich schleichend die Aktionäre zugunsten der Mitarbeiter enteignet.

Staat aus der Verantwortung entlassen
Auch aus Sicht des Staates und des Steuerzahlers wäre die Abspaltung der IB von der Vermögensverwaltung eine gute Lösung. Das «Too big to fail»-Problem wäre auf einen Schlag gelöst. Bei einer erneuten Überschätzung der eigenen Fähigkeiten durch eine Gruppe von jungen, von Bonus-Anreizen getriebenen Heissspornen und dem gleichzeitigen Versagen einer der Aufgabe nicht mehr gewachsenen Herrenrunde aus älteren Risikoüberwachern könnte der Staat die nicht systemrelevante IB ohne Probleme in den Konkurs schicken. Die verbleibenden Grossbanken wären zwar weiterhin systemrelevant, aber ihr Geschäftsmodell wäre deutlich weniger riskant.

Unternehmergeist gefragt
Es scheint, als fehle es den Schweizer Grossbanken an neuen, innovativen Strategien für die neuen Realitäten der Bankenwelt. Vor kurzem riefen die Führungskräfte noch nach höheren Boni, um neue Investmentbanker anzustellen. Nun geht es wieder 180 Grad in die andere Richtung und in den IB sollen Mitarbeiter entlassen werden. Vielmehr bräuchte es neue Ideen und Rezepte, um die Geschäftsmodelle auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen. Sparen ist keine Strategie. Unternehmergeist wäre gefragt.

Die gesteigerte Effizienz durch die Sparprogramme könnte den Aktienkurs mittelfristig wieder nach oben treiben und damit auch den Wert der Aktien- und Optionspakete der Topkader. Die Führung sollte aber alles daran setzen, dass anstelle der Managervergütungen die Ausschüttungen an die Aktionäre wieder steigen. Solange sich diese aber nicht wehren, sind sie selbst schuld, wenn sie die Hände nicht von den Aktien der Grossbanken lassen.
 

16 Leserkommentare
Hans Georg Lips (2. August 2011, 13:27)    @Aichinger: Ich rede von verheimlichten 16'000 Milliarden.
Aus amerikanischen Quellen ist zu erfahren, dass das FED heimlich diese Hilfen gewährt hat. Das FED wurde gezwungen, diese HIlfen öffentlich zu machen. Daneben sind die AIG-Hilfen peanuts. Was in der Schweiz notorisch verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass UBS und CS Milliardenhilfen vom FED erhalten haben. Dass internationale BAnken Hilfen aus den USA in diesem Umfang erhalten haben wurde erst jetzt durch Senatoren aufgedeckt. Diese Hilfe, an den Häusern vorbei, stört die US-Steuerzahler enorm.Und es zeigt, wie wackelig diese SChweizer Banken sind.

Hans Georg Lips (2. August 2011, 13:19)    Aufspalten ist nicht die einzige Lösung.
Wären unsere Politiker in der Lage und könnten mit Bestimmtheit sagen, dass eine Aufspaltung die einzige Unternehmensform wäre, um den Steuerzahler aus dem Risiko zu nehmen, wohlan. Es gibt aber auch noch andere Lösungen, die, und das scheint mir viel wichtiger, das Risiko USA (Erpressbarkeit, wiederholte) ausschaltet. Wir, die Schweiz sind Sklave eine US-Gesetzgebung, die Gesetze auch auf Vergangenheit bezogen, ändern und durchsetzen kann. Das US Geschäft ist wie eine Lotterie. Aber es bringt dicke Boni, ein paar Leuten, denen das Schicksal der Schweiz schnuppe ist.(Internationalisten)

Gunther Kropp (29. Juli 2011, 18:03)    @ Werner Moser
Der Super-Brennstoff mit dem die Banken in einer gigantischen Geschwindigkeit den Erdball umrunden konnten, lieferten staatlichen Raffinerien sprich die Notenbanken. Bekanntlich müssen diese bald umstellen auf billigen Sprit. Das hat zur Folge, dass die Banken-Super-Düsenflugzeuge am Boden bleiben müssen und umsteigen müssen auf Propeller- oder Segelflugzeuge. Bekanntlich bestimmt der Markt welches Flugzeug man sich leisten kann oder nicht. Wie man hört, soll sich die Banken-Flieger-Welt ab 2. August radikal verändern.     Gunther Kropp, Basel

Alfred Aichinger (29. Juli 2011, 17:12)    @ Werner Moser
Die meisten Fluglinien kaufen sparsame Flugzeuge, damit sie nicht vom Markt verdrängt werden ( amer. Airlines sogar den Airbus ). Kurzum die UBS fliegt mit viel zu hohem Kerosinverbrauch , d.h. die Triebwerke sind veraltet und nebenbei viel zu teuer . Für eine Auswechslung bleibt nicht viel Zeit. Die Ticketvermarktung muss günstiger und effizienter werden. Im Businessbereich ( wealt management )scheint es zu funktionieren .

Werner Moser (29. Juli 2011, 16:50)    Na ja ..
… mit dem Propeller-Flugzeug die Welt umrunden ist herrlich: für Nostalgiker! Und gefährlich dazu, falls das Düsenflugzeug alternativ mit der Schnelligkeit eines Propellerflugzeugs fliegen wollte: Es fiele in die Tiefe wie ein Stein! Alle Banken bleiben immer den Launen der Märkte ausgeliefert. Da sie immer auch (mehr/weniger) „Investmentbank“ sind. Will eine Bank eine „Bank“ sein, hat sie sich dieser Herausforderung zu stellen, anstatt sie zu verdrängen. Die UBS/CS wissen das genau, denn die Bankenwelt ist im Grunde immer noch eine „Welt der Banken“, i.e. dieselbe! Anstatt von einer „Gedankenwelt vor der Krise“ zu philosophieren, wäre ein Direktgespräch mit einem Vollprofi à la UBS-Boss hilfreicher gewesen. Ob er dabei zugegeben hätte, dass die jetzt zu erwartende Personalreduktion schon bei seinem Stellenantritt hätte vollzogen werden müssen, ist kaum anzunehmen. Denn das würde bedeuten, dass er heute nicht „zurückkrebsen“ müsste. Was niemand glauben würde.

Gunther Kropp (29. Juli 2011, 12:08)    @ Werner Moser
Grosses Lob – auf dem Weg ins richtige Flugzeug: "Ohne Risiken funktioniert es nicht" Man muss den Mut haben die Zitronenpresse Investmentbanking zu entsorgen. Dann funktioniert auch: "uralten & immer gültigen Strategie des Sparens", weil ertragsseitig die "Zitrone" nicht mehr ausgepresst werden kann. Und was nützt das modernste Düsenflugzeug, wenn man sich das Kerosin für die Beuteflüge nicht mehr leisten kann, weil die Crew die Kohle für sich alleine haben will - dann doch lieber eine gemütliche, sichere und solide Propeller-Maschine mit einer zuverlässigen und seriösen Besatzung.     Gunther Kropp, Basel

Werner Moser (29. Juli 2011, 10:45)    Abspalten?
Im Kern des Bankgeschäfts gibt es keine neue Realität: Ohne Risiken funktioniert es nicht! Das Zinsdiff- & Komm.Geschäft (samt neuen Ideen & Rezepte!) ist margen-/kommissionsmässig derart kompetitiv ausgepresst, dass nur noch in Kombination mit den Eigengeschäften & Volumina eine genügende Wertschöpfung möglich ist, um allen Ansprüchen (share- & stake holders) nachzukommen. In einem solchen Umfeld kommt (auch wegen erhöhter regulatorischer Strenge!) der „uralten & immer gültigen Strategie des Sparens“ umso mehr Wichtigkeit zu. Diesbezüglich hat die Finanzkrise 2007-09 nichts verändert. Neue Ideen, Rezepte & Unternehmergeist gibt es dahingehend, dass kostenseitig abgebaut werden muss. Weil ertragsseitig die „Zitrone“ ausgepresst ist & nur „variabel“ blüht. P.S. Das IB von der Vermögensverwaltung abspalten- wäre wie einem Düsenflugzeug die Düsen „abspalten“ & „Propellermoren“ aufmontieren wollen: Wer flöge noch in einer solchen Kiste?

Anton Paschke (29. Juli 2011, 09:08)    @ Hans Georg Lips
"FED jetzt zugeben musste, dass es (heimlich) 16 Trillions (engl.)Hilfen geleistet hat"
Zuerst eine Bitte: schreibt doch astronomische Zahlen so, wie es die Astronomen tun. Also 10 hoch 9 ist eine Eins mit 9 Nullen. Oder sagt Giga-Dollar.
Wenn ich Bio-Dollar lese, denke ich an EHEC. Weiss aber nicht, was gemeint ist.
Ich nehme an, dass Sie also 16 Tera-Dollars = 16 000 Giga-Dollars meinen.
Dann stimmt Ihre Aussage wohl nicht, denn der Betrag ist etwas groesser als die zur Zeit eifrig diskutierte US Staatschuld.
Das kann man nicht heimlich verschieben.

Nadine Binsberger (28. Juli 2011, 22:22)    Verdrängung - Einsicht - Befreiung
Genau mit solchen Strategie-Zwickmühlen müssen sich die Führer von Unternehmen beschäftigen, die von der unsichtbaren Hand des Marktes als nicht existenzberechtigt eingestuft werden. Bald folgt zwangsläufig die Einsicht darüber. Dann entfallen diese strategischen Überlegungen, das sog. "Investement"-Banking wird einfach ersatzlos aufgehoben und ein befreiendes Aufatmen geht durch die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft. IB ist reines Rendite-Scheffeln, das nur ganz Wenigen etwas bringt, während die meisten zahlen - ohne irgendeinen Mehrwert. Es ist ein gesellschaftlich viel zu teures Game.

Hans Knecht (28. Juli 2011, 20:40)    ROI 20%?
Ein Gewinn der deutlich höher ist als die Geldentwertung bedeutet, dass irgend jemand Geld "verliert". Sei es der Kunde, sei es ein Zulieferer, die Mitarbeiter, der Staat oder im Allgemeinen die Volkswirtschaft wenn der ganze Gewinn nicht wieder investiert wird in neue physische Produkte. Wenn die Kunden, die Zuliefer, der Staat oder die Allgemeinheit die sich dann mit der Zeit die "überteuerten" Produkte nicht mehr leisten können, dann schrumpft zwangsläufig der Absatzmarkt, der Gewinn und ohne Martsegmentreduktion auch der Returne of Investment. Das ähnliche passiert, wenn die Mitarbeiter schlechte Arbeitsbedingungen haben und unmotiviert sind. So betrachtet ist ein zu hoher Gewinn sowohl für die Firma als auch für die Volkswirtschaft nachhaltig destruktiv.
Eine Eigenkapitalrendite (ROI) von 18% gilt eigentlich offiziell als Wucher.

Hans Knecht (28. Juli 2011, 20:36)    Aufspalten? (Teil 2)
Ebenso kann es sein, dass auf Grund der hoher Vernetzung im Grossunternehmen Geschäftseinheiten Dienstleistungen zur Verfügung standen, die danach nicht mehr zur Verfügung stehen, oder wenn, dann monopolbedingt zu überhöhten Preisen, oder diese ggf. "teuer" neu aufgebaut werden müssen und dadurch Doppelspurigkeiten mit einer anderen kleinen Firma der Holding entstehen.
Hingegen ein Verkauf von Unternehmensbereichen zu selbständigen Firmen ausserhalb der Holding kann sich für die Mitarbeiterindentifikation negativ auswirken, da man scheinbar als "unwillkommen" aus der Holding herausgeschoben wird. Man betrachte nur wieviele alte BBC-Mitarbeiter sich heute noch mit dem Namen indentifizieren und ein positives Bild von der ehemaligen Firma haben.

Hans Knecht (28. Juli 2011, 20:35)    Aufspalten? (Teil 1)
Ein Aufspalten einer grossen Unternehmenseinheit in kleinere 100% autonomen Einheiten hat dann Sinn wenn diese kleinen Einheiten das Marktvolumen selbständig bedienen können und auf Grund des Eigenkapitals diese die Marktrisiken selber tragen können. Des weiteren hat dies den positiven Effekt dass die Mitarbeiter sich besser mit dem Produkt indentifizieren können und ein ineffizienter, kostengenerierenden und Arbeitsplätze vernichtender Overhead verkleinert wird.
Die grosse Herausforderung bei solch einem Schritt ist, dass durch die Auftrennung Arbeitsabläufe völlig durcheinander geraten und z.B. Softwaresysteme in der kleinen Firma dann verwendet werden, die für ein Grossunternehmen tragbar waren, aber für ein kleine schlankes Unternehmen schlicht ein Overkill sind.

Alfred Aichinger (28. Juli 2011, 20:19)    @ Hans Georg Lips
Das ist kein Geheimnis und allgemein bekannt, dass die FED mit über 75 Mia $ die AIG vor dem Untergang gerettet hat. Die AIG ist mit Derivaten ( CDS )in die Bredoullle gekommen und mit Hilfe des FED Geldes wurden Verpflichtungen an Goldman Sachs; Deutsche Bank, die UBS , CS und auch den Franz. Grossbanken erledigt. Sie Haben recht, wenn die FED bei AEG nicht eingesprungen, dann wäre die Welt heute anders ( im Abgrund ).

Hans Georg Lips (28. Juli 2011, 19:17)    Bedingung: Kein Risiko für den Steuerzahler.
Unsere beiden Grossbanken, die ihre Grösse durch Fusion bzw. Acquisition erreicht haben, müssen so ausgestaltet werden, dass der Steuerzahler nicht noch einmal Sicherheit geben muss.Das kann auf vielerlei Wege geschehen. Als gelernter Bankangestellter, aber wenig Vertrauter mit den Problemen einer "Weltbank" kann ich einfach das Beispiel einer HSBC nennen, die eine Holdingstruktur hat, von der ich annehme, dass sie das Problem "too big" nicht hat. Uebrigens wird nicht rapportiert, dass das FED jetzt zugeben musste, dass es (heimlich) 16 Trillions (engl.) Hilfen geleistet hat, auch an die UBS und an die CS.Niemand nimmt das auf, seltsam.

Raymond Bursch (28. Juli 2011, 19:12)    Was für eine Frage...?   Für die Schweizer Grossbanken gilt endlich, dass die Investmentbanken ausgegliedert werden. Selbst wenn die Geschäfte der Investment Banken nicht bilanzrelevant sind, so wird mit Kundengelder "gespielt". Die Banken sollen sich auf das Kreditgeschäft, Zahlungsverkehr, etc. konzentrieren (auf ihr angestammtes Geschäft.) auch wenn es nicht so spektakulär ist. Wenn Investoren spekulieren wollen, dann sollen sie zu den ausgegliederten Investmentbanken direkt sich wenden. Die Schweizer haben immer "NOCH" eine gute Reputation was ihre Seriosität, Pflichtgefühl, Verantwortungsbewusstsein und Sorgfalt betrifft. Wenn die Angelsachsen gerne spielen und wetten, so sollen sie das, aber nicht mit den Schweizer Banken.

Gunther Kropp (28. Juli 2011, 17:53)    Luft und Äpfel    Es zeigt doch, dass das Investmentbanking nur blühen konnte, wenn die Notenbanken unendlich viel billiges Geld zur Verfügung stellten für Luftgeschäfte, die nur einen Zweck hatten hohe Gewinne und Boni zu produzieren, aber keine realen Werte haben. Mit der Finanzkrise kam das grosse erwachen: das Spiel aus ist. Will heissen: Die beiden Grossbanken müssen sofort und radikal die faulen Äpfel aus der Kiste werfen – bevor alles verfault.    Gunther Kropp, Basel




Schweizerzeit    1.August 2011
Ansprache zur Bundesfeier am 1. August 2011 in Bonstetten (ZH)
Ohne Selbstbestimmung keine Freiheit
Von Nationalrat Ulrich Schlüer, Chefredaktor «Schweizerzeit»
Heute vor genau 720 Jahren beschworen die Landleute von Uri, von Schwyz, von Nidwalden und Obwalden ihren Ewigen Bund auf dem Rütli – die Geburtsstunde der freien, ihre Geschicke selber bestimmenden Schweiz.
Bis der deutsche Kaiser die Anerkennung der schweizerischen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung formell zugestand, dauerte es danach freilich noch volle 357 Jahre – Jahre, in denen viel Blut geflossen ist: In Morgarten, in Sempach, in Näfels, in Dornach, auf dem Stoos, in Villmergen, in Kappel und an vielen anderen Schlachtorten. Auch schwere Niederlagen erlitten die Eidgenossen: Die einschneidendste 1515 bei Marignano, wo der grössenwahnsinnige Traum, der Schweiz einen dominierenden Platz auf der Weltbühne zu sichern, in einem Blutbad versank.

Weniger bekannt ist, dass sich eidgenössischer Freiheitsdrang und Durchsetzungswille nicht nur in blutigem Kampf bewiesen hat. Auch am Verhandlungstisch, gegenüber dem Konzert der Grossmächte erreichten Eidgenossen mit Klugheit, Standfestigkeit und Grundsatztreue Bedeutendes zugunsten unserer Unabhängigkeit und Selbständigkeit.

Johann Rudolf Wettstein
Zu den herausragenden ihrer Diplomaten gehörte Johann Rudolf Wettstein, jener Bürgermeister der Stadt Basel, der im Auftrag der Eidgenossen von 1646 bis 1648 in den westfälischen Städten Münster und Osnabrück Ferdinand III., dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, in monatelangem zähem Ringen schliesslich die formelle Anerkennung der Schweizerischen Eidgenossenschaft als unabhängiger, sein Schicksal in eigener Verantwortung gestaltender Staat abrang.

Sämtliche Höflinge aller Fürstenhöfe Europas waren am grossen, aufs Glanzvollste, aufs Verschwenderischste inszenierten Kongress dabei, festeten, prassten, verausgabten, schwelgten – während die Völker Europas, schwer heimgesucht vom Dreissigjährigen Krieg und der von ihm hinterlassenen breiten Blutspur von Verwüstung, Hunger und Elend, irgendwie danach trachten mussten, wenigstens kärglichst zu überleben.

Johann Rudolf Wettstein, zwar in bestem Bürgergewand im Westfälischen eintreffend, wirkte nebst all den in Seide und Rüschen einherstolzierenden Höflingen wie ein derber Bauerntrampel. Als «Schweizerkönig» wurde er bespöttelt und verlacht, der er in einfachster, kaum heizbarer Kammer hauste, während die Dienstherren der grossen Höfe sich mindestens ein Palais, mindestens einen kleinen bis mittleren Palast zu leisten pflegten.

Das Verspotten verging den Höflingen bald, als sie die Zähigkeit, die Unbeugsamkeit des Eidgenossen am Verhandlungstisch kennenlernten. Zwei volle Jahre rang Wettstein, ohne waffenklirrendes Heer im Rücken, um das für die Eidgenossenschaft so wichtige Dokument aus der Feder des Kaisers. Unvergesslich, wie zwei der wichtigsten, der am glanzvollsten auftretenden Diplomaten jener Zeit den Schweizer verabschiedeten, als dieser, die Souveränitätsanerkennung endlich in Händen, ohne jede Stunde weiteren Verzugs sofort in seine Heimat, zurück in die Eidgenossenschaft aufbrach.

Respektsbezeugungen
Der Franzose, Herzog von Longueville, Sprecher des französischen Königs, verlieh Wettstein einen Orden in Form einer prunkvollen goldenen Brustkette. Weil Frankreich im Anspruch der Schweizer eine Schwächung des deutschen Kaisers erkannte, hatte Paris Wettstein unterstützt – was dieser geschickt zu nutzen wusste. Der goldenen Kette schob der Franzose allerdings ein prunkvoll aufgemachtes Dokument nach, dessen Unterzeichnung der Herzog von Wettstein erwartete. Darin hätte sich die Schweiz formell verpflichtet, als Gegenleistung zur empfangenen Unterstützung Paris in allen den französischen Hof interessierenden internationalen Angelegenheiten fortan vorbehaltlos zu unterstützen: In heutiger Sprache würde man sagen, der französische Herzog mutete der Eidgenossenschaft die «institutionelle Anbindung» an alle in Paris getroffenen Entscheidungen zu.

Wettstein wies die Urkunde ohne Unterschrift höflich, aber bestimmt zurück – wohl wissend, den nie Widerspruch duldenden Unterhändler der Grossmacht Frankreich damit sichtbar vor den Kopf zu stossen. Er anerkenne, erklärte Wettstein, dass die Schweiz und Frankreich am Friedenskongress erfolgreich zusammengearbeitet hätten. Aber, fuhr er fort, Paris würde im Verkehr mit einem freien, eigenständigen, seine Geschicke selber bestimmenden Land weit wertvollere Zusammenarbeit erfahren als mit einem zum Lakaien degradierten, zu blindem Gehorsam erniedrigten unfreien Nachbarn. Der Franzose musste unverrichteter Dinge abziehen – unterliess es indessen nicht, Wettstein ausdrücklich Respekt zu zollen für seinen Mut, die schweizerische Eigenständigkeit gegen alle Seiten, selbst gegen den so übermächtig auftretenden König von Frankreich eisern durchzusetzen.

Noch denkwürdigere Respektsbezeugung wurde Wettstein vom Gesandten des Kaisers, Dr. Isaac Volmar zuteil – seinem Hauptgegner im zweijährigen Ringen am Verhandlungstisch. Volmar war es, der Wettstein schliesslich jene Urkunde des Kaisers überbrachte, die der Eidgenossenschaft Freiheit und Unabhängigkeit formell zugestand.

Und dann, als Wettstein noch in gleicher Stunde ohne weiteren Verzug in Richtung Basel aufbrach, bat der Habsburger Volmar – Wettsteins Gegner am Verhandlungstisch – darum, vom nüchternen, allem Glanz und Prunk absagenden Wettstein als persönlicher Freund Abschied nehmen zu dürfen. Wettstein, verriet Volmar seinem Verhandlungsgegner, sei an diesem Kongress der eitlen Höflinge der Einzige gewesen, der unverbrüchlich und zäh allein seiner Sache, allein seinem Land gedient habe. In Wettstein, sagte der weltgewandte Diplomat vom Wiener Hof, habe er, Volmar, die Eidgenossenschaft und die Eidgenossen, dieses knorrige, eigenständige, freiheitsbewusste Volk der Schweizer kennen, achten, und respektieren gelernt. Er, der Vertreter des Kaiserhofs, möchte dem unbeugsamen Eidgenossen als Freund, der dem Schweizer höchste Achtung zolle, zum Abschied die Hand reichen…

Standfestigkeit heute
Damit stehen wir inmitten der Gegenwart – wo uns fast täglich zwischen Brüssel und Bern pendelnde Unterhändler unablässig das Klagelied vorsingen, niemand in Europa verstünde mehr die Eigenbrötelei dieser eigensinnigen Schweizer. Wir müssten uns doch anpassen, «institutionell anbinden».

Wir Schweizer haben mit diesem Brüssel Verträge ausgehandelt. Wir Schweizer – das wird auch von niemandem bestritten – halten unterzeichnete Verträge buchstabengetreu ein. Aber wir stellen fest: Andere Staaten zeigen keineswegs gleiche Vertragstreue, setzen sich vielmehr über vereinbarte, gegenseitig bindende Verpflichtungen höchst leichtfertig hinweg – der Schweiz damit gravierende Nachteile völlig ungerechtfertigt aufbürdend.

Oder sieht sich jemand in der Lage, uns jenen Abschnitt in den die Immigration regelnden Verträgen von Schengen, von Dublin und zur Personenfreizügigkeit vorzulesen, der unserem südlichen Nachbarland gestattet, seine Vertragsverpflichtungen dann kurzerhand zu suspendieren, wenn es seine für den Vollzug ausgehandelter Verpflichtungen zuständigen Funktionäre lieber für zwei Monate in die Ferien entlässt? Oder liest uns jemand jenen anderen Abschnitt vor, wonach mit Ferien begründete Entbindung von der Erfüllung von Vertragsverpflichtungen nur für solche Funktionäre gilt, welche illegale Migranten, die man in Nachbarländer ausreisen liess, gemäss Dublin-Vertrag wieder zurückzunehmen hätten – nicht aber für jene andern auch italienischen Funktionäre, die unter demonstrativer Verachtung aller eingegangenen Vertragsverpflichtungen illegale Einwanderer zu Tausenden unbesehen mit Touristen-Visa ausstatten, auf dass diese sich – in krassem Widerspruch zu den Dublin-Vereinbarungen – in alle Länder Europas ungehindert ergiessen können?

Wenn Verträge nicht funktionieren
Schengen, Dublin, Personenfreizügigkeit: Drei Verträge, die schlicht nicht funktionieren. Frankreich hat Intercity-Züge aus Italien, um illegale Grenzüberschreitungen zu verhindern, kurzerhand gestrichen: Nichts mehr von Personenfreizügigkeit! Dänemark hat wieder Grenzkontrollen eingeführt: Nichts mehr von Personenfreizügigkeit! Spanien hat soeben die freie Einwanderung aus EU-Ländern formell ausser Kraft gesetzt: Nichts mehr von Personenfreizügigkeit! Und da soll die Schweiz alles schlucken müssen, was ihr Italien unter Verletzung aller drei genannten Verträge an illegaler Einwanderung beschert?

Wenn vertragliche Vereinbarungen beiderseits vorgesehener Ziele nicht funktionieren, dann ist es unter hinreichend mit Vernunft ausgestatteten Menschen eigentlich selbstverständlich, dass sich die Vertragspartner noch einmal zusammensetzen, die offensichtlichen Fehler im Vertrag analysieren, das getroffene Abkommen überarbeiten und korrigieren. Ist man zu Bern, sind die hiesigen Brüssel-Freunde tatsächlich der Ansicht, solch selbstverständliche Vernunft existiere zu Brüssel nicht? Muten sie Brüssel nackte Willkür bezüglich Umsetzung unterzeichneter Verträge zu, die wir widerspruchslos und duckend einfach hinzunehmen hätten?

Man stelle sich vor, Johann Rudolf Wettstein wäre 1646 mit ähnlich duckmäuserischer Einstellung an den Friedenskongress nach Westfalen gereist. Bundesfeiern – wie die heutigen in Bonstetten und in allen anderen Gemeinden unseres Landes – gäbe es dann gewiss keine zu feiern.

Dennoch ist die sture Behauptung im Blick auf Brüssel nicht auszurotten, wonach jede Aufforderung zur Fehlerbeseitigung in mit der EU vereinbarten Verträgen das definitive Njet Brüssels zu allem und jedem, was die Schweiz je mit der EU ausgehandelt habe, unausweichlich herausfordern würde. Alle Bilateralen zerstört, alle je geschlossenen Verträge zerrissen und verbrannt. Ganz so als wären die Spediteure aus der EU darauf versessen, ihre im Transit durch die Schweiz zu transportierenden Waren künftig lieber wieder auf ihren Rücken über den Gotthard zu schleppen…

Unsinniger, dilettantischer, schweizfeindlicher lässt sich Duckmäusertum angesichts nirgends in Europa zufriedenstellend funktionierender Verträgen kaum vorstellen. Wenn ein Staat nicht mehr das Recht haben soll, für offensichtlich fehlerhafte Verträge in aller Offenheit neue Verhandlungen zu verlangen, dann ist er kein selbständiger Staat mehr, dann befindet er sich in der Stellung einer unterdrückten Kolonie. Aber die Schweiz ist kein Untertanenland. Wir Schweizer setzen uns für Verträge, die wir unterzeichnet, ratifiziert und korrekt umgesetzt haben, nicht dem Gespött vertragsbrüchiger Partner aus.

Das Fundament muss intakt bleiben
In schwieriger Gegenwart für geklärtes, vertraglich geregeltes und gegenseitig respektiertes Miteinander in dem Zeitpunkt zu sorgen, da die Europäische Union von schwerer Krise erschüttert wird, ist für den Kleinstaat Schweiz von ausschlaggebender Bedeutung. Denn das Fundament der EU wankt – ein existenzgefährdendes Beben hat zumindest die Währungsunion getroffen. Angesichts solcher Entwicklung müssten wir um so umsichtiger dafür sorgen, dass das – auch von Verträgen abhängige – Fundament für eine funktionierende Schweiz gesichert und gefestigt bleibt.

Europa hat versucht, die Verantwortung für gesundes Haushalten, basierend auf gesunder Währung, zu kollektivieren. Doch rasch zeigte sich, was sich bei Kollektivierung von Verantwortung nahezu immer zeigt: Der Einzelne glaubt, sich folgenlos auf Kosten von Partnern in günstigere Lage zu versetzen, indem er getroffene Abmachungen etwas grosszügiger auslegt zwecks eigener Bevorteilung. Konkret: Einzelne Staatslenker von EU-Staaten gingen davon aus, ihr eigenes Land auf Kosten des plakativ als unerschütterlich stark gepriesenen Kollektivs nahezu grenzenlos verschulden zu können. Doch alle Staatslenker handelten so, sich einredend, sie seien die einzigen Vertragsabweichler. Deshalb ist das Desaster heute perfekt, die Lage nahezu ausweglos.

Da ist es wichtig, dass der Schweiz ihre Selbstbestimmung erhalten bleibt – zum Vorteil der hiesigen Bevölkerung, der hiesigen Wirtschaft, für den Erhalt der unseren Interessen dienenden Entscheidungsfreiheit. Noch wurde die Schweiz nicht in die Verschuldungskrise der EU hineingerissen. Dass unser Franken seine Stabilität zu bewahren vermag, beschert uns zwar auch Probleme. Probleme, die allerdings weit einfacher zu bewältigen sind als jene Erschütterungen, die aus dem Zerfall einer Währung resultieren.

Die Schweiz, Hochlohnland mit überdurchschnittlicher, Durchsetzungsfähigkeit auf den Weltmärkten sichernder Leistungsbereitschaft ihrer Bevölkerung muss dann, wenn wie jetzt zwei Weltwährungen ins Wanken geraten, vordringlich dafür sorgen, dass das Fundament der eigenen Währung, unseres Schweizer Frankens intakt bleibt. Solide Abstützung der Währung auf echte, ihren Gehalt bewahrende Werte, auch auf Gold, ist das Gebot der Stunde. Eine Volksinitiative, die im September gestartet wird, soll dieses Fundament noch stärker absichern. Sie untersagt alle weiteren Goldverkäufe. Sie verlangt, dass sämtliche Goldreserven der Nationalbank in die Schweiz zurückzuführen sind. Und sie verpflichtet die Nationalbank darauf, wenigstens zwanzig Prozent ihrer – durch unvorsichtige und ruinöse Euro-Stützungskäufe verantwortungslos aufgeblähten – Aktiven in Gold zu halten.

Das befreit uns nicht von allen Problemen. Aber es sichert unserem Franken sein solides Fundament – und unserem Land die Freiheit, eine den eigenen Interessen dienende Währungspolitik zu verfolgen.

Welches ist denn der Grund, dass sich der Kleinstaat Schweiz heute in klar besserer Lage befindet als das ganze übrige Europa? Die Schweizer sind nicht bessere, nicht klügere Menschen als die Bürger in unseren Nachbarländern. Aber die Schweiz vermochte sich ein besseres, dem von Verschuldungspolitik direkt betroffenen Bürger mehr Mitspracherechte, mehr Mitentscheidungs-kompetenz einräumendes System zu schaffen. Es ist die, Zustimmung des Volkes für jede wichtige Entscheidung voraussetzende direkte Demokratie, die hier übermässiger Verschuldung den Riegel geschoben hat.

Ulrich Ochsenbein
Diese direkte Demokratie, mit dem Begriff «Volkssouveränität» in der Bundesverfassung verankert, ist uns nicht einfach in den Schoss gefallen. Sie ist ein Produkt weitsichtiger Köpfe, die sie 1848, als die Alte Eidgenossenschaft in den modernen Bundesstaat umgeformt wurde, durchgesetzt haben – unter dramatischen Umständen.

Ulrich Ochsenbein, 1848 dann in den ersten Bundesrat gewählt, 1854 unter bedenklichen Umständen unverdienterweise allerdings wieder abgewählt, war die treibende Kraft der Verankerung der Volkssouveränität in der Bundesverfassung – zu einem Zeitpunkt, da die Schweiz rundum von Monarchien umgeben war. Diese Monarchien intervenierten massiv gegen die Etablierung einer – wie sie sagten – «Herrschaft des Pöbels» in einem Land im Herzen Europas, wo der einfältige Mann auf der Strasse gleiches Gewicht erhalten sollte wie es bislang in politischen Angelegenheiten bloss Hochwohlgeborenen zustand.

Am aggressivsten verhielt sich Frankreich. Es liess zwei Divisionen aufmarschieren im Jura an der Grenze zur Schweiz, unverblümt mit Marsch auf Bern drohend, wenn die Volkssouveränität in der Schweizer Bundesverfassung verankert würde. Wie reagierte Ochsenbein? Keine Spur von Duckmäuserei! Er schwang sich persönlich aufs Pferd, ritt an die Grenze, rechtete während einer ganzen Nacht aufs verbissenste mit den französischen Generälen.

Am anderen Morgen setzten sich die französischen Divisionen tatsächlich in Bewegung. Aber nicht Richtung Osten, nicht Richtung Bern. Sie marschierten zurück nach Paris. Ochsenbein hatte die beiden Generäle überzeugt. Er räumte zwar unumwunden ein, dass der noch nicht geborene Bundesstaat Schweiz nicht über militärische Kräfte verfüge, die den französischen Einmarsch militärisch verhindern könnten. Aber Ochsenbein verwies die Franzosen eindringlich auf die politische Gährung im damals höchst unruhigen Paris, wo die Bevölkerung nachdrücklich mehr Rechte, mehr Mitsprache, mehr Demokratie verlangte. Würde ein Heer des französischen Herrschers – mit diesem Argument überzeugte Ochsenbein schliesslich die Franzosen – zu Bern die junge, demokratische Schweiz niederknüppeln, dann würde sich das Volk von Paris gegen solche Aggression zur Unterdrückung von Freiheit und Selbstbestimmung unweigerlich erheben. Dann hätten die Franzosen Krieg im eigenen Land!

Ochsenbeins jede Anpassung an die Forderungen der Mächtigen verweigernder Auftritt verfehlte seine Wirkung nicht. Die direkte Demokratie wurde in der Schweiz Tatsache.

Johann Rudolf Wettstein, Ulrich Ochsenbein: Zwei grosse Eidgenossen, denen wir heute Unabhängigkeit und Selbstbestimmung unserer freien Schweiz verdanken. Aufgabe unserer Generation ist es, mit gleichem Einsatz, mit gleicher Entschlossenheit, mit gleichem Durchsetzungswillen mit dem Erbe der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung, mit dem uns solch grosse Persönlichkeiten unsere Freiheit geschenkt und gesichert haben, gegenüber der Arglist unserer Zeit zu bewahren und zu verteidigen, auf dass wir dieses Erbe, so wie wir es übernehmen konnten, intakt auch den kommenden Generationen weitergeben können.

Es lebe die freie, ihre Geschicke selber bestimmende Schweiz!




NZZ Online    4. August 2011, 10:30

Die Büchse der Pandora ist offen
USA setzen Schweizer Banken immer stärker unter Druck.
Schweizer Banker verzichten immer mehr auf Reisen in die USA.
Von Zoé Baches

Der Druck der US-Behörden rund um den Steuerstreit mit den Schweizer Banken nimmt zu. Fast täglich werden neue Klagen gegen hiesige Banker eingereicht, was den Finanzplatz vor immer grössere Probleme stellt. Nun geraten auch Kantonalbanken ins Visier der US-Behörden.
Anfang August wurde erneut ein Schweizer Banker von US-Behörden angeklagt, einem Amerikaner bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Der Banker, so wird behauptet, hätte mit Hilfe eines Kundenberaters diese Gelder bei der Basler Kantonalbank versteckt.

Knapp zwei Wochen früher musste die Credit Suisse bekannt geben, dass sie Gegenstand einer Untersuchung der amerikanischen Justizbehörden sei. Dem langjährigen Chef des US-Desks der Credit Suisse und dessen Stellvertreterin wird vorgeworfen, sie hätten vermögenden US-Kunden auf amerikanischem Boden bei der Hinterziehung von Steuern geholfen.

Diese Klagen gehen einher mit einem vorläufigen Abbruch der Verhandlungen rund um einen globalen Deal. Anfang Juli wurden die Gespräche zwischen Staatssekretär Michael Ambühl und dem amerikanischen Justizdepartement und dem Finanzamt auf amerikanischer Seite gestoppt.

Schwere Folgen für den Finanzplatz
Die Situation ist ernst. Kann die Thematik nicht bald durch einen umfassenden globalen Vergleich aus der Welt geschafft werden, wird bald keine Schweizer Bank mehr ohne Probleme internationale Bankgeschäfte tätigen können. Zudem wird dann auch kein Banker, Anwalt oder Steuerberater, der einmal zu Themen wie Vermögensanlagen oder Steuern mit einem Steuerpflichtigen aus den USA zu tun hatte, die Schweiz mehr verlassen können.

Bereits jetzt geben grosse Vermögensverwalter wie zuletzt Julius Bär oder Sarasin Anweisungen an ihr Personal, auf Flüge in die Vereinigten Staaten zu verzichten. Nach erfolgter Anklage wird eine Person dort üblicherweise zur Fahndung ausgeschrieben, um so die Verjährung eines Verfahrens zu unterbrechen. Da allerdings niemand wissen kann, in welchen Regionen oder Ländern ein solcher internationaler Haftbefehl aktiviert ist, wird letztlich aus Angst vor einer möglichen Verhaftung niemand mehr die Landesgrenze passieren.

In der Folge könnte die Schweiz ihre langjährige Vorherrschaft im grenzüberschreitenden Geschäft mit reichen privaten Ausländern, dem sogenannten Offshore-Banking, verlieren.

NZZ Online sprach mit verschiedenen Exponenten aus der Politik und Verwaltung, mit Bankern und Rechtsexperten in der Schweiz und den USA, wie sie die Situation heute einschätzen und welche Lösungswege offenstehen. Die ganze Angelegenheit wird als derart heikel eingeschätzt, dass es der Grossteil der Befragten vorzog, strikt «off-the-record» zu sprechen, also ohne Angabe von Name und Arbeitsort.

Deutlich mehr steht auf dem Spiel
Für die Schweizer Häuser – aber auch für Banken anderer Herkunft – und damit für den gesamten Finanzplatz ist die Situation heute deutlich unangenehmer, als das vor zwei Jahren bei den Auseinandersetzungen zwischen den USA und der UBS der Fall war. Auch der UBS-Staatsvertrag schlug mit eine Bresche für die heutigen Probleme der Schweizer Banken. Mit dem Staatsvertrag konnte zwar die UBS und wohl auch primär deren Bankspitze vor einer Anklage gerettet werden, er rückte aber auch die anderen Schweizer Bankhäuser und deren Mitarbeiter, externe Berater und Anwälte ins Scheinwerferlicht der amerikanischen Behörden.

So sitzen die USA nach zwei Voluntary Disclosure Initiativen, Programmen zur freiwilligen Selbstanzeige von Steuersündern, auf einem riesigen Schatz an Daten und Informationen. Jede Schweizer Bank, jeder Banker, jeder Anwalt und Steuerberater, der auch nur einen einzigen Kunden mit amerikanischem Pass hatte, muss fürchten, dass er früher oder später in den USA der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt werden könnte. Dann nämlich, wenn dieser Kunde sich selber angezeigt und dann geredet hat. Täglich verschickt das amerikanische Justizdepartement (DOJ) mehrere Newsletter in die ganze Welt, in denen auch über diese Klagen im Detail inklusive Nennung der Namen der Angeklagten informiert wird.

Namen, Namen, Namen
Die amerikanischen Behörden haben in erster Linie ein Ziel. Amerikanische Steuerpflichtige sollen aufhören, Gelder vor dem Fiskus zu verstecken. Die US-Behörden glauben, dieses Ziel am effektivsten zu erreichen, wenn sie möglichst viele Steuersünder namentlich kennen. Dieses Ziel wird unabhängig davon angepeilt, bei welcher Bank das Geld der amerikanischen Steuerpflichtigen versteckt worden ist.

Natürlich wollen die Amerikaner auch eine angemessene Bussenzahlung, sowohl von den Steuersündern als auch in einem zweiten Schritt von einer möglicherweise fehlbaren Bank. Allerdings wird die Bedeutung dieser Geldzahlungen von den Befragten als eher sekundär eingeschätzt. Zwar komme mit den Bussen- und Nachzahlungen der Steuersünder eine ansehnliche Summe zusammen, doch sei diese angesichts der riesigen Staatsschulden der USA und des Aufwandes der Steuerbehörden sehr klein.

Entertainer oder Sportler gesucht
Ein Kenner der Szene ist überzeugt, dass es für die Staatsanwaltschaft des amerikanischen Justizdepartments (DOJ) der grösste Erfolg wäre, wenn eine prominente amerikanische Persönlichkeit der Steuerhinterziehung angeklagt werden könnte – jemand aus dem Showbusiness oder ein Sportler beispielsweise. Damit könnte das DOJ ein starkes Signal setzen, indem es zeigt, dass sich kein Amerikaner, egal wie reich und wie berühmt, zum Thema Steuersünde freikaufen kann. In dieser Hinsicht sei man im Fall UBS nicht erfolgreich gewesen, so die Einschätzung. Dies sei auch mit ein Grund dafür, dass jetzt bei weiteren Banken gesucht werde.

Druck Schritt um Schritt erhöhen
Solange es zu keiner Einigung komme, werde die USA den Druck in den nächsten Wochen und Monate weiter erhöhen. Genannt wurden bereits Namen von Bankern, die für Schweizer Häuser arbeiteten, die entweder Repräsentanzen in den USA haben oder aber US-Kunden aus der Schweiz heraus grenzüberschreitend beraten haben. Das ist beispielsweise bei der Bank Wegelin der Fall. Zudem werden aber auch vermehrt Namen von Banken ins Spiel gebracht, die weder ein Büro in den USA haben, noch spezifisch Offshore-Kunden beraten haben, wie zuletzt die Basler Kantonalbank.

Dass die nächste Eskalationsstufe eingeleitet worden ist, zeigt sich hier. Lynnley Browning, die amerikanische Reuters-Reporterin mit direktem Draht zum Justizdepartment, führte in einem Artikel  jüngst aus, dass nun die sich «im Staatsbesitz befindliche» Basler Kantonalbank ins Visier der Behörden rücke. Ein Befragter übersetzt den Artikel wie folgt: Das Justizdepartment lasse damit auch an die Seite der Schweizer Politik ausrichten, dass der angebotene Vergleich von Seiten der Schweiz nicht hoch genug ist.

Gefahr auch für Kantonalbanken
In einem nächsten Schritt könnte ein amerikanisches Gericht nun beispielsweise die Drohung aussprechen, die Basler Kantonalbank selbst anzuklagen. Der Druck, so eine Einschätzung aus den USA, nähme damit deutlich zu. Eine solche Anklage hätte zur Folge, dass die Partner alle Geschäftsbeziehungen zu dieser Bank in den USA auflösen würden. Das beträfe beispielsweise Dollar-Transaktionen oder den Handel mit US-Wertschriften.

Dann, so ein mögliches Szenario, würde sich die amerikanische Staatsanwaltschaft an die UBS und die Credit Suisse in den USA wenden. «Ihr macht zwar in den USA keine Geschäfte mehr mit dieser Kantonalbank. Aber Ihr habt versprochen, Euch künftig richtig zu verhalten. Diese Kantonalbank hat nicht richtig gehandelt, das zeigt ja die Klage unseres Gerichts – also brecht auch die Beziehungen mit ihr auch in der Schweiz ab.»

Angesichts der Tatsache, dass die beiden Grossbanken den «Wünschen» aus Amerika schon länger jeweils sehr schnell Folge leisten, sei davon auszugehen, dass sie das letztlich auch hier tun würden, sagt der Gesprächspartner. Für diese Kantonalbank (und für jede andere Schweizer Bank, die derart bedroht würde) könnte das den Todesstoss bedeuten.

In einer nächsten Klagerunde könnte dann der Name des nächsten Staatsinstitutes mit vielen amerikanischen Kunden, das nicht vor Ort in den USA tätig ist, wie beispielsweise die Zürcher Kantonalbank, auftauchen, sind mehrere Informanten überzeugt.

Wahrheit egal, aber Schweizer System problematisch
Wohlgemerkt: Ob die Banken tatsächlich amerikanisches Recht gebrochen haben oder nicht – die geschilderten Szenarien sind, leider, völlig unabhängig davon, ob die gemachten Vorwürfe in den oft vor Fehlern und Ungenauigkeiten nur so strotzenden Klagen vor amerikanischen Gerichten auch nur annähernd der Wahrheit entsprechen. Auf der anderen Seite muss in Betracht gezogen werden, dass es so aussieht, als sei bei deutlich mehr Schweizer Banken als nur bei der UBS amerikanisches Recht gebrochen werden. Das über lange Jahrzehnte erfolgreiche Schweizer System des Offshore-Banking war so aufgebaut, dass es einzig vor dem Schweizer Gesetz niet- und nagelfest war.

Wie der Fall UBS deutlich gezeigt hat, genügt bereits die Androhung einer Klage, dass ein Institut (und im Fall der UBS die ganze offizielle Schweiz) sämtliche Hebel in Bewegung setzt, um eine solche zu verhindern.

CS dürfte nicht angeklagt werden
Bisher wurde im gesamten Steuerstreit mit den USA denn auch noch nie eine Schweizer Bank selbst angeklagt – stets waren es «nur» Klagen gegen Mitarbeiter der Banken oder gegen deren Anwälte und Steuerberater.

Auch heute glaubt niemand der Befragten, dass es letztlich zu einer Klage gegen die Credit Suisse oder eine andere Schweizer Bank kommen wird. Wie ausgeführt, reicht das Drohszenario einer möglichen Klage bereits aus. Im Fall der CS ist es zudem so, dass die Grossbank in den USA ein zu wichtiger Arbeitgeber ist, als dass man einen tatsächlichen Ausfall der Bank riskieren würde – nicht zuletzt angesichts der miserablen Wirtschaftslage, in der sich die USA befindet.

Zudem würde sich keine Schweizer Bank auf das Vabanquespiel einer Gerichtsverhandlung auf amerikanischen Boden vor amerikanischen Richtern einlassen. Alle Banken dürften vorher mit allen Mitteln eine Einigung suchen.

Der globale Deal kommt
Experten sind denn auch überzeugt davon, dass es letztlich zu einem globalen Deal kommen wird. Lesen Sie morgen auf NZZ Online, warum das so ist, wie dieser aussehen wird und wie Experten mögliche Lösungsansätze für die Schweiz im Bankenstreit mit den USA beurteilen.




NZZ Online    5. August 2011, 11:39

Von Klagen in den USA bedroht: Schweizer Banker, Anwälte und Steuerberater
Der Weg aus dem Steuerstreit
Wie der Schweizer Bankenkonflikt mit den USA gelöst werden kann
Von Zoé Baches

Die amerikanischen Behörden drücken aufs Gaspedal. Erneut wurde ein Schweizer Banker in den USA wegen Beihilfe zur Steuerumgehung angeklagt. Exponenten aus den USA und der Schweiz erklären, warum es zum globalen Deal kommt, wie dieser aussehen wird und welche Alternativen es gibt.
Die Einschläge kommen immer näher. Praktisch täglich werden vor amerikanischen Gerichten neue Klagen gegen Schweizer Banker eingereicht. Der jüngste Fall: Ein Ex-UBS-Banker wurde gestern von der Bundesanwaltschaft in Manhattan der Beihilfe zum Steuerbetrug angeklagt. Er verliess die UBS im Jahr 2008 und arbeitete in der Folge bei zwei kleineren Schweizer Finanzinstituten.

Durch zwei Programme zur freiwiligen Selbstanzeige von Steuersündern sind die US-Behörden an eine riesige Menge an Informationen zu Banken, Bankern, Anwälten und Steuerberatern gelangt. Aufgrund diese Informationen sind nicht mehr nur international agierende Vermögensverwalter, sondern auch kleinere und mittelgrosse rein schweizerische Häuser wie beispielsweise die Kantonalbanken auf den Radar der Steuerbehörden geraten. Kommt es nicht bald zu einer Einigung mit den USA, stellt das den hiesigen Finanzplatz vor immer grössere Probleme.

Verhandlungen unterbrochen
Die Verhandlungen zu einer solchen Einigung, die auf Schweizer Seite von Staatssekretär Michael Ambühl und auf amerikanischer Seite durch das Justizdepartment (DOJ) und das Finanzdepartment geführt werden, gestalten sich sehr schwierig. Anfang Juli wurden sie gar von amerikanischer Seite unterbrochen. Zum einen soll Ambühl darauf bestanden haben, dass es zu einem globalen Vergleich kommen müsse. Zum anderen dürfte es sich um einen Druckversuch der USA handeln, weil die amerikanische Seite mit dem Angebot der Schweiz nicht zufrieden sein soll.

Mit ein Grund für den Unterbruch der Gespräche sollen aber auch die unterschiedlichen Interessen der zwei amerikanischen Parteien am Tisch sein. So sei die Steuerbehörde IRS an einem baldigen Abschluss des Vergleichs interessiert – wenn genug Geld fliesse. Das Justizdepartment dagegen wolle noch mehr Kundennamen als bereits von der Schweiz angeboten und damit auch die Möglichkeit, noch mehr Klagen einzuleiten.

Der globale Vergleich kommt
Trotzdem werde es letztlich zu einem Vergleich kommen, darüber sind sich alle Befragten einig – NZZ Online sprach mit Exponenten aus der Politik und Verwaltung, mit Bankern und Rechtsexperten in der Schweiz und den USA, die meisten wollten anonym bleiben.

Ein Gesprächspartner ist überzeugt, dass es noch einmal ein paar Monate dauern könne, bevor sich die zwei Parteien einigen. Diese Zeit würden die USA nutzen, um aus dem grossen Selbstanzeige-Stapel weitere Namen von Banken respektive deren Mitarbeiter an den weltweiten Pranger zu stellen. Diese Strategie bestätigt die jüngste, oben angeführte Klage.

Letztlich auch DOJ an Vergleich interessiert
Thomas Borer, Ex-Botschafter und Chefunterhändler in der Holocaust-Debatte, betont, dass zuletzt auch das DOJ an einem Vergleich interessiert sein werde. Wenn Chefermittler Kevin Downing einen Vergleich aushandeln könne, für den er von den amerikanischen Medien und von seinen potenziellen Wählern gelobt werde, werde er seine Strategie anpassen und einem Kompromiss dem Weg ebnen, ist Borer überzeugt. Ungleich der Schweiz gilt in den USA das Amt des Staatsanwaltes als ein nächster Schritt auf der Karriereleiter für das Amt eines Senator oder Gouverneurs.

Nicht einfach nur schwarz oder weiss
Die ganze Angelegenheit ist sehr komplex. So ist zum einen die Forderung der USA berechtigt, dass amerikanische Steuerpflichtige ihre Steuern in den USA bezahlen müssen. Korrekt ist natürlich auch, wenn sich die USA dagegen wehren, wenn amerikanisches Gesetz auf amerikanischem Boden verletzt wird.

Martin Naville, Chef der Swiss-American Chamber of Commerce, betont, dass es aus amerikanischer Sicht viele Indizien dafür gebe, dass neben der UBS weitere Schweizer Banken kriminell gehandelt hätten. Es herrsche in den USA die Meinung vor, dass viele Schweizer Bankhäuser gegen das Gesetz verstossen und auf amerikanischem Boden Offizialdelikte begangen hätten, die der IRS und das DOJ von Amtes wegen verfolgen müssten.

Nur durch Schweizer Gesetz geschützt
Das seit vielen Jahrzehnten praktizierte grenzüberschreitende Geschäft mit reichen und vermögenden ausländischen Kunden war eben nur vor dem Schweizer Gesetz hieb- und nagelfest. Dass sich auch andere Banken und deren Banker in diesem Geschäft in einem Graubereich bewegten, der durch das Modell praktisch vorgegeben wurde, oder diese Grenze dann auch überschritten, kann deshalb nicht wirklich überraschen. Auch angesichts der Tatsache, so ein Betrachter, dass ja die Banker im Laufe der Jahre von einem Arbeitgeber zum anderen wechselten und so die Ideen, wie man das Geschäft betreiben kann, zur nächsten Bank mitnahmen und vielleicht dann teilweise auch übertrugen.

Moderne Kanonenbootpolitik der USA
Nun gehen aber die USA bei der Verfolgung der ausgeführten legitimen Ansprüchen zu weit. So ist die Suche nach versteckten Steuergeldern zu einem Kreuzzug ausgeartet, der weder vor anderen Landesgrenzen noch anderen Rechtsräumen Halt macht. Die Amerikaner scheuen sich nicht, so stark Druck zu machen, dass ein Land um diesem Forderungen nachzukommen, nationales Recht beugen oder gar brechen muss. Dieser Anspruch, das eigene Recht auf die ganze Welt auszudehnen, von einem Banker als «moderne Kanonenbootpolitik» bezeichnet, ist auch bei der neuen Finanzmarktrichtlinie Fatca sichtbar.

Fatca
Fatca verlangt eine Identifizierung sämtlicher Kunden von Banken, die direkt oder indirekt in US-Wertschriften investieren, bei der Steuerbehörde IRS. Selbst Anleger, die lediglich ein gewöhnliches Sparbuch besitzen, müssten also künftig zumindest laut gegenwärtiger Lesart nach Washington gemeldet werden, sobald die Bank beispielsweise in US-Aktien investiert. Bei ausbleibender Kooperation droht eine Quellensteuer von 30 Prozent auf sämtliche Einkommen aus US-Quelle. Z.B.
USA wussten stets ums Bankgeheimnis
Die Amerikaner wussten zudem genau Bescheid über die langjährige Praxis des Schweizer Offshore-Bankings. Für die Vorteile des Schweizer Bankgeheimnisses warb man ja noch in den neunziger Jahren offen. Spezifisch im Fall UBS gaben die amerikanischen Behörden zudem Anfang des Jahrtausends selber grünes Licht dafür, dass der IRS den wahren wirtschaftlich Berechtigten hinter einer Vermögensverwaltungsgesellschaft nicht zu kennen brauchte. Diese Strukturen wurden dann im Rahmen des UBS-Vertrages plötzlich als falsch und als amtshilfefähig eingeschätzt.

Die USA zogen es in den letzten Jahren einfach vor, das alles zu «vergessen» – parallel zur immer grösseren Sensitivität der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten zu diesem Thema.

Unverständliche Doppelmoral
Für die Schweizer wohl am schwierigsten zu verstehen ist weiter, dass sich ausgerechnet die USA bei diesem Thema zu einer moralischen Instanz erhoben haben. So haben die Vereinigten Staaten von Amerika selber grosse Steueroasen, und diese verstecken sich nicht etwa, sondern lobbyieren offen und sehr laut dafür, dass «die amerikanische Wirtschaft die unversteuerten Gelder von reichen Ausländern dringend braucht», so die Argumentation der sogenannten Florida-Delegation.

Lösungen ausserhalb des globalen Deals?
Hat die Schweiz noch irgendeine Möglichkeit, sich gegen einen globalen Deal zu wehren? Implizit würde ein solcher ja auch ein Schuldeingeständnis der Schweizer Banken enthalten, was andere Staaten als Einladung auffassen könnten. Die Befragten sehen heute dazu nur wenig Alternativen.

Thomas Borer verweist darauf, dass man es seit zehn Jahren unterlassen habe, ein stabiles Abwehrdispositiv und ein «goodwill reservoir» aufzubauen. Zum heutigen Zeitpunkt könnte man lediglich noch versuchen, Senatoren oder Kongressabgeordnete der Wahlkreise, wo es viele Angestellte der beiden Schweizer Grossbanken habe, zu kontaktieren. Oder aber man könnte versuchen, die Doppelbödigkeit der USA zum Thema Steueroasen endlich in die US- und anderen Medien zu bringen, sprich die angeführte Florida-Delegation ins Spiel zu bringen.

Martin Naville kritisiert die mangelnden Mittel, die für ein effizientes Lobbying in der Schweiz zur Verfügung stehen. Zwar würden die Schweizer Politiker nach jeder grossen Krise einsehen, dass jetzt aktiver für den Finanzplatz und die Interessen der Schweiz lobbyiert werden müsse. Wenn sich dann aber die Wehen einer solchen Krise wieder verzogen hätten, werde die Notwendigkeit plötzlich nicht mehr eingesehen, so viel Geld für etwas derart Abstraktes wie Lobbying auszugeben.

Schweizer Haltung rächt sich
Diese an und für sich typisch pragmatische Einstellung der Schweiz rächt sich jetzt. Zum Thema Steuern hat die Schweiz heute keine gewichtigen Verbündeten. Das an und für sich schätzenswerte Argument der Schweizer Vermögensverwalter für das Bankgeheimnis, nämlich die Privatsphäre eines Bankkunden bis zu einem gewissen Grad auch gegen den heimischen Staat zu wahren, konnte dem Ausland bekanntermassen nicht genug gut, und wohl auch nicht immer auf Tatsachen beruhend, erklärt werden.

Auch mögliche «natürliche» wirtschaftliche Verbündete wie Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien beispielsweise in ein Boot zu holen im Kampf gegen das Regulierungsmonster Fatca funktioniert nicht. Denn diese Nationen haben zum Thema Steuern ganz anders gelagerte Interessen und meist sogar gegen die Schweiz gerichtete Begehrlichkeiten. Zudem, so die Aussage in einem Gespräch, würden diese Länder «insgeheim» selber gerne eine Richtlinie wie Fatca für das eigene Land umsetzen.

Harte Haltung Ambühls
Staatssekretär Michael Ambühl steht heute vor einer sehr schwierigen Aufgabe. Allerdings kann er, im Gegensatz zu den Verhandlungen vor von zwei Jahren, eine deutlich klarere Haltung einnehmen als die offizielle Schweiz damals.

Ambühl soll in den Verhandlungen darauf bestehen, dass eine erneute Regelung nur im Rahmen des Schweizer Rechts erfolgen wird können. Zudem bestehe er auf der Devise, dass es entweder einen globalen Deal geben wird, also einen umfassenden Vergleich, der für die Betroffenen die Vergangenheit endgültig regelt, oder aber gar keinen Deal.

Eine solche Einigung müsste sämtliche betroffenen Akteure des Schweizer Finanzplatzes umfassen, die irgendwann einmal amerikanische Kunden rund um das Thema Vermögensverwaltung, Steuern und ähnliches beraten haben. Zudem muss der Vergleich die Vergangenheit komplett bereinigen, wie NZZ Online in einer Liste aufführt.

Wie sieht der Vergleich aus?
Der Vergleich werde wohl drei Bereiche umfassen, ist ein Rechtsexperte überzeugt. Zum ersten die Bezahlung einer Busse, zum weiten – der zentrale und heikelste Punkt – die Lieferung weiterer Kundendaten und zum dritten sei auch die Zusage jeder einzelnen Bank vorstellbar, sich im Sinne einer «moralischen Neuausrichtung» zu verpflichten, Fatca vollumfänglich anzuerkennen.

In Bezug auf die Busse hat die Finanzmarktaufsicht Finma bereits die Vorarbeit geleistet. Kurz bevor Staatssekretär Ambühl das erste Mal zu diesem Thema in die USA reiste, wurden die betroffenen Schweizer Banken in einer «Feuerwehrübung», so ein beteiligte Person, dazu aufgefordert, die Gesamtzahl ihrer amerikanischen Kunden nach Bern zu melden. Diese Zahl dürfte an der Zahlung der UBS, die sich nach Abschluss des Staatsvertrages zur Zahlung einer Busse von 780 Mio. Franken an die USA bereit erklärt hatte, hochgerechnet werden.

Heikle Kundendatenlieferung.
Praktisch einig sind sich die Befragten darin, dass die Schweiz noch einmal wird Kundendaten ausliefern müssen. Und das ist auch der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Vergleichs. Denn in dieser Thematik stehe die Schweiz seit der UBS-Affäre sozusagen «mit abgesägten Hosen da». Denn um den Forderungen der USA im Fall UBS nach Kundennamen nachzukommmen, beugte die offizielle Schweiz Normen und bisher beachteten Rechtsgrundsätze. Das habe ein Präjudiz geschaffen, das heute nicht mehr ignoriert werden könne. Geschwächt wird die Verhandlungsposition der Schweiz auch vom jüngsten Urteil des Bundesgerichts, welches die Finma-Datenherausgabe vom 18. Februar 2009 offiziell absegnet hat.

Ein neuer Staatsvertrag
Für die globale Lösung braucht es zuerst einmal einen neuen Staatsvertrag, also ein neues Dach. Die Lieferung der Kundendaten selber soll aber auf dem bestehenden Recht abgestützt werden, so könnte die Notwendigkeit einer direkten Zustimmung zu des Parlamentes vermieden werden, ist aus Bern zu hören. Allerdings, einem neuen Staatsvertrag muss das Parlament auch zustimmen und es dürfte im derzeitigen Klima so kurz vor den Wahlen ausgeschlossen sein, dass die Parlamentarier einer zweiten Datenauslieferung à la UBS zustimmen.

Nach dem bestehendem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit den USA kann nur in Fällen von Verdacht auf «Steuerbetrug und dergleichen» Amtshilfe geleistet werden. Wie angeführt, wird es schwierig werden, dies gegenüber den USA zu vertreten, da schon einmal aufgrund anderer Kriterien geliefert wurde. Allerdings, so eine Einschätzung aus Bern, könnte es hilfreich sein, dass das von der Schweiz bereits unterzeichnete neue DBA mit den USA bald in Kraft treten wird. Dieses sieht vor, dass für Fälle ab dem 23. September 2009 (Unterzeichnungsdatum) auch Amtshilfe bei Verdacht auf Steuerhinterziehung geleistet werden kann.

Neues Amtshilfegesuch
Vorstellbar ist, dass ein weiteres Amtshilfegesuch aus den USA eintreffen wird, dass keine spezifischen Kundennamen, aber genügend vorher herausgearbeitete Kriterien erhält, anhand derer mögliche Steuersünder bei den Banken gefunden werden können. Die über den reinen Steuerbetrug hinausgehende Formulierung im bestehenden DBA mit «Tax Fraud or the like», die seit der (unter Rechtsexperten extrem umstrittenen) Obiter Dictum des Bundesverwaltungsgerichts vom 5. März 2009 auch die Amtshilfe in Fällen von schwerer Steuerhinterziehung zulässt, würde es erlauben, noch einmal Daten von Kunden auszuliefern, die sich in der «Vor-UBS-Welt» darauf verlassen konnten, vom Schweizer Recht geschützt zu werden.

Wie hoch der Vertrauen- und Imageschaden ausfallen wird, den man den Schweizer Banken mit einer derartigen Lieferung hochvertraulich geglaubter Daten zufügt und wie bestehende Kunden nicht nur aus den USA, sondern dann vor allem aus anderen Ländern, die ihr Geld in der Schweiz angelegt haben, reagieren werden, das wird sich weisen.

Banken können einzeln nichts machen
Im Fall der Holocaust-Gelder  konnte Thomas Borer die ganze Debatte mit einem Vergleich zwischen den Parteien vor einem amerikanischen Gericht «zu spät, zu einem zu hohen Preis aber dafür definitiv regeln», wie er sich erinnert. Ein Vergleich ist diesem Fall nicht möglich, meint ein Rechtsexperte. Ein globaler Vergleich könne nur in Form eines erneuten Staatsvertrages ausgehandelt werden. Grund sei, dass keine der betroffenen Schweizer Banken das Problem in Eigenregie lösen könne – sonst müsste sich jede Bank mit dem Kläger einzeln einen Vergleich aushandeln, zudem könnten die Schweizer Banken selber nicht über eine Herausgabe der Kundendaten entscheiden.

Staatssekretär Ambühl werde im Namen der Schweiz ja sagen müssen zu einem zweiten und hoffentlich deutlich umfassenderen Staatsvertrag, der die Vergangenheit ein für alle Mal regelt – und das Parlament werde, wenn auch zähneknirschend, noch einmal ja dazu sagen müssen. Alles andere wäre undenkbar, so der Jurist.

Ambühl bewahrt kühlen Kopf
Ambühl, bekannt als sehr gewiefter Verhandler, wird all sein Geschick einsetzen müssen, um aus dieser nicht allzu guten Ausgangslage das Bestmögliche herauszuholen. Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) wollte zu den angeführten Punkten keine Stellung beziehen. Auf den Unterbruch der Gespräche hat Ambühl gelassen reagiert – er ist in die Ferien abgereist. Dass der Chefunterhändler der Schweiz in dieser Zeit einen kühlen Kopf zu bewahren scheint, ist sicher kein schlechtes Zeichen.


editorial

August 16, 2011

Swiss Banks, Aiding and Abetting

Despite all of the I.R.S.’s efforts, wealthy American tax cheats are still able to hide their money because Swiss banks are still eager to help them.

An indictment disclosed earlier this month by the United States attorney in Manhattan noted that when the Swiss bank UBS — under strong pressure from Washington — abandoned the secret account business, one of its bankers left, taking with him several clients for whom he then opened secret accounts at five other Swiss banks. Another indictment claims that a Swiss financial adviser who managed secret funds for American clients moved accounts from UBS to two private Swiss banks.

Both advisers are accused of using shady tactics, like opening phony businesses in Hong Kong and fake foundations in Liechtenstein to conceal the money from the Internal Revenue Service. The banks, which are not named in the indictments, were not accused in the fraud because the advisers gave them false documents stating that the account owners were not American. But the banks did have information that could have alerted them to the accounts’ ownership had they done better due diligence.

These indictments follow the disclosure by Credit Suisse that it was the target of a criminal investigation by the Justice Department into how Swiss institutions assisted American income tax evaders. The cases underscore how deeply Swiss banks rely on tax evasion.

The United States government, which fined UBS $780 million and forced it to reveal data on 4,450 American customers, is reportedly negotiating a global agreement with the Swiss government that could result in a hefty collective fine against these banks. Switzerland is again resisting demands for more information about American clients. Washington should not stop pushing until all Swiss banks hand over their files and close those accounts.




themageld.blogspot.com    20. August 2011

Hallo Bern!
Kaj Niggli

Mein Name ist Kaj Niggli, ich bin Beisitz und aktives Mitglied des überparteilichen Vereins Monetäre Modernisierung, kurz MoMo. Was ich Ihnen jetzt erzählen werde, habe ich nicht in meiner Ausbildung als Bankkaufmann gelernt.
Wir alle sind hier am Danceout, weil wir uns das, was derzeit auf unserem Planeten abgeht, nicht länger bieten lassen. Für den Profit einer kleinen Elite werden Menschenrechte missachtet und die Erde zerstört. Einige nennen es Neoliberalismus, wir nennen es Moneymania. Was heute in Griechenland oder London abgeht, ist das direkte Ergebnis dieses entfesselten, kapitalistischen Systems. Banken haben sich verzockt, der Staat musste einspringen. Jetzt werden die Sozialausgaben zusammengestrichen. Es wird rigoros gespart bei Kultur und Bildung. Aus der Finanzkrise ist eine soziale Krise geworden.

Geld regiert die Welt. Aber wer regiert das Geld?
Wissen Sie eigentlich, wer neues Geld in Umlauf bringt? Die Münzen in Ihrem Portmonnee stammen von Swissmint, der Eidgenössischen Münzstätte in Bern. Banknoten werden von der Schweizerischen Nationalbank gedruckt, auch diese ist mehrheitlich im Besitz der öffentlichen Hand. Was passiert eigentlich, wenn Sie ihr eigenes Geld drucken und in Umlauf bringen? Ja, Sie wissen es ziemlich genau, dann bekommen Sie einen netten Besuch unserer uniformierten Freunde. Der Grund dafür ist ein Artikel der Schweizerischen Bundesverfassung: In Artikel 99 Abs. 1 heisst es: „Das Geld- und Währungswesen ist Sache des Bundes; diesem allein steht das Recht zur Ausgabe von Münzen und Banknoten zu.“

Nun eine Frage an Sie: Wie sieht Ihr Bankkonto aus? Eher wie ein Kassenschrank oder wie ein Computer? Rund 85 % der Geldmenge sind heute nur noch Zahlen in einem Computersystem, in Besitz und Kontrolle der Banken. (Kuchendiagramm) Dieses Geld wird auch elektronisches Geld oder Buchgeld genannt und ist in der BV mit keinem Wort erwähnt. Wissen Sie was das bedeutet? Auch Sie können ungestraft elektronisches Geld herstellen! Alles was Sie dazu brauchen ist eine Bankenlizenz. Oder anders ausgedrückt: Wir haben es hier mit einer fatalen (historisch gewachsenen) Gesetzeslücke (in der Bundesverfassung) zu tun! (Die Hoheit über das Geld- und Währungswesen ist dem Bund/Staat abhandengekommen. Das Monopol der Geldherstellung, welche dem Staate zugedacht ist, wurde unterlaufen)

Die Geschäftsbanken haben heute ein grosses Privileg: Sie dürfen selber Geld schöpfen, also herstellen. Dieses Buchgeld existiert dann auf unseren Konten. Mit jedem Kredit, den die Banken vergeben, vergrössert sich die Geldmenge. Banken vergeben nämlich ihre Kredite nicht aufgrund von Spargeldern, sondern können per Knopfdruck Buchgeld selber kreieren und dieses sogar gegen Zinsen verleihen. Finden Sie das normal?

Das funktioniert zum Beispiel so: Hans Muster möchte sich ein Haus kaufen. Dafür braucht er einen Kredit von 1 Mio. CHF. Nach Prüfung seines Kreditgesuches erhält er den Betrag nicht in bar, sondern elektronisch auf sein Konto überwiesen. Auf einem andern Sparkonto abgebucht wird dieses Geld aber nicht. Vielmehr wird so «Buchgeld» von der Bank neu geschaffen, die Bankenbilanz vergrössert. Die Bank muss gemäss Gesetz einzig eine gesetzlich (vorgeschriebene) Mindestreserve von 2.5% der Kreditsumme an Nationalbankengeld vorweisen und das erst noch erst im Nachhinein jeweils per 30. jedes Monats. Für 1 Mio. Kredit sind das schlappe 25'000.-.

Die Schweizerische Nationalbank wäre zwar dazu verpflichtet, die Geldmenge zu kontrollieren. Das ist aber Wunschdenken. Tatsächlich ist ihr aber mit der privaten Bankengeldschöpfung die Kontrolle völlig entglitten, es fehlen ihr die geeigneten Werkzeuge. Die SNB kann die Geldmenge nur indirekt über den Leitzins steuern. Wie gut das funktioniert, zeigen die zahlreichen Finanzkrisen in den letzten Jahrzehnten. Ein weiteres aktuelles Zeichen ist die ausufernde Verschuldung von Privaten und ganzen Staaten, welche ja allesamt auf den „selbst geschöpften“ Kreditvergaben der Banken beruht. (ohne vorgängige Einlagen)

Die private Geldschöpfung ist für die Banken ein lukratives Geschäft und beschert ihnen jährliche Extragewinne in Milliardenhöhe. Kein Wunder, dass die Banken zuviel Geld produzieren. In den letzten Jahren und Jahrzehnten diente ein Grossteil der Geldschöpfung nur noch blossen Finanzgeschäften. Diese haben für die Realwirtschaft keinen Nutzen, können ihr aber grossen Schaden zufügen. Börsen- und Konjunkturzyklen werden durch die verselbständigte Bankengeldschöpfung verantwortungslos in Extreme getrieben. Geraten die Banken dabei selbst in Schieflage wie in der Finanzkrise 2008, muss der Staat einspringen und die Banken retten. Die Staatsverschuldung steigt. Und schlimmer noch: weil der Staat selber kein Geld schöpfen kann, muss er es genau bei den Banken ausleihen, welche er bei den Finanzkrisen jeweils (mit „unseren Geldern“) retten muss. Stellen Sie sich das einmal vor. Das nenne ich Moneymania!

In der gegenwärtigen Situation werden also die Vorteile und Erträge aus der Geldschöpfung weitgehend privatisiert, während die Risiken und Lasten auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Wir müssen dann den Gürtel enger schnallen. Das bestehende Geldsystem ist ungerecht und eine permanente Bedrohung für die Stabilität von Wirtschaft und Gesellschaft. Auch unsere Demokratie ist z.B. durch die „Too-big-to-fail“ - Problematik erpressbar.

Was gibt es für Lösungen? Die Banken abschaffen? Das Geld abschaffen?
Die Lösung ist denkbar einfach: Die Bundesverfassung muss mit dem Wort „Buchgeld“ ergänzt und die Geldschöpfung wieder zur „Sache des Bundes“ werden, wie es eigentlich die BV vorsieht. Das elektronische Geld wird damit zum vollständig anerkannten gesetzlichen Zahlungsmittel, also zu Vollgeld. Die Schliessung dieser Gesetzeslücke ist eine historisch überfällige Reform. Dadurch würde mit dem unbaren elektronischen Buchgeld das Gleiche passieren, wie vor hundert Jahren mit den damals vorwiegend privat ausgegebenen Banknoten. Diese wurden durch die offiziellen Noten der Nationalbank ersetzt, wie wir sie heute kennen. Die Geldschöpfung und Geldmengensteuerung den privaten Banken zu überlassen, hat also auch damals bereits versagt.

Im Vollgeldsystem steuert die Monetative die Geldmenge. Die Monetative ist eine unabhängige und neue 4.Staatsgewalt, vergleichbar mit Judikative, Legislative und Exekutive. Sie ist weder der Politik noch der Wirtschaft verpflichtet. Die Bereitstellung der nötigen Gesamtgeldmenge wird eine öffentliche Aufgabe. Eine Art Service Public wie wir es von der Wasser- und Energieversorgung kennen.

Die Vorteile einer Vollgeldreform für die Allgemeinheit sind bestechend:
-    Die Vollgeldreform schafft krisensicheres Geld. Die Kundenguthaben werden aus der Bankenbilanz herausgelöst und können bei einem Konkurs nicht mehr verschwinden. Damit wäre die „Too-big-to-fail“ – Problematik gelöst und die Politik nicht mehr erpressbar.
-    Die Vollgeldreform vermindert Spekulations-Exzesse. Indem die Nationalbank die Geldmenge effektiv steuern kann, wird nur soviel neues Geld geschöpft, wie für die Realwirtschaft nötig ist. Es fliesst weniger Geld in die Finanz-Casinos.
-    Die Vollgeldreform verteilt den Geldschöpfungsgewinn. Dem Bund würden Mehr-Einnahmen in Milliardenhöhe zufallen, die nun den Bürgern zugute kämen. Neues Geld würde zukünftig schulden- und zinsfrei in Umlauf gebracht und zwar durch Auszahlung an öffentliche Haushalte oder private Haushalte. Das ermöglicht Steuersenkungen und die Staatsschulden in der Schweiz könnten innert weniger Jahre abgebaut werden.
-    Die Vollgeldreform ist keine Konkurrenz zu anderen Bewegungen wie Regiogeld oder Décroissance, die heute ebenfalls hier sind. Vielmehr würden sich die verschiedenen Anliegen optimal ergänzen.

So wird eine nachhaltige, stabile und demokratisierte Wirtschaft möglich!
Ist das ganze eine schöne Utopie? Nein! Der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) hat bereits mit Professoren der Bereiche Staatsrecht, Wirtschaftsethik, Ökonomie und Soziologie einen konkreten Verfassungsentwurf erarbeitet. Das Ziel ist, eine breite öffentliche Debatte anzuregen, um dann erfolgreich eine Volksinitiative zu lancieren. Besuchen Sie doch unseren Infostand dort drüben, wo Sie auch die Gelegenheit haben, Fragen zu stellen. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und let’s dance out Moneymania!


Letter to the Editor

August 23, 2011

Swiss Banks and Taxes

An Aug. 17 editorial claims that Switzerland is fighting against handing over bank information about Americans who have cheated on their taxes. I strongly disagree.

In 2009, the Swiss government approved a comprehensive strategy to discourage the influx of undeclared money and has been carrying it out since then. Most recently, Switzerland arrived at a far-reaching understanding with Germany that will lead to a resolution of all previously undeclared assets in Swiss banks.

Switzerland is determined to be a leading global financial center for clean money. Untaxed money has no place in Switzerland.

In line with the global standard of the Organization for Economic Cooperation and Development, Switzerland has provided instruments for exchanging information on tax evaders.

A new tax treaty with the United States setting forth the exchange of information in cases of tax evasion was signed almost two years ago. The United States has not availed itself of this new instrument up to now, however, as the treaty is still awaiting approval by the United States Senate.

Switzerland has made a constructive offer; it needs only to be used. That includes a tailor-made solution ensuring full compliance by American taxpayers regarding past as well as future tax obligations.

MANUEL SAGER
Ambassador of Switzerland
Washington, Aug. 19, 2011




Neue Zürcher Zeitung    24. August 2011

Das Angebot der Schweiz an die USA im Streit um Bankgeheimnis und Steuern
Bis hierher und nicht weiter
Hansueli Schöchli

Alle Türen werden den Amerikanern nicht aufgemacht. Das Schweizer Angebot im Steuerstreit mit den USA kommt den US-Behörden entgegen. Doch die Schweiz markiert gleichzeitig Standhaftigkeit. Einen erpressten Rechtsbruch soll es auch unter grössten Drohungen nicht geben.
Im Streit der Schweiz mit den USA um Bankgeheimnis und Steuern möchten die Amerikaner am liebsten eine Wiederholung des UBS-Szenarios: eine Menge Daten über Kunden verschiedenster Schweizer Banken sowie saftige Bussengelder dazu. In der Schweiz dagegen ist die Wiederholung des UBS-Szenarios tabu. Der Bundesrat hatte zwar auf Basis einer offensiven Interpretation des bestehenden Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) gehofft, dass der Vertrag in Sachen UBS den Rahmen des DBA nicht sprengt. Er wurde aber vom Bundesverwaltungsgericht zurückgepfiffen und musste den Canossa-Gang ins Parlament antreten, um damit quasi rückwirkend neues Recht zu schaffen. Die US-Aufforderung an die Schweiz, jetzt für andere Schweizer Banken nochmals die gleiche Übung durchzuspielen, kommt hierzulande nicht an.

Calmy-Rey mit Klartext
Für die betroffenen Banken (schätzungsweise gegen ein Dutzend) wäre eine staatlich befohlene Datenherausgabe zwar kurzfristig die einfachste Lösung, aber für den Rest des Finanzplatzes und vor allem aus Sicht des Rechtsstaats sieht das Bild ganz anders aus: Aus dieser Sicht kann es nicht sein, dass die Schweiz einfach ihr Recht bricht bzw. rückwirkend ändert, nur weil ein ausländischer Staat Drohgebärden von sich gibt. Aussenministerin Micheline Calmy-Rey hat sich am Montag an der Botschafterkonferenz in Luzern erfrischend klar dazu geäussert: «Was für uns nicht angeht, sind amerikanische Versuche, der Schweiz die Wahl der rechtlichen Mittel zur Datenherausgabe aufzudrängen. Und zwar Mittel, die entweder zu langwierig oder rechtlich gar nicht zulässig sind oder politisch nicht vertretbar.»

Der massgebende Rechtsrahmen umfasst vor allem das noch geltende DBA von 1996 und das im September 2009 unterzeichnete (aber noch nicht ratifizierte) DBA. Gemäss DBA von 1996 kann die Schweiz nur Bankkundendaten in Fällen von Steuerbetrug «und dergleichen» (nicht Steuerhinterziehung) liefern, dafür ist gemäss Interpretation des Bundesverwaltungsgerichts nicht zwingend eine Identifikation jedes einzelnen Betroffenen durch die USA erforderlich. Das im Prinzip auf den OECD-Standards beruhende DBA von 2009 umfasst dagegen auch Fälle von Steuerhinterziehung. Nach bisheriger verbreiteter Lesart erfordert es aber eine Identifikation jedes einzelnen Betroffenen. Das Finanzdepartement hatte zu diesem Punkt noch diesen Februar die OECD-Standards wie folgt umschrieben: «Begrenzung der Amtshilfe auf den Einzelfall und somit keine <fishing expeditions>».

Die Schweizer Konzession beruht nun darin, die Möglichkeit von Gruppenanfragen auf Basis von Verhaltensmustern ins neue DBA «hinüberzuretten». Die Sache dürfte im Parlament umstritten sein, wie sich letzte Woche in der Aussenpolitischen Kommission des Ständerats zeigte (NZZ 17. 8. 11). Der Bundesrat hatte der Kommission einen Zusatzbericht vorgelegt, wonach die Schweiz auch unter dem neuen DBA Amtshilfegesuche behandeln werde, welche ohne konkrete Namens- oder Personenangaben auf einem bestimmten Verhaltensmuster beruhten. Die USA müssten dafür eine detaillierte Beschreibung des Verhaltensmusters liefern und ein «aktives, schuldhaftes Verhalten» der betroffenen Bank bzw. ihrer Mitarbeiter glaubhaft machen. Das erinnert stark an den UBS-Fall.

Für die mit anderen Ländern neu abgeschlossenen DBA ist die Gruppenanfrage dagegen vorderhand nicht vorgesehen. Bei der laufenden Revision der OECD-Standards ist allerdings davon auszugehen, dass die Zulässigkeit der Gruppenanfrage bald zum globalen Standard wird, wogegen sich die Schweiz kaum nachhaltig wird sperren können. Dennoch fragt sich, weshalb die Schweiz vorerst den USA eine Vorzugsbehandlung gibt. Eine politische Antwort umfasst die spezielle Art des US-Drucks, eine technisch-juristische Antwort verweist auf die schon im bisherigen DBA zugelassene Gruppenanfrage und die allgemeine (amerikanische) Erwartung, dass sich diesbezüglich im neuen DBA nichts ändert.

Erhebliche Konzession
Die Amerikaner bekommen somit einiges offeriert: die Zulassung von Gruppenanfragen à la UBS für alle Fälle von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung, in denen der Betroffene im September 2009 (Datum der Unterzeichnung des neuen DBA) noch eine hiesige Bankbeziehung hatte, sowie Gruppenanfragen in Steuerbetrugsfällen für alle älteren Dossiers auf Basis des alten DBA. Was sie nicht bekommen, ist die Zulassung von Gruppenanfragen für alte Fälle von Steuerhinterziehung ohne hiesige Bankbeziehung per September 2009. Wie viele Fälle dies ausmacht, ist nicht ganz klar. Die US-Behörden sind noch nicht überzeugt, dass dies für sie ausreicht. Die Schweiz will klarmachen, dass sie auch unter grössten Drohungen kein neues UBS-Szenario akzeptiert.


Neue Zürcher Zeitung    24. August 2011

Steuerstreit Schweiz - USA
Recht, Respekt und Glaubwürdigkeit

hus. - Der Ausgang des Konflikts der Schweiz mit den USA um Steuern und Bankgeheimnis ist noch weit offen. Es ist nicht auszuschliessen, dass die Amerikaner wie schon im Fall UBS zu Morddrohungen gegen Schweizer Institute greifen werden – namentlich gegen die systemrelevante Credit Suisse. Denn die Schweiz macht derzeit keine Anstalten zur Akzeptierung eines neuerlichen Staatsvertrags à la UBS mit rechtlich höchst zweifelhaften Datenlieferungen. Die offerierte Schweizer Konzession mit der Zulassung von Gruppenanfragen auf Basis von Verhaltensmustern auch im neuen Doppelbesteuerungsabkommen ist zwar aus hiesiger Sicht erheblich und innenpolitisch umstritten, scheint den US-Behörden aber nicht zu genügen. Ob die Amerikaner tatsächlich eine Strafklage gegen die auch in den USA bedeutende Credit Suisse einreichen und damit deren Existenz gefährden würden, ist zwar zweifelhaft. Die Schweiz müsste aber mit dieser Möglichkeit rechnen und würde mit Vorteil ein Krisenszenario in der Schublade bereithalten – welches für diesen Fall nicht das Einknicken vorsähe, sondern Massnahmen zur Begrenzung der inländischen Kollateralschäden.

Man könnte zwar sagen, die Zukunft gehöre ohnehin der Weissgeldstrategie und es lohne sich nicht, wegen der Vergangenheit noch viel «Theater» zu machen. Diese Haltung verkennt aber die Bedeutung des Rechtsstaates, der keine Bananenrepublik sein will, sowie des (Selbst-)Respekts eines Landes, das sich nicht alles bieten lassen will.

Bundesbern sieht trotz allem noch Chancen für eine vernünftige Lösung in diesem Jahr. Auf der taktischen Ebene erinnert die Lage der Schweiz ein Stück weit an die Situation der Nationalbank bei einer allfälligen Deklaration einer Kursuntergrenze Franken/Euro: Die Bereitschaft, zum Äussersten zu gehen (Inkaufnahme von Strafklagen gegen eine grosse Bank im einen Fall, riesige Devisenaufkäufe im anderen), ist mit grimmiger Entschlossenheit glaubwürdig zu machen – um die Chance zu vergrössern, dass das Äusserste nicht nötig sein wird.




NZZ Online    26. August 2011, 14:10

Ist die UBS in den USA aus dem Schneider?
Wen der UBS-Vertrag schützt – und wen nicht
Klagen gegen frühere UBS-Banker und eine Sammelklage in den USA
Von Zoé Baches

Im Steuerstreit der USA mit den Schweizer Banken tauchen immer wieder Klagen gegen einstige UBS-Banker auf. Jüngst wurde eine Sammelklage gegen die Grossbank eingereicht. Auffallend ist, welche UBS-Banker angeklagt werden – und welche nicht. Die UBS dürfte einen Deal geschlossen haben.
Am 15. Juli reichten zwei amerikanische ehemalige Kunden der UBS vor einem Bezirksgericht in Illinois eine Sammelklage gegen die Grossbank UBS ein. Sie klagen die Bank an wegen Pflichtverletzung, Vertragsbruch, schuldhaftem Verhalten und Betrug. Zusammengefasst, so wird wenigstens behauptet, soll die Bank ihre beiden früheren Kunden auch mit Lügen davon abgebracht haben, ihre Steuern in den USA rechtmässig zu bezahlen.

Beide Kunden beteiligten sich im Jahr 2009 «freiwillig» am Selbstanzeigeprogramm der amerikanischen Steuerbehörde und mussten hierauf hohe Nach- und Strafsteuern bezahlen, entgingen dafür aber einer möglicherweise drohenden Haftstrafe. Die Sammelklage richtet sich an alle Amerikaner, die zwischen den Jahren 2002 und 2008 von der UBS grenzüberschreitend betreut wurden und sich an einem der Selbstanzeigeprogramme beteiligten.

Gleichzeitig klagten amerikanische Staatsanwälte in den letzten Monaten und Wochen auch immer wieder einstige Banker der UBS an. Dies geschieht im Rahmen der «neuen Runde des Steuerstreits», der sich jetzt gegen weitere Schweizer Banken wie die Credit Suisse, Bank Wegelin, Julius Bär, die Zürcher Kantonalbank und die Basler Kantonalbank, aber auch internationale Häuser wie die HSBC richtet. Der Vorwurf lautet auch hier, dass die Banker amerikanischen Steuerpflichtigen dabei geholfen haben sollen, die Steuerpflichten in den USA zu umgehen. Bisher wurden, ohne den im Fall UBS entscheidenden Whistleblower und früheren UBS-Banker Bradley Birkenfeld, sechs ehemalige Kundenberater der UBS angeklagt.

UBS aus dem Schneider?
Hiess es nicht einmal, dass mit dem Abkommen zwischen der Schweiz und den USA, kurz UBS-Vertrag, die Vergangenheit rund um das Steuerthema wenigstens für die UBS in den USA geregelt sei? Welche Bresche dieser Vertrag dem Vorgehen der USA gegen die anderen Schweizer Banken geöffnet hat, das sieht man jetzt – aber sollte nicht zumindest die UBS heute komplett aus dem Schneider sein?

Ganz so einfach ist das nicht, präzisiert Folco Galli, Sprecher des Bundesamtes für Justiz, gegenüber NZZ Online. Im Deferred Prosecution Agreement, dem mit dem amerikanischen Justizdepartment vereinbarten Abkommen über den Aufschub der Strafverfolgung vom 18. Februar 2009, habe die UBS anerkannt, in den Jahren 2000 bis 2007 Tausenden von reichen amerikanischen Steuerpflichtigen systematisch bei der Verletzung ihrer Steuerpflichten geholfen zu haben. Mit diesem Abkommen wurde das amerikanische Strafverfahren gegen die UBS als juristische Person zunächst gewissermassen auf Bewährung für 18 Monate eingestellt, so Galli. Nachdem die UBS alle ihre Verpflichtungen erfüllt hatte, wurde das Strafverfahren am 22. Oktober 2010 definitiv eingestellt.

Mitarbeiter nicht geschützt
«Das UBS-Abkommen mit den USA regelt die Datenübergabe auf dem ordentlichen Amtshilfeweg, schützt aber nicht Personen, die für die UBS tätig sind oder waren, vor der Strafverfolgung», erklärt Galli. Das heisst: Nur die Grossbank als solche ist vor Klagen der Strafverfolgungsbehörden geschützt, die die Vergangenheit rund um die Offshore-Thematik betreffen. Nicht ausgeschlossen sind dagegen Sammelklagen von privaten Klägern gegen die UBS. Aber auch nicht geschützt vor strafrechtlicher Verfolgung sind bestehende und ehemalige UBS-Mitarbeiter. Eigentlich.

Doch fällt auf, welche UBS-Mitarbeiter angeklagt werden – und welche nicht. Denn bei den nun eingereichten Klagen handelt es sich ausschliesslich um solche gegen Kundenberater, die nicht mehr für die UBS arbeiten. Es sind alles Private Banker, die die Bank bis spätestens etwa Ende 2008 verlassen hatten. In dieser Zeit arbeitete die Bank intensiv am Ausstieg aus dem amerikanischen Offshore-Geschäft, viele Kundenberater verliessen die UBS in diesen Monaten.

Alle angeklagten früheren Kundenberater sind zudem für Handlungen angeklagt, die sie nach ihrer Zeit in der UBS begangen haben sollen – also für die Beratung von amerikanischen Kunden für ein anderes Finanzinstitut, für das sie nach ihrer Tätigkeit in der UBS arbeiteten. Auch in der nun eingereichten Sammelklage fallen die Namen zweier Banker, die damals als Kundenberater für die UBS tätig waren; heute sollen aber beide nicht mehr für die UBS tätig sein, wie ein Informierter erklärt.

Spezieller Deal für die Mitarbeiter
«Für mich ist klar, dass die UBS mit den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden einen speziellen Deal betreffend der noch angestellten Mitarbeiter abgeschlossen hat», so ein mit den Vorgängen Vertrauter, der seinen Namen an dieser Stelle nicht lesen möchte. Diese Vereinbarung umfasse wohl, dass kein Mitarbeiter der Bank wegen der Offshore-Thematik in der Vergangenheit angeklagt werden könne. Ausgenommen von diesem Vergleich seien die Mitarbeiter, die die Bank bereits verlassen hätten.

Zwei Private Banker, die die UBS vor Ende 2008 verliessen, und die vorher jahrelang für die UBS offshore amerikanische Kunden betreuten, bestätigen diese Annahme. «Sicher können sich nur die Mitarbeiter fühlen, die nach dem Abschluss des Abkommens noch für die UBS gearbeitet haben», so einer der Berater.

«In der UBS arbeiten immer noch Kollegen von uns, die grosse amerikanische Kunden grenzüberschreitend betreut haben. Deren Namen werden wohl nie in irgendeiner Klage auftauchen», sind beide Private Banker überzeugt.

«Wir sind in einer komfortablen Lage»
Die UBS will nicht verneinen, aber auch nicht bestätigen, dass sie einen solchen Spezialdeal für ihre bestehenden Mitarbeiter geschlossen hat. Im Zuge einer ausführlichen internen Untersuchung, die die Bank durchgeführt haben, seien Disziplinarmassnahmen auf allen Stufen ergriffen worden, sagt ein Sprecher der Bank. Alle Mitarbeiter, die Übertretungen begangen hätten, arbeiteten heute nicht mehr für die UBS. Für die Bank sei der Fall heute abgeschlossen.

Der Sprecher erklärt weiter, es sei heute tatsächlich so, dass sich die UBS im Hinblick auf den globalen Deal, den die restlichen Schweizer Banken nun anzupeilen haben, in einer vergleichsweise komfortablen Lage befinde. Denn dieses Problem habe die UBS heute nicht mehr.
Woher die USA die Namen der Kundenberater haben

Z.B. Nach zwei Voluntary-Disclosure-Initiativen, Programmen zur freiwilligen Selbstanzeige von Steuersündern, sitzen die amerikanischen Behörden auf einem riesigen Schatz an Daten und Informationen. Über 18'000 Personen zeigten sich bisher bei den Steuerbehörden an.

Jede Schweizer Bank, jeder Banker, jeder Anwalt und Steuerberater, der auch nur einen einzigen Kunden mit amerikanischem Pass hatte, muss fürchten, dass er früher oder später in den USA der Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt werden könnte. Dann nämlich, wenn dieser Kunde sich selber angezeigt und dann geredet hat.

Täglich verschickt das amerikanische Justizdepartement (DOJ) mehrere Newsletter in die ganze Welt, in denen auch über diese Klagen im Detail inklusive Nennung der Namen der Angeklagten informiert wird.




Tages-Anzeiger    28. August 2011

Lex Credit Suisse
Das Bankgeheimnis steht vor dem Aus
Der Bundesrat will mit einem [DBA-]Zusatzabkommen offenbar die CS in den USA retten

Ein unveröffentlichter Beschluss der Landesregierung zeigt: Jetzt fallen auch die Reste des Bankgeheimnisses.
Die «Lex Credit Suisse» soll die zweitgrösste Schweizer Bank aus den Fängen der US-Justiz retten.
(pbe/sda) - Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und den Vereinigten Staaten ermöglicht den US-Behörden offensichtlich auch Gruppenanfragen. Dies zeigt ein Zusatzbericht des Bundesrats zum Abkommen mit den USA, den Insider laut dem «Sonntag» «Lex Credit Suisse» nennen.

Ausrisse aus dem Bericht zuhanden der Bundesversammlung [zu11.027] druckte die Zeitung «Sonntag» in ihrer aktuellen Ausgabe ab. Demnach werden auch amerikanische Ersuchen behandelt, die nicht auf konkreten Namens- oder Personenangaben basieren, sondern auf bestimmten Verhaltensmustern.

Im Gegensatz zu Einzelfallanfragen werden dabei mehrere Personen gleichzeitig eruiert, und die Identifikation erfolgt erst durch den ersuchten Staat - also durch die Schweiz-, wie aus dem Auszug weiter hervorgeht. Das ist deshalb brisant, weil bisher in den Ausführungen zum Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit den USA stets betont wurde, die US-Behörden müssten mutmassliche Steuersünder eindeutig identifizieren können.

Bloss eine «Präzisierung»
Mario Tuor vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen sagte gegenüber der Nachrichtenagentur sda, der Zusatzbericht stelle bloss eine Präzisierung der bisherigen Praxis mit den USA dar. Gruppenanfragen seien auch schon mit dem «alten DBA» aus dem Jahr 1996 möglich gewesen.

Beim Abschluss von neuen Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA sowie verschiedenen weiteren Staaten sei aber nur von Einzelfallgesuchen die Rede gewesen. Deshalb weise der Bundesrat nun mit dem Zusatzbericht auf den Spezialfall USA hin. «Am bisherigen Abkommen ändert sich nichts», sagte Tuor.

Der Zusatzbericht ist Teil der anstehenden Ergänzung verschiedener DBA. Das Geschäft soll im Laufe der Herbstsession sowohl dem Ständerat als auch dem Nationalrat vorgelegt werden. Die Aussenpolitische Kommission des Ständerats (APK) hat die Vorlage letzte Woche bereits durchgewinkt.

Abkommen mit über 30 Staaten
Die Schweiz hat inzwischen mit mehr als 30 Staaten Doppelbesteuerungsabkommen nach den Bestimmungen des OECD- Musterabkommens ausgehandelt. Das geltende Abkommen mit den USA (UBS- Staatsvertrag) wurde vom Parlament im Juni 2010 verabschiedet.

Im Februar diesen Jahres stellte der Bundesrat eine Lockerung der Voraussetzungen zur Gewährung der Amtshilfe in Aussicht. Im Juni 2011 erleichterte das Parlament dann die Amtshilfe bei zehn Doppelbesteuerungsabkommen, darunter jenem mit Deutschland. Die Schweiz ist demnach bereits zur Amtshilfe verpflichtet, wenn die deutschen Behörden zum Beispiel die Sozialversicherungsnummer als Identifikationsmerkmal vorweisen können.

Nach UBS nun Credit Suisse
Nachdem erst die Untersuchungen der US-Behörden gegen die UBS die Ausarbeitung eines Doppelbesteuerungsabkommens nötig gemacht hatten, steht inzwischen mit der Credit Suisse (CSGN 22.72 4.75%) die zweite Schweizer Grossbank unter Druck. Zuerst waren nur einzelne ehemalige und aktuelle Mitarbeitende der CS in den USA angeklagt.

Im vergangenen Juli informierten die US-Behörden die Grossbank, dass sie nun Gegenstand einer Untersuchung sei. Dabei gehe es um grenzüberschreitende Vermögensverwaltungsdienstleistungen für US- Kunden in der Vergangenheit.




BILAN    7 septembre 2011

Investisseurs, politisez-vous!
La solvabilité des Etats-Unis repose sur l’échec de l’Europe.
Leurs coûts de financement dépendent de l’aggravation de la crise en zone euro.
Par Myret Zaki

Myret Zaki, Rédactrice en chef adjointe

Einstein a dit: «Je ne sais pas comment la Troisième Guerre mondiale sera menée, mais je sais comment le sera la quatrième: avec des bâtons et des pierres». Nous pouvons lui répondre qu’en attendant les bâtons et les pierres, les armes de la Troisième Guerre mondiale sont financières. La guerre mondiale actuelle oppose les Etats-Unis et l’Europe. Deux blocs qui, dans le contexte de la montée de la Chine, se retrouvent sur le ring pour trancher lequel sera le représentant de l’Occident dans le futur. A ce jeu-là, les Etats-Unis sont en principe imbattables. Guerre contre les paradis fiscaux d’Europe (qui ont tous cédé la place aux paradis fiscaux anglo-saxons), guerre monétaire contre l’euro (qui a bien failli voler en éclats), guerre spéculative généralisée contre la dette des Etats européens (qui a mis fortement à mal l’idée même d’Europe). Le gagnant aurait fatalement dû être les Etats-Unis. La seule donne incontrôlable fut le soutien important et régulier apporté par la Chine  - et dans une moindre mesure par la Russie - à l’euro et aux obligations de la zone. Sinon, l’Europe était peut-être déjà enterrée en 2010.

Le marché est orienté par de gros intérêts
Peu d’entre nous acceptent l’idée que les «alliés» historiques que sont les Etats-Unis et l’Europe soient en guerre pour leur survie. Mais le 29 août, une langue s’est déliée. Celle de Laurence Parisot, présidente du Medef en France: «On a assisté à une sorte de guerre psychologique et à une tentative de déstabilisation de la zone euro», a-t-elle déclaré au Figaro, parlant d’une «orchestration» américaine des rumeurs sur les difficultés européennes, et faisant particulièrement allusion aux rumeurs infondées qui ont mis en péril la Société Générale. En outre, l’Allemagne a déjà évoqué ces tensions, en appelant (en vain) à la réglementation des stratégies et des dérivés utilisés par les spéculateurs, et à l’instauration d’agences de notation européennes, histoire de mettre fin au «deux poids, deux mesures». Il est naïf de croire à l’objectivité de l’information économique. On se contente de comparer les deux zones sur la base de leurs ratios d’endettement et des cours/bénéfices, comme si les avantages d’investir ici ou là reposaient uniquement sur des critères techniques. Or, les avantages d’un marché peuvent être créés artificiellement par un gouvernement interventionniste agissant de concert avec un puissant secteur financier, comme c’est le cas aux Etats-Unis. Le marché n’est pas objectif, il est orienté par de gros intérêts stratégiques, tiré par des «rumeurs» délibérées, et il a derrière lui toute la puissance de manipulation des Etats concernés. Un investisseur qui ignore cet élément ignore une information essentielle.

Le marché américain baissera en francs suisses
C’est simple. La solvabilité des Etats-Unis repose, aujourd’hui, sur l’échec de l’Europe. Cette «guerre» a apporté de colossaux bénéfices à Washington. Les taux à 10 et 30 ans américains, c’est-à-dire le coût de financement du gouvernement, n’ont jamais été aussi bon marché, malgré l’explosion du risque lié à l’endettement du pays. Et ce, grâce au report massif des investisseurs paniqués par la situation en Europe. Même les analystes interrogés sur CNBC ou Fox Business Video,  qui conseillent d’acheter le marché américain, n’ont que cet unique argument d’achat: «La crise européenne n’ira qu’en s’aggravant, et c’est cela qui va soutenir le marché financier américain, car les investisseurs n’ont pas d’autre choix». Pourtant, les Etats-Unis sont au bord de la récession, voire au début d’une dépression. En août, le pays n’a pas créé d’emplois. Le chômage reste au-dessus de 9%. Un troisième assouplissement monétaire (QE3) est attendu en septembre. Il dopera Wall Street et les bonus versés, mais en termes réels le marché perdra de la valeur en francs suisses (car le dollar baissera encore). Le gouvernement pourra continuer à payer très bon marché ses intérêts, mais le QE3 ne fera rien pour les 15 millions de chômeurs ni pour les petites entreprises qui n’arrivent toujours pas à obtenir du crédit. L’inflation sera le seul résultat certain. Il n’est pas étonnant que l’investisseur moyen, aux Etats-Unis comme en Europe, soit à 70% en cash à l’heure actuelle, et seulement à 30% investi en actions. Il y a cinq ans, c’était l’exact opposé.  Investisseurs, faute de vous indigner, politisez-vous.


Leserkommentare
NZZ Online    15. September 2011, 19:06

Bundesrat irritiert Banken und Politiker
Missverständliche Aussagen der Schweizer Landesregierung im Steuerstreit mit den USA
Zoé Baches

Die Schweiz werde nur gemäss existierendem Recht Kundendaten ausliefern, erklärt der Bundesrat stets zum Steuerstreit der Schweizer Banken mit den USA. Das geltende Recht erlaubt das aber gar nicht. Wie kommt der Bundesrat überhaupt zu derartigen Aussagen?
Die FDP und die SVP lehnen die vom Bundesrat vorgeschlagene Ergänzung des Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) mit den USA ab. Der Zusatzbericht der Landesregierung, der diesen Dienstag veröffentlicht wurde, will das noch zu ratifizierende DBA mit den USA dergestalt erweitern, dass neu auch sogenannte Gruppenanfragen im Amtshilfeverfahren zugelassen wären. FDP und SVP sind der Meinung, dass dies eine weitere Aufweichung des Bankgeheimnisses bedeutet.

Die FDP und die SVP haben recht. Das neue DBA, das nach der Ratifizierung ab dem 23. September 2009 gültig sein wird, sah bisher als grosse Neuerung die Gewährung von Amtshilfe nicht mehr nur bei Verdacht auf Steuerbetrug, sondern auch bei Verdacht auf Steuerhinterziehung vor. Nun will der Bundesrat neu auch die sogenannten Gruppenanfragen zulassen. Amtshilfe soll also auch dann geleistet werden, wenn in einem Amtshilfegesuch der betroffene Steuerpflichtige und im Fall von Bankinformation die entsprechende Bank nicht klar identifiziert werden.

Gruppenanfragen sind Fishing Expeditions
Bisher hatte es von Seiten Schweizer Landesregierung stets geheissen, dass im neuen DBA mit den USA Fishing Expeditions – also das Anfordern von Kundendaten, bei denen kein konkreter Verdacht gegen eine bestimmte Person vorliegt und daher der Name des Kunden sowie die Bank nicht bekannt sind – ausgeschlossen seien. Die Gruppenanfrage ist allerdings eine Form der Fishing Expedition (vergleiche Box ganz unten) — auch wenn das der Bundesrat stets verneint. Leistet die Schweiz künftig Amtshilfe, ohne dass die USA in einem Gesuch konkrete Namen von möglichen Steuersündern nennen muss, dann wird das Bankgeheimnis weiter aufgeweicht.

«USA würden darauf eingehen»
Z. B. Lesen Sie in den nächsten Tagen auf NZZ Online, was passieren würde, wenn die Schweiz letztlich die vom Bundesrat gewünschte Ergänzung zum neuen DBA macht. «Die USA würden darauf eingehen und das entsprechende Amtshilfegesuch stellen. Sie wollen zudem weiterhin einen globalen Deal und zwar rasch», ist ein mit den Verhandlungen seitens der USA Vertrauter überzeugt.
Der Bundesrat sagt nicht alles
Missverständlich ist eine weitere Aussage des Bundesrates rund um den Steuerstreit mit den USA: Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf betont immer wieder, dass die Schweiz nur innerhalb der «bestehenden Rechtsordnung» Kundeninformationen liefern wird. Es ist heute gar nicht möglich, Kundendaten basierend auf gültigem Schweizer Recht zu liefern – die USA verlangen die Auslieferung von Daten amerikanischer Bürger, die ihrer Steuerpflicht im Heimatland nicht nachgekommen sind. Diese Forderung ist der entscheidende Zankapfel in den Verhandlungen der Schweiz mit den USA, da diese derzeit nicht im Rahmen des bestehenden Schweizer Rechts geliefert werden können.

Da die Amerikaner über keine konkreten Namen von möglichen amerikanischen Steuerhinterziehern bei den zehn Schweizer Banken verfügen, die heute im Scheinwerferlicht der amerikanischen Steuerbehörden stehen, wäre eben nur eine Anfrage ohne konkrete Namen möglich. Das derzeit noch geltende «alte» DBA würde zwar Fishing Expeditions zulassen (auch das eine Folge der Causa UBS), allerdings nur in Fällen von Verdacht auf Steuerbetrug – und darunter dürfte der grösste Teil der von den USA angeforderten Kunden nicht fallen. Das neue, noch zu ratifizierende DBA, das nun auch die Steuerhinterziehung und damit die Mehrheit der amerikanischen Kunden umfassen dürfte, müsste um diese Gruppenanfragen angepasst werden.

Was Bundesrätin Widmer-Schlumpf eigentlich meint, ist Folgendes: Zwar ist eine Kundendatenlieferung nach bestehender Rechtsordnung heute nicht möglich, aber sie wird möglich sein, wenn das Doppelbesteuerungsabkommen einseitig und rückwirkend dergestalt abgeändert wird, dass die angeführten Gruppenanfragen möglich sein werden. Wohlgemerkt, der Bundesrat spricht in dieser Frage von einer «Interpretation» des neuen DBA und nicht von einer Neueinschätzung.

Missverständliche Aussagen
Warum diese missverständlichen Aussagen seitens der Landesregierung? Die Schweiz befindet sich im Dilemma. Zum einen will sie die von den USA geforderten Kundendaten unbedingt ausliefern. Tut sie das nicht, dann dürfte angesichts der gewaltigen Drohkulisse der USA – Verfügen einer Subpoena (Verfügung auf Herausgabe von Daten), Androhung einer Klage bis schliesslich zum Einklagen einer Schweizer Bank – der ganze Finanzplatz ins Wanken geraten.

Zum andern muss die «offizielle Schweiz» unter allen Umständen das Gesicht wahren. In der Causa UBS gelang das nicht, die Eidgenossenschaft rannte den Ereignissen stets hinterher und hatte sich am Schluss den amerikanischen Forderungen zu fügen, was nur mit der Beugung von (wichtigen) Schweizer Rechtsgrundsätzen möglich war. Im Machtpoker mit den USA wolllen der Bundesrat und ihr Chefunterhändler Michael Ambühl unbedingt einen weiteren Gesichtsverlust verhindern.

Könnte im Inland nicht funktionieren
Es ist wichtig und richtig, dass die Schweiz am Verhandlungstisch eine starke Position einnehmen kann. Und es ist sicher auch richtig, dass die USA bis zu einem gewissen Grad «happy» gehalten werden. Öffentliche Aussagen wie «Wir liefern Daten, aber nur nach dem bestehenden Recht» tragen sicher mehr zum amerikanischen Wohbefinden bei als «Wir liefern Daten, aber wir müssen zuerst unser Recht anpassen.»

Allerdings muss die Schweizer Regierung auch im Inland grossen Wert auf die genaue Wortwahl legen. Lässt sie stets absichtlich einen Teil der Wahrheit weg, könnte der Schuss nach hinten losgehen. Denn letztlich wird in der Causa «Steuerstreit Schweizer Banken mit den USA» die Politik entscheiden müssen.

Es ist zum heutigen Zeitpunkt unsicher, ob es überhaupt einen Weg aus dieser Situation gibt, ohne erneut Schweizer Recht zu beugen – wie beispielsweise das Nichteingehen auf die amerikanischen Forderungen mit all den teilweise wohl gravierenden Folgen. Zudem muss in die Überlegungen miteinbezogen werden, dass inzwischen auch die OECD prüft, diese Gruppenanfragen in ihre Mustervereinbarung aufzunehmen.

Gruppenanfrage vs. Fishing Expedition
    Z. B. «Eine sogenannte Gruppenanfrage ist eine Fishing Expedition, die sich gegen mehrere Personen – und damit eine unbestimmte Gruppe – richtet, während eine Fishing Expedition auch nur gegen eine einzelne Person vorgenommen werden kann», erläutert ein Rechtsexperte gegenüber NZZ Online.
    Gemeinsames Kriterium sei der Umstand, dass kein konkreter Tatverdacht gegen einen betroffenen Steuerpflichtigen vorliegt, weil dieser Steuerpflichtige (oder die ganze Gruppe) gar noch nicht bekannt ist. Zu diesem Zweck diene ja die Anfrage, um diese Namen zu erfahren. «Es ist einfach so, dass es sich bei einer Gruppenanfrage um eine Fishing Expedition handelt», so der Befragte.
    Ein anderer Jurist weist darauf hin, dass es verschiedene Interpretationen darüber gebe, was eine Fishing Expedition sei und was nicht. Art. 1 Abs. 1 des Bundesbeschlusses über die Ergänzung des DBA führe ja klar aus, dass die Schweiz einem Amtshilfegesuch aus den USA nur dann enspreche, wenn dargelegt sei, dass es sich nicht um eine «Fishing Expedition» handle. Eine steuerpflichtige Person könne auch ohne Namens- oder Adressnennung klar identifiziert werden, nämlich aufgrund genügender Spezifika im Bezug auf die Art einer vorgeworfenen Handlung.


9 Leserkommentare
Adolf Kurt Leemann (16. September 2011, 05:54)    So, so ...
Wie sich selbst in die Politik katapultierte Damen unsere gestanden Gesetze wie „Salat Saucen“ zu um-würzen das Recht nehmen....

Shangrila ... (15. September 2011, 18:13)    BR war politisch vorsichtig,
man weiss ja nicht wo und was für einen Druck die USA ausüben könnte also war der BR wahrscheinlich nur vorsichtig aber das entscheidende Wort "abliefern" wurde gesprochen

Werner Moser (15. September 2011, 17:44)    Der Bundesrat …
… dürfte zu derartigen Aussagen kommen, weil er sich entweder (A) auf das DBA96 (and alike) & auf das UBS-Abkommen09 (UBS alike), ODER (B) auf das DBA09 (DBA96 ersetzend!) & auf das UBS-Abkommen09 (UBS alike) stützt, vorausgesetzt dass im Falle (B) die US-Ratifizierung des DBA09 erfolgt ist. Zur Sicherheit hat der BR dem Parlament eine Zusatzbotschaft zu DBA09 unterbreitet, um sich zu versichern, dass eventuelle neue US-Amtshilfeanfragen betr. andere CH-Banken (inkl.CS) gleich „erledigt“ werden könnten, wie das bei der Causa UBS der Fall war (obwohl das Fehlverhalten anderer CH-Banken mit der UBS-Causa nicht vergleichbar ist. Mit der vom Parlament zus. bewilligten Zusatzbotschaft würden Gruppenanfragen/Rasterfahndungen à la UBS qualitativ/quantitativ möglich, was den Wünschen der USA entspräche. Irritierend ist das nicht, sondern ipso facto dem geltenden Recht entsprechend. Vorausgesetzt das Parlament stimmt der BR-Zusatzbotschaft zu!

Henri Wyler (15. September 2011, 17:31)    Wo lagert das Gold der Schweiz?
Nicht einmal gegenüber Hitler und dem nationalsozialistischen Deutschland hatte die Schweiz so viel Respekt bekundet wie 2011 den Amerikanern. Womit droht denn die USA heute der Schweiz? Mit einem Einsatz-Trupp von Fallschirmjägern, die den Paradeplatz besetzen und die Banken ausräumen? Hat die Eidgenossenschaft eigentlich ihr Gold in den USA gelagert? Das würden sich die Amis natürlich nehmen. Keine Frage. Wir werden leider nicht informiert.

Yaw Oburoni (15. September 2011, 17:14)    Ist doch völlig logisch - wo ist das Problem?
Wenn nur Daten "im Rahmen geltenden Rechts" geliefert werden, das geltende Recht aber gar keine Lieferung von Daten erlaubt - ja dann werden eben gar keine Daten geliefert! Ist doch ganz einfach! Wo ist da das Problem? Und ein Widerspruch ist da auch gar keiner vorhanden! Ihre Aufregung ist nicht nachzuvollziehen!

Christian Müller (15. September 2011, 17:09)    Was heisst hier "Recht anpassen"?
Warum soll die Schweiz ihr Recht einseitig gegenüber den USA anpassen?! - Stattdessen soll die USA ihr Recht nach den Schweizerischen Gesetzgebungen anpassen!! - DAS, werden diese sicher nicht tun; also, besteht für die Schweiz in dieser Hinsicht auch kein Handlungsbedarf. - Es wäre das Beste, die Schweizer Banken würden ihre Geschäftstätigkeit soweit reduzieren, dass man, im Fall der Fälle, einfach den "Laden dicht" machen und "über Nacht" verschwinden kann. - Oder die Schweizer Regierung schützt die Schweizer Banken in USA nicht mehr.

Maurice Gujer (15. September 2011, 17:06)    @ Maria Halder
Was wäre Ihr Vorschlag?  Angenommen der BR sagt kategorisch Nein. Die USA wird sauer baut Druck auf. Im Ernstfall schreibt sie die Schweiz auf eine schwarze Liste oder entzieht der UBS&CS Bankenlizenz in den USA. 1. Die Schweiz wäre international an den Pranger gestellt und viele würden/müssten ihr Geld abziehen 2. UBS&CS wären Pleite und gingen wohl unter. Folgen unbekannt.
Der BR hat meiner Meinung nach keine Möglichkeit als immer nachzugeben. Im Moment hat er die schwierige Aufgabe zu machen was die USA sagt und dabei Schweizergesetz nicht zu verletzen.

André Dünner (15. September 2011, 16:47)    Transparenz okey, aber ...
Warum muss die Schweiz im Kontext mit anderen Staaten, im speziellen den U.S.A., den "Bückling" machen?
Die Vereinigten Staaten von Amerika haben mit Verschärfung des Zustandes im Finanzhaushalt doch nur im Sinn ihre Domäne nicht zu verlieren. Schweiz = CH-Gesetz, U.S.A. = U.S.-Gesetz. Basta.

Maria Halder (15. September 2011, 16:19)    Wen wundert es
Fazit. Die Bundesraete luegen, wenn sie den Mund aufmachen. Natuerlich werden sie wieder CH Gesetze mit Fuessen treten. Buecklinge sind eingeuebt und gehen inzwischen ohne Muehe.


Kommentare
NZZ Online    16. September 2011, 17:13

Mehr Übermut als Demut bei der UBS
Unkontrollierbarer Eigenhandel - Abspaltung der Investmentbank als Lösung?
UBS-Chef Oswald Grübel: Nach dem Hochmut kommt der Fall des Aktienkurses.
Von Marco Metzler

Der Milliarden-Verlust eines UBS-Händlers ist laut der Bank «krimineller» Natur. Wieso liest man nie von «kriminellen» Gewinnen? Die Natur der Investmentbank ist asymmetrisch. Dieselben Anreize, die für Gewinne sorgen, können auch ins Verderben führen.
Die angebliche «grosse kriminelle Energie» des 31-jährigen UBS-Händlers, Kweku Adoboli, hat seiner Bank einen Verlust von 2 Mrd. Dollar verursacht. Das wirft keine gutes Licht auf die Investmentbank (IB) der UBS: Die Risikokontrolleure haben seine Machenschaften offenbar nicht rechtzeitig entdeckt.

Wird die Führungsriege der UBS die Verantwortung für den Verlust allein auf Adoboli schieben können oder wollen? Der Fall zeigt jedenfalls erneut, dass der Eigenhandel im IB-Geschäft kaum kontrollierbar ist. Übermut, Dummheit, Selbstüberschätzung, Fehlanreize und kriminelle Energie können zu Unfällen grossen Ausmasses führen. Hinzu kommen externe Faktoren wie Marktverwerfungen und regulatorische Einschnitte, die sogar dem schlauesten Kopf einen Strich durch die Rechnung machen können.

Ausbleiben von «kriminellen» Handelsgewinnen
Wie Adoboli genau vorging und was sein Antrieb war, muss die Untersuchung zeigen. Gier wäre eine plausible Erklärung für sein angeblich «kriminelles» Handeln. Wäre Adoboli mit seinem Handelsgeschäft erfolgreich gewesen, wären die ihm vorgeworfenen Machenschaften vielleicht gar nicht aufgeflogen. Die Bank hätte den Gewinn im dritten Quartal vielleicht deutlich steigern können, Grübel hätte sich vor den Medien über den überraschenden Gewinn gefreut und Adobolis variabler Leistungslohn wäre gestiegen. Vielleicht hätte man ihn gar als Superhändler gefeiert und befördert. Es sind dieselben Rahmenbedingungen, die in einer Investmentbank die Voraussetzungen für den Erfolg schaffen, die auch den Nährboden für kriminelle Machenschaften bilden.

Stutzig machen muss in dem Zusammenhang, dass es nie vorkommt, dass eine Bank über «kriminelle» Handelsgewinne informiert. Dies nährt den Verdacht einer einseitigen Neigung des Systems «Investmentbank».

Erwünschte Gier
Das Streben nach Gewinnen ist im Umfeld der Investmentbanken eine positive, erwünschte Eigenschaft. Das Geschäftsmodell besteht ja gerade aus Geldvermehrung unter Eingehen von Risiken. Da will man Mitarbeiter haben, die sich sehr für Geldvermehrung interessieren. Dies spiegelt sich auch in der Lohnstruktur: Wer als Bank die aggressivsten Mitarbeiter haben will, muss ihnen die höchsten Löhne zahlen. Damit ziehen Banken automatisch die Art Mitarbeiter an, die sie verdienen.

Böse Zungen vergleichen Investmentbanken mit Spielcasinos. Dies betrifft weniger das von Kunden getriebene Geschäft, beim Eigenhandel à la Adoboli aber gibt es wohl wenig Unterschiede zum Roulette. Adoboli dürfte wohl intern eine Lücke entdeckt haben, die es ihm erlaubte ohne Absicherung «alles auf Schwarz» zu setzen. Schon ein einziges, schiefgegangenes Geschäft könnte reichen, um die UBS im dritten Quartal in die roten Zahlen zu ziehen. Man kann also nicht behaupten, die UBS hätte die Risiken des Eigenhandels im Griff.

Esoterischer Zirkel
Dass die Kontroll- und Risikoorgane der UBS diese Machenschaften nicht entdeckten und erneut versagt haben, dürfte für die gerade erst zurückkehrende Reputation der Bank nicht wirklich förderlich sein.

Die Geschäfte der Investmentbanken sind so komplex und undurchsichtig, dass nur eine kleine Zahl an Experten überhaupt versteht, worum es geht. Einheiten wie «Delta One» sind spezialisierte Zirkel, deren Materie nur Eingeweihte durchschauen. Und weil sie innerhalb des Zirkels als Händler deutlich mehr verdienen können als ausserhalb, haben sie kaum Anreize beispielsweise Risikokontrolleure zu werden. Hinzu kommt, dass eine Informationsasymmetrie zwischen Händlern und Überwachern besteht.

Risk-Manager sind in den Augen der Händler – gerade bei denen, die zur Selbstüberschätzung neigen – Spielverderber, weil sie ihnen lästige Regeln auferlegen und sie verpflichten, teure Absicherungsgeschäfte zu tätigen. Dies schränkt die Bewegungsfreiheit ein, mindert die Rendite und schmälert den Bonus des Händlers. Ein Heisssporn lässt sich nicht gerne dreinreden. Gibt es Schlupflöcher, dann besteht in einem solchen Umfeld die Versuchung, diese auch auszunutzen. Der Insider kennt diese Schlupflöcher besser als der aussenstehende Risikoüberwacher. Was die internen Controller nicht durchschauen können, versteht der externe Prüfer oder der Regulator noch weniger.

Versagen der Führung?
Allein die Tatsache, dass die UBS offenbar weiterhin im hochriskanten Eigenhandel tätigt ist und dort weiterhin Milliarden-Verluste möglich sind, drängt den Verdacht auf, dass sie wenig aus der letzten Katastrophe gelernt hat. In der Folge der hochgesteckten Renditezielen von 15 bis 20 Prozent Eigenkapitalrendite wollte Konzernchef Oswald Grübel – seines Zeichens selbst ein Banker mit Händler-Hintergrund – wieder höhere Risiken eingehen, um seine Renditeziele zu erreichen, wie er im Oktober 2010 der «Welt am Sonntag» in einem Interview zu Protokoll gab. Mittlerweile wurde er von der Realität eingeholt und musste die Renditeziele nach unten korrigieren.

Es bleibt zu klären, inwiefern IB-Chef Carsten Kengeter Mitverantwortung trägt: Der meistverdienende UBS-Banker, der von Grübel von Goldman Sachs geholt worden war, hat in der UBS-IB eine Heerschar neuer Investmentbanker eingestellt, die mit hohen Löhnen angeworben werden mussten. Dies hat die Kosten nach oben getrieben – die Gewinne aber blieben aus. Es könnte sein, dass eine solche Situation die Flucht in noch höhere Risiken gefördert hat. Dem hätte aber auch eine verstärkte professionelle Risikokontrolle gegenüberstehen müssen. Der Fall Adoboli hat gezeigt, dass die Kontrollinstanzen den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein scheinen. Damit bleibt neben Kengeters Rolle auch die Rolle von Maureen Miskovic in der Angelegenheit zu klären, der Leiterin des Risikomanagements der Gruppe. Miskovic war von 1996 bis 2002 in derselben Position bei Lehman Brothers tätig.

Wie gewonnen . . .
Der Aktienkurs der UBS dümpelt nach dem Adoboli-Taucher mittlerweile wieder auf dem selben Niveau wie damals, als Grübel das Steuer übernommen hat. Die Berg- und Talfahrt der Aktie ist ein Gradmesser für die Einschätzung der Investoren darüber, wie erfolgreich Grübel war. Gemessen am Aktienkurs war er es nicht. Die zwischenzeitlichen Kursgewinne der UBS-Aktie sind wieder zerronnen. Weniger Übermut und mehr Demut hätte der UBS wohl nicht geschadet.

Abspaltung der Investmentbank als Lösung?
Verheerend wird das asymmetrische System der Investmentbanken aber erst, wenn es Teil einer systemrelevanten Grossbank wie der UBS ist. Denn während die Gewinne als Boni ausgeschüttet werden (die Aktionäre erhalten schon seit längerem keine Dividende), werden die Verluste im Katastrophenfall dem Steuerzahler aufgebürdet.

Die geplanten höheren Eigenkapitalanforderungen für die beiden Schweizer Grossbanken im Rahmen der «Too big to fail»-Regulierung sind ein Schritt in die richtige Richtung. Die geplanten risikogewichteten 19 Prozent entsprechen aber lediglich rund 5 Prozent Eigenkapital in Relation zur Bilanzsumme. Bei einem erneuten, unerwarteten GAU bei einer IB von UBS oder CS dürfte dies nicht reichen. Anstatt die Eigenkapitalanforderungen noch weiter zu erhöhen, werden in der Politik vermehrt Stimmen laut, die fordern, dass ökonomisch und rechtlich die Voraussetzungen geschaffen werden, die Investmentbanken organisatorisch besser zu isolieren oder gar abzuspalten.

Es gibt verschiedene ökonomische Aspekte, die für ein Trennbankensystem sprechen – auch im Interesse der Banken selbst. Die jüngste UBS-Krise dürfte diese Diskussionen wieder anheizen.

Investmentbanken müssen Konkurs gehen können
Wäre die Abspaltung der IB von den systemrelevanten Banken ein möglicher Weg, um das Problem der für die Schweizer Volkswirtschaft zu grossen IB der Grossbanken zu lösen? Mit einer Abtrennung würde zumindest das Problem einer impliziten Staatsgarantie für Investmentbanken sofort gelöst. Als Folge könnten diese die Risikokontrollen lockern, nach Belieben Eigenhandel treiben und dafür auch ein Heer von risikofreudigen Händlern einstellen. Dies wäre für die Volkswirtschaft kein Problem mehr, denn im Katastrophenfall würden die Investmentbanken ihr eigenes Geld verzocken und nicht das Geld der Steuerzahler. Ein Bankrott einer IB, sollte sie am Markt nicht bestehen können, wäre für die Schweizer Volkswirtschaft verkraftbar.

Eine Abspaltung der IB könnte für alle Anspruchsgruppen Vorteile bieten: Die Grossbanken wären besser zu steuern, die Investmentbanker könnten sich von ihren Fesseln lösen, die Aktionäre besser nach ihrem Risikoprofil diversifizieren, der Staat könnte seine Rolle als Retter in der Not ablegen (siehe dazu Artikel vom 22. Juli 2011 «Sollen sich Grossbanken aufspalten?»).

Als Folge von Adobolis Verlust werden die UBS-Mitarbeiter aller Voraussicht nach auf beträchtliche Teile ihrer Boni verzichten müssen. Ein Manager oder Kundenberater in der Vermögensverwaltung dürfte sich ärgern, dass er erneut für das Verschulden der IB mithaften muss. Ein Interesse, die Abtrennung der IB zu verhindern, hat – in der Einschätzung eines ehemaligen Investmentbankers – vor allem das Top-Management der Grossbanken: Investmentbanking ist spannend, dynamisch, international ausgerichtet und liefert dank der volatilen Natur in guten Jahren die Grundlage für exorbitante Boni.
 

10 Leserkommentare
Martin Daepp (16. September 2011, 20:58)    dank fehlenden Risiken nicht verdient
Natürlich muss man abspalten. Wann merkt es endlich das Parlament? Alles andere ist parlamentarische (gekaufte) Idiotie. Allerdings liefert das Investment Banking nicht bloss in guten Zeiten die exorbitanten Boni - sondern auch in schlechten: man kann doch jetzt, wenn es "schwierig" ist, nicht die besten Köpfe verlieren usw usw. Wir - die Schweizer Bürger - wollen diese Boni nicht mehr! Sie sind nicht verdient.

Roger Walser (16. September 2011, 20:38)    @ Moser
Das Plombierte Auto hätte aber sehr viele Vorteile! Es wäre sicherer nur mit 20 Km/h zu fahren; man kommt sicher an, geht nur länger; der Benzinverbrauch wäre viel geringer; der Materialverschleiss wäre geringer; man steht schneller bei einer Notbremsung usw. Sie sehen solche Limiten haben durchaus ihren Vorteil. Der Nachteil ist, man hat weniger Spass. So verhält es sich beim IB, bei starken Einschränkungen und klaren Regeln macht es viel weniger Spass und man wird nicht schnell reich. Dafür ist es aber sicherer.

Justus Delcre (16. September 2011, 20:14)    ... auf steigenden Schweizerfranken spekuliert?
... man wäre nicht verwundert, wenn der UBS-Mitarbeiter auf einen steigenden Schweizerfranken spekuliert hätte. Die zeitliche Koinzidenz mit dem Nationalbank-Entscheid ist frappant. Nota bene: Dies in einer UBS, die vom der Schweizerischen Eidgenossenschaft gesundgepäppelt wurde.

Hansruedi Fehr (16. September 2011, 20:11)    Glass Steagall Act 1933
D. Roosevelt hat 1933 die Unheilige Allianz zwischen Investment Banking und Commercail Banking erkannt und mit dem Glass Steagall Act die Banken getrennt. Das hatte bis in die 90er Jahre gültigkeit. Also, kann man die IB abspalten wenn man will. Nur wollen muss die Politik

Marc Zuyox (16. September 2011, 19:53)    Der erfolgreichste Devisenhändler war 62 Jahre alt,
als er die Bank von England in die Knie zwang! George Soros, geboren am 12. August 1930 in Budapest, war am 16. September 1992 genau 62 Jahre alt, als er am „Black Wednesday“, massiv gegen das Pfund Sterling shortete und eine Milliarde Gewinn einbrachte. Leeson war 28 Jahre alt, als er die Baring Bank bankrott fuht, Kerviel und Adoboli waren je 31 Jahre alt!
Was dringendst nötig wäre, wäre eine Anstellslimite in Tradingrooms, jüngere als 45 jährige Traders nur mit sehr tiefen Beträgen handeln zu lassen und sie von viel älteren Bankern stärker überwachen zu lassen.
Dies war üblich vor 30 Jahren und McKinsey's War for Talent hat diese Vorsicht abgebaut!

Guido Cavalet (16. September 2011, 19:33)    Kriminelle Energie?????
Ja um Gottes Willen, stellt denn die UBS kriminelle Elemente ein? Müsste man fast meinen oder ist in diesem Bankbereich ein fast "krimineller Instinkt" notwendig um die erhofften Boni zu bekommen. Über die Ausbildung eines jeden kann man sich streiten, aber ein wenigstens punktuelles Risikomanagement bei eher heiklen Jobs müsste eigentlich das HR machen. Dies ist aber nur möglich, wenn man das Metier etwas beherrscht. Anscheinend hat die UBS so viele Baustellen wie wenn in der ganzen Schweiz der Strassen auf einmal saniert werden.

Gerold Wirth (16. September 2011, 19:05)    Black Boxes
Ich betrachte Investment Banken grundsätzlich als Black-Boxes (zusammen mit gewissen Hedge Fonds) - der 1933 eingeführte Glass-Steagal Akt hat schon seinen Sinn gemacht. Allerdings hatte man Angst das die Investment, Wertschriften und ausländischen Banken/Brokern denn Kommerz Banken in deregulierten Märkten davonlaufen würden. So hat man ihn Ende 1999 unter Clinton (aber mit republikanischer Mehrheit) zurückgezogen. Was zehn Jahre später folgte wissen wir nun. Ende 2009 wollte Senator John McCain zusammen mit einer demokratischen Senatorin ihn wieder einführen. Dies scheiterte - so kam man auf den Volcker Plan - eine Art Glass-Steagal light der zum Beispiel von Nouriel Roubini in Bausch und Bogen verdammt wurde. So wurstelt man nun mit dem Dodd-Frank Act, der wohl ungenügend ist. Leider muss man annehmen das die zwei Länder die den originalen Act bitter nötig hätten - USA, UK - ihn unter dem üblichen Lobby Druck nicht einführen werden. Bis zum nächsten Unfall.

Werner Moser (16. September 2011, 19:03)    Investmentbank?
„Investmentbank“ ist zum Allerweltsbegriff geworden, als wär’s ein separates Stück einer Bank, „abspaltbar“ wie ein „fauler Ast vom Baum“. Genau das Gegenteil ist der Fall. Dem „Investment banking“ lassen sich die folgenden Tätigkeiten zuordnen (kurz & unvollständig): Emissionen, sekundärer Wertschriftenhandel, Geldmarktgeschäfte, Wertpapierausleihe, Anlageprodukte, Kauf- & Verkaufsmandate von Unternehmen u.ä.m. als Dienstleistung für Dritte (Kunden) und/oder fürs Eigengeschäft, i.e. alles Tätigkeiten, welche ohnehin implizite Bestandteile des klassischen Bankgeschäftes (Einlage- und Kreditgeschäft) sind. Diese abzuspalten wäre in etwa vergleichbar mit der Plombierung eines Autotachos bei 20 Km/h: Man käme nicht ans Ziel (Existenz!) und liesse ein solches Auto (Bank) liquidieren. Die USA habens erlebt & korrigiert. P.S. Eine schärfere Regulierung der Eigengeschäfte ist angezeigt. Dafür brauchts keine Abspaltung, sondern die Finma!

Maurice Gujer (16. September 2011, 18:35)    Trotzdem Dominoeffekt
Guter Artikel. Aufsplittung wäre eine super Lösung theoretisch jedenfalls. Ich sehe hier einfach keine wirkliche Möglichkeit die IB der UBS Pleite gehen zu lassen ohne das dies einen riesigen Dominoeffekt auf alle anderen Banken hat. Es ist eben nicht wie im Kasino, dort können Sie nur gesetztes Geld verlieren, im IB kannst Du unendlich viel verlieren!

Alfred Betschart (16. September 2011, 18:07)    Volcker-Rule ist die Lösung
Die Hilfe von Banken bei Kapitalerhöhungen, bei Auflagen von Obligationen und bei Unternehmenskäufen/verkäufen, das Kerngeschäft des Investmentbankings, ist eine sehr wichtige Dienstleistung. Das Problem ist nicht das Investmentbanking an sich, sondern die Spekulation der Bank auf eigene Rechnung. Deshalb ist nicht der Glass-Steagull-Act die Lösung, sondern die Volcker-Rule. Aber die Banken wollen sich auf keinen Fall das Spekulieren auf eigene Rechnung verbieten lassen, denn ihr Glaube an die Beherrschbarkeit der Risiken ist ungebrochen. Lieber stimmen sie höheren Eigenkapitalquoten zu.


Leserkommentare
NZZ Online    16./17. September 2011, 08:22

Amerikaner signalisieren Bereitschaft für globalen Deal
Im Steuerstreit zwischen USA und Schweizer Banken zeichnet sich eine Lösung ab
Von Zoé Baches

Vielleicht wird es für die Schweizer Banken in New York und anderswo in den USA nun doch ein freundlicher Herbst. (Bild: Imago)
Die USA sollen diese Woche erstmals konkret erklärt haben, auf das Angebot der Schweiz einzugehen, amerikanische Kundennamen per sogenannte «Gruppenanfragen» auszuliefern. Eine globale Vereinbarung zwischen den Schweizer Banken und den USA könnte dann getroffen werden.
«Die USA sind grundsätzlich damit einverstanden, auf das Angebot der Schweiz einzugehen. Der Weg für einen globalen Bankendeal ist damit frei», das erklären zwei mit den Verhandlungen Vertraute gegenüber NZZ Online. Der für den Schweizer Finanzplatz existenzbedrohende Steuerstreit zwischen den USA und den Schweizer Banken könnte sich dem Ende zuneigen. Voraussetzung dafür ist, dass sich das Schweizer Parlament bis Ende der Herbstsession dazu durchringt, der umstrittenen «Neuinterpretation» des Bundesrates vom neuen, noch zu ratifizierenden Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit den USA zuzustimmen. Gelingt das, ist der Weg für eine gütliche Beilegung des Steuerstreits offen.

Die Lösung würde wie folgt aussehen: Die USA stellen im Rahmen des neuen DBA reguläre Amtshilfegesuche an die Eidgenossenschaft. Dieses DBA ist allerdings noch nicht in Kraft, sondern muss noch von Seiten der USA ratifiziert werden, was in den nächsten Wochen geschehen soll. Dann können die Amtshilfegesuche eingereicht werden. Diese werden keine konkreten Namen mehr enthalten, sondern als sogenannte «Gruppenanfragen» alle amerikanischen Offshore-Kunden bei der jeweils betroffenen Bank umfassen. Dies ist der grosse Zankapfel zwischen Bundesrat und Parlament, weil von Seiten des Bundesrats stets versprochen worden war, dass die neuen Amtshilfegesuche individuelle Namens- und Banknennungen enthalten werden (Siehe Box).

Gruppenanfrage vs. Fishing Expedition
    Z. B. «Eine sogenannte Gruppenanfrage ist eine Fishing Expedition, die sich gegen mehrere Personen – und damit eine unbestimmte Gruppe – richtet, während eine Fishing Expedition auch nur gegen eine einzelne Person vorgenommen werden kann», erläutert ein Rechtsexperte gegenüber NZZ Online.
    Gemeinsames Kriterium sei der Umstand, dass kein konkreter Tatverdacht gegen einen betroffenen Steuerpflichtigen vorliegt, weil dieser Steuerpflichtige (oder die ganze Gruppe) gar noch nicht bekannt ist. Zu diesem Zweck diene ja die Anfrage, um diese Namen zu erfahren. «Es ist einfach so, dass es sich bei einer Gruppenanfrage um eine Fishing Expedition handelt», so der Befragte.
    Ein anderer Jurist weist darauf hin, dass es verschiedene Interpretationen darüber gebe, was eine Fishing Expedition sei und was nicht. Art. 1 Abs. 1 des Bundesbeschlusses über die Ergänzung des DBA führe ja klar aus, dass die Schweiz einem Amtshilfegesuch aus den USA nur dann enspreche, wenn dargelegt sei, dass es sich nicht um eine «Fishing Expedition» handle. Eine steuerpflichtige Person könne auch ohne Namens- oder Adressnennung klar identifiziert werden, nämlich aufgrund genügender Spezifika im Bezug auf die Art einer vorgeworfenen Handlung.
Amtshilfegesuche basierten auf Schweizer Recht
Maximal würden zehn solcher Amtshilfegesuche geschickt, jedes würde eine Anfrage enthalten zu einer der zehn Banken, die heute namentlich auf dem Radar der amerikanischen Behörden sind. Das sind neben der Credit Suisse, Bank Julius Bär, Bank Wegelin, die Basler Kantoalbank und die Zürcher Kantonalbank. Die notwendigen Informationen zu derartigen Amtshilfegesuchen hat die USA seit letzter Woche. Damals lieferten diese zehn Banken Indikatoren darüber an die USA, die Aufschluss geben, wie viele amerikanische Kunden sie grenzüberschreitend betreuen und wie viele Gelder diese angelegt haben.

Wenn, wie ausgeführt, das Parlament der Neuinterpretation des Bundesrates zustimmt, dann kann die Schweiz auf alle diese Gesuche eingehen. Die Namen der Kunden, die ab dem 23. September 2009 (auf dieses Datum soll das neue DBA Gültigkeit haben) grenzüberschreitend von Schweizer Häusern betreut wurden und die Gelder nicht bei den US-Steuerbehörden deklarierten, können dann basierend auf Schweizer Recht geliefert werden. Das neue DBA umfasst die Gewährung von Amtshilfe nicht mehr nur bei Verdacht auf Steuerbetrug, sondern auch bei Verdacht auf Steuerhinterziehung.

Globale Vereinbarung würde Busse und Inhalt regeln
In einem nächsten Schritt würde dann eine sogenannt global gültige Vereinbarung zwischen der Schweiz und den USA geschlossen. Da man kein (weiteres) Schweizer Recht mehr beugen oder verletzen muss, braucht es keinen weiteren Staatsvertrag, wie das noch in der Causa UBS notwendig war. Diese Vereinbarung würde wohl die Zahlung einer Busse regeln, aber auch die Details, wer darunter fällt, was genau geregelt ist und so weiter.

Warum sollen die USA bereit sein, sich auf diese Lösung einzulassen, wenn sie doch nur die Namen von Amerikanern erhalten, die nach dem Herbst 2009 noch in den USA undeklarierte Gelder bei einer Schweizer Bank hielten? Gefordert werden ja eigentlich die Informationen ab 2002. Ein Experte aus den USA erklärt, dass das kein Hindernis für die Amerikaner bedeute. Die USA hätten sichergestellt, dass sie in den Besitz eines Grossteils der noch nicht erfassten amerikanischen Bürger käme. Das habe ein Vergleich zwischen den in den USA vorhandenen Daten mit den letzte Woche gelieferten Grobindikatoren ergeben. Die USA sitzen auf einem Berg an Informationen über Kunden und Banken in der Schweiz, die sie durch Selbstanzeigeprogramme aber auch durch Aussagen von verhafteten Bankern und weiteren Informanten erhalten hat.

Jeder Kunde, dessen Daten nun im Rahmen dieser «neuen» Amtshilfe in die USA geliefert werde, werde dazu gebracht – möglicherweise sogar mit einer Verfügung auf Datenherausgabe, einer sogenannten Subpoena – seine Kundengeschichte bei der jeweiligen Bank in die Vergangenheit offenzulegen. Die USA bekämen also, was sie wollten, so der Informant.

Rechtsweg für den einzelnen unbedingt wahren
«Die USA sind grundsätzlich bereit, den ganzen Finanzplatz Schweiz unter eine Vereinbarung zu nehmen und nicht nur die zehn Banken», erklären beide Quellen. Entscheidend sei, dass die Schweiz schnell ihr grundsätzliches Einverständnis gebe und dass, sobald die rechtliche Situation geklärt sei – sprich das Parlament diese Neuinterpretation des Bundesrates genehmigt und die USA das neue DBA ratifziert hat – rasch reagiert werde.

Vorstellbar ist, dass die USA zuerst ein Amtshilfegesuch betreffend Credit Suisse stellen. Die Grossbank dürfte die Informationen bereits vorbereitet haben, so dass eine rasche Lieferung nach Bern und eine dortige Prüfung durch die Eidgenössische Steuerverwahltung möglich wäre.

Für den Rechtsstaat Schweiz ist es absolut entscheidend, dass wenn schon einer Fishing Expedition nicht Einhalt geboten werden kann, wenigstens jedem einzelnen amerikanischen Kunden die Einhaltung des Rechtsweges in der Schweiz garantiert wird. Es darf unter keinen Umständen wieder zu einer Farce wie im Fall UBS kommen. Nur: Die USA waren noch nie bekannt für ihre Geduld, und hier handelt es sich um Amtswege, die Monate dauern können. Warum sollten die USA dieses Mal mehr Geduld aufbringen?

Die USA wüssten, dass der Rechtsweg in der Schweiz Zeit brauche und würden diesen einhalten, ist einer der Befragter aus den USA überzeugt. Wenn die Schweiz jetzt verspricht, das die Namen geliefert werden und wenn nach Einreichung des ersten Amtshilfegesuches die Namen in einem ersten Schritt auch schnell an die Steuerverwaltung in Bern gehen, dann werde sich die USA gedulden.

«Schweiz muss grössten Wert auf Details legen»
Falls es wirklich zu dieser Einigung komme, sei es jetzt ganz wichtig, dass die Schweiz in den Details gut verhandle, warnt ein mit den Vorgängen Vertrauter. Sie müsse mit den USA sämtliche Möglichkeiten klar regeln: Wer und was genau ist im Deal drin, was passiert mit den jetzt in Klagen genannten Schweizern, sprich «Die Schweiz muss jetzt in den kleinen Dingen knallhart verhandeln». Es sei ganz wichtig, sich zudem für die Zukunft abzusichern. «Die Schweizer sind viel zu perfektionistisch. Sie müssten stets sagen, dass immer noch neue Sachen ans Licht kommen können, beispielsweise irgendwann noch mehr undeklarierte Konten von Amerikanern gefunden werden – und das darf dann den Deal nicht bedrohen», so der Experte.

Das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) bestätigte auf Anfrage, dass in dieser Woche Gespräche mit den USA stattgefunden haben. Zum Inhalt will das SIF keine Stellung nehmen.

Lösung bedeutet erneute Beugung von Schweizer Recht
Es muss an dieser Stelle erneut gesagt werden, dass die skizzierte Lösung (von der ja noch nicht sicher ist, das sie kommt) eine erneute Beugung von Schweizer Recht bedeutet. Wenigstens sehen das viele Rechtsexperten so. Der Bundesrat hatte stets versprochen, dass es im neuen DBA mit den USA nicht zu Fishing Expeditions kommen könne – und eine Gruppenanfrage betrachten viele als Form einer Fishing Expedition. Aber — und das dürfte wahrscheinlich für die Parlamentarier letztlich den Ausschlag geben — nicht zuletzt auch angesichts der internationalen Entwicklungen in diesem Bereich, gibt es wohl keine verträglichere Lösung als die angeführte.

So prüft die OECD derzeit, diese Gruppenanfragen in ihre Musterabkommen aufzunehmen und mit der Einführung des amerikanischen Monstergesetzes Fatca (Siehe Box unten) herrscht ab 2014 zwischen der Schweiz und den USA sowieso praktisch der automatische Informationsaustausch rund um amerikanische Kunden und amerikanische Wertschriften. Der Zug für eine Eigenlösung der Schweiz ist hier wahrscheinlich abgefahren.

Fatca
Fatca verlangt eine Identifizierung sämtlicher Kunden von Banken, die direkt oder indirekt in US-Wertschriften investieren, bei der Steuerbehörde IRS. Selbst Anleger, die lediglich ein gewöhnliches Sparbuch besitzen, müssten also künftig zumindest laut gegenwärtiger Lesart nach Washington gemeldet werden, sobald die Bank beispielsweise in US-Aktien investiert. Bei ausbleibender Kooperation droht eine Quellensteuer von 30 Prozent auf sämtliche Einkommen aus US-Quelle. Z.B.


2 Leserkommentare
Werner Moser (16. September 2011, 19:46)    Im Klartext …
… bedeutet diese US-Intention, dass die CausaUBS-Amtshilfelösung als integrierender Bestandteil des (alles Frühere ersetzende) DBA09 zukünftig für alle anderen CH-Banken u.a.m. zur Anwendung kommen soll, obwohl das beklagte Fehlverhalten der anderen CH-Banken nicht CausaUBS-identisch ist. Ob das Parlament dem dafür notwendigen Zusatzuprotokoll des BR (zu DBA09) zustimmen wird, wird sich weisen müssen. P.S. Eine „Fishing Expedition“ (Fischen im Trüben!) ist nicht gruppen- sondern personenbedingt, irrelevant, ob es sich dabei um eine oder mehrere Personen handelt. Um das zu erkennen braucht es keine OECD: Fischen genügt! Dass nun von der CH ein fremddefiniertes „Rasterprofil von behauptetem Fehlverhalten“ einer klassischen case-by-case Personenidentifkation gleich gestellt wird, spricht Bände. Damit steht die Tür zum freien Informationsaustausch weit offen. Sie muss nur noch durchschritten werden, demnächst in diesem „Theater“!

Tamas Morvay (16. September 2011, 19:04)    Habe ich irgendwas verpasst?
Da verlieren die USA ihr Credit Rating, weil über Jahrzehnte Regierung nach Regierung ausserstande war, das Budgetdefizit in den Griff zu bekommen, bis zu dem Punkt, indem als Bankrotterklärung die Anhebung der Verschuldensgrenze herhalten musste, was das Problem nicht löst sondern nur bis nach dem nächsten Wahltermin hinausschiebt. Da bescherte die weltgrösste Volkswirtschaft der übrigen Welt eine Finanzkrise aus rein innenpolitischen Motiven: auch der Unqualifizierteste musste die Möglichkeit bekommen, Wohneigentum zu besitzen, also erfand man für Schrotthypotheken noch grössere Schrottderivate.Und da hielt im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten die Neidkultur Einzug, und der Staat, der seinen Bürgern nicht mehr erklären kann, warum er seine Steuern braucht, macht sich seine Konkurrenz im Offshore-Bereich kaputt. Irgendwann, so sagt mir meine Logik, muss doch einmal einer aufstehen und nein sagen können!


Kommentare
Tages-Anzeiger 17.09.2011  20:28 Uhr

Im Steuerstreit mit den USA zeichnet sich eine Einigung ab
Von Arthur Rutishauser.

Der Schweizer Unterhändler Michael Ambühl hat sich mit den USA offenbar auf einen Deal geeinigt. Der Frieden hat einen hohen Preis für die betroffenen Banken – und auch für die Schweiz.
Vorgestern lud Michael Ambühl, Chef des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF), zur Telefonkonferenz. Er teilte den Vertretern der zehn von US-Untersuchungen betroffenen Banken (darunter Credit Suisse, (CSGN 22.72 4.75%) Bank Wegelin, Julius Bär, die Basler Kantonalbank, die Liechtensteiner Landesbank, Bank Hapoalim und die Neue Zürcher Bank) mit, sein Besuch Anfang Woche in Washington sei erfolgreich verlaufen. Die Amerikaner hätten die Schweizer Antwort auf das Ultimatum von letzter Woche akzeptiert und seien bereit, auf folgenden Deal einzusteigen: Einerseits müssten die betroffenen Banken eine saftige Busse bezahlen, deren genaue Höhe noch festzulegen sei.

Bisher ging man davon aus, dass die US-Behörden rund 2 Milliarden Franken fordern würden. Darüber hinaus müssten die Banken die Namen von Kunden liefern. Wie im Fall der UBS würden die Amerikaner ein Amtshilfegesuch stellen mit möglichst genauen Kriterien, wer darunterfalle. Die Eidgenössische Steuerverwaltung würde dann die betroffenen Banken anweisen, die Kundendaten herauszurücken. Wie viele Daten die Amerikaner pro Bank verlangen können, ist noch Gegenstand von Verhandlungen.

Ambühl braucht politische Unterstützung
Die Rede ist von über 1000 und weniger als 10'000 Kundennamen. US-Kunden, die ihr Konten nicht bei einer der zehn aufgelisteten Banken haben, winkt ein besserer Deal. Sie kämen mit einer Art Abgeltungssteuer davon. Die wäre zwar hoch, aber sie müssten ihre Identität nicht preisgeben, sagte Ambühl laut einem Banker, der am Gespräch teilnahm.

Zum Schluss des Gesprächs forderte Ambühl seine Zuhörer auf, ihn politisch zu unterstützen. Denn damit der Deal möglich wird, muss das Parlament einen umstrittenen Zusatz zum amerikanischen Doppelbesteuerungsabkommen absegnen. Dieser würde die geplanten Gruppenanfragen erst möglich machen.

Bürgerliche Opposition
Das ist kein leichtes Unterfangen, denn diese Woche haben sowohl die Fraktionen der SVP wie auch der FDP das abgelehnt. Philipp Müller, bei der FDP Wortführer in der Angelegenheit, zeigte auf Anfrage wenig Lust, diese Haltung zu ändern. Er hofft, dass er nächste Woche anlässlich der Sitzung der Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK) informiert wird.

Sollte die Lösung durchkommen, muss das Parlament einen Grundsatz über Bord werfen. Es muss nämlich entgegen allen Beteuerungen der Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf bestehendes Recht ändern und sogenannte «Fishing Expeditions» zulassen. So schreibt etwa David Zollinger, Rechts-Chef bei der Bank Wegelin, in seinem Blog: «Man muss es leider sagen: Eine ‹Gruppenanfrage› ist eine ‹Fishing Expedition›, die sich gegen mehrere Personen richtet.» Und weiter, es sei festzuhalten, «dass die bestehende Rechtsordnung keine Gruppenanfragen zulässt».

Zweifel an Rechtmässigkeit
Es gibt weit herum Zweifel, ob die angestrebte Regelung rechtlich Bestand hat. So sagte Martin Naville, Direktor der Handelskammer Schweiz-USA, vor zehn Tagen im «Tages-Anzeiger»: «Ich finde es zumindest überlegenswert, Notrecht anzuwenden, denn sonst riskiert man nur wieder, dass die Lösung vom Richter umgestossen wird.» Andreas C. Albrecht, Bankratspräsident der Basler Kantonalbank, will deshalb den UBS-Vertrag reaktivieren. Albrecht sagte in der «Basler Zeitung»: «Die Schweizer Politiker müssen sehen, dass die Schweiz angesichts des UBS-Staatsvertrags eben auch Hand bieten muss und nicht so tun kann, als sei nichts gewesen.»

So gross die Zweifel auch sein mögen, Opposition gegen Ambühl gibt es öffentlich keine mehr. Im Gegenteil, die betroffenen Banker würden im Moment wohl alles unterschreiben, das ihnen Ruhe vor den Amerikanern garantiert. Ob die Politiker das auch tun, wird sich weisen. Beim SIF wollte man zur Frage keine Stellung nehmen und bestätigte lediglich die Reise Ambühls in die USA. (Tages-Anzeiger)
 

7 Kommentare
Alois Krieger    10:40 Uhr
Die Politik und die betroffenen Banken werden sich einigen, zum Schaden des restlichen Finanzplatzes. Und nach einem Jahr wird die nächste Klage kommen. Gemäss Experten wäre eine Klage bei der WTO auch möglich gewesen. Die USA wird von einem Haufen bezahlter Interessenvertreter geführt, die werden immer weiter die ausländische Konkurrenz behindern. Daheim bieten sie Steuerflucht selbst an. Antworten

Angelika Frey    00:32 Uhr
Als Schweizer ist es mir egal ob ein Amerikaner Deutscher etc. sein geld nihmt und in die Ch bringt,wer banking braucht wird wohl wissen das CH banken die besten der Welt sind also ist es überhaupt nicht überraschend dass sie zu uns kommen,ob der steuern hinterzieht ist mir auch egal dass ist nicht unsere verantwortung sondern seine,er ist erwachsen und weis ganz genau was er tut

eugen bissegger     20:41 Uhr
Schliesslich ist die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich BIZ in der Ch domiziliert. Die Bank, welche alle Zentralbanken der GANZEN WELT kontrolliert, in Basel zu hause! Kommt alle nach Basel, da gehen keine Bomben nieder, ausser, die Weltfinanzmafia will sich selber auslöschen. Antworten

Elisabeth Hasler    18:10 Uhr
Die Gruppenanfragen waren schon im noch geltenden alten DBA mit den USA drin, allerdings nur für STB. Im neuen DBA, das wegen der UBS-Sache nötig wurde, wurden sie herausgenommen + der OECD-Standard in einer engen Auslegung zugrundegelegt. Mit dem Zusatzabkommen soll nun bloss wieder die alte Praxis ermöglicht werden. Einzige Änderung: Die Gruppenanfragen würden neu auch für schwere STH gelten. Antworten

Doris Doebeli    19:17 Uhr
Bin völlig Ihrer Meinung, Frau Hasler. Noch als Nachtrag: STH ist eben in den Augen der SVP und FDP nur ein Kavaliersdelikt.

Elisabeth Hasler    18:02 Uhr
Ambühl - ein Top-Mann, der für die CH Enormes leistet. Die SVP + die FDP tun gut daran, ihre Verweigerungshaltung + Realitätsverleugnung abzulegen + das Zusatzabkommen zum neuen DBA mit den USA im Parlament mitzutragen, sonst handeln sie sicher nicht im Staatsinteresse. Dass die FDP sich auch in dieser Angelegenheit wieder an die SVP anlehnt + Wahlkampf statt Sachpolitik betreibt, ist bedenklich. Antworten

Fred Büchi    19:26 Uhr
Liebe Frau Hasler, denken Sie wirklich, dass diese beiden Parteien im Staatsinteresse handeln?




Tages-Anzeiger 17.09.2011, 21:39 Uhr

Hans-Werner Sinn: «Es wird nur gespart, wenn kein Geld fliesst»
«Und dann gehen wir alle gemeinsam unter»
Der renommierte deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn kritisiert die Euro-Rettungsschirme –
und fordert eine Rosskur. Die maroden Staaten müssten noch einmal ganz von vorne beginnen.
Von Niklaus Bernhard.

Hans-Werner Sinn (63) ist einer der profiliertesten und zugleich umstrittensten Ökonomen Deutschlands. Der Ökonomieprofessor leitet das Münchner IFO/Institut für Wirtschaftsforschung. Mit seinen kontroversen Ansichten löst er immer wieder heftige Debatten aus. Er kritisierte in Büchern die Klimapolitik oder die Exportlastigkeit der deutschen Wirtschaft. Hans-Werner Sinn ist verheiratet und hat drei Kinder.

Wird die Schuldenkrise in Europa immer noch schlimmer?
Das ist leider keine zyklische Krise mit einer Talsohle, die man durchschreiten muss, und dann ist alles wieder gut, sondern eine strukturelle. Sicher, man kann die Finanzmärkte beruhigen, indem man ihnen die Risiken staatlicherseits abnimmt. Das verlagert die Krise aber nur auf die Staaten. Zum Glück zeigt sich schon heute, dass es Opposition geben wird. In Deutschland ist es vor allem die FDP, die nicht mit allem einverstanden ist und langsam, aber sicher auf die Hinterbeine geht. Es liegt im Möglichen, wenn nicht im Wahrscheinlichen, dass die deutsche Regierung wegen dieser Thematik auseinanderfallen wird.

Haben Sie auch eine optimistische Variante?
Die optimistische ist, dass die CDU doch noch mal innehält, bevor sie alles unterschreibt. Die Rettungsschirme halte ich in wesentlichen Punkten für falsch.

Warum?
Die Rettungsschirme führen zwar zu einer vorübergehenden Beruhigung. Sie führen aber zu einer Sozialisierung der Schulden in Europa. Der Sozialismus hat noch nie gut funktioniert. Man strengt sich nicht mehr an und verlagert die Lasten auf andere Spieler im System. Konkret hat dann kein europäisches Land einen Anreiz, sich in Budgetdisziplin zu üben. Die Staaten verschulden sich über beide Ohren. Alle haben diesen Anreiz. Am Schluss wird sich auch Deutschland verschulden, und dann gehen wir gemeinsam unter.

Ist dies wirklich ein realistisches Szenario?
Die eben geschilderte Gefahr wird die unserer Kindern sein, die sich dann entweder mit ihren europäischen Nachbarn herumschlagen müssen, um die Forderungen einzutreiben, oder selbst mit ihren Schulden Probleme kriegen. Leider erhält aber die kurzfristige Gefahr – eine gewisse Unruhe bei den Anlegern, die Angst haben, dass der Steuerzahler die Risiken nicht abnimmt, viel mehr Gewicht als die langfristige Gefahr. Die Politiker kümmern sich nicht um die Langzeitfolgen, weil sie genau wissen, dass sie dann nicht mehr im Amt sind.

Sie trauen also den Sparanstrengungen der angeschlagenen Länder nicht so recht?
Wenn die Rettungsschirme in dem Ausmass kommen, wie sie geplant sind, wird nicht gespart. Es wird nur gespart, wenn kein Geld fliesst. Alle Ausgaben, die ein Land über seine Verhältnisse hinaus tätigt, müssen über die Rettungsschirme finanziert werden. Wenn aber die Rettungsschirme kein Geld haben, können die Defizite auch nicht entstehen.

Können die Rettungsschirme nicht genug Druck aufbauen?
Die tun eben genau das Gegenteil. Die mindern den Druck. Man kann ja nicht sagen: Hier hast du Geld, aber du darfst es nicht nehmen. Das ist das, was die Politik in Europa derzeit macht.

Aber die Geberländer könnten die Zahlungen aus dem Rettungsschirm davon abhängig machen, dass die hoch verschuldeten Länder effektiv sparen.
Noch einmal, das geht nicht. Das Verwenden von Geld ist das Gegenteil von Sparen. Das ist ein Verwirrspiel mit Begriffen der Politik. Die Europäische Union hat sich darauf festgelegt, damit sie an das deutsche Geld kommt. Die Krisenländer sagen: «Schaut her, wir haben Schuldenschranken, wir werden eure Kredite nicht verwenden.» Wer das glaubt, ist selber schuld.

Sobald sich in der Schweiz jemand kritisch zur derzeitigen Politik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) äussert, gibt es quasi einen Maulkorb. Das Gleiche ist in Deutschland zu beobachten, wenn sich FDP-Politiker kritisch gegenüber der Griechenland-Hilfe äussern.
Ich finde das eine sehr schlechte Entwicklung. Dadurch werden wichtige Handlungsalternativen gar nicht richtig angeschaut. Das könnte gerade Deutschland sehr teuer zu stehen kommen. Wenn Deutschland sagt, dass man Griechenland unter keinen Umständen fallen lassen werde, gibt das für die Griechen keinen echten Anreiz, zu sparen, denn sie wissen ja, sie werden gerettet.

Sehen Sie für die hoch verschuldeten Länder nur die Möglichkeit einer Rosskur?
Ja, es muss eine Art Rosskur sein. Deutschland hat auch eine solche Kur durchgemacht. In den letzten 15 Jahren hat sich Deutschland gegenüber den wichtigsten Handelspartnern um 21 Prozent abgewertet. Die deutsche Volkswirtschaft ist also relativ zu den Nachbarvolkswirtschaften immer günstiger geworden. Natürlich auch, weil die entsprechenden Länder eine höhere Inflation gehabt haben. Für Deutschland bedeutete dies hohe Arbeitslosigkeit, schwaches Wachstum und tiefe Investitionsquoten. Kapital floh aus Deutschland. Aber schliesslich führte die Kur zum Erfolg.

Die Südländer müssen es also Deutschland gleichtun?
Ja, dieser Prozess darf den Südländern, die jetzt überteuert sind, nicht erspart bleiben. Für einige könnte es in der Tat aber schwer werden, denn während in Deutschland die eigenen Ersparnisse wegliefen, brauchen die Südländer die Ersparnisse anderer Länder. Das schafft eine Insolvenzgefahr, die Deutschland nie hatte. Im Gegensatz zu Deutschland bleibt den Südländern deshalb jetzt viel weniger Zeit, die Kur durchzumachen. Die reale Abwertung müssen sie in kürzester Zeit hinlegen. Das wird ganz schwierig.

Für wen konkret wird es sehr schwierig?
Für Griechenland wird es unmöglich, weil die im Verhältnis ein viel zu grosses Leistungsbilanzdefizit haben. Für Spanien und Italien wird es vielleicht noch möglich sein.

Mit anderen Worten sagen Sie, dass das Lohnniveau in den Südländern schnell nach unten kommen muss, damit diese Volkswirtschaften wieder wettbewerbsfähiger werden. Aber das Lohnniveau ist dort doch schon sehr tief.
In den letzten zehn Jahren sind die Löhne und Preise in Spanien stark gestiegen. In der Erwartung auf weiter steigende Löhne haben sich die Spanier Häuser gekauft, die Preise stiegen und die Leute haben sich zu stark verschuldet. Es ging aber alles viel zu weit und jetzt muss man wieder runter, was für die betroffenen Menschen sehr schmerzhaft ist.

Eine weitere Möglichkeit, um verschuldeten Ländern wieder mehr Luft zu geben, wäre, dass die Banken auf Teile ihrer Forderungen verzichten müssten.
Das sollte man eigentlich tun, bevor die Staatengemeinschaft hilft. Die direkt betroffenen Gläubiger sollten immer zuerst bluten.

Aber das wird nicht durchgezogen.
Das ist genau das Problem in Europa. Die Banken haben immer noch zu viel Macht, weil sie wissen, dass ohne sie alles zusammenbricht, und sie im Übrigen auch nicht über genug Eigenkapital verfügen, um grössere Verluste schultern zu können. Deswegen können sie ihre Verluste immer auf den Steuerzahler abschieben. Das ist weder gerecht noch schafft es die richtigen Anreizen für die Zukunft.

Würde das Finanzsystem denn tatsächlich kollabieren, wenn die Banken auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssten?
Ich würde den Schuldenschnitt nicht auf einmal machen, sondern nur scheibchenweise, wenn die entsprechende Forderung fällig wird. Das wäre für die Banken erträglicher. Ausserdem würde ich die Banken mit öffentlichen Mitteln rekapitalisieren.

Haben die Banken, die den hoch verschuldeten Ländern Geld geliehen haben, ihre Forderungen intern nicht schon lange abgeschrieben?
Zum Teil haben sie das gemacht, aber leider nicht genug. In der Finanzkrise hatte die EU den Banken erlaubt, Wertpapiere, die im Handelsbuch zu aktuellen Werten eingetragen waren, wieder zu den ursprünglichen höheren Preisen in das Anlagebuch zu verlagern. So kommt es, dass Staatsobligationen bei den Banken mit dem Wert vom Juli 2008 in den Büchern sind, also zum Zeitpunkt vor der Finanzkrise.

Das ist erlaubt?
Ja, und die Bankenstresstests der EU haben daran nichts gerührt. Da sehen Sie, wie viel die Tests wert sind.

Auch die USA kämpfen gegen hohe Schulden. Welche Schuldenkrise ist schlimmer, die europäische oder die amerikanische?
Die Schuldenquote in Amerika ist höher als die durchschnittliche Quote in der EU. Aber in den peripheren Länder der EU ist es noch schlimmer als in den USA.

Es gibt Ökonomen, die sich markant höhere Inflationsraten wünschen, damit die Schulden automatisch abgebaut werden. Dürfen sich Ökonomen eigentlich höhere Inflationsraten wünschen?
Das Argument ist richtig. Wenn wir in Deutschland mehr Inflation hätten, bräuchten die Krisenländer nicht so schnell zu deflationieren, und die Ungleichgewichte verschwänden schneller. Danach sieht es aber derzeit nicht aus. Ich weiss auch nicht, ob Deutschland darüber glücklich sein sollte. Die lockere Geldpolitik führt nicht zu tieferen Zinsen, weil nach unten kaum noch Luft ist. Europa steckt in der Liquiditätsfalle. Das heisst, dass das zusätzliches Geld der Zentralbanken nicht mehr investiert, sondern nur noch gehortet wird.

Was halten Sie von der derzeitigen Politik der Nationalbank, den Euro nicht unter einen Kurs von 1.20 Franken fallen zu lassen?
Ich finde es richtig, dass sich die Schweizerische Nationalbank gegen die Aufwertung ihrer Währung wehrt. Das kann die SNB realisieren, weil die dafür nötigen Franken selber gedruckt werden können. Umgekehrt wäre es schwierig. Eine Nationalbank kann ihre Währung nicht gegen eine Abwertung schützen, weil sie Währungen verkaufen müsste, die sie möglicherweise nicht hat oder in zu geringer Menge.

Inflationsrisiken sehen Sie durch die SNB-Massnahmen derzeit nicht?
Nein, ich sehe momentan nicht, warum es Risiken geben sollte. Die SNB hat genügend Möglichkeiten, allenfalls überschüssige Franken wieder vom Markt zu holen.

Wie schätzen Sie die Konjunkturaussichten ein?
Ich denke nicht, dass es zu einer globalen Rezession kommen wird, weil die asiatischen Länder gut unterwegs sind. In den USA kann es so weit kommen. In der EU stecken ja einige Länder noch immer in einer Rezession, weitere könnten dazukommen. Deutschland darf sich mit den Rettungsschirmen einfach nicht übernehmen, sonst gefährdet es seine Bonität noch mehr als ohnehin schon und zerstört die Wachstumsimpulse, die derzeit von den niedrigen Zinsen kommen. (Berner Zeitung)


Kommentare
Tages-Anzeiger     18. September 2011, 12:13 Uhr

Lex Credit Suisse - ohne FDP, SP, SVP?
Neue Weissgeldstrategie der SP setzt Bundesrat unter Druck

Der Bundesrat steht im Steuerstreit mit den USA kurz vor einer Lösung. Mit einem eigenen Vorschlag zur Aufweichung des Bankgeheimnisses könnte die SP das Abkommen nun zu Fall bringen.
(mrs) - Die SP stellt neue Bedingungen für eine Lösung im Steuerstreit mit den USA: Parteichef Christian Levrat will nur noch zustimmen, wenn anonyme Gruppenanfragen bei der Suche nach Steuersündern auf Schweizer Banken nicht nur den USA zugestanden werden.

Er will sie zur allgemeinen Praxis gegenüber allen Staaten erheben, berichtet die «SonntagsZeitung». «Ohne diese stimmen wir nicht zu», sagt Levrat. Die Schweizer Banken müssten so bei Amtshilfebegehren aus dem Ausland generell Bankkundeninformationen bereits dann liefern, wenn ausländische Steuerbehörden Hinweise auf verdächtige Kontenverbindungen haben. Namen verdächtiger Kontoinhaber müssten nicht mehr geliefert werden. Und mit Sammelanfragen würden die Banken gezwungen, selbst nach Steuersündern zu suchen.

Faktische Aufhebung des Bankgeheimnis
Das Bankgeheimnis wäre gegenüber allen ausländischen und nicht nur amerikanischen Steuerfahndern aufgehoben. Im Interview mit der «SonntagsZeitung» erklärt Levrat: «Wir bieten nicht mehr Hand für eine Politik des Löcherstopfens. Es braucht jetzt eine konsequente Weissgeldstrategie.» Die SP unterstütze kein Flickwerk mehr, mit dem die Schweiz permanent ihre Rechtsordnung verleugne, nur um eine Bank nach der anderen zu schützen, so Levrat weiter.

Für bürgerliche Wirtschaftspolitiker kommt das aber absolut nicht infrage. «Kein Thema», sagt FDP-Nationalrat Ruedi Noser. Auch CVP-Präsident Christophe Darbellay winkt ab: «Die SP macht nur Wahlkampf. Darauf können wir nicht eingehen.» Die SVP ist ohnehin gegen jede Lockerung des Bankgeheimnisses.

USA als Spezialfall
Der Bundesrat würde mit der Aufweichung des Bankgeheimnisses weit weniger weit gehen. Auszüge aus dem Bericht hatte die Zeitung «Sonntag» Ende August veröffentlicht. Mario Tuor vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen sagte damals, der Bericht stelle bloss eine Präzisierung der bisherigen Praxis mit den USA dar. Gruppenanfragen seien auch mit dem «alten DBA» von 1996 möglich gewesen.

Beim Abschluss von neuen Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA sowie verschiedenen weiteren Staaten sei aber nur von Einzelfallgesuchen die Rede gewesen. Deshalb weise der Bundesrat nun mit dem Zusatzbericht auf den Spezialfall USA hin. «Am bisherigen Abkommen ändert sich nichts.»

Gegenüber anderen Staaten, mit denen die Schweiz DBA mit gleichlautenden Bestimmungen ausgehandelt hat, will der Bundesrat hingegen die Auslegung der Arbeiten der OECD zu Gruppenersuchen abwarten.
 

21 Kommentare
Mike Blocher    18:02 Uhr     10 Empfehlungen
Es zeigt sich hier wieder, welche Leute schreiben: Grünschnabel, Dreckschleuder etc. das ist das Vokabular der SVP, um andersdenkende zu verletzen. Ich als eher konservativer Mensch habe einige Achtung bezüglich SP-Vertreter gewonnen. Es waren die Einzigen, die vernünftige Massnahmen bei der Frankenpleite vorgeschlagen haben, die ja weitgehendst übernommen wurden. Also bitte mehr Fairness.

Paul Giger    14:49 Uhr     5 Empfehlungen
Ich habe immer mehr Mühe mit der SP, bei jeder Gelegenheit, werden sie von dert SVP verhöhnt und .trotzdem helfen sie der SVP, dass sie ihre abstrusen Vorstellungen zum Erfolg bringen.Ich zweifle an der SP Führung, die nicht einsehen, dass sie als Kanonenfutter der SVP gebraucht werden. Warum können solche intelligente Leute solche Fehler begehen und ihre Mittglieder falsch beraten?!

Christian Haag    15:52 Uhr     9 Empfehlungen
Würde Sie bitte LEUTE NENNEN, DIE INTELLIGENT SIND?

Hanspeter Zürcher    14:25 Uhr     20 Empfehlungen
Dieser Mann spricht über Sachen, die er und "seine" Susanne Leutenegger Oberholzer überhaupt nicht verstehen. Er ist eigentlich noch gefährlicher als Grübel, denn man stelle sich einmal vor, diese Partei käme in der Schweiz an die Macht. Es genügt schon, wenn die Stadt Zürich, die jahrelang von den Steuern der zwei Grossbanken profitiert hat, politisch in linker Hand ist!

Hans Maag    14:09 Uhr     29 Empfehlungen
Der Grünschnabel sollte sich vermehrt um Sachen kümmern die er versteht.

Nadine Binsberger    12:55 Uhr     120 Empfehlungen
Anhand der Reaktionen der sogenannt bürgerlichen Parteien erkennt man, wes Geistes Kind sie sind. Weiterhin soll ausländischen Vermögenden ermöglicht werden, Steuern zu hinterziehen. Nur wenn eine Supermacht massiv Druck ausübt, gibt man halt nach. Wer kann auf diese "Wirtschaftsleistung" noch aufrichtig stolz sein?

Elisabeth Hasler    13:38 Uhr     23 Empfehlungen
Wir leben nicht auf der Insel der Seligen + haben uns im europ. Umfeld + global zu behaupten, was für eine kleine, sehr offene Volkswirtschaft nicht so einfach ist. In Europa ist das OECD-Musterabkommen in Steuersachen z.Z. Standard. Wir willigten ein, in Steuerangelegenheiten in allen Punkten gemäss diesem Abkommen zu verfahren. Als Nicht-EU-Land lassen wir uns den aIA nicht einfach aufzwingen.

Tom Dubach    12:30 Uhr     85 Empfehlungen
Die SP gibt gerne fremdes Geld aus. Dass dieses zuerst von jemanden erarbeitet werden muss blenden sie sehr gerne aus. Auch wenn der Finanzplatz schwierige Jahre hinter und vor sich hat, so ist es nun mal eine Tatsache, dass diese Branche einiges an Steuern abliefert. Neben den zwei Grossbanken gibt es nämlich noch etwa 318 weitere in der Schweiz!!!

Nadine Binsberger    14:54 Uhr     10 Empfehlungen
@ Dubach 13:40: Das kann ich mir sehr wohl vorstellen. Aber das ursprüngliche Thema Ihres Kommentars 12:30 handelt von denjenigen, die das Geld erarbeiten. Und das sind NICHT die, die "ihr" Vermögen auf der ganzen Welt "diversifizieren" müssen.

Tom Dubach    13:40 Uhr     16 Empfehlungen
Frau Binsberger können Sie sich wirklich nicht vorstellen, dass ausländische Reiche ein Teil ihres Vermögens international diversifizieren möchten und einmal jährlich ein Steuerauszug zugesandt erhalten damit diese Steuererklärung ausfüllen können? Zudem, wie sollen grosse Vermögen in die Schweiz bewegt werden? Transfers hinterlassen IMMER Spuren und grosse Summen Bargeld nimmt keine Bank.

Simon Weber    13:39 Uhr     19 Empfehlungen
Entschuldigen Sie bitte! Wer erarbeitet das Geld? Das Volk! Und nicht eine von 319 Banken! Deshalb Weissgeldstrategie her! So kann niemehr druck ausgeübt werden auf die Schweiz! Und die Schweiz hat es nicht nötig auf Schwarzgeld angewiesen zu sein!

Nadine Binsberger    12:59 Uhr     81 Empfehlungen
@ Dubach 12:30: Ja genau "erarbeitet"! Unser Reichtum wurde erarbeitet von den Lohnabhängigen in den Firmen derjenigen ausländischen Reichen, die dann ihre Einkommens- und Vermögensüberschüsse bei uns vor den Steuerbehörden verstecken. Die "Arbeitenden" in den Herkunftsländern werden dadurch doppelt betrogen. Die SP sorgt dafür, dass dieser Missstand aufhört.

Roger Liechti    12:29 Uhr     127 Empfehlungen
Die SVP sagt zwar immer, sie sei gegen kriminelle Ausländer, aber halt nur dann, wenn wir nicht davon profitieren können. Da ist das gegenteil der Fall, gegen Wirtschaftskriminelle hat die SVP gar nicht.

Marianne Huggenberg    12:26 Uhr     19 Empfehlungen
Endlich wird dieses Thema grundsätzlich angepackt und die Salamitaktik des Bundesrats angezweifelt! Es geht nicht an, dass unsere Banken ausländische Betrüger und deren Geld schützen!

Ernst Dittmar    12:21 Uhr     86 Empfehlungen
Levrat ist ein Nestbeschmutzer, der die für die Schweiz enorm wichtigen Verhandlungen mit den USA stört und damit grossen Schaden anrichtet. Obwohl man eigentlich, um Sozialabbau zu verhindern, SP wählen müsste, macht Levrat das unmöglich. Wer wird schon eine Partei wählen, die die Privatshäre des Bürgers mit Füssen tritt und das Ausland in unseren Banken herumschnüffeln lassen will?

Mark Messier    12:40 Uhr     69 Empfehlungen
Ja es ist besser die Banken wie bisher so weiter machen zu lassen und jedes Mal wenn wieder Dreck ans Tageslicht kommt soll es die Politik pro Fall lösen.

Elisabeth Hasler    11:50 Uhr     21 Empfehlungen
Mit dem Zusatzabkommen im DBA CH-USA vollziehen wir überhaupt keine Praxisänderung, wie von gewissen Parteien behauptet, mit Ausnahme der Gleichstellung STB + schwere STH, die man auch im Inland vornehmen sollte. Die exakt definierten Gruppenanfragen sind im Verkehr mit den USA nichts Neues. Der SP-Vorschlag macht die Türe zu weit auf. Wir sind in Europa nicht gezwungen, über OECD hinauszugehen.

Hans Herbst    11:43 Uhr    106 Empfehlungen
NEIN, Herr Levrat! Die Schweiz ist ein liberales und durch und durch demokratisches Land. Aufgrund unserer Neutralität mischen wir uns nicht in die Angelegenheiten anderer Länder ein. Das bedeutet aber nicht, dass wir bürgerfeindliche Überwachungs-Praktiken anderer Länder aktiv unterstützen müssen. Es gäbe auch andere Wege, um unsere Banken von den schädlichen Schwarzgeld-Praktiken abzubringen.

Marco Schibli    14:54 Uhr     Melden 2 Empfehlungen
@ Klingler    Haha, Finanzierung von Schulen! Teure Armeen und ineffiziente Bürokratien werden damit finanziert, oder weshalb erhebt die Schweiz massiv tiefere Steuern und bietet massiv mehr dafür als andere Länder?

Karl Klingler    12:01 Uhr     Melden 19 Empfehlungen
Herr Herbst, solange Sie tolerieren, dass die CH-Banken unversteuertes Geld annehmen, dann akzeptieren Sie dass diese Steuern irgendwo fehlen (z.B. zur Finanzierung von Schulen etc.). Da können Sie lange mit "Neutralität" argumentieren, Sie mischen sich trotzdem in die Angelegenheit anderer Länder ein.

Christian Haag    11:38 Uhr     135 Empfehlungen
Die SP macht wieder auf Gleichmacherei! Die Schweiz kann mit verschiedenen Staaten auch verschiedene Abkommen haben, und zwar in allen möglichen Angelegenheiten. SP = Partei der ewigen Verhinderer und Querulanten.
Und wenn Herr Levrat ein weissen Hemd trägt heisst das noch lange nicht, dass er eine weisse Weste hat.


Kommentar
Neue Zürcher Zeitung    19. September 2011

Vor heiklem Entscheid im Steuerstreit mit den USA
Wirtschaftskommission des Nationalrats debattiert über Ausdehnung der Amtshilfe
Hansueli Schöchli

Das Parlament tut sich schwer mit der Lösungssuche im Steuerstreit mit den USA. Die bundesrätliche Interpretation des Doppelbesteuerungsabkommens ist umstritten. Die Wirtschaftskommission des Nationalrats liefert am Montag ein Stimmungsbild.
hus. Bern - Gerade noch rechtzeitig vor der parlamentarischen Ausmarchung um die Interpretation des neuen Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) Schweiz - USA hat die Kunde über einen Verhandlungsfortschritt im Steuerkonflikt Bundesbern erreicht. Demnach sind die US-Behörden im Prinzip zu einer Lösung im vorgesehenen Rechtsrahmen (mit regulären Amtshilfegesuchen und einer Globallösung) bereit (NZZ 16. 9. und 17. 9. 11). Doch für diesen Fortschritt hat der Bundesrat zwei umstrittene Konzessionen gemacht: Die US-Justiz forderte bezüglich Lieferung von Bankkundendaten zunächst eine Garantie über die Anzahl erfasster Kunden und das Vermögensvolumen. Da Garantien aus Sicht des Schweizer Rechts nicht möglich sind (betroffene Kunden müssen Rekursmöglichkeiten haben), bot die Schweiz die Lieferung statistischer Daten an, um den US-Behörden eine Vorstellung von den Grössenordnungen zu geben. Die US-Forderungen waren in der Folge sehr detailliert, ein erheblicher Teil davon wurde erfüllt. Die Schweiz hat damit formell ihr eigenes Recht nicht gebrochen, doch es entspricht nicht dem Geist internationaler Amtshilfegesuche, dass die Schweiz dem Partnerstaat zuerst das Material liefert, auf dessen Basis dann das Amtshilfegesuch erfolgt. Das Bundesverwaltungsgericht hat für das noch geltende DBA die Möglichkeit von Gruppenanfragen auf Basis von Verhaltensmustern (ohne Identifikation jeder Einzelperson) zugelassen. Der Bundesrat will nun diese Möglichkeit quasi im Nachhinein noch ins neue DBA «hinüberretten». Weder in früheren Verlautbarungen des Bundesrates noch in den Diskussionsunterlagen des US-Senats ist klar ersichtlich, dass Gruppenanfragen auch im neuen DBA von Anfang an vorgesehen waren. Die zurzeit geltenden OECD-Standards schreiben die Zulassung von Gruppenanfragen (noch) nicht vor.

Die Mitte soll es richten
Das Parlament wird in der Herbstsession über die Ausdehnung des DBA Schweiz - USA auf Gruppenanfragen befinden können. Die SP ist grundsätzlich für jede Schwächung des Bankgeheimnisses, will aber wie schon beim UBS-Staatsvertrag die mehr lösungsorientierten Mitteparteien mit Zusatzforderungen erpressen. Das SP-Motto hier: Man sei nur für den Bundesratskurs, wenn die Option Gruppenanfrage rasch auch auf alle anderen Länder ausgedehnt werde. Die SVP sieht grundsätzlich (wenn auch nicht ganz einheitlich) jede Aufweichung des Bankgeheimnisses kritisch. Am Ende dürfte es wie so oft vor allem auf die Mitteparteien FDP und CVP ankommen. Deren Exponenten haben sich zum Teil schon vorbeugend skeptisch verlauten lassen.

Für die Mitteparteien dürften vor allem drei Überlegungen eine wichtige Rolle spielen. Zum Ersten haben manche Exponenten die Nase voll davon, ständig die Kastanien für die Banken aus dem Feuer holen zu müssen und dabei von den USA mit Drohungen erpresst zu werden. Gegen eine weiche Haltung sprechen auch wahltaktische Überlegungen: Markige Voten des Widerstands gegen ausländische Forderungen kommen in der Regel im (bürgerlichen) Wahlvolk gut an. Das Hauptargument für die sofortige Zulassung von Gruppenanfragen ist derweil, dass damit ein Deal mit den USA möglich und das Schlimmste verhindert wird.

Der schlimmste Fall hätte zwei Varianten. Die eine davon wäre ein neuerlicher Staatsvertrag à la UBS mit klarem Rechtsbruch. Die zweite Variante wäre die standfeste Erduldung von US-Strafklagen gegen Schweizer Banken (zuerst gegen kleinere, später vielleicht gegen grössere). Die Wahrscheinlichkeit einer Strafklage gegen die auch in den USA systemrelevante Credit Suisse ist zwar eher gering; sie liegt vielleicht bei 5 bis 20 Prozent. Doch sie ist gross genug, um den CS-Verwaltungsräten schlaflose Nächte zu bescheren, und sollte auch den Bundesrat sowie die Aufsichtsbehörden zu Notfallplanungen inspirieren. Zum Teil gehen Politiker davon aus, dass die CS eine Strafklage überstehen könnte – was möglich ist, aber nicht sicher. Die Risiken wären gross.

Wer sagt hier «Fischzug»?
Die Option von Gruppenanfragen wird aller Voraussicht nach ohnehin bald OECD-Standard sein – vielleicht ab 2013, aber zu spät für das brennende US-Dossier. Die Schweiz wird sich angesichts der machtpolitischen Realitäten in der OECD kaum dagegen sperren können. Ein Schweizer Abwehrkampf würde auch aus der Optik der oft verkündeten «Weissgeldstrategie» wohl nicht allzu viel Sinn haben. «Fischzüge» sind gemäss OECD- und DBA-Standards weiterhin verpönt. Die Definition von «Fischzug» (grob: Massenanfragen ohne konkrete Verdachtsmomente) ist allerdings flexibel – und hat sich über die Jahre auch eher verengt. Gruppenanfragen kommen tendenziell in die Nähe von Fischzügen, doch es lässt sich trefflich darüber streiten, ob diese mit Fischzügen identisch sind. Die OECD-Dokumente lassen kein klares Urteil zu.

Das Konstrukt, mit dem der Bundesrat die Gruppenanfrage ins neue DBA hinüberretten will, ist kurios. Der vorgeschlagene Ergänzungsbeschluss zum DBA fordert ausdrücklich eine Identifizierung der steuerpflichtigen Personen (wenn auch nicht unbedingt mit Namen), während ein Zusatzbericht des Bundesrates das Gegenteil erklärt. Dies hat einzelne Parlamentarier zur Idee inspiriert, die Option Gruppenanfrage zwar nicht formell abzulehnen, aber die vom Bundesrat vorgeschlagene Ergänzung im Ingress des Beschlusses («nach Einsicht in den Zusatzbericht») zu streichen. Damit könnte sich das Parlament vor einer klaren Stellungnahme drücken, würde jedoch Rechtsunsicherheit und ein Einfallstor für künftige Klagen betroffener Bankkunden schaffen.

Die Grenze zwischen «Bananenrepublik» und «Pragmatismus» ist fliessend. Ein Staatsvertrag à la UBS wäre klar dem Ersteren zuzuweisen. Mit den Lieferungen statistischer Daten und der nachträglichen Zulassung von Gruppenanfragen reizt der Bundesrat den Spielraum des Pragmatismus bis zur Schmerzgrenze aus – wenn nicht darüber hinaus. Letztlich hat das Parlament zu entscheiden, ob es dies im Interesse einer Globallösung schlucken oder das erhebliche Risiko von US-Klageeskalationen in Kauf nehmen will.

1 Kommentar
Anton Keller (19. September 2011, 21:09)
Frei nur bleibt wer seine Freiheit gebraucht!
Bei der Abwägung der auf dem Spiel stehenden Güter ist es angezeigt, die Drohgebärden ambitiöser & oft eigenmächtig handelnder US-Machthaber nie zum Nennwert zu nehmen. Die Giulianis (Marc Rich), Espinozas (Polanski), etc mussten meist das Segel streichen wenn die Schweiz prinzipientreu & standhaft ihren Rechtsstandpunkt vertrat & ihre Waffen kompetent einsetzte (www.solami.com/abwehr.htm). Blauäugige Bücklinge waren dagegen stets Einladungen für noch mehr Zumutungen seitens unserer US “Freunde”.
Bisher zuwenig erwogen sind Rufschäden für vergangene & von falschen Bannerträgern erneut geforderte “Befreiungsschläge”, lies Rechtsbeugungen, Kundenverrat, etc. Aber auch opportunity costs für andauernd missachtete Gelegenheiten – hier, in der OECD & anderswo – zum Ersatz der Lex Americana (QI, Fatca, etc) mit einer wegweisenden & zukunftsträchtigeren Lex Helvetica: ja zur Abkehr vom gläsernen Bürger & zur Stärkung des realen Privatsphärenschutzes.


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Tages-Anzeiger    22.09.2011

Aktennotiz mit geheimen Details zeigt Zugeständnisse an die USA
Von Christian Brönnimann, David Vonplon und Arthur Rutishauser.

Jetzt wird klar, weshalb der Bundesrat lieber eine Niederlage im Parlament riskierte, als vor den Wahlen Details über den neuen Steuerdeal mit den USA bekannt zu geben.

Der Hauptgrund für die Verschiebung der Ständeratsdebatte über den US-Steuerstreit: Es sind zu wenig Informationen erhältlich über den genauen Inhalt der Vereinbarung, die Staatssekretär Michael Ambühl mit den Amerikanern abschliessen will. Eine Aktennotiz, die dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, zeigt, was bisher vereinbart wurde und was der ominöse «Zusatzbericht zum DBA-USA 2009» eigentlich soll. Gemäss Einschätzung der Zürcher Anwaltskanzlei Homburger, die die Aktennotiz im Auftrag des Bundes verfassten, könnten zukünftig bei Steuerhinterziehung Gruppenanfragen zugelassen werden, wenn die Amerikaner

a) darlegen, warum die verlangten Informationen für die Steuerbehörden nötig sind, b) eine detaillierte Umschreibung des Verhaltensmusters liefern, c) erklären, weshalb davon auszugehen ist, dass die betroffenen Personen, ... , ihren gesetzlichen Verpflichtungen nicht nachgekommen sind, sowie d) ein aktives schuldhaftes Verhalten des Informationsinhabers oder seines Mitarbeiters glaubhaft machen.

Gemäss Kanzlei Homburger ist Punkt a) eine Selbstverständlichkeit. Bei den Punkten b) und c) berufen sich die Anwälte auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom März 2009. Demnach genüge es für einen Verdacht zur Steuerhinterziehung, dass die Kunden ihrer Bank kein Steuerdeklarationsformular (W9) vorgelegt haben. Einziger Knackpunkt ist der Punkt d). Dies deshalb, weil in der Schweiz keine Bank dazu verpflichtet ist, die Steuerdaten der Kunden zu überprüfen. Trotzdem geht in der Schweizer Verhandlungsdelegation wie auch bei den Banken niemand davon aus, dass daran die Auslieferung von Daten scheitert. Der Grund: Die Banken werden sich nicht wehren, und kein Kunde kann der Bank nachweisen, dass sie sich immer korrekt verhalten hat.

Welche Kategorien von Bankkunden man den Amerikanern genau ausliefern will, das geht aus einem Schreiben von Ambühl an die Banken hervor (siehe Ausriss). Demnach hat man den Amerikanern bereits am 8. September Daten geliefert. Gemäss der Aufschlüsselung der Anfrage, die dem TA vorliegt, geht es dabei um die Anzahl von Kunden, die kein W9 ausgefüllt haben (1A), und um jene, die eine Scheingesellschaft oder eine Stiftung gegründet haben (1B). Bei den Daten, die heute geliefert werden sollen, geht es um Unterkategorien der Stiftungen und Scheingesellschaften, die den Verdacht auf Steuerbetrug nahelegen. Das heisst etwa, dass der Namen des wirtschaftlich Berechtigten im Geldwäschereiformular nicht mit dem Namen übereinstimmt, der offiziell den Behörden weitergeleitet wurde.

Alle Anfragen betreffen US-Kunden, die über 50 000 Franken auf einem Schweizer Konto hatten. Die bereits gelieferten Angaben ermöglichen es den Amerikanern, Kundendaten ab September 2009 zu erhalten. Die für heute zusätzlich verlangten Daten erlauben eine Ausweitung auf die Zeit vor 2009, als Steuerhinterziehung noch unter das Bankgeheimnis fiel. (ar)


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Basler Zeitung   24.September 2011

Amerika will das Schweizer Bankgeheimnis brechen. Der Bundesrat taumelt.
Wir sind nicht der Irak
Von Markus Somm

Lassen sich die Schweizer Banken von den USA demontieren? BaZ-Chefredaktor Markus Somm warnt vor der Auflösung des Bankgeheimnisses. Bild: Keystone

Es war einmal ein Land, das war reich, weil seine Einwohner tüchtig waren und viel und gern arbeiteten, doch das Land war auch reich, weil es über einzigartige politische Einrichtungen verfügte, die es daran hinderten, viele Fehler zu begehen, die anderen Ländern, die politisch weniger glücklich ausgestattet waren, immerzu widerfuhren. Dieses Land hiess Schweizerische Eidgenossenschaft. An Kriegen nahm es fast grundsätzlich nicht teil – aus glücklicher Fügung zum Teil, aber auch, weil nirgendwo die sogenannten mächtigen Leute und Familien so wenig Macht hatten wie hier in den Hügeln und engen Tälern und weil es politisch so schwer gewesen wäre, einen Kriegseintritt einem so kuriosen Volk abzuringen, das sich vorbehielt, über jede neue Turnhalle und jede Strassenverlängerung abzustimmen, aber eben auch über so grosse Fragen wie Krieg und Frieden.

Ohnmacht der Mächtigen
Wäre es nach manchem hohen Offizier der Schweizer Armee gegangen, hätte die Schweiz womöglich am Ersten Weltkrieg teilgenommen: an der Seite des vermeintlichen Siegers, des Deutschen Reichs, das diese Offiziere damals so sehr bewunderten, dass sie gerne im Vorbeigehen die deutschen Cousins unterstützt hätten, indem sie aus dem Jura heraus gegen Westen geschossen hätten oder aus dem Puschlav nach Italien eingefallen wären. Eidgenössischer Imperialismus. Als man vor dem Ersten Weltkrieg die Bernina-Linie, diese malerische Bahn, nach Tirano baute, war dies nicht zuletzt auch aus militärischen Überlegungen geschehen. Man konnte nie wissen. Der Nachschub sollte sichergestellt sein. Wer weiss, vielleicht hätte man so das schöne Veltlin mit seinen lieblichen Weinen gewonnen oder die andere, französische Seite des Genfersees – hätte Deutschland den Krieg für sich entschieden. Es kam anders. Und die Schweiz, die neutral geblieben war, befand sich nach dem Krieg in der beneidenswerten Lage, dass keine Revolution drohte und der Staat nicht bankrott war. Unseren Nachbarn dagegen, den Deutschen und den Franzosen, ging es schlecht. Die Inflation, welche die deutsche Regierung mutwillig zuliess, ja beförderte, um die Kriegsschulden so zu vernichten, frass das Vermögen des deutschen Mittelstandes weg – während in Frankreich die Herrschenden immerfort die Steuern erhöhten, um für den Krieg zu bezahlen, aber auch, um ein Kolonialreich zu finanzieren, das niemandem etwas brachte ausser einigen Beamten und Offizieren ein interessantes Leben in Nordafrika oder Indochina. Man hatte sich zu Tode gesiegt.

In dieser schweren Zeit, als viele europäische Politiker ihre Bürger um deren Ersparnisse betrogen, wurde die Schweiz zum Hort für alle, die ihr Geld vor diesen wohlmeinenden Räubern retten wollten. Reiche Deutsche, vermögende Franzosen, ruinierte Österreicher, vertriebene Russen: Sie alle trugen ihr Geld nach Genf, Zürich und Basel, eröffneten hier ein stilles Konto und hofften, dass sich die Verhältnisse besserten. In dieser düsteren Zeit entstand das Bankgeheimnis. Zwar war es als Praxis älter – schon die Genfer Privatbankiers des 18. Jahrhunderts hatten die Diskretion erfunden, aber jetzt wandelte es sich zum komparativen Vorteil des schweizerischen Finanzplatzes, um das die Schweizer Banken von den übrigen Bankiers dieser Welt beneidet wurden, auch wenn diese das nie verrieten.

1934 wurde das Bankgeheimnis gesetzlich geschützt, nachdem französische Steuerfahnder versucht hatten, Schweizer Bankangestellte zu bestechen, um an die Daten von Steuerflüchtlingen zu gelangen. Seither blieb ein Konto in der Schweiz für alle Ewigkeit verschlossen – und der Bankier, der es verwaltete, schwieg wie ein Grab. Bis vor zwei Jahren.

Diese Vorgeschichte muss kennen, wer sich mit dem gegenwärtigen, rasch eskalierenden Streit zwischen den USA und der Schweiz befasst. Seit gut zwei Jahren versucht die amerikanische Regierung, unser Land und unsere Banken in die Defensive zu drängen, um an die Daten amerikanischer Bürger zu kommen, die hier ihr Geld vor dem Fiskus ihres Landes versteckt haben. In den vergangenen Wochen hat sich die Auseinandersetzung erneut zugespitzt: Nachdem zuerst die UBS angegriffen worden war, richtet sich nun der Furor der Amerikaner auch gegen die zweite Grossbank, die Credit Suisse, sowie weitere Schweizer Finanzinstitute, wie unter anderen die Basler Kantonalbank.

Ihnen wird vorgeworfen, im gleichen Stil wie die UBS amerikanischen Steuerhinterziehern geholfen zu haben. Geben die Schweizer ihre Kunden nicht preis, drohen die USA, die Schweizer Bankiers zu verklagen. Um ihr Ziel zu erreichen, schrecken die Amerikaner vor keiner Drohung zurück, vor keiner Erpressung, vor keinem Trick. Zu Recht? Haben unsere Bankiers versagt?

Geldrausch in Washington
Eine Klarstellung. Auch wenn die halbe Welt uns dies einreden möchte: Vor dem Hintergrund unserer Geschichte gibt es keinen Grund, dass sich die Schweizer für ihr Bankgeheimnis schämen müssten. Im Gegenteil. Was ein paar ausländische Politiker für eine perfide Geschäftsidee halten, ist Ausdruck eines Staatsverständnisses, das dafür gesorgt hat, dass wir heute eben nicht unter den gleichen Schuldenbillionen ächzen wie unsere Nachbarn oder unsere einstigen Freunde auf der anderen Seite des Atlantiks. Niemand hat die Amerikaner gezwungen, einen Sozialstaat aufzubauen, den sie nicht mehr bezahlen können, und niemand hat sie dazu genötigt, im Nahen Osten zwei Kriege zu führen, die wenig gebracht, aber viel gekostet haben.

Weil die Schweizer ihre Politiker immer noch am besten davon abhalten können, im Namen des Allgemeinwohls Dinge zu tun, die nur ihnen Freude bereiten, aber niemandem sonst, ist unser Land nicht dermassen verschuldet. Weil hier die Bürger die Steuern und die Ausgaben direkter kontrollieren, müssen Schweizer Politiker nicht in andere Länder fahren auf der Suche nach Geld. Gewiss, auch in der Schweiz werden Steuern hinterzogen, aber offensichtlich nie in dem Ausmass wie in anderen Ländern. Das Bankgeheimnis – es mag so kitschig klingen, wie es will – ist Ausdruck unserer Freiheit als Bürger. Der Staat hat nicht alles zu wissen – und nichts macht den Bürger freier als eigenes Geld. Gerade die Amerikaner, die ihre Unabhängigkeit dank einer Steuerrevolte errungen haben, müssten das wissen.

Vor dem Untergang
Es war einmal ein Land, das war reich. Die Vergangenheitsform dürfte bald zutreffen, sollte sich der Schweizer Bundesrat den USA gegenüber weiter so willfährig, so schwach, so panisch verhalten. Seit gut zwei Jahren, man kann es nicht anders formulieren, hat unsere Regierung alles getan, um eine der wichtigsten Branchen des Landes zu zertrümmern. Nie zuvor war das Bankgeheimnis so gefährdet. Und machen wir uns nichts vor: Zur grössten Vermögensverwalterin der Welt ist die Schweiz nicht geworden, weil unsere Bankiers so gut rechnen können, sondern dank dem dichtesten Bankgeheimnis des Planeten. Oft erhält man den Eindruck, selbst die Bevölkerung ist sich nicht mehr bewusst, was auf dem Spiel steht. In den Jahren 1990 bis 2009 erzeugte der Finanzsektor fast einen Drittel des gesamtwirtschaftlichen Wachstums der Schweiz. Ohne Finanzplatz verarmen so reiche Kantone wie Zürich, Genf oder Zug.

Auch Basel verfügt nach wie vor über den viertwichtigsten Bankensektor des Landes. Tausende von Arbeitsplätzen stehen zur Disposition, sollten die Schweizer Politiker zulassen, dass die Politiker der USA oder Englands oder Frankreichs, die allesamt ihre Staatsfinanzen nicht mehr im Griff haben, ihre Bürger bis in die Schweiz verfolgen, um Geld einzutreiben. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ob sich diese Länder verschulden, ob sie hohe Steuern ansetzen oder unsinnige Gesetze machen – das geht uns nichts an. Ebenso ist Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Doch dafür ist im Fall ausländischer Staatsbürger nicht die Eidgenossenschaft zuständig – auch nicht deren Banken. Es darf nicht sein, dass die Schweiz ihre Gesetze beugt, um Politikern zu helfen, die sich nicht mehr anders zu helfen wissen.

Diese Woche hat es der Ständerat zu Recht abgelehnt, schon jetzt ein Zusatzprotokoll zum bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen zu beschliessen, das faktisch das Bankgeheimnis für amerikanische Kunden abgeschafft hätte – rückwirkend. Es ist höchste Zeit, dass die Schweiz den USA klar macht, dass wir nicht der Irak sind.

82 Kommentare
Anton Keller (25.September 2011, 15:07)
Gut getickt, Markus Somm. Sagt mir nun wann und wo sich das Fähnlein der sieben Aufrechten einstellt, und ich sag' Euch, wo welches Pulver noch im Trockenen liegt - hier die Adresse falls der Zensurvogt gerade beim Café ist: www.solami.com/Kundenschutz.htm, und hier für Eure Antwort: swissbit@solami.com

Anton Keller (26.September 2011, 23:20)
Das kommt von der abartigen Banken-Mutation vom Kundentreuhänder zum Agenten fremder Steuervögte, vorgespurt durch BR Villgers QI-Fehler (271 StGB-Suspendierung: www.solami.com/QI.htm#STAMM), der dem UBS-Debakel in den USA zugrunde liegt & mit FATCA global seinen Schadenlauf nehmen soll. Schwarzfahrende Weissgeld-Pharisäer & kuschelnde Bundesräte sind auch kein Erfolgsmodell (…/bankingfuture.htm).




NZZ am Sonntag    25. September 2011,

Schweizer Banken erfüllen neues Ultimatum aus Washington
Zehn Schweizer Banken müssen statistische Angaben noch einmal präzisieren
Sebastian Bräuer

Die USA haben noch präzisere Informationen über den Schweizer Bankensektor erhalten – und halten jetzt im Steuerstreit alle Trümpfe in der Hand.
Die zehn im Visier der amerikanischen Justiz stehenden Banken haben erneut in letzter Minute auf ein Ultimatum aus Washington reagiert. Sie waren aufgefordert worden, bis am vergangenen Donnerstag die Anfang des Monats übermittelten statistischen Informationen über ihr Geschäft mit US-Kunden noch einmal zu präzisieren.

Alle betroffenen Institute sind der Aufforderung nachgekommen. Die Kunden wurden zwar weiterhin nicht namentlich genannt, aber wunschgemäss in juristisch relevante Kategorien eingeteilt. Das Justizministerium der Obama-Regierung weiss nun, wie viele der Kontobesitzer innerhalb und ausserhalb der USA lebten und wie viele von ihnen Geld in US-Wertschriften investiert hatten. Es kennt die Zahl derer, die ihre Anlage nicht offiziell über das Formular «W9» deklariert hatten, das bei bestimmten Investitionen obligatorisch gewesen wäre. Beim Umfang der angelegten Gelder bestand Washington auf einer Einteilung in vier Kategorien: Kunden mit Anlagen von mehr als 1 Million Dollar, von 500 000 bis 1 Million, von 100 000 bis 500 000 sowie von 50 000 bis 100 000 Dollar.

Bis zuletzt bestand zwischen den Banken und dem Staatssekretariat für Internationale Finanzfragen (SIF) keine Einigkeit über das Vorgehen. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass die Credit Suisse bereits Anfang der Woche Fakten geschaffen und die Daten geliefert hatte. Am Donnerstagmittag, wenige Stunden vor Ablauf der Frist, kam es zu einer Krisensitzung in Bern. Die anwesenden Juristen der neun weiteren Institute und Staatssekretär Michael Ambühl einigten sich auf eine koordinierte Reaktion. Die Idee, den in harschem Tonfall formulierten Forderungskatalog aus Washington diesmal nicht zu erfüllen und Klagen gegen Banken zu riskieren, war damit vom Tisch. Mehrere Personen im Umfeld der betroffenen Banken haben diesen Ablauf gegenüber der «NZZ am Sonntag» übereinstimmend beschrieben, Ambühls Sprecher wollte das Treffen dagegen nicht bestätigen.

Dank den Informationen hat die amerikanische Regierung spätestens jetzt alle Möglichkeiten, fundiert begründete Amtshilfegesuche einzureichen, um die Namen potenzieller Steuersünder zu erhalten. Beobachter erwarten diesen Schritt in naher Zukunft. «Die Banken sind jetzt abhängig vom Verhalten der Amerikaner», sagt Philippe Zimmermann, Partner beim Wirtschaftsprüfer Ernst & Young. «Ich gehe davon aus, dass die USA Amtshilfegesuche stellen werden.» Ein Geschäftsleitungsmitglied einer Privatbank vermutet, dass sich Bern schon in der kommenden Woche mit einem solchen Gesuch konfrontiert sehen könnte.

In diesem Fall entstünde eine heikle Situation. Der Ständerat hatte am Mittwoch entschieden, die Debatte über den Umgang mit Gruppenanfragen bei Verdacht auf Steuerhinterziehung in die Wintersession zu verschieben. Der Vorschlag Ambühls, das Doppelbesteuerungsabkommen von 2009 mit einer entsprechenden Zusatzerklärung zu präzisieren, war in Washington auf Wohlwollen gestossen – doch jetzt vergehen noch mehrere Monate, bis das Parlament über den Schritt abstimmt.

Beobachter in beiden Ländern äussern erhebliche Zweifel, dass die USA bereit sind, so lange zu warten. «Die Ungeduld wächst», sagt der ehemalige Staatsanwalt Jeffrey Neiman, einer der Hauptakteure im UBS-Steuerstreit.

Staatssekretär Ambühl wird in den kommenden Wochen den Dialog mit seinen Verhandlungspartnern in Washington fortsetzen. Sollte er sie nicht lange genug vertrösten können, wären Klagen gegen Schweizer Banken der logische nächste Schritt. Das Eidgenössische Finanzdepartement hatte das Parlament am Montag in einem Schreiben eindringlich gebeten, dieses Risiko nicht in Kauf zu nehmen: «Damit die gefundenen Lösungsansätze mit den US-Behörden rasch ausgehandelt werden können und eine (weitere) Eskalation der US-Justizbehörden gegen einzelne Banken vermieden werden kann, braucht es den Beschluss (. . .) in der laufenden Session.» Andernfalls könnten die USA den Lösungswillen der Schweiz in Frage stellen. Der Appell blieb vergeblich.


Leserkommentare
Neue Zürcher Zeitung    26. September 2011,

Es braucht eine scharfe Gangart
Unerledigte Hausaufgaben der UBS nach Oswald Grübels Rücktritt – Kommentar
Werner Enz

Die Weiterentwicklung der UBS-Konzernstrategie sollte nicht primär beim interimistisch gewählten operativen Chef liegen, sondern beim Verwaltungsrat. Der Generationenwechsel im Präsidium der Bank geschieht mit Vorteil bald.
Oswald Grübel hat das Ergebnis der Untersuchung zum Handelsverlust in London nicht abwarten wollen und seinen Rücktritt mit dem einleuchtenden Argument begründet, einen solchen Fehler könne er niemandem erklären. Der vor zweieinhalb Jahren aus dem vorzeitigen Ruhestand zur UBS geholte Banker zeigt nach dem Rückschlag Grösse; er räumt gegen den Wunsch des Verwaltungsrates, jedenfalls des Verwaltungsratspräsidenten, den Platz. Obschon der Abgang unschön ist und das Ziel eines Turnaround, wie er Grübel seinerzeit als Chef Credit Suisse noch gelungen war, verfehlt wird, ist doch einiges erreicht worden. Grübel hat die UBS aus der Gefahrenzone gelotst, den bedrohlichen Abfluss von Kundengeldern gestoppt, und vor allem hat er die Grossbank – das dritte Quartal ist ein Ausreisser – in die Gewinnzone geführt.

Zum Vermächtnis aus der Ära Grübel gehört aber auch ein viel Zeit und Energie kostendes Hoch- und Herunterfahren des Investment Banking. Grübels öffentliche Kritik an der Too-big-to-fail-Vorlage und seine Einwände gegen die Euro-Wechselkurs-Untergrenze wurden so interpretiert, dass seine Bereitschaft zur Anpassung an verschärfte Kapitalvorschriften minim sei. Tatsächlich ist die «alte Welt des Banking», wie sie noch vor der Subprime-Krise galt, längst passé. Obschon just dieser Tage in Singapur die integrierte Bank, also das Zusammenspiel von Wealth und Asset Management mit einer Investmentbank, nochmals beschworen worden ist, sind auf letztgenanntem Geschäftsfeld Hausaufgaben nun beschleunigt zu lösen.

Zunächst ist es unabdingbar, in einer internen Untersuchung zügig und restlos zu klären, wie der Händler Kweku Adoboli mit fingierten Absicherungs-Kontrakten seinen Vorgesetzten und die internen Kontrollsysteme monatelang überlisten konnte. Ohne die lückenlose Rekonstruktion der Transaktionen auf dem Desk «Delta One» kann die Führung unter Sergio Ermotti nicht sicher sein, in Neuauflage ein ähnliches Malheur verhindern zu können. So kann auch kein Vertrauen entstehen. Es hält sich vorderhand der Eindruck, die UBS sei im Eigenhandel allen Lippenbekenntnissen zum Trotz eine Spielwiese für Investmentbanker, die ihre Boni maximieren. Je nach Ausgang der Untersuchungen sind Sanktionen fällig, denn Grübel kann mit seiner Demission nicht einfach das Fehlverhalten von Untergebenen tilgen. Der Sitz von Carsten Kengeter als Chef des Investment Banking wackelt. Falls der vom UBS-Verwaltungsrat versprochene Kulturwandel greifen soll, müssen zügig störende Restanzen aus der Ära Grübel erledigt werden. Es geht nicht an, dass der Chef des Investment Banking mehr verdient als der CEO. Das ist, auch gemessen am Vollbrachten, genau das falsche Signal.

Die sich rasch eintrübenden Marktaussichten, auch die Gefahr einer die Banken im Mark treffenden Euro-Krise, rufen nach erhöhter Wachsamkeit. Die operativen Geschäfte werden den interimistisch gewählten Ermotti, der sich auch Gedanken um eine Erneuerung der Konzernleitung machen muss, stark fordern. Auch vor diesem Hintergrund kann es nicht genügen, die Weiterentwicklung der UBS-Konzernstrategie primär in die Hände des operativen Chefs zu legen. Der Verwaltungsrat ist gefordert, er muss in Anpassung an das Marktumfeld und die regulatorischen Auflagen, aber auch die (beschränkten) Kapitalressourcen der Bank definieren, aus welchen Geschäftsfeldern der Rückzug – und dies rasch – geboten ist.

Im Wissen darum, dass Grübel eine Lücke hinterlässt, stellt sich in einem sich sichtlich verschlechternden Umfeld die Frage, ob das Revirement im Verwaltungsrat schnell genug vorankommt. Wenn Axel Weber, der designierte Verwaltungsratspräsident, jetzt im Status eines Beraters an der Suche und Evaluation von CEO-Kandidaten beteiligt ist, enthält das einen guten Schuss Pragmatik. Dazu würde aber auch passen, dass Weber mit dem neuen CEO – Ermotti hat durchaus gute Karten – rasch in Kooperation durchstarten könnte. Was für 2013 angedacht ist, der Generationenwechsel im Verwaltungsratspräsidium, geschieht mit Vorteil schon 2012.

6 Leserkommentare
Anton Keller (26. September 2011, 12:40)    Der Wurm sitzt tiefer
Grübels Glanzleistungen, Stamina & Verantwortungssinn in Ehren (abgesehen von den schon anlässlich der SBV/SBG-Fusion gegeisselten 15+% ROI-Zielen: www.solami.com /ubs.htm#Titanic). Bleibt die abartige Mutation vom Kundentreuhänder zum Agenten fremder Steuervögte, vorgespurt durch BR Villgers QI-Fehler (271 StGB-Suspendierung: …/QI.htm#STAMM), der dem UBS-Debakel in den USA zugrunde liegt und mit FATCA global seinen Schadenlauf nehmen soll. Schwarzfahrende Weissgeld-Pharisäer sind ohnehin kein Erfolgsmodell. Dies umso weniger als die in Grossfirmen & Behörden beobachtete schadenträchtige Abgehobenheit, Fehler-Uneinsichtigkeit & Compliance-Mentalität überhandnehmen (…/bankingfuture.htm). Zudem: wie soll ein zukünftiger Whistleblower das Management vor Internagefahren warnen können, wenn man selbst als UBS-Stakeholder & -Aktionär für Problemlösungen beim UBS-VR abgewimmelt und gar zum Sicherheitsdienst umgeleitet wird? Ist Weber wirklich der Mann für den Job?




Zeitfragen    3.Oktober 2011

Monetative – eine monetäre Modernisierung
Eine Volksinitiative will die Vollgeldreform
von Dr. rer. publ. Werner Wüthrich

Wer sind die Initianten? – Der Verein «Monetäre Modernisierung» (MoMo) ist vor kurzem gegründet worden. Er besteht zum Teil aus Mitgliedern der INWO, der Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung, Schweiz. Diese Organisation hat ihre Wurzeln in der Freiwirtschaftsbewegung, die 1915 von Silvio Gesell initiiert wurde. Dazu einige wenige Merkpunkte, die für das Folgende von Bedeutung sind: 1924 bildete sich der Schweizerische Freiwirtschaftsbund. Daraus entstand 1946 die Liberal-sozialistische Partei, die über lange Zeit Vertreter sowohl im National- als auch im Ständerat hatte. 1990 wurde die Partei aufgelöst. Aus diesem Umfeld wurde die INWO Schweiz gegründet. Ihre ungefähr 300 Mitglieder verstehen sich als unabhängige Nichtregierungsorganisation (NGO), die auf die geld- und bodenrechtlichen Ursachen der heutigen Fehlentwicklungen, wie zum Beispiel der Bankenkrise, aufmerksam machen und Alternativen aufzeigen.

Die INWO diskutiert seit längerer Zeit über eine Volksinitiative zur Reform des Geldwesens. Mit der Gründung des neuen Vereins «Monetäre Modernisierung» ist der Personenkreis wesentlich erweitert worden – unter anderem auch mit Politikern aus den Reihen der SVP und der FDP.
Der Verein verfügt über einen wissenschaftlichen Beirat. Dazu gehören: Prof. Philippe Mastronardi (Universität St.Gallen), Prof. Josef Huber (Universität Halle, Deutschland), Prof.?em. Hans Christoph Binswanger, Dr. Peter Hablützel, Prof.?em. Peter Ulrich, Prof. Heinrich Bortis. Prof. Huber hat mit seinem Buch, «Das Geldwesen in öffentliche Hand», den theoretischen Rahmen für die beginnende Diskussion gezeichnet.
Was wollen die Initianten? Sie haben im Mai dieses Jahres in Winterthur zu einer zweitägigen Tagung zum Thema «Schweizer Vollgeldreform» eingeladen und einen provisorischen Initiativtext vorgestellt. In den folgenden Zeilen sollen die groben Konturen ihres Projektes skizziert werden.
Umbau der Schweizerischen Nationalbank
Das Geldwesen soll neu als «Service public» ausgestaltet werden. Dazu soll die Schweizerische Nationalbank gestärkt, zu einer sogenannten «Monetative» umgebaut und zur Vierten Gewalt im Staate werden – in Ergänzung zu Exekutive, Legislative und Judikative. Nach den Ausführungen von Prof. Mastronardi wäre dieser Umbau ohne grössere Schwierigkeiten durchzuführen: «Die privaten Aktionäre der Nationalbank haben schon heute nicht viel zu sagen. Wir sind in der glücklichen Lage, eine fast autonome Zentralbank zu haben, die eigentlich staatlich ist. Sie ist zwar eine Aktien­gesellschaft, aber man könnte sie – wie ich es vorgeschlagen habe – ohne weiteres in eine öffentlich-rechtliche Anstalt umwandeln.» Ihr würde das Monopol der Geldschöpfung zustehen – und zwar nicht wie heute nur für das Bargeld (Noten und Münzen), sondern auch für das Buchgeld, das heute zu einem grossen Teil von den Geschäftsbanken selber kreiert und in Umlauf gesetzt wird. Sie ist als Fachinstanz autonom, wird aber in den politischen Zielen und Aufgaben möglichst klar durch ein demokratisch beschlossenes Gesetz gesteuert.
Professor H. C. Binswanger hat den Vorgang der privaten Geldschöpfung in seinem Grundsatzreferat «Finanz- und Umweltkrise sind ohne Währungs- und Geldreform nicht lösbar» ausführlich dargelegt (vgl. dazu Zeit-Fragen vom 26.9.2011). Er kommt zum Schluss, dass es unerlässlich ist, die gesamte Geldversorgung (mit Bar- und Buchgeld) zu kontrollieren und auf eine effiziente Art so zu steuern, dass keine gravierenden Störungen im System auftreten und ein geordneter, marktwirtschaftlicher Wirtschaftsablauf gewährleistet wird.
Die Monetative würde die geldmässige «Infrastruktur» bzw. den Ordnungsrahmen zur Verfügung stellen. Der Finanzmarkt könnte – müsste aber nicht – in allen Teilbereichen staatlich gesteuert werden. Eine Verstaatlichung von Banken ist in keiner Art und Weise vorgesehen.

Vollgeld
Das Geld, das die Monetative künftig neu schöpft, würde also nicht nur aus dem Bargeld, sondern neu auch aus dem Buchgeld bestehen, das heute die Geschäftsbanken über ihre Kreditgewährung selber schaffen. Die Initianten nennen dieses neuartige Geld «Vollgeld». Nach dieser Reform hätten die Geschäftsbanken keine Möglichkeit mehr, über ihre Kreditgewährung eigenes Buchgeld zu schaffen, sondern sie müssten sowohl das Bargeld wie auch das Buchgeld von der Zentralbank bzw. von der Monetative beziehen. Ein Beispiel: Wenn eine Bank einen Hypothekarkredit gewähren will, müsste sie zuerst den Betrag bei der Nationalbank bzw. Monetative beziehen oder Spargelder verwenden. Das staatliche Geldmonopol würde – im Unterschied zu heute – alle Geldarten erfassen, und das Geld würde auf diese Weise künftig zu einem öffentlichen Gut.
Heute machen die Zentralbanken immer wieder die Erfahrung, dass ihre Geldpolitik wirkungslos verpufft, weil sie nur einen kleinen Teil des Geldes beeinflussen können. Die neue Nationalbank bzw. Monetative könnte die Geldmenge im Gesamtinteresse wirksam steuern, weil sie allein das neue Vollgeld schöpft. Die Monetative würde die Geldmenge regulieren, so dass das marktwirtschaftliche System funktioniert und der Geldwert erhalten bleibt. Es wäre aber auch möglich –, wie Professor Binswanger ausführte – das Wachstum und die Konjunktur über die Geldmenge so zu steuern, dass die Güter der Natur nicht übermässig beansprucht werden. Dies würde stärker als heute in Absprache mit der Politik und mit der Bevölkerung geschehen. So wäre es zum Beispiel möglich – wie Professor Binswanger ausführte –, neben gesamtwirtschaftlichen auch ökologische Kriterien zu berücksichtigen, d.h. das Wirtschaftswachstum und die Konjunktur über die Geldmenge so zu steuern, dass die Güter der Natur nicht übermässig beansprucht werden.
Prof. Huber wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die Geldmenge in Deutschland im heutigen System in den letzten Jahren acht Mal stärker gewachsen ist als die Wirtschaftsleistung. Das überschiessende Geld sei in die globalen Finanzmärkte geflossen und habe die Krisen bewirkt, mit denen wir heute zu kämpfen haben. Im neuen System würde die Geldmenge im Rahmen der Wirtschaftsleistung nur noch 1,2-mal stärker wachsen. «Keine unkontrolliert überschiessende Geldschöpfung (samt Geldverknappung in Krisenzeiten) könnte mehr stattfinden.»

Wie kommt das Geld in Umlauf?
Die «Monetative» soll das jährlich neu produzierte Geld, das die Wirtschaft für ihre Entwicklung braucht, auf neuartige Art in Umlauf bringen, die noch diskutiert werden kann. Beispielsweise:
Einen Teil davon stellt sie – wie es heute die Zentralbanken tun – den Geschäftsbanken gegen Zins zur Verfügung.
Ein weiterer Teil fliesst – zins- und schuldenfrei – in den Staatshaushalt und würde über die staatlichen Ausgaben in Umlauf gesetzt. Oder das Geld würde direkt an die Bürger gezahlt, die es ausgeben. Der Nutzen der staatlichen Geldschöpfung würde so direkt der Allgemeinheit zukommen. Das würde allerdings nur funktionieren, wenn kein Missbrauch geschieht und die Monetative sich an die Vorgaben in Verfassung und Gesetz hält.
Nach den Berechnungen von Prof. Josef Huber würde der Betrag, den die Monetative auf diese oder andere Art jedes Jahr neu in Umlauf bringt, in der Schweiz aktuell etwa 10 Milliarden Franken betragen, ohne dass der Geldwert der Landeswährung gefährdet würde.
Heute würde es sich aufdrängen, dass der Betrag, der dem Staatshaushalt zukommen würde, direkt zum Abbau von Schulden verwendet würde. Angesichts der weltweiten, fast hoffnungslosen Schuldenproblematik würde dieses neue Konzept Erleichterung bringen. Er wäre für viele Staaten ein Lichtblick. Die EZB als Monetative könnte zum Beispiel mithelfen, mit ihrem neu kreierten Geld direkt Schulden ihrer Mitgliedländer zurückzuzahlen.
Binswanger erwähnt in seinem Buch, «Vorwärts zur Mässigung», noch einen dritten Weg: Er würde einen Teil des neu geschöpften Geldes regionalen Einrichtungen zur Verfügung stellen, die es als Regionalgeld in Umlauf bringen. Hier liesse sich eine «Um­laufsicherung» im Sinne von Silvio Gesell einbauen.

Was würde sich für den Bankkunden ändern?
Der Systemwechsel würde auch für den Bankkunden manches ändern: Das sogenannte Vollgeld, das er zur Bank bringt oder überweist, bliebe in seinem persönlichen Eigentum und würde von der Bank nur verwaltet – ähnlich wie heute eine Bank die Wertpapiere verwaltet, die der Kunde in seinem Depot hält. Der Sparer entscheidet, ob die Bank sein Geld sicher aufbewahrt ohne Zins (oder ob er ein Risiko eingehen will und dafür auch einen Zins erhält). Fällt die Bank in Konkurs, wäre das Geld des Kunden gar nicht betroffen, weil es im Eigentum des Kunden bleibt. Die Bank führt das Buchgeld des Kunden ausserhalb ihrer Bilanz, so dass es nicht in die Konkursmasse fällt. Eine Einlagesicherung oder gar eine Staatshaftung wäre so gar nicht notwendig.
Der Kunde erhält nur dann einen Zins, wenn er der Bank erlaubt, sein Geld auszuleihen. Der Kunde übernimmt so Eigenverantwortung und akzeptiert, dass der Zins auch das Risiko abdeckt, das mit Bankgeschäften verbunden ist.

Gemeinwohl statt Bankeninteressen
Diese Volksinitiative des Vereins «Monetäre Modernisierung» orientiert sich direkt am Gemeinwohl und ist weniger einseitig auf die Interessen der Geschäftsbanken ausgerichtet. Sie würde diesen wesentliche Geschäftsfelder entziehen. Neu geschöpftes Geld der Zentralbank würde nicht mehr ausschliesslich Banken und Finanzkonzernen zukommen, sondern – zu mindestens teilweise – an den Staat oder direkt an die Bürger fliessen. Die Initianten rechnen deshalb mit Widerstand aus Bankenkreisen. Das Geldsystem und mit ihm das kapitalistische System würden aber wesentlich stabiler. Garantien der Steuerzahler, teure Einlagesicherungen oder Bankenrettungen aller Art wären gar nicht nötig. Banken könnten ganz normal Konkurs gehen – wie andere Unternehmen auch –, ohne dass die Spargelder gefährdet wären. Die «Too Big To Fail»-Problematik wäre gelöst, und die EZB zum Beispiel könnte mit einem Teil des neu kreierten Geldes direkt Schulden ihrer Mitgliedsländer zurückzahlen.

Diskussion
Eine zentraler Punkt in der Diskussion an der Tagung in Winterthur war die Frage, ob das Finanzsystem – wie dies heute vielfach gefordert wird – zusätzlich zur oben geschilderten Reform des Geld- und Bankwesens reguliert werden müsste –, zum Beispiel im Bereich der «spekulativen Finanzprodukte».
Während Prof. Mastronardi für weitere Regulierungen im Finanzsystem plädierte, nahm Prof. Binswanger wie folgt Stellung: «Es ist unklar, ob diese Finanzprodukte sich noch lohnen würden oder überhaupt noch möglich wären, wenn die Ausweitung der Geldmenge begrenzt wird. Entstanden sind diese Finanzprodukte erst, als es möglich war, die Geldmenge beliebig auszuweiten. Wenn das nicht mehr möglich ist, dann sind auch die ausufernden Finanzprodukte nicht mehr aktuell, und es besteht keine absolute Notwendigkeit mehr, diese zu regulieren.»
In Anlehnung an die Lehre von Silvio Gesell stellten Teilnehmer folgende zwei Fragen:

Schafft die Vollgeldreform den Zins ab?
Dazu Prof. Josef Huber, der das Konzept der «Vollgeldreform» in seinem Buch «Das Geldwesen in öffentliche Hand» entworfen hatte: «Nein. Es ist zwar möglich, dass die zinslose Geldbasis, also dass die Zentralbank Geld zinslos in Umlauf bringt, zu einer geringen Absenkung des allgemeinen Zinsniveaus führt. Die Zinslenkung der Kapitalmärkte wird durch eine Vollgeldordnung nicht tangiert. Ich vermute auch, dass eine Geldreform, die sich zum Ziel macht, den Zins abzuschaffen, auf unabsehbare lange Zeit nicht anschlussfähig ist [d.h. im heutigen Finanzsystem funktionieren könnte, der Verf.]. Zudem sehe ich keinen Mechanismus, der die Zinssteuerung ersetzen könnte. Eine Zustellungsbürokratie, die bestimmt, wer wem wieviel Geld zinslos zur Verfügung stellen muss, würde beispielsweise sofort zur Vetternwirtschaft ausarten.»

Soll eine «Umlaufsicherung» Teil einer Geldreform sein?
Dazu Professor Josef Huber: «Ich halte eine Umlaufsicherungsgebühr nicht für ein notwendiges Element einer Geldreform. Gesell hat diese Idee vor dem Hintergrund einer Konjunkturtheorie entwickelt. Er sah die Gefahr, dass mangelnde Nachfrage eine Krise auslösen könnte. Gesell stand zwischen der Zeit des Gold- und Silbergeldes, in der eine gewisse Geldknappheit herrschte, und der Zeit des frei schöpfbaren Papiergeldes. Die Um­laufsicherungsgebühr nutzt die Möglichkeit reinen Papiergeldes, um so etwas wie ein permanentes Konjunkturprogramm herzustellen, weshalb sich auch Keynes für das Thema interessiert hat. In den Ländern, welche die Phase des industriellen ‹Take-off› schon hinter sich haben und sich in einer Phase des organischen Wachstums befinden, sehe ich den Sinn einer solchen ständigen Konjunkturpeitsche weder ökonomisch noch ökologisch.»




Le Temps    21 octobre 2011

Mettre en œuvre «Rubik», le casse-tête des banquiers
Sebastien Dubas et Mathilde Farine

 Les accords conclus avec l’Allemagne et le Royaume-Uni en matière de coopération fiscale viennent d’être publiés. Alors qu’ils doivent encore être ratifiés par les parlements – probablement au premier trimestre 2012 –, les banquiers prennent connaissance des dizaines de pages que contiennent les accords. Si le paiement des impôts pour le futur ne semble pas poser de problèmes, la résolution du passé, en revanche, en préoccupe plus d’un. Passage en revue des points d’interrogation sur la mise en œuvre de «Rubik».

Les liens
Controverse sur les milliards grecs placés en Suisse
Accord fiscal entre la Suisse et l’Allemagne
Accord fiscal entre la Suisse et le Royaume-Uni
Les accords conclus avec l’Allemagne et le Royaume-Uni en matière de coopération fiscale viennent d’être publiés. Alors qu’ils doivent encore être ratifiés par les parlements – probablement au premier trimestre 2012 –, les banquiers prennent connaissance des dizaines de pages que contiennent les accords. Si le paiement des impôts pour le futur ne semble pas poser de problèmes, la résolution du passé, en revanche, en préoccupe plus d’un. Passage en revue des points d’interrogation sur la mise en œuvre de «Rubik».

L’équation
«Il m’a bien fallu deux semaines pour digérer l’équation et essayer de tout comprendre.» La dizaine de variables qui doit servir à calculer le montant que les clients devront payer pour régulariser leurs avoirs inquiète un banquier genevois qui s’est longuement plongé dans les accords. Il faudra, entre autres, remonter dans les comptes jusqu’en 2002, prendre en considération les changements d’établissement sur les dix dernières années et savoir à quel taux de change se référer, ce que le banquier perçoit comme un casse-tête. Ce qui est certain, c’est que le taux d’imposition sera d’au moins 19% et que l’impôt sera perçu cinq mois après l’entrée en vigueur de l’accord, soit probablement au début de 2013.

«L’équation a de quoi effrayer beaucoup de monde», admet Bernard Droux, président de Genève Place Financière. Mais pour l’associé gérant de Lombard Odier, «la formule ne sera plus compliquée à utiliser une fois insérée dans les ordinateurs. A condition de disposer d’une bonne base de données, précise-t-il néanmoins. Heureusement, les banques suisses appliquent la loi et conservent pendant dix ans les informations» sur leurs clients.

Quelle solution choisir?
Les clients auront trois possibilités: l’équation et le versement unique et anonyme qui en découle, la dénonciation volontaire auprès des autorités fiscales de leur pays ou retirer leurs avoirs et les placer ailleurs qu’en Suisse.

Selon l’Association suisse des banquiers (ASB), le paiement unique «devrait représenter, pour les clients, entre 20% et 25% de leur fortune totale». En principe, la dénonciation spontanée devrait être équivalente en termes de coûts. Toutefois, d’après les calculs d’Ernst & Young, la divulgation volontaire pourrait être avantageuse dans les cas où les placements seraient en Suisse depuis longtemps et où il y aurait eu peu d’apports de capitaux. «Mais il faut tenir compte d’autres éléments, nuance Alberto Lissi, expert en fiscalité auprès de la société d’audit. Par exemple, si le client a des avoirs non déclarés ailleurs qu’en Suisse, ceux-ci ne pourront être régularisés par ces accords.»

Le coût
D’après l’ASB, le coût total pour l’industrie devrait atteindre 500 millions de francs au moins. «Des prestations optimisées, telles que SIX Group les élabore actuellement en étroite collaboration avec l’ASB, seront toutefois de nature à alléger le fardeau pour les banques», annonce l’association, qui renvoie à une question-réponse sur «Rubik» publiée sur son site internet.

En attendant, «nous avons mis en place une équipe de projet qui épluche les formules», raconte Antonio Palma, associé et directeur général de Mirabaud & Cie. Au sein de son établissement – qui se concerte avec les autres banquiers privés genevois –, cela occupe une partie de l’emploi du temps de cinq collaborateurs. Cela s’ajoute à leur travail habituel et il est très difficile de recruter dans ce domaine, poursuit-il en admettant que tout cela coûtera cher. Pour Philippe Kenel, avocat chez Python & Peter, «l’ardoise sera probablement en partie, voire complètement reportée sur le client en fonction de la taille du compte».

Une autre question qui pourrait resurgir est celle du paiement de l’acompte. En effet, les banques suisses se sont engagées à effectuer un paiement anticipé – 2 milliards de francs pour l’Allemagne et 500 millions pour le Royaume-Uni – pour attester de leur volonté de concrétiser l’esprit de l’accord. Or, d’après un banquier genevois, nul ne sait vraiment qui paiera combien.

La succession
Pour Philippe Kenel, «il est incompréhensible que ce point ne soit pas réglé. Prenons l’exemple d’un citoyen allemand qui régularise ses avoirs au premier semestre 2013. S’il meurt, que se passe-t-il pour ses héritiers? Soit ils paient l’impôt sur la succession en Allemagne, mais c’est la fin de l’anonymat. Soit ils ne paient pas, et on revient à un système non déclaré, ce qui est aussi la fin de «Rubik», explique l’avocat. Selon lui, la meilleure solution serait que la banque paie elle-même l’impôt et laisse les héritiers faire ce qu’ils souhaitent des fonds.

La masse sous gestion
Mis à part les fonds qui pourraient quitter la Suisse d’ici à l’entrée en vigueur des accords, «Rubik» va provoquer une baisse de 25% des avoirs des clients allemands et britanniques gérés en Suisse, du jour au lendemain, met en garde Gérard Bagnoud, associé gérant chez Pury Pictet Turrettini & Cie. Pour compenser cette perte, l’ASB compte sur l’amélioration de l’accès au marché et sur la suppression des discriminations bilatérales existantes.

Accès au marché facilité?
Selon les accords, l’accès aux marchés allemand et britannique sera «facilité». La contrepartie à l’impôt libératoire finit pourtant dans les annexes de l’accord avec la Grande-Bretagne, relève Philippe Kenel: «Cela donne l’impression que l’on a très peu obtenu. On reste très loin de la libre circulation des services financiers.» Cet enjeu s’est peut-être oublié dans l’enthousiasme des négociations, avance le juriste. Vice-président de Genève Place Financière, Nicolas Pictet ajoute que les modalités pratiques restent à définir.




Le Temps    27 octobre 2011

La Suisse relativise les menaces européennes sur Rubik
Par Sébastien Dubas

Les accords avec l’Allemagne et la Grande-Bretagne ne violent pas le droit en vigueur selon des experts
«La grande chance pour la Suisse c’est que les gouvernements ont un besoin rapide d’argent en ces temps de crise. C’est pour cela que Rubik a pu trouver un écho si favorable.» Pour Philippe Kenel, avocat chez Python & Peter, la Suisse devrait donc profiter de la situation pour conclure, le plus rapidement possible, un nouvel accord avec la France. «Une fois que les trois grands pays européens auront reconnu l’impôt libératoire comme étant un système équivalent à celui de l’échange automatique d’informations, la Commission européenne aura bien du mal à s’y opposer», poursuit-il.

Mercredi, le fiscaliste réagissait aux déclarations faites la veille par le commissaire européen en charge de la fiscalité, Algirdas Semeta. Selon ce dernier, les accords conclus par la Suisse avec l’Allemagne et la Grande-Bretagne porteraient sur des domaines qui relèvent de la compétence de la Commission européenne.

L’UE redoute une alternative crédible
Pire, ils pourraient même violer les directives européennes sur la fiscalité de l’épargne ou l’accord bilatéral conclu entre Bruxelles et Berne dans ce domaine. Le commissaire lituanien a notamment dénoncé le taux d’imposition de 26,375% prévu avec l’Allemagne alors qu’il est de 35% dans l’accord sur la fiscalité de l’épargne.

Surtout, la Commission européenne entend toujours pouvoir instaurer un système uniforme d’échange automatique d’informations avec les Etats tiers. Système qui permettrait, selon elle, d’augmenter la sécurité juridique pour toutes les parties. Pour Philippe Kenel, «la Commission redoute donc que ces accords bilatéraux ne deviennent une alternative crédible à cet échange automatique d’informations».

La souveraineté fait foi
Après les parlementaires sociaux-démocrates allemands qui ont annoncé qu’ils rejetteraient le projet Rubik lors du vote prévu au début 2012, les menaces de la Commission européenne représentent-elles un danger pour les accords bilatéraux signés avec l’Allemagne et la Grande-Bretagne?

Du côté du Secrétariat d’Etat aux questions financières internationales (SFI), qui a négocié ces accords, on déclare ne pas avoir été surpris par les déclarations d’Algirdas Semeta. «Nous en avons pris connaissance mais nous ne souhaitons pas faire de commentaire avant que la Commission ait fait une analyse plus approfondie des accords», a expliqué hier leur porte-parole au Temps. Même discours du côté de l’Association suisse des banquiers. Au SFI, on ajoute néanmoins que la légalité de Rubik ne fait pas l’ombre d’un doute: «La Suisse a toujours tenu compte des accords en vigueur et notre but a été de proposer un système équivalent à l’échange automatique qui puisse servir de modèle aux Etats tiers dans leurs relations avec l’UE.»

L’avocat Carlo Lombardini partage lui aussi cet avis. «L’Allemagne et la Grande-Bretagne ont agi dans le cadre de leurs compétences, explique-t-il. Dans le domaine de la fiscalité, la Commission européenne n’est pas compétente. C’est la souveraineté de chaque Etat qui fait foi». L’avocat genevois craint cependant que la Commission fasse pression sur les parlementaires – particulièrement en Allemagne – pour saborder les accords.

Pour l’heure, Bruxelles doit poursuivre son analyse et s’assurer que les accords respectent le droit européen en vigueur avant de déclencher éventuellement, comme elle l’a menacé mardi, «une procédure pour infraction contre l’Allemagne et la Grande-Bretagne».




Basler Zeitung    2.November 2011

Schattenbanken als neue Spielcasinos der Finanzmarktzocker

Cannes Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) haben bereits einige Lücken bei der Regulierung der globalen Finanzmärkte geschlossen.

Grosse Gefahren drohen aber weiterhin durch den Boom bei bisher völlig unkontrollierten Finanzakteuren, die verstärkt in den Sektor der so genannten Schattenbanken abwandern.

Weil Banken und Versicherer inzwischen strenger beaufsichtigt werden, wächst die Gefahr von Ausweichmanövern auf Schattenbanken, zu denen etwa Hedgefonds und Geldmarktfonds gezählt werden. Diese jonglieren mit dubiosen Konstrukten sowie unvorstellbaren Summen und wickeln jene Deals ab, die kontrollierte Banken auslagern. Die G20 wollen das Problem angehen; Cannes ist der Auftakt dazu.

Bankenaufseher wie etwa der scheidende Chef der deutschen Finanzaufsicht Jochen Sanio warnen nämlich bereits seit Monaten vor dem nächsten grossen Finanzcrash. Grobe Schätzungen gehen davon aus, dass Schattenbanken inzwischen etwa 25 bis 30 Prozent des globalen Finanzsystems ausmachen.

60 Billionen Dollar in Schattenbanken angelegt
So soll das Schattenbank-Volumen zwischen 2002 und 2010 von 25 auf 60 Billionen Dollar gestiegen sein. Allein in den USA wird mit 16 Billionen Dollar ein grösseres Kreditvolumen bewegt als von herkömmlichen Banken mit «nur» 13 Billionen Dollar.

Profiteure des neuen globalen Finanzcasinos sind Hedgefonds und Private-Equity-Gesellschaften. Diese werden von regulierten grossen Pensionsfonds, Versicherern und Banken derzeit mit frischem Geld geradezu zugeschüttet. Geldhäuser nutzen also Schattenbanken als Handelspartner, um Risiken loszuwerden.

Völlig austrocknen lassen sich diese Regulierungsoasen wohl kaum. Hedgefonds aus aller Welt könnten aber zumindest überwacht und Geschäftsbeziehungen zwischen Banken und Schattenbanken eingeschränkt werden.




Le Monde    14/15 novembre 2011  18:57/09:15

Goldman Sachs, le trait d'union
entre Mario Draghi, Mario Monti et Lucas Papadémos
Marc Roche


La banque d'affaires américaine Goldman Sachs retourne à ses racines : l'Europe.REUTERS/BRENDAN MCDERMID

Londres, correspondant - Qu'ont en commun Mario Draghi, Mario Monti et Lucas Papadémos ? Le nouveau président de la Banque centrale européenne, le président désigné du conseil italien et le nouveau premier ministre grec appartiennent à des degrés divers au "gouvernement Sachs" européen. La banque d'affaires américaine a en effet tissé en Europe un réseau d'influence unique sédimenté depuis des lustres grâce à un maillage serré, souterrain comme public.
A tout concours, il faut une hiérarchie. Le premier prix revient bien sûr à Mario Draghi, vice-président de Goldman Sachs pour l'Europe entre 2002 et 2005. Nommé associé, il est chargé des "entreprises et pays souverains". A ce titre, l'une des missions est de vendre le produit financier "swap" permettant de dissimuler une partie de la dette souveraine, qui a permis de maquiller les comptes grecs. Vient ensuite Mario Monti, conseiller international depuis 2005. Arrive en troisième position Lucas Papadémos, qui vient d'être nommé premier ministre de la Grèce, qui fut gouverneur de la Banque centrale hellénique entre 1994 et 2002, qui a participé à ce titre à l'opération de trucage des comptes perpétré par GS. Le gestionnaire de la dette grecque est d'ailleurs un certain Petros Christodoulos, un ex-trader de la firme.

Deux autres poids lourds tiennent le haut du pavé dans la défenestration de l'euro, Otmar Issing, ex-président de la Bundesbank et Jim O'Neill, l'inventeur du concept des BRICS, l'acronyme désignant les marchés émergents à fort potentiel de croissance (Brésil, Russie, Inde, Chine et Afrique du Sud). Ex-président de Goldman Sachs International dont il est resté l'un des administrateurs, l'Irlandais Peter Sutherland a joué un rôle-clé dans le sauvetage de l'Irlande. Enfin, Paul Deighton, qui a passé 22 ans chez Goldman Sachs, est directeur général du comité organisateur des Jeux olympiques de Londres en 2012. La lanterne rouge car chacun sait que le sport comme l'amitié est hors concours.

Pourtant, au-delà des apparences, le réseau d'influence qui a fait sa puissance avant ou pendant la tourmente politique financière de 2008 a perdu de son efficacité. En effet, les complicités anciennes entretenues par les ex-banquiers centraux chevronnés mobilisés pour tirer les ficelles se révèlent moins utiles face à des politiciens sensibles à l'impopularité des professionnels de la finance tenus pour responsables de la crise. Là où Goldman Sachs pouvait facilement exercer ses talents, une série d'affaires – la Grèce, la spéculation contre l'euro, le scandale Abacus auquel a été mêlé le goldmanien français Fabrice Tourre – lui ont mis à dos la puissance publique.

Le carnet d'adresses est utile mais ne suffit plus à lui tout seul sur une planète financière complexe et technique et face à une nouvelle génération d'industriels moins pétris de respect pour l'establishment. Les patrons européens partis à la conquête du monde se sont émancipés des croisés de la haute finance style Goldman Sachs. La quête de valorisation de l'actionnaire, les exigences de transparence des comptes et les impératifs de l'expansion à l'étranger émoussent l'"effet réseau". Enfin, devenus plus exigeants sur la qualité et l'indépendance du métier de conseil, les clients européens, mais pas seulement, exigent le respect d'un minimum d'éthique.

Et c'est là que le bât blesse à propos de Goldman Sachs. Car la banque aime placer ses hommes sans jamais laisser tomber le masque. C'est pourquoi ses hommes liges cachent cette filiation quand ils donnent une interview ou mènent une mission officielle (comme ce fut le cas de Monti qui s'est vu confier en 2010 une étude sur le marché unique européen par le président de la Commission, José Manuel Barroso).

Mario Draghi affirme qu'étant entré en fonction en 2002, il n'a rien eu à voir avec le maquillage des comptes grecs orchestré deux ans plus tôt par la banque. Et il a démissionné en 2005, soit un an avant que Goldman Sachs ne revendre une partie du "swap" en question à la National Bank of Greece, la première banque commerciale du pays, dirigée par un ancien Goldmanien, Petros Christodoulos, aujourd'hui responsable de l'organisme gérant la dette grecque.




moneta - Zeitung für Geld & Geist   23.November 2011

Die grosse Reform
Gian Trepp

Vollgeld oder Giralgeld?  Der Verein Monetäre Modernisierung (MoMo) will das Schweizer Geldsystem grundlegend reformieren. Die Einführung des staatlichen Vollgeldes anstelle des heutigen privaten Giralgeldes soll mit Finanzkrisen Schluss machen und der Realwirtschaft Vorteile bringen.
Vollgeld? Giralgeld? Keine Bange, wer da nur Bahnhof versteht, ist nicht allein. Mit dem Geldsystem ist es wie mit dem Handy, alle telefonieren drahtlos, die wenigsten wissen, wie es funktioniert. Aber jedes Kind weiss: Geld regiert die Welt. Die technische Funktionsweise unseres Geldsystems hingegen ist nicht bloss Kindern unverständlich, sondern auch zahlreichen Erwachsenen. Kein Wunder, kennt doch dieses komplexe System drei Geldsorten – nämlich das staatliche Zentralbankgeld, das private Giralgeld und das Bargeld-, die zwischen fünf Akteuren zir kulieren, nämlich der Nationalbank, dem Bankensystem, den öffentlichen Haushalten, den Firmen und den Privatpersonen.
Die Nationalbank wird als sogenannte Monetative zur unabhängigen vierten Gewalt im Staat aufgewertet.
Die Nationalbank, auch Zentralbank genannt, verfügt über das Recht, so viel Zentralbankgeld zu schaffen, wie sie es zur Erreichung ihres Zieles Geldwertstabilität unter Beachtung der Konjunkturstabilität für nötig erachtet. Das Zentralbankgeld entsteht per Mausklick auf dem Computer aus dem Nichts. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im August 2007 hat sich das Zentralbankgeld infolge gesteigerten Geldbedarfes für Bankenrettungen und Wechselkursstabilisierung bis August 2011 auf 163 Milliarden Franken vervierfacht.

Das Zentralbankgeld zirkuliert ausschliesslich zwischen der Nationalbank und den Banken. Konten für Private und Firmen führt die Nationalbank nicht. Zum Zahlungsmittel im Publikumsverkehr wird das Zentralbankgeld erst durch die darauf basierende private Giralgeldschöpfung: Die Banken geben ihrerseits Kredite an Private und die Unternehmen aus.

Staatliches Bargeld und privates Giralgeld
Noten und Münzen werden aus dem Buchgeld aus- und eingewechselt. Dieser Bargeldbestand wächst und wächst, obwohl im Alltag immer mehr «elektronisches Geld» eingesetzt wird. Ende August 2011 belief sich der Bargeldbestand auf 48 Milliarden Franken. 60 Prozent davon bestehen aus laufend nachgedruckten 1000-Franken-Noten. Die Scheine dienen bei Cash-Geschäften aller Art als weltweit beliebtes Zahlungsmittel. Betrachtet man nicht den Gesamtwert, sondern die Stückzahlen der Noten, sind die Hunderter am häufigsten.

Das Schweizer Bankensystem ist als sogenanntes fraktionales Reservesystem (Teilreservensystem) ausgestaltet. Das heisst, eine Bank braucht stets nur einen Bruchteil ihrer Verpflichtungen gegenüber ihrer Kundschaft als jederzeit greifbare Zahlungsreserve zu halten. Umgekehrt gesagt, erlaubt eine gegebene Summe an Zahlungsreserven einer Bank die Kreditvergabe in vielfacher Höhe ihrer Reserven. Jeder Bankkredit lässt die Giralgeldmenge um den Kreditbetrag minus die Zahlungsreserve wachsen. Vergibt die Bank per saldo weniger neue Kredite, als die Kunden Altkredite zurückzahlen, schrumpft die Geldmenge.

Diese Giralgeldschöpfung der privaten Banken ist der zentrale Mechanismus unserer Geldordnung. Ende August 2011 bezifferte sich die Summe aller ausstehenden Frankenkredite laut Nationalbank auf 950 Milliarden Franken. Subtrahiert man davon die Mindestreserven von rund 75 Milliarden, kommt man auf 875 Milliarden Giralgeld. Allerdings wird dieser Betrag in der Statistik nicht gesondert ausgewiesen. Die breiteste Geldmengendefinition M3 der Nationalbank, das heisst Bargeld sowie Sicht-, Sparund Termineinlagen bei Banken, belief sich im August 2011 auf 762 Milliarden Franken.

Vollgeld
Die Kritik des Vereins Monetäre Modernisierung am heutigen Geldsystem macht sich primär an der privaten Giralgeldschöpfung fest. «Der Zentralbank ist die Kontrolle über die Geldmenge entglitten», schreibt Professor Joseph Huber (Halle, D) vom Wissenschaftlichen Beirat des Vereins. Im Beirat sitzen mit anderen auch die St. Galler Professoren Hans Christoph Binswanger und Horace Mastronardi. Laut Joseph Huber verunmöglicht das private Giralgeld eine Geldmengenpolitik der Zentralbanken.

«Die Zinspolitik, mit der die Geldschöpfung der Banken indirekt beeinflusst werden soll, ist ein weitgehend unwirksamer Ersatz dafür.» In der unkontrollierten Expansion und der Schrumpfung der Giralgeldmenge, die Haussen und Baissen auf den Finanzmärkten prozyklisch verstärkt, sieht Huber einen zentralen Faktor bei der Entstehung der ständig wiederkehrenden Krisen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Vollgeldreform soll dem destabilisierenden Einfluss des privaten Giralgeldes auf die Realwirtschaft ein Ende bereiten. Giralgeld und Zentralbankgeld sollen zum Vollgeld mit Staatsmonopol verschmelzen. Die konkrete Umsetzung des Geldmonopols im Wirtschaftsleben ist Aufgabe der Nationalbank. Diese wird als sogenannte Monetative zur unabhängigen vierten Gewalt im Staat aufgewertet, analog der Legislativen, Exekutiven und Judikativen. Zu einer einzig der Verfassung, den Gesetzen, dem Gemeinwohl und dem aktuellen Wissensstand verpflichteten autonomen Geld- und Währungsbehörde.

Die Idee des Vollgeldes ist schon alt. Die Trennung von staatlicher Geldschöpfung und privater Kreditgewährung wird in der Ökonomie bereits seit 200 Jahren unter dem Stichwort «Currency School» diskutiert. Namhafte Ökonomen des vergangenen Jahrhunderts wie Irving Fisher, John Maynard Keynes und Milton Friedman befürworteten das staatliche Geldmonopol. Als makroökonomischen Stabilitätsanker zur Abschwächung von Konjunkturschwankungen und Finanzkrisen. Anders sahen es die Anhänger der «Banking School», deren bekanntester Bannerträger der Neoliberale Friedrich von Hayek ist, der die Geldschöpfung als Ganzes den Banken überlassen wollte. Das heutige Giralgeldsystem liegt näher bei den Grundsätzen der «Currency School».

Geldschöpfung würde verstaatlicht
Glaubt man Joseph Huber, geht die praktische Umsetzung des staatlichen Geldmonopols durch die Nationalbank «einfach und reibungslos» vonstatten. Genauso wie vor über hundert Jahren die Einführung der Zentralbanknoten anstelle der zuvor zirkulierenden Privatbanknoten. Die Girokonten werden aus der Bankbilanz ausgegliedert und bekommen als Geldkonten den gleichen Status wie Banknoten in der Brieftasche. Die Banken verwalten die Geldkonten ihrer Kunden als Dienstleistung, ähnlich wie sie heute deren Wertpapierdepots verwalten. Mit den Eigengeschäften der Bank haben die Geldkonten nichts zu tun.

«Die Vollgeldreform bringt keine Bankenverstaatlichung, verstaatlicht wird nur die Geldschöpfung», betont Daniel Meier vom Vorstand des Vereins. Die Kreditvergabe der Banken bleibt auch mit Vollgeld völlig frei. «Was sich ändert, ist, dass die Bank kein selbst geschöpftes Giralgeld mehr ausleihen kann, sondern ausschliesslich staatliches Vollgeld, das sie sich zuvor auf dem freien Markt beschaffen musste.» Im Vollgeldregime sind Geldschöpfung und Kreditgewährung strikte getrennt. Der Geldschöpfungsgewinn (englisch: «seignorage»), der bei der Giralgeldschöpfung an die privaten Banken fliesst, kommt im Vollgeldregime der Allgemeinheit zugute.

Vollgeldreform und Finanzmarktreform
Die Schweizer Volkswirtschaft ist Teil des globalisierten Finanzkapitalismus, der seit Sommer 2007 von einer permanenten Krise geschüttelt wird. Das Krisenmanagement von Finanzministerien und Zentralbanken aller Länder besteht, vereinfacht gesagt, darin, den Zusammenbruch ihres nationalen Bankensystems und den Bankrott der Staatskasse mit aus dem Nichts geschaffenem Zentralbankengeld zu verhindern. Durch diese Politik sind das nationale und das internationale Geldsystem und die 11 Finanzmärkte völlig aus den Fugen geraten. Heute ist die von der Vollgeldreform anvisierte private Giralgeldschöpfung im fraktionalen Reservebanking bloss noch eines von unzähligen, zum Teil dramatischen Problemen der Geldpolitik, aber nach Ansicht des Vereins Monetäre Modernisierung die Wurzel des Übels.

Auf dem Hintergrund dieser Krise hat der Verein zwei Varianten für eine Verfassungsinitiative entwickelt. Die eine postuliert die reine Vollgeldreform, die andere zusätzlich eine Finanzmarktreform. Demnach müsste der Staat neben der Verstaatlichung des Geldes auch die Versorgung der Schweizer Wirtschaft mit Kredit und Finanzdienstleistungen regeln und garantieren. Das wäre eine Radikalreform, die den nationalen Wirtschaftsraum Schweiz näher beim chinesischen Staatskapitalismus positionieren würde als beim amerikanischen Finanzkapitalismus.

Ein durchaus valabler Vorschlag. Fragt sich bloss, ob eine Doppelreform das Fuder für eine Verfassungsinitiative nicht überlädt. Eine harte Nuss, die mit dem definitiven Textvorschlag für die Verfassungsinitiative geknackt werden muss. Die im vergangenen Frühling noch vielfach geäusserte Hoffnung, die Finanz- und Wirtschaftskrise werde von allein wieder verschwinden, ist mittlerweile reines Wunschdenken.

Die Welt braucht dringend Reformideen zur Reorganisation des Finanzwesens. Gerade in der Schweiz, wo dieser Sektor rund 10 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Der Verein Monetäre Modernisierung hat die Geld- und Finanzmarktreformdebatte eröffnet.

Die Forderungen – die Initiative
Der Verein Monetäre Modernisierung fordert
1. Geldschöpfung ausschliesslich durch die öffentliche Hand. Schaffung der «Monetative».
2. Beendigung jeglicher privater Geldschöpfung der Banken.
3. Schulden- und zinsfreie Inumlaufbringung neuen Geldes durch Auszahlung an öffentliche oder private Haushalte.
Der Weg zu diesen Zielen führt über die Ergänzung des Bundesverfassungsartikels 99 um den Ausdruck «Giralgeld». Denn für diesen allergrössten Teil der nachfragewirksamen Geldmenge fehlt bisher die Verfassungsgrundlage – als ob Geld noch immer nur aus Münzen und Noten bestünde.
www.vollgeld.ch



NZZ Online    30. November 2011, 11:35

Angeklagte zu Sündenböcken gemacht
Wie es den im Steuerstreit mit den USA angeklagten Schweizern ergeht
Zoé Baches

Der Schatten von Amerika (im Bild das Capitol) ist lang und trifft auch die Schweiz. (Bild: Keystone / EPA)

Steuerstreit USA: Bankchefs agieren zu devot

Das Misstrauen der Schweizer gegenüber dem amerikanischen Rechtssystem ist eigentlich gross. Dennoch werden die im Steuerstreit mit den USA angeklagten Banker, Anwälte und Treuhänder hierzulande teilweise wie Parias behandelt. Die Distanzierungen sind übertrieben.
Z.B. «Dass vor einem amerikanischen Gericht eine Klage gegen mich eingereicht worden war, entnahm ich nur dem Newsletter des amerikanischen Justizdepartements. Dieser verschickte meinen Namen und die Anklage wegen Beihilfe zur Steuerumgehung in die ganze Welt. Am nächsten Tag stand dies in einigen amerikanischen Medien und in fast allen Schweizer Zeitungen. Von dem Moment an hat sich mein Leben komplett verändert», erzählt ein Banker gegenüber NZZ Online. Wie andere Angeklagte in dieser zweiten Runde des Steuerstreits der Schweizer Banken mit den USA will der Banker nicht mit Namen an dieser Stelle stehen. Die Geschichten der Betroffenen, dabei handelt es sich um Banker, Anwälte und Treuhänder, ähneln sich aber in entscheidenden Punkten, wie Recherchen zeigen.

Wird ein Schweizer vor einem amerikanischen Gericht angeklagt, reagieren als erstes die Arbeitgeber. Betroffene werden per sofort freigestellt oder in unbegrenzte Ferien geschickt. Bei den selbständig Erwerbstätigen springen Geschäftspartner und Kunden reihenweise ab. Das Finden eines neuen Jobs wird praktisch verunmöglicht. Da eine Klage in den USA automatisch den Ausschrieb eines internationalen Haftbefehls nach sich zieht, müssen auch Auslandreisen eingestellt werden. Die Eröffnung eines Kontos bei einer Schweizer Bank wird zum Spiessrutenlauf. Schweizer, die nichts von den Klagen wussten und in die USA reisten, werden in den Gewahrsam der Behörden genommen, wie die Banker Renzo Gadola (Ex-UBS) und Christos Bagios (Credit Suisse, Ex-UBS).

Konsequenzen hat die mediale Aufmerksamkeit auch auf das Privatleben. Bei vielen Betroffenen haben sich Freunde und Bekannte zurückgezogen. Einer der Betroffenen erhielt von seiner Bank, einer der zwei Schweizer Grossbanken, einen sehr unfreundlich formulierten Brief mit der Aufforderung, sich eine neue Hausbank zu suchen.

Unterschiedliche Reaktionen
Die soziale Ausgrenzung dürfte auch finanzielle Auswirkungen haben. Einer der Betroffenen erzählt, dass seine Bank bis heute keine einzige seiner Anwaltsrechnungen bezahlt habe – obwohl sie ihm das versprochen hatte und das gegenüber der Presse auch so kundtat. Ein ehemaliger UBS-Banker erzählt: «Die UBS verlangte all die Jahre komplette Integrität und Loyalität von mir. Das habe ich ihr gegeben. In der Folge wurde ich komplett von ihr fallengelassen. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört.»

Die Betroffenen gehen mit der Situation sehr unterschiedlich um. Renzo Gadola beispielsweise hat sich entschieden, mit den US-Behörden zu kooperieren, jüngst wurde er zu einer fünfjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Ein anderer Angeklagter hatte sich ebenfalls überlegt, in den USA auszusagen. Da er dafür aber wohl Schweizer Recht hätte brechen müssen, sah er davon ab – die US-Behörden wollen Namen und Informationen, die das Bankgeheimnis und den wirtschaftlichen Nachrichtendienst tangieren könnten. Christos Bagios befindet sich weiterhin in Gewahrsam der US-Behörden. Ex-UBS-Banker Martin Lack und der CS-Banker und FDP-Politiker Emanuel Agustoni wiederum entschieden sich für den Angriff und sprachen mit Name zum Thema. Der Grossteil der Beklagten verhält sich ruhig und wartet ab.

Distanzierung ist übertrieben
Auf die amerikanischen Klagen reagierte also hierzulande sowohl das berufliche als auch das private Umfeld teilweise drastisch. Diese Distanzierungen sind allerdings übertrieben. Würde man nämlich den Klageschriften der US-Staatsanwälte gegen insgesamt 21 Schweizer Banker und Berater Glauben schenken, käme man zu einem ausgesprochen eigenartigen Schluss. So soll – von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt – im grenzüberschreitenden Privatkundengeschäft der Schweiz mit den USA ein geradezu epischer Kampf zwischen Gut und Böse getobt haben. In dieser Schlacht standen grundehrliche und aufrechte amerikanische Bürger einer ganzen Horde von hinterhältigen und ausgekochten Schweizer Bankern und Beratern gegenüber.

Schwerreiche Kunden übertölpelt?
Eine ganze Reihe der meist sehr reichen Amerikaner behauptet, nicht gewusst zu haben, dass sie auf ihren oft millionenschweren Schwarzgeldkonten Steuern in den USA hätten bezahlen müssen. Ihre Schweizer Betreuer hätten ihnen das unterschlagen oder sie diesbezüglich gar angelogen. Andere Bankkunden behaupten, natürlich hätten sie ihre Steuern korrekt bezahlen wollen, doch sei ihnen das von ihren Beratern regelrecht ausgeredet worden.

Spätestens seit dem ersten Steuerstreit der USA mit den UBS ist aber klar, dass ein amerikanischer Steuersünder fast alles tun wird, um einer drohenden Haftstrafe, einer hohen Bussenzahlung und einer Verurteilung durch die Gesellschaft zu entkommen. In den USA ist Steuerhinterziehung kein Kavaliersdelikt.

Klassisches Schweizer Private Banking
Natürlich handelt es sich bei den Angeklagten nicht um unschuldige Lämmchen. Nur: Sämtliche Spieler des Schweizer aber auch des amerikanischen Finanzplatzes wussten, dass ein ansehnlicher Teil der Gelder im grenzüberschreitenden Geschäft mit Privatkunden in den Herkunftsländern nicht versteuert wurde.

Die Klagen prangern mehrheiltlich das Entgegennehmen von unversteuertem Geldern, die Betreuung der Offshore-Kunden und das Erstellen von Vermögensverwaltungs-Strukturen und Steueroptimierungsplänen an. Das war aber genau das über lange Jahre nach Schweizer und nach US-Gesetz legal praktizierte System des Schweizer Private Bankings.

Aus Schweizer Sicht sollten die in der Ist-Form äusserst detailliert formulierten Vorwürfe in den amerikanischen Klageschriften jedenfalls nicht einfach für bare Münze genommen werden. Wie in dieser Phase der rechtlichen Auseinandersetzung üblich, handelt es sich oft um Behauptungen, die nur teilweise richtig oder sogar falsch sein könnten.

Sensibilität wuchs über Zeit
Die Credit Suisse gelangte wegen ihrer Grösse und der Amerika-Präsenz auf die amerikanische Elferliste. Bei den anderen zehn Häusern war für die USA ausschlaggebend, dass sie nach dem Fall UBS weiterhin unversteuertes amerikanisches Geld annahmen. Das brach zwar weder amerikanisches noch Schweizer Recht, im Nachhinein ziehen aber die meisten Beteiligten den Schluss, dass es wohl nicht allzu klug war. Dokumente, die der NZZ vorliegen, zeigen aber, dass die Sensibilität einiger Beteiligter über die Jahre wuchs. So forderten mehrere Angeklagte ihre Kunden dazu auf, ihre Gelder möglichst rasch zu legalisieren und sich bei den amerikanischen Steuerbehörden anzuzeigen. Nicht alle Kunden kamen diesem Ratschlag nach.

In einem Extremfall begleitete ein Angeklagter fast alle seiner Kunden in die Selbstanzeige, von den restlichen trennte er sich. Durch diese Selbstanzeigen gelangte auch sein Name in die USA. Als dann die Klage gegen ihn eingereicht wurde, betreute er keinen einzigen amerikanischen Kunden mit Schwarzgeld mehr. Ein anderer Beklagter führte 22 seiner Kunden in das Voluntary-Disclosure-Programm. Als er angeklagt wurde, waren noch ganze fünf seiner Kunden nicht gemeldet.

Angeklagte müssen in den Vergleich
Entscheidend dafür, ob der Finanzplatz Schweiz einer der führenden Vermögensverwaltungsplätze der Welt bleiben kann, wird der Umfang und Inhalt des globalen Vergleichs entscheiden. Wenn nicht alle Gruppen erfasst werden, die Teil des Vergleichs sein sollten (siehe Box), können die Angriffe auch der USA auf den hiesigen Bankenplatz weitergehen.

Ein umfassender Vertrag
Z.B. Für die Zukunft des Schweizer Privatkundengeschäfts – sprich, eine Zukunft, in der die hiesigen Banken im grenzüberschreitenden Geschäft nicht mehr konstant mit einer in manchen Fällen geschäftszerstörenden Klage seitens USA rechnen müssen – wird entscheidend sein, wie gut Staatssekretär Michael Ambühl verhandelt. Und, wie sich der globale Vergleich letztlich präsentiert. Damit dieser wirklich global und umfassend ist, muss er die Vergangenheit abschliessend regeln.

Zusammengefasst muss der Vertrag für alle Schweizer Banken, alle Kundenberater, die in diesen Banken arbeiten, und für alle externen Schweizer Berater und Anwälte gelten. Inbegriffen sein müssen die unabhängigen Vermögensverwalter, aber auch die Versicherungsgesellschaften, die Policen für amerikanische Personen ausgestellt haben (Sogenannte Insurance Wrappers).

Gelten muss der Vertrag für alle Arten von amerikanischen Kunden. Zudem müssen sämtliche Dienstleistungen des Private Banking umfasst sein, eine Rückwirkung muss ausgeschlossen sein. Heutige in den USA bestehende Klagen müssen fallen gelassen werden, entsprechende Prozesse gestoppt. (Für die Details siehe «Was der Bankenvergleich bringen muss»).

Um die zur Last gewordene Vergangenheit zu bereinigen, sollte der Vergleich auch die angeklagten Schweizer enthalten. Dies gilt selbst dann, wenn sich einige der Vorwürfe in den Klagen als richtig erweisen sollten. Denn bei den Beklagten handelt es sich bis jetzt nicht etwa um Bankchefs, sondern in fast allen Fällen um «gewöhnliche» Mitarbeiter, unabhängige Vermögensberater, Anwälte und Treuhänder. Viele der Beklagten arbeiteten früher in der UBS. Als ehemalige Angestellte sind sie nicht vor einer Strafverfolgung in den USA geschützt – der UBS-Vertrag schützt nur die Bank, ein Non-Prosecution-Agreement zwischen der UBS und den USA schützt die bestehenden Mitarbeiter.

Sündenböcke, Whistleblower und Exempel
Als sich die Grossbank vom US-Offshore-Geschäft lossagte, machten sich einige der Banker selbständig. Dies auch, so ein Betroffener, um ihre langjährigen amerikanischen Kunden nicht im Regen stehenzulassen, wie das die Grossbanken taten. Wären sie in einem globalen Bankenvergleich nicht einbezogen, würden sie zu den eigentlichen Sündenböcken. Im Falle einer Nichtingetration in den Deal bliebe die berufliche Existenz vieler Angeklagten stark beschädigt. Diese könnten sich dann zu einer Aussage vor US-Richtern bewegen lassen, was weitere Klagen nach sich ziehen könnte. Lässt man die Angeklagten aussen vor, wäre es zudem ein ausgesprochen ungünstiges Zeichen an die Mitarbeiter, wenn die Banken hier ein Exempel statuierten, wie mit Angestellten umgegangen wird, die wegen eines Geschäftsmodells der Vergangenheit nun plötzlich in die Bredouille geraten sind.




Neue Zürcher Zeitung     30. November 2011

Von der Fiktion «des Bösen»
Zoö Baches

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt scheint bis vor kurzem im grenzüberschreitenden Privatkundengeschäft der Schweiz mit den USA eine geradezu epische Schlacht zwischen Gut und Böse getobt zu haben. In diesem Kampf standen grundehrliche und aufrechte amerikanische Bürger einer Horde von hinterhältigen und ausgekochten Schweizer Bankern und Beratern gegenüber.

Zu diesem eigenartigen Schluss muss jedenfalls kommen, wer den Klageschriften reicher Amerikaner gegen insgesamt 21 Schweizer Banker, Anwälte und Treuhänder Glauben schenkt. In der sich in diesen Dokumenten manifestierenden zweiten Runde des Steuerstreits zwischen den USA und der Schweiz behaupten heute viele Ex-Kunden, nicht gewusst zu haben, dass sie auf ihren oft millionenschweren Schwarzgeldkonten Steuern in den USA hätten bezahlen müssen. Ihre Schweizer Betreuer hätten ihnen das unterschlagen oder sie diesbezüglich gar angelogen. Andere Kläger behaupten, natürlich hätten sie ihre Steuern korrekt bezahlen wollen, doch sei ihnen das von ihren Beratern regelrecht ausgeredet worden.

Auf diese ziemlich abenteuerliche Argumentation wird in der Schweiz teilweise drastisch reagiert. Arbeitgeber stellen Betroffene per sofort frei. Selbständig Erwerbstätigen springen Geschäftspartner und Kunden reihenweise ab. Da eine Klage in den USA automatisch den Ausschrieb eines internationalen Haftbefehls nach sich zieht, können Betroffene nicht mehr ins Ausland reisen. Ein Angeklagter wurde von seiner Schweizer Bank unfreundlich dazu aufgefordert, sich eine neue Hausbank zu suchen. Die Eröffnung eines neuen Kontos wird zum Spiessrutenlauf, die Jobsuche ein Ding der Unmöglichkeit.

Konsequenzen hat die mediale Aufmerksamkeit auch für das Privatleben. Bei vielen Betroffenen haben sich Freunde und Bekannte zurückgezogen. Einer der Beklagten erzählt, dass seine Bank bis heute keine einzige seiner Anwaltsrechnungen bezahlt habe – obwohl sie das versprochen und so auch gegenüber der Presse kundgetan hatte. Diese Distanzierungen wirken übertrieben. Denn seit dem ersten Steuerstreit USA - UBS ist klar, dass amerikanische Steuersünder fast alles behaupten, um besser vor den Behörden und der Öffentlichkeit dazustehen. Denn Steuerhinterziehung ist in den USA kein Kavaliersdelikt.

Aus Schweizer Sicht sollten die in der Ist-Form äusserst detailliert formulierten Vorwürfe in den amerikanischen Klageschriften jedenfalls nicht einfach für bare Münze genommen werden. Wie in dieser Phase der rechtlichen Auseinandersetzung üblich handelt es sich oft um Behauptungen, die nur teilweise richtig oder sogar falsch sein könnten.

Letztlich prangern die Klageschriften mehrheitlich das Entgegennehmen unversteuerter Gelder, die Betreuung von Offshore-Kunden und das Erstellen von Vermögensverwaltungs-Strukturen und Plänen zur Steueroptimierung an. Solche Tätigkeiten waren aber Bestandteil des Schweizer Private-Banking-Modells, wie es über lange Jahre nach Schweizer und amerikanischem Recht legal praktiziert worden ist.

Um die zur Last gewordene Vergangenheit endgültig zu bereinigen, wäre ein umfassender Bankenvergleich wünschenswert. Dieser sollte auch die Angeklagten einschliessen. Das gilt selbst dann, wenn sich einige der Vorwürfe in den Klagen als richtig erweisen sollten. Denn bei den Beklagten handelt es sich bis jetzt nicht um Bankchefs, sondern um «gewöhnliche» Mitarbeiter. Viele von ihnen arbeiteten früher bei der UBS. Als ehemalige Angestellte sind sie nicht vor einer Strafverfolgung in den USA geschützt. Als sich die Grossbank vom US-Offshore-Geschäft lossagte, machten sich einige der Banker selbständig. Dies auch, so ein Betroffener, um ihre langjährigen amerikanischen Kunden nicht im Regen stehenzulassen. Wären sie in einem globalen Bankenvergleich nicht einbezogen, würden sie zu den eigentlichen Sündenböcken. Angeklagte könnten sich dann zu einer Aussage vor US-Richtern bewegen lassen, was weitere Klagen nach sich ziehen könnte. Es wäre ausserdem ein ungünstiges Zeichen an ihre Mitarbeiter, wenn die Banken hier ein Exempel statuierten, wie mit Angestellten umgegangen wird, die wegen eines Geschäftsmodells der Vergangenheit nun plötzlich in die Bredouille geraten sind.




Le Temps    10 décembre 2011

Secret bancaire
Accord fiscal avec les Etats-Unis: le parlement devant le fait accompli
Denis Masmejan














































Michael Ambühl et Eveline Widmer-Schlumpf. Le secrétaire d’Etat et la conseillère fédérale négocient avec Washington une sortie de crise pour onze banques suisses. (Keystone)

Le Conseil fédéral a légalisé les recherches groupées avec Washington sans attendre la décision des Chambres. Le Conseil des Etats reprend le dossier mardi. Des divergences apparaissent entre Credit Suisse et les autres banques concernées par les investigations américaines

Faut-il répondre aux demandes «groupées» des Etats-Unis ciblant des catégories entières de clients américains dans les banques suisses? La question agite la place financière et les négociateurs bernois depuis des mois, et le Conseil des Etats doit en reparler mardi lorsqu’il reprendra l’examen de l’accord fiscal avec Washington. Mais un élément nouveau est venu réduire encore un peu plus la marge de manœuvre du parlement.

Le mois dernier, le Conseil fédéral a décidé d’inscrire de lui-même les demandes groupées dans la législation suisse, à quelques jours du débat aux Chambres, sans attendre leur issue. Le gouvernement a modifié l’ordonnance d’application de la convention de double imposition actuellement en vigueur avec les Etats-Unis, et qui règle les questions de procédure. Il y a ajouté une disposition relative aux «demandes sans indications personnelles».

C’est la première fois que les demandes de ce type sont expressément mentionnées dans un texte législatif suisse. Le gouvernement a pris sa décision le 16 novembre, et le texte est entré en vigueur le 30. Le Département des finances n’a pas tenu l’information secrète, mais l’a diffusée dans un communiqué du Conseil fédéral de quelques lignes.

Si le texte adopté par le gouvernement n’a de portée que dans les relations avec les Etats-Unis, il signifie néanmoins que rien dans l’ordre juridique suisse ne s’oppose aux recherches groupées. En pleine négociation avec les Etats-Unis, le Conseil fédéral semble donc avoir pris le risque de transformer les débats parlementaires en exercice alibi.

Après s’être cabrée en septembre et avoir obtenu l’ajournement de la discussion en plénum, la commission compétente du Conseil des Etats propose cette fois d’avaliser les demandes groupées avec les Etats-Unis. Une minorité emmenée par le PDC Eugen David ainsi que deux UDC, Hannes Germann et Maximilian Reimann, demandera que des critères précis soient fixés. Le Conseil national, lui, ne doit se prononcer que le 21 décembre.

Nombre d’observateurs sont convaincus depuis de longs mois que la Suisse n’est pas en mesure d’échapper aux demandes groupées, en tout cas pas dans ses relations avec les Etats-Unis. Mais le Conseil fédéral a fait mine jusqu’ici de l’ignorer. Ce printemps encore, le gouvernement soutenait qu’il s’opposerait aux recherches groupées tant que l’OCDE n’imposerait pas le contraire.

Pourquoi ce revirement? «Le Conseil fédéral voulait arranger Credit Suisse», pense une source proche du dossier, qui fait état de sérieux doutes à la fois sur l’opportunité et la légalité de la décision du gouvernement.

La grande banque, avec ses deux filiales Clariden Leu et Neue Aargauer Bank, est pour l’heure le seul établissement visé par une demande formelle d’assistance administrative des Etats-Unis et semble déterminée à parvenir à un accord le plus rapidement possible.

Les autres banques concernées savent qu’elles doivent s’attendre à être ciblées à leur tour et sont en contact étroit avec les négociateurs suisses. Mais elles n’ont pas reçu à ce jour de communication officielle d’une demande américaine. Selon nos informations, il s’agit de Julius Baer, Wegelin, HSBC Suisse, LLB, Neue Zürcher Bank, Banque cantonale de Zurich, Banque cantonale de Bâle, Hapoalim, Leumi et Mizrahi Bank.

Credit Suisse a adopté une ligne qui ne paraît pas partagée par les autres établissements. Ceux-ci n’ont pas les mêmes intérêts à défendre aux Etats-Unis et ont même engagé un avocat zurichois de l’étude Homburger, Flavio Romerio, pour mieux se faire entendre par les négociateurs suisses.




Sonntags-Zeitung    11.Dezember 2011

Banken: Neuer Staatsvertrag mit USA
Um den Steuerstreit zu lösen, braucht es ein Steuerabkommen, das weitergeht als jenes mit Deutschland
Von Joël Widmer und Lukas Hässig

Bern/Washington Im US-Steuerkrieg bewegen sich die Parteien. Am Donnerstag und Freitag weilte eine hochrangige Delegation der US-Steuerbehörde IRS in Bern. IRS-Topmann Michael Danilack und der Schweizer Unterhändler Michael Ambühl loteten einen Deal zur Lösung des Steuerstreits aus. Sprecher Mario Tuor vom Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF) bestätigt: «Wir haben die US-Delegation bei uns empfangen, weitere Verhandlungsrunden finden in Bälde statt.»

Recherchen zeigen, dass eine Einigung nicht ohne neuen Staatsvertrag zustande kommt. Ein solcher geht über den im Parlament umstrittenen Zusatz zum Doppelbesteuerungsabkommen zur Auslieferung von Bankdaten hinaus. Grund ist die Globallösung, welche für alle Schweizer Banken einen Schlussstrich unter die Schwarzgeld-Altlasten ziehen soll.

SIF-Sprecher Tuor bejaht, dass es für die Regularisierung der Vergangenheit einen separaten Vertrag zwischen den USA und der Schweiz brauche. «Die Art der vertraglichen Regelung ist noch offen», sagt Tuor aber. Falls der Vertrag Gesetzesänderungen nötig macht, kommt er vors Parlament.

Der geplante Staatsvertrag wird im Parlament zu reden geben, wenn es am kommenden Dienstag über den Zusatz zum Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA befindet. Vieles deutet darauf hin, dass die Schweiz einen Grossteil der US-Kunden der Schweizer Banken den US-Behörden ausliefert. Gemäss einem vertraulichen Papier, das die Schweizer Verhandlungsposition zusammenfasst, wird der Staatsvertrag neben einer substanziellen Vorauszahlung der Schweizer Banken eine Art Strafsteuer auf die Altgelder beinhalten.

Es steht gemäss einer zweiten Quelle eine «Pay or disclose»-Lösung zur Debatte. Gemeint ist, dass die betroffenen US-Kunden zwischen freiwilliger Offenlegung und Bezahlung von geschuldeten Steuern wählen könnten. Diese Steuer hätte aber laut dem vertraulichen Papier keine abgeltende Wirkung gegenüber den USA. Das heisst: Der US-Kunde, der seine Konten nicht offenlegt, zahlt eine Steuer auf Altgelder. Er ist dadurch aber nicht vor Strafe geschützt, falls ihm die Steuerbehörden dennoch auf die Schliche kommen.

Laut gut informierten Quellen wurde in den Verhandlungen der letzten Tage zwar «eine etwas andere Piste» verfolgt. Doch klar ist schon jetzt, dass diese Altlasten-Regularisierung deutlich weiter- gehen wird als die vergleichbaren Abkommen mit Deutschland und Grossbritannien. Damit wird der neue US-Staatsvertrag zum Futter für die Opposition in Deutschland, welche das Steuerabkommen mit der Schweiz schon jetzt als billigen Ablasshandel bekämpft.

Sonderregelung für die CS und zehn weitere Finanzinstitute
Neben dem Altgeld-Staatsvertrag für rund 320 Schweizer Banken kommt es laut Involvierten zu einem zweiten separaten Abkommen für die elf von den USA seit längerem bedrängten Banken, allen voran die Credit Suisse (CS), zudem Julius Bär, Wegelin, Basler und Zürcher Kantonalbank sowie ein paar Auslandbanken. Am vergangenen Dienstag erläuterte Finanz-Staatssekretär Ambühl beide US-Friedensabkommen - den Staatsvertrag und die Sonderregelung - gegenüber Vertretern der elf Banken.

Diese müssten gemäss Ambühl-Plan neben hohen Bussen Hunderte oder Tausende von Namen offenlegen. Hier ist im Gegensatz zum Altlasten-Staatsvertrag für die «Non-eleven» keine Wahlmöglichkeit geplant, sondern eine zwingende Offenlegung potenzieller Steuerhinterzieher und -betrüger. Basis bilden die bestehenden US-Steuerabkommen, angereichert mit dem Zusatz zu Gruppenanfragen für Steuerhinterziehung ab 2009.

Die USA drängen laut einer gut informierten Quelle auf den gleichzeitigen Abschluss beider Abkommen. Ein Schlussstrich für alle Schweizer Banken wird erst gezogen, wenn die Amtshilfe geleistet und sämtliche Bussen sowie Garantiezahlungen erfolgt sind.

Die UBS ist bei beiden Verträgen aussen vor. Die Grossbank hatte sich bereits 2009 mit einem eigenen Deal für 780 Millionen Dollar und einer Notrecht-Datenoffenlegung Straffreiheit erkauft.




11.Dezember 2011    15:45

Erwägungen zum DBA-Zusatzabkommen (Gruppenanfragen)

Sehr geehrter Herr Ständerat Fournier,

Zur Vorlage zu11.027 (Ausdehnung der Amtshilfe an die USA auf Gruppenanfragen) scheinen sich die Entwicklungen zu überstürzen. Und da dieses Geschäft auf kommenden Dienstag traktandiert ist und von Ihnen als APK-Sprecher vertreten werden soll, erlaube ich mir, Ihnen und den andern Ratsmitgliedern auf diesem Weg insbesondere das womöglich auch Ihnen bisher vorenthaltene Amtshilfegesuch der amerikanischen Steuerbehörde IRS i.S. Credit Suisse vom 26.9.11 (www.solami.com/irsrequest11.pdf) Ihrer besonderen Aufmerksamkeit anzuempfehlen.

Im Gegensatz zu einigen Kollegen und alt-Parlamentariern bin ich nicht der Meinung, dass Sie als - gemäss Ihrem Ständeratsprofil - "Senior Advisor" der Credit Suisse in den Ausstand treten sollten. Sie sind ja schliesslich auch Präsident des Wallisser Gewerbeverbandes und VR-Mitglied des Schweiz. Gewerbeverbanes, welcher zu diesen Entwicklungen mit "Doppelbesteuerungsabkommen: Kein vorauseilender Gehorsam!" (.../dbasgv.pdf) dezidiert Stellung bezogen hat und von Ihnen nicht weniger - und auch auf die USA bezogen - berücksichtigt werden dürfte. Denn auf Ihrer macro-politischen und - ökonomischen Entscheidungsebene ist m.E. nicht die Flucht vor den - oft unvermeidbaren - Interessenkonflikten, sondern deren Überwindung durch tiefgängige und souveräne Abwägung und vorrangige Förderung der auf dem Spiel stehenden übergreifenden Interessen gefordert.  Dabei ist für mich selbstverständlich, dass auf Ihrer Verantwortungsstufe auch die staatspolitischen Dimensionen einer Vorlage wie der jetzigen angemessene Beachtung finden, und so die zuvor aufgezeigte staatsrechtliche Problematik nicht vernachlässigt werden wird (Inkraftsetzung der Gruppenanfragen-Verordnung durch BR auf den 30.11.11, also noch vor der parlamentarischen Genehmigung der Vorlage, welche im Gegensatz zu Volkswillen, Ordre public, Staatsvertrag und CH-Interessen Gruppenanfragen einführen soll: .../iconoc.htm#Fragen) .

Hochrangige IRS-Vertreter sind letzte Woche zur nachdrücklichen Vertretung der sich unablässig ausweitenden US-Begehrlichkeiten von unseren Behörden empfangen worden (siehe auch: "Banken: Neuer Staatsvertrag mit USA", Sonntags-Zeitung, 11.12.11: .../swissbanks.htm#Steuerkrieg). Symptomatisch scheint mir, dass das gültige DBA CH/USA 96 Amtshilfe nur zu dessen Verwirklichung und zur Verhütung - und nicht zur Strafverfolgung - von "frauf and the like" zulässt, also nur den Vorbereich von Straftaten abdeckt und keinesfalls Straftaten einbezieht, welche allesamt im Rechtshilfeabkommen abschliessend geregelt sind, wobei mit wenigen präzisen Ausnahmen Fiskalvergehen ausdrücklich ausgeschlossen sind. Dessen unbeachtet haben die bisherigen IRS-Begehren und -Zumutungen graduell diese Grenzen geritzt und - zum grossen Teil von unseren Gerichts- und Exekutiv-Behörden selbstverschuldet - nunmehr verwischt. Wie im Zusammenhang mit Visum-Fragen (gefordeter Zugriff zu hiesigen Polizeidaten, via "Washington droht der Schweiz mit Visumspflicht", Tages-Anzeiger, 7.12.11) erkennbar geworden, geht der Druck amerikanischer Behörden vorspurend auch bereits über den Fiskalbereich hinaus. Und die dem neuesten IRS-Amtshilfegesuch zugrundeliegenden Grundrechts-Verletzungen sind bisher auch kaum unter diesem Gesichtspunkt geprüft worden - siehe z.B. die dortigen Gruppenanfragen-Suchkriterien, welche den Absichtsbereich und die blosse Eröffnung eines Schweizer Bankkontos bereits in den Such- und Strafverfolgungsraster aufgenommen haben.

Aus all diesen und weiteren Gründen empfehle ich Ihnen die Rücknahme dieses Geschäfts in die vorberatende Kommission, und die Ansetzung von entsprechenden Anhörungen auch externer Sachverständiger. Für weitergehende Fragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit besten Gesundheits- und Festtagswünschen

Anton Keller    022-7400362




Le Temps    12 décembre 2011

Les exigences du nouveau client bancaire
Christian Kobler

La crise de 2008 a modifié les attitudes et changé les comportements en matière de placement. L’industrie financière devra passer une épreuve de longue haleine pour regagner la confiance
Bon an mal an depuis les années 1980, le «nouveau client bancaire» est régulièrement désigné par la corporation des conseillers d’entreprises comme le catalyseur de bouleversements fondamentaux dans l’activité bancaire. Certes, les banques sont maintenant plus efficientes, les produits plus variés et plus sophistiqués, le marketing encore plus efficace et irrésistible, mais fondamentalement, rien ne s’est véritablement passé. Jusqu’à la crise financière de 2008, séisme qui s’est assorti de bouleversements drastiques et dont nous allons ressentir les répliques encore longtemps. Quelles en sont les causes profondes? Pourquoi peut-on parler d’une attitude différente des clients bancaires, et comment s’exprime-t-elle dans le comportement des investisseurs?

En termes de développement de conscience, on parle d’un «éveil», de la reconnaissance d’une illusion, née d’une perception conditionnée. Par analogie, les clients bancaires ont été, au sens propre, désillusionnés puisqu’ils ont été forcés d’admettre que nombre des hypothèses sur lesquelles ils basaient leurs relations avec l’industrie financière ont volé en éclats avec la crise financière – par exemple:

La banque évalue correctement les risques et représente une sécurité pour les clients
La sélection des produits financiers et le conseil en la matière ont à cœur de préserver les intérêts du client
Les grandes institutions financières sont plus sûres que les établissements plus modestes
Les banques s’attachent à entretenir une relation clientèle à long terme
Les établissements financiers sont quoi qu’il en soit plus compétents que les particuliers pour investir
Ces dernières années, nombreux ont été les clients à avoir fait de mauvaises expériences en matière de placements. Les promesses de rendements n’ont pas été tenues, les produits financiers ont accusé des pertes de valeur sévères, et les amples fluctuations de change ont réduit les gains à néant.

L’image d’un banquier ou d’un conseiller clientèle prudent, représentant de la vieille école et littéralement orienté vers le client, a été progressivement remplacée par celle de gestionnaires et de vendeurs motivés par leur bonus, ayant pour seule ambition d’atteindre les objectifs à court terme de la banque, tels des hamsters faisant assidûment tourner leur roue. C’est pourquoi ils sont prêts à déclencher des conflits d’intérêts, à prendre de plus gros risques, et à considérer leurs clients comme un moyen pour une fin: leur propre existence. A cela viennent s’ajouter les fréquents changements dans le suivi de la clientèle et la hiérarchie, ce qui dément toute perspective de long terme du point de vue du client. La correspondance entre les valeurs des établissements financiers et celles du client n’est donc souvent qu’un vœu pieux.

Par ailleurs, beaucoup ont pris conscience que, à travers leur culture d’entreprise et leurs activités de financement et de placement, les établissements financiers exercent une forte influence sur l’évolution sociale et écologique de notre planète. Les clients bancaires qui se préoccupent activement de leur avenir, de leurs enfants et de leurs petits-enfants sont de plus en plus au fait des conséquences malsaines qu’un comportement commercial axé exclusivement sur une réussite économique unilatérale peut avoir sur la qualité de vie des générations futures.

La rapidité et l’ampleur de cette prise de conscience chez les clients dépendent des circonstances individuelles, des expériences et des interactions vécues avec les établissements financiers.

Si le client est tourné vers l’avenir, les perspectives de prospérité pour les investissements sont, au regard d’un contexte politique et économique extrêmement incertain, marquées par l’insécurité. Dans une telle situation, désormais, soit le client cherche des partenaires fiables pour ses placements, soit il se résigne à gérer lui-même ses investissements.

Quoi qu’il en soit, cette conscience aiguisée se traduit par de nouveaux comportements en matière de placements. Si l’on se penche sur la situation de départ évoquée ici, on constate les points clés ci-après:

Priorité à la sécurité et à la préservation des valeurs, au regard des insécurités
Plus grande attention aux coûts du fait des prévisions de rendements moins élevées
Placements plus fréquents dans les valeurs concrètes comme l’immobilier, les matières premières, etc.
Prédilection pour des produits financiers simples et transparents, si possible avec protection du capital
Recours plus marqué à des sources d’information neutres pour aider la prise de décision
Remise en question critique et analyse précise du profil de risque approprié
Soutien plus large des décisions de placement dans la famille proche
Prise en compte des aspects écologiques et sociaux du développement durable
S’agissant de la sélection du partenaire commercial, les éléments suivants vont gagner en importance:
Continuité de la relation,
Transparence du conseil, en matière de coûts et de modèle commercial
Transactions marquées par la prudence, dans l’intérêt à long terme du client
Fiabilité de la direction et du conseiller clientèle
Notification, lorsqu’ils sont inévitables, des conflits d’intérêts
Valeurs communes
L’industrie financière est à la croisée des chemins. Elle doit regagner la confiance de ses clients. Parallèlement, les revenus des ventes, des produits financiers et des patrimoines investis ne cessent de chuter.

Les circonstances d’avant 2008 ne se reproduiront pas de sitôt. En effet, personne ne table sur une embellie boursière dans un avenir proche, et le client n’accordera sa confiance à l’industrie qu’après lui avoir fait passer une épreuve de longue haleine.

Seuls les établissements financiers qui ont compris le sens profond de ces défis, et qui savent que revenir à une attitude «business as usual» serait se bercer d’illusions, vont pouvoir mettre en place une nouvelle culture qui leur permettra de connaître un succès pérenne dans ce nouveau contexte.




Neue Zürcher Zeitung    12. Dezember 2011

Fragwürdiger Plan zur «Rettung» der Banken
Von Rainer Schweizer

Das im Steuerstreit der Schweiz mit den USA geplante Abkommen führt zu einem neuen Vertrauensbruch gegenüber den Kunden und schädigt die Banken. Die Amtshilfeverfahren widersprechen der Verfassung und der Menschenrechtskonvention.
Die US-Justizbehörden haben gegen einige Mitarbeiter der Credit Suisse (CS) Strafklagen wegen Beteiligung am Steuerbetrug erhoben, und sie verdächtigen etwa zehn weitere Schweizer Banken ähnlicher Straftaten. Um drohende Sanktionen abzuwenden, bereitet die CS die Lieferung Tausender von Kundendossiers in die USA vor, ohne dass die USA gegen diese Kunden konkrete Vorwürfe hätten erheben können. Zudem verhandelt der Bund mit den US-Behörden über eine globale Lösung dieses neuerlichen Streits mit möglicherweise straffälligen Banken. Der Bundesrat stellte klar, dass er nicht wie bei der UBS nochmals Notrecht anwenden und nicht einen ähnlichen diskriminierenden Staatsvertrag aushandeln will, sondern eine Lösung im Rahmen des geltenden und vor allem des geänderten Doppelbesteuerungsabkommens sucht.

Strafverfahren sind programmiert
In den USA werden alle Personen, denen «Steuervermeidung» vorgeworfen wird, wegen «tax crimes» bestraft, in jedem Fall mit Verwaltungsstrafen («civil frauds»), in schwereren Fällen wegen «criminal frauds». Bei jenen Kunden, deren Dossiers die UBS liefern musste, wurden selbst denen, die eine Programm zur «freiwilligen Offenlegung» benutzten, mit einer Busse von 25 Prozent des durchschnittlichen Bankvermögens zwischen 2003 und 2010 bestraft; andere Kunden erhielten Strafbussen von bis zu 70 Prozent und oft auch Gefängnisstrafen. In der Schweiz werden diese Folgen der Datenlieferung bewusst übersehen. Doch der Informationsaustausch für solche ausländische Steuer- und Strafverfahren ist nur möglich, soweit die Schweiz solche Sanktionen anerkennt und Garantien für die Betroffenen bietet. Das ist bei der jetzt geplanten Lösung wie beim UBS-Vertrag nicht der Fall, ja die neuen Vorschläge sind wohl noch gravierender. Die Schweiz will neu erklären, bei Amtshilfegesuchen könne ein Verdächtigter auch durch Umschreibung eines allgemeinen Verhaltensmusters bezeichnet werden, aufgrund dessen von deliktischem Verhalten auszugehen sei. Zudem müssen die Bank oder ihre Mitarbeiter zu solchen Verhaltensmustern in erheblicher Weise beigetragen haben. Ein so globales Gesuch um Informationshilfe widerspricht den Anforderungen des DBA.

Dass ein eifriges Mitglied des Bundesverwaltungsgerichts 2009 in einer sehr umstrittenen Analogie Überlegungen zur möglichen Zulässigkeit von Gruppenanfragen machte, ist gegenüber dem Wortlaut des vorrangigen Staatsvertrags nicht relevant. Und dass der Bundesrat mit einem referendumspflichtigen Bundesbeschluss die Gerichte auf eine bestimmte Auslegung verpflichten will, kann den Vorrang und die Massgeblichkeit des völkerrechtlichen Vertrags nicht beseitigen.

Das DBA hält zudem fest, die Schweiz sei nicht verpflichtet, Verwaltungsmassnahmen durchzuführen, die von Gesetzen und Verwaltungspraxis der Vertragsstaaten abweichen. Genau das soll jetzt geschehen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung befiehlt betroffenen Banken, die Steuerpflicht und die Strafbarkeit von Kunden erst zu konstruieren. Der Bank werden somit quasi strafprozessuale Ermittlungsaufgaben auferlegt. Dazu ist sie weder befugt noch befähigt. Im UBS-Fall wurde klar, dass das «Aussortieren» von Kunden willkürlich, interessengebunden und fehlerhaft geschah. Zudem widerspricht es wesentlichen Menschenrechtsgarantien, weil nicht erst durch die Zwangsmassnahmen der Strafverdacht gegen eine Person begründet werden darf und weil jeder Mensch das Recht hat, sich nicht selbst oder durch seine Beauftragten beschuldigen zu müssen. In der Schweiz würden so Verfahren eingeführt, die der Verfassung und der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) widersprechen.

Die zweite Bedingung für die Erteilung von Gruppenauskünften ist ein Fehlverhalten der Bank. Auch dies erachte ich als nicht rechtmässig. Damit wird die Verletzung und Straffälligkeit der Steuerpflicht des Bankkunden unzulässigerweise zu einer Frage der Strafbarkeit seiner ausgewählten Schweizer Bank. Zudem wird die Bank faktisch durch die Behörde verpflichtet, zuzugeben, dass sie mitbeteiligt war an der Verletzung von US-Strafbestimmungen. Indem die Bank die Verfügung der Steuerverwaltung auf Herausgabe von Kundendossiers annimmt, anerkennt sie ihre Strafbarkeit nach US-Recht. Der Bundesbeschluss liefert die Schweizer Banken und ihr Führungspersonal erst recht der US-Justiz aus. Für die Bank gilt aber gemäss Bundesverfassung wie gemäss EMRK die Unschuldsvermutung, die nicht erlaubt, jemanden zu verpflichten, eigenes strafbares Fehlverhalten zuzugeben. Die geplante Regelung führt zudem dazu, dass die Kunden gegen ihre Banken Haftungsprozesse wegen Fehlberatungen einleiten werden.

Was ist zu tun?
Was wäre zu tun? Das erste Gebot wäre, dass durch das Gesetz die Voraussetzungen für diese unglaublichen Verfahren zuerst geschaffen werden, bis zur Bestätigung, dass in Straffällen das Bundesgericht letzte Instanz ist. Dann wären nebst Bussenzahlungen für Banken auch umfassende Abgeltungen von Steuerpflichten der Kunden zu prüfen, ohne diese wieder unter Vertrauensbruch der Strafjustiz auszuliefern. Vielleicht aber wäre es am besten, wenn man sich in der Schweiz die ethische Frage nochmals stellt, ob wir zum Schutz straffälliger Bankmitarbeiter und des Rufs einzelner Banken Tausende von Bankkunden in Sonderverfahren ohne den sonst jedem Mafioso zustehenden Rechtsschutz der US-Strafjustiz zuführen dürfen.

Rainer Schweizer ist em. Professor für öffentliches Recht an der Universität St. Gallen.




Le Temps    13 décembre 2011

Accord fiscal avec les Etats-Unis
Le Conseil fédéral accusé d’avoir agi sans base légale
Denis Masmejan

Le professeur de droit Rainer Schweizer critique sévèrement le Conseil fédéral pour avoir légalisé les demandes groupées du fisc américain dans une ordonnance d’application sans attendre la décision du parlement

Rainer Schweizer, professeur honoraire de droit constitutionnel à l’Université de Saint-Gall, réagit fortement au procédé utilisé par le Conseil fédéral pour inscrire les «recherches groupées» du fisc américain dans la législation suisse avant même que le Parlement se soit définitivement prononcé (LT du 10 décembre). L’inscription de ce type de demandes dans l’ordonnance d’application de la convention de double imposition avec les Etats-Unis, à laquelle le gouvernement a procédé le mois dernier, est «absolument dépourvue de base légale et contraire à la lettre et à l’esprit du traité avec les Etats-Unis signé en 1996», a confié Rainer Schweizer lundi au Temps.

Le Conseil des Etats doit se pencher ce mardi sur la question, et le Conseil national devrait empoigner le dossier la semaine prochaine, mais l’initiative prise par le Conseil fédéral «entrave gravement la liberté de décision du parlement», déplore Rainer Schweizer. En modifiant une ordonnance d’application avant même que les Chambres se soient prononcées, le Conseil fédéral accrédite en effet l’idée que le principe des demandes groupées fait déjà partie du droit suisse, et prend le risque de vider le débat parlementaire de son sens.

Rainer Schweizer précise avoir été entendu à titre d’expert par la commission de politique extérieure du Conseil des Etats compétente sur ce dossier. Mais c’était en octobre, avant que le Conseil fédéral ne prenne une décision que le juriste estime «désastreuse».

Les demandes groupées sont au cœur des négociations en cours avec les Etats-Unis pour trouver une issue à la crise née de la découverte par le fisc américain de nouveaux soupçons de délits fiscaux commis à grande échelle par des clients de Credit Suisse ainsi que d’une dizaine d’autres banques helvétiques. Interrogée, la grande banque se refuse à tout commentaire sur ce dossier.




Le Temps    14 décembre 2011

Conflit fiscal
Le Conseil des Etats aplanit le différend avec les Etats-Unis
Willy Boder et Willy Boder

La méthode dite de «modèle de comportement», qui ouvre la voie aux demandes d’entraide administrative groupées, est acceptée
«Je vous prie de bien vouloir reconnaître le modèle de comportement comme une forme d’identification du client soupçonné de délit fiscal. Nous pouvons discuter sans fin si cela nous fait plaisir ou non, mais là n’est pas la question.» La conseillère fédérale Eveline Widmer-Schlumpf a plaidé la voix de la raison pragmatique mardi devant le Conseil des Etats.

La ministre des Finances, qui défend l’interprétation juridique américaine de la convention de double imposition (CDI) de septembre 2009, en voie de ratification outre-Atlantique, a été entendue. Par 27 voix contre 5 et 4 abstentions, la Chambre des cantons a ainsi mis de l’huile dans les rouages des relations avec les autorités américaines au sujet du conflit fiscal. Les députés ouvrent officiellement la voie aux demandes groupées basées sur un «modèle de comportement».

Autrement dit, dans des cas mal définis par la jurisprudence, par exemple l’achat de produits financiers ou de services permettant d’échapper au fisc américain, l’identité du client n’est plus nécessaire pour déclencher une procédure d’entraide administrative fiscale. Il suffit, pour cela, que le «modèle de comportement» soit avéré et que la banque ait participé «notablement» à l’opération. Si le montage de sociétés offshore pour échapper au fisc tombe clairement sous le coup de cette interprétation élargie de la CDI, le flou demeure pour d’autres types de comportements.

Dans un premier temps, la Commission de politique extérieure du Conseil des Etats (CPE-E) avait songé à définir un catalogue de «modèles de comportement». Elle y a finalement renoncé, laissant la voie ouverte à différentes interprétations. «Je parie que nous allons à nouveau devoir jouer les pompiers», souligne la députée socialiste bâloise Anita Fetz, qui se demande comment le fisc américain jugera le caractère «notable» de la participation des banques.

Eugen David, ancien président de la CPE-E, avait admis le flou juridique du texte soumis au vote des députés. La seule base d’interprétation repose sur un arrêt du 5 mars 2009 du Tribunal administratif fédéral (TAF) dans le cas UBS. Les demandes groupées avaient alors été admises dans le cadre de l’ancien accord CDI de 1996 couvrant uniquement la fraude fiscale. Le nouvel accord, «réinterprété» par le parlement helvétique en ce moment, ouvrira la voie à l’entraide administrative pour évasion fiscale avec un effet rétroactif fixé à septembre 2009.

En l’absence de deux ténors de ce dossier, Dick Marty (PLR/TI) et Eugen David (PDC/SG), qui ont renoncé à un nouveau mandat sous la Coupole fédérale, le débat mené hier était nettement moins tendu que celui du 21 septembre dernier au cours duquel l’examen du projet avait été suspendu.

Sous réserve d’une approbation du projet le 21 décembre par le Conseil national, Eveline Widmer-Schlumpf pourra aborder avec davantage de sérénité les discussions en cours avec les autorités américaines pour régler le dossier fiscal. Le Conseil fédéral avait déjà fixé, par voie d’ordonnance le 16 novembre dernier, l’ancrage du principe du «modèle de comportement». Cette ordonnance vise explicitement la CDI de 1996 et avalise la décision du TAF de mars 2009 à ce propos.

«C’est le parlement qui doit faire les lois, pas le Tribunal fédéral», s’indigne le député UDC Hannes Germann, qui estime que le projet conduit «à une énorme insécurité pour la place financière suisse». Ses propositions, visant à ramener le niveau de la CDI avec les Etats-Unis à celui conclu avec certains pays européens, ou à restreindre l’emploi de la procédure dite du modèle de comportement, ont été largement rejetées.

Si le futur semble désormais en voie d’être réglé, ce n’est pas le cas du passé qui devra faire l’objet d’un accord intergouvernemental global au moment où 11 banques, dont Credit Suisse, sont dans le collimateur de la justice américaine pour assistance à fraude fiscale, voire évasion fiscale dès l’automne 2009.

Le Conseil des Etats a aussi avalisé neuf CDI, dans le sens du standard de l’OCDE qui englobe l’évasion fiscale dans le processus d’entraide.




NZZ Online    16. Dezember 2011, 10:45

«Das Vertrauen in den Finanzplatz Schweiz ist geschwunden»
Vermögensverwalter fürchten Folgen wegen des Steuerstreits mit USA
Von Zoé Baches

Die unabhängigen Vermögensverwalter nehmen im Schweizer Private Banking eine wichtige Stellung ein. Max Cotting, CEO der Aquila-Gruppe, sieht die Entwicklungen rund um Steuerstreit und Bankgeheimnis sehr kritisch und rechnet mit grossen Folgen für den hiesigen Finanzplatz .
Max Cotting, Chef der Aquila-Gruppe. (Bild: pd)

Die Aquila-Gruppe
Die Aquila-Gruppe bietet eine Plattform für unabhängige Vermögensverwalter, die keine Angestellten hat, sondern Partner, die selbständig arbeiten. Aquila erhält von den Partnergesellschaften einen Franchisebeitrag für den regulatorischen und administrativen Set-up. Die Gruppe wurde von Max Cotting gegründet und ist eine der grössten unabhängigen Vermögensverwalter im Land.

Herr Cotting, am Dienstag hat der Ständerat ja gesagt, es kann davon ausgegangen werden, dass auch der Nationalrat letztlich ja sagen wird zu den sogenannten «Gruppenanfragen» im neuen Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA. Wie werten Sie diesen Entscheid?
Max Cotting: Letztlich bedeutet dieser Entscheid das Ende des Bankgeheimnisses. Wenn ein Verdächtiger nicht mehr klar identifiziert werden muss, sondern sein Name bereits aufgrund eines sogenannten Verhaltensmusters ausgeliefert werden kann – dann gibt es die bisher im Bankgeheimnis geschützte Privatsphäre nicht mehr. Denn: Alles kann ein solches Verhaltensmuster sein. Aber: Diese Entwicklung ist die Geschichte der Zeit. Was für uns vor fünf, zehn oder fünfzig Jahren gut war, ist nun schlecht.

Künftig sind also «Fishing Expeditions» bei Amtshilfegesuchen aus den USA möglich. Was heisst das für die Zukunft der Schweizer Vermögensverwaltung?
Schauen Sie, wenn die Schweiz ein neues DBA abschliesst, ist das bei uns meist nicht mehr als eine Kurzmeldung wert. Im Ausland allerdings sieht das ganz anders aus. Diese DBA werden beispielsweise in den Zeitungen des entsprechenden Landes lange und ausführlich besprochen – betitelt wird das dann mit «Die Schweiz beerdigt ihr Bankgeheimnis» oder ähnlich. Und sie haben letztlich recht damit.

Gibt es entsprechende Reaktionen von Kunden?
Das betrifft vor allem unsere potenzielle Kundschaft sehr stark. Stimmen aus einzelnen Ländern erklären uns, dass sie kein Geld mehr in die Schweiz bringen wollen. Der Finanzplatz Schweiz stösst mit seinem Verhalten in der Folge der Auseinandersetzung mit den USA sehr viele Menschen vor den Kopf. Tatsächlich behandeln einzelne Institute langjährige treue Kunden sehr schlecht, indem sie sie ultimativ auf die Strasse stellen, ihre Daten offenlegen, oder z.B. deutschen Kunden ihr Geld nicht mehr auszahlen – bis vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Das Vertrauen in den Finanzplatz Schweiz, Stichwort Treu und Glauben, das ist geschwunden. Ich gehe davon aus, dass der Neugeldzufluss in unser Land abnehmen wird.

Auslöser dieser Entwicklung ist der Steuerstreit – zuerst mit der UBS, nun mit dem ganzen Finanzplatz Schweiz. Auch die Aquila-Gruppe ist in diesen involviert. Wie genau?
Wir haben im November 2009 einen Partner in eine unserer Partnergesellschaften (siehe Box) aufgenommen. Dieser Berater war bis Mitte 2008 im Nordamerika-Offshore-Team der UBS tätig. Als diese ihre amerikanischen Kunden rauswarf, wechselte er mit ihnen zur Neuen Zürcher Bank. Als diese ihr Private Banking schloss, machte sich der Berater selbständig und wechselte zu uns. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits 22 seiner insgesamt 27 US-Kunden in die Selbstanzeige in den USA begleitet. Anderthalb Jahre später, nachdem er zu uns gewechselt hatte, wurde er für seine Tätigkeit während seiner Zeit bei der UBS angeklagt.

Wie reagierten Sie?
Wir haben die Anklage mit ihm analysiert und kamen zum Schluss, dass die Vorwürfe so pauschal sind, wie das auch die anderen Klagen sind. Aber: In seinem Fall gab es einen substanziellen Vorwurf, und zwar handelte es sich um die Abwicklung von Kompensationsgeschäften im Ausland (der Berater erhält von einem Kunden Geld und gibt es an einen anderen weiter. Beim einen Kunden wird dann eine Auszahlung gebucht, beim anderen eine Einzahlung, Anm. der Redaktion), was auch bezüglich der Schweizer Sorgfaltspflicht ein Problem darstellte. Das war der Grund, warum wir uns im August 2011 von ihm trennten, mit der Auflage, dass er seine Kunden innert dreier Monate umplacierte und mitnahm.

«Wir können es uns nicht leisten, mit den amerikanischen Behörden im Streit zu liegen.»

Wie werten Sie diesen Entscheid im Nachhinein? Sie sagen selbst, die Anschuldigungen waren zur grossen Hauptsache pauschal. Haben Sie richtig entschieden?
Es ist schon so, dass wir es uns nicht leisten können, mit den amerikanischen Behörden im Streit zu liegen. Das ist das Problem bei all diesen Anklagen. Für die Betroffenen sind die Konsequenzen riesig, selbst dann, wenn kein Schweizer Recht verletzt wurde. Unser Berater beispielsweise garantierte eidesstattlich, dass er, seit er bei uns arbeitete, keine Kunden ausserhalb der Schweiz besuchte, keine US-Kunden aktiv anrief, keine Stiftungen, Trusts oder sonstige Offshore-Strukturen erstellte. Er hatte also seither alles richtig gemacht. Aber: Wenn jemand von den USA angeklagt wird, dann haben wir als Institution sofort ein Reputationsproblem.

Fragten Sie sich im November 2009 – mitten in der ganzen UBS-Geschichte – ob es überhaupt Sinn macht, noch Offshore-US-Gelder zu übernehmen?
Möglicherweise waren wir zuwenig sensibel. Doch dachten wir, wir hätten ein gutes Argument. 80 Prozent der Kunden dieses Beraters waren ja in der Zwischenzeit in den USA offengelegt worden. Diese waren Teil der rund 4450 Namen, die von der UBS in die USA ausgeliefert worden waren. Wir gingen damals mit gutem Gewissen davon aus, dass das eigentlich die besten Kunden für uns seien. Denn diese waren ja jetzt offengelegt. Wie gesagt, von 27 waren 22 in den USA gemeldet. Die Absicht war, dass der Berater die restlichen fünf auch noch in die Selbstanzeige begleitete. Aquila selbst hatte damals beschlossen, für eine Gruppengesellschaft eine SEC-Registrierung zu beantragen, so dass wir alle amerikanischen Kunden in einer Einheit betreuten konnten. Diese Lizenz sollten wir in Kürze erhalten.

Rund um den Steuerstreit spricht eigentlich niemand von den unabhängigen Vermögensverwaltern. Wie gross ist deren Bedeutung?
Wir haben eine recht hohe Bedeutung. Die unabhängigen Vermögensverwalter haben heute einen Marktanteil von rund 15 Prozent aller in der Schweiz betreuten Vermögen. Wir betreuen insgesamt gut 600 Mrd. Franken von inländischen, ausländischen, privaten und institutionellen Kunden. Auch wächst die Branche weiterhin sehr stark. Zum einen, weil die Einstiegshürden relativ tief sind. Das einzige, was sie heute brauchen, ist ein Anschluss an eine Selbstregulierungsorganisation für Geldwäscherei-Belange. Die Branche ist zudem stark fragmentiert. 2500 bis 3000 unabhängige Vermögensverwalter gibt es, zu 70 Prozent sind das Firmen mit weniger als drei Angestellten und mit einem betreuten Vermögen von weniger als 100 Mio. Franken.

«Die Banken haben kein Interesse daran, dass unsere Branche weiter wächst.»

Wie ist das Verhältnis zu den Banken?
Die Banken haben kein Interesse, dass unsere Branche weiter wächst. So gibt es immer wieder langjährige Kundenberater, die sich in der heutigen Bankenwelt nicht mehr wohlfühlen und sich deshalb selbständig machen. Einen Teil ihrer Kunden nehmen sie mit und werden so von einem Tag auf den anderen zu Konkurrenten. Andererseits sind sie aber gleichzeitig ein starkes Kundensegment für die Bankhäuser, da sie ja die Kundengelder nicht selber bei sich selber buchen, sondern eben wieder zu den Banken bringen.

Wie viele der unabhängigen Vermögensverwalter in der Schweiz hatten Offshore-US-Kunden?
Grundsätzlich dürfte es eher ein Problem der letzten drei Jahre sein, also primär Neueinsteiger, die von den grossen Banken wie der UBS, der CS und Julius Bär kamen, und ihre amerikanischen Kunden mitnahmen. Als diese Banken beschlossen, sich von ihren US-Kunden unvermittelt zu trennen, war das für die betroffenen Kundenberater sicher ein Kahlschlag. So sollten sie sich von ihren Kunden und vielleicht manchmal sogar von Freunden trennen. Diese Nähe zum Kunden ist eine der grossen Stärken des Beraters, das wurde nun zum Boomerang. Einige fühlten sich sicher menschlich verpflichtet, ihren Kunden weiter zu helfen, also machten sie sich selbständig und halfen ihnen, eine neue Bankverbindung zu suchen.

«Wir sind ein wichtiger Teil des Finanzplatzes und gehören rein in den Deal»

Es ist also eher das Problem von Neueinsteigern, denn von der Branche?
Ja, das glaube ich. Aber: Wenn unsere Branche nicht im globalen Deal mit den USA drin wäre, dann wäre das verheerend. Weil wir dann nicht durch ein Abkommen geschützt wären. Als Konsequenzen müssten wir davon ausgehen, dass es noch mehr Whistleblower in den USA gäbe, die auch uns betreffen könnten. Die unabhängigen Vermögensverwalter sind ein wichtiger Teil des Finanzplatzes Schweiz, und als solcher gehören wir rein in den Deal.

Es wurde ja von Seiten Banken auch versucht, ihrer Branche den schwarzen Peter gegenüber den USA zuzuschieben.
Ja, es gibt ein namhaftes Institut, das sich gegenüber den Medien äussert, dass es keine Verantwortung für die Schwarzgelder der US-Kunden trage, da die unabhängigen Vermögensverwalter diese einbrachten. Diese Argumentation ist lächerlich. Jede Bank ist verpflichtet, für jeden neuen Kunden die entsprechenden Identitätsprüfungen zu machen – egal, ob dieser von einem eigenen Banker oder von einem unabhängigen Vermögensverwalter gebracht wird. Die Bank ist als Buchungsstelle für die ordentliche Geschäftsabwicklung zuständig.

Diverse Steuerdeals stehen neben den USA auch mit Grossbritannien und Deutschland an. Was sind die Folgen für den Finanzplatz Schweiz?
Wir gehen davon aus, dass die Kundenvermögen alleine wegen der Börsenturbulenzen um 10 Prozent gesunken sind. Wegen den genannten Steuervergleichen mit Deutschland, Grossbritannien und den USA werden die Kundenvermögen noch einmal um geschätzte 15 bis 20 Prozent fallen. Wegen den sinkenden Volumen verzeichnen wir sinkende Erträge, die Margen im neuen grenzüberschreitenden Geschäft können zudem nicht mehr gleich hoch sein wie im bisherigen Geschäft. Wir gehen von einem Margenschwund von 100 Basispunkten auf 80 aus. Die Branche der unabhängigen Vermögensverwalter wird zudem künftig viel schärfer reguliert, was für die einzelnen Vermögensverwalter riesige Kosten zur Folge hat. Die Anzahl Vermögensverwalter wird sich deutlich reduzieren, währenddessen der Marktanteil als solcher eher steigen wird.

Was heisst das?
Von heute 2500 bis 3000 Vermögensverwaltern wird nur ein Drittel überleben. Um die neuen Regulierungsvorschriften zu erfüllen, wird eine Firma mindestens fünf Mitarbeiter beschäftigen müssen. Alleine ein Fünf-Mann-Betrieb wird mindestens 1 Mio. Fr. Aufwand haben, das heisst, es braucht verwaltete Vermögen von mindestens 150 bis 200 Mio. Franken, um profitabel arbeiten zu können. Viele werden sich zu grösseren Einheiten zusammenschliessen oder sich an Plattformen wie die Aquila-Gruppe anschliessen. Einzelne Einmann-Betriebe werden altersbedingt aussterben.




Sonntags-Zeitung    18.Dezember 2011

Die USA offerieren elf Schweizer Banken die Straffreiheit
Auch die Namen der US-Offshorebanker werden an die US-Justiz übermittelt
Credit Suisse, Basler KB und HSBC müssen bis Ende Jahr ihr US-Geschäftsmodell offenlegen
VON LUKAS HÄSSIG

BERN Freitagmorgen, 10 Uhr, Bernerhof, der Sitz des Eidgenössischen Finanzdepartements: Vertreter der elf Schweizer Banken, die von den USA bedrängt werden, warten auf vertrauliche Informationen von Michael Ambühl, dem Finanz-Staatssekretär und Unterhändler im Steuerkrieg mit den Amerikanern. Anwesend sind auch Spitzenleute der Bankenaufsicht Finma, von Justiz, Steuerverwaltung und der Bankiervereinigung. Was Ambühl den Banken nach monatelangem Verhandlungsmarathon als Offerte überbringt, erscheint wie ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk. Es gibt, so die Botschaft des Chefbeamten, eine Lösung ohne Anklage.

Laut einem Involvierten müssen beim Deal beide Seiten nachgeben. Die elf bedrängten Banken erhalten von der US-Justiz je ein individuelles Abkommen à la UBS offeriert. Adressaten sind die Credit Suisse (CS), Julius Bär, Wegelin, die Zürcher Kantonalbank (ZKB), die Basler Kantonalbank (BKB), die Neue Zürcher Bank (NZB) in Liquidation und die Schweizer Ableger von HSBC, der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) und den drei israelischen Banken Leumi, Hapoalim und Mizrahi.

Im Gegenzug müssen die Banken erleichterte Rechtshilfegesuche aus Washington akzeptieren und damit alle Informationen ihres US-Offshoregeschäfts via Bern an die USA liefern. Die Namen der US-Kunden werden geschwärzt. Obendrauf kommt eine Busse. Die Banken müssen bis nächsten Dienstag schriftlich ihr Einverständnis erklären.

Jede der elf Banken soll umfassendes Datenmaterial aushändigen. Darunter fällt:
    - die Korrespondenz zwischen Banken und ihren US-Kunden, inklusive Sitzungs- und Telefonnotizen;
    - interner Schriftwechsel über US-Kunden in den jeweiligen Abteilungen und mit dem Management;
    - Korrespondenz zwischen Banken und Drittfirmen wie externen Vermögensverwaltern und Treuhändern betreffend US-Kunden;
    - alle Dokumente über das US-Geschäftsmodell sowie die Informationen über US-Gelder, die Drittbanken überwiesen wurden.

Brisant: Selbst die Namen ihrer US-Offshorebanker müssten die Banken übermitteln. Allerdings soll dies unter der Auflage erfolgen, dass die USA keine individuellen Strafverfahren anstrengen würden.

Den Banken bleibt nur wenig Zeit, wie das Bundesamt für Justiz im Meeting vom Freitag verdeutlichte. Als Tatbeweis müssten drei erste Banken ihr Material per Stichtag 31. Dezember abliefern. Betroffen sind die Grossbank CS, die BKB sowie die HSBC Schweiz.

Bei einem Nein nehmen sich die USA jede Bank einzeln vor

Die nächste Gruppe für eine Daten-Grosslieferung nach Washington umfasst Julius Bär, Wegelin, die ZKB und die LLB. Auch für sie gilt der 31. Dezember als Liefertermin, deren Fahrplan könnte sich aber noch ändern. Für die NZB wurde kein Termin bestimmt, für die israelischen Institute ist das Abgabedatum noch offen.

Ambühl bekräftigte am Meeting vom Freitag, dass die USA alle elf Banken als «Target» - also strafrechtliche Ziele - betrachten. Entsprechend sässen alle im gleichen Boot und würden die Bedingungen wohl akzeptieren, sagt die Quelle. Anders sei ein Schlussstrich kaum möglich. Entsprechend erwarteten die USA die Zustimmung aller elf Banken.

Was im Fall eines Neins passiert, ist unklar. Laut einem New Yorker Anwalt mit Beziehungen ins US-Justizministerium würden die USA bei einem negativen Entscheid innert weniger Wochen die erste der elf Banken anklagen und weiteren solches androhen. «Der Deal wäre gestorben, alle elf Institute kämen früher oder später an die Kasse.»

Ein Sprecher der CS wollte keinen Kommentar abgeben. Eine Sprecherin der Bankiervereinigung, Rebeca Garcia, meinte auf Anfrage: «Wir können bestätigen, dass wir am Treffen dabei waren, äussern uns aber nicht zum Inhalt.» Selbiges lässt Mario Tuor, Sprecher von Ambühl, verlauten.

Die Bankiervereinigung muss im Nachgang zu den Einzeldeals der elf Banken einen Globaldeal für die übrigen rund 300 Banken in der Schweiz koordinieren. Betroffene US-Kunden können dabei offenbar zwischen Offenlegung und Abgeltung wählen. Im Unterschied zum Modell mit Deutschland beinhaltet Abgeltung keine Immunität.

Nach umfassenden Ermittlungen gegen das Schweizer US-Offshoregeschäft verfügen die USA über umfangreiche Informationen. Weiterer Widerstand scheine den elf Banken zwecklos, meint ein Involvierter. «Würde ein Institut ausscheren, gingen die USA wohl sofort auf diese Bank los», sagt er. Dieses Risiko wolle kein Institut eingehen. Lieber würde die Offerte akzeptiert und nach vorne geschaut. Insbesondere wenn eine Bank börsenkotiert sei und die Altlasten aus dem US-Geschäft längst im Kurs abgebildet seien.

Unbekannt ist die Höhe der Bussen. Die UBS kaufte sich bei ihrem Friedensdeal von 2009 für 780 Millionen Dollar frei. Gut möglich, dass die CS mehr bezahlen muss. Der US-Anwalt in New York spricht von 3 Milliarden Dollar für alle elf Banken. Die Busse hänge ab vom Umfang des US-Geschäfts einer Bank sowie von deren in den Augen der USA schuldhaftem Verhalten.




The Observer    18 December 2011

Tax avoidance trade puts Square Mile in spotlight again
The complex practice of 'dividend washing' threatens to increase Europe's anger at the City
by Nick Mathiason

The City of London could face more EU anger over a growing tax avoidance trade. Photograph: Alamy

Some of the city of London's biggest banks are behind a huge tax avoidance trade "cheating" European countries of hundreds of millions of euros a year, in a development that sheds fresh light on David Cameron's decision to wield Britain's EU veto to protect the Square Mile.

A two-month study by the Bureau of Investigative Journalism has uncovered a £65.7bn market in European equity dividends whose "central" purpose is tax avoidance. The bureau's analysis suggests the European tax loss – mainly to France, Germany and Italy – is up to £500m a year. The scale of tax avoidance will fuel further anger within the EU towards the Square Mile, where the vast majority of the trade, known as dividend arbitrage, is conducted.

It also serves as a stark reminder to George Osborne that British banks are engaged in risky activities before the chancellor on Monday formally responds to Sir John Vickers' independent commission on banking, whose report recommended ringfencing banks' high street businesses from their "casino" investment banking arms.

Dividend arbitrage is complex. But at its heart, a bank or hedge fund lends equities in often high-yielding French, German or Italian companies to another institution. The receiving institution then passes the equities through a network of low- or no-tax jurisdictions, before returning the equities to the original owner using a subsidiary in another tax haven. In this way, banks can avoid the 15% average "withholding tax" levied on dividends in European countries.

For hedge funds based in the Cayman Islands or Bermuda, the trade is particularly useful in slashing tax bills.

Credit Suisse, the giant Swiss financial services institution, is among a host of international banks and hedge funds involved. The bureau has seen a Credit Suisse document that details how to implement dividend arbitrage strategies and has received confirmation from a senior derivative executive that the bank is an active participant. When asked whether Credit Suisse engaged in aggressive tax avoidance, the bank declined to comment.

Among other banks said by City sources to be major dividend arbitrage players are Barclays Capital, Bank of America and Morgan Stanley. All declined to comment.

Josh Galper, managing principal of Finadium, a US-based securities lending consultancy, and an expert in this area of finance, says: "The dividend tax element is central to the trade; without it there would be no reason to engage in dividend arbitrage."

On learning of the bureau's findings, the former Liberal Democrat treasury spokesman Lord Oakeshott called for the Financial Services Authority (FSA), the Treasury and the European commission to launch an investigation to ensure full disclosure of all dividend arbitrage transactions.

"This looks like a highly artificial operation by London investment banks to cheat German and French taxpayers," he says. "If these are genuine commercial transactions for clients, why do they have to be washed through an eye-wateringly convoluted string of offshore vehicles? This sort of behaviour poses huge reputational risks for the City.

"The FSA, Treasury and the European commission must work closely together to ensure the whole sequence of transactions of this type is fully disclosed to the British, German and French tax authorities. We must stamp out abusive artificial tax-dodging transactions together with our European partners, and stop pretending they are out to undermine the City of London as a responsible and pre-eminent financial centre."

"This issue highlights a structural flaw in our current international financial system," says Markus Meinzer, applied researcher and analyst at the Tax Justice Network. "Governments refuse to institute robust transparency and co-operation mechanisms in view of aggressive financial sector lobbying and because of the bizarre, yet largely unchallenged view of alleged benefits flowing from competition between states," he said.

Icap, the brokerage run by the former Conservative party treasurer and outspoken critic of the EU's financial transaction tax proposal, Michael Spencer, is the broking firm most used by banks to buy and sell equities for the purpose of "dividend washing", as the trade is more commonly known, according to four well-placed City sources.

Suggestions from three of these sources that Icap acts as a principal in dividend arbitrage by buying equities were flatly denied by the company.

The firm added: "Icap's clients do not disclose to Icap their commercial rationale for the transactions that they execute. Icap takes its legal, compliance and regulatory responsibilities extremely seriously and performs all obligations that are required of it by the FSA and other regulatory bodies. It is not Icap's role to ascertain any of its clients' tax affairs, which are confidential and a matter for them and their relevant tax authorities."

While dividend arbitrage is a completely legal trade, some brokers and advisers spoken to by the bureau opt not to participate in it. One says dividend arbitrage "sails close to the wind" because of its tax avoidance focus.

Dividend arbitrage also creates huge jumps in equity lending volumes in the second quarter of a year, when most companies release their dividends.

According to US-based Risk Management Association, European equities worth $136.9bn were lent in the second quarter of 2011, compared with an average of $70.75bn in the three other most recent quarters where data is available.

DIVIDEND DEALING
Finadium, the US financial consultancy, estimates that 75% of the $136.9bn European equities lending total in the second quarter of 2011 is directly linked to dividend arbitrage. This estimation has been peer reviewed. It means in the second quarter, when most but not all dividends are released by companies, equity loans attributed to dividend arbitrage totalled $102.68bn.

Average dividend yields in 38 French, 10 German and 36 Italian major equities, according to data seen by the bureau, is 5.03%. This means $5.164bn is the total European dividend pot. An average 15% withholding tax on the European total dividend pot applicable on financial institutions should raise $774.6m. But placing dividends in offshore secrecy jurisdictions there is no guarantee that $774.6m finds its way to the appropriate exchequers.




Basler Zeitung    19. Dezember 2011

Credit Suisse und die Schattenbanken
Von Bernhard Fischer

Die Schweizer Grossbank soll sich an undurchsichtigen Finanzkonstrukten beteiligen. In den Augen der internationalen Finanzmarktregulatoren sind das fragwürdige Geschäfte mit grossem Risikopotenzial.
Die CS soll mit 331 Milliarden Franken Teil des drittgrössten Schattenbankensystems weltweit sein: Ein Mann vor einem Credit-Suisse-Bürogebäude in Zürich. Bild: Keystone

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Mit 331 Milliarden Franken ist die Credit Suisse (CSGN 21.13 -0.47%) laut der aktuellen Ausgabe von «Business Law Currents» von Thomson Reuters in diverse Hedge- und Geldmarktfonds investiert. Die Schweizer Grossbank ist damit Teil des drittgrössten Schattenbankensystems weltweit. Auf den vorderen Rängen rangieren die Investmentbanken JP Morgan und Morgan Stanley mit Investitionen von je 384 Milliarden Franken.

Das Ziel der Anlagefonds ist es, mit risikoreichen Finanzprodukten zu handeln und auch Gelder über diverse Finanzvehikel etwa auf den Cayman Islands oder den Bermudas steuerschonend zu parken. Credit Suisse will das auf Anfrage nicht kommentieren.

Das Problem bei solchen Konstrukten: «Sie scheinen nicht transparent in den Büchern auf und sind aus einem Geschäftsbericht nicht herauszulesen», sagt Manuel Ammann, Vorstand des Schweizerischen Instituts für Banken und Finanzen der Universität St. Gallen. Damit unterliegen die indirekt starken Beziehungen der Credit Suisse zur Hedgefondsbranche nicht der gleichen Transparenz wie das gesamte Bankgeschäft in der Schweiz. Das weltweite Volumen von solchen Schattengeschäften, die von der Bankenregulierung nicht erfasst werden, wird auf 60 Billionen US-Dollar geschätzt (56 Billionen Franken).

Ausgelagerte Zweckgesellschaften von Banken, Investment- und andere Finanzmarktfirmen, die keine Banken sind, wickeln dennoch Bankgeschäfte ab. Das wirft kein gutes Licht auf die Credit Suisse. Denn Schattenbanken haben den Ruf, mit grossen Risikopositionen so massiv exponiert zu sein, dass sie auch systemrelevante Finanzinstitute ins Wanken bringen können.

Das Risiko solcher Geschäfte war schon zu Zeiten der Finanzkrise 2008 ein grosses Thema. Damals wurden die Schattenbanken Special Purpose Vehicles genannt, kurz: SPV. Hypotheken und Bankkredite wurden gebündelt, bewertet und als Assets weiterverkauft, die wiederum als Sicherheiten für Kredite dienten. Das Pyramidenspiel ist bekanntermassen als Subprime-Krise aufgeflogen. Das droht sich nun zu wiederholen. Weltweit grösste Drehscheibe für das Schattenbusiness ist der Finanzplatz London, der vergleichsweise wenig reguliert ist.

Vorbeigeschleuste Dividenden
Aber nicht nur aus Risikogründen sind die Schattengeschäfte problematisch. Auch der Versuch, Dividenden institutioneller Investoren in Steuerparadiese zu schleusen, läuft den Finanzregulatoren zuwider. Eine Studie der Nichtregierungsorganisation Bureau of Investigative Journalism (BIJ) hält fest, dass institutionelle Anleger vor allem die Staaten Frankreich, Deutschland und Italien um Steuergelder in der Höhe von bis zu 727 Millionen Franken pro Jahr bringen.

Abgewickelt wird dies ebenfalls über ein Netzwerk diverser Schattenbanken. Ein Hedgefonds oder eine Bank leitet die Dividendenerträge an Finanzinstitutionen weiter, die jeweils ihre Sitze in verschiedenen Steuerparadiesen haben. Über dieses Schattenbankensystem werden die Dividenden schliesslich wieder zum Eigentümer zurückgeleitet, der selbst eine Niederlassung in einem steuerbegünstigten Land unterhält. Auf diesem Weg werden im Schnitt 15 Prozent Dividendensteuer in Europa gespart. Die Credit Suisse soll laut BIJ sogar ein Strategiepapier verfasst haben, das derartige Geldströme im Detail regelt.

Um diese undurchsichtigen und teils riskanten Geldströme transparenter zu machen, will das Financial Stability Board (FSB) mit Sitz in Basel im nächsten Jahr auch die Schweizer Banken verstärkt einbinden. Denn von 24 Mitgliedstaaten des FSB sind bis jetzt nur elf Länder mit an Bord, die Schweiz ist nicht Teil der Arbeitsgruppe.




Le Temps    7 janvier 2012

Max Gallo: «Nous n’avons pas de menace extérieure grave
qui nous impose de dépasser la crise et elle perdure»
Mathilde Farine

L’analyse de la crise de la dette en Europe ne peut être faite sans prendre en compte la confrontation des Etats-nations la formant, estime Max Gallo. Conversation avec ce «souverainiste» sur les maux frappant actuellement la zone euro, dans son appartement parisien, envahi par les livres
L’analyse de la crise de la dette en Europe ne peut être faite sans prendre en compte la confrontation des Etats-nations la formant, estime Max Gallo. Conversation avec ce «souverainiste» sur les maux frappant actuellement la zone euro, dans son appartement parisien, envahi par les livres.
   * «L’Europe a changé à partir de la chute du mur de Berlin»
   *  Homme de lettres
Le Temps: Comment avez-vous analysé le résultat du sommet européen des 8 et 9 décembre?
Max Gallo: Il reflète une prise en compte partielle, mais effective de la réalité. Le Traité de Maastricht a notamment été complété en réglant, d’une manière dont on peut discuter, la question de la Grande-Bretagne, qui était à la fois présente et absente. Autre avancée, la question de la gouvernance économique avec l’inclusion de sanctions quasi automatiques. Surtout, on laisse jouer à la BCE un rôle discret mais réel en accordant des prêts de 36 mois aux banques à un taux d’intérêt de 1%. Ce dernier point est à peu près le seul positif, car on peut penser que ce jeu de la BCE permettra des rachats de dette souveraine. Par ce biais, on pourra se fixer sur la croissance et pas seulement – c’est le principal reproche à cet accord – sur la rigueur budgétaire. Mais tout cela est mobile, complexe, ambigu et imparfait et ne résout pas la question de l’origine de la crise.

– Où voyez-vous l’origine de la crise?
– Je suis très sensible à l’argumentation de Martin Wolf (chroniqueur au Financial Times, ndlr) qui met l’accent sur les déséquilibres des balances commerciales. Les pays qui souffrent le plus de la crise ne sont pas ceux qui ont les déficits budgétaires les plus marqués, mais ceux dont la balance commerciale est la plus déficitaire. C’est là que se situe l’origine de la crise: l’Europe est consommatrice en dernier ressort et ne fabrique plus. Les zones productrices se sont déplacées vers l’Asie. On ne sortira de la crise que si l’on recommence à produire mais avec une productivité accrue, ce qui suppose du temps et de grands bouleversements économiques dans les pays de l’Union européenne. Il ne faut pas non plus négliger dans cette analyse des causes de la crise la guerre des monnaies. C’est une réalité entre d’une part le dollar qu’on peut imprimer à satiété grâce à la Fed, la livre sterling qui bénéficie de la politique de rachat de dettes de la Banque d’Angleterre et l’euro d’autre part. Cette guerre, consciente ou pas, reflète la volonté de faire exploser l’euro de la part des Anglo-Saxons.

– Qu’en est-il des divergences entre les Européens?
– Il faut aussi prendre en compte la question de la position de l’Allemagne qui met l’accent sur le rôle très important des histoires culturelles dans la crise. Il existe une culture des pays méditerranéens, de la France et de l’Allemagne, qui peut-être s’enracine dans le protestantisme. Rappelez-vous Luther: il protestait contre les indulgences, l’inflation des indulgences et de la permissivité. J’ai été frappé par une phrase du ministre allemand des Finances, Wolfgang Schäuble, déclarant qu’il faut que les pays occidentaux apprennent à envisager une limitation de la croissance. Cela ajoute à la complexité du problème. Au final, le sommet n’est ni la victoire de l’Allemagne sur la France, ni l’inverse. Les deux ont réellement fait des pas dans la direction l’un de l’autre. Ils sont embarqués dans le même bateau.

– Le retrait de la Grande-Bretagne constitue-t-il un drame?
– Il ne faut pas oublier que c’est une île et que, de ce fait, elle s’est toujours tenue à l’écart du continent. Elle ne s’est impliquée que contrainte. Elle va pouvoir continuer à participer aux réunions et soumettre des propositions. Je ne doute pas qu’elle conduise, comme l’ont dit certains observateurs, à une véritable guérilla juridique à l’intérieur des institutions européennes. En même temps, que l’on soit souverainiste ou non, il faut être pour la construction d’une Europe puisqu’il y a une civilisation commune, des intérêts communs et un marché énorme. Nous sommes une zone riche: ne pas être capables de nous mettre d’accord est un scandale historique. Mais je n’oublie pas ma vocation souverainiste: on ne peut pas faire comme si les nations n’existent pas. Il faut à la fois les faire converger, tout en se rappelant qu’on ne peut pas faire fi dans la construction européenne du rôle des nations, des élus de ces peuples et donc des gouvernements. D’où l’importance de l’intergouvernementalisme.

– L’Europe doit faire face à une autre menace: la montée en puissance des grands pays émergents…
– On revient à la question du déficit de la balance commerciale. Le monde bascule vers ces pays émergents. L’Europe a intérêt à trouver une solution, mais la menace n’est pas celle qu’on craignait de la part des Soviétiques: une menace militaire, d’occupation, de changement de régime. La Chine, l’Inde ou le Brésil veulent que l’on achète leurs produits, mais pas installer leur drapeau place de la Concorde.

– La menace économique n’est donc pas si importante?
– Elle est extrêmement importante. Si nous voulons rester une zone démocratique de niveau de vie élevé, elle exige que l’on résolve les crises. Mais aussi que l’on pense à la croissance et que l’on accentue la convergence. Il faut aussi que l’on prenne des décisions à la majorité qualifiée, plutôt qu’à l’unanimité. Car, n’oublions pas un élément essentiel des motifs de la crise: on ne peut pas prendre des décisions à 27. On voit immédiatement resurgir les intérêts nationaux. Le terme peut paraître extrême mais il faut un putsch franco-allemand dans lequel on ose dire: oui, nous sommes les deux grandes puissances de cette région, nous discutons, nous arrivons à un compromis, nous l’imposons aux autres et, s’ils ne sont pas d’accord, ils partent. Or, c’est ce qui est arrivé et c’est le seul moyen d’avancer. Ce n’est pas possible si l’on considère que, formellement, Malte ou la partie grecque de Chypre ont autant de poids dans un vote qu’une autre puissance.

– Dans les autres exemples de crises européennes, est-ce qu’il y a des éléments qui donnent un espoir de déblocage?
– Oui. Malgré le regain du discours national, l’espoir de déblocage réside dans le fait que tout au fond, les citoyens de l’Europe savent bien que leur intérêt est quand même de rester unis. C’est vrai dans tous les pays. Il y a un désir d’Europe, même s’il ne peut exister qu’à la condition que les spécificités nationales soient préservées. C’est là toute la difficulté. On a entendu pendant des décennies le discours assurant que les nations sont obsolètes et qu’il faut construire les Etats-Unis d’Europe. Puis Jacques Delors a parlé de la fédération d’Etats-nations et, aujourd’hui, on parle de l’intergouvernemental, ce qui montre que l’on a pris conscience de l’importance de ce fait national. Il faut combiner le sentiment naturel d’un mélange pour les nouvelles générations et le respect d’une histoire et de l’existence d’un sentiment national fort.

– Un économiste disait récemment: il ne faut pas oublier le rôle de vigie qu’ont joué les marchés car finalement ce sont eux qui ont poussé les politiques à trouver des solutions à la crise. Partagez-vous ce point de vue?
– Non, parce que cela signifierait que les marchés ne sont que des observateurs objectifs ou des vigies dans un phare, observant les marrées. Ils constituent au contraire des acteurs majeurs de la situation économique et financière. Ils cherchent des bénéfices. Ils sont très heureux de voir que la BCE va prêter de manière illimitée aux banques à une durée de 36 mois, ce qui leur permettra de prêter ensuite aux Etats en réalisant un gain. Les marchés, les banques, sont partie prenante du jeu financier. Il ne faut pas laisser détruire le système bancaire et le renflouer si nécessaire. Mais la régulation, le rôle des Etats, puisque les institutions européennes n’y parviennent pas, est capitale.




Zeitpunkt 8.Januar 2012

Mit Vollgeld aus der Krise
Von: Christoph Pfluger

Die private Geldschöpfung durch die Banken – lange ein blinder Fleck – wird zusehends zum Politikum. Nun hat der Verein «Monetäre Modernisierung» (MoMo) ein handliches Buch herausgegeben: «Die Vollgeld-Reform – wie Staatsschulden abgebaut und Finanzkrisen verhindert werden können». Darin analysieren prominente Wissenschaftler das Problem und schlagen eine Verfassungsreform vor.
Der Grundsatz: Nur noch die Nationalbank soll Geld schöpfen können.
Zunächst ein bisschen Geldgeschichte: Mit der industriellen Revolution ersetzten zu Beginn des 19. Jahrhunderts Banknoten Münzen als wichtigstes Zahlungsmittel. Sie wurden von den Banken herausgegeben – daher der Name – und untergruben nebenbei das staatliche Geldmonopol. Zudem war die Deckung der Banknoten von der Bonität des herausgebenden Instituts abhängig. Die strittige Frage nach der Geldschöpfungsautorität wurde zuerst in England mit dem «Bank Charter Act von 1844 zugunsten der Bank of England entschieden. Nach diesem Beispiel wurden bis zum Ersten Weltkrieg in den Industrieländern die privaten Banknoten durch staatliches, durch Gold gedecktes Papiergeld ersetzt. Das staatliche Geldmonopol war allerdings nicht vollständig: Ein Drittel der Zahlungsmittel bestand schon im vorletzten Jahrhundert aus Buchgeld der Banken. Heute, mit Münzen und Noten als einzigen, dem Publikum zugänglichen gesetzlichen Zahlungsmitteln, bestehen rund 85 Prozent der Geldmenge aus Buchgeld – das verfassungsmässige Geldmonopol des Staates ist de facto unterlaufen.

Nicht nachhaltig: Geld als «ewige Schulden»
Die Theorie der Geldschöpfung gehört nicht zum Pflichtstoff von Studenten der Nationalökonomie, es sei denn, ein Professor kümmere sich um dieses fundamentale Fachgebiet. Einer dieser wenigen Wissenschaftler ist Hans Christoph Binswanger, emeritierter Professor der Hochschule St. Gallen, Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von MoMo und Co-Autor der «Vollgeld-Reform». In seinem Beitrag zeigt er, dass die Banken entgegen dem Volksglauben nicht das Geld der Sparer verleihen, sondern bei jeder Kreditvergabe mittels Bilanzverlängerung neues schaffen. Die Banken machen damit, wie Binswanger unterstreicht, aus Schulden Geld. Und: «Man lässt die Schuld stehen, weil sie Geld ist.» So beruht «unser ganzes Geldsystem auf der Vermehrung ‹ewiger› Schulden.» Diese Ewigkeit, wir erfahren es mit täglich neuer Dramatik, scheint nun allerdings zu Ende zu gehen. Die Staaten sind zunehmend nicht einmal mehr in der Lage, die Zinsen auf ihren ‹ewigen› Schulden zu bezahlen. Für Binswanger ist klar: «Finanz- und Umweltkrise sind ohne Währungs- und Geldreform nicht lösbar.»

Grundsatz: Geldmenge und Wirtschafts-Wachstum im Gleichschritt
Als Lösung beschreibt Joseph Huber, Professor für Wirtschaftssoziologie an der Universität Halle, im zweiten Beitrag des Buches die «Vollgeld-Reform». Nach ihr wird die Geldschöpfungsautorität wieder in vollem Umfang an eine unabhängige staatliche Institution zurückgegeben, im Fall der Schweiz an die Nationalbank. Die Vollgeld-Reform lehnt sich an den prominenten amerikanischen Ökonomen Irving Fisher, der in den 30er Jahren unter dem Begriff «100%-Money» eine vollständige Deckung der Konten der Bankkunden mit Zentralbankgeld forderte, um so die überschiessende Geldschöpfung der Banken unter Kontrolle zu bringen und die Guthaben der Kunden zu sichern.

Auch heute hat sich die Zunahme der Geldmenge fast vollständig vom Wachstum der Realwirtschaft gelöst. Während von 1992 und 2008 das Bruttoinlandprodukt in Deutschland real um 23 Prozent stieg, wuchs die Geldmenge um 189 Prozent, «eine Zunahme, die über jedes plausible Ziel weit hinausschiesst», wie Huber schreibt und zu periodischen Blasenbildungen führt

Geld wird im «Vollgeld»-System von der Nationalbank denn auch nach Massgabe des Wirtschaftswachstums geschöpft und dem Staat schuld- und zinsfrei zur Verfügung gestellt, der damit seine Aufgaben finanzieren oder Schulden abbauen kann. In rund 20 Jahren liessen sich die Schulden des Bundes so komplett amortisieren.

Der Geldschöpfungsgewinn, die sog. Seignorage fällt damit wieder der Allgemeinheit zu, anstatt wie bisher den Banken, die auf von ihnen selbst geschöpftem Geld Zinseinkünfte generieren.

Wiederherstellung des Staatsmonopols
Mit der rechtlichen Umsetzung der Vollgeld-Reform befasst sich Philippe Mastronardi, emeritierter Staatsrechtsprofessor der Hochschule St. Gallen, im dritten Beitrag. Nach Artikel 99 der Bundesverfassung steht eigentlich schon bisher die Geldschöpfung ausschliesslich dem Bund bzw. der Nationalbank zu. Der verfassungsrechtliche Geldbegriff sei jedoch «von der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung überholt worden», schreibt Mastronardi. Und: «Die Vollgeldreform zielt insoweit gar nicht auf etwas Revolutionäres, sondern schafft schlicht die geldpolitischen Voraussetzungen, um der bestehenden Rechtsordnung Geltung zu verschaffen.» Mastronardi versteht den Finanzmarkt als Service public mit drei Kreisen: Die Nationalbank schöpft als unabhängige «Monetative» (analog zur Legislative, Exekutive und Judikative) die Geldmenge, die sich aus der Wirtschaftsentwicklung ergibt. Weder Regierung noch Parlament sollen beeinflussen, wieviel Geld die Nationalbank als potenzialgerecht erachtet und wieviel Seigniorage in Form neu geschöpften Geldes sich daraus ergibt. Der Zahlungsverkehr unterliege, da systemrelevant, erhöhter staatlicher Kontrolle, während die Versorgung der Wirtschaft mit Geld und Kredit dem freien Markt, d.h. Den Banken überlassen würde.

In welcher Form die Vollgeld-Reform umgesetzt werden soll, darüber ist sich der Verein Monetäre Modernisierung noch nicht einig. Im Anhang des Buches finden sich drei ausformulierte Vorschläge für eine Verfassungsänderung. Die eine beschränkt sich auf die Einführung des 100-Prozent-Geldes, nach der die Banken ihre kurzfristigen Verbindlichkeiten zu 100 Prozent mit Nationalbankgeld decken müssen und dürfte auf den geringsten politischen Widerstand stossen. Der zweite Vorschlag sieht ein eigentliches «Vollgeld», das von der Nationalbank geschöpft und den staatlichen Organen zins- und schuldfrei zur Verfügung gestellt wird. Der dritte Vorschlag ergänzt das Vollgeld mit einer Finanzmarktregelung. Bis in einem Jahr will der Verein die Diskussion abgeschlossen haben, mit welcher Reform eine Volksinitiative lanciert werden soll. Das vorliegende Buch soll die Debatte darüber in Gang bringen.

Links:
www.vollgeld.ch
www.monetative.org




January 9, 2012

Swiss Central Bank Chief Resigns After Uproar
By JACK EWING

The chairman of the Swiss National Bank, Philipp M. Hildebrand, resigned on Monday.  Pascal Lauener/Reuters

FRANKFURT — The head of the Swiss central bank unexpectedly resigned Monday, saying that doubts about currency trades he and his wife made last year threatened to undermine his ability to focus on steering the bank through a global financial crisis.

The departure of the bank chief, Philipp M. Hildebrand, 48, cut short the public career of a major international advocate of stricter banking regulation. He quit as the Swiss National Bank fought to keep the country’s currency from becoming so strong that Swiss companies could not sell products abroad.

But analysts predicted the central bank would maintain a limit it set on the franc’s appreciation against the euro, by vowing to buy unlimited amounts of foreign currency. “It may be that some speculators will try to test the market, but we’re convinced that the S.N.B. will continue to defend the exchange rate,” said You-Na Park, an analyst at Commerzbank in Frankfurt.

Appearing before reporters in Bern, the Swiss capital, Mr. Hildebrand said he would also resign immediately from several international posts, including vice chairman of the Financial Stability Board. The panel of central bankers and regulators has played a discreet but influential role in establishing rules for big international banks that are likely to be adopted by most large countries.

The resignation was a surprise. Just last week, Mr. Hildebrand offered a detailed defense of his conduct, releasing personal financial statements related to currency trades made last year. He appeared to have the support of the council that oversees the Swiss National Bank.

“Switzerland is losing an outstanding central banker with excellent international connections, which have brought great benefit to our country,” the Bank Council of the Swiss National Bank said Monday. Mr. Hildebrand said he could not prove that he did not know about a transaction of 400,000 Swiss francs, or $500,000, by his wife, Kashya, last August, just before the bank stepped up its intervention in currency markets.

The bank released an e-mail from Mrs. Hildebrand to the couple’s adviser at Bank Sarasin in which she wrote, “We would like to increase our dollar exposure to 50 percent.” Mr. Hildebrand acknowledged that use of the word “we” would cause some people to doubt his version of events.

Mr. Hildebrand said he sent an e-mail to the adviser the next day ordering that no further trades be made without his approval, and he informed the S.N.B.’s general counsel of the trade.

“I never lied,” Mr. Hildebrand said. But, he said, “I can’t once and for all prove that it was the way I said it was.” He said he was resigning because he feared the accusations might have been a burden “during a time when total focus is needed on the duties” of the office. “Credibility is a central banker’s most valuable asset,” he said.

Thomas J. Jordan, vice chairman of the S.N.B. governing board, will be the acting leader of the bank. Mr. Jordan is an economist who has worked at the bank since 1997. He is known for being slightly more hard-line on inflation than Mr. Hildebrand. But analysts said they did not expect a major shift in course.

“We do not expect any change in the conduct of the Swiss monetary policy,” Julien Manceaux, an analyst at ING Bank, wrote to clients, adding, the exchange rate floor “is here to stay, with or without Philipp Hildebrand.”

For much of the last three years, the S.N.B. has battled to keep investors from bidding up the value of the franc, which is seen as a haven from global turmoil. Its rise against the euro and other currencies threatened to make Swiss exports too costly.

Mr. Hildebrand said he would also leave the board of the Bank for International Settlements, an institution based in Basel, Switzerland, that acts as a clearinghouse for national central banks. He will also resign as one of two Swiss representatives on the board of governors of the International Monetary Fund.

“This is a step which saddens me greatly,” Mr. Hildebrand said. “I depart on good terms, and I would like to think I have been a damn good central banker.”

Mark Carney, the governor of the Bank of Canada and chairman of the Financial Stability Board, said in a statement that Mr. Hildebrand “has been instrumental in helping to manage the response to the global financial crisis and in developing major reforms to strengthen the resiliency and stability of the international financial system.”

While Mr. Hildebrand earned renown outside Switzerland, he had critics at home. The right-wing Swiss People’s Party accused him of squandering the national wealth on intervention to buy euros and other currencies, whose value continued to fall against the Swiss franc, resulting in losses for the central bank.

The party acknowledged playing a role in Mr. Hildebrand’s ouster, serving as the conduit for information taken from Bank Sarasin. A former information technology worker there faces criminal charges of violating bank secrecy laws in the case.

Mr. Hildebrand probably will not be missed by many in the banking industry, either. He is a former banker — he and his wife met while both worked at Moore Capital Management, a hedge fund in New York.

After the S.N.B. rescued the Swiss bank UBS in 2008, Mr. Hildebrand became a visible advocate of measures to limit the level of risk that banks take. He suggested Monday that his stands might have contributed to the vehemence of the attacks on him. He said a friend sent him an e-mail quoting Woodrow Wilson: “If you want to make enemies, change some things.”

Mrs. Hildebrand apologized to the Swiss people and to her husband, Reuters reported. “I failed my husband by not considering the perception of a ‘conflict of interest’ created by my purchase of dollars,” she said. “My husband is a man of the utmost integrity, and I deeply regret that my actions might have led anyone to question this.”


Leserkommentare
Neue Zürcher Zeitung    11. Januar 2012

CS liefert zu viele Kundendaten
Anwaltskanzlei reicht Anzeige wegen Verletzung des Bankgeheimnisses ein
Zoé Baches

Statt der geforderten Informationen zu US-Kunden lieferte die Credit Suisse im Rahmen eines Amtshilfegesuchs auch Details zu vielen anderen Kunden nach Bern. Dritte erhielten Einsicht in diese Kundendaten, die nun an die USA gehen sollen.
Der Wirtschaftsanwalt R. S. (Name der Redaktion bekannt) staunte nicht schlecht, als er die Datei auf dem USB-Stick der Eidgenössischen Steuerverwaltung (ESTV) öffnete. Da einer seiner amerikanischen Kunden vom US-Amtshilfegesuch wegen Verdacht auf Abgabebetrug betroffen war, sollten ihm die Bankunterlagen von der Credit Suisse vor der Lieferung in die USA noch einmal zugestellt werden. Tatsächlich enthielt der Stick aber Kontounterlagen zu 130 weiteren, vom Gesuch nicht betroffenen, Nicht-US-Kunden der Grossbank. Auf 4812 Seiten waren umfassende Bankinformationen inklusive Eröffnungsunterlagen, Korrespondenz und Transaktionen in allen Details ersichtlich. Nichts war abgedeckt, nichts geschwärzt. So ist zu lesen, zu welchem Preis ein Norweger eine Jacht kaufte, was ein Russe für ein Pferd bezahlte und wie sich ein Deutscher vor dem Bezahlen der Erbschaftssteuer drückte. Gerade einmal 5 der 130 Kunden sind US-Bürger. Der grosse Rest sind Kunden anderer Nationen.

Unfiltrierte Datenlieferung
Auf einem USB-Stick wurden alle diese Daten an die Anwälte der fünf letztlich vom US-Amtshilfegesuch betroffenen Amerikaner geschickt und gelangten von dort aus teilweise weiter an die betroffenen Kunden und andere Personen wie deren Steuerberater. Die NZZ hatte Einsicht in die gesamten 4812 Seiten.

2009: USA: Weitere Verfahren à la UBS unwahrscheinlich
Wie kann es passieren, dass Daten von Kunden, die überhaupt nicht vom Amtshilfegesuch betroffen sind, möglicherweise dennoch an die USA ausgeliefert werden? B&B (Name der Redaktion bekannt) ist eine international tätige Schweizer Anwaltskanzlei. In den neunziger Jahren eröffnete sie bei der CS ein Anwaltskonto. Wollte ein Kunde der B&B beispielsweise eine Transaktion über die Anwaltskanzlei ausführen, eröffnete diese für jeden Kunden jeweils ein eigenes Rubrik-Konto («Unterkonto») zum bereits bestehenden Stammkonto, dies unter ordentlicher Bekanntgabe des jeweiligen wirtschaftlich Berechtigten.
Korrigenda
zz. Im Artikel wurde für die betroffene international tätige Schweizer Anwaltskanzlei aus Vertraulichkeitsgründen ein Pseudonym verwendet. Der dazu angeführte Name «B&B» ist zufällig gewählt und mit dem Zusatz «Name der Redaktion bekannt» ergänzt. Damit war aber nicht die Genfer Anwaltskanzlei Briner & Brunisholz (B&B) gemeint.
Als die ESTV im letzten Herbst dem Amtshilfegesuch der USA stattgab, schickte die CS im Falle der B&B nicht nur die Kontoinformationen der fünf US-Kunden, sondern gleich den gesamten Stamm nach Bern – ohne jegliche Auswahl oder Filterung. Die ESTV beanstandete das nicht und schickte die Daten zu einer letzten Durchsicht an die Anwälte der Betroffenen weiter.

Eine Verletzung des Bankgeheimnisses will die CS nicht erkennen. Sie habe strikt nach den Vorgaben der ESTV gehandelt, die die Daten in dieser Ausführlichkeit gewünscht habe, sagt die Bank auf Anfrage. Auch die ESTV sieht keinen Grund für Kritik und betont, bestimmte Konstrukte könne sie nur dann überprüfen, wenn auch Angaben von Dritten, die nicht vom Amtshilfegesuch betroffen seien, überprüft würden. Nur so könne geprüft werden, ob es eine Querverbindung zwischen den US-Kunden und anderen gebe.

Beim US-Amtshilfegesuch handelt sich um einen sogenannten Fischzug. So lieferte die USA keine Namen von verdächtigen Steuersündern, sondern nur den Beschrieb des Musters eines Abgabebetrugs. Die Suchraster sind so natürlich deutlich breiter, als wenn konkret Namen genannt werden. Das dürfte wohl zur Lieferung von mehr Informationen führen. CS und ESTV liessen zudem durchblicken, dass B&B wohl nicht als Einzige betroffen sei.

Gleich alles liefern
Allerdings richtet sich das Amtshilfegesuch einzig an amerikanische Steuerpflichtige – und nicht etwa an Nicht-US-Bürger. Die CS ist bei diesen deshalb weiterhin an das Bankgeheimnis gebunden, davon sind Rechtsexperten überzeugt. Ein Grund dafür, dass die CS so umfassend Daten lieferte, dürfte sein, dass die Schweizer Grossbanken auf US-Forderungen stets schnell reagieren.

Natürlich soll eine Steuerbehörde ihrer Aufgabe genau nachgehen. Es sind aber nicht nur zu viele Daten nach Bern gelangt, sondern von dort aus kamen Dritte an die CS-Kundennamen. Treibt man zudem die Argumentation der ESTV auf die Spitze, kann eine Bank bei jedem Amtshilfegesuch gleich sämtliche Kundendaten ausliefern. Denn nur so kann garantiert werden, dass es keine irgendwie gearteten Querverbindungen gibt. Die Kanzlei B&B hat wegen Verletzung des Bankgeheimnisses eine Anzeige bei der Finma eingereicht. Zudem hat sie bei der ESTV beantragt, dass die ausgegebenen USB-Sticks an die CS zurückzugeben seien und die Daten der Nicht-US-Kunden nicht an die USA geliefert werden dürften.

5 Leserkommentare:

Anton Keller (12. Januar 2012, 18:04)    Kann jemand dieses führerlose Flugzeug fliegen?
Die Hiobsbotschaften reissen nicht ab. Diejenigen, welche laut Eid auf unsere Verfassung gehalten wären, den Volkswillen, hiesigen Ordre public & unsere Interessen zu wahren, verstecken sich hinter einem fremd-hörigen & rechtlich irrelevanten BVG-Abschreibungsbeschluss um extraparlamentarisch den US-Begehrlichkeiten zuzudienen & Vorschub zu leisten. Die vom selbst-verschuldeten Unheil eingeholten verkriechen sich hinter Befreiungsschlags-Phantasien und drängeln via den als Kommissionssprecher agierenden „Senior Advisor“ der CS den Gesetzgeber zu weiteren Kniefällen (www.solami.com/GPKQI3.htm). Und am Dienstag – von den Hildebrand-Wellen kaum erholt – werden die WAK-Mitglieder vollends mit dem Trugbild einer Globallösung aufs Glatteis und zum Abnicken der verheerenden Gruppenanfragen-Vorlage geführt. Der Finanzplatz wird von innen vergiftet, seine Zukunft aus den eigenen Reihen verbaut. Der Pilot für eine weiche Landung ist nicht in Sicht!

Roland K. Moser (11. Januar 2012, 10:19)    Wie kann es passieren dass 130 Kunden der CS bei der CS Schwarzgeld verstecken?
Wieviele solcher Kunden hat die CS noch?

Rolf Rothacher (11. Januar 2012, 09:40)    Anwaltskanzleien sind (wohl) das Übel
Alle Bankverbindungen, die über dieselbe Anwaltskanzlei eröffnet werden, sind unter einer Obernummer zusammengefasst. Um mögliche Geldwäscherei-Delikte leichter überwachen zu können, macht das Sinn. In Steuerbetrugsfällen sollten dann konsequenterweise auch alle Kontendaten dieser Anwaltskanzlei ausgeliefert werden, über welche die Kanzlei die Verfügungsvollmacht besitzt. Man muss den Behörden schon "Fleisch am Knochen" liefern. Andernfalls können Steuerbetrügereien allzu einfach verschleiert werden.

Werner Moser (11. Januar 2012, 08:11)    Mit den Begriff „Querverbindungen“ …
… öffnet sich eine weitere, schockierende Dimension. Mit Zusatzschärfe dazu, da in „Fischzügen“ der Fischerei nicht nur „gesuchte Fische“, sonder zusätzlich auch „Querverbindungen“ zum Rest der Natur mitgefangen und „vernichtet“ werden. Nomen est omen! Die ESTV macht es sich erschreckend einfach & strafbar, wenn sie mit geschlossenen Augen & ohne Hirn die USA-georderten Kundendaten liefert, welche nicht inherenten Teil des realen Kerns des US-Amtshilfegesuchs sind. Die Klage wegen Verletzung des BaG ist Pflicht. Es wird spannend sein festzustellen, ob die FINMA (& ev. BVG) die Rechte unbeteiligter Dritter höher rechtsgewichtet als die Amtshilferechte der IRS/USA. P.S. Der CS kann kein Vorwurf gemacht werden. Sie ist verpflichtet die abverlangten Akten zu editieren & an die ESTV zu liefern. Mit „Querverbindungen“ hat sich aber die Option des „Suchrasters“ (Deliktmuster anstatt Kundennahmen) definitiv ad absurdum geführt!

s frei (11. Januar 2012, 07:44)    hosenrunterlass-effekt
nun also hat sich sogar eine kanzlei (hört-hört) entschlossen , die randlose anbiederungsstrategie aller anstalten, angeführt vom bund, zu beanstanden. hatt "wer" doch noch rückgrat, oder zivilcourage? bravo.




finews.ch   11. Januar 2012

Lernen von Robert Holzach
Robert U. Vogler

Das Vertrauen ist angekratzt, eine angelsächsisch geprägte Managergeneration hat das Swiss Banking nachhaltig beschädigt. Robert U. Vogler zeigt, wo die Branche neuen Sinn finden könnte: bei sich selber. Die Rezepte finden sich in den Regeln früherer Bankiers-Generationen.
Erst gab es die Turbulenzen um die nachrichtenlosen Vermögen, dann tobten die internationalen Debatten über die masslosen Gehältern und Boni. Es folgte die Finanzkrise, wobei einige Banken nur mit Staatshilfe überlebten, in der Schweiz die UBS und in deren Windschatten die Credit Suisse. Einige wenige Banker fuhren für weite Teile des Finanzplatzes Schweiz einen gewaltigen Reputationsschaden ein, so gewaltig, dass das höchste Gut einer Bank – das Vertrauen der Kunden und der Öffentlichkeit – noch auf lange Zeit beschädigt und unter schärfster Beobachtung bleiben wird, auch für unbeteiligte Institute.

Diese Entwicklung begleitet uns nun bereits seit Ende der Neunzigerjahre. Doch wie konnte es so weit kommen?

Die heutige Situation wäre in der Schweiz zu verhindern gewesen, wenn einige alte Grundsätze des Bankgeschäfts beherzigt worden wären, Tugenden, die man mit gutem Recht auch als schweizerisch bezeichnen kann. Sie sind eigentlich Selbstverständlichkeiten, viele davon basierend auf einer guten Erziehung im Elternhaus: gemeint sind Anstand, Ehrlichkeit und Respekt, Bescheidenheit und Rücksicht auf sozial Schwächere sowie Ehrgeiz in einem gesunden Ausmass. Es sind dies Eigenschaften auch eines echten Bankiers.

Kapitulation vor den Söldnern
Aber was mussten wir in den letzten rund zehn Jahren erleben? Eine nahezu totale Verwässerung dieser Werte, eine Kapitulation vor Söldnern, angeblich bestens ausgebildeten Investmentbankern, Managern angelsächsischen Zuschnitts, in ihrer Mehrheit in Tat und Wahrheit skrupellos und gefühlslos gegenüber jeglichen gesellschaftlichen Konflikten, total von sich selbst eingenommen, oft mit einem grossen Manko an Anstand, das kaum mehr aufzufüllen ist. «Leider ist es heute so: Die Hoffnung auf Anstand reicht nicht immer», sagte Hilmar Kopper, der ehemalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, unlängst in einem Interview.

Glaubte man anfänglich, diese Haltungen seien spezifisch für Investmentbanker, so mussten UBS wie CS feststellen, dass diese Attitüden sich wie ein Krebsgeschwür auch in ihrem Private Banking auszubreiten begannen. Resultat ist die Aushöhlung des Bankgeheimnisses durch die rechtlichen Auseinandersetzungen insbesondere mit den USA.

Ausbildung gut, Bildung ungenügend
Manager selbst bezeichnen sich oft als «Entrepreneurs», obschon sie als Angestellte keinerlei private Risiken für ihren Arbeitgeber eingehen. Der Begriff Manager aber übertüncht die Realität. Manager heisst nämlich gar nichts, in der angelsächsischen Welt wird auch der Chef eines Schuhladens als Manager bezeichnet.

Doch an was liegt es? Doch wohl mehrheitlich an einer guten Kinderstube und an Bildung – nicht Ausbildung, die wäre oft nicht schlecht. Aber an ihrem effektiven Bildungsstand sind schon lange mehr als Zweifel angebracht: «Jene bildungsfernen Schichten in den Handelssälen der Investmentbanken, die außer Hörweite des Sozialen ihren Geschäften nachgehen, werden gleichgesetzt mit dem Unternehmer, der forscht, herstellt und verkauft, der sich um seine Mitarbeiter kümmert, als seien sie Teil der eigenen Familie.» Treffender als Gabor Steingart im Düsseldorfer «Handelsblatt» (vom 8. November 2011) könnte man es nicht formulieren.

Offenbar vermitteln auch die hochgelobten Eliteuniversitäten nur Ausbildung und nicht das, was man unter Bildung versteht. Sie umfasst eben nicht nur Wissen, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung und transportiert ethische und moralische Werte. Dieser Mangel qualifiziert viele Manager als bildungsfern und langfristig wohl auch als bildungsresistent.

Fürs eigene Gewissen das Geld der Aktionäre verteilen
Das fehlende Engagement gegenüber der Gesellschaft wird oft durch pekuniäre Zuwendungen kompensiert, etwa Stiftungen oder grosszügige Spenden – eine moderne Variante des Ablasshandels zur Beruhigung des schlechten Gewissens. Oft geht die Arroganz der Manager so weit, dass sie sich in der Rolle eines klassischen Mäzenen wähnen, wenn sie im Namen ihres Hauses Geld verteilen, das den Aktionären ihrer Bank gehören würde und deren Anteil sie bereits einmal durch ihre masslosen Saläre und Boni geschmälert hatten.

Machen wir uns nichts vor. Auch eine respektable Zahl von Schweizer Bankmanagern – also leitenden Grossbankangestellten – waren mehr als anfällig für solche krassen Fehlentwicklungen. Einzelne Exponenten haben Entwicklungen in die Wege geleitet mit den grössenwahnsinnigen Vorstellungen, man könne im Chor der Allergrössten mitsingen. Ihnen fehlte in vielen Fällen das notwendige Rüstzeug, für welches nicht in erster Linie eine akademische Bildung nötig ist, dafür gibt es genügend Belege.

«Vom Verhältnisblödsinn zur Megalomanie und zum Grössenwahn»
Robert Holzach«Schauen wir uns doch die Fehlleistungen unseres Wirtschaftszweiges während der letzten zwanzig Jahre an! Es ist regelmässig menschliches Versagen gewesen, Ungenügen in der Einhaltung moralischer Wertverpflichtungen. Die Skala reicht von der einfachen Wirtschaftskriminalität
über mangelnde Ernsthaftigkeit, fehlende Sorgfalt bis zum Verhältnisblödsinn und zur Megalomanie, zum Grössenwahn. Es ist ein Irrglaube, für menschliche Dienstleistungen und Partnerschaften auf das menschliche Mass verzichten zu können»: Das sagte kein geringerer alsRobert Holzach (1922–2009). Holzach, erst Präsident der Generaldirektion und bis 1988 Präsident des Verwaltungsrates der Schweizerischen Bankgesellschaft, machte die prophetische Aussage im Jahr 1983 an der Direktionskonferenz seiner Bank.

Wir haben es also mit alten Verhaltensmustern zu tun, lediglich die Instrumente änderten – und vor allem die Grössenordnungen. Diese sind klar gefährlicher geworden, bis hin zur Systemrelevanz.

«Gesinnung wäre gefragt»
Holzachs Zitat enthält prophetische Worte aus dem Munde eines Bankmanagers alter Schule, der sich als Bankier verstanden wissen wollte und wohl ebenso in einer klassischen Privatbank Karriere gemacht hätte, wo die Gesellschafter noch mit ihrem Privatvermögen haften. Seine kontinuierliche Begleitung der Entwicklungen als auch der Fehlentwicklungen im Bankgeschäft hat vieles vorausgesehen.

In einem unveröffentlichten Text von 1996 wird seine Meinung über die «Hochkonjunktur des Handels» und deren Übertreibungen deutlich: «Auch Handel und Spekulation mit intakten Unternehmen sind ein aktuelles Thema unserer Börsenspezialisten und schon beinahe tägliches Spiel im Aktienhandel. (...) Der 'Markt' ist nicht einfach das durch alle Produktions- und Verteilstufen gültige und empfehlenswerte Feilschen um den derzeit gültigen Preis. Selbst die einfachsten Verträge dieser Art – denn um solche handelt es sich – unterliegen Usanzen und Regeln von Wohlerzogenheit und Anstand. (...) Ich spreche nicht von kriminellen Elementen, vielmehr spreche ich von den in der Wirtschaft aktiv Agierenden, die – als Generation, als abwegige Besserwisser oder als akademisch gebildete Pseudoelite – ihren Berufs- und Lebensinhalt ohne Engagement für Werte nur noch nach Zahlen und nach den anschliessenden Nullen bestimmen. Die Katastrophe droht aus der Übernahme solcher Mentalitäten. Gesinnung wäre gefragt, aber eine Mentalität von integralem Geldwertdenken wird angeboten.»

Wer mit dem Bentley kommt, ist verdächtig
Bleiben wir bei Robert Holzach. Er sah das Kreditgeschäft als die eigentliche Schule des Bankiers, weil es richtiges «Relationship-Banking» ist, wo sich Bankier und Kunde noch kennen, und weil es die beste Schule für die Einschätzung von Risiken darstellt. Von ihm soll das Bonmot stammen, dass ein Kreditnehmer, der mit dem Bentley vor die Bank fahre, als Kunde nicht mehr erwünscht sei. Wo und wie er die Katastrophe vorausahnte, mutet heute direkt hellseherisch an.

So prangerte Holzach bereits 1988 den schleichenden Niedergang des klassischen, grossen Kreditgeschäftes an, jenes Geschäftes also, welches die Schweizer Grossbanken dann im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts weitgehend aufgegeben haben, weil angeblich zu risikobehaftet und zu teuer. In Tat und Wahrheit hätten sie mit kleineren Risiken als im Investmentbanking stabile Erträge erzielen können, stattdessen fuhren sie netto betrachtet riesige Verluste ein.

Er warnte schon 1987 vor der Re-Regulierung
Holzachs Auge richtete sich auf die Innovationsfreudigkeit der Banken, auf Scheininnovationen, wo er bereits dann grosse Gefahren sah, noch lange vor der Subprime-Krise von 2008:«Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass die Erfahrungen und Lehren aus der gegenwärtigen Innovationsschwemme zu einer dramatischen Umkehr zwingen. (...) Die jetzt möglicherweise allzu nachgiebigen Aufsichtsbehörden werden dann mit entsprechend unerbittlichen Interventionen reagieren. (...) Nach schlechten Erfahrungen mit 'deregulations' wird eines Tages die notwendige Verbesserung möglicherweise über 'reregulations' angestrebt.» (in: Walter Wittmann, «Innovative Schweiz», Verlag NZZ, 1987).

Doch wo bleibt die neue Generation von Bankiers, welche an den Schalthebeln unserer Grossbanken diese falschen Entwicklungen wenigstens teilweise wieder rückgängig machen? Schaut man auf das Führungspersonal – wichtigstes Merkmal ist nach wie vor Hire and fire,ohne Kontinuität oder Personalplanung auf oberster Stufe, mit kurzen Durchlaufzeiten für CEOs und andere Exponenten –, so ist hier momentan noch wenig Ermutigendes festzustellen. Angelsachsen geben den Ton auf weiten Strecken an. Was machen die eigentlich besser?

Wir brauchen keine Schönwetterbankiers
Sie sind keine Bankiers, sondern bezahlte Söldner. Was wir brauchen, sind Bankiers mit dem Weitblick fürs Ganze, Durchhaltevermögen und allen bereits genannten Attributen. Vor allem auch keine Schönwetterbankiers, die die grossen Gewinne dann einfahren, wenn es alle tun, in weniger guten Zeiten aber das Weite suchen und bei der nächsten Bank anheuern.

Mit grösster Sicherheit gibt es in unseren Grossbanken auf mittlerer und oberer Kaderstufe Persönlichkeiten, die bereit sind, auch ohne astronomische Gehälter mit Engagement eine vorzügliche Arbeit zu leisten. Sie könnten die neue Generation zukünftiger Bankiers bilden. Ermutigende Beispiele gibt es, der Beweis muss aber erst noch geführt werden.

Lehren auch aus der jüngsten Vergangenheit
Diese Ideen – schon Ende letzten Jahres verfasst – haben durch die Ereignisse bei der Schweizerischen Nationalbank keineswegs an Aktualität eingebüsst, im Gegenteil. Berücksichtigt man die von Robert Holzach geäusserten Bedenken, so muss der seit Jahren schleichend begangene Verrat an einer liberalen Wirtschaftsordnung ins Auge stechen. Anstatt weniger Regulierung erleben wir immer mehr. Es stellt sich die Frage, ob nicht gerade viele Exponenten aus Wirtschaft und Politik mit ihrem Verhalten die direkten Treiber einer solchen Entwicklung sind, also diejenigen, welche sie dauernd anprangern.

Moralische und ethische Verfehlungen einzelner Persönlichkeiten laden jedenfalls dazu ein, Regulierungen aller Art und überall einzubringen. Leider scheinen diese hohen Ansprüche zwar immer wichtiger zu werden. Entscheidend ist aber, dass sie nicht nur schöne Worte bleiben, sondern auch gelebt werden. Andernfalls sind wir alle die Verlierer.

Robert VoglerRobert U. Vogler war von 1988 bis 1998 Pressesprecher der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG), danach Leiter von Historical Research und bis Anfang 2009 Senior Political Analyst bei Public Policy von UBS. Bekannt wurde er durch seine grundlegende Schrift «Das Schweizer Bankgeheimnis: Entstehung, Bedeutung, Mythos» (2005). Seit 2009 wirkt er als unabhängiger Historiker.




finews.ch12. Januar 2012 um 14:18 Uhr

Nicolas Pictet: «Finanzwelt wurde vergiftet»

Die obersten Schweizer Privatbankiers geben sich kämpferisch angesichts der angespannten Situation und reden jetzt Klartext.
Nicolas Pictet, Teilhaber von Pictet & Cie, eröffnete die Konferenz am Donnerstag in Bern mit einer Bemerkung zu den gegenwärtigen Anschuldigungen gegenüber mehreren Banken: Es reiche nicht, das Schweizer Recht einzuhalten, sondern in bestimmten Bereichen und unter bestimmten Umständen müsse auch das ausländische Recht respektiert werden.

Anderseits müsse «dem zunehmenden Trend zu einer extraterritorialen Anwendung der Gesetze eines Landes» unbedingt ein Riegel geschoben werden, fuhr der Privatbankier fort.

Mehrwert für den Kunden schaffen
Der als Präsident amtierende Pictet wies ausserdem auf das wachsende Unverständnis in der Öffentlichkeit wegen den rasant wachsenden Vergütungen, vor allem bei US-Geschäftsbanken, hin.

Zum Mehrwert für Kunden meldete er sich klar und deutlich zu Wort: «So ist durch Eigengeschäfte, die keine Dienstleistung für den Kunden darstellen (das heisst durch Geld für immer noch mehr Geld) ein Teil der Finanzwelt ‹vergiftet› worden».

Überregulierung vermeiden
Ein letzter Punkt zur Regulierung erschien ihm abschliessend wichtig: «Es soll nicht eine gesamte Berufsgruppe, die ihre Kunden korrekt bedient, für die Fehler einiger weniger bestraft werden. Und es soll damit aufgehört werden, das Leben für die Kunden unmöglich zu machen». Es sei darüber hinaus falsch, «die Finanzwelt zu einem Sündenbock für alles uns widerfahrene Leid zu machen», erklärt der Privatbankier abschliessend in ungewohnt kämpferischen Tönen.




Tages-Anzeiger    12.Januar 2012

Der Kampf um die Notenbanken
Von Philipp Löpfe

Die Zentralbanken sind in Bedrängnis, nicht nur bei uns. Konservative reden von einem sozialistischen Monster, Progressive rufen nach einer zinslosen Regionalwährung.
Im Wirtschaftsteil der Zeitungen und Zeitschriften liest man immer wieder, die Notenbanken hätten «ihre Bilanz verlängert». Hinter diesem harmlosen Ausdruck verbirgt sich nichts anderes als die Tatsache, dass Notenbanken neues Geld geschaffen haben.

Und zwar nicht zu knapp. Ob die amerikanische Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) oder die Schweizerische Nationalbank (SNB): Alle haben sie ihre Geldmenge seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise vervielfacht. Was Laien unerklärlich oder unheimlich erscheint: Die Notenbanken können dieses neue Geld buchstäblich aus dem Nichts schöpfen. In der computerisierten Finanzwelt von heute müssen sie es nicht einmal mehr drucken. Ein einfacher Buchungssatz genügt. Deshalb spricht man auch von «Fiat-Money», nach dem lateinischen Ausdruck für: «Es geschehe.»

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Gold $/Unze
Geld als Nothilfe
Dabei verlängern die Zentralbanken ihre Bilanzen nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil sie ihrer Rolle als Kreditgeberin in letzter Instanz Rechnung tragen müssen. Wenn eine Geschäftsbank pleite ist, wenn also ihre Vermögenswerte weniger wert sind als ihre Verpflichtungen, dann kann sie sich bei der Zentralbank neues Geld leihen. Amerikanische Immobilien- und Eurokrise haben dafür gesorgt, dass viele Geschäftsbanken auf diese Nothilfe angewiesen waren und teilweise immer noch sind.

Der rasante Zerfall der US-Immobilienpreise 2007 hatte zur Folge, dass die dazugehörenden verbrieften Hypotheken ebenso rasant an Wert verloren. Was einst eine todsichere Anlage war, wurde fast über Nacht zu einer Art Giftmüll. Viele Banken sassen damals jedoch auf Bergen dieser Papiere. Andere haben heute grosse Posten von Staatsanleihen europäischer Defizitsünder in ihren Büchern. Auch diese galten bis zur Eurokrise als sicher.

Doch inzwischen sind diese Staatsanleihen ebenfalls zu solchem Giftmüll geworden, denn es ist alles andere als sicher, dass sie je vollständig zurückbezahlt werden.

Keine Schuldenexplosion, aber ein Bankencrash
Nun werden Banken, die de facto pleite sind, zu einer tickenden Zeitbombe. Sie können eine Kettenreaktion auslösen, die das gesamte System zum Einsturz bringt. Um dies zu verhindern, haben die Zentralbanken als Kreditgeberinnen in letzter Instanz die toxisch gewordenen Wertpapiere gegen sichere eingetauscht – deutsche Staatsanleihen beispielsweise. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ebenfalls im grossen Stil Anleihen und Devisen gekauft, um so mehr Franken in Umlauf zu bringen und eine übermässige Aufwertung zu verhindern.

Als es noch einen Goldstandard gab, wäre eine solche Verlängerung der Bilanzen nicht möglich gewesen. Ein Goldstandard bedeutet nämlich: Die Zentralbank muss jederzeit die Landeswährung zu einem festen, nicht veränderbaren Kurs gegen Gold eintauschen. Gold ist nur begrenzt vorhanden und fälschungssicher, deshalb ist eine Ausweitung der Geldmenge in diesem System sehr mühsam. Unter dem Regime eines Goldstandards wäre es daher wahrscheinlich zu einem verheerenden Bankencrash gekommen, aber niemals zu einer Explosion der Staatsschulden.

Die republikanische Radikalkur
Ron Paul ist einer der Präsidentschaftskandidaten der US-Republikaner. Seit Jahren führt er einen Kampf gegen das Fiat-Money. Lange galt er als politischer Aussenseiter, ja gar als Spinner. Seit ein paar Monaten ist er Kult und erzielt überraschend gute Resultate im Ausscheidungsrennen der Republikaner.

Pauls politische Kernbotschaft ist stets dieselbe: Schafft die amerikanische Zentralbank ab! Sie ist in seinen Augen eine Art sozialistisches Monster geworden. «Stellt auch das Sowjetsystem, auf die Banken übertragen, vor, und ihr erhaltet das Fed», schreibt Paul in seinem Buch «End the Fed». Dank der Möglichkeit, Fiat-Money zu schöpfen, sei dieses sozialistische Monster mit einer unheimlichen Macht ausgestattet und eine Bedrohung für den einfachen Bürger geworden. «Das Fed ist verantwortlich für die Wirtschaftszyklen. Es ist verantwortlich für die Inflation, die Rezession, die Depression und die exzessiven Schulden», warnt Paul und folgert: Die Zentralbank muss ersetzt werden durch Privatgeld von Banken, die ihr Geld mit Gold absichern müssen.

«Ein teuflisches Instrument des neuen Geldadels»
Franz Hörmann ist Professor für Treuhand und Rechnungswesen an der Wirtschaftsuniversität Wien. Auch sein zusammen mit Otmar Pregetter verfasstes Buch «Das Ende des Geldes» gibt viel zu reden. Wie Paul rechnet Hörmann gnadenlos mit den Zentralbanken und dem Fiat-Money ab. Doch die Zentralbank ist für ihn kein sozialistisches Monster, sondern ein teuflisches Instrument des neuen Geldadels. Seine Diagnose: «Die Finanzindustrie hat längst die totale Macht. Die demokratisch gewählten Politiker hingegen regieren nicht mehr, sie reagieren nur noch.» Weshalb?

Unser Geldsystem hat eine verheerende Nebenwirkung: den Zinseszins. Er führt dazu, dass sich das Geldvermögen nicht linear entwickelt, sondern exponentiell. Die Wirkung ist die gleiche wie beim Märchen vom Höfling, der dem persischen König ein Schachbrett schenkte. Und sich als Gegenleistung auf dem ersten Feld ein Reiskorn wünschte und auf dem jeweils nächsten die doppelte Anzahl. Also 1, 2, 4, 8, 16 usw.

Wenn Geld wuchert wie Krebs
Lange geschieht nichts. Doch ab einem gewissen Punkt steigt die Kurve plötzlich steil an, und das System wird instabil. In der Natur führen exponentielle Entwicklungen zum Tod. Das zeigen wuchernde Krebszellen, die sich ebenfalls exponentiell vermehren. Auf die gleiche Weise führt beim Zinseszins die wachsende Schuldenlast ins Verderben. «Durch die Verschuldung der Haushalte bzw. der Staaten kommt es auch zu einer Versklavung sowohl grosser Teile der Bevölkerung als auch einzelner Länder», schreibt Franz Höfmann, «die sich nur durch einen Nachlass, durch Krieg oder durch Vernichtung der Vermögenswerte und ihren Neuaufbau davon befreien können.»

Das Fiat-Money der Zentralbanken führt so nicht zu einem sozialistischen Monster, sondern zu einer Art Geldkrebs. Wegen des durch den Zinseszins verursachten exponentiellen Wachstums der Schulden wird das System tödlich, sobald die Schuldenlast steil anzusteigen beginnt.

Besetzt das Geld!
Die Lösung liegt folgerichtig nicht primär in der Abschaffung der Zentralbank, sondern des Zinses. Das mag auf den ersten Blick erstaunen, doch es gab in der Geschichte der Menschheit immer wieder Geldsysteme ohne Zins. Und es gibt sie heute noch. Man spricht dabei von Regionalgeld oder Komplementärwährungen. In der Schweiz kennen wir das WIR-Geld – in Deutschland gibt es gar eine Art Mini-Boom von Regionalgeld. Das bekannteste Beispiel ist der Chiemgauer in Bayern.

Margrit Kennedy ist die führende Vertreterin der Regionalgeld-Bewegung Deutschlands. Sie hat soeben ein Büchlein mit dem Titel «Occupy Money» veröffentlicht. Das ist kein Zufall. Kennedy rechnet mit einem baldigen Kollaps des bestehenden Geldsystems. «Wer sich nur ein bisschen mit den Finanzmärkten beschäftigt, der weiss, dass die Staatsschulden in Europa nicht rückzahlbar sind», stellt sie fest. «Wann und in welcher Form eine Hyperinflation oder eine Währungsreform kommen wird, wissen wir nicht genau. Ich hoffe, dass wir bis dahin über ausreichend Rettungsboote in Form von Regionalwährungen verfügen, damit sie möglichst viele Menschen tragen.»

Keine Ruhe für die Zentralbank
Konservative und progressive Kritiker der Zentralbanken machen sich auch bei uns bemerkbar. Die Bilanzverlängerung der Zentralbanken verunsichert die Menschen; die Angst vor Inflation und Hyperinflation wächst. In der jungen SVP gibt es bereits «Paulisten»: glühende Anhänger von Ron Paul und seinen Ideen. Der Bekannteste unter ihnen ist Nationalrat Lukas Reimann. Die SVP hat eine Liebe zum Gold. Sie liebäugelt mit einer Initiative, die verlangt, dass das Gold der SNB in der Schweiz aufbewahrt werden muss, und will neuerdings gar der Notenbank verbieten, Gold zu verkaufen.

Sobald das Wetter wärmer wird, dürfte sich auch die Occupy-Bewegung wieder verstärkt bemerkbar machen. Zinsloses Geld und ein bedingungsloses Grundeinkommen werden dabei wahrscheinlich zu den zentralen Anliegen avancieren. Zinsloses Geld hat in der Schweiz eine lange Tradition. Und diese wird wiederbelebt. Kürzlich ist ein Verein mit dem Namen Monetäre Modernisierung (MoMo) gegründet worden. Er will eine Volksinitiative lancieren, die das Vollgeld verlangt und den normalen Geschäftsbanken das Schöpfen von Fiat-Money verbieten will. Es ist daher eher unwahrscheinlich, dass rund um die SNB bald wieder Ruhe einkehren wird. Der politische Kampf um die Zentralbank hat erst begonnen.




eigentümlich frei    12. Januar 2012

Finanzmarktransaktionssteuer: Wer die Kosten wirklich trägt
von Ralph Bärligea

Eine vollständige Abrechnung
Die Finanzmarkttransaktionssteuer ist eine Umsatzsteuer auf Börsengeschäfte. Die Kosten werden also letztendlich vom privaten Anleger getragen. Der private Anleger tätigt entweder selbst direkt Börsengeschäfte oder er tätigt diese indirekt, indem er zum Beispiel Fonds- oder Lebensversicherungsprodukte als Altersvorsorge hält. Eine weitere Variante ist, dass der private Anleger Aktionär einer Bank ist und so ebenfalls die Kosten der Steuer trägt.

Die Banken an den Kosten der Krise beteiligen?
Die Forderung, die Banken durch die Börsenumsatzsteuer an den Kosten der Krise zu beteiligen, ist schon aus dieser Sicht verfehlt. Zudem trifft die Finanzmarkttransaktionssteuer gerade die Eigentümer und Kunden der Institute, die gut gewirtschaftet haben und die Steuer darum überhaupt bezahlen können. Mit dem eingenommenen Steuergeld sollen dann Banken, die schlecht gewirtschaftet haben, gerettet werden. Man lässt die Eigentümer und Anleger der schlecht wirtschaftenden Banken die Kosten der Krise nicht selbst über die eigenen Verluste direkt tragen. Man sozialisiert mit der Finanzmarkttransaktionssteuer die Kosten, indem man sie auf alle Banken und letztendlich die Bürger, uns alle, verteilt. Das setzt Fehlanreize zu noch schlechterem Wirtschaften, verschlimmert die Krise und ist ungerecht. Man finanziert auf diese Weise die Krise weiter.

Bremst die Finanzmarkttransaktionssteuer Spekulation?
Ein Spekulant hat das Ziel, günstig zu kaufen und teurer zu verkaufen. In Zeiten von Überangebot und Überfluss fallen die Preise, etwa von Rohstoffen. Der Spekulant kauft dann zu einem günstigen Preis Rohstoffe, um sie in der Zukunft, wenn Mangel herrscht und die Preise darum höher sind, wieder zu verkaufen. Dadurch entsteht in Zeiten des Überflusses eine Nachfrage durch Spekulanten, die den Preisverfall stoppt. Umgekehrt entsteht in Zeiten des Mangels ein Angebot durch Spekulanten, dass den Preisauftrieb stoppt. Spekulanten stabilisieren so die Preise. Ein Spekulant, der dies nicht tut, wird Verluste einfahren, da er teurer kauft als verkauft, und dadurch vom Markt verschwinden. Wo das Geschäft der Spekulanten durch eine Börsenumsatzsteuer verteuert wird, wird sich Spekulation zu einem gewissen Grad nicht mehr lohnen. Dadurch können Preisschwankungen weniger gut abgefedert werden und fallen höher aus. Sowohl „Mikrosekunden“-, „Tages“-, „Jahres“- oder „Derivate“-Handel werden tatsächlich ausgebremst und immer hat es die gleiche negative Wirkung. Dies erhöht letztendlich das Risiko für alle Marktteilnehmer. Ressourcen werden gleichzeitig weniger effizient am Markt verteilt. Weil es sich für einen Spekulanten wegen der Börsenumsatzsteuer zum Beispiel nicht gelohnt hat, in Zeiten des Überflusses Getreide einzukaufen, um dieses in Zeiten des Mangels zu verkaufen, könnten Menschen verhungern.

Was ist der wirkliche Grund für übermäßige Spekulation?
Der wahre Grund für übermäßige Spekulation ist das billige Geld und die Rettungspolitik für Banken. Banken erhalten fast zum Nulltarif Geld von der Europäischen Zentralbank (EZB). Wenn die Spekulationen, die sie damit eingehen, gut gehen, schütten sie den Gewinn vor allem in Form von Boni und Gehältern an ihre Manager aus. Eine Kontrolle der Spekulation durch Eigentümer findet kaum statt, da das meiste Geld von der EZB stammt, hinter der nur die europäischen Staaten, also das Kollektiv der Steuerzahler, steht. Geht die Spekulation schief, schießt die EZB neue Kredite nach oder die Banken werden durch Staatsgelder und -bürgschaften gerettet. So ist ein Weg eröffnet, indem die schlechten Banken Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren können. Dadurch gehen sie auch unrentable Spekulationen ein, deren Risiko in keiner vernünftigen Relation zum Nutzen steht. So stabilisieren sie die Preise tatsächlich nicht, wie zunächst beschrieben, sondern sorgen für Chaos an den Finanzmärkten. Dieses Problem würde durch die Finanzmarkttransaktionssteuer jedoch nicht gebremst, sondern zusätzlich verschärft werden.

Ist es schlecht, dass man der Börsenumsatzsteuer ausweichen kann?
Das Argument, die Börsenumsatzsteuer sei schlecht, weil die Marktteilnehmer ihr ausweichen könnten, stimmt teilweise. Einerseits ist es gut, wenn Marktteilnehmer ihr ausweichen, weil dann alle bisher aufgezählten negativen Effekte nicht auftreten. Andererseits erzeugt das Ausweichen Kosten, etwa durch Rechtssitzverlagerung. Das Geld dafür kann man aber auch für etwas Besseres verwenden. Hinzu kommt, dass die Ausweichkosten nicht alle tragen können, sondern nur einige wenige durch deren Größe und Verbund. Das ist ungerecht. Der normale Privatanleger wird so der Geschröpfte sein. Die hart verdiente Altersvorsorge des „kleinen Mannes“ etwa wird so zur Beute des Steuerterrors. Manche argumentieren so, dass sie die Finanztransaktionssteuer nur wollen, wenn sie für ganz Europa, am besten gleich die ganze Welt gilt. Das wäre ein Horrorszenario.

Kommt diese Steuer, bricht das Chaos erst so richtig aus.

Ralph Bärligea, Terminkontrakte: Aigner will Handel mit Agrarrohstoffen einschränken und provoziert so Hungertote



Neue Zürcher Zeitung    14. Januar 2012,

Das Bankgeheimnis ad absurdum geführt

Z. B. Bei der Lektüre der 4812 Seiten vertraulicher Kundendaten beschleicht einen das Gefühl, dass hier jemandem ein grober Fehler unterlaufen ist. Im Rahmen eines US-Amtshilfegesuchs wegen Steuerbetrugs hatte die Credit Suisse (CS) diese Informationen an die Eidgenössische Steuerverwaltung (EStV) geschickt. Statt nur die geforderten Daten zu letztlich fünf US-Bürgern nach Bern zu schicken, lieferte die CS zusätzlich ohne jegliche Anonymisierung die gesamten Kontoinformationen von über 125 nicht vom Gesuch betroffenen Nichtamerikanern. Diese Daten wurden von der EStV ungefiltert an die Anwälte der fünf betroffenen Amerikaner weitergeschickt. Von einem Fehler wollen aber die CS und die EStV nichts wissen. Bei der CS sollen die Juristen zum Schluss gekommen sein, die EStV-Verfügung fordere eine derart umfassende Datenlieferung. Die EStV erklärte, Daten von Dritten müssten geprüft werden, um mögliche Querverbindungen aufzudecken.

Diese Aussagen klären nicht, wie vertrauliche Bankkundendaten von Nichtbetroffenen nach Bern und von dort aus an Dritte gelangten, womit das Bankgeheimnis verletzt wurde. Bis vor wenigen Jahren versuchten die Schweizer Banken stets, EStV-Verfügungen so eng als möglich Folge zu leisten – wegen des Bankgeheimnisses. Der Druck vor allem aus den USA habe aber dazu geführt, erklären Involvierte, dass die Banken heute öfter einer umfangreicheren Auslieferung zustimmten. Grosszügiger sei hier auch die EStV geworden, nicht zuletzt wegen einer Regierung, die das Bankgeheimnis stark in Frage stellt. Zu einer deutlich grösseren Datenlieferung dürften zudem die neuerdings möglichen Amtshilfegesuche per Gruppenanfrage führen. Was der Politik vorschwebt, was Gruppenanfragen in der Praxis bedeuten sollten, ist allerdings weit von diesem konkreten Fall entfernt. Sollte dieser exemplarisch die Zukunft der Schweizer Amtshilfe abbilden, muss Bern noch einmal definieren, wofür das Bankgeheimnis stehen soll. So jedenfalls wird dieses ad absurdum geführt.




Fuldaer Zeitung    14.Januar 2012

Das ungelöste Rätsel der Union
Frank Schäffler, MdB

Weniges ist so sinnlos wie eine Steuer auf Finanztransaktionen. Ihr erklärtes Ziel ist die Verhinderung von Spekulation. Die unwissenschaftliche und falsche Behauptung ist, Spekulation habe irgendwie die Finanzkrise ausgelöst. Erklären kann das allerdings niemand so richtig, was daran liegt, dass es grober Unfug ist. Man begeht also einen Fehler, wenn man das Scheinargument glaubt, die Finanztransaktionssteuer diene Lenkungszwecken und dazu, Finanzkrisen zu verhindern.

Wenn die Finanztransaktionssteuer keine Lenkungssteuer ist, so muss man nach einer anderen Erklärung für ihre Popularität unter Linken suchen. Die liegt auf der Hand. Es geht um nichts anderes als den steten Wunsch nach Steuererhöhung. Man hofft, es treffe die Richtigen. Zwei einfache Punkte dagegen: Erstens kann niemand dieser Steuer leichter ausweichen, als die ins Ziel genommenen Finanzunternehmen. Das gilt insbesondere, wenn die Steuer ohne London, Hong Kong und New York eingeführt wird. Dann wandern unsere Finanzunternehmen ab oder weichen aus. Zweitens trifft die Steuer nicht die Richtigen, sondern die Sparer – das sind wir alle. Und wir können nicht abwandern oder ausweichen. Unsozialer als eine Steuer, die die Sparer trifft, geht es nicht.

Auf der Suche nach einem Argument für die Finanztransaktionssteuer bleibt der französische Wahlkampf. Herr Sarkozy versucht gegen seine sozialistischen Widersacher zu punkten. Es bleibt das ungelöste Rätsel der Union, warum wir deutschen Sparer das bezahlen sollen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Fuldaer Zeitung




Tages-Anzeiger    21.Januar 2012

Wer hat die elf Banken verraten?
Von Arthur Rutishauser

Eine geheime Liste zeigt, wohin US-Kunden der UBS ihr Geld überwiesen. Die UBS dementiert Gerüchte, sie habe die Daten den Amerikanern weitergegeben. In Frage käme die Finma – doch sie schweigt.
Macht Druck: Die imposante Fassade der US-Steuerbehörde in Washington.  Bild: Keystone

Nächste Woche steht wieder eine Verhandlungsrunde im Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA an. Am 30. Januar läuft das jüngste Ultimatum der USA ab: Elf grosse Schweizer Banken sollen bis dann die Namen aller Kundenberater liefern, welche für amerikanische Steuersünder zuständig waren. Betroffen sind die Credit Suisse, Julius Bär, die Bank Wegelin, die Zürcher und die Basler Kantonalbank sowie Schweizer Ableger von israelischen Banken. Von einer Lösung des Problems ist man weit entfernt.

Laut Mario Tuor, Sprecher des zuständigen Bundesamtes für internationale Finanzfragen (SIF), ist es schon ein Erfolg, dass die Gespräche weiterlaufen. Während die Verhandlungen stocken, stellt sich immer mehr die Frage, warum der neue Steuerstreit mit den USA überhaupt entstanden ist und warum genau die elf Banken im Fokus stehen, welche nun die Namen ihrer Kundenberater liefern sollen.
 
Dossiers 
Steuerstreit mit den USA
ZKB kappt alle Beziehungen zu Kunden in den USA
Die neue Steuerwalze
Unternehmenssteuer und Weissgeld: Der Nationalrat in Kürze
Der Kampf um die Bankdaten
US-Justiz klagt weitere Schweizer Top-Banker an
Auslieferung von Bankdaten an die USA war legal
Die GPK hätte die UBS-Chefs gerne vor Gericht gesehen
Artikel zum Thema
USA bieten elf Schweizer Banken Straffreiheit an
US-Anklageschrift gegen Wegelin enthält mehr Brisanz als vermutet
Drei Schweizer Banker in den USA angeklagt
«Fragen Sie doch in Herrliberg nach!»
US-Behörden klagen weiteren Ex-UBS-Banker an
«Die Schweizer Diplomatie ist unfähig, hart aufzutreten»

Entlassene Berater nahmen Kunden mit
Blenden wir zurück. Alles begann am 18. Juli 2008. Damals entschuldigte sich der UBS-Manager Marc Branson im amerikanischen Senat für das Gebaren der UBS (UBSN 12.65 0.64%) und gelobte, solches werde nie wieder vorkommen. Zum gleichen Zeitpunkt verschickte die UBS ihren amerikanischen Kunden einen Brief, in dem sie ihnen mitteilte, dass ihr Konto geschlossen würde und sie ihr Geld entweder als Check bei der UBS abholen dürften oder eine neue Bankverbindung angeben müssten. Bar ausbezahlt würden höchstens 50'000 Franken. Damit war klar, dass immer eine Möglichkeit bestehen würde, nachzuvollziehen, wohin die mutmasslich unversteuerten US-Gelder flossen.

Gleichzeitig wurde bei der UBS das ganze bisherige Amerika-Desk kaltgestellt. Alle Berater verloren jeglichen Zugriff auf die Konten ihrer Kunden und es wurde ihnen mit Sanktionsdrohung verboten, mit ihren Klienten Kontakt aufzunehmen. Bei Zuwiderhandlung drohte fristlose Entlassung, was in einem Fall auch geschah. Der Rest der Abteilung flog ordentlich raus. Die meisten wurden dann aber nicht etwa arbeitslos, sondern arbeiteten weiter als freie Vermögensverwalter oder als Angestellte anderer Banken. Sie nahmen einen Grossteil der Kunden mit und brachten sie zu jenen Banken, die jetzt im Visier der Amerikaner stehen.

Eine Exit-Liste der US-Kunden
Was bisher unbekannt war: Die UBS musste der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma ab Sommer 2008 monatlich Bericht darüber erstatten, auf welche Bank die Gelder überwiesen wurden. So entstand eine geheime Exit-Liste für amerikanische UBS-Kunden.

Gleichzeitig mit dem Exit bei der UBS liefen zwei Amnestierunden für US-Steuerflüchtlinge. Abgeschlossen wurden sie im Herbst 2010. Offiziell wird betont, aus diesen Selbstanzeigen hätten die Amerikaner genügend Informationen erhalten, um zu wissen, welche Banken Asyl für ihre Steuerflüchtlinge boten.

Nicht ins Bild passt folgender Fakt, der von der Finma zum Aufsichtsgeheimnis erklärt wurde: Bereits im Februar 2011 forderte die Schweizer Bankenaufsicht die betroffenen elf Banken auf, einen Bericht zu erstellen, ob es bei ihnen im US-Geschäft zu Gesetzesbrüchen gekommen sei. Auch das bestätigt die Finma erstmals: «Es stimmt, dass verschiedene Banken aufgefordert wurden, die aus dem grenzüberschreitenden Geschäft erwachsenden Risiken konsequent aufzuarbeiten.» Für Insider ist es unmöglich, dass die US-Ermittler in so kurzer Zeit Zehntausende von Selbstdeklarationen auswerten konnten. Da hätte es einen Tipp gebraucht, heisst es allenthalben.

Lieferte die Finma die Daten?
Die UBS weist Gerüchte von sich, sie habe den Amerikanern die Liste weitergereicht, um sich aus den Fängen der USJustiz zu befreien. Sprecher Serge Steiner: «UBS hat nie institutsspezifische Informationen an die USA geliefert.» Unbestritten bleibt allerdings die Feststellung, dass die UBS die USA darüber aufklärte, welcher Anteil ihrer USGelder in der Schweiz blieb.

Möglich ist, dass die Finma die Informationsquelle für die UBS war. Sie war es, die im Februar 2009 erstmals Kundendaten aus der Schweiz an die USA lieferte. Sie tat zu diesem Zeitpunkt unter der Leitung des Ex-UBS-Mannes Eugen Haltiner alles, um die UBS aus dem Schussfeuer der Amerikaner zu bringen. Konfrontiert mit der Frage, ob es stimme, dass die Finma die Daten weitergegeben habe, sagt Sprecher Tobias Lux: «Ihre Aussage bleibt weder bestätigt noch dementiert.»



NZZ Online    27. Januar 2012, 12:28 / 16:44,

Konrad Hummler: «Wir geben unser Lebenswerk auf»
Wegelin kapituliert im Streit mit den USA
Raiffeisengruppe übernimmt Grossteil des Wegelin-Privatkundengeschäfts

Die renommierte St. Galler Privatbank Wegelin gibt ihre Selbständigkeit auf. Aufgrund der möglichen Klage der USA spaltet sie sich auf und übergibt Raiffeisen den Grossteil des Privatkundengeschäfts. Wegelin-Teilhaber Hummler sprach von einem ausserordentlich schmerzlichen Schritt.
Die Bank Wegelin zerbricht am US-Steuerstreit, gibt ihre Selbständigkeit auf. (Bild: Keystone)

Die renommierte St. Galler Privatbank Wegelin zerbricht am US-Steuerstreit. Aufgrund der möglichen Klage spaltet sie sich auf und übergibt Raiffeisen den Grossteil des Privatkundengeschäfts. Wegelin-Teilhaber Hummler sprach von einem ausserordentlich schmerzlichen Schritt.
tsf./mtz. Die älteste Schweizer Privatbank, die 1741 gegründete St. Galler Bank Wegelin, gibt auf. Sie ist durch die angedrohte Klage der USA offenbar in eine derart schwierige Situation gekommen, dass sie sich zu einem radikalen Schritt entschieden hat. Sie spaltet sich auf und verkauft den Grossteil des Geschäfts an die Raiffeisengruppe, die ebenfalls in der Stadt St. Gallen ihren Hauptsitz hat.

Das heikle Amerika-Geschäft, das Wegelin in die bedrohliche Situation gebracht hatte, wird von Raiffeisen nicht mit übernommen. Diese Risiken und Verantwortlichkeiten des US-Geschäfts bleiben bei bisherigen Teilhabern von Wegelin.

Wegen der grossen Risiken des US-Geschäfts wurde Wegelin von Raiffeisen nicht direkt übernommen. Der Grossteil der Kunden und Mitarbeiter von Wegelin wird in eine neu gegründete «Notenstein Privatbank» transferiert. Erst diese Notenstein geht zu 100 Prozent am Raiffeisen. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden.

Von den bisher acht Wegelin-Teilhabern werden zwei, Adrian Künzi und Magne Orgland, in die neue Notenstein wechseln. Beide haben offenbar keine Beziehung zum US-Geschäft. Die übrigen sechs Teilhaber bleiben bei Wegelin.

Der Name «Notenstein»
mtz. Der Name «Notenstein» stammt von einer Gesellschaft von St.Galler Kaufleuten, die Mitte des 15. Jahrhunderts gegründet wurde, wie Notenstein-Chef Adrian Künzi erklärte. Das Gesellschaftshaus der Notensteiner ging 1899 in die Hände von Wegelin über und wurde zum Hauptsitz der Bank. 1968 wurde die Notenstein AG im Handelsregister eingetragen. Obwohl das Wappen der Notensteiner schon seit der Zeit der einstigen Notenstein-Gesellschaft das historische Gebäude am Bohl schmückt, wurde die geschützte Marke bisher nie aktiv genutzt. Das Logo der Bank ist ein weisser Hund vor rotem Kreis. Der Werbespruch des Instituts lautet: «Grosse Erfahrung. Junge Bank. Starker Partner.» Die Website der neuen Bank (www.notenstein.ch) soll im Verlauf des Wochenendes aufgeschaltet werden.

Wegelin eine Art «Bad Bank»
Das hochriskante Geschäft mit den von der UBS übernommenen amerikanischen Kunden bleibt somit in der Verantwortung von Wegelin-Teilhabern. Damit wird dieser Wegelin-Teil zu einer Art «Bad Bank». Die Bank Wegelin bleibe vorläufig bestehen, bis die Dossiers der US-Kunden und die juristische Auseinandersetzung mit den USA endgültig abgearbeitet seien, heisst es in der Mitteilung von Wegelin. Die verbleibenden, unbeschränkt haftenden Teilhaber der Privatbank würden sämtliche Auseinandersetzungen mit den US-Strafverfolgungsbehörden führen und zugleich noch bestehende US-Kunden endgültig abarbeiten.

«Als unbeschränkt haftende Teilhaber nehmen wir unsere Verantwortung konsequent wahr. Wir sind gewillt, die rechtlichen Auseinandersetzungen zu bestehen. Zugleich ist es unsere Pflicht, unseren Kunden und Mitarbeitenden ein Maximum an Sicherheit zu geben. Darin sind sich alle Teilhaber der Bank einig», schreibt Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber.

Hummler gibt Lebenswerk auf

Konrad Hummler, geschäftsführender Wegelin-Teilhaber. (Bild: Reuters / Ruben Sprich)

Hummler zeigt sich enttäuscht: «Gewiss kann man sich vorstellen, wie schwer uns dieser Schritt fällt, geben wir doch gleichzeitig unser Lebenswerk auf. Die ungeheuer schwierige und existenzbedrohende Lage, in welche uns die rechtliche Auseinandersetzung mit den US-Behörden gebracht hat, zwingt mich und meinen langjährigen Partner Otto Bruderer, zusammen mit allen unbeschränkt haftenden Teilhabern, zu diesem ausserordentlich schmerzlichen Vorgehen», erklärt  Hummler.

Raiffeisen kann expandieren
Raiffeisen kann mit der Übernahme ihre schon seit Längerem angestrebte Expansion im Bereich des Private Banking umsetzen. Entsprechend zufrieden zeigt sich Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz: «Die Übernahme der Kunden und Mitarbeiter der «Notenstein Privatbank AG» ist für Raiffeisen ein Quantensprung. Mit einem Schlag können wir unsere Position im Vermögensverwaltungsgeschäft deutlich stärken», erklärt er.

An der Medienkonferenz gab Vincenz bekannt, dass Wegelin-Teilhaber letzte Woche auf Raiffeisen zugekommen seien, um eine gemeinsame «Ostschweizer Lösung» zu finden. Grund sei die Unsicherheit wegen einer möglichen US-Klage gewesen.

Vincenz nannte mehrere Gründe für die Übernahme. Raiffeisen könne so die Wachstumsstrategie durch Diversifizierung vorantreiben. Auch könnten die Geschäftserträge diversifiziert werden. Wichtig sei auch gewesen, in einer Schweizer Lösung die 700 Arbeitsplätze zu retten.

Raiffeisen bleibe aber eine Retailbank, versicherte Vincenz. Die neue Notenstein ergänze das bisherige Geschäft. Sie behalte eine gewisse Selbständigkeit und werde nicht voll integriert. Notenstein habe 13 Standorte in der Schweiz. Die Kunden stammten zu 70 Prozent aus der Schweiz und zu 30 Prozent aus Europa.

Die Nettobank gibt es nicht mehr
mtz. Die Abspaltung und der Verkauf des Nicht-US-Geschäfts von Wegelin an Raiffeisen geschah, wie Pierin Vincenz ausführte, über einen Zwischenschritt: Vor dem Verkauf wurden die Teile, die an Raiffeisen gehen sollten, von Wegelin an die Tochter Nettobank weitergegeben. Danach wurde die Nettobank in Notenstein umfirmiert und an Raiffeisen verkauft. Damit hat die Nettobank aufgehört zu existieren. Laut Vincenz wird man aber die Aktivitäten der Nettobank – die Vermögensverwaltung über das Internet – auch innerhalb der Raiffeisen-Gruppe gut gebrauchen können.
«Historischer Moment»
Adrian Künzi, der Chef der Notenstein Privatbank und früherer Leiter von Wegelin in der Westschweiz, wertete die Übernahme als historischen Moment. Eine neue Bank werde geboren, Künzi sprach auch von einem Juwel, das den Besitzer wechsle. Er versicherte, dass die bisherige Unternehmenskultur fortgeführt werde und dass alle Arbeitsplätze erhalten blieben. Es gebe auch eine hohe Übereinstimmung der Kultur mit der Raiffeisen-Gruppe. Die Dienstleistungen der Notenstein fokussierten sich auf das klassische Private Banking für Privatanleger und institutionelle Investoren sowie auf das Asset Management.

Die Notenstein wird ihr Domizil am stattlichen bisherigen Wegelin-Sitz haben. Die verbleibenden Wegelin-Teilhaber werden an die Museumsstrasse in St. Gallen ziehen.

Die Raiffeisen-Gruppe geht davon aus, dass sie von den US-Behörden nach der Wegelin-Aufteilung nicht haftbar gemacht wird. Garantien gebe es aber nicht, räumte Vincenz ein. Aufgrund der Kundenstruktur sei Raiffeisen gegenüber den USA nicht exponiert. Auch die Finma sei zum, Schluss gekommen, dass die Transaktion zu verantworten sei.

Wegelin-Banker angeklagt
Die amerikanischen Behörden haben zum Jahresbeginn drei in der Schweiz tätige Banker der Privatbank Wegelin angeklagt. Sie sollen laut der Anklageschrift in den Jahren zwischen 2005 und 2010 amerikanischen Kunden geholfen haben, Gelder in der Höhe von mindestens 1,2 Mrd. Dollar vor dem US-Fiskus zu verstecken. Die Teilhaber der Bank sollen – gemäss der Anklageschrift – beschlossen haben, die bei der UBS ausgeschlossenen amerikanischen Offshore-Kunden aufzunehmen.

Die US-Behörden liessen später auch durchblicken, dass sie rechtliche Schritte gegen die Privatbank Wegelin selbst vorbereiteten. Vor wenigen Tagen beurlaubte die Bank den Teilhaber Christian Hafner, welcher die Zürcher Niederlassung leitete. Er wird in der Anklageschrift «Mitverschwörer» genannt.

Neben Wegelin stehen zehn weitere Banken im Visier der US-Justiz, darunter die Credit Suisse. Die Amerikaner wollen Namen von mutmasslichen Steuersündern. Die Schweizer Banken können die Informationen nicht ohne weiteres herausgeben, da dies gegen Schweizer Recht und das Schweizer Bankgeheimnis verstossen würde. Aus diesem Grund wurde der Steuerstreit auf eine zwischenstaatliche Ebene gehoben, um die unterschiedlichen Rechtsauffassungen zu überbrücken. Die Verhandlungen dauern immer noch an

Hummler bleibt NZZ-Präsident
Der Verwaltungsrat der AG für die Neue Zürcher Zeitung, dessen Präsident Konrad Hummler ist, liess am Freitag verlauten, er sehe aufgrund der aktuellen Ereignisse derzeit keinen Handlungsbedarf. Es gelte jetzt, die weiteren Entwicklungen laufend zu beurteilen.

Wegelin nicht auf Druck der Finma aufgespaltet
ng. Die Finanzmarktaufsicht Finma hat die Aufspaltung der Wegelin & Co. und die Übernahme des Nicht-US-Geschäfts von Wegelin durch Raiffeisen bewilligt. Laut Finma-Sprecher Tobias Lux ist die Übernahme nicht auf Druck der Aufsichtsbehörde zustande gekommen. «Das war klar keine behördliche Intervention. Die Transaktion wurde von den beiden beteiligten Banken geplant und durchgeführt», sagt er. Die Finma habe die Übernahme aufsichtsrechtlich geprüft. Bei dieser Prüfung wurden auch die Risiken untersucht, die sich aus dem US-Geschäft der Wegelin ergeben. «Die Finma sieht diese Risiken durch die ergriffenen Massnahmen ausreichend berücksichtigt», sagt Lux. Raiffeisen wird nur Mitarbeitende übernehmen, die nicht oder nur unwesentlich mit dem US-Geschäft in Verbindung standen. Ein weiterer Punkt ist der Aufsichtsbehörde wichtig: Die Bank Wegelin und deren Teilhaber sind weiter operationell als auch finanziell für allfällige rechtliche Konsequenzen aus dem US-Geschäft verantwortlich. Die Bank Wegelin sei keine «leere» Hülle, sagt der Finma-Sprecher. Dies ist vor allem im Verhältnis zu den US-Behörden bedeutend. Die amerikanischen Kunden verbleiben beim Institut mit den für das Geschäft haftenden Teilhabern.
Leserkommentar
Anton Keller (27. Januar 2012, 17:59)    Das wär dann das Totenglöcklein des Finanzplatzes – oder aber der Weckruf
Das hat uns noch gefehlt: ungewählte, unlegitimierte & ausser Kontrolle geratene IRS-, OECD- & FATF-Bürokraten geben den Tarif durch. Unsere Bänkler geben den Druck auf Regierung, Parlament & Verwaltung weiter. Perlen unserer Wirtschaft lassen wir uns abschiessen und gehen endlos in die Knie. Im Widerspruch zum Volkswillen, Ordre public, DBA sowie unseren Interessen lassen wir Amtshilfegesuche mit namenlosen Gruppenanfragen zu (www.solami.com/iconoc.htm#GPK)! Fakt ist, dass Schweizer Banken nur angeblich amerikanisches Recht verletzten: die gerügten Kundenberatungen geschahen allesamt im Rahmen ihrer QI-Vereinbarungen mit der IRS und waren sogar geboten. Die erfolgten Schuldanerkennungen sind mit den „Geständnissen“ der Inquisition zu vergleichen. Mit ihren rechtswidrigen QI-Operationen und freiheits-, souveränitäts- & markt-widrigenFATCA-Plänen steht die IRS selbst global auf der Anklagebank (…/irsquery.htm).




Neue Zürcher Zeitung    27. Januar 2012

Ein Weckruf für die Schweiz
Kommentar von NZZ-Chefredaktor Markus Spillmann

msn. Es ist ein spektakulärer Befreiungsschlag, den die unbeschränkt haftenden Teilhaber der Bank Wegelin im Steuerstreit mit den USA am Freitag vollzogen haben. In einer nüchternen Risikoabwägung blieb den Partnern wohl fast keine andere Wahl, als eine Vorwärtsstrategie zu wählen und die Bank zum grösseren Teil zu verkaufen. Das höchste Gut für ein Geldinstitut sind seine Reputation und das Vertrauen der Kunden in die Geschäftsfähigkeit. Kontinuierliche Angriffe auf und Drohungen gegen ein Unternehmen wirken auf Dauer immer belastend. Für eine Privatbank ist solches Gift tödlich.

Das wussten die amerikanischen Steuerbehörden und das Justizdepartement in Washington sehr wohl, als sie drei Wegelin-Mitarbeiter Anfang Jahr einklagten. Das Institut ist klein, nicht systemrelevant, trotzdem prestigeträchtig, archetypisch schweizerisch und damit verwundbar – auch, weil in der Person von Konrad Hummler ein Teilhaber beteiligt ist, der sich nicht scheut, die Dinge auch öffentlich deutsch und deutlich beim Namen zu nennen.

Die Lösung mit der ebenfalls in St. Gallen domizilierten Raiffeisen-Gruppe, die seit längerem auf der Suche nach einer Privatbank war, kam offenkundig sehr kurzfristig zustande – was sie nicht schlecht macht. Nachdenklich stimmt dennoch, wie rasch ein Traditionshaus an den Abgrund gedrängt werden kann und wie verletzlich offenkundig der Schweizer Finanzplatz inzwischen ist. Sinkende Margen, regulatorische Auflagen und politische Pressionen dürften die Konsolidierung des Finanzsektors weiter beschleunigen. Man wünschte sich freilich, dass sie nicht unter solchen Umständen stattfindet wie im Fall Wegelin.

So bitter der Schritt für die Besitzer ist, er zeugt von grossem Verantwortungsbewusstsein. Sie schleichen sich nicht einfach kollektiv oder einfach einzeln aus der Affäre, indem sie ihre inkriminierten Kunden im Stich lassen und den rund 700 Mitarbeitern keine berufliche Zukunft mehr bieten. Sie beugen auch kein Schweizer Recht durch die vorauseilende Auslieferung von Kundendaten an eine Steuerbehörde eines Drittstaates, der seine Rechtsauffassung mit einiger Hemdsärmligkeit global durchzusetzen versucht. Das war immer ein hehrer Grundsatz der Teilhaber, sie bleiben ihm auch in der Stunde grösster Not treu. Und sie wahren bestmöglich die Interessen jener Kunden, die inzwischen viel zu leichtfertig auch hierzulande pauschal in die Nähe der Kriminalisierung gerückt werden – notabene vorläufig ohne bindendes Urteil, dass sie Schweizer Recht oder einschlägige bilaterale Abkommen verletzt hätten.

Wer so handelt, handelt verantwortungsvoll und verdient Respekt.

Der Preis aber ist hoch. Die Teilhaber geben ihr Lebenswerk auf. Es gleicht dabei einer freiwilligen Opfergabe an die Amerikaner – mit dem taktisch nicht unwesentlichen (und durchaus willkommenen) Nebeneffekt, dass gewissen Kreisen in Washington damit vielleicht auch eine politisch kostbare Trophäe entzogen wird. Die ersten Reaktionen aus den USA sollten denn auch nicht überbewertet werden: Es gehört zum Verhandlungspoker, dass die amerikanische Seite keinen Grund sieht, die jüngste Entwicklung als entlastend zu bewerten.

Richtigerweise kapitulieren Hummler und Co. nicht einfach vor der Drohkulisse Uncle Sam. Im Wissen darum, dass dessen Attacken gegen den helvetischen Finanzplatz auch politisch motiviert sind, und im Glauben, rechtlich einiges in der Hand zu haben, wollen sie für ihre Sache und jene ihrer Kunden kämpfen – notfalls auch unter Opferung ihres privaten Vermögens. Dass sie sich dabei auch für die Integrität des Finanzplatzes einsetzen, zeugt von einem tieferen staatspolitischen und volkswirtschaftlichen Verständnis.

Mag sein, dass die forcierte Aufnahme von ehemaligen «amerikanischen» Kunden der UBS durch die Bank Wegelin noch im Frühling 2008 leichtfertig war. Das sehen die Verantwortlichen in der Rückschau inzwischen zweifelsfrei auch so. Aber der Umkehrschluss, sich damit auch juristisch ins Unrecht gesetzt zu haben, wird damit nicht wahrer. Es geht nicht an, die amerikanische Sicht der Dinge einfach als rechtsetzend hinzunehmen. Die Schweiz ist ein funktionierender Rechtsstaat – und einer jahrhundertealten Tradition verpflichtet, Privatsphäre und individuelle Entscheidungen stets höher zu gewichten als volatile Staatsräson. Diese Werte auch dann zu verteidigen, wenn die Wellen hochgehen, dient dem Land, weil es für Stärke und Selbstbewusstsein bürgt, nicht für Schwäche und Manipulierbarkeit.

Das Ende der heutigen Bank Wegelin ist denn auch ein Weckruf an die Schweiz, für ihre Interessen hart und klug zu kämpfen. Ohne Konzessionen an die USA wird es nicht mehr gehen. Leichtfertig aber dürfen die eigenen Werte nicht geopfert werden. Parlamentarisch sind die Weichen in der Schweiz inzwischen richtig gestellt; nach gut unterrichteten Kreisen liegen zudem handfeste und konstruktive Lösungsvorschläge auf dem Tisch. Dringend gefordert ist nun beidseits des Atlantiks der Wille, auf politischer Ebene zeitnah eine Einigung zu suchen. Für Wegelin käme sie zu spät. Aber es bliebe den Teilhabern immerhin die Genugtuung, einen konstruktiven Beitrag geleistet zu haben.

Leserkommentar
Anton Keller (30. Januar 2012, 14:07)    @sorry: I beg to differ
Schon möglich, dass sein famoser Schlachtruf "Its time to say goodbye" vom 24.8.09 (www.solami.com/wegelin265pr.htm) auch einen too-clever-by-half Verschleierungsbeitrag darstellen sollte. Eine gut unterlegte Offensivstrategie gegenüber dem IRS-Moloch war für die Samariterfunktion für ex-UBS-Kunden zwar angezeigt, offenbar aber einfach eingespart. Gehört Konrad Hummler sodann zu den schwarzfahrenden Weissgeld-Pharisäern welche nun plötzlich wieder nach staatlichem Gegendruck rufen? Er verriet keine US-Kunden, sondern stellte sich schützend vor sie - nicht gerade als Winkelried, aber dennoch persönlich haftend. So, wie es sich von Anfang an für alle gehört hätte. Das nennt sich Prinzipientreue, Bewusstsein darüber was man ererbt hat und weitergeben soll, und tätiges reales Verantwortungsbewusstsein. Im Gegensatz zu allen andern hiesigen Opportunisten, Kniebeugern und Liebedienern, zeigt Hummler den Weg des Anstandes, der Würde und zur Rückgewinnung des Vertrauens.



NZZ am Sonntag    29. Januar 2012,

Härtere Haltung im Steuerstreit gefordert
Die Lösung mit den USA droht ohne Druck in weite Ferne zu rücken
Felix E. Müller, Davos

Bundespräsidentin Widmer-Schlumpf versuchte am WEF, die Verhandlungen im Steuerstreit zu beschleunigen. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Eveline Widmer-Schlumpf hat sich in Davos gegenüber dem US-Finanzminister Tim Geithner frustriert über den Verlauf der Verhandlungen geäussert. Sie will nun rasch eine Lösung finden. Die Banken drängen auf eine härtere Gangart.

In Davos hat die Meldung vom Verkauf der Bank Wegelin wie ein Brandbeschleuniger für die bereits intensiven Diskussionen um den Steuerstreit mit den USA gewirkt. Nun erheben einzelne Banker und Anwälte die Forderung, dass der Bund gegenüber den USA härter auftreten müsse. Der Präsident der Bankiervereinigung, Patrick Odier, spricht davon, dass dieser Fall «die Dringlichkeit einer Lösung» zeige. Sonst drohe aus diesem Konflikt ein Schrecken ohne Ende zu werden.

Hinter diesen Urteilen verbirgt sich die Frustration in Banken- und Verwaltungskreisen darüber, dass sich die Verhandlungen mit Washington seit über einem Jahr hinziehen. Sprach noch vor wenigen Wochen der US-Botschafter in Bern, Donald S. Beyer, in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» zuversichtlich davon, dass er mit einem Verhandlungsabschluss im Frühjahr rechne, verschob Eveline Widmer-Schlumpf diesen Termin nach dem Treffen mit Finanzminister Tim Geithner am Donnerstag auf «Ende Jahr». Dabei liegen die Eckwerte einer Verhandlungslösung längst auf dem Tisch (siehe Box). Zu den umstrittensten Punkten gehört die Höhe der Pauschalzahlung für die «Sünden der Vergangenheit». Während die USA die Summe von 10 Milliarden Dollar ins Spiel brachten, signalisierte die Schweiz laut zuverlässigen Quellen dezidiert, nur einen Bruchteil dieser Summe bezahlen zu wollen. Um einen Konsens zu finden, sei vor allem von den USA politischer Wille gefordert.

Das Problem sei nur, dass in Washington auf höherer Ebene niemand die Verantwortung für die Verhandlungen übernehme, heisst es aus dem Umfeld eines Bundesrats. Deshalb leide die Schweiz etwa darunter, dass die beiden beteiligten US-Verwaltungsstellen – das Department of Justice (DOJ) sowie die Steuerbehörde IRS – teilweise unterschiedliche Ziele verfolgten. Während der IRS eher an einer raschen Lösung interessiert sei, weil diese Geld bringe, wolle das DOJ möglichst viele Namen von Steuersündern sehen und möglichst viele Schweizer Banker zur Rechenschaft ziehen.

Weil die Schweiz für die USA keine grosse Bedeutung habe, kümmerten sich die Spitzen der beiden Departemente, geschweige denn das Weisse Haus, kaum um den Steuerstreit. In dieses Vakuum drängten sich ehrgeizige Staatsanwälte, die den Steuerstreit mittlerweile zur Förderung ihrer politischen Karriere missbrauchten. In Bern wird das Gerücht kolportiert, einer dieser Staatsanwälte habe gesagt, er müsse noch zwei Schweizer Banken ans Messer liefern, und dann könne er für ein politisches Amt kandidieren.

Will die Schweiz endlich strengere Saiten aufziehen, steht laut einem Anwalt folgendes Instrument im Vordergrund: Artikel 271 des Strafgesetzbuches würde es erlauben, alle ausländischen Behördenvertreter anzuklagen, die Schweizer Staatsbürger zu einer Verletzung des Schweizer Rechts anzustiften versuchten. Diesen Tatbestand hätten die Staatsanwälte im DOJ teilweise erfüllt, indem sie Druck auf einzelne Bankinstitute zur Herausgabe von Kundendaten ausgeübt hätten.

Ebenfalls werfe die Schweiz viel zu wenig die Tatsache in die Waagschale, dass sie in absoluten Zahlen der grösste (!) Investor in den USA sei. Ohne grösseren Druck der Schweiz besteht laut Beobachtern die Gefahr, dass die USA einfach weitermachen und sich nach dem Aus von Wegelin die nächste Bank vorknöpfen. Insider kommen zum Schluss, dass es sich dabei vermutlich um die Bank Bär handelt.

Dabei läuft allerdings auch nicht immer alles auf Schweizer Seite rund. Gemäss einer gut informierten Quelle hätten die USA eine Datenlieferung über das Geschäftsgebaren und das Verhalten von Mitarbeitern der CS per Ende Dezember erwartet. Obwohl versprochen, würden diese Daten immer noch vom Departement Sommaruga blockiert. Das könnte das DOJ, so vermutet diese Quelle, dazu bewogen haben, im Fall Wegelin rascher die Axt fallen zu lassen als ursprünglich geplant. Weder die CS noch das EJPD wollten dazu Stellung nehmen.

So wird der Streit beigelegt
    1. Kundendaten: Einigung über die Lieferung von Kundendaten. Die Lieferung von Daten von US-Steuersubjekten an die Behörden in Washington basiert auf dem alten wie dem neuen Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA. Diese rechtliche Grundlage wird ergänzt durch die erweiterte Möglichkeit für Gruppenanfragen. Diese Klärung kommt im März noch vor den Nationalrat.
    2. Zusammenarbeit: Regelung der Zusammenarbeit zwischen den beiden Aufsichtsbehörden Finanzmarktaufsicht (Finma) und Securities and Exchange Commission (SEC) im Bereich der Amtshilfe. Hier sollen die Verfahren verbessert und die Abläufe genauer definiert werden.
    3. Zahlung: Mit einer Pauschalzahlung soll das «Vergehen» des Finanzplatzes einmalig gebüsst und damit ein Schlussstrich unter die Vergangenheit gezogen werden. Das würde gleichzeitig auch den Schutz aller Bankangestellten vor einer Strafverfolgung durch die US-Behörden wegen vergangener Aktivitäten sicherstellen. Die Summe muss durch den Finanzplatz aufgebracht werden. Die Punkte 1. bis 3. sind formeller Bestandteil der sogenannten Globallösung.
    4. Bussen: Die elf von den USA angeklagten Banken müssen eine Busse zahlen. Im Fall Wegelin gingen interne Schätzungen von 40 Millionen Franken aus. (fem.)

Basler-Zeitung / Der Bund / Tages-Anzeiger    1.Februar 2012

Faith Whittlesey: «Die Schweiz muss Obama blamieren – dann dreht sich das Blatt»
«Die Schweiz setzt auf die falschen Freunde»
Von Markus Wüest

Faith Whittlesey, ehemalige US-Botschafterin in Bern, rät der Schweiz im Steuerstreit mit den Amerikanern zu einem Strategiewechsel. Bern sollte der Administration Obama aufzeigen, «wie scheinheilig das Ganze ist».
War von 1981 bis 1983 und von 1985 bis 1988 US-Botschafterin in Bern: Faith Whittlesey.  Bild: Keystone

Die Republikanerin Faith Whittlesey (72) war unter der Administration von Ronald Reagan zwei Mal Botschafterin der USA in der Schweiz: Von September 1981 bis Februar 1983 und dann erneut von April 1985 bis Juni 1988. Dazwischen war sie im Stab des Weissen Hauses für das Lobbying verantwortlich. Während ihrer insgesamt fünf Jahre in Bern, initiierte sie unter anderem ein Memorandum of Understanding im Bereich Insiderhandel und verhandelte über das Bankgeheimnis. Whittlesey war eine sehr aktive Botschafterin, die auf vielen Reisen die Schweiz erkundete. Sie ist Ehrenpräsidentin der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer und immer noch regelmässig hier zu Besuch. Alleine im letzten Jahr war sie vier Mal in der Schweiz.

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Frau Whittlesey, wie schätzen Sie die Lage der Schweiz im Steuerstreit mit den USA ein?
Sie ist schlimmer als je zuvor. Schlimmer als in den 90er-Jahren, als es um die nachrichtenlosen Vermögen ging. Die Schweiz wird im Moment sehr hart angegriffen. Und gleichzeitig, mitten in einer Finanzkrise, wird hier in den USA keiner der eigenen Steuersünder an den Pranger gestellt. Ich denke, es geht der Obama-Administration darum, ein Exempel zu statuieren und US-Bürgern das Geschäft mit den Schweizer Banken zu vermiesen. Wenn das gelingt, hätte das langfristig auf das Verhältnis der beiden Länder einen ganz schlechten Einfluss.

Obwohl die Beziehungen ja traditionell sehr gut sind.
Absolut. Aber wenn die Angriffe der amerikanischen Behörden dazu führen werden, dass der Banksektor in der Schweiz leidet – und damit viele Arbeitsplätze verloren gehen –, haben die USA einen sehr harten Schlag gelandet.

Kommen diese Angriffe von ganz oben in der Administration?
Ich glaube es. Wenn dem nicht so wäre, müsste man Präsident Obama Inkompetenz vorwerfen, dann wüsste er ja nicht, was geschieht. Aber sehen Sie, das ist die Position innerhalb seiner Partei: die Reichen ausnehmen. Was in dieser Situation zählt, sind Amerikaner, die der Schweiz zur Seite stehen.

Wer sind denn diese Amerikaner? Wo findet man sie?
Es braucht eine Gruppe von guten Leuten hier in den USA. Doch die Schweiz hat immer noch nicht realisiert, wer ihre natürlichen Allianzpartner sind. Sie setzt auf Leute wie Al Gore, weil er sich für die Umwelt starkmacht. Sie lädt ihn in die Schweiz ein für Vorträge, zahlt ihm Geld. Haben Sie jetzt, wo er helfen könnte, je etwas von ihm gehört? Die Schweizer meinen, es bringe was, auf grosse Namen zu setzen, auf Demokraten. Aber wenn es um den freien Markt und die Verteidigung des freien Marktes geht und um nationale Souveränität, sind die Republikaner eben der natürliche Allianzpartner. Doch diese Möglichkeit wurde noch gar nie ins Auge gefasst. Stattdessen wird eine Anwaltskanzlei an der Wall Street nach der anderen involviert.

Und wie würden Sie vorgehen? Was würden Sie tun?
Natürlich muss die Schweiz eingestehen, dass es Steuerbetrüger gab und gibt, keine Frage. Aber man muss auch betonen, dass man denen auf die Finger klopft. Vor allem muss die Schweiz ihre Werte und ihre Überzeugungen verteidigen, zum Beispiel ihre niedrigen Steuern. Es gibt einige Thinktanks wie zum Beispiel das Cato Institute in Washington oder die Heritage Foundation, die man nutzen könnte, nutzen müsste. Wichtig ist: Die Schweiz sollte das Spiel den Amerikanern überlassen.

Es sollten also nicht etwa Schweizer sein, die in den USA für ihre Überzeugungen einstehen?
Nein. Nehmen Sie US-Intellektuelle, die schreiben können, die jung sind, die hungrig sind. Brillante Köpfe, die die Schweiz aus eigener Erfahrung kennen und vom Land und seinen Strukturen beeindruckt sind. Von den Werten, die in der Schweiz gelten. Spielen Sie «American Hardball» («mit harten Bandagen»; Anm. d. Red.). Und ich sage Ihnen, es gibt Wege, Obama blosszustellen.

Welche denn?
Streichen Sie heraus, wie scheinheilig das Ganze ist. Dass man jetzt vehement die Schweiz angreift, aber keinen einzigen amerikanischen Steuersünder. Dass man Mexiko auflaufen lässt, wenn es mit den exakt gleichen Forderungen an die USA herantritt, wie die USA jetzt an die Schweiz. Dass es Schlupflöcher für Steuersünder im US-Bundesstaat Delaware gibt.

Sie meinen, das führt zum Erfolg?
Ja. Denn jedes Mal, wenn man am Ende die Gerichte in solch einem Fall entscheiden lassen muss, hat man bereits verloren. Es muss gelingen, schon vorher eine Lösung zu finden. Aber so kann es einem eben gehen, wenn man sich an die falschen Freunde hält.

Dauerbrennen: Faith Whittlesey, und die Diplomaten John Crooke, John Fedders und Edward Green, von links nach rechts, am 3. März 1982 nach einer Tagung mit einer schweizerischen Delegation über das Bankgeheimnis im Bundeshaus in Bern.
Bild: Keystone

Wer sind die richtigen?
Die Intellektuellen unter den Republikanern, die die Politiker in ihrem Handeln beeinflussen. Die Politiker machen das, was die Intellektuellen ihnen vorsagen. Aber die Schweizer Finanzwelt hat nahezu keinen Kontakt, keine Verbindung zu dieser Welt. Null. Seit Jahren nicht.

Was spricht denn dagegen, auf ein paar prominente Männer oder Frauen zu setzen, die sich für die Schweiz hinstellen?
Das bringt nichts. Die Schweiz sollte stattdessen auf gescheite Köpfe vertrauen, die Bücher schreiben, die Artikel publizieren, die wissen, wie man die Meinung beeinflusst. Unterschätzen Sie niemals den Einfluss der Medien. Wenn es gelingt, Obama zu blamieren, dreht sich das Blatt. Denn er will nicht schlecht dastehen. Aber Sie dürfen keine Angst vor harten Schlägen haben.

Sie meinen solche, wie Newt Gingrich und Mitt Romney austauschen?
Genau.

Aber das ist nicht unser politischer Stil.
Eben deshalb braucht es Amerikaner, die wissen, wie man «Hardball» spielt.

Immer noch regelmässig in der Schweiz: Faith Whittlesey an einem Kaderseminar des Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) 1999 im Kongresshaus in Kandersteg im Gespräch mit Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel.

Ist die Sache denn jetzt schon verbockt? Kommt jede Hilfe zu spät?
Nein. Die Schweiz muss jetzt auf Zeit spielen und vor allem ihre Strategie wechseln und nicht länger auf Leute hier in den USA setzen, die eigentlich ihre Feinde sind. Es gibt jede Menge guten Willen für die Schweiz hier. Aber die Schweizer müssen hier in den USA aufhören, von den grünen Themen zu sprechen. Völlig irrelevant. Das interessiert zurzeit niemanden.

Wäre es denn zum Beispiel geschickt, in der jetzigen Lage darauf hinzuweisen, wie oft wir den Vereinigten Staaten schon mit unseren guten Diensten geholfen haben? Zum Beispiel als Briefträger in Iran.
Das könnte ein Teil der Strategie sein, ja. Und dann müsste der Hinweis kommen, wie gut sich die Schweiz in der aktuellen Wirtschaftskrise im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern gehalten hat.

Vielleicht fehlt es uns ja einfach an Selbstbewusstsein?
Nein, nein. Aber es fehlt an politischer Intelligenz.

Neue Zürcher Zeitung   2.Februar 2012
re:  Kinderspiele im Schweizer Parlament / Banken lieferten Daten direkt in die USA

Anton Keller (2. Februar 2012, 13:24 / 21:10)    Ex-US-Botschafterin empfiehlt hardball, die NZZ softball   (2x zensuriert)
Weiss-Eier werden jene Bänkler genannt, welche auf Weissgeld schwören, im Inland mit Dankomaten das angeschlagene Image schönfärben wollen, und mit weiteren Ukase & Kniefällen vor IRS-, OECD-, FATF- und andern ausser Kontrolle geratenen Bürokraten ihre Boni und Zukunft glauben sichern zu können. Demgegenüber zeigen Rand Paul im US Senat, und in der BAZ die ehem. US-Botschafterin Faith Whittlesey, wie man mit den übermütigen, überbewerteten und auf tönernen Füssen stehenden 500 Pfund Gorillas der IRS und des DoJ allein fertig wird – nämlich mit Hardball (www.solami.com/bankingfuture.htm#hardball ¦ …/diamantball.htm). Unbeeindruckt, die NZZ redet weiterhin das Wort für weitere Kniebeugen (nachträgliche Absegnung der Gruppenanfragen-Verordnung: …/iconoc.htm#Neujahr) als vermeintlich letzte Voraussetzung eines Befreiungsschlages. Auch die NZZ missachtet: si vis pacem para bellum! Bedenklich, beschämend und kein Rezept für die Zukunft!




Neue Zürcher Zeitung    1. Februar 2012

Der Schweizer Finanzplatz in Not
Der Schweizer Finanzplatz kämpft an zu vielen Fronten. Sein Schicksal darf nicht
schadenfreudigen Moralisten oder fremden Staatsanwälten überlassen werden.
Von Peter A. Fischer

Schweizer Bankiers haben in den letzten Jahren gewichtige Fehler gemacht. Manche verkannten zu lange, dass ein Geschäftsmodell, welches auf nicht korrekt versteuerten Geldern baut, träge macht und in einer sich immer stärker integrierenden Welt keine Zukunft hat. Bei anderen ging die notwendige Internationalisierung einher mit einem Verlust an Kultur, zunehmendem Unverständnis für die Niederungen einheimischer Politik und leider oft auch mit Selbstgefälligkeit, Arroganz und Lohnexzessen. Das rächt sich nun.

Es braucht klare, resolute Antworten
Die Schweizer Banken haben einen herben Imageverlust erlitten, der sich negativ auf die politische Bereitschaft auswirkt, für den Finanzplatz einzustehen. Gleichzeitig stehen sie unter enormem Druck, rasch einen durch regulatorische und technologische Änderungen bedingten fundamentalen Strukturwandel zu bewältigen, der auf ihre Profitabilität drückt. Als ob das nicht genug wäre, haben Altlasten der Banken und die diplomatische Exponiertheit der kleinen Schweiz dazu geführt, dass zahlreiche Institute – und mit ihnen der Schweizer Finanzplatz an sich – unter internationalem Dauerbeschuss stehen.

All das verlangt dringend nach klaren, resoluten Antworten. Stattdessen scheint das Handeln von Banken, bei denen sich Mitarbeiter mit Klagen konfrontiert sehen, gänzlich bestimmt durch Heerscharen von juristischen Beratern. Von Solidarität oder langfristigem strategischem Denken ist wenig zu spüren. Der Schweizerischen Bankiervereinigung scheint es die Sprache verschlagen zu haben. Und während das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen mit Deutschland, Grossbritannien und den USA verhandelt, lässt es die Politik an aussen- und innenpolitischer Unterstützung mangeln. Sie schaut zu, wie allein schon eine Drohung von US-Staatsanwälten der Eigenständigkeit der ältesten Schweizer Privatbank ein Ende bereitet, ohne dass diese je des Rechtsbruchs überführt worden wäre.

Es ist an dieser Stelle immer wieder betont worden, dass Eigner und Management von Banken, genau wie in jedem anderen Unternehmen, für das eingegangene Risiko und die gemachten Fehler einstehen und nicht vom Staat gerettet werden sollen. Schweizer Banken müssen sich unverfälschtem Wettbewerb, verschärften Anforderungen an Kapitalausstattung und Organisation und dem sich daraus ergebenden Strukturwandel stellen. Der Bankenplatz wird sich verändern und wegen der wachsenden regulatorischen Fixkosten konsolidieren müssen. Er steht vor der grossen Herausforderung, zu beweisen, dass seine Dienstleistungen im Vermögensverwaltungs- und Investmentgeschäft, gepaart mit der Stabilität, Sicherheit und Seriosität des Standorts Schweiz, auch unter den neuen Bedingungen international attraktiv sind.

Prinzipien nicht über Bord werfen
Mit der neuen Weissgeldstrategie, der erleichterten Amtshilfe, dem konsequenten Vorgehen gegen Potentatengelder und Geldwäscherei sowie mit ihrer neuen Bankenregulierung hat die offizielle Schweiz ein Umfeld geschaffen, das rigoroser ist als in vielen konkurrierenden Finanzplätzen. Doch das Bestreben, es besser zu machen, darf nicht dazu führen, dass der Finanzplatz der Zerstörung preisgegeben wird. Die Schweizer Banken brauchen Schutz vor endlosen juristischen Auseinandersetzungen durch eine abschliessende Regelung ihrer Altlasten. Abkommen mit Deutschland und Grossbritannien und ein tauglicher Vorschlag an die USA bringen schmerzliche Kosten, aber immerhin eine Lösung.

Politik und Bankbranche sollten sich endlich geeint und mit Nachdruck hinter das neue Regime stellen und dabei zentrale Schweizer Prinzipien verteidigen. Die Schweiz achtet das Individuum und geht nicht davon aus, dass dieses ein Verbrecher ist. Es hat Recht auf Schutz vor staatlicher Willkür und, solange es sich nichts hat zuschulden kommen lassen, auf Privatsphäre – auch in einer Bankbeziehung. Das Schweizer Bankgeheimnis darf deshalb nicht durch immer grössere vorauseilende oder gar automatische Datenlieferungen ad absurdum geführt werden. Und es kann auch nicht sein, dass profilierungssüchtige fremde Staatsanwälte ihre Ansprüche in der Schweiz durchsetzen können, ohne dass die Betroffenen hier rechtliches Gehör finden. Es ist höchste Zeit, dass die Schweiz mit geeinter Stimme Partnern in den USA und auch in der EU klarmacht, dass sie zwar guten Willens ist, aber sich ihren Finanzplatz nicht kaputtmachen lassen will und notfalls auch dafür einsteht.

Damit sich die Schweizer Banken bewähren können, brauchen sie jetzt eine klare Perspektive. Auf dem Spiel stehen mehr als zehn Prozent der Schweizer Wertschöpfung und rund fünf Prozent der Arbeitsplätze in einem Land, das mit seiner Ausbildung, Infrastruktur und seinen traditionellen Werten ideale Bedingungen für einen Finanzplatz bietet. Das darf nicht deplacierter billiger Schadenfreude oder fremden Staatsanwälten zum Opfer fallen.




NZZ Online    3. Februar 2012, 08:05

Bank Wegelin von den USA angeklagt
16 Millionen Dollar bei Korrespondenzbank beschlagnahmt
Christoph Eisenring, Washington

Die amerikanische Justiz greift erstmals in der Auseinandersetzung mit der Schweiz zum schärfsten Mittel gegen eine Bank: Sie klagt die St. Galler Privatbank Wegelin an. Sie habe sich zusammen mit amerikanischen Klienten „verschwört“, indem sie diesen in den Jahren 2002 bis 2011 geholfen habe, Geld vor der US-Steuerbehörde IRS zu verstecken.
Aussenansicht der Bank Wegelin & Co. in St. Gallen. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Eine Anklage in den USA gegen eine Bank kann existenzgefährdend sein, weil dadurch zum einen das Vertrauen der Kunden und Mitarbeiter erschüttert wird, zum anderen andere Banken den Geschäftsverkehr mit ihr einstellen könnten, um nicht selbst ins Visier der Justiz zu geraten.

Bei der Bank Wegelin hatte im Januar bereits die Drohung mit einer Anklage genügt, um sie zu destabilisieren. So hatten die Teilhaber der Bank, darunter Konrad Hummler, der auch Verwaltungsratspräsident der NZZ ist, den grössten Teil des Instituts an die Raiffeisen-Gruppe verkauft, wo das Geschäft nun unter der Notenstein Privatbank AG firmiert. Die Restanzen aus dem US-Geschäft und vor allem die rechtlichen Risiken daraus, verblieben dagegen bei den bisherigen Eigentümern. Keiner der Teilhaber ist bisher angeklagt worden.

Ob der Verkauf die Klage sogar „erleichtert“ hat, ist schwer zu sagen. Jedenfalls musste sich die amerikanische Justiz nach dem Verkauf des Grossteils an Raiffeisen keine Gedanken mehr über allfällige „Kollateralschäden“ machen, also Auswirkungen einer Anklage auf Kunden, Mitarbeiter oder sogar das Bankensystem. Allerdings stehen hier ohnehin allfällige Schäden für den US-Markt im Vordergrund, auf dem Wegelin nicht präsent ist. Der Verkauf an die Raiffeisen wird in der Anklage nicht erwähnt.

Der zuständige Staatsanwalt des südlichen Bezirks von New York, Preet Bharara, sagte laut einer Mitteilung, Wegelin habe amerikanischen Steuersündern geholfen oder sie dazu angestiftet, Steuergesetze zu verletzen. Die Bank habe sich selbst dann nicht von ihrem Tun abschrecken lassen, als 2008 Ermittlungen gegen die UBS bekannt geworden waren. Sie habe diese „glasklare Warnung“ ignoriert.

Die US-Justiz führt in der Anklage an, die Bank habe mit der Zustimmung der Teilhaber den Umstand nutzen wollen, dass viele amerikanische UBS-Kunden mit undeklarierten Konti 2008 die Grossbank verliessen oder verlassen mussten. Rund 70 Kunden habe Wegelin so abgeworben. Von diesen habe sich die Privatbank besonders hohe Erträge versprochen, weil diese Kunden kaum noch Alternativen gehabt hätten, heisst es in der Anklage. Die Bank habe 2005 undeklarierte Vermögen von Amerikanern über rund 240 Mio. $ verwaltet. Diese Summe sei bis 2010 auf 1,2 Mrd. $ gestiegen. Die gesamthaft von Wegelin verwalteten Vermögen betrugen rund 25 Mrd. $, womit die 1,2 Mrd. $ weniger als 5% entsprachen.

Die Vorwürfe an die Bank sind praktisch identisch mit denjenigen, die bereits Anfang Januar in der Klage gegen drei Mitarbeiter von Wegelin erhoben wurden. Damals wurden Fälle mit Kunden A bis W geschildert, denen die Banker geholfen haben sollen, Geld am amerikanischen Fiskus vorbei zu schleusen. In der jüngsten Anklageschrift kommen zehn weitere Kunden dazu. Zum einen sind es Kunden, die von unabhängigen Vermögensverwaltern betreut wurden. Dabei sollen diese Konti im Computersystem von Wegelin so kodiert gewesen sein, dass sofort ersichtlich war, dass es sich um unversteuerte Gelder handelt. Zum anderen werden neu Kunden aufgeführt, für die Wegelin über ihr Konto bei der UBS in den USA Geld transferiert hatte.

In der Anklage wird der Fall eines Kunden geschildert, der sowohl deklarierte als auch ein undeklariertes Konto bei Wegelin hatte. Von einem der deklarierten Konti sollen nun diesem Kunden 16 000 $ aus der Schweiz auf ein Konto in den USA überwiesen worden sein. Dieses Geld hob der Klient ab und brachte es nach Manhattan, wo er sich mit einem der angeklagten Banker zum Mittagessen traf. Während des Mittagessens habe sich der Banker kurz entschuldigt und in einer anderen Ecke des Restaurants einen zweiten Kunden getroffen, der ebenfalls ein nicht versteuertes Konto bei Wegelin unterhalten habe. Diesem habe er die 16 000 $ in bar übergeben. Anschliessend seien dem ersten Kunden die 16 000 $ auf dem undeklarierten Wegelin-Konto in der Schweiz wieder gutgeschrieben worden. Mit dieser Technik habe man Geld verschieben wollen, ohne Spuren zu hinterlassen.

Wegelin hatte keine Filialen ausserhalb der Schweiz. Um trotzdem Zugang zum amerikanischen Finanzmarkt und den dortigen Kunden zu haben, unterhielt die Privatbank bei der UBS in den USA ein Konto. Die UBS fungierte dabei als Korrespondenzbank. Wegelin konnte zum Beispiel einem Kunden in den USA einen Scheck schicken, den dieser dann einlösen konnte, wobei die Summe dem Wegelin-Konto bei der UBS belastet wurde. Diese Bankbeziehung nutzten laut Anklage zwei weitere Banken, um ihren Kunden, die nicht versteuerte Konti unterhielten, Geld zukommen zu lassen. Die Banken werden in der Anklage jedoch nicht namentlich erwähnt.

Die Amerikaner haben nun das Geld auf dem UBS-Konto von Wegelin beschlagnahmt. Es sind 16,2 Mio. $. Eine solche Anordnung wird üblicherweise getroffen, um zu verhindern, dass das Geld von den Angeklagten abgezogen werden kann, bevor es möglicherweise zu einem Prozess kommt. Wegelin droht laut Anklage eine Busse, die dem Zweifachen der Brutto-Einnahmen aus dem Geschäft mit den undeklarierten Vermögen entspricht.




NZZ Online    3. Februar 2012, 08:10

«Die Rede von der Weissgeldstrategie ist sehr gefährlich »
Oswald Grübel zum Steuerstreit, dem Fall Wegelin und der Abgeltungssteuer
Von Zoé Baches und Hansueli Schöchli

Der Schweizer Finanzplatz wird von den USA und von Europa unter Druck gesetzt. Im Gespräch übt Oswald Grübel, ehemaliger CEO der beiden Schweizer Grossbanken, auch Selbstkritik und erklärt, dass an der heutigen misslichen Lage Politik und Banken gleichermassen schuld seien.
Oswald Grübel trat als UBS-Konzernchef am 24. September 2011 per sofort zurück und übernahm die Verantwortung für den Handelsverlust von Kweku Adoboli in London. (Bild: Keystone / Steffen Schmidt)

NZZ Online: Nach langen Jahren an der Spitze der zwei Schweizer Grossbanken, zuerst bei der Credit Suisse, dann bei der UBS, sind Sie heute Privatier. Womit beschäftigen Sie sich?
    Oswald Grübel: Zum einen treffe ich mich mit Leuten, auch mit Kunden, die mich sehen wollen, aber auch mit anderen Personen, die im Markt tätig sind, um mich auszutauschen. Hauptsächlich aber verwalte ich mein eigenes Vermögen.

Übernehmen Sie auch Beratungsmandate?
    Nein, ich will das auch nicht. Ich arbeite für niemanden mehr, nur noch für mich.

Ihr Abgang kam überraschend. Für den Fall Kweku Adoboli (Link) übernahmen Sie persönlich die Verantwortung und reichten Ihren sofortigen Rücktritt ein. Der Chef der Investmentbank, Carsten Kengeter, ist immer noch auf seiner Position.
    Es wäre tatsächlich einfach gewesen, die Sache anders zu lösen – also ich wäre geblieben, und Carsten Kengeter wäre gegangen. Herr Kengeter war natürlich näher dran, aber auch er kann einen solchen Vorfall nicht zu 100 Prozent verhindern. Es handelte sich ja nicht um eine Position, die nicht ausgeglichen war, das hätte man gesehen. Im Risiko tauchte diese Position gar nicht auf, da man auf der einen Seite «short» und auf der anderen «long» war – und eine Seite war gefälscht. Das hätte einer ganzen Reihe von Mitarbeitern im Controlling auffallen müssen, es hätte nachgefragt werden müssen und das wurde nicht getan. So etwas kann der Chef oben nicht sehen.

Herr Kengeter ist doch für seine Controller zuständig.
    Ja, als Chef der Investmentbank ist er zuständig dafür, was in seiner Einheit passiert. Sein Abgang hätte aber der UBS nicht geholfen. Ich wollte sowieso fünf, sechs Monate später zurücktreten – aus Altersgründen, wegen dem Wechsel des Verwaltungsratspräsidenten und weil der Verwaltungsrat einen neuen CEO wollte. Mein Rücktritt machte mehr Sinn und konnte zudem den Reputationsverlust im Markt stoppen. Das war sehr wichtig. Nachher wurde es dann deutlich ruhiger. Das bestärkte mich darin, dass mein Entschluss richtig gewesen war. Ich hatte eigentlich sofort nach dem Vorfall zurücktreten wollen, Kaspar Villiger bat mich dann aber, wenigstens bis zur VR-Sitzung, die zufällig in der Woche darauf in Singapur stattfand, zu warten.

Oswald Grübel, ehemaliger CEO der beiden Grossbanken UBS und CS. (Bild: Keystone / Martin Rütschi)

Man kann also sagen, dass Ihr rascher Rücktritt den Kopf von Herrn Kengerter gerettet hat.
    Ja, aber Sie müssen das von der praktischen Seite sehen. Angenommen, ich wäre geblieben und hätte Herrn Kengerter entlassen, was wäre dabei gewonnen worden? Ich hätte einen neuen Investmentbanking-Chef finden müssen, was keine einfache Sache ist. Zudem hätten mich die Medien weiterhin gefragt, warum nicht ich als oberster Chef die Verantwortung übernehme. Es ist so, als CEO ist man das Gesicht eines Unternehmens und damit für alles verantwortlich. Mein Rücktritt war naheliegend und logisch. Zu Herrn Kengerter: Die UBS hat nach meinem Abgang zudem begründet, warum sie weiter an ihm festhält.

Wie schätzen Sie die Chancen für Kweku Adoboli vor Gericht ein. Dieser macht ja auch das Risikomanagement der UBS verantwortlich?
    Zu einem laufenden Verfahren kann ich keine Auskunft geben.

«Ja, das ist so. Die Amerikaner ändern ihre Gesetze und wir können daran nichts ändern»

Als ausgesprochen belastend für den Finanzplatz Schweiz erweist sich der Steuerstreit mit den USA, der in den Untergang der Privatbank Wegelin & Co. mündete. Was bedeutet der Fall Wegelin für den hiesigen Finanzplatz?
    Wenn es sich nicht um Wegelin handeln würde und nicht um die älteste Privatbank der Schweiz, würden sich sicher weniger Leute dafür interessieren. Es handelt sich ja in erster Linie um ein kleineres Finanzinstitut. Bedeutend ist der Fall aber deshalb, da nun endlich das Argument weg ist, welches die kleineren Banken immer anführten, nämlich dass es sich bei der Situation in den USA primär um ein Problem der beiden Grossbanken handele. Der Fall Wegelin zeigt, dass die Zeiten für alle Banken vorbei sind, in denen das Bankgeheimnis an Kunden verkauft werden konnte, die Steuern hinterziehen. Und er zeigt, dass sich Banken besonders beim Thema Steuerhinterziehung an die Gesetze auch im Ausland halten müssen, selbst wenn sie nicht vor Ort mit einer Niederlassung vertreten sind.

Die Gesetze sind im Ausland allerdings nicht immer klar ersichtlich. Länder wie die USA beispielsweise ändern immer wieder die Spielregeln.
    Ja, das ist so, die Amerikaner ändern ihre Gesetze und wir können daran nichts ändern. Aber, es ist tatsächlich immer noch so, dass es als Schweizer Bank im Ausland nicht immer klare Gesetze dafür gibt, was man jetzt tun kann und was nicht. Das ist oft und bis heute Auslegungssache, was die Situation natürlich erschwert. Eine einfache Antwort darauf gibt es nicht. Doch müssen wir endlich realisieren, dass diese Banken alle nur deshalb angegriffen werden, weil die USA vermutet, dass gegen ihre Gesetze verstossen wurde.

Es ist noch nicht geklärt, ob tatsächlich amerikanische Gesetze von den heute im Fokus der USA stehenden Banken verletzt wurden. Dennoch sagen Sie, Banken wie Wegelin, aber auch die anderen Betroffenen, die in den Jahren 2008 und 2009 die Kunden von der UBS übernommen haben, sind selber schuld?
    Ja, das war eine grosse Fehlentscheidung. Wir haben uns damals gewundert bei der UBS, wer alles diese Kunden nahm.

Hat die UBS die amerikanischen Behörden darüber orientiert, wohin diese Kunden gingen, die bei Ihnen rausgeworfen wurden?
    Nein, das haben wir nicht. Die einzigen, die diese Information hatten, war die Finanzmarktaufsicht Finma.

Hat die Finma die US-Behörden informiert?
    Nicht, dass ich wüsste. Die Finma verneint das zudem.

«Der Fall Wegelin könnte dazu führen, dass die Banken endlich mit einer Stimme sprechen.»

Wie sollte die Schweiz heute Ihrer Meinung nach gegenüber den USA auftreten?
    Mit «der Schweiz» sind in diesem Zusammenhang die Politik und die betroffenen Banken gemeint. Diese müssten viel besser zusammenarbeiten, als sie das bisher getan haben. So traurig der Fall Wegelin ist, er könnte wenigstens innerhalb der Banken dazu führen, dass diese endlich mit einer Stimme sprechen. Das geschah bisher nicht. Grund dafür ist auch, dass es in der Bankiervereinigung immer die zwei Grossbanken auf der einen Seite und die anderen 200 Banken mit ihren 200 Stimmen auf der anderen Seite gab.

Die Banken waren sich uneinig, was der Sache nicht förderlich war. Wie sehen Sie die Rolle des Bundesrates?
    Im Bundesrat wurden in den letzten Jahren viele Entscheidungen rund um das Bankgeheimnis getroffen, die nicht unbedingt logisch waren. Zum einen fehlte sicher der politische Wille, unter anderem auch, weil kein gemeinsames Bekenntnis der Banken da war, etwas in die Wege zu leiten, das die Politik hätte verteidigen können. Wir haben zudem alle den Fehler gemacht, dass wir viel zu wenig in die Diskussionen rund um die Steuerhinterziehung eingegriffen haben . Wenn die Politik plötzlich von einer Weissgeldstrategie spricht, ist das sehr gefährlich. Denn damit wird implizit gesagt, dass wir vorher eine Schwarzgeldstrategie hatten. Die Wirkung dieser Aussage im Ausland war fatal.

An der heutigen Situation sind also die Politik und die Banken gleichermassen schuld?
    Wir haben es versäumt, in den letzten zehn Jahren klipp und klar zu sagen, dass wir nicht die Steuereintreiber für den Rest der Welt sind, dass wir mit Steuern nichts zu tun haben und auch nichts zu tun haben wollen. Das hätte der Bund und der Bundesrat, natürlich mit der Unterstützung der Banken, ab den Jahren 2000/2001 sagen sollen. Zudem hätten ebenfalls von Seiten Bundesrat und Finanzmarktaufsicht klare Anweisungen kommen müssen, dass sich die Banken im Ausland richtig verhalten müssen. Man hätte den Banken Regeln geben müssen, dass sie keine eigenen Wege verfolgen dürfen, die nur der Steuerhinterziehung dienen. Das hätte klare Vorschriften beinhaltet, wie mit Bargeld umgegangen wird und welche Dienstleistungen für welche Kunden ausgeführt werden.

Sie verlangen Gesetze, allerdings ist doch jede Bank ist selbst für ihre Risiken verantwortlich
    Was ich sagen will ist, dass die Aufsichtsbehörden früher hätten wissen sollen, was die Banken unter dem Deckmantel des Bankgeheimnisses tun und entsprechende Regeln erlassen. Jede Bank ist für ihre Risiken selbst verantwortlich, was aber nicht heisst, dass sie sich ausserhalb der Gesetze in den verschiedenen Ländern bewegen kann.

«Die bilateralen Verträge bringen uns in Teufels Küche.
Die Abgeltungssteuer ist für jede Bank eine Bankrotterklärung.»

Kritisch sehen Sie auch den bilateral eingeschlagenen Weg rund um die Abgeltungssteuer. Was ist der Grund?
    Meiner Meinung lief der ganze Prozess falsch. Im Jahr 2006 machte ich in Bern den Vorschlag, dass sich die Schweiz mit Luxemburg und Österreich an einen Tisch setzt, um eine gemeinsame Lösung mit der EU zu finden. Ich war immer der Überzeugung, dass uns die bilateralen Verträge in Teufels Küche bringen werden. Einfach weil jeder, der danach kommt, sich immer die besten Sachen heraussuchen wird und noch etwas draufpacken will. Am Schluss ist der Verhandlungspartner beleidigt, mit dem man den Vertrag eben ausgehandelt hat, weil er im Vergleich zu den darauf folgenden schlechter wegkommt und dann fängt die Sache wieder von vorne an. Mit Verbündeten in der EU wie Luxemburg und Österreich, die ein Vetorecht haben, hätten wir eine permanente Lösung der Abgeltungssteuer mit der EU aushandeln können. Ich weiss nicht, was mit diesem Vorschlag passiert ist, umgesetzt wurde er offensichtlich nicht.

Schuld an dieser Entwicklung ist die Politik?
    Nein, die Banken sind genauso schuld, weil sie sich einfach nicht einigen konnten. Das geplante Abkommen mit Grossbritannien und mit Deutschland ist zumindest für die Grossbanken nicht gut. Aber alle kleineren Banken waren dafür, weil sie im Gegenzug Marktzugang erhielten, was für uns ja keine Rolle spielte. Heute zeichnet sich ab, dass unabhängig davon, wie die Abkommen letztlich aussehen werden, von Schweizer Seite viel zu viel hergegeben wurde. So wie die Steuer geplant ist, wird der administrative Aufwand für die Schweizer Finanzinstitute noch einmal deutlich steigen. Dieser kann nicht vollumfänglich auf den Kunden abgewälzt werden.
    Zudem ist die Abgeltungssteuer für jede Bank, die Kunden ursprünglich mit dem Argument des Bankgeheimnisses hierher brachte, eine Bankrotterklärung. Denn jetzt muss eine Bank sagen, es gibt kein Bankgeheimnis mehr: Entweder zahlst Du Deine Steuern nach oder wir treiben diese für den deutschen und den britischen Fiskus ein. Wenn Du als Kunde sagst, Du hättest Deine Steuern zuhause bezahlt, dann musst Du das beweisen. Wir setzen uns in ein Licht als ein Steuereintreiber, das hatten wir immer bekämpft. Das ist ganz schlimm.

«Es gab keine starke Führung in der Bankiervereinigung»

Warum konnten sich die Banken auch hier nicht einigen?
    Weil es keine starke Führung in der Bankiervereinigung gab, die diese ganzen Meinungen zusammenbrachte. Insgesamt hätte das allerdings nur eine Meinung sein können, die mit derjenigen der beiden Grossbanken übereinstimmt. Aber wenn man immer alles demokratisch machen will, kommt man nie zu einer Lösung, denn so stehen, wie ich bereits angeführt habe, auch hier immer zwei Grossbanken mit zwei Stimmen 200 anderen Banken mit 200 Stimmen gegenüber.

Wäre der automatische Informationsaustausch gar das kleinere Übel als die bilateralen Abkommen zur Abgeltungssteuer?
    Nein, denn es gibt nirgendwo auf der Welt einen richtig funktionierenden automatischen Informationsaustausch. Wenn jemand ein Konto beispielsweise in den USA eröffnet, wird das der Rest der Welt nie erfahren, denn die USA werden nie Daten austauschen.

«Wir liessen das Thema Steuerstreit in der UBS schleifen»

Wie beurteilen Sie den Staatsvertrag der UBS im Rückblick?
    Im Rückblick glaube ich, dass wir einen grossen Fehler gemacht haben. Wir hätten die ganze Problematik mit den USA viel früher regeln sollen, bereits im Jahr 2007. Es zeichnete sich damals klar ab, dass die Thematik eine gefährliche Sache ist. Hätten wir damals rascher gehandelt, wäre das Thema effizienter gehandhabt worden und wäre uns deutlich billiger gekommen. Damals aber kam alles zusammen, die grossen Wechsel im Management, die grossen Verluste und dann noch die Steuersache. Das alles war zu viel für die Bank, und man liess das Thema Steuerstreit schleifen.

Schweizer Banken haben ihre amerikanischen Kunden miserabel behandelt, diese wurden auf die Strasse gestellt und rückwirkend kriminalisiert. Warum soll in zehn Jahren ein reicher Kunde überhaupt noch in die Schweiz kommen?
    Was passiert ist, war unschön. Die Schweiz wurde in den letzten Jahrzehnten als Hort der Stabilität und des Geheimnisses aufgebaut. Und jetzt kommt aufgrund der Technologie eine totale Transparenz auf uns zu, die nicht mehr aufzuhalten ist. Zum Glück sind wir ein sehr reiches Land und nicht wie viele unserer Nachbarn komplett verschuldet, das hilft. Aber diese neue Transparenz zerstört Geheimnisse, es ist ein Faktum, das ist nicht aufzuhalten. Die heutige Ethik diktiert, dass alles, was ein Geheimnis ist, per se schlecht ist. So weit wurde die Argumentation in der Politik getrieben, beispielsweise diktiert das die SP.
    Für die Schweiz ist diese neue Transparenz rund um das Bankgeheimnis in jedem Fall ein Nachteil. Wohl weniger für die Grossbanken als für die kleineren Häuser, da erstere sehr gut im Ausland aufgestellt sind. Die Geldzuflüsse im Private Banking aus den USA aber auch aus Europa dürften abnehmen, noch ist unklar wie viel. Für die Schweiz aber ist es entscheidend, dass Geld in unser Land fliesst. Dazu fehlt es aber immer mehr an Anreizen, Ereignisse wie die Geschichte mit den USA helfen da natürlich überhaupt nicht.

«Ich würde den Euro dem US-Dollar vorziehen»

Sie erkärten eingangs, dass Sie heute zur Hauptsache Ihr eigenes Vermögen verwalten. In was investieren Sie?
    Die künftigen Regeln führen dazu, dass die Banken künftig kleiner werden, da sie ja viel mehr Kapital für die selben Assets halten müssen. Da die Banken in den nächsten Jahren weniger verdienen, bleibt ihnen nur die Möglichkeit, die Bilanz zu verkürzen, damit die Eigenkapitalquote steigt. Das wird für weniger Liquidität in allen Märkten sorgen, weil die Banken nicht mehr dort stehen und Liquidität bereit stellen. Wenn sie Aktien kaufen, sind die Banken nicht mehr dort. Und es wird sich zu relativ illiquiden Märkten führen, die auch weniger Volatilität haben. In zwei drei Jahren werden wir uns wundern, wie ruhig es an allen Märkten geworden ist. Ich glaube, dass die Zinsen weiterhin tief bleiben. Wenn Sie also selbst heute bei den tiefen Zinssätzen noch Bonds kaufen, fahren Sie unter Umständen besser, als wenn sie Aktien kaufen. Die Aktien sind eher an der oberen Grenze der Bandbreite, in der sie sein sollten.

Würden Sie heute US-Dollar oder Euro vorziehen?
    Ich würde eher Euro vorziehen, weil die Probleme, die der Euro hat, von der Materie her viel weniger gravierend sind als diejenigen, die der US-Dollar hat. Die Amerikaner sind heilfroh, dass sie mit dem Finger nach Europa zeigen können und von ihrer eigenen Misere ablenken können.

Leserkommentar
Anton Keller  (3.Februar 2012  18:33)    Willkommen beim Fähnlein der sieben Aufrechten!    (zensuriert)
Den Interviewern sei’s gedankt: „Es ist noch nicht geklärt, ob tatsächlich amerikanische Gesetze von den heute im Fokus der USA stehenden Banken verletzt wurden.“ (www.solami.com/iconoc.htm#halt) Und auch Oswald Grübel spricht endlich Klartext gegen QI-, FATCA-, OECD-, FATF- und Rubik-Aberrationen: „Wir setzen uns in ein Licht als ein Steuereintreiber, das hatten wir immer bekämpft. Das ist ganz schlimm.“ Er, Konrad Hummler und andere Visionäre die sich zuvor in nobler Zurückhaltung als schwarzfahrende Weissgeld-Pharisäer gefielen, resp. solchen Zunftbrüdern zumindest nicht nachhaltig gezeigt haben wo der Bartli den Most zu holen hat, haben nun Gelegenheit, Musse und als souveräne Mitbürger auch die verdienstvolle Aufgabe, ihr Spezialwissen zum wirksamen Schutz der legitimen Interessen der verratenen Kunden und zur Wiedergutmachung des Schadens einzusetzen (Motion 10.4069: …/parlament.htm#Finanzplatz). Welcome comrades-in-arms!




Tages-Anzeiger    6. Februar 2012

Mehr Selbstbewusstsein ist gefragt
Hannes Germann.

Die USA sind daran, den Finanzplatz Schweiz systematisch zu demontieren. Fast noch schlimmer ist die Tatsache, dass dabei auch unser Rechtsstaat auf der Strecke bleibt. Die bundesrätliche Abwehrstrategie ist geprägt vom Reduit-Gedanken: Wann immer Gefahr in Verzug ist, gibt man wieder ein bisschen Terrain preis. Eine Defensiv-Taktik, bei dem der Gegner sich stets bestätigt sieht. Er kommt seinem Ziel Stück für Stück näher. Die Situation scheint in Anbetracht des übermächtigen Gegners, der Wirtschaftsmacht USA, ausweglos.

Braucht die Schweiz also einen neuen Winkelried? Wenn’s doch nur so einfach ginge wie bei den alten Eidgenossen. Punkto Mut und Wille zur Selbstbehauptung könnten wir allerdings ein gutes Stück abschneiden. So, wie sich die Schweiz gegenwärtig einschüchtern lässt, gibt sie ein dankbares Opfer ab. Gefragt ist also mehr Selbstbewusstsein und eine Vorwärtsstrategie.

Durch das Einfallstor der einseitigen Gruppenanfragen können die USA künftig
gross angelegte Raubzüge und weitere Erpressungsversuche lancieren.

Braucht die Schweiz einen neuen Winkelried? Ausschnitt aus dem Gemälde «Schlacht von Sempach» von Konrad Grob.
Selbstbewusstsein, in den wir als souveräner Rechtsstaat auf die Achtung und Einhaltung unserer Gesetze beharren. Zur Verfolgung von Straftaten über die Staatsgrenzen hinweg gibt es die bewährten Rechtshilfeverfahren. Steuerbetrug oder ähnliche Delikte können über ein Amtshilfeverfahren geahndet werden. Was die USA mit dem Vorwurf Verschwörung gegen den Staat (conspiracy) macht, ist schlicht und einfach Lynchjustiz aus dem vorletzten Jahrhundert.

Mit den jetzt grosszügig gelieferten Daten (verschlüsselt) liefert man den US-Behörden in vorauseilendem Gehorsam den Schlüssel zur Formulierung allfälliger Gruppenanfragen. Mit einem Ja zum Zusatzbericht stellt der Nationalrat möglicherweise bereits in der Frühjahrssession das Schloss zur Verfügung. Durch dieses Einfallstor können die USA dann künftig gross angelegte Raubzüge und weitere Erpressungsversuche lancieren. Das ist absolut inakzeptabel.

Glaubwürdiger wären wir als Rechtsstaat, wenn wir die fehlbaren Banker im eigenen Land hart bestrafen würden. Mit anderen Worten: Wir sind zwar nicht ohne Fehl und Tadel, doch die uns anklagenden US-Behörden leben selber in keinster Weise das vor, wessen sie uns beschuldigen. Hat nicht ein gewisser Madoff sich zu Lasten unzähliger Anleger, Pensionskassen und Unternehmen auf der gesamten Welt bereichert? Ohne dass die für die Aufsicht verantwortlichen Behörden in den USA jemals dafür hätten geradestehen müssen? Ist das nicht auch eine Art von Verschwörung gegen andere Staaten?

Der Spiess ist endlich umzukehren. Die USA sind als Rechtsstaat in die Pflicht zu nehmen, ihrem unerträglichen Rechtsimperialismus ist mit einem Nein zu Gruppenanfragen und weiteren Zugeständnissen Einhalt zu gebieten. Auch eine Grossmacht muss sich an das Recht anderer Staaten halten.


editorial

February 9, 2012

The Fight Against Tax Evasion

Almost three years after UBS, Switzerland’s biggest bank, paid a $780 million fine for helping Americans evade taxes and agreed to hand over the names of more than 4,500 American account holders, the Swiss banking industry refuses to exit the business of tax evasion. And the Swiss government still insists on protecting it from scrutiny. The United States should not compromise in pursuing the data it needs on American tax cheats.

American authorities are rightly putting pressure on the Swiss. Last week, prosecutors from the United States Attorney’s Office in Manhattan indicted Wegelin & Company, Switzerland’s oldest bank, accusing it and three of its employees of helping American taxpayers hide more than $1.2 billion. Wegelin is scheduled to appear in Federal District Court on Friday.

Wegelin went so far as to lure some 70 former UBS clients, claiming to be a safer option because it didn’t have offices in the United States, according to the indictment. A Web site that pitched Wegelin’s services boasted that “neither the Swiss government nor any other government can obtain information about your bank account.”

More indictments could come. The Justice Department is investigating at least 11 Swiss banks that allegedly helped Americans avoid taxes, including those that doubled down on the business after UBS ran into trouble. The department has not disclosed their identities, but according to press reports, the list includes Credit Suisse, Julius Baer, the Basel Cantonal Bank and Zurich Cantonal Bank.

The United States would like details of all secret Swiss bank accounts used by Americans to evade taxes and has been negotiating with Switzerland to get the data for months. But the Swiss government has been dragging its feet. According to the Swiss press, the government has demanded that the United States waive criminal prosecutions of the banks, which hold between $680 billion and $800 billion in secret assets from around the world.

Last week, Swiss banks gave American authorities encrypted data about bank employees who served Americans suspected of tax evasion. But the Swiss government said it would provide the decryption key only if it reached an agreement with the United States. Switzerland would prefer that its banks simply withhold tax on deposits and remit the money to the proper tax authorities without identifying the clients. It made such agreements with Germany and Britain, but those have been harshly criticized in Europe as inadequate and might yet fall apart.

There is no need for the United States to accept this sort of arrangement. If Switzerland stonewalls, the Justice Department can indict banks that benefit from tax evasion and seize their assets in the United States, moves that could put them out of business. At some point, the Swiss government will find that result a lot more costly than handing over information on American tax cheats.




ASDI/SIPA    14.Februar 2012

Diplomatische Verhandlungslösung per Schiedsgericht?
von Anton Keller, Sekretär, Schweizer Investorenschutz-Vereinigung - 022-7400362 - swissbit@solami.coms

Mit der strikte staatsvertrags-konformen Haltung der angeklagten Bank Wegelin ist diese Option quasi vorgespurt. Hilfreicherweise ist sie am vergangenen Freitag vom New Yorker Richter Jed Rakoff aber auch nicht ausgeschlagen, sondern im Gegenteil von ihm selbst angeregt worden. Und zwar, wie unten dargelegt, durchaus auch im Sinne der ihrerseits an einem solchen Ausweg interessierten, weil von der US-Steuerbehörde IRS scheinbar missbrauchten und auch rechtlich überexponierten Ankläger. Ich habe daraufhin in der Internet-Version des Wall Street Journal am 11 Feb. folgende Notiz veröffentlicht:

Wall Street Journal    February 10, 2012    re:  U.S.: Swiss Bank Is 'Fugitive' in Tax Case
Anton Keller  (February 11, 2012  16:05)    Back from the brink
    Not lacking a tension-relieving sense of humor, the honorable Judge Jed Rakoff skipped the bounty-hunting and science-fiction solutions for dragging the "fugitive" Swiss bank Wegelin before his bench. Instead, he wisely opted for a more appropriate channel, advising the astonished prosecutors to try the more mutually respectful diplomatic road via Foggy Bottom.
    To be sure, the honorable Preet Bharara hasn't come to the bench with the most watertight case of his so far outstandingly successful prosecutorial career. Like the media here and there, he had been lead down the garden path and onto very thin ice by a gang-ho IRS leadership with a hidden agenda, recklessly pushing its illegal and uncontrolled global multi-billion dollar backup witholding tax scheme behind a smokescreen of comparatively chickenfeed tax cheat cases ("Suppose: I'm a kingpin with $100 mio to wash": www.solami.com/kingpin.htm).
    And while Barrons' editor Tom Donlan long ago warned of the dire consequences of this IRS scam for the US economy and reputation ("Pyrrhic Victory: IRS turns foreign banks into its tax agents": www.solami.com/QI.htm#Victory), the New York Times unwittingly failed to reflect on the more deep-draught principles at stake and let itself be hood-winked into supporting a dangerously out-of-control IRS with its editorial "The Fight Against Tax Evasion" (.../bankingfuture.htm#fight) - where, incidently, it also shut out the flood of protest posts by conveniently forgetting to open it for the normal comments.
    All this wouldn't have happened if the Government Accounting Office had more vigorously carried out its watchdog role and, with its Tax Compliance Report of 2007 (GAO-08-99) hadn't let the IRS get away with a slap on the fingers for some murky loopholes and the un-accounted-for hundreds of billion dollars slush funds (www.solami.com/irsquery.htm).
    So, in a couple of months, the humorous judge, to his credit, may turn out to have pushed all sides onto a mutually satisfactory, even win-win position by promoting a global solution through international arbitration, with all related civil and penal cases suspended until then. Such a solution should be based on - and strictly confined to - the spirit and letter of the existing treaties which reflect the lasting friendship between these venerable Sister Republics (.../edouardbrunner.htm#five)
Der Grund, weshalb die anklagende New Yorker Staatsanwaltschaft einem sanften Druck des US-Aussenministeriums zumindest hinter den Kulissen sehr zugeneigt sein dürfte, liegt in der bisher weitestgehend missachteten Tatsache, dass alle Vorwürfe an die Bank Wegelin und ihre Teilhaber und Mitarbeiter auch nach US-Recht haltlos sind: quasi alle geltend gemachten Straftatbestände sind im Wesentlichen vom Qualified Intermediary-Abkommen QIA (IRS Rev. Proc. 2000-12) abgedeckt, welches - wie mit rund 7000 Banken weltweit - auch von der Wegelin-Bank mit der IRS abgeschlossen worden ist und immer noch in Kraft steht. Als Spezialnormen gehen die QIA-Normen auch nach US-Recht und Gerichtspraxis allen gegenteiligen generellen US-Normen vor - also auch den damit fälschlicherweise geltend gemachten SEC-Normen. Als QI-Bank war und ist die Wegelin-Bank vertraglich nicht nur autorisiert, sondern sogar ausdrücklich verpflichtet, mit ihren aktuellen und prospektiven Kunden überall - also auch im Verhältnis zu US-Kunden, welche in den USA steuerrechtlichen Wohnsitz haben - direkte Beratungskontakte zu pflegen. Dies nicht zuletzt auch zum Zwecke der Einhaltung der besonderen QIA-Regeln für Kontoinhaber deren Identität der IRS rechtens vorheimlicht, resp. offengelegt werden mögen. Die an die Gallerie gerichteten und als Inquisitions-Geständnisse zu bewertenden Schuld-Anerkennungen der UBS, etc. stehen all dem rechtens in Nichts entgegen. Die Klageschrift gegen die Wegelin-Bank und 3 Mitangeklagte vom 2.Februar 2012 begrenzt sich auf den Straftatbestand der Konspiration (.../conspiracy.htm). Die massgebenden QIA-Bestimmungen sind auch darin völlig ausser Acht gelassen, ja das QIA nicht einmal erwähnt worden. Auch dies weist auf eine versteckte Agenda der IRS hin (siehe dazu die unten z.T. wiedergegebenen Fragen von Schweizer Parlamentariern an IRS-Kommissar Douglas Shulman vom 2.Januar 2012 welche weiterhin der Beantwortung harren: .../irsquery.htm). Ob und inwieweit es sich dabei auch um eine bewusste Irreführung der New Yorker Staatsanwaltschaft handelt, wird sich weisen.

Die betreffenden QIA-Bestmmungen sind insbesondere in meinem Arbeitspapier für das nächste Cambridge International Symposium on Economic Crime detailliert analysiert (.../kingpin.htm#SS); sie lauten insbesondere [meine Hervorhebungen]:

(C) Accounts Opened on or After January 1, 2001. QI agrees to the following procedures for accounts opened by U.S. non-exempt recipients on or after January 1, 2001 (post-2000 accounts):
(1) If QI is prohibited by law, including by contract, from disclosing to a withholding agent or to the IRS on Form 1099 the account holder’s name, address, and TIN, for reportable payments paid to the account holder, then QI must–
(i) Request from the account holder the authority to make such a disclosure;
(ii) Request from the account holder, prior to opening the account, the authority to exclude from the account holder’s account any assets that generate, or could generate, reportable payments; or
(iii) Request that the account holder disclose himself by mandating QI to transfer a Form W-9 completed by the account holder.
(2) If QI is authorized to disclose the account holder’s name, address, TIN (if available) and reportable amounts (and designated broker proceeds, if section 3.05(C) of this Agreement applies), QI must obtain a valid Form W-9 from the account holder and, to the extent QI does not have primary Form 1099 and backup withholding responsibility, provide the Form W-9 to the appropriate withholding agent promptly after obtaining the Form W-9. If a Form W-9 is not obtained, then QI must provide the account holder’s name, address, and TIN, if any, to the withholding agents from whom QI receives reportable amounts (and, if applicable, designated broker proceeds) on behalf of the account holder together with appropriate withholding rate pool information relating to the account holder. To the extent QI has assumed primary Form 1099 reporting and backup withholding, it must backup withhold on all reportable payments until it receives a valid Form W-9.
(3) If QI is not authorized to disclose an account holder’s name and other required information but is authorized to exclude from the account holder’s account any assets that generate, or could generate, reportable payments, QI must follow procedures designed to ensure that it will not hold any assets that generate, or could generate, reportable payments in the account holder’s account.
(4) If QI is authorized to exclude from the account holder’s account any assets that generate, or could generate, reportable payments and QI discovers that the account contains such assets, QI must sell such assets within 60 days of discovering such assets and apply backup withholding and Form 1099 reporting in accordance with sections 3 and 8 of this Agreement.
(5) QI agrees that if any account holder in a post-2000 account is discovered, after the opening of the account, to be a U.S. non-exempt recipient then QI will–
(i) Immediately correct the withholding statement information provided to the withholding agent, if necessary, and
(ii) Either obtain a Form W-9 within 60 days of discovering that the account holder is a U.S. non-exempt recipient, and, if QI has not assumed primary Form 1099 reporting and backup withholding responsibility, provide the Form W-9 to the appropriate withholding agents together with appropriate withholding pool information promptly after obtaining the Form W-9 or, if QI is not authorized to disclose account holder information, sell all of the account holder’s assets that generate or could generate reportable payments within 60 calendar days from the day that QI discovers the account holder is a U.S. non-exempt recipient. QI must backup withhold, or instruct a withholding agent to backup withhold on any reportable payments made after the time QI discovers the account holder’s U.S. nonexempt recipient status and before obtaining a valid Form W-9 from the account holder.
Dementsprechend habe ich in der Internet-Version des Time Magazine vom 13.Februar 2012 den in der Titelgeschichte vorgestellten New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara nicht nur nicht angegriffen, sondern ihm als von der IRS irregeführtem und missbrauchten US-Staatsbeamten den Rücken gestärkt (.../iconoc.htm#). Dies mit dem taktischen Ziel, dass er die im Namen mehrerer Schweizer Parlamentarier an den IRS-Kommissär Shulman gestellten Schlüsselfragen vom 2.Januar (.../irsquery.htm; siehe auch unten) seinerseits mit Nachdruck geltend macht und beantwortet bekommt und die IRS entsprechend in die Defensive zwingt:
Time Magazine - Swampland    February 13, 2012
re:  Prosecutor Preet Bharara in His Own Words: Battling ‘a Creeping Culture of Corruption’
Anton Keller (February 7, 2012  15:24)    A sad development in urgent need of reconsideration
   As is the natural tendency of first generation immigrants, they wish to demonstrate to be "more papal than the Pope", ie to understand and defend American interests at least as well - if not better - than off-springs of Mayflower Americans. Unfortunately, there is an important downside: a lack of born-with and built-in sense of American history and traditional values, such as deeply-felt and often over-riding appreciation for historically grown joint institutional roots, shared values and effectively practiced comradery. This has been the case in particular with America's "sister republic" Switzerland. And it may best be expressed in the preamble of the venerable and still valid American-Swiss Friendship, Reciprocal Establishments, Commerce and Extradition Convention of 1850 which speaks of "the bonds of friendship which so happily exist between the two Republics" (www.solami.com/USCH.htm). And, more recently, in the US Congress' "Joint Resolution To commend the people and the sovereign confederation of the neutral nation of Switzerland for their contributions to freedom, international peace, and understanding on the occasion of the meeting between the leaders of the United States and the Soviet Union on November 19-20, 1985, in Geneva, Switzerland" (www.solami.com/summit.htm) and elsewhere (www.solami.com/edouardbrunner.htm).
   An able NY prosecutor in no need of easy scalps has been lead down the garden path by some ambitious colleagues in Washington, thus riding rough-shod on time-tested principles, delicate international relations and even crucial economic and political interests of the United States. His artful, yet mutual havoc-creating conspiracy indictment against Switzerland's oldest bank is important less for what it says than for what - undoubtedly due to washingtonion "advice" - it fails to mention: the IRS' Qualified intermediary (QI) system. In light of the QI's purpose and dimension, and the rights and obligations incurred by member banks, the honorable NY prosecutor - like some US and Swiss lawmakers - may also want to know quickly the still withheld answers to the questions submitted to the honorable IRS Commissioner Douglas Shulman on January 2, 2012 (www.solami.com/irsquery.htm). Samples:

How is the IRS justifying its campaign to hunt down - at disproportionate political, financial and goodwill costs world-wide - suspected treaty shoppers and tax dodgers with an alleged annual loss to the US Treasury in the range of some hundred million dollars, when in fact its QI system's obscured yet real backup withholding part is designed and capable to syphon off revenue streams grosso modo one thousand times larger from the global parallel economy, as revealed and repeatedly discussed at the Cambridge International Symposium on Economic Crime?
And if indeed, in the event, the IRS hasn't seen fit to use this system in order to rake in all those hundreds of billion dollars from undelicate and indeed very willing US and non-US persons - and below the radar of all democratic controls at that -, what has kept it from helping to defuse the US debt crisis and to relieve the US economy with those means?
...
Why, in the event, should Switzerland not recognise and treat its QI bankers and their clients as victims of a bureaucratic conspiracy - and annul forthwith the penal code exemption which, since 2001, has allowed its bankers to support, even privilege the US economy through the disproportionally costly QI system, a conspiracy, incidently, which by now involves some 7000 foreigns banks world-wide and which - with its obfuscated, illegal & apparently uncontrolled confiscatory backup withholding tax - may be useful to bring a big chunk of the world's annual trillion dollar underground pot back into the "white economy"?
Why, in the event, should Switzerland - with a view to help to globally re-stabilise financial markets - not lend a hand to those willing to achieve this very objective of rechannelling marauding underground funds with more mutually beneficial and democratically better controlled ways & means?
And why, in the event, should Switzerland not expect the US authorities' full cooperation - i.e. without need to take recourse to corrective & compensatory actions in the US and elsewhere - to withdraw forthwith all related administrative assistance requests, to reconsider its FATCA and similar anti-freedom, anti-sovereignty and anti-market plans, and to stop all proceedings against what are seen to be hood-winked and essentially falsely accused Swiss banks and their thus improperly persecuted clients?




NZZ Online    16. Februar 2012, 05:30,

Wie der Steuerstreit mit den USA anfing
Das Memorandum einer amerikanischen Anwaltskanzlei
und eine delikate Neuinterpretation durch die UBS
Zoé Baches

Im Jahr 2000 zeigte ein Hinweis von Baker & McKenzie den Schweizer Banken, wie sie weiter US-Kunden offshore beraten können. Die UBS stufte später das Verhalten dieser Kunden als betrügerisch ein. Das schlug die Bresche für den Steuerstreit.
Es ist ein Satz, der aufhorchen lässt, auf Seite 3 des 17 Seiten umfassenden Memorandums des Zürcher Büros der US-Anwaltskanzlei Baker & McKenzie. Dieser Satz im Papier «Documentation Guidelines for Qualified Intermediaries – Account holders Other than Individuals» aus dem Jahr 2000 scheint das grenzüberschreitende Vermögensverwaltungsgeschäft der Schweizer Banken mit den USA im folgenden Jahrzehnt mitgeprägt zu haben: «Note: The fact that a non-U.S. company is <passive> and wholly or partially owned by a U.S. person should not prevent the non-U.S. company from being treated as a non-U.S. person for U.S. withholding tax and information reporting purposes.» Das heisst sinngemäss, dass, wenn zwischen den Kunden und die Bank eine ausländische Vermögensverwaltungsgesellschaft geschaltet wird, der US-Kunde von den amerikanischen Behörden nicht mehr als solcher behandelt wird. Das US-Steuerrecht betrachtet nämlich bei einer Domizilgesellschaft nicht die Aktionäre als wirtschaftlich Berechtigte, sondern die Gesellschaft selbst. Dies im Unterschied zu den schweizerischen Anti-Geldwäscherei-Richtlinien.

Die Bank Wegelin ist das bisher prominenteste Opfer des Steuerstreits mit den USA. (Bild: Keystone / Gaetan Bally)

Ausweg gesucht
In jenem Jahr 2000 suchten viele Schweizer Banken einen Weg, wie sie ihre vermögenden US-Privatkunden auch nach dem Inkrafttreten des Qualified-Intermediary-Abkommens (QI) mit den USA offshore betreuen konnten. Gesucht war eine Lösung, die es der Kundschaft erlaubte, weiterhin US-Wertschriften zu halten, ohne aber die Bankbeziehung gegenüber dem heimischen Fiskus offenlegen zu müssen.

Die Lücke, auf welche die Bemerkung von Baker & McKenzie die Schweizer Banken hinwies, war auch den Schweizer Behörden bekannt. Am 7. März 2000 sprach deswegen gar eine Schweizer Delegation der Steuerverwaltung und der Schweizerischen Bankiervereinigung in Washington vor. Diese erklärte den US-Steuerbehörden, dass das QI-Abkommen brisante Fragen offenlasse und es so möglich sei, eine US-Person quasi vor den US-Behörden zu «verstecken». Die USA entgegneten, dass sich die Frage nach dem letztlich wirtschaftlich Berechtigten ausschliesslich nach dem US-Steuerrecht richten werde und die Schweizer Banken ihr Wissen um diesen nicht gegenüber den US-Behörden offenlegen müssten.

Nie als Argument angeführt
Genau so geschah es. Die UBS errichtete insgesamt für rund 255 Amerikaner 285 derartige Strukturen. Eine geringe Zahl angesichts der weit über 20 000 US-Kunden, welche die UBS betreute. Doch war der Zeitdruck hoch und zudem das Errichten solcher Gesellschaften teuer, weshalb nur sehr vermögende Kunden diesen Weg wählten.

Eine ganze Reihe weiterer Schweizer Banken verwendeten das Papier von Baker &McKenzie ebenfalls als Grundlagenpapier. Sie dürften noch einmal einige hundert dieser Strukturen errichtet haben – entweder intern oder aber mit Hilfe externer Anbieter. Mit dem internen W-8BEN-Formular wurde bestätigt, dass die Nicht-US-Gesellschaft selber der wirtschaftliche Berechtigte ist – den Banken war aber wegen des für Schweizer Vorschriften notwendigen Formulars A stets bekannt, wer hinter der Gesellschaft stand.

Ab dem Jahr 2007 nahm der Druck auf die UBS vonseiten der USA zu. Nun wurde auch in den USA explizit auf die Lücke in den QI-Abkommen hingewiesen. Das U.S. Government Accountability Office (GAO), ein Untersuchungsorgan des Kongresses, wies den Finanzausschuss des Senats am 3. Mai 2007 ausdrücklich darauf hin, dass es das US-Recht erlaube, dass sich ein US-Steuerzahler vor seiner Steuerpflicht drückt.

Interessanterweise wurden im Steuerstreit mit den USA die angeführten Unterlagen nie als Argument vonseiten der UBS oder des Bundes ins Feld geführt. Dass beispielsweise das Papier von Baker & McKenzie existierte, war nur bekannt, weil ein von den US-Behörden im Internet publiziertes Memo der UBS vom 4. Juli 2000 direkt daraus zitierte. Warum wurde dieses, der Besuch der Schweizer Delegation oder der GAO-Bericht, die gezeigt hätten, dass die USA das Erstellen solcher Gesellschaften damals als legal einstuften, nicht explizit angeführt? Zum einen änderte sich die Ausgangslage massiv. Im Mai 2007 wandte sich die UBS an einen externen Steuerexperten. Dieser erhielt die delikate Aufgabe, einen Weg zu finden, wie die Grossbank Kundendaten in die USA liefern konnte, ohne das Bankgeheimnis zu verletzen. Dafür kam nur Rechts- oder Amtshilfe in Frage, was nur bei Verdacht auf «Steuerbetrug und dergleichen» möglich war.

Von Hinterziehung zu Betrug
Die UBS fand eine Lösung, der die Eidgenössische Steuerverwaltung und zuletzt, nach Zustimmung des Parlaments, auch das Bundesverwaltungsgericht folgte. US-Kunden, deren Gelder auf Anraten der UBS zur – legalen – Umgehung des QI in eine Vermögensverwaltungsgesellschaft übergeführt worden waren, wurden nun rückwirkend als Steuerbetrüger eingestuft. Diese Kunden, so die Argumentation, hätten diese Konstrukte bewusst gewählt, um nicht nur die US-Steuerbehörden, sondern auch die UBS über ihre wahre Absicht zu täuschen, nämlich ihre Steuern nicht zu bezahlen. Deshalb falle dieses Verhalten für diesen speziellen Fall unter «Steuerbetrug und dergleichen». In der Folge wurden die 285 Kundendossiers an die USA ausgeliefert. Die UBS hoffte wohl, so das Problem endgültig zu lösen. Stattdessen schlug dieser Weg letztlich eine grosse Bresche für die US-Steuerbehörden – und die darauf folgenden Ereignisse.

Ein heikler Balanceakt
Im Jahr 2000 hatte der eine Satz im Papier von Baker & McKenzie die Schweizer Banken auf eine Lücke im QI hingewiesen, die es ermöglichte, dass sie ihre US-Kunden mit US-Wertschriften auch nach dem Inkrafttreten des QI-Abkommens betreuen konnten, ohne ihre Gelder gegenüber dem heimischen Fiskus offenzulegen. Dieser Weg war nach US-Recht korrekt. Diesen Hinweis interpretiert Baker & McKenzie heute aber folgendermassen:

«Das Memorandum, auf das Sie sich beziehen, enthält keine Empfehlungen, sondern umschreibt lediglich die Rahmenbedingungen des US-Steuerrechts für das Reporting verschiedener Formen in- und ausländischer juristischer Personen unter den im Jahr 2000 geltenden Bedingungen», erklärt Urs Schenker, Managing Partner von Baker & McKenzie Zürich. Der zuständige Partner habe von Anfang an eine klare Linie verfolgt und den Banken mitgeteilt, dass die Vermarktung von Offshore-Gesellschaften für US-Kunden zur Umgehung des QI-Abkommens einen klaren Verstoss gegen US-Recht darstelle und er deshalb unter Hinweis auf die negativen Folgen für alle Beteiligten davon abrate. Richtig ist, dass Baker & McKenzie nicht explizit zur Steuerhinterziehung aufforderte. Die Kanzlei wies stets warnend darauf hin, dass eine gewählte Lösung mit US-Recht kollidieren könne, ein auch aus Haftungsgründen normaler Vorgang. Richtig ist aber auch, dass die Kanzlei ihren Schweizer Kunden damals helfen wollte und ihnen mit ihrem Hinweis in dem Memorandum den Weg wies.

Für das gewählte Geschäftsmodell ist jeder Bankchef selbst verantwortlich und nicht etwa ein Rechtsberater. Dass die USA das aber etwas anders sehen könnten, zeigte sich im März 2009. Damals zitierten mehrere US-Zeitungen aus dem angeführten Memo und kritisierten, dass ausgerechnet eine US-Kanzlei der UBS gezeigt habe, wie man der amerikanischen Steuerpflicht legal entgehen könne.

UBS profitierte am meisten
Aus heutiger Sicht hat wohl die UBS am meisten von diesen Ereignissen profitiert. Die Grossbank steht heute nicht mehr im Fokus der US-Behörden. Profitiert hat aber auch Baker& McKenzie, die ab 2008 viele Ex-UBS-Kunden bei der Selbstanzeige in die USA begleitete.

UBS-Staatsvertrag: Die plagende Zusatzerklärung
Leserkommentare
Markus Muster (16. Februar 2012, 21:26)    Viele Banken
verlangen zwingend durch eine von der Bank bestimmte Anwaltskanzlei eine Expertise vom Kunden. Machen diese Kunden die Konstruktion nach der teuren Expertise, CHF 20000 für eine x fach verwendete Meinung sind die Regel, die Struktur kostet nochmals jährliche Fees, liefern die Kunden der Bank laufend hohe Gebühren ab. Die EStV stimmte diesen Lösungen zu. Aus politischen Gründen bei der EStV, um Honorare zu scheffeln auf Beraterseite erklärt man mit eine paar Fussnoten das Gegenteil: Bank und EStV melken diese Kunden und liefern sie dann, nach Verminderung des Vermögens durch massive Gebühren und schlechte Anlagen, wegen Steuerbetrugs aus. Im Angelpunkt steht der gleiche Chefbeamte der ESTV, später mit Beraterhut. Wer als Ausländer auf einer Schweizer Bank Geld anlegt,muss sich das gut überlegen. Es kommt noch besser, will er es abheben, macht die Bank erneut Schwierigkeiten. Denn diese möchten ihn möglichst lange melken. Fine Art of Banking nennt sich das.

Werner Moser (16. Februar 2012, 17:04)    SBVg-Zirkular?
@Feb16-2012, 15:58: Stimmt. Es war diese SBVg-Position, welche in (fast?) allen GL der CH-Banken heisseste Auseinandersetzungen auslöste. Letztlich zwischen Positionen einer wortgetreue Umsetzung des SBVg-Ukas & einer strikte dagegen. Letztere in der Überzeugung, dass der Pelz des Bären nicht gewaschen werden kann, ohne dass er nass wird. Denn die (auch IRS-bestätigte!) SBVg-Position widersprach expressis verbis diametral den Zielsetzungen des QI-Status. Im Rückblick wissen wir nun, dass es bei den CH-Banken (auch deswegen?) zu „widersprüchlichsten unerledigten Restanzen“ kam, mit rückblickend katastrophalen Folgen für die Direktbetroffenen. P.S. Im US-Recht war/ist (?) der Begriff „Beneficial Owner“ mit Blick auf die autonome US-juristische Person „Corporation“ zumindest damals (?) nicht existent. Deshalb dieses IRS-Missverständnis, welches spätestens ab Mitte 2001 zumindest für die „CH-Compliance“ keines mehr war.

Anton Keller (16. Februar 2012, 16:46 / 19:19)  (2x zensuriert)
UBS soll Baker & McKinsey „striktes Hausverbot für mindestens zehn Jahre" erteilen,
    war Marc Zuyox’s Rettungsrezept für den durch Lex Americana und soft laws der IRS-, OECD-, FATF- & anderer Bürokraten bedrohten Finanz- & Werkplatz Schweiz (NZZ 27.11.08). Tatsächlich trug B&MK Wasser auch auf die eigenen Mühlen, als sie zusammen mit UBS und auf Geheiss der IRS den Genfer Privatbanken in den Arm fielen, als diese im Jahre 2000 daran waren die QI-Aberration durch einen US-Richter auf den Misthaufen der Geschichte werfen zu lassen (www.solami.com/kingpin.htm#BMK).
    Der fremd-gesteuerte Niedergang wird aber auch von hände-ringenden, immer noch blau-äugigen und auf einen Befreiungsschlag hoffenden Politikern begünstigt. Statt den IRS-Begehrlichkeiten mit weiteren einseitigen & selbst-schädigenden Zugeständnissen (wie ordre public-widrigen Gruppenanfragen) Vorschub zu leisten, könnte dem IRS wirksam mit Tiefgang, Weitsicht & Intelligenz Paroli geboten werden (…/arbitrage.htm).

Mark Schoen (16. Februar 2012, 15:58)    SBVg Zirkular 7014 vom 26.10.2000 - Beilage dazu
In den Erinnerungen guselnd bin ich auf den "Auszug aus dem Beschlussprotokoll der [SBVg-]Sitzung vom 2.10.2000, 13.30 Uhr" gestossen. Auch darin wird explizit festgehalten, dass der QI-Status ausschliesslich nach US-Steuerrecht beurteilt werde, das Formular A darin keine eigenständige Bedeutung habe und dass dazwischengeschaltete Off-Shore-Companies (oder andere Strukturen) durchaus als BO gemäss W8-BEN gelten.
Brisant ist insbesondere auch der Hinweis in diesem Protokoll, der sagt: "Der IRS ... hat dies ausdrücklich bestätigt".
Wenn denn dem so ist, so kann es doch nicht sein, dass retrospektiv nun eine Strukturierung plötzlich als "Steuerbetrug" taxiert wird. Wo bleibt da Treu und Glauben?

Lucia Forrestcastler (16. Februar 2012, 12:36)    Ehemaliger Leiter ESTV Internationales im Dienst der UBS
Aha, ist das Gutachten von Baker&McKenzie endlich aufgetaucht. Wir BankerInnen und unser legal&compliance wussten alle davon. Bis heute hat sich offenbar niemand getraut, darüber zu sprechen. Baker&McKenzie war dauernd bei uns im Haus im Jahre 2000. Als die UBS 2007/2008 dann unbedingt Kundendatenliefern WOLLTE (um den Allerwertesten der Obersten zu retten (who cares about shareholder and employees)), hat der ehemalige Leiter der ESTV Internationales im Sold der UBS den vermeintlich schlauen Weg gefunden und gedacht mit der Lieferung von 255 Kunden den Schaden klein halten zu können. Blöd nur, hat der Herr Professor damit den Weg geebnet für den grossen Dammbruch. Man führe sich mal die parlamentarische Anfrage von Schibli, Ernst vom 2.3.09 zu Gemüte. Die wird natürlich von allen totgeschweigen. Die SVP kann ja nicht Recht haben... Buddies: Kurer, Merz, Haltiner, Schenker, Waldburger
 

Mark Schoen (16. Februar 2012, 11:50)    Bekannte und akzeptierte "Lücken" im Steuersystem
Kunden bzw. beratenden Banken daraus einen Strick drehen, dass sie bekannte und sogar explizit akzeptierte "Lücken" im Steuersystem ausnützen bzw. ausnützen liessen, zeigt die heute existierende Doppelbödigkeit der ausl. Steuerbehörden, welche nach jedem Steuerbatzen lechtsen. An die beschriebene QI-Thematik erinnere ich mich und auch daran, dass man sich die Augen rieb, dass derlei simples Dazwischenschalten einer Off-shore Company ausreichte. Aber es galt US-anerkanntermassen als legal!
Bei der EU-Quellenstuer gab/gibt es übrigens ähnliche "Lücken". Aber eben, diese "Lücken" sind gewollt! Die GB-Kanal-Inseln, GB-Gibraltar, die NL-Inseln, US-Delaware etc. profitieren davon - nur die Schweiz und ein paar andere Zwerge sollen bluten!

Werner Moser (16. Februar 2012, 09:16)    Na ja …
… das Memo dieser besagten US-Kanzlei hatte damals tatsächlich eine prägende Wirkung. Umso mehr je näher das Datum der QI-Inkraftsetzung näher rückte. Bis es den Geschäftsleitungen der CH-Banken dämmerte, dass diese „US-Kanzlei-Solution“ den Zielsetzungen des QIs ad absurdum führen musste (& also keine nachhaltige Lösung sein konnte). Was offenbar viele Frontabteilungen der CH-Banken (welche damals bereits seit Monaten mit Vorbereitungsarbeiten à la US-Kanzlei beschäftigt waren) auf dem „linken Fuss“ erwischt haben musste. Und diese offenbar auf dem „linken Fuss“ stehen blieben. Mit schlimmen Folgen, wie wir es mit Blick auf die Causa UBS/US erlebt haben. Eine Schande! Es ist wenig glaubhaft, dass damals US-Kunden solche US-Kanzlei-Konstrukte gewählt haben. Diese waren zwingend auf die Expertise der CH-Banken &/o US-Steuerexperten angewiesen. Welche es offenbar nicht ganz schafften, vom linken- auf den rechten Fuss zu wechseln!

Alexander Luedi (16. Februar 2012, 08:48)    Und der Baker & McKenzie ist fein raus?
Die “Interpretation” vom Baker & McKenzie zeigt doch dass die die Hosen voll haben. Überigens, haben Sie gewusst dass der Baker & McKenzie gar keine Amerikanische Firma ist? Nein, die sind ein Schweizer Verein! Warum wohl? Kann man damit amerikanische Steuern sparen, oder vielleicht amerikanische Rechtsprechung vermeiden?

Markus Muster (16. Februar 2012, 08:46)    Wirklich?
Zuerst hat also die UBS eine Anwaltskanzlei dafür bezahlt, und diese daran verdient, wie man das US Recht auslegen kann, dass keine Steuerhinterziehung vorliegt. Ziel: an US kunden Geld zu verdienen. 2. Akt: ein ehemaliger Chef der Abteilung Internationales Steuerrecht der EStV schreibt für die UBS ein "Gutachten", um die gleichen US-Kunden loszuwerden. Das von der UBS empfohlene Verhalten gilt nun als Steuerbetrug, er verdient an diesem simplen Vorschlag. Frage: Warum sind UBS und Anwaltskanzlei und vielleicht sogar die EStV nicht Teilnehmer am angeblichen Betrug? Heisst es doch: "Wir werden nicht ruhen" offenbar bis der von der UBS beratene Kunde vollends vertrampelt ist, und die Berater viel Geld verdient haben, einschlieslich Bank. Dabei ist unklar, ob jener EStV- Chefbeamte damals gleichzeitig noch in einem Auftragsverhältnis zum Bund gestanden ist.

Rolf Rothacher (16. Februar 2012, 08:28)    Das wichtigste Glied fehlt in diesem Artikel
Mit dem QI wurde (wahrscheinlich von den USA bewusst) eine Falle gestellt: US-Bürger konnten sich über non-US-Firmengründungen anonymisieren. Dass dies der UBS und anderen Banken zum Verhängnis wurde, liegt daran, dass die US-Gerichte nach 2002 und bis 2006 ihre Praxis langsam änderten und begannen, in verschiedenen Rechtsfällen durch diese ausländischen Unternehmen "durchzugreifen". Das US-Recht wird ja eher durch die Urteile, als durch die Gesetze gebildet und verändert sich darum mehr über die Auslegung, als durch die Änderung. Dieser Durchgriff auf die vormals (und gesetzlich eigentlich weiterhin) anonymen Unternehmenseigner
erlaubte es der IRS erst, gegen CH-Banken vorzugehen. Ein Lehrstück, wie Uncle Sam sein Rechtssystem als Waffen einzusetzen versteht.




Neue Zürcher Zeitung    16. Februar 2012

Die plagende Zusatzerklärung im UBS-Staatsvertrag
Einzelne Bankenvertreter liebäugeln mit einem erneuten Staatsvertrag à la UBS
für weitere Schweizer Institute
Hansueli Schöchli

Die Schweizer Zusatzerklärung im UBS-Staatsvertrag von 2009 über die Behandlung von vergleichbaren Fällen sorgt bis heute für Kontroversen.
Der UBS-Staatsvertrag von 2009 wirft lange Schatten. Die Frage, ob die UBS im Ausmass ihrer Beihilfe zur Steuervermeidung von US-Kunden ein Sonderfall war, beschäftigte das Parlament schon 2010. Denn die US-Behörden hatten vorgesorgt: Sie rangen im UBS-Staatsvertrag der Schweiz eine Zusatzerklärung ab, wonach sie bereit ist, weitere Amtshilfegesuche «gestützt auf Artikel 26 des geltenden Doppelbesteuerungsabkommens zu prüfen und zu bearbeiten, sofern sich diese auf ein Handlungsmuster und Umstände stützen, welche denjenigen im Falle der UBS AG entsprechen».

Einzelne Schweizer Banken haben seither hinter den Kulissen eine merkwürdige Rolle gespielt. Zunächst betonten sie, dass das eigene Verhalten bei weitem nicht mit jenem der UBS zu vergleichen sei, da man früh interne Kontrollen durchgezogen habe. Seit aber die US-Justiz ihre Visiere nach der UBS-Affäre deutlicher auch auf andere Schweizer Banken eingestellt hat, lobbyieren einzelne betroffene Institute ungeniert für die Anwendung der Zusatzerklärung. Dass sich die zwei dabei eingenommenen Positionen widersprechen («wir waren viel weniger schlimm als die UBS» und «wendet nun doch bitte diese Zusatzerklärung an»), ist auch Bankenvertretern klar. Sie reagieren aber trocken darauf: Man müsse jetzt ein konkretes Problem lösen und könne dabei nicht in (rechtsstaatlicher)Schönheit sterben.

Zynisch oder pragmatisch
Eine solche Haltung kann man zynisch nennen. Doch betroffene Institute bezeichnen sie lieber als «pragmatisch». Vertreter mehrerer Banken deuten zudem maliziös an, dass die Schweiz in den USA Vertrauen verloren habe, weil sie die Zusatzerklärung nicht für die vorliegenden Fälle anwenden wolle. Beim Bund sieht man das anders.

Ob das Verhalten anderer Schweizer Banken dem Fall der UBS «entspricht» (im Sinn der Zusatzerklärung im UBS-Staatsvertrag), ist eine Frage der Interpretation. Der Bundesrat hatte in seiner Botschaft vom April 2010 zum UBS-Vertrag als «äquivalenten» Fall einen «in quantitativer und qualitativer Hinsicht gleich gravierenden Fall» definiert. Ob dies die Meinung beider Parteien bei der Unterzeichnung des Staatsvertrags 2009 korrekt wiedergibt, ist nicht ganz klar.

Quantitativ dürfte der UBS-Fall deutlich herausragen. Aus qualitativer Sicht gibt es kaum eine klare Antwort. Mögliche Kriterien für die qualitative Beurteilung wären der Aktivismus der Bankangestellten in der Beihilfe zur Steuervermeidung, das Ausmass der Förderung dieser Praxis auf den Chefetagen, die bankinterne Verbreitung der Praxis sowie das Ausmass aktiver Kundenanwerbung in den USA.

Selbst bei Anwendung der Zusatzerklärung für einzelne Fälle wäre die unmittelbare Wirkung begrenzt. Denn der in der Erklärung als Basis erwähnte Artikel 26 des geltenden Doppelbesteuerungsabkommens erlaubt Amtshilfe nur in Fällen von Steuerbetrug. Das Bundesverwaltungsgericht entschied im Januar 2010, dass fortgesetzte schwere Steuerhinterziehung für die Amtshilfe nicht ausreicht, und riss damit zunächst ein Kernstück aus dem UBS-Vertrag heraus. Das Parlament hat dann mit seinem Beschluss vom Juni 2010 das Kernstück wieder eingesetzt. Der Beschluss schuf neues Recht, welches sich für die Amtshilfe im Fall UBS auch rückwirkend für schwere Steuerhinterziehung anwenden liess.

Parlament zum Zweiten?
Die Anwendung der Schweizer Zusatzerklärung zum UBS-Vertrag auf andere Banken würde nochmals einen Parlamentsbeschluss erfordern, mit dem erneut rückwirkend neues Recht entstünde. Mehrheitsfähig erscheint dies aus heutiger Sicht nicht. Formaljuristisch mag man einen solchen Schritt nicht als Rechtsbruch qualifizieren, da im Verfahrensrecht im Prinzip eine Rückwirkung nicht verboten ist. Faktisch wäre aber bei einer neuerlichen parlamentarischen Übung à la UBS der Geruch der Rechtswillkür nicht mehr leicht wegzubringen – ebenso wenig wie der Eindruck, dass die Schweiz praktisch alles preisgibt, wenn nur der Druck gross genug ist. Dies würde man besonders in der EU mit grossem Interesse zur Kenntnis nehmen.

Solche Überlegungen machen Banken typischerweise nicht. Begriffe wie «Rechtssicherheit» und «Verlässlichkeit» benutzen zwar auch die Banken gerne, aber wenn solche Konzepte den kurzfristigen Eigeninteressen zu widersprechen scheinen, gibt man sich lieber «pragmatisch». Die Politik und insbesondere der Bundesrat müssen dagegen etwas breiter und längerfristiger denken. Das ist einer der Gründe, weshalb die Beziehungen zwischen Bundesbern und den Banken in dieser Affäre gelitten haben.

Leserkommentar
Anton Keller (16. Februar 2012, 17:39)
Es gibt auch hierzulande Soldaten und Gipsermeister, die sich zum General
und wahrscheinlich noch zum Pelli-Nachfolger hocharbeiten. Dies trotz mangelndem Tiefgang, Sachverständnis und entsprechender Unterstützung selbst-schädigender, einseitiger und abwegiger Bankier-Kniebeugen wie Gruppenanfragen. Und wenn von diesen Kreisen auch kaum mehr wahrgenommen gibt es immer noch bankers worth their salt - und eben auch andere.
Zu letzteren gehören die schwarzfahrenden Weissgeld-Pharisäer, sowie ihre zu weiterem Rechtseinbruch, Kundenverrat & Souveränitätsabbau bereiten Verbündeten zu Bundes-Bern. Diese haben immer noch nicht zur Kenntnis genommen oder begriffen, dass der von ihnen unter Druck zum Staatsvertrag angehobene und strikte befolgte UBS-Ukase von 2009 US-seitig nie in Kraft trat. Dass die daraufhin erfolgten Datenlieferungen von US Richtern jederzeit aus dem Recht gewiesen werden könnten. Und dass für jene anderen das Heil auf anderen Wegen zu suchen ist (www.solami.com/arbitrage.htm).




Journal 21   13. Februar 2012, 07:42

Steuerstreit USA/Schweiz
Stunde der Dilettanten
Schweizer Banker tun alles, damit es möglichst teuer wird
Von René Zeyer

Sinnvolle Strategie sieht anders aus. Schweizer Banker und Versicherer überbieten sich im alten Spiel: Andere schon, ich aber nicht. Und entdecken die «Weissgeldstrategie», ohne zu sagen, was das gegen die USA nützen soll.
Wenn es um die eigene Haut geht, ziehen Banker die Samthandschuhe aus und dreschen munter auf andere ein. Für den Präsidenten der Schweizerischen Bankiervereinigung ist es "unverständlich", dass Schweizer Banken abspringende UBS-Kunden mit Steuerpflicht in den USA übernahmen. Träfen die Vorwürfe gegen die Bank Wegelin zu, habe die gegen "die «Strategie des Finanzplatzes gehandelt", fügt Patrick Odier hinzu, man dürfe aber nicht alle 300 Banken in den gleichen Topf werfen. Der ZKB-Chef Martin Scholl reist zwar vorsichtshalber nicht mehr in die USA, will aber nicht darüber spekulieren, ob eine Anklage kommt oder nicht. Und Martin Senn, Chef der Zurich-Versicherung, verkündet markig: "Beihilfe zur Steuerflucht können wir uns nicht leisten."

Die Realität sieht anders aus
Es ist anzunehmen, dass alle (noch) existierende Schweizer Banken Konten von US-Steuerpflichtigen unterhielten oder noch unterhalten. Es ist absurd anzunehmen, dass nur eine einzige Schweizer Bank darunter keinen US-Steuerhinterzieher beherbergte. Wenn wir bis ins Jahr 2000 zurückgehen, und genau das wollen ja die USA. Die "Strategie" des Bankplatzes Schweiz sieht nun so aus: Kopf einziehen, hoffen, dass der Blitz bei einer anderen Bank einschlägt, und "Weissgeldstrategie" sagen. Als ob es die USA interessieren würde, ob ein US-Steuerzahler neu einen Zettel unterschreibt, auf dem er bestätigt, dass er nur ordnungsgemäss versteuertes Geld bei einer Schweizer Bank deponieren will. Aus reiner Liebe für Käse, Heidi und das Matterhorn. Und Zurich-Boss Stoll legt sogar noch mit unschuldigem Augenaufschlag einen drauf: "Lebensversicherungen sind nicht dafür konzipiert, Steuergelder zu hinterziehen." Ach ja?

Die Amis wollen nur eins
780 Millionen Dollar Busse und die Auslieferung von rund 4700 Kundendossiers mit allen Unterlagen, inklusive Auskunft, wohin das Geld bei der Schliessung des Kontos überwiesen wurde. Das war die Kriegsbeute, als die USA die wankende UBS gegen die Wand klatschten. Wir erinnern uns noch an Politikerworte, dass damit das Problem gelöst sei und ein solcher Bruch des Bankgeheimnisses nie, gar nie mehr passieren werde. In Wirklichkeit sind die ersten 780 Millionen die Benchmark für die Zukunft, wie ein Banker sagen würde. Also wollen die Amis diesmal 10 Milliarden Dollar Busse und so viele weitere Kundendossiers wie möglich. Hierbei geht es natürlich nicht um Rechtsstaatlichkeit, gar Moral oder das Einhalten von zivilisierten Umgangsformen zwischen Staaten. Sondern nur um Geld, und davon so viel möglich. Schon bei der UBS waren die USA dafür schnell bereit, von ihrer Forderung, mehr als 50 000 Kundendossiers zu kriegen, abzurücken. Wenn dafür schnell Cash fliesst.

Die USA haben eine Strategie
Aufgrund der Informationen, die sie via Finma von der UBS bekommen haben, legen die USA zunächst mal 11 Schweizer Banken auf die Folterbank und zeigen ihnen die Instrumente. Sie greifen eine raus, Wegelin, und klagen nicht nur einzelne Mitarbeiter, sondern die Bank selbst wegen "conspiracy" an, damit ist die Bank platt. Die überlebenden 10 werden, nachdem sie sich dieses schmerzliche Schauspiel anschauen mussten, sehr willig sein, ein sogenanntes "Deferred Prosecution Agreement" (DPA) abzuschliessen. Ein abstruses juristisches Armdrücken, bei dem der Angeklagte ohne Prozess ein Schuldeingeständnis macht, um der Giftspritze oder dem elektrischen Stuhl zu entgehen. Bei Kriminalfällen (da heisst das "bargain plea", Schnäppchenplädoyer) sitzt er dann ein paar Jahre ab, bei Banken muss Geld rübergeschoben werden. Sind die noch auf der Folterbank liegenden 10 Schweizer Banken nicht willig, dann schlägt der Blitz "Verschwörung" halt nochmal bei der nächsten ein. Sicher nicht bei einer der drei auf der Liste stehenden israelischen Bankfilialen in der Eidgenossenschaft, sicher auch nicht bei den nicht auf der Liste stehenden Niederlassungen grosser US-Banken in der Schweiz, aber das ist ein anderes Thema. Aber vielleicht bei Bank Bär, bietet sich als Aktiengesellschaft an, oder gleich bei der Basler Kantonalbank, da wackelt dann auch mal wieder der Schweizer Staat.

Und dann die Versicherungsgesellschaften
Das Spielchen kann beliebig weitergetrieben werden. Im Gegensatz zur blauäugigen Aussage des Zurich-Bosses kann ein Versicherungs-Wrapper sehr wohl und sehr einfach als Steuerhinterziehungsvehikel eingesetzt werden. Der grosse Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life verwaltete allein in Liechtenstein im Jahre 2005 lediglich 143 Millionen in solchen Mänteln. In wenigen Jahren stieg die Summe auf knapp 9 Milliarden. Das kann natürlich auch Ausdruck des zunehmenden Bedürfnisses nach Lebensversicherungen in unsicheren Zeiten sein. Und überhaupt nichts damit zu tun haben, dass der Name des Kunden aus den Dateien seiner Bank verschwindet. Hier gibt es teilweise bereits die Bedingung einer Erklärung des Nutzniessers, dass er nur versteuertes Geld einzahlt. Damit meint der Versicherer, fein raus zu sein. Wem aber selbst das zu blöd ist, der schaltet einfach noch einen "Unabhängigen Vermögensverwalter" (UVV) dazwischen. Davon gibt es in der Schweiz mehr als 3000, zehn Mal mehr als Banken. Diese UVVs, übrigens laut Finma "eine nicht geschützte Berufsbezeichnung", betreuen über 550 Milliarden Franken, von denen die Hälfte aus dem Ausland stammt. Da gibt es für die USA noch viel zu tun. Packen wir’s ein, werden die sich sagen.




Tages-Anzeiger    19.Februar 2012  10:26

Brisanter Vorschlag aus dem Finanzdepartement
Für Eveline Widmer-Schlumpf scheint die Selbstdeklaration ausländischer Bankkunden nicht
auszureichen. Die Finanzministerin will die Banken offenbar zu Schwarzgeld-Kontrollen zwingen.

Am Mittwoch will sie ihren Vorschlag an der Bundesratssitzung einbringen: Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf. Bild: Keystone

Die Finanzministerin bringt laut Informationen der «Sonntagszeitung» an der nächsten Sitzung einen Antrag im Bundesrat ein. Geht es nach Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf, müssen die Banken von ihren ausländischen Kunden künftig nicht nur eine Selbstdeklaration über die korrekte Versteuerung ihrer Vermögen einholen. Im Rahmen ihrer neuen Weissgeldstrategie will sie die Banken auch zwingen, in heiklen Fällen und bei Verdacht auf Steuervergehen die rechtmässige Versteuerung selbst zu überprüfen.

Kernstück von Widmer-Schlumpfs Strategie soll dem Bericht zufolge nach wie vor die Selbstdeklaration sein. Bei Bareinzahlungen oder Transaktionen aus verdächtigen Orten wie etwa den Cayman Islands aber sollen die Banken den betreffenden Kunden von sich aus unter die Lupe nehmen.

Die «Sonntagszeitung» beruft sich in dem Bericht auf «mehrere Quellen aus dem Umfeld des Finanzdepartementes». Hans Grunder, Präsident von Widmer-Schlumpfs BDP, bestätigt gegenüber dem Blatt: «Die Finanzministerin hat in unserer Fraktion die Weissgeldstrategie mit Selbstdeklaration plus Kontrollmechanismen umrissen.»

Bedingung für Abkommen mit USA
Die Vorschläge sind brisant. Denn die Banken haben sich bis jetzt gegen die Kontrollpflicht gewehrt. Und doch ist Finanzministerin Widmer-Schlumpf gezwungen, diesen Weg zu gehen. Denn Teile der CVP und vor allem die SP setzten solche Auflagen an die Banken voraus, damit sie ihre Zustimmung zum Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA geben.

Widmer-Schlumpfs Pläne dürften nicht ohne Kalkül nach aussen gedrungen sei, bleiben doch bis zur Abstimmung über das Steuerabkommen mit den USA nur noch zehn Tage. Der Bundesrat steht unter grossem Druck, dieses Abkommen in der Frühlingssession unter Dach und Fach zu bringen. Ansonsten riskieren weitere Banken, in den USA angeklagt zu werden.

Auch grosse und systemrelevante Institute wie die Credit Suisse oder die Zürcher Kantonalbank sind mittlerweile ins Visier der US-Behörden geraten. SP-Präsident Christian Levrat signalisiert Zustimmung zu den neuen Plänen der Finanzministerin. «Die Vorschläge scheinen mir in die richtige Richtung zu gehen», zitiert ihn die «Sonntagszeitung».


Kommentare unterdrückt da nicht in NZZOnline aufgenommen
siehe Kommentare in BAZ, TA & Bund
Neue Zürcher Zeitung    5.März 2012

Frei bleibt nur, wer seine Freiheit gebraucht
In der gegenwärtigen Auseinandersetzung zwischen der Schweiz und den USA
ist die Balance von Recht und Gegenrecht unausgewogen.
Die Schweiz sollte konsequenter auf strikte Reziprozität in den Vertragsbeziehungen pochen.
Von Elisabeth Kopp, Zumikon

Die im Titel zitierte von Adolf Muschg inspirierte Verfassungspräambel zeigt uns den Weg, wie eine über Jahrhunderte gewachsene freundschaftliche Beziehung zwischen Schwester-Republiken allen Unkenrufen und Wehklagen zum Trotz auf belastbaren und gegenseitig hilfreichen Geleisen fortgeführt – oder aber gefährdet – werden kann.
Der Ausdruck «Schwester-Republiken» entstand nicht von ungefähr. In einem Bändchen mit dem Titel «The Sister Republics» zeichnete vor zwanzig Jahren James H. Hutson nach, wie Schweizer Rechtsgelehrte für die Gestaltung der Verfassung der USA von 1787 beigezogen wurden und anderseits die US-Verfassung für unsere Verfassung von 1848 als Vorbild diente. Hätte es sich um eine kriegerische Auseinandersetzung gehandelt, hätte man wohl von einem Kampf zwischen David und Goliath gesprochen. So war es die gute und sinnvolle Zusammenarbeit zweier in Entstehung begriffener souveräner Staatengebilde, wenn auch von unterschiedlicher Grösse und Geschichte. Vergleicht man die beiden Verfassungen, so sind Ähnlichkeiten nach wie vor unverkennbar.

Zwischenstaatliche Beziehungen mit den USA auf Basis des Gegenrechts
Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf sagt zu Recht, dass der gegenwärtige Konflikt mit den USA sich nur auf Staatsebene lösen lasse und die Banken ihn "nicht für sich lösen (können), ohne sich im landesinternen Recht strafbar zu machen.“
Nur: Im vorliegenden Fall müsste dann konsequenterweise mit Vertretern des Aussenministeriums verhandelt werden und nicht mit unteren - und dazu anscheinend nicht einmal genügend autorisierten - Vertretern des Schatzamtes oder gar des IRS. Damit könnte auch traditionsgemäss und beidseitig unbestritten sichergestellt werden, dass keine unausgewogenen Vereinbarungen mehr ausgehandelt würden, was auch in Bezug auf allfällige weitere Zusätze zum derzeit im eidgenössischen Parlament behandelten Doppelbesteuerungs- Abkommen (DBA) mit den USA gilt.

Das Bundesverwaltungsgericht ist kein verfassungsmässiger Gesetzgeber
Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Entscheid vom 5. März 2009 ein IRS-Amtshilfegesuch ohne Namensnennung und auf Basis einer Gruppenanfrage als vereinbar mit dem DBA 96 qualifiziert. Aber der unter Schweizer Rechtsgelehrten fast einhellig als DBA-widrig kritisierte Entscheid erfolgte in einem materiell unbedeutenden Nebenpunkt und ist deshalb laut den Kritikern von fragwürdiger Verbindlichkeit. Darüber hinaus entspricht diese neue Form der (einseitigen) Verfahrensunterstützung nicht den Prinzipien der internationalen Rechtshilfe in Strafsachen und verletzt Verfahrensgrundrechte. Zudem ist sie bisher vom gemäss unserer Verfassung ausschliesslichen Gesetzgeber, nämlich dem Parlament, nicht gebilligt worden. Deshalb kann dieser Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts keine genügende Rechtsbasis für die usanzwidrige, am 30. November 2011  in Kraft gesetzte Verordnung darstellen.

Die Stellung der OECD
Die Debatten der letzten Zeit haben den Eindruck entstehen lassen, es handle sich bei der OECD um eine supranationale «Befehlsgeberin».
Doch das ist sie nicht. Die OECD ist nicht mehr als eine intergouvernementale Dienstleistungsorganisation. Kein Staat denkt daran, den Ideen der OECD mit den Gruppenanfragen Vorschub zu leisten oder gar nachzukommen. Doch die Schweiz ist im Begriff, genau das zu tun. Das wird all die Staaten freuen, die uns um unseren Finanzplatz beneiden, uns aber aller Voraussicht nach schaden. Als die OECD damit drohte, die Schweiz auf eine schwarze Liste zu setzen, knickte die Schweiz ein. Das Bankgeheimnis wurde gelockert, und die
OECD-Standards wurden übernommen.

Unrechtmässig erfolgte Amtshilfe
Die Bundespräsidentin steht auch völkerrechtlich auf solidem Grund wenn sie sagt: Wir können ein Abkommen erst anwenden, wenn es in Kraft ist, und zwar beidseitig. Aber die UBS-Verständigungs-Vereinbarung, welche von uns gegen die eigenen Interessen zum Staatsvertrag angehoben wurde und als solcher vom Parlament genehmigt wurde, ist seitens der Amerikaner nie verfassungskonform in Kraft gesetzt worden. Nach US-Recht hat sie demzufolge bisher keine Rechtskraft entfaltet, soweit sie über die strikten Grenzen des DBA von 1996 hinausging. Folgt man dieser Argumentation, war die Übermittlung von rund 4500 UBS-Kundendaten an den IRS unrechtmässig.

Marc Rich/Rudy Giuliani
Man täte gut daran, sich an die Haltung des Bundesrats in der Angelegenheit Marc Rich zu erinnern. Ohne ein Rechtshilfegesuch einzureichen, versuchten die USA damals durch Beugebussen gegenüber einer Rich-Firma in den USA, ja sogar durch den Versuch, Marc Rich aus der Schweiz in die USA zu entführen, ihn dort wegen Geschäften mit dem Feind und wegen Steuerhinterziehung vor Gericht zu stellen. Die Schweiz protestierte damals energisch gegen diese Souveränitätsverletzung und setzte den USA erfolgreich diplomatischen Widerstand entgegen. Sie forderte Verhandlungen, die zu einem „Memorandum of Understanding“  führten, in dem sich die USA bereit zeigten, künftig den Rechtsweg zu beschreiten und auf einseitige Massnahmen zu verzichten.

Heutige Situation
Ähnliches wäre auch heute möglich, ja geboten. Dies gilt ganz besonders für das Beharren auf strikter Reziprozität in unseren Vertragsbeziehungen, welche das Parlament im Grundsatz als Ergänzung des DBA beschlossen hat. Es sind völkerrechtlich einwandfreie Möglichkeiten denkbar, welche die USA und andere Staaten, die Milliarden von Schwarzgeld innerhalb ihrer Jurisdiktion zu verantworten haben, zu deren Offenlegung zwängen und damit für alle gleich lange Spiesse unter allen Finanzplätzen sorgten – oder andere Länder bei Ablehnung in jene Position versetzten, in der die Schweiz heute steht.
[adaptierte Manuskriptversion]




Neue Zürcher Zeitung    5.März 2012
re:  Schweiz lockert das Bankgeheimnis gegenüber den USA

Anton Keller (6. März 2012, 13:16) DBA USA : Irreführung der Saturierten
Bundespräsidentin, Nationalrat, 5.3.12: In diesem Abkommen ist die Reziprozität materiell gegeben. Wir versuchen auf der formellen Seite das nachzuholen“.
Das DBA USA 96 mag als ausgewogen gelten, der Bundesbeschluss zu Gruppenanfragen offenkundig nicht. Der dortige Hinweis auf eine „gegenseitige Anerkennung“ bezieht sich nur auf diese diesseitig, und damit einseitig vorzunehmende Handhabung von IRS-Amtshilfegesuche. Er ist insofern irreführend, als der Grundsatz der Reziprozität zwar Ausfluss der gleichwertigen Souveränität von jedem Unterhändler zu beachten ist und in den meisten Staatsverträgen auch klar zum Ausdruck kommt, in den Zusätzen zum DBA 96 aber nur punktuell. Die IRS selbst sieht keine Chance für eine US-Senats-Zustimmung zu Gruppenanfragen, welche auch US-seits Ordre public-, DBA- & Interessen-widrig wäre. Die Schweiz begibt sich so einer weiteren Waffe um unsere Peiniger in die Defensive zu zwingen (www.solami.com/iconoc.htm#Kopp)

Anton Keller (6. März 2012, 13:38) For the record  I   (zensuriert)
Bundespräsidentin, Nationalrat, 29.2.12: "Wir können ein Abkommen erst anwenden, wenn es in Kraft ist, und zwar beidseitig." (www.solami.com/frohofer.htm

Anton Keller (6. März 2012, 13:33) For the record  II
Das unter IRS-Druck ausgehandelte UBS-Machwerk vom 19.8.09 steht ausserhalb des DBA USA 96. Veranlasst durch BVGE (A 7789), wurde es "nachgebessert" und unsererseits gar zum Staatsvertrag hochgehievt. Obwohl klar Ordre public-, DBA- & Interessen-widrig, sah sich unser Parlament genötigt, diesen Ukase am 17.6.10 zu genehmigen. US-seits wurde er nie dem Senat zugemutet oder per Unterschrift des US-Präsidenten zum executive agreement hochstilisiert (www.solami.com/iconoc.htm#query). US-seitig trat er nie in Kraft und vermag nach US-Recht keine über das DBA 96 hinausgehende Rechtskraft zu entfalten. Auch im BVG-Pilotentscheid (2010/40) wurde dieses "Detail" übersehen. Ergo: insbesondere die rund 4450 UBS-Kundendatenlieferungen an die IRS erfolgten unrechtmässig und können vor amerikanischen Gerichten entsprechend gerügt werden (…/iconoc.htm/Kopp).

Georg Merkl (6. März 2012, 14:05) Belege für diese Behauptungen?
@Anton Keller: Mit welcher Quelle belegen Sie Ihre Behauptung, der Internal Revenue Service (IRS) sehe keine Chance für eine US-Senats-Zustimmung zu Gruppenanfragen, welche auch US-seits Ordre public-, DBA- & Interessen-widrig wäre? Meines Wissens ist nur ein einziger Senator gegen das DBA und dies nicht weil er etwas spezifische gegen das DBA mit der Schweiz hat, sondern weil er generell etwas gegen die Steuerbehörde IRS und DBAs hat. Der Bundesbeschluss bekräftigt nur eine Schweizer Auslegung des bestehenden Abkommens und gibt der Schweizer Verwaltung den Auftrag sich für eine Anerkennung dieser Intepretation durch die USA einzusetzen. Das Abkommen selbst sieht bereits Gegenseitigkeit bei der Amtshilfe vor. Es gibt keine Belege, dass die USA keine Amtshilfe leisten wollen. Die USA sind keine Peiniger sie setzen lediglich ihr Besteuerungrecht gegenüber ihren Bürgern durch. Die Behörden und Gerichte eines Staates sind nun einmal verpflichtet ihr Recht auch durchzusetzen.

Anton Keller (6./7. März 2012, 15:29 / 18:58 / 10:22)    For the record  III  (3x zensuriert)
Ausdruck des seit Urzeiten gewachsenen & bewährten Territorialitätsprinzips ist das im eigenen Revier auszuübende Recht gegenüber den lokal Ansässigen. Staatsdiener, die sich erdreisten, über den eigenen Gartenzaun hinaus zu fressen, gehören zurückgepfiffen. Und für jene die im Solde der Eidgenossenschaft stehen und solchen Übergriffen durch eigenes Tun & Lassen Vorschub leisten wird unter dem Begriff „fahrlässiger diplomatischer Landesverrat“ auch für Blauäugigkeit, Dummheit & Inkompetenz Gefängnis angedroht (267 StGB). Soweit erkennbar waren weder Barry B. Shott (IRS) noch Douglas W. O’Donnell (Treasury) autorisiert, zur Beilegung der aufgeblasenen UBS-Vorwürfe eine über das DBA 96 hinausgehende Verständigungs-Vereinbarung auszuhandeln. Im Lichte des illegalen QI-Systems erscheinen auch die Vorwürfe gegen Wegelin et al. unhaltbar (www.solami.com/iconoc.htm#tamtam). Das wissen unsere Peiniger – und fürchten deshalb die Reziprozität wie der Teufel das Weihwasser.


ThinkingThingsOver    8.März 2012

Anschuldigungen fremder Staaten und Staatsanwälte
Walter E. Haefliger

Wir «rechtschaffenen» Schweizer tendieren dazu, Anschuldigungen fremder Staaten und Staatsanwälte a priori zum Nennwert zu nehmen, weil wir uns bis jetzt nicht vorstellen konnten, dass solche Anschuldigungen vielleicht nicht den Tatsachen entsprechen könnten, sondern reine Einschüchtungsmassnahmen darstellen. In dieser Annahme werden dann die vom Ausland beschuldigten in unserem Land gleich zu mutmasslichen Tätern, oft bevor wir die Details der Anschuldigung gesehen, vergessen dann abgeklärt haben.

Das jüngste Opfer war die Bank Wegelin und ihr unbeschränkt haftender Gesellschafter Konrad Hummler. Es lohnt sich deshalb, an diesem Beispiel zu veranschaulichen, wie die amerikanische Angriffsstrategie funktioniert. Zu diesem Thema habe ich mich schon einigemale geäussert. Immer in der Annahme, dass die durch masslose Anschuldigungen eingeschüchterte Gegenseite es vorziehen wird, einen aussergerichtlichen Vergleich anzustreben, fahren Staatsanwälte mit grobem Geschütz auf und werfen mit Anklagen um sich, die sie vor einem Gericht gar nie beweisen könnten. Da es aber fast nie zu einem Prozess kommt, sind sie mit dieser Taktik sehr erfolgreich, und gerade Leute, welche in die Politik gehen wollen, benützen solche aufsehenerregenden Fälle um sich zu profilieren.

Bei genauerem Hinsehen stellt sich nun auch im Falle der Bank Wegelin heraus, dass die Anklage des New Yorker Staatsanwaltes auf äusserst schwachen Füssen steht und er von seinen Manipulatoren in der US-Steuerbehörde IRS schlecht beraten worden ist. Allerdings hat er, nicht zuletzt mit Hilfe der Schweizer Linken der naiven Schweizer Regierung und angesichts des Fehlens jeglicher Unterstützung der Bank Wegelin durch ihre Berufskollegen, schon einen schönen Erfolg erzielt: Die Bank wurde geschlissen und Konrad Hummler in den Medien schon vorverurteilt, sodass er sogar seinen Vorsitz des VRs der «NZZ» aufgeben musste.

Viele wohlmeinende Bürger empörten sich darüber, dass Hummler «unethisch» gehandelt habe, ohne überhaupt zu wissen, was genau hinter den Anschuldigungen stand. Dies ist auch der Grund wieso ich ihnen den folgenden Artikel eines mit der Lage vertrauten Autors nicht vorenthalten möchte. Seine Anschuldigungen scheinen hart, aber vielleicht überlegen sie sich, ob er nicht doch in vielem recht hat.


Schweizerzeit    4.März 2012

Haltlose US-Anklage gegen Bank Wegelin
Konrad Hummler muss büssen
Von Hans Spitz, Köniz BE

Die USA verkörpern dank ihrer Geschichte und kontinuierlicher, geschickter Werbung auch heute noch das Land der Hoffnung und der Freiheit. Die Freiheitsstatue in der Einfahrt zum Hafen von New York hat bis jetzt wenig von ihrer Anziehungskraft verloren.

Unter diesem Strahlenschirm verschwanden und verschwinden die Verbrechen an der einheimischen Bevölkerung (Indianer-Genozid), die abscheuliche Sklaverei zu Lasten der schwarzen Bevölkerung, die Verbrechen in beiden Weltkriegen, die Kriege der letzten Jahre, die global überhandnehmende Rolle der amerikanischen Geheimdienste in verschiedensten Ländern der Welt während des ganzen 20. Jahrhunderts und nicht zuletzt die immer wiederkehrenden Wirtschaftskrisen, die in vielen Staaten Not und Elend provozierten.

Obwohl heute laut einer Untersuchung 88 Prozent der Befragten davon ausgehen, dass die USA nicht fähig sein werden, sich selbst und noch weniger die Welt aus der gegenwärtigen Krise zu führen und mit einer Krise von über drei Jahren rechnen, haben die USA im Urteil der breiten Massen unserer Gesellschaft wenig von ihrer Faszination verloren.

Konrad Hummler «versündigte sich»
Im Anlagekommentar Nr. 265 vom 24. August 2009 wagte es der Mitbesitzer der Bank Wegelin, eine ganze Reihe unrühmlicher Fakten in Erinnerung zu rufen:

    * «Dieses Land gehörte in den letzten sechzig Jahren zu den aggressivsten Nationen weltweit. Die USA haben mit Abstand am meisten kriegerische Handlungen, einmal mit, meistens ohne Uno-Mandat vom Zaun gerissen. Kriegsvölkerrecht wurde verletzt, geheime Gefängnisse unterhalten, fragwürdige Regierungen wurden gestützt, ein absurder Krieg gegen Drogen geführt mit gravierenden Auswirkungen im Ausland (Kolumbien, Afghanistan) und im Inland (nach glaubwürdigen Quellen reichen die Tentakel der Drogenmafia bis weit in politische Kreise hinein).
    * In geradezu atemberaubender Doppelmoral unterhalten die USA «Offshore-Oasen» riesigen Ausmasses in Florida, Delaware und anderen Teilstaaten.
    * In ihrem Rechtssystem kennen sie noch immer die Todesstrafe und üben diese extensiv aus. Anwälte können sich am Unheil ihrer Klienten bereichern. Haftpflichtprozesse enden oft in Urteilen mit exorbitanten Ansprüchen, was die Geschäftsausübung mittelständischer Unternehmen enorm risikoreich macht.
    * Seine Infrastruktur lässt es verfallen, in zum Teil fragwürdigen Verfahren Verurteilte steckt es in hoffnungslos überfüllte Gefängnisse.
    * Mit ihrem Weltfinanzsystem verursachen sie regelmässig weltwirtschaftliche Krisen, die vielerorts katastrophale Folgen für die Bevölkerung haben»
Sicher sind diese - unbestreitbar zutreffenden - Ausführungen von Barack Hussein Obama und seiner Entourage zur Kenntnis genommen worden und haben wohl wenig sympathische Gedanken und Absichten provoziert!

Das Bankhaus Wegelin unterzeichnete 2001 das «Qualified Intermediary Abkommen» (QEA) mit den amerikanischen Steuerbehörden und bestand die stets die stets zunehmend schärferen Revisionen 2002 und 2007 problemlos. Wie oben dargestellt, wurde der Anlagekommentar zwei Jahre danach, 2009, publiziert - und jetzt soll alles anders sein. Dabei ist zu beachten, dass die der Bank Wegelin gemachten Vorwürfe haltlos sind. Sie versagen auch als Rauchpetarden zur Vernebelung und zur Ablenkung vom Jahresdefizit des amerikanischen Staates von über 1200 Milliarden Dollar.

Der «Sheriff der Wall Street» - Staatsanwalt Preet Bharara - ein gebürtiger Inder, der in den Fussstapfen des verhinderten Marc Rich-Kidnappers Rudy Giuliani seines Amtes waltet - ist offenbar schlecht beraten worden. Der geistreich und verdienstvoll kämpfenden Geschäftsführer der symbolstarken ältesten Schweizer Privatbank, Konrad Hummler, der sich für viele verratene amerikanische UBS-Kunden als Samariter zur Verfügung gestellt hat, ist dabei - vorderhand - mitsamt seiner Wegelin Bank unter die Räder gekommen.

Die treibende Kraft hinter diesem kriegsähnlichen Schadenfall ist aber weder die derzeitige US-Regierung, noch dessen Justizdepartement; es sind vielmehr die erfolgstrunkenen, ausser Kontrolle geratenen Karrieristen des US-Steueramtes IRS. Bei entsprechend intelligenter und entschlossener Reaktion unserer Politiker, Bänkler und Unterhändler könnte der Schaden noch begrenzt und die Beziehungen schnell wieder zum gegenseitigen Nutzen normalisiert werden. Der gegenwärtige Wirtschaftskrieg gegen einen «naiven» Kleinstaat bringt der Grossmacht USA einen billigen, selbstschädigenden Sieg!

Die Anklage ist haltlos!
Was der Bank Wegelin vorgeworfen wird, sind nicht nur Peanuts, sondern Aktionen, die wesentlich im Rahmen auch des US-Rechts - insbesondere des Qualified Intermediary Abkommens mit der IRS - durchgeführt wurden. Der New Yorker Staatsanwalt wurde aber dazu von seinen Washingtoner IRS-Einflüsterern getäuscht. Er geriet dabei auf dünnes Eis mit zum Teil lächerlichen Vorwürfen, wie z.B. jenem, ein Vermögensverwalter der Bank habe für einen Kunden eine Rechnung für eine Safari in Botswana bezahlt. Oder ein Kundenberater habe einen Kunden angewiesen, nicht mehr zu telefonieren, sondern SMS zu senden, da die Telefongespräche von den Amerikanern abgehört würden. Von diese und ähnlicher Qualität sollen die «Verbrechen» der Wegelin-Mitarbeiter gewesen sein.

Der Bank drohe eine Busse von 500 000 Dollar, den drei Angeklagten Geldbussen von je maximal 250 000 Dollar und Haftstrafen bis zu fünf Jahren.

Und das alles von einer entfesselten Bürokratie, welche weltweit Jagd auf ihre Bürger macht um ihre rund tausendfach bedeutungsvolleren Schutzgeldeinnahmen wirkungsvoller zu verstecken und - ohne demokratische Kontrolle - weiterhin zur Finanzierung imperialistischer Verbrechen verfügbar zu haben. Zudem, mit ihrem aus dem Boden gestampften «fiat money» betrügt sie die ganze Welt und nimmt sie aus wie eine Weihnachtsgans.

Die Bank selbst ist wegen des Vertrauensverlustes der Kundschaft zum Notverkauf gezwungen worden - also bereits untergegangen oder zumindest nahezu irreparabel geschädigt worden.

Andere Grossinvestoren warnen
Warren Buffet sagte schon im August 2009:

    «Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten scheint zwar aus der Notfallstation entlassen und auf dem Weg zur Besserung zu sein. Aber die enormen Dosen von monetärer Medizin müssen weiterhin bewältig werden, und wir werden für sehr lange Zeit an den Nebeneffekten leiden. Ich befürchte hohe Inflationsraten und rate vom Kauf langfristiger Schatzanleihen ab.»
Und Bill Gross von der «Pacific Investment Management Co.» hält die Anleger dazu an, Dollar-Anlagen zu verkaufen, bevor Notenbanken und Staatsfonds dasselbe tun. Und als Amerikas grösster Gläubiger tauscht die chinesische Regierung so viele Schatzpapiere so schnell sie kann gegen Realwerte überall auf der Welt.

Auf diesem Hintergrund hat unsere Regierung Tausende von Bankdokumenten der Credit Suisse (mit codierten Namen - lächerlich!) den Amerikanern übergeben, die damit ein neues gewaltiges Druckpotential aufbauen können. Bezeichnend, dass unsere Spezialisten des VBS weder für eine Lagebeurteilung noch für die Codierung beigezogen wurden. Die Mehrheit des Bundesrates hat offenbar noch nicht begriffen, dass wir im Fokus der amerikanischen Wirtschaftskrieger stehen. Wann - ist zu fragen - wird unsere Regierung die Selbstachtung und den Schneid aufbringen, um unseren amerikanischen Freunden die richtigen Fragen mit Nachdruck zu stellen und dabei auch nicht auf unmissverständliche Weckrufe an die richtige Adresse verzichten? Zu denken ist dabei an einen ostentativen Ausbau unserer Finanz- und Handelsbeziehungen zu anderen Partnerstaaten wegen der nicht weiter tolerierbaren QI- und FATCA-Zumutungen - zulasten der US-Wirtschaft.

Herausfordernd, aber nicht aussichtslos
Konrad Hummler, der tapfere Mahner und beispielhafte Samariter erhielt weder von seinen Berufskollegen noch von unseren Politikern die unabdingbare Unterstützung und Solidarität. Nicht gerade als Winkelried, aber immerhin persönlich zu hundert Prozent haftend, stellte er sich vor die gefährdeten Kunden und zeigte so, was alle andern von Anfang an hätten tun müssen - und wozu sie via die Trutzburg Wegelin vielleicht - hoffentlich - in naher Zukunft zurückfinden mögen.

Die amerikanische Verschuldung wird durch die allfälligen weiteren Ablasszahlungen von Schweizer Banken kaum gemindert werden - ganz im Gegenteil. Denn damit einher ginge auch ein entsprechender politischer und finanzieller Goodwill-Abbau unsererseits. Auch wenn dies nicht zu überschätzen ist, ginge es dabei immerhin auch um mögliche Schweizer Beiträge zur Vermeidung einer global-katastrophalen Crash-Landung.

Gegenwärtig dürfte die Totalverschuldung der Vereinigten Staaten bei ungefähr 15 Billionen Dollar liegen, damit also über 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA betragen.

Schon fast prophetisch schreibt Hummler im mehrfach erwähnten Anlagekommentar:

    «Wir leben in einer Epoche, in der sich die Gewichte auf der Welt am Verschieben sind. Asien steigt auf, Brasilien vermutlich ebenfalls. Australien wird der lachende Dritte sein, Europa kann sich möglicherweise noch einmal im Wiederaufschwung dieser Länder positionieren.
Die USA bleiben die unbestreitbar vorhandene Militärmacht und die Schulden- und Problemberge. Redimensionierungsprozesse bergen in sich aggressives Potential, weil sie schmerzhaft sind und die Schuld dafür lieber auf Dritte überwälzt wird. Die Schweiz bekommt dies derzeit zu spüren.
    <Aggressives Potential> und wirtschaftliche Entwicklung aber schliessen sich gegenseitig aus.
    Deshalb ist man wohl gut beraten, ganz generell Abschied von Amerika zu nehmen. Bis auf weiteres muss es heissen: <It's time to say Goodbye>.»
Es wäre gut, wenn dies das Fähnlein de sieben Aufrechten zu Bern auch einsehen würde.





March 8, 2012

Swiss President Wants Tax Accord From U.S.
By DAVID JOLLY

BERN, Switzerland — In the view of Switzerland’s president, her country would sign a deal on banking secrecy with the United States “tomorrow” if not for an impasse created by Washington.

“We are ready,” President Eveline Widmer-Schlumpf, who is also finance minister, said here on Wednesday. “We’ve made a lot of constructive proposals. We could sign it tomorrow if the United States wants to do it.”

Relations between the United States and Switzerland have been troubled by the question of tax evasion since 2008, when American authorities began pursuing UBS, the largest Swiss bank, for helping thousands hide money from the Internal Revenue Service. UBS later settled with the Justice Department, turning over details of 4,450 client accounts and paying a fine of $780 million in exchange for a deferred prosecution agreement.

With their financial sector under global scrutiny, Swiss officials have been working to reach an agreement with Washington that would allow them to retain something of their 1934 banking law, which makes the disclosure of client identities a crime.

But American authorities have shown little interest in compromise, the Swiss say, and are pursuing criminal investigations of 11 Swiss banks, including Credit Suisse, the second largest.

In a sign of the tough approach Washington is taking, prosecutors in February indicted Wegelin & Company, the oldest Swiss private bank, on charges that it had helped Americans evade $1.2 billion in taxes. That prompted the bank, founded in 1741, to say it was breaking up, raising fears among the Swiss that Washington might pick off others.

The Swiss presidency rotates among the seven members of the country’s executive body, the Federal Council, with a different member serving each year. That makes Ms. Widmer-Schlumpf, 55 and a lawyer by training, “first among equals” on the council and the face of Switzerland in many international settings.

“We were very surprised by the Wegelin indictment,” Ms. Widmer-Schlumpf said, “because we understood there to be an implicit agreement that they would not do something like that during the negotiations.”

She said the countries had made “considerable progress” toward a global deal in the last few months. An agreement will include deferred prosecution deals against Swiss banks accused of helping American tax evaders, fines and a “substantial” transfer of client data to the Internal Revenue Service, she said.

Ms. Widmer-Schlumpf said that Switzerland, which accounts for more than one-quarter of the world’s offshore wealth, was not prepared to abandon banking secrecy altogether and that the data transfer “has to take place within the existing legal procedures in both countries.”

“States have rights, and we have to respect that,” she said, expressing hope that a deal would be reached soon. “I think it’s in the interest of both sides to come to a solution now.”

Ms. Widmer-Schlumpf spoke after the Swiss Parliament on Monday approved a new double-taxation treaty with the United States, under which American authorities will be able to more easily track suspected tax cheats, even without naming names, by asking for information on particular types of suspicious accounts.

Donald S. Beyer Jr., the American ambassador to Switzerland, told Swiss radio this week that it was a “positive and useful step.”

Paul L. Behling, a partner at the law firm Withers Bergman in New Haven, said that the Swiss Parliament’s approval “eliminates the legal obstacle to a deal” between the banks and the I.R.S.

Switzerland’s banking secrecy law has complicated banks’ efforts to resolve the conflict. Another source of friction is the distinction made by the Swiss, and virtually no one else, between tax fraud, a crime here, and tax evasion, which is not.

On the side of the United States, ratification of the double-taxation treaty, signed by the two governments in September 2009, has stalled. Senator Rand Paul, Republican of Kentucky, has balked at the treaty, arguing that it gives the I.R.S. too much power to intrude without grounds for suspicion of financial crimes.

Mr. Paul’s office did not respond to requests for comment. The Treasury and State Departments declined to comment.

“We have a very good relationship with the U.S.A.,” Ms. Widmer-Schlumpf said, noting, for example, that Switzerland represents American interests in Iran and is one of America’s largest investors.

“The problem we have now, you shouldn’t hang the whole relationship on it,” she added. “I believe that’s why we can find a solution to this problem.”

Ms. Widmer-Schlumpf said that Switzerland was working to improve its reputation with a “clean-money strategy” announced in February. The strategy is based on three main elements: new international withholding tax agreements with other countries, improved administrative assistance in international tax cases, and a requirement that Swiss banks scrutinize accounts more closely.

First, she said, the Swiss have to overcome their past sins, settling with the Americans and other governments and persuading doubters of their sincerity.

“Our problem is that we have not been taken seriously,” she said, though for several years “we’ve been doing more than other countries.” That includes efforts to fight money laundering and insider trading, more than 40 double-taxation agreements with other countries, and the adoption of tough capital standards at too-big-to-fail institutions like Credit Suisse and UBS.

Ms. Widmer-Schlumpf said the Swiss financial sector — which contributes about 11 percent of the country’s gross domestic product and accounts for about 200,000 jobs in a country of fewer than eight million people — might struggle in the first few years of a more transparent era.

“But in the long term,” she said, “we’ll gain clients because of the Swiss quality.”

A deal with the United States may not be the model for others, as the United States has a stick — the threat of denying Swiss banks access to its vast markets — that others lack. The Swiss-preferred models are the withholding tax deals reached last year with Britain and Germany, which will ensure that taxes are paid without divulging client data.

But those deals have been challenged by the European Commission because, the commission argues, they undermine its efforts to set up deals for automatic information exchange with Switzerland, which does not belong to the European Union. The German Parliament is also threatening to block any bilateral agreement on fairness grounds.

In any case, the writing is on the wall for American tax cheats in Switzerland. Some Swiss banks have been warning American clients that they should either prove they are in compliance with American law or have their accounts closed. They are also recommending that any clients not in compliance should hire a lawyer and enter the I.R.S.’s voluntary disclosure program.

“I tell my clients if they have an undeclared offshore account that it’s in their best interest to come back into compliance,” said Kevin E. Thorn, a tax lawyer in Washington who has helped people navigate the voluntary disclosure program. In practice, he said, that means paying a penalty, now 27.5 percent of the value of the undeclared account, and bringing their records up to date.

“Because if they don’t, and the government opens a criminal investigation, they’re going to pay a lot more,” he said, perhaps 50 percent or more of the undeclared account with the cost of fighting a felony charge of tax evasion to boot.

Martin Naville, chief executive of the Swiss-American Chamber of Commerce in Zurich, said the hope for Switzerland was that after a deal was reached, “there will still be some kind of confidentiality or data protection.” “But protection for tax evaders, I think that part is really gone,” he added.

Mr. Naville said he was skeptical that a Swiss deal would do much to stop Americans from trying to beat the taxman. “They’ll go to the Channel Islands; they’ll go to Singapore,” he said. “But no Swiss bank will touch them.”

David Kocieniewski contributed reporting from New York.


Kommentare
Tages-Anzeiger, Der Bund    9.März 2012

«Ich plädiere für Standhaftigkeit»
Von Claudia Blumer.

Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp (FDP) kritisiert das Verhalten der Schweiz im Steuerstreit. Im Fall Marc Rich habe sie den USA erfolgreich die Stirn geboten, argumentiert sie im Interview mit baz.ch/Newsnet.
«Die Rechtsstaatlichkeit ist die einzige Waffe eines Kleinstaats»: Elisabeth Kopp, ehemalige Justizministerin (Das Bild zeigt bei einem Auftritt am 25. Februar 2010 im Nationalratssaal im Rahmen der Veranstaltung «Schulen nach Bern»). Bild: Keystone

Elisabeth Kopp (75) begann ihre politische Karriere als Gemeinderätin von Zumikon. Von 1974 bis 1984 war sie Gemeindepräsidentin, dann stand die Juristin während fünf Jahren dem eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement vor. 1989 trat sie aus dem Bundsrat zurück, weil ihr Amtsgeheimnisverletzung vorgeworfen wurde. Später sprach sie das Bundesgericht von diesem Vorwurf frei.

Frau Kopp, Sie kritisieren in einem Gastbeitrag in der NZZ die Strategie des Bundesrats im Steuerstreit mit den USA. Ist er auf dem falschen Weg?
Die Aussenpolitik ist in der Schweiz zu lange vernachlässigt worden. Man hat sich vor allem in der Rolle des Sonderfalls gefallen. Für harte Verhandlungen war man nicht gerüstet. Die Vernachlässigung der Aussenpolitik kam auch darin zum Ausdruck, dass immer das amtsjüngste Bundesratsmitglied ins Aussendepartement «verbannt» wurde. Das zweite Problem ist: Wenn Sie unsere Verfassung anschauen, dann sehen Sie, dass die Schweiz gar keinen starken Bundesrat will. Alles ist auf Machtbeschränkung ausgerichtet. Das ergibt eine pragmatische Politik, die im Normalfall durchaus genügen mag. In einer schwierigen Situation, wie wir sie jetzt haben, sollte der Bundesrat aber eine eigene Strategie haben. Das hat er nicht und das wirkt sich jetzt entsprechend aus.

Müsste der Bundesrat Notrecht anwenden, wie es Nationalrat Christoph Blocher im Gespräch mit baz.ch/Newsnet gefordert hat?
Von einer Notrechtssituation kann man nicht sprechen. Der Bundesrat hat sich entschlossen, das Doppelbesteuerungsabkommen mit der Zulassung von Gruppenanfragen zu ergänzen, was rechtlich mehr als fragwürdig ist.

Welche Strategie würden Sie dem Bundesrat empfehlen?
Die Amerikaner verlangen dem Vernehmen nach exorbitante Zahlungen, um im Gegenzug auf Strafverfahren gegen 11 weitere Banken zu verzichten. Für einen solchen Deal fehlt in der Schweiz die Rechtsgrundlage. Wir sind jetzt an einer Weiche. Entweder der Bundesrat hält an unserer Rechtsstaatlichkeit fest - für einen Kleinstaat ist das meiner Ansicht nach die einzige Waffe - oder er willigt in eine Lösung ein, die keine Rechtsgrundlage hat. Das ist eine politischer Frage. Man muss sich der Konsequenzen bewusst sein, die entstehen, wenn man den Rechtsstaat beschneidet. Ich plädiere auch aus eigener Erfahrung für Standhaftigkeit.

Sie spielen auf den Fall Marc Rich an?
Die USA verlangten von Marc Rich die Herausgabe von Geschäftsunterlagen einer in der USA angesiedelten Schweizer Firma. Sie versuchten, diese Herausgabe zu erzwingen, indem sie dieser Firma eine Beugebusse von 25’000 Dollar pro Tag auferlegten. Schliesslich sandten sie zwei als Zivilisten verkleidete Polizisten in die Schweiz, um Marc Rich zu entführen. Das war eine absolut krasse Verletzung unserer Souveränität. Dagegen haben wir protestiert, ich habe als Justizministerin meine besten Chefbeamten in die Verhandlungen geschickt. Diese haben mir irgendwann gesagt, sie kämen nicht weiter, ich müsse selber nach Washington. Ich ging hin, und bin mit unseren Forderungen restlos durchgedrungen.

Mit wem haben Sie verhandelt?
Mit dem Justizminister. Es mussten Verhandlungen auf Augenhöhe sein. Zurzeit verhandelt die Schweiz nur mit Vertretern der Steuerbehörde oder des Schatzamtes. Es müsste aber jemand vom Aussenministerium sein. Ich habe damals mit dem Justizminister eine Lösung gefunden, und in einem Memorandum of Understanding haben sich die USA bereit erklärt, künftig Rechtshilfegesuche einzureichen und auf einseitige Massnahmen zu verzichten. Das war ein totaler Erfolg, von unserer Seite gab es keinerlei Zugeständnisse. Die einzige Forderung der USA, das Rechtshilfeverfahren zu beschleunigen, hatte ich ohnehin schon im Programm. Die Krönung war für mich, dass ich von Ronald Reagan im Weissen Haus empfangen worden bin.

Erzählen Sie bitte etwas vom Besuch im Weissen Haus ...
Ronald Reagan ist eine sehr warme Persönlichkeit und war auch sehr gut gebrieft worden. Er wusste genau Bescheid über den Grund meines Besuches und über den Ausgang der Verhandlungen.

Hier sind Sie also mit Christoph Blocher einig, der sagt: Standhaftigkeit zahlt sich aus, die Amerikaner haben es nicht gern, wenn man nachgibt?
Ich bin dieser Ansicht, ja. Im Fall Roman Polanski war es dasselbe. Die Schweiz muss auf ihre Rechtsstaatlichkeit beharren.

Doch diesmal geht es um viel Geld. Glauben Sie nicht, dass die USA jetzt mehr Ausdauer an den Tag legen?
Es geht um viel Geld, aber das ändert nichts am Prinzip. Die USA haben sich bis jetzt völlig desinteressiert gezeigt, auch nach dem Nationalratsentscheid vom letzten Montag. Sie lassen die Schweiz schmoren. Und sie verhandeln nicht auf der richtigen Ebene mit uns, die Angelegenheit gehört ins State Department.

Das Parlament hat die Gruppenanfragen für die USA befürwortet. Ein falscher Entscheid?
Ja. Vor allem fehlt die rechtliche Grundlage. Ich weiss nicht, worauf sich diese Gruppenanfragen rechtlich abstützen sollen. Das Doppelbesteuerungsabkommen regelt, dass ein Bürger nicht in zwei Staaten besteuert wird. Wie man daraus Gruppenanfragen konstruiert, ist mir schleierhaft. Rechtsstaatlich fragwürdig ist auch, dass das Abkommen rückwirkend in Kraft gesetzt wird. Weiter hat das Parlament auch die Bedingungen für Gruppenanfragen verwässert. Ursprünglich hat man von Verhaltensmuster gesprochen, jetzt heisst es «Verhaltensweisen». Was ist das? Zudem muss die Schweiz beachten, dass Steuerdelikte in den USA nach Strafrecht geahndet werden, nicht wie bei uns nach Verwaltungsrecht. Es drohen in den USA viel härtere Strafen, deshalb müsste die Schweiz vorsichtiger sein und Rechtshilfegesuche verlangen, statt das Abkommen auf so dubiose Art ergänzen.

Darüber hinaus kritisieren Sie die im November 2011 in Kraft gesetzte Verordnung über die Rechtshilfe in Steuerfragen. Warum?
Die Verordnung ist abgestützt auf einen sehr umstrittenen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2009, das IRS-Amtshilfegesuche auch ohne Namensnennung als mit dem DBA vereinbar qualifiziert hat. Dass sich die Verordnung darauf abstützt, ist gleich zweifach problematisch, denn der Gesetzgeber ist doch das Parlament, nicht das Bundesverwaltungsgericht!

Ihre Partei, die FDP, vertritt im Steuerstreit mit den USA eine ganz andere Haltung als Sie.
Da ist einfach meine Meinung, ich bin nicht an eine Partei gebunden. Die FDP ist zudem eine liberale Partei und lässt auch abweichende Meinungen zu. Sie hatte damals auch keine Freude, als ich vor 30 Jahrendie Pflicht für Katalysatoren und bleifreies Benzin verlangt habe. Übrigens - weil heute Frauentag ist - haben die FDP-Frauen mit ihren Anliegen regen Zugang von Neumitgliedern, während die Stammpartei Mitglieder verliert. (baz.ch/Newsnet)

76 Kommentare

Hans Probst    08:45 Uhr     1 Empfehlung
 Allen die hier Fr.Kopp recht geben,empfehle ich das soeben neu erschienene Buch ROHSTOFFE.Ihr werdet nicht vom Staunen herauskommen was da abläuft und welche Rolle die neutrale Schweiz inne hat.Insbesondere Kopp/Rich.Öffnet die Augen liebe Eidgenossen warum sich die Schweiz so verhält und nicht anders.

Fritz Muheim    09.03.2012, 23:34 Uhr     11 Empfehlungen
 Frau Kopp hat absolut recht mit ihrer Analyse. Schade ist sie nicht mehr Bundesrätin. Eine Frau mit Rückgrat; sie würde sich nicht so über den Tisch ziehen lassen wie unsere heutigen Vertreter/innen. Für mich die erste und beste Frau, die die Landesregierung je hatte.

Cassandra Dürr    09.03.2012, 19:15 Uhr     3 Empfehlungen
 Frau Kopp vergleicht je zwei völlig unterschiedl. Problemlagen, Situationen u. polit.Gemengelagen miteinander. Also kann nichts raus kommen dabei. Im Übrigen hat das Bundesgericht sehr wohl eine gesetzgeberische Funktion, näml. dann, wenn Unklarheiten der Gesetzgebung abschliessend juristisch geklärt werden müssen! Dies ist Bestandteil des BV-Auftrags.

Walter Reinhart    09.03.2012, 19:05 Uhr     14 Empfehlungen
 Gute Stellungnahme von Frau Kopp. Sie hat recht. Die Kniefälle der Politiker sind peinlich. Dass man aber die Prinzipien der Rechtstaatlichkeit aufweicht, ist mehr als beschämend, das ist unqualifiziert und unbesonnen - ein Eigentor für die Zukunft.

Bruno Bänninger    09.03.2012, 19:03 Uhr     7 Empfehlungen
 Kopp? Noch nie gehört. "Kopp plädiert..." Ich plädiere dafür, dass diese Frau uns alle endlich verschont mir ihren ungefragten Ratschlägen. Bei der arroganten Dame wirken Ratschläge wie Schläge ins Gesicht ehemaliger "Untertanen". Madam, es ist genug.

Auguste Dubois    09.03.2012, 15:56 Uhr     15 Empfehlungen
 Ihre eigene Erfahrung sollte Frau Kopp eigentlich gelehrt haben, dass man sich in einer moralisch unhaltbaren Position am Ende immer dem Druck beugen muss. Ohne Werteunterbau ist jeder Rechtsstaat nur ein juristisch-technokratisches Gebilde aus Abläufen und Verfahren. Die Affäre "Marc Rich" trug sich in einer andern Zeit und unter ganz andern Vorzeichen zu und ist als Beispiel heute untauglich.

Bruno Bernasconi    09.03.2012, 15:26 Uhr     6 Empfehlungen
 Ein kleiner aber nicht unwesentlicher Unterschied, Frau aBR Kopp: Marc Rich hatte im Gegensatz zu den Schweizer Banken den US-Präsidenten (damals Bill Clinton) auf seiner Seite.

Willi Ammann    09.03.2012, 18:59 Uhr     10 Empfehlungen
 Stimmt nicht,der damalige Präsident war Ronald Reagan.Geht aus dem Interiew mit Frau Kopp deutlich hervor.
Diego Huber    09.03.2012, 15:16 Uhr     25 Empfehlungen
 So unterhaltsam Micheline Calmy-Rey auch war, sie hat ganz klar die Beziehungspflege v.a. zu unseren Nachbarn, aber auch zu den USA, stark vernachlässigt. Didier Burkhalter hat hier einiges aufzuholen. Die Welt besteht nicht nur aus dem Kosovo, das ist nicht böse gemeint, aber sie hat ihre Schwerpunkte immer in Krisenregionen gesetzt, anstatt mit den Hauptplayern einen guten Draht aufzubauen.
Alain Burky    09.03.2012, 21:38 Uhr     1 Empfehlung
 @Bruno Bernasconi:    Versuchen wir die Konklusion; Immer noch ein Hauptplayer (de facto); aber in einer schweren Krise .
..
Bruno Bernasconi    09.03.2012, 15:42 Uhr     13 Empfehlungen
 @Diego Huber: Wenn Sie mich fragen, ob die USA ein Hauptplayer oder eine Krisenregion sind, dann tendiere ich zu letzterem.
Hans Müller    09.03.2012, 15:03 Uhr     35 Empfehlungen
 Wo sie recht hat, hat sie recht. Gouverner, c'est prévoir, und Szenarien machen, und sicher nicht "erstaunt sein" wie man das zur Zeit von der Bundesratspräsidentin hört.

Andreas D. Meier    09.03.2012, 14:52 Uhr     16 Empfehlungen
 @Günter CH-Banker haben in den USA amerikan Recht gebrochen oder dazu angestiftet! Ist das so schwer zu begreifen? Auch Frau Kopp scheint damit ihre Probleme zu haben. Warum sollen da nicht US-Staatsanwälte ermitteln. Erstaunlich für eine Juristin und ehemalige Justizministerin. Ihr Vorgänger Hr. Friedrich hat da den besseren Durchblick! Die Amis lassen sich von uns nicht sagen wer verhandeln soll

Roman Günter    09.03.2012, 16:01 Uhr     22 Empfehlungen
 @Meier: Die Juristin sagt, für rechtliche Angelegenheiten haltet ihr euch bitte an den Rechtsweg. Staatliche Abkommen werden auf höchster Ebene ausgehandelt und nicht über die Agenda eines Staatsanwalts mit politischen Ambitionen.
Petra Schneiter    09.03.2012, 14:49 Uhr     13 Empfehlungen
 @Peter Einstein: der US-Botschafter sagte weiter:..... for the moment (für den Moment.....). Sagt doch alles, oder? Hinter der schweizerischen Weicheierei stecken handfeste Wirtschaftsinteressen!

Ernst Pauli    09.03.2012, 12:44 Uhr     10 Empfehlungen
 Ich schätze Frau Kopp sehr und grüsse Sie jeweils herzlich, wenn wir uns beim Spaziergang treffen. Aber ich denke, sie hat hier nicht in allem recht. In den USA hat sich seit ihrem Weggang aus dem BR einiges verändert.Wir und andere Nationen mussten es erleben. Dass hier in der Schweiz auch dubiose Geschäfte abgewickelt dürfte auch ihr bekannt sein (zB 2x 1/2 Mio Fr. (Schwarz?) Bargeld für SVP)

Fabian Meister    09.03.2012, 15:11 Uhr     3 Empfehlungen
 @ Hr. E. Pauli: Vielen Dank für Ihre jeweils sehr interessanten Kommentare: Die Geschichte mit den SVP Partei- Schwargelder wird von den Medien elegant unter den Teppich gekehrt. Ich als Finanzdiestleister hätte einen solchen Vorfall sofort der Geldwäscherei Meldestelle anzeigen müssen, ansosten hätte ich mit einer Busse, oder gar Ausschluss aus der GwG Organisation rechnen müssen...
Hans Lips    09.03.2012, 12:09 Uhr    60 Empfehlungen
 Da kann man Frau Kopp nur recht geben.Die in Berrn haben alles Selbstvertrauen verloren und nehmen - schon vor der Verhandlung - den Standpunkt des Gegners ein.Bern hat abgewirtschaftet und die Jungen werden die Rechnung bezahlen mit viel höheren Steuern und massier Teuerung.
Christian Loetscher    09.03.2012, 13:12 Uhr    20 Empfehlungen
 Wir alle bezahlen nun die Rechnung für die krummen Geschäfte, an denen sich jahrzehntelang einige wenige so richtig bereichert haben. Cooles Geschäftsmodell, wenn ich einen solchen Landen eröffne, kommt anderntags die Polizei. Allerdings nicht als Kunden...

Ernst Pauli    09.03.2012, 12:53 Uhr    14 Empfehlungen
 @Lips, Die in Bern sind gewählte Politiker mehrheitlich rechter Parteien. Die in Bern haben oft Grössenwahn und Unehrlichkeit gezeigt und wir haben bezahlt (Judengelder, Tinner-Akten, Luftverkehrsabkommen, UBS etc. etc.). Bestimmte Parteien habe viel dazu beigetragen, dass die in Bern Selbstvertrauen verloren haben. Wenn mE mit Schwarzgeld Schmutzkampagnen durchgeführt werden ist das nicht sauber.

Anna Marie Z'Graggen-Akaoui    09.03.2012, 12:02 Uhr    ? Empfehlungen
 Hier sind die "tapferen Schweizermannen" in der Ueberzahl! Eben hab ich einen Bericht gelesen, wonach nun auch der US Bundesstaat Georgia steuergünstige Packages offeriert. Frau Koch hat recht, weshalb zum Kuckuck sollen wir nicht unseren Rechtsstaat verteidigen? Sämtliche Abkommen, die CH mit USA bisher unterzeichnet hat, wurden nach Strich und Faden ignoriert, es folgen immer neue Forderungen!
martin meier    09.03.2012, 14:12 Uhr    15 Empfehlungen
 @Anna: Was ist ihr Verständinis von einem Rechtsstaat? Wie das Wort RECHT schon sagt, müsste er für Recht sorgen. ich weiss jetzt nicht genau ob für sie Schwazrgelder, Despotengelder, Drogengelder, Steuerbetrug etc.
alles Schlagwörter sind, die in einen Rechtsstaat gehören.....
peter einstein    09.03.2012, 13:16 Uhr    11 Empfehlungen
 "..............es folgen immer neue Forderungen!" Das ist richtig und - wenn Sie gestern den US-Botschafter in der Tagesschau gehört haben - so werden weitere Forderungen von den USA kommen. Der US-Botschafter zeigte sich nämlich lediglich "befriedigt" über die vom Nationalrat beschlossene Gruppenanfrage.
Hanspeter Niederer    09.03.2012, 11:56 Uhr    31 Empfehlungen
 Wenn ich die Kommentare von all den wackeren verängstigten Schweizern hier lese, würde Ueli Maurer wohl tosenden Beifall ernten, wenn er ankündigen würde, die Schweizer Armee mache mobil für einen Angriffs-Krieg gegen die USA ! Die feinen Bankster haben seit Jahrzehnten alles dafür getan, diesen Angriff auf das Schweizer Bankgeheimnis herbeizuführen. Und ich bin sehr froh um diesen Angriff !

Josef Rutz    09.03.2012, 11:36 Uhr    30 Empfehlungen
 Frau Kopp liegt da leider falsch, richtig wäre doch, die Schweiz müsste endlich im eigenen Land aufräumen und den kriminellen Aktivitäten gewisser privaten Banksters (gewerbsmässige Hehlerei im grossen Stil) ein Ende setzen (Art. 160 StGB), anstatt diese zu rechtfertigen und zu glauben, sie hinter einem fadenscheinigen Bankgeheimnis schützen zu müssen und somit alle guten Partner zu verärgern!

Roman Günter    09.03.2012, 12:20 Uhr    23 Empfehlungen
 Herr Rutz, woher beziehen Sie Ihre Informationen, dass die Gelder der Bankkunden in der Schweiz aus strafbaren Handlungen gegen das Vermögen stammen?

Ernst Rietmann    09.03.2012, 12:04 Uhr    24 Empfehlungen
 @Rutz. Dem ist nichts beizufügen. Leider geht auch Frau Kopp wie viele andere PolitikerInnen in keiner Weise auf die Gesetzesverstösse der Banker im Ausland ein und nimmt damit deren gesetzwidrigen Verstösse noch in Schutz. Gegen saubere Geschäfte der Banken hat mit Sicherheit niemand etwas. Es geht aber nicht an, dass CH Banker schützt, welche Delikte begangen haben.

John Kipkoech    09.03.2012, 11:20 Uhr    17 Empfehlungen
 Ja, und es gibt eine Kollision im Steuerrecht: während wir in der Schweiz Personen auf Grund ihres Wohnsitzes in der Schweiz (unabhängig von der Nationalität) besteuern, wollen die USA einfach alle US-Bürger besteuern - auch wenn sie im Ausland wohnen. Das gibt natürlich Probleme.
Arthur Künzler    09.03.2012, 11:53 Uhr    20 Empfehlungen
 Ja, wenn es nur um die paar reichen Amis ginge, die hier wohnen.... Aber es geht doch um Steuerbetrüger, die unsere Banken angeworben haben. Und mit einer solchen Strategie muss jetzt ein für alle Mal Schluss sein. Wann sieht man das endlich ein?
Martin Bürger    09.03.2012, 11:05 Uhr    55 Empfehlungen
 bravo Frau Kopp!

Fritz Kubli    09.03.2012, 11:02 Uhr    43 Empfehlungen
 Wir haben die Regierung, die wir gewählt und verdient haben. Wirbelsäule und Rückgrat sind zwei verschiedene Sachen

Deggi Mooltha    09.03.2012, 19:00 Uhr    4 Empfehlungen
 Was heisst hier WIR ? Meinen Sie die wenigen die noch wählen gehen ?
(30 -40 %) Der Rest hat die Volksvertreter nicht gewählt. Oder waren sog. Stummwähler. Interessant nicht wahr ?
Christian Loetscher    09.03.2012, 11:51 Uhr    8 Empfehlungen
 Aber bei genügend Druck zerbröseln eben beide. Die Folgen: Atemnot, Panik und eventuelle lebenslange Lähmungen, möglicherweises Ableben des Organismus. Wollen wir das? Entsorgen wir unsere Altlasten, dann entlasten wir auch unsere Wirbelsäule. Die herrlibergerlichen bürgerlichen Zeiten sind vorbei, es soll ja alte Politiker von Zürisee geben, die über den eigenen Rollator Partei stolpern...
Manuel Dopfer    09.03.2012, 10:53 Uhr    22 Empfehlungen
 Damals waren es andere Zeiten. Selbst ein Praktikant hätte im Fall Rich den USA die Strin geboten. Die frühere Frau Kopp würde in der heutigen Situation in dieser Angelegenheit ebenfalls scheitern.
Margot Helmers    09.03.2012, 14:06 Uhr    1 Empfehlung
 @Günter: Dann müssen wir halt andere Parlamentarier wählen... Die Situation wie zu Zeiten von Frau Kopp ist völlig anders, komplizierter.
Roman Günter    09.03.2012, 12:25 Uhr    15 Empfehlungen
 Möglicherweise. Aber das heisst doch nicht, dass heute nur noch Praktikanten im Parlament sitzen sollen.
Hans Werener    09.03.2012, 10:45 Uhr    76 Empfehlungen
 Wenn EWS nur hald so viel kraft hätte, FÜR die Schweiz zu politisieren, wären wir 10mal besser dran. Bravo Frau Kopp!
Tagi: Warum fragen sie immer die Leute, was Blocher sagt oder tut? Blocherphobie?

Michael S. Eichner    09.03.2012, 10:42 Uhr    20 Empfehlungen
 Leider hat die gute Frau Kopp keine Ahnung. Ausgerechnet jetzt, wo mal Tacheles geredet werden muss, will man wieder verschleiern. Ja, es geht um sehr viel Geld - um nicht deklariertes ausländisches Geld, bei welchem jede Bank auf jedem Franken durchschnittlich 100 Basispunkte verdient. Wir betrügen und alle wissen es. Apropos Rechtsstaatlichkeit: Die Todesstrafe ist auch rechtsstaatlich. Schande

bruno.karl schwarz    09.03.2012, 10:41 Uhr    59 Empfehlungen
 leider haben unsere heutigen bundesrätinen nicht mehr das format einer fr. kopp die sich für unser land auch voll einsetzt. nein, profilierungssucht und eigennutz ist der trend. und immer mehr gibts eine vor den wahlen--politik und eine nach den wahlen--politik.
gilt auch für bundesräte.

Kurt Blaser    09.03.2012, 10:36 Uhr    34 Empfehlungen
 Ist das nicht die Frau Kopp die Ihren Mann unrechtmässig bevorteilt hat und mit Luxusvilla keinen Franken Steuern bezahlt und wurde Marc Ritch nicht wegen massivem Steuerbetrug in Amerika gesucht und hat sich dann in die Schweiz nach Zug abgesetzt. USA die Stirn bieten, ok. aber nicht durch Frau Kopp, ist ja wie wenn ein Drogendealer schärfere Drogengesetze verlangt.

stefan rast    09.03.2012, 11:30 Uhr    9 Empfehlungen
 der drogenhändler mag schärfere gesetze. das hift ihm die preise hoch zu halten. so hat er luxusvilla. steuern wird er auf seinen gewinn auch nicht zahlen.
Lucca Gaffuri    09.03.2012, 10:55 Uhr    16 Empfehlungen
 "ist ja wie wenn ein Drogendealer schärfere Drogengesetze verlangt." Geiler Vergleich!!! Wer nicht mehr weiss, was Frau Kopp damals verbrochen hat, leidet unter derselben Altersdemenz. Sie stand den Banken in einer Zeit sehr nahe, in der jeder Schurke, Drogendealer + Diktator sein Geld in der CH hatte. Dank Ziegler + Co ist das nun etwas besser geworden, notabene ETWAS besser!
Gregor Bosshart    09.03.2012, 10:32 Uhr    69 Empfehlungen
 Ich habe das Heu nicht auf der gleichen Bühne wie Frau Kopp, aber dass sie die Rechstsstaatlichkeit ins Zentrum stellt, spricht für sie. Danke Frau Kopp für die deutlichen Worte, wäre schön, würden auch Bundesrat und Parlament die rechtsstaatlichen Überlegungen ins Zentrum rücken und nicht einfach den Bückling machen.... it's better to kneel down then to bend over...

Stefano Vitelli    09.03.2012, 10:26 Uhr    24 Empfehlungen
 Dieses Rückzugsgefecht in Raten ist nur noch erbärmlich und der Schweiz unwürdig. Frau Kopp versteckt sich hinter juristischen Detailfragen, verwaltungstechnischen Einzelheiten und weiteren Nebenaspekten, eine klassische Nebelgranate. Hier sollten viel grundsätzlichere Fragen gestellt werden: Ist das Bankgeheimnis moralisch überhaupt vertretbar? Meines Erachtens klar nein.

Roman Günter    09.03.2012, 12:41 Uhr    11 Empfehlungen
 Herr Vitelli, Sie glauben daran, dass das Bankkundengeheimnis per se moralisch schlecht ist und dass die Banken grundsätzlich moralisch fragwürdig arbeiten. Und Sie glauben daran, dass die USA berechtigterweise die Schweizer Gesetze nicht respektieren sollen. In Ihrem festen Glauben behaftet, verlangen Sie Massnahmen und genau darin sind Sie den Taliban näher als Sie vielleicht glauben.
Stefano Vitelli    09.03.2012, 10:45 Uhr    16 Empfehlungen
 @Günter: Nein, ich möchte dass die Schweiz dieses unsägliche Bankgeheimnis komplett abschafft. Die Verteidiger des Bankgeheimnisses inklusive Frau Kopp betreiben puren Legalismus, d.h. sie verstecken sich hinter Paragrafen, dabei ist dieses Gesetz in sich ungerecht. Schlussendlich stellt sich bei jeder Gesetzesänderung auch die Frage der Moral .Und noch was: Ihr Taliban-Vergleich hinkt massiv.....
Roman Günter    09.03.2012, 10:37 Uhr    37 Empfehlungen
 Sie wollen eine moralistische Staatsführung, Herr Vitelli? Die selbe Strategie fahren die Taliban, für die Schweiz ist das wohl eher ungeeignet.
Andreas D. Meier    09.03.2012, 10:25 Uhr    20 Empfehlungen
 Alles Träumer und Naivlinge! Wir befinden uns im Jahre 2012,wo lebt Frau Kopp? Ihre Argumente stammen noch aus den 80er Jahren! Alles lange vorbei! Wird Zeit wenn das endlich kapiert wird! Im Übrigen haben ja die Banken den BR zum Einlenken im Sinne der USA aufgefordert, Frau Kopp scheint das entgangen zu sein!
Die realistischen Banker haben die Zeichen der Zeit erkannt, nichts so Frau Kopp!

Roman Günter    09.03.2012, 12:51 Uhr    13 Empfehlungen
 Herr Meier, genau darum erklärt Frau Kopp, dass diese Angelegenheit mit dem 'State Department' und nicht über irgendwelche subalterne Beamte oder gar mit Staatsanwälten direkt verhandelt werden sollte. Ist das so schwer zu verstehen? Trotz sehr strikter Gewaltentrennung in den USA, sollte doch zuerst der ordentliche politische Prozess durchzuspielen versucht werden.

Andreas D. Meier    09.03.2012, 11:30 Uhr    5 Empfehlungen
 @Bosshart so ein Quatsch! Die UBS wäre bei einer Anklage in den USA und Entzug der dortigen Lizenz schlicht und ergreifend Pleite gegangen, darum musste sie einlenken! Warum hat den Hr. Hummler die Bank Wegelin wegen der US-Gesch. aufgeben müssen, bzw. warum musste er einen Teil an Raiffeisen verkaufen? Der meinte ja auch, er sei ganz ein Schlauer! Standhaft war Herr Hummler nicht aber ein Realist
Patrick Frei    09.03.2012, 11:30 Uhr    17 Empfehlungen
 Dieses Argument kann ich schon gar nicht mehr hören!! Was hat das mit dem Jahr 2012 zu tun? Was ist anders als vor 20 Jahren? Weshalb muss man sich heute vorschreiben lassen, was man zu tun hat? Das ist genau die Kapitulationshaltung, die wir nicht brauchen!
Gregor Bosshart    09.03.2012, 10:47 Uhr    29 Empfehlungen
 @Meier: Sie sind falsch informiert, der damalige CEO der UBS war bereit, die fehlbaren Banker an die USA auszuliefern, der Bundesrat wollte dies aber nicht und fuhr die falsche Strategie der Anbiederung und des vorauseilenden Gehorsams, what a shame. Und Sie haben das nicht mal mitgekriegt, tun so als ob Sie alles wüssten? Nix kapiert, ein weiteres Opfer der Propaganda...
peter lauener    09.03.2012, 09:52 Uhr    60 Empfehlungen
 Widmer-Schlumpf gibt allem internationalem Druck nach, auch beim IWF. Wieso???? Vielleicht steuert sie schon ein neues Jöbchen an: Präsidentin vom IWF und will sich jetzt im Ausland beliebt machen.
Hans Wuersch    09.03.2012, 09:46 Uhr    53 Empfehlungen
 Ich unterstütze die Meinung von Fr. Kopp auf der ganzen Linie. Es ist sehr bedenklich, dass sich unser Parlament Vereinbarungen dieser Tragweite von einer untergeordneten ausländischen Behörde aufdrücken lässt. Hier fehlt es deutlich an Verhandlungsgeschick und Mut.
Wolfgang Hürlimann    09.03.2012, 09:46 Uhr    12 Empfehlungen
 Fr. Kopp begeht die gleichen Fehler wie alle Politiker, Ökonomen, Historiker, Politologen etc.: Sie vergleicht Äpfel mit Birnen. Andere Zeiten, andere Mittel Fr. Kopp. Dabei wissen wir doch alle, dass die Situation, also der Zeitpunkt ausschlaggebend über Erfolg oder Misserfolg ist. Historie lehrt uns Menschen nur, dass wir unbelehrbar sind + nicht besseren Wissens handeln!

Petra Kaiser    09.03.2012, 09:43 Uhr    53 Empfehlungen
 ja, da kann man sich schon fragen, welshalb wir immer einknicken. ob bei steinbrück oder den amis. immer senken wir den kopf und finden tausend gründe um uns schuldig zu sprechen. Wann sind wir schweizer nur zu weicheiern geworden??? wir verlieren den mut schon, bevor wir kämpfen.

Urs Holzapfel    09.03.2012, 22:01 Uhr    0 Empfehlung
 Liebe Frau Kaiser,wenn keine geschäftlichen Beziehungen zur Schweiz bestehen,braucht die CH sich selbstverständlich nicht um ausl. Steuergesetze zu scheren.Beim Schwarzgeld jedoch liegt eindeutig eine Geschäftsbeziehung eines Steuerbetrügers zur CH vor;also hat die CH sich notgedrungen um den ganzen Rattenschwanz ausländischer Steuergesetze zu kümmern.Doch ganz einfach,nicht wahr ;-)
Petra Kaiser    09.03.2012, 14:03 Uhr    11 Empfehlungen
 Liegt es dem im Interesse des Schweizers, dass wir uns um alle ausländischen Steuersysteme kümmern müssen????
Urs Holzapfel    09.03.2012, 11:06 Uhr    13 Empfehlungen
 Die Schweiz knickt nicht ein;die heutigen Politiker der Schweiz machen nur das,was ihre Aufgabe ist: Sie vertreten CHer Interesse mit Bezug auf die internationale Realität,nicht mit verklärtem Blick auf vergangene Zeiten,als die CH mit ihrer Schwarzgeldindustrie noch nicht so im Fokus stand.Für Wunschdenken gibt es ja die Stammtische ;-)
Hans Huber    09.03.2012, 09:41 Uhr    85 Empfehlungen
 Kluge Frau

Benjamin Meier    09.03.2012, 09:41 Uhr    89 Empfehlungen
 Frau Kopp, kommen Sie zurück in die Politik! Solche Leute fehlen bei uns ganz offensichtlich, die mit starkem Verstand und Persönlichkeit UNSERE Interessen vertreten und nicht immer und überall gleich einknicken.

Roland Stricker    09.03.2012, 09:40 Uhr    57 Empfehlungen
 Super geschrieben von Frau E. Kopp. Ich kann eh nciht verstehen, dass eine liberale Parei dieser Gruppenanfrage zustimmen kommte. Die FDP will in ihrem Grundgedanken Arbeitsplätze erhalten. Mit diesem Verhalten hat sie sich aber einen Bärendienst erwiesen.

Urs Peter Fehlmann    09.03.2012, 09:37 Uhr    80 Empfehlungen
 Chapeau , Frau Kopp. Recht haben Sie !! Hoffentlich lesen auch viele SP Parlament-Mitglieder dieses Interview, als auch viele FDP-Nachlaeufer !!

Stefan Aeschimann    09.03.2012, 09:20 Uhr    84 Empfehlungen
 Es ist eigentlich ein Armutszeugnis für die aktuelle Politik, dass nur noch alt Bundesräte zwischen den Werten der Schweiz (Freiheit, Rechtsstaat, Selbstbestimmung, Vertrauen, Privatsphäre) und den Werten der anderen zu unterscheiden wissen.

Arthur Spieser    09.03.2012, 09:20 Uhr    74 Empfehlungen
 Danke, Frau Kopp. Endlich mal eine glasklare Meinung, die meine volle Unterstützung findet.

Hanspeter Niederer    09.03.2012, 09:09 Uhr    34 Empfehlungen
 Die gute Frau ist stolz, dass sie sich als BUNDESRÄTIN für Marc Rich, den Rohstoff-Gauner und aktiven Unterstützer des südafrikanischen Apartheid-Regimes eingesetzt hat? Ich fass es nicht ! Typisch FDP. Bitte Mikrophon abschalten.

Roland Luder    09.03.2012, 10:25 Uhr    43 Empfehlungen
 Herr Niederer: Ging es im obigen Text um Herr Rich oder um die Sache? ich denke eher das zweite. Der Rest muss ein Gericht klären oder musste. Ich mag die Kommentare hier nicht, die total neben dem Thema vorbeischreiben.
cristiano safado    09.03.2012, 09:04 Uhr    84 Empfehlungen
 Bravo Frau alt-Bundesrätin Kopp für diese deutlichen Worte!

Elmar Jabenlerg    09.03.2012, 09:01 Uhr    64 Empfehlungen
 Ich mag Frau Kopp nicht, aber ich kann, darf, muss, will sagen: Frau Kopp hat in dieser Sache vollumfänglich, umfassend und in jeder Einzelheit Recht.

Patrick Frei    09.03.2012, 08:56 Uhr    91 Empfehlungen
 Gratuliere!! 100% einverstanden mit den Aussagen von Frau Kopp!! Nur bezweifle ich, dass die derzeitigen Bundesratsvertreter den nötigen Mumm aufbringen werden.


Kommentare
Basler Zeitung    9.März 2012

«Ich wäre viel härter vorgegangen»
Von Thomas Lüthi.

Ex-Justizministerin Elisabeth Kopp vermisst eine Strategie des Bundesrates gegen die USA. Auch in ihrer Amtszeit spürte sie politischen Druck aus Übersee und bot erfolgreich die Stirn, argumentiert sie im BaZ-Interview.
Konsequenter: Die frühere Justizministerin Elisabeth Kopp (FDP) vermisst ein entschlossenes Vorgehen des Bundesrates gegen die USA. Bild: Moritz Hager

Der Bundesrat sollte entschlossener gegen den amerikanischen Druck im Steuerstreit mit der Schweiz vorgehen. Das fordert alt Bundesrätin Elisabeth Kopp (75). Sie war von 1984 bis zu ihrem Rücktritt im Januar 1989 Justizministerin. Auch sie machte Erfahrungen mit den USA, die ihr Recht auf Schweizer Boden mit politischem Druck durchzusetzen versuchten.

Frau Kopp, warum lässt sich der Bundesrat von den US-Justizbehörden so stark unter Druck setzen?
Ich weiss nicht. Ich habe als Justizministerin erfahren, dass man bei den Amerikanern viel mehr Chancen hat, wenn man ihnen entschlossen entgegentritt.

Sie sprechen den Fall des in der Schweiz wohnhaften Rohstoffhändlers Marc Rich an, der in den Achtzigerjahren von den amerikanischen Behörden wegen Steuerdelikten verfolgt wurde?
Ja, die Amerikaner wollten von Rich Geschäftsunterlagen, ohne vorher ein Rechtshilfegesuch gestellt zu haben. Der Bundesrat weigerte sich. Rich blieb standhaft, trotz einer hohen Beugebusse gegen eine seiner Firmen in den USA. Die Amerikaner wollten ihn sogar aus der Schweiz entführen. Das gelang ihnen aber nicht. Ich war damals Justizministerin und sagte: Nein, das geht so nicht. Ich flog nach Washington und verlangte von den Amerikanern Zugeständnisse, dass sie sich an den Rechtsweg halten.

Der Bundesrat zu Ihrer Zeit hätte sich wohl nicht gefallen lassen, was der aktuelle Bundesrat zulässt – nämlich, dass die Schweiz von den USA dermassen unter Druck gesetzt wird.
Ich hätte mich dagegen verwahrt. Wir hatten damals Erfolg. Die Amerikaner akzeptierten unsere Forderungen im Fall Rich und sagten, sie würden sich an den Rechtsweg halten – ohne, dass wir Konzessionen machen mussten. Ich verhandelte aber mit dem Justizminister persönlich und nicht mit untergeordneten Behörden.

Warum lässt sich der Bundesrat jetzt alles gefallen von den Amerikanern?
Ich befürchte, dass er keine Strategie hat. Man muss auch sehen: Man will in unserem Land ja auch gar keine mächtigen Leute. Starke Persönlichkeiten sind bereits verdächtig.

Sie meinen, der Bundesrat ist schwach?
Nein, aber er geht sehr pragmatisch vor. Das mag für die Alltagspolitik hinhauen. Aber sobald schwere Probleme auftauchen, geht es nicht mehr ohne eine Strategie. Es kommt mir so vor: Der Bundesrat soll in der Alltagspolitik als Propellerflugzeug funktionieren. Dann kommt eine Krise, und vom Bundesrat wird verlangt, dass er sich in einen Kampfjet verwandelt.

Wie sollte diese Strategie aussehen?
Ich will niemanden kritisieren. Aber ich wäre viel härter vorgegangen.

Was heisst das, hätten Sie sich gleich bei Präsident Obama beschwert?
Nein, aber ich hätte nur mit dem Aussenministerium verhandelt und nicht mit Behörden. Wir sind zwar ein kleiner, aber ein souveräner Staat. Ich reagiere sehr empfindlich, wenn man die Souveränität der Schweiz an-greift – der Grössenunterschied zwischen der Schweiz und den USA spielt für mich keine Rolle.

Müsste Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf noch mehr versuchen, direkt mit US-Ministern zu verhandeln?
Ja, das würde ich schon meinen.

Inwiefern verletzen die USA die Souveränität der Schweiz mit ihren Drohungen, Schweizer Banken anzuklagen?
Die Amerikaner stellen masslose finanzielle Forderungen. Sie stürzten die Schweiz in das Dilemma, entweder eine politische Lösung zu finden, die aber rechtsstaatlich nicht wasserdicht ist, oder dann strikt rechtsstaatlich vorzugehen. Im Grunde hat ein Kleinstaat wie die Schweiz nur die Rechtsstaatlichkeit als «Waffe».

Die Amerikaner drohen, reihenweise Schweizer Banken anzuklagen. Der Bundesrat kann es sich gar nicht leisten, den USA die Stirn zu bieten und auf den rechtsstaatlichen Weg zu pochen.
Für diese Überlegung spricht sehr viel. Der Bundesrat muss abwägen, wie er angesichts der Klagedrohungen vorgehen will. Er hat sich für den politischen Weg entschieden und nicht für den rechtsstaatlichen. Der Bundesrat hätte allerdings Zeit gehabt, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, um den Amerikanern Rechtshilfe zu gewähren. Das hätte er spätestens 2009 mit dem UBS-Vertrag machen sollen.

Was wäre, wenn sich der Bundesrat den amerikanischen Forderungen einfach widersetzen würde. Liessen die US-Behörden dann unsere Banken einfach hopps gehen?
Das ist schwer zu sagen. Mit der Anklage gegen die Bank Wegelin setzten die US-Behörden jetzt ein Zeichen. Auf der anderen Seite nutzt die Schweiz ihre Möglichkeiten in den USA einfach zu wenig.

Was meinen Sie damit?
Die Schweiz hat in den USA treue Verbündete, etwa die frühere US-Botschafterin in der Schweiz, Faith Whittlesey. Sie steht auf unserer Seite. Es gäbe auch Publizisten, die für die Schweiz schreiben könnten.

Davon hört und sieht man aber nichts.
Nein, gar nichts. Aber diese Kontakte sollte man von der Schweiz aus pflegen. Wir müssten in den USA Mediendruck erzeugen können. Aber die Schweiz sucht auch in Europa keine Verbündeten. Sie ist völlig isoliert.

Die Schweiz ist Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Diese will Anfragen über Gruppen von möglichen Steuerhinterziehern aufgrund von Verhaltensmustern bald zum Standard erheben. Wie verbindlich sind diese Standards für die Schweiz?
Gar nicht, sie sind nicht verbindlich. Diese Standards werden einfach übernommen, wie die Schweiz das in vorauseilendem Gehorsam ja auch tut. Die OECD ist eine zwischenstaatliche Organisation, die Empfehlungen abgibt, die in der Regel befolgt werden.

Was würde passieren, wenn die Schweiz sich weigerte, diese OECD-Standards zu übernehmen.
Die Schweiz würde sich einmal mehr isolieren, sofern alle anderen OECD-Staaten diese Standards übernähmen. Der Schweiz wurde wegen ihres Bankgeheimnisses schon 2009 angedroht, auf eine schwarze Liste der OECD zu kommen. Sie knickte damals sofort ein und gab nach. (Basler Zeitung)

22 Kommentare

Marie V.Roth    10:55 Uhr     0 Empfehlung
 Frau Kopp spricht dem Volk aus der Seele. Frau Kopp hat von den Verhandlungen und der tatsächlichen Situtation sowenig eine Ahnung wie das Volk. Jänu. Frau Kopp hat sich oft über das Bashing und den daraus entstandenen Volkszorn - der selben Volksseele- den sie aus dem Amt geschwemmt hat, beklagt. Sie speist nun unbedarft diese Volksseele. Mich ekelt. Hoffentlich ist sie zumindest stolz darauf.

Mike Meier    11:40 Uhr     1 Empfehlung
 @Frau Roth    Was genau wollen Sie sagen? Wollen Sie damit sagen, dass die oben erwähnten Themen und deren Bedeutung für die Schweizer Wirtschaft vom Volk nicht verstanden wird? Oder meinen Sie, Frau Kopp versteht nichts von Strategie und Verhandeln von grossen Zwischenstaatlichen Problemen?
damian meier    09.03.2012, 18:58 Uhr     3 Empfehlungen
 Was diskutieren wir immer und immer wieder das gleiche Thema? Diese Regierung wurde vom Volk gewählt, also findet euch bitte mit deren Tun und Handeln ab. War ja sonnenklar, dass der Euphorie bald der Kater folgen würde.

Carlo Schnydrig    09.03.2012, 15:31 Uhr     19 Empfehlungen
 Frau Kopp, Sie sprechen mir aus der Seele. Sicher ist, dass unserer Regierung die nötige "Härte" gegenüber Drittstaaten und der EU abgegangen ist. Mit der heutigen lobbygesteuerten"Bücklingspolitik" gegenüber der USA kann kein "Streit" gewonnen werden. Die intelligenten Köpfe sind heute eben in der Privatwirtschaft und nicht mehr in der Politik. Zudem sollte mit "Egotrieben" Schluss gemacht werden

Arnold Ganz    09.03.2012, 14:23 Uhr     18 Empfehlungen
 @Marcel Pfister: Es würde den amtierenden Bundesrat sicher keinen Zacken in der Krone kosten, wenn er ein paar Ratschläge, wenn auch aus den 80-er-jahren, beherzigen würde. Für hochmütiges Zurückschauen, besteht angesichts der schwelenden, ungelösten Probleme, nun wirklich nicht der geringste Anlass!

Marcel Pfister    09.03.2012, 17:25 Uhr     0 Empfehlung
 Es geht ja hier auch nicht darum, dass amtierende Bundesrate sich keine Ratschlaege erteilen lassen oder lassen sollen. Ich glaube einfach nicht, dass Frau Kopp sich der heutigen Umstaende bewusst ist. Sie ist - mit Verlaub - zu weit weg um sich ein konkretes Bild der Situation zu verschaffen. Das mit Faith Whittlesey ist zwar nett gemeint, aber auf der Naivitaetsskala ganz weit oben.
Marcel Pfister    09.03.2012, 13:07 Uhr     9 Empfehlungen
 Wir schreiben das Jahr 2012 und das ist wohl mit dem 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kaeumlich vergleichbar. Ich halte nichts davon, dass Alt-Bundesraete in der Presse mit ungebetenen Ratschlaegen hausieren.
Anton Keller    09.03.2012, 22:56 Uhr     2 Empfehlungen
 Auch der BR hat kein Monopol auf gute Ideen. In unserem Milizsystem sind auch altBR souveräne Bürger die mithelfen mögen aus dem Ruder laufenden Entwicklungen mit Tiefgang, Weitsicht + Courage erfolgsträchtig entgegenzutreten. Umsomehr wenn nicht unsere Banken sondern die IRS-Peiniger massiv US-Recht verletzt haben + altbewährte Beziehungen wieder auf Kiel zu bringen sind (www.solami.com/MCR.htm).

Matti Hoch    09.03.2012, 14:17 Uhr     27 Empfehlungen
 ..aber in den meisten Argumenten hat Frau Kopp Recht...und die Gepflogenheiten, die sie anspricht, gelten auch heute noch...doch leider haben wir keine Menschen mehr mit Rückgrat im BR...leider leider leider!!!!!!

Peter Rusterholz    09.03.2012, 12:05 Uhr     24 Empfehlungen
 Endlich eine Politikerin die ausspricht was viele denken. Man muss überzeugt sein, wenn man sich gegen dreiste Forderungen wehren will. Offenbar sehen heute die meisten Politiker die Schweiz als etwas an, das keine Berechtigung mehr hat und am besten (dem tieferen Mittelmass angepasst) stets irgendo integriert gehört. Sind aber diese Leute auch bereit sich dem tieferen Lebensstandard anzupassen?

Mike Meier    09.03.2012, 11:54 Uhr     19 Empfehlungen
 Wer in der Wirtschaft als Wettbewerbsteilnehmer im Markt seine Dienstleistungen erfolgreich verkauft - der kann Verhandeln, dessen Fähigkeiten wurden per se geschärft.
Wer als Staatsangestellter seine Dienstleistungen erfolgreich verkauft, weiss bestenfalls etwas über Budgets.
Letzteres gilt leider auch für einen Bundesrat wenn er vorher im Berufsleben z.B. Finanzdirektor eines Kantons war.

will williamson    09.03.2012, 11:49 Uhr     25 Empfehlungen
 Frau Kopp war nie meine spezielle Freundin. Aber mit diesen Aussagen wird sie mir direkt sympathisch. Es ist doch tatsächlich deprimierend, zu sehen wie der Bundesrat gegenüber dem Ausland überall einknickt. Man könnte meinen, wir wären eine Bettlernation schlimmer als Griechenland.

Paul Meyer    09.03.2012, 10:59 Uhr     57 Empfehlungen
 Schön zu lesen, wie Frau Elisabeth Kopp in alter Frische die Situation beurteilt. Ich stimme ihr vorbehaltlos zu. Der heutige Bundesrat knickt zu oft und zu früh ein, das liegt nicht im Landesinteresse. Offenbar fehlt es im Bundeshaus nicht nur an der Strategie, sondern auch an der Professionalität. Und am Sinn für die richtige Verhandlungsebene: der Schmid ist gefragt, nicht der Schmidli!

Paul Meyer    09.03.2012, 15:25 Uhr     10 Empfehlungen
 @Chr. Loetscher: Es gibt immer etwas zu verhandeln! Das ist eben die Kunst der Diplomatie - auch in scheinbar ausweglosen Situationen Wege zu finden, um mit dem Partner / Gegner zu einem Resultat zu kommen; früher konnten das unsere Unterhändler sehr wohl - und, wie Frau Kopp bewiesen hat - auch Bundesräte. Wie im Geschäftsleben kommt es darauf an, mit wem auf welcher Stufe man verhandelt...

Christian Loetscher    09.03.2012, 11:15 Uhr     7 Empfehlungen
 Das lese ich immer gerne, dass wir nur einfach härter verhandeln sollten! Wie Winkelried, das war zwar dummerweise ein 100%-Verlust, aber er hat sich engagiert. Sagt man. Nur: was wollen Sie verhandeln, wenns nichts zu verhandeln gibt? Wie wollen Sie noch reden, wenn Sie eine Faust am Kragen packt und Ihnen die Luft abschnürt? Ein irdener Topf versucht einen eisernen in Scherben zu schlagen...
walter wellinger    09.03.2012, 10:49 Uhr     51 Empfehlungen
 es gäbe da eine alternatieve, ganz einfach widmer- schlumpf raus, eine starke frau rein, elisabeth kopp hat den charakter die stärke, die voraussetzungen und härte, sich für die schweiz einzusetzen, sie auch zu hart verteidigen, solche frauen gehöreten in den bundesrat, und nicht machtbessesene versagerrinnen.

G. Meier    09.03.2012, 10:37 Uhr     16 Empfehlungen
 Ein bisschen vermessen, einen Vorgang aus den 80er-Jahren mit der aktuellen Lage zu vergleichen. Sie will zwar niemanden kritisieren, tut es aber aufs Heftigste. Auch wenn sie Recht hat, so gilt es nach wie vor als ungeschriebenes Gesetz, dass sich Alt-Bundesräte nicht als Berater des aktuellen Gremiums profilieren sollten; vor allem dann nicht, wenn man selber über eine Affäre gestolpert ist.

Mirko Müller    09.03.2012, 14:57 Uhr     8 Empfehlungen
 Stimmt, denn in den 80ern als die Welt voller Frieden und Liebe war, hat man auch nicht wirklich gedroht im Fall Rich...natürlich ist der Fall vergleichbar, sehr sogar.Als weiteres Beispiel lässt sich auch die NaziGold Affäre zeigen, wo ebenfalls besser agiert worden ist! Zudem ist es sicher richtig, dass sich auch AltBR kritisch zu Wort melden - das nennt man Demokratie!!!
hans-ueli hunziker    09.03.2012, 10:27 Uhr     18 Empfehlungen
 ... sie wäre besser mit sich selbst und ihrem mann viel härter gewesen, vor langer langer zeit. wer einmal lügt, ...

Christian Loetscher    09.03.2012, 10:21 Uhr     19 Empfehlungen
 Ach, Frau Kopp, die Zeiten haben sich nun etwas geändert, man kann heute nicht mehr alles mit einem einzigen Telefonanruf regeln ;-) Geniessen Sie doch einfach Ihren vergoldeten Ruhenstand.

Petar Popangelov    09.03.2012, 10:11 Uhr     17 Empfehlungen
 Auf die Äusserungen einer aus dem Amt getriebenen Betrügerin hat die Schweiz ja gewartet...

Paul Meyer    09.03.2012, 16:29 Uhr     6 Empfehlungen
 @Petar Popangelov: Ich hoffe, dass Sie ein Phantom sind, denn Ihr Beitrag bewegt sich auf dem Niveau der untersten Schublade und hat in der politischen Diskussion, wie wir sie in unserem Land zu pflegen führen, keinen Platz!



Tages-Anzeiger, Bund, Basler-Zeitung    9.März 2012
re:  «Ich plädiere für Standhaftigkeit» / «Ich wäre viel härter vorgegangen»
... Die Amis lassen sich von uns nicht sagen wer verhandeln soll (Andreas D. Meier, 14:52)

Anton Keller (9.März 2012  20:28) (zensuriert)
Oh doch, wenn wir ihnen auf dem richtigen Kanal klarmachten, mit wem wir bereit sind beidseitig zufriedenstellende Lösungen auszuloten und mit welchen flat earth fellows nicht. Übrigens: nicht unsere Banken, sondern die IRS hat US-Recht verletzt und der US-Senat ist daran ihren ausser Kontrolle geratenen Grossmäulern zu zeigen, wo der Bartli den Most zu holen hat (www.solami.com/iconoc.htm#pawn).

... das Bundesgericht [hat] sehr wohl eine gesetzgeberische Funktion (Cassandra Dürr, 19:15)
Anton Keller (10.März 2012  10:07)    Unser Staat ist kein Richterstaat(zensuriert)
und weist dem Richter nur die Füllung echter Gesetzeslücken zu (1 ZGB). Unechte, vom Parlament gewollte Lücken sind zu beachten. Vorliegend sind Gruppenanfragen Ordre public-, DBA- und Interessen-widrig & von keinem Richter zuzulassen. Das Parlament desavouiert sich selbst durch nachhecheln (www.solami.com/iconoc.htm#GPK).

... kriminellen Aktivitäten gewisser privaten Banksters (Josef Rutz, 11:36)
Anton Keller (10.März 2012  15:40)    US-Kunden-Samariter Wegelin hat mit IRS QI-Abkommen    (zensuriert)
Nochmals: Auch US-Kunden-Samariter Wegelin hat mit IRS das QI-Abkommen unter Dach, ist damit autorisiert & verpflichtet aktuelle & künftige Kunden auch in USA über QI re Steuerumgehung & Geldwäsche zu beraten (www.solami.com/kingpin.htm ¦.../MCR.htm ¦ .../iconoc.htm#query). IRS, nicht CH-Banken haben US-Recht massivst verletzt, IRS-Angriffe & Anklagen sind Rauchbetarden, kein Anlass für Bücklinge!.

... ungebetenen Ratschlaege (Marcel Pfister, 13:07)
Anton Keller (9.März 2012  22:56) Auch der BR hat kein Monopol auf gute Ideen.
 In unserem Milizsystem sind auch altBR souveräne Bürger die mithelfen mögen aus dem Ruder laufenden Entwicklungen mit Tiefgang, Weitsicht & Courage erfolgsträchtig entgegenzutreten. Umsomehr wenn nicht unsere Banken sondern die IRS-Peiniger massiv US-Recht verletzt haben & altbewährte Beziehungen wieder auf Kiel zu bringen sind (www.solami.com/MCR.htm).

Paul Meyer (9.März 2012  10:59) Der Schmid ist gefragt, nicht der Schmidli!(zensuriert)
Schön zu lesen, wie Frau Elisabeth Kopp in alter Frische die Situation beurteilt. Ich stimme ihr vorbehaltlos zu. Der heutige Bundesrat knickt zu oft und zu früh ein, das liegt nicht im Landesinteresse. Offenbar fehlt es im Bundeshaus nicht nur an der Strategie, sondern auch an der Professionalität. Und am Sinn für die richtige Verhandlungsebene: der Schmid ist gefragt, nicht der Schmidli!

Anton Keller (9.März 2012  23:26)    Wegelin steht als Samariter grad    (zensuriert)
Mehr noch. Es fehlt auch unter den Bankiers an Solidarität mit den verratenen Kunden (nur Wegelin steht als Samariter grad), und an Fähigkeit & Willen die Tatsachen beim Namen zu nennen: die IRS ist die weltgrösste Geldwaschmaschine (www.solami.com/kingpin.htm). Als Nebelpetarde greift sie unsere Bücklinge an um ihr unkontrolliertes kriminelles Tun zu verbergen. US-Senat ist ihr auf den Fersen.
... Winkelried, das war zwar dummerweise ein 100%-Verlust (Christian Loetscher 11:15)
Anton Keller (9.März 2012  23:53) ARIGIN (Arroganz, Ignoranz & Inkompetenz) ist eine gefährliche Mischung,(zensuriert)
ein Fehlschlagsrezept für Verhandlungen zwischen ungleichen Partnern. Winkelried ist Beispiel für erfolgreiche assymetische Kriegsführung. Wenn unsere Unterhändler unsere Karten mit mehr Tiefgang, Weitblick und Courage spielten, hätten wir bald Oberwasser gegenüber der IRS (www.solami.com/iconoc.htm#query).




Neue Zürcher Zeitung    18. März 2012

Die Schweiz sollte in den USA viel offensiver auftreten
Im Steuerstreit lässt sich die Schweiz von den Vereinigten Staaten piesacken.
Es ist Zeit für eine PR-Kampagne, die zeigt, wie die Schweiz für die Freiheit einsteht,
meint Richard W. Rahn

Die USA, andere Staaten und die OECD drängen die Schweiz, ihre Steuergesetze zu ändern und das Bankgeheimnis weiter zu lockern. Wie weit sollte die Schweiz diesen Forderungen entgegenkommen, und was kann sie zu ihrem eigenen Schutz tun?

Eines der wichtigsten Grundrechte ist das Recht auf Selbstschutz, welches das Recht einschliesst, sich und seinen Besitz zu schützen. In vielen Ländern, selbst in manchen Demokratien, wird dieses Recht nicht respektiert. Die Schweiz ist bekannt dafür, dass sie den finanziellen Besitz nicht nur der eigenen Bürger schützt, sondern auch denjenigen ausländischer Staatsbürger, die ihre autoritäre oder korrupte Regierung fürchten müssen. Die Schweizer können mit gutem Grund stolz auf ihre Politik sein.

Jeder Staat hat das Recht, seine eigenen Steuergesetze zu erlassen. Die amerikanischen Steuergesetze sind ein einziges Chaos. Politiker und Kommentatoren, ob links oder rechts, halten eine grundlegende Steuerreform für unerlässlich. Das Steuerrecht, ein Gesetzeswerk von rund 77 000 Seiten, ist derart kompliziert und widersprüchlich, dass niemand richtig durchblickt – auch Schweizer Banker und Offizielle nicht. Es benachteiligt Sparer und Anleger, behindert Wirtschaftswachstum und Kapitalbildung.

Von vielen akademischen Einrichtungen und politischen Verbänden hierzulande wird schon lange darauf hingewiesen, dass es dem Staat nicht zusteht, seine Steuergesetze auf eigene Bürger und Unternehmen im Ausland anzuwenden, geschweige denn, im Ausland lebende Nichtamerikaner zur Einhaltung der amerikanischen Steuergesetze zu verpflichten. In den letzten Jahren hat Washington – mit regelmässigen Haushaltsdefiziten von knapp vierzig Prozent des Bruttoinlandprodukts – eine unverantwortliche Fiskalpolitik betrieben. Darum stehen die Finanzbehörden unter immensem Druck, rücksichtslos Steuern einzutreiben, ganz gleich, was dies für das Wirtschaftswachstum, die Freiheit des Einzelnen oder die Beziehungen zum Ausland bedeutet. Nun wird die Schweiz zum Sündenbock einer falschen Fiskalpolitik gemacht.

Viele Schweizer glauben, sie müssten den USA, der OECD und anderen Staaten noch weiter entgegenkommen. Eine solche Appeasementpolitik ist problematisch, weil das Ausland immer neue Forderungen stellen wird. Die Schweiz muss selbst entscheiden, bis zu welchem Punkt sie bereit ist, Informationen über Bankkunden weiterzugeben. Und diese Entscheidung sollte dann resolut verteidigt werden.

Die Schweiz hat in Sachen Steuerstreit und Bankgeheimnis keinen sonderlich guten Ruf bei uns, denn kaum jemand tritt hier öffentlich für sie ein. Sie sollte unbedingt mehr für ihr internationales Image tun. Ich könnte mir eine Kooperation von Schweizer Privatinstitutionen und der Schweizer Regierung mit ihren natürlichen Verbündeten in den USA vorstellen, namentlich jenen Organisationen und Think-Tanks, die für die freie Marktwirtschaft eintreten, für möglichst wenig Staat, für freien Handel und ungehinderten Kapitalverkehr.

Die Schweizer könnten mit einer PR-Kampagne in den grossen amerikanischen Medien deutlich machen, auf welche Weise sie ein wohlhabendes, demokratisches, marktwirtschaftliches Gemeinwesen geschaffen haben, das sich nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischt – jedoch die Grundrechte seiner Bürger schützt, denen Meinungsfreiheit, Glaubens-, Versammlungs- und Pressefreiheit ebenso wichtig sind wie das Recht, ihren Besitz vor totalitären, korrupten und inkompetenten Regierungen zu schützen. Die meisten Amerikaner dürften positiv reagieren, wenn ihnen klargemacht wird, worum es der Schweiz geht und weshalb sie ein Vorbild für die ganze Welt sein sollte – statt mit Spott überhäuft zu werden, weil sie Freiheit, einschliesslich Wirtschaftsfreiheit, garantiert.

D ie Schweizer sollten anmerken, dass ihr Land, gemessen an den üblichen Indikatoren von Wohlstand und Korruptionsbekämpfung, besser dasteht als die Vereinigten Staaten und entsprechend gewürdigt werden sollte. Sie sollten erklären, dass es in den USA zu einem Sturm der Empörung käme, wenn die Schweizer Behörden amerikanische Abgeordnete oder Regierungsvertreter verhaften liessen, weil in deren Land die Todesstrafe praktiziert wird, was nach Schweizer Auffassung gegen die Menschenrechte verstösst. Nicht minder empört sei man eben in der Schweiz, wenn Washington Anklage gegen Schweizer Banker erhebe, ihnen mit Bussgeldern oder Gefängnis drohe, wo sie doch nur die Wirtschaftsfreiheit schützten, weder gegen die Schweizer Gesetze noch (sofern auf amerikanischem Boden) gegen die amerikanischen Gesetze verstossen hätten. Die meisten Amerikaner sind sich nicht im Klaren darüber, wie heuchlerisch und aggressiv ihre Regierung gegenüber der Schweiz auftritt und dass Washington das jüngst vereinbarte Steuerabkommen nicht ratifiziert hat.

In einer idealen Welt sollten sich diejenigen, die sich nicht in die Dinge anderer Leute einmischen, nicht verteidigen müssen. Wir leben aber nicht in einer idealen Welt. Daher wird kaum jemand für die Schweiz eintreten, wenn die Schweizer sich nicht entschiedener verteidigen.

Aus dem Englischen von Matthias Fienbork


22 Kommentare
Tages-Anzeiger    23.April 2012

Steuerstreit mit USA: Knackpunkt ist Identifikation der Bankkunden
Von Andreas Flütsch

Nachdem das Bundesverwaltungsgericht jüngst die Amtshilfe stoppte, sucht Bern in den Verhandlungen einen Ausweg, wie die Kundendaten von elf Banken doch noch in die USA geliefert werden können.
Versuchten Differenzen zu überbrücken: Widmer-Schlumpf und US-Justizminister Eric Holder. Bild: EDI/US Justizministerium

Nach den Gesprächen, die Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am Wochenende am Rande einer Tagung des Internationalen Währungsfonds in Washington mit US-Justizminister Eric Holder und US-Finanzminister Timothy Geithner führte, ist klar: Das Nein des Bundesverwaltungsgerichtes zum Amtshilfegesuch der USA belastet die Verhandlungen zur Beilegung des Steuerstreits enorm. Die Atmosphäre habe man im Gespräch «ein bisschen entkrampft», sagte die Finanzministerin den Medien, die Schweiz könne davon ausgehen, dass es nun in einem konstruktiven Rahmen weitergehe.

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Zwischen Bern und Washington gebe es aber weiterhin Differenzen, wie viele Milliarden die Schweizer Banken für eine Globallösung im Steuerstreit zahlen müssen. Der grösste Streitpunkt in den Verhandlungen bleibe, wie viele US-Kundendaten von elf Schweizer Banken die USA erhalten sollen: In den Gesprächen mit den beiden US-Ministern sei es darum gegangen, «wie dem Anliegen der Amerikaner entgegengekommen werden kann, nicht deklarierte Gelder von Amerikanern auf Schweizer Konten zu identifizieren», sagte Widmer-Schlumpf der «Sonntags-Zeitung».

Reisst USA der Geduldfaden?
Just diese «viel zu offen» formulierte Identifikation betroffener US-Kunden veranlasste das Bundesverwaltungsgericht jüngst in einem Leitentscheid, ein US-Amtshilfegesuch gegen einen CS-Kunden abzulehnen (TA vom 11. April). Die Kriterien zur Identifikation einer ganzen Kategorie von CS-Kunden seien so vage, kritisierten die Bundesverwaltungsrichter, dass die Gefahr bestehe, dass in «erheblichem Ausmass Daten von Kunden ausgeliefert» würden, denen man «höchstens» Steuerhinterziehung vorwerfen könne.

Wie Widmer-Schlumpf den USA zu den geforderten 6500 Kundendossiers von elf Schweizer Banken verhelfen will, die im Visier der US-Justiz sind, bleibt unklar. Das Njet der Bundesverwaltungsrichter schränkt ihren Spielraum ein. Ob die USA geduldig ein verbessertes Amtshilfegesuch nachschieben, ist ungewiss. Im Fall UBS hatten sich die USA mit einer Klagedrohung durchgesetzt – die Schweiz lieferte 300 UBS-Kundendossiers via Notrecht aus.

Genfer Privatbankiers im Visier
Die Versuchung, es jetzt bei der Credit Suisse oder einer Kantonalbank erneut zu versuchen, ist jedenfalls gross. Es gebe keinen Anlass, von einer neuen Anklage auszugehen, sagte dazu Widmer-Schlumpf am Samstag, ausschliessen könne man es aber nie; womöglich laufe es auch auf einen neuen Staatsvertrag mit den USA hinaus. Im Fall UBS machte ein Staatsvertrag in 4500 Fällen den Weg frei für eine Datenherausgabe an Washington, die weit über geltendes Recht hinausging.

Neben den bekannten elf Banken – darunter CS, ZKB, Bank Bär und HSBC – sind neu auch Genfer Privatbankiers auf dem Radar der US-Justiz. Dies zeigt eine Anklage in Arizona gegen einen US-Anwalt und zwei US-Venture-Capitalisten, deren Schwarzgeldmillionen er bis 2009 teilweise von der UBS zu «einer der grössten Schweizer Privatbanken mit Sitz in Genf» verschob, die laut Akten als Partnerschaft organisiert ist. Handelt es sich um Pictet, wie die «Sonntags-Zeitung» antönt? Die Bank war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Ermotti spricht von Wirtschaftskrieg gegen die Schweiz
Einen Separatfrieden mit der US-Justiz hat laut offenbar Walter Berchtold geschlossen, bis 2011 Chef Private Banking der Credit Suisse. Berchtold habe in den USA ausgepackt und dafür Straffreiheit zugesichert bekommen, heisst es. Dies wird jene Kundenberater von CS und anderen Banken wenig freuen, die in den USA unter Anklage stehen.

UBS-Chef Sergio Ermotti sprach derweil in einem Interview davon, die USA und andere Finanzplätze führten einen Wirtschaftskrieg gegen die Schweiz. Sie wollten sich einen Teil der von Schweizer Banken verwalteten 2,2 Billionen Franken ausländischer Vermögen sichern. Schon jetzt flössen Gelder nach Singapur, Miami oder London ab. Die neue Weissgeldstrategie lasse die Marge sinken, die Schweiz werde in den nächsten Jahren 20'000 Bankjobs verlieren.




Tages-Anzeiger  31.Mai 12

Das beste Hypothekenmodell der Welt,
Von Philipp Löpfe

Dänemark kommt bei Immobilienkrediten ganz ohne Banken aus. Ein freier, effizienter Markt sorgt für günstige Zinsen, ohne die Schuldner einzuschränken. Und seit 200 Jahren ist kein einziger Schuldner ausgefallen.
Idyllische Häuser in Kopenhagen: Für den Kauf von Immobilien braucht es in Dänemark keine Bankhypothek. Bild: AFP

Die Dänen gelten als lebensfrohe und sympathische Menschen mit einem Sinn für einen umweltbewussten Lebensstil. Einen Ruf als besonders geschickte Finanz­ingenieure haben sie sich bisher nicht geschaffen. Was nicht ist, kann noch werden: Immerhin hat der OMX-C-20, der Leitindex der Kopenhagener Börse, in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres alle anderen Konkurrenten hinter sich gelassen. Und speziell auf einem Gebiet haben die Dänen das Gefühl, die Besten auf der Welt zu sein: bei den Hypotheken.

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Das dänische Hypothekenmodell ist tatsächlich beachtenswert. Entstanden ist es 1795 nach dem grossen Brand von Kopenhagen. Damals wurde der Hypothekenpfandbriefmarkt geschaffen, und in den mehr als 200 Jahren seiner Existenz mussten die Gläubiger keinen einzigen Zahlungsausfall beklagen. Dabei ist der Markt für seine Verhältnisse riesig. Die rund 5,5 Millionen Dänen haben eine gesamte Hypothekenschuld von mehr als 320 Milliarden Euro, was die gesamte Staatsschuld um etwa 50 Prozent übersteigt. Zum Vergleich: In der Schweiz sind für Immobilien 800 Milliarden Franken ausgeliehen – was dem 3,7-fachen aller Ausstände der öffentlichen Hand entspricht.

Finanzgesellschaften sind hier bloss Zwischenhändler
Entgegen dem gängigen Vorurteil der staatsgläubigen Nordländer ist der dänische Hypothekenpfandbriefmarkt tatsächlich ein Markt, aber einer, der intelligent konstruiert und vernünftig reguliert ist. Er beruht auf wenigen, einfachen Grundsätzen: Die Hausbesitzer verschulden sich langfristig, und die Belehnungsgrenze für Wohnungsbauten beträgt maximal 80 Prozent, bei Geschäftsimmobilien sind es gar bloss 60 Prozent. Die Konditionen der Hypotheken werden nicht zwischen der Bank und dem Schuldner ausgehandelt. Finanzgesellschaften sind bloss Zwischenhändler. Sie bündeln die Anträge zu Obligationen und verkaufen sie weiter an die Investoren, die sie direkt oder mittels allgemeiner und spezialisierter Fonds übernehmen. Dafür kassieren die Hypothekeninstitute eine kleine Marge.

Die andere Art der Verbriefung
Hypotheken bündeln und als Obligationen am Markt verkaufen? Eigentlich müssten da alle Alarmglocken schrillen. Genau dies ist doch das Prinzip der Collateral Debt Obligations, berühmt-berüchtigt geworden unter ihrem Kürzel CDO. Sie haben den amerikanischen Subprime-Markt erst möglich gemacht und damit den verantwortungslosen Verkauf von überteuerten Immobilien an unterkapitalisierte Möchtegern-Hauseigentümer. Die CDO haben die Banken von ihrer Kontrollpflicht enthoben und damit massgeblich zur US-Immobilienblase beigetragen, deren Platzen am Anfang der immer bedrohlicher werdenden Weltwirtschaftskrise stand. Heute gelten die CDO als Giftmüll und werden von verantwortungsvollen Investoren nicht mehr angefasst. Und bei den ­Dänen soll dies alles auf mirakulöse Art und Weise funktionieren?

Der dänische Hypothekenpfandbriefmarkt funktioniert, weil er einige entscheidende Unterschiede zum missglückten amerikanischen Versuch der Verbriefung aufweist. Der wichtigste davon ist das «Balance-Prinzip». Es schreibt vor, dass die Bedürfnisse von Gläubiger und Schuldner aufeinander abgestimmt sein müssen. Das heisst: Ein Schuldner erhält erst dann eine Hypothek, wenn die Bank abgeklärt hat, zu welchen Bedingungen er sie bedienen kann, und sofern sich der Gläubiger damit einverstanden erklärt. Der Weiterverkauf dieser Schulden an Dritte ist verboten, ebenso das Erteilen von Hypotheken an Schuldner mit einer geringen Bonität. Zusammen mit der 80-Prozent-Finanzierungslimite ist so genügend Schutz da, um ein Debakel wie die US-Immobilienkrise zu verhindern.

Viele Freiheiten
Es besteht jedoch auch genügend Freiraum, um die Vorteile des Marktes zu nutzen. Dänische Hausbesitzer müssen nicht langfristige Festzinshypotheken abschliessen oder Libor-Finanzierungen wählen, um von günstigen Zinsen zu profitieren. Sie können sich laufend refinanzieren und Hypotheken jederzeit zurückzahlen, um sich zu tieferen Sätzen neu zu verschulden. Für diese Freiheit zahlen die Schuldner eine Prämie, die Anleihe-Investoren mit einer Extrarendite entschädigt. Wie die Statistiken aber zeigen, machen die dänischen Schuldner von ihrem Recht auf Rückzahlung nicht häufig Gebrauch, sodass der Aufpreis in der Regel ohne Gegenleistung an den Gläubiger fällt. Dadurch liegt die Verzinsung von dänischen Hypothekenobligationen in der Regel 100 bis 150 Basispunkte über derjenigen von dänischen Staatsanleihen.

Zwischen ein und zwei Prozent mehr Rendite als die Staatsanleihen eines sehr sicheren Schuldners wie Dänemark? Das müsste doch auch für Schweizer Ohren interessant klingen. Tut es auch, denn die dänischen Hypotheken-obligationen sind mit dem obersten Gütesiegel der Ratingagenturen ausgezeichnet, dem AAA.

Für Schweizer Anleger stehen mehrere Fonds zur Verfügung. Es gibt aber, wie fast immer, einen Haken: Die dänische Krone ist an den Euro gebunden und macht damit alle Schwankungen der gebeutelten Einheitswährung mit. Bei allem Respekt vor der Schweizerischen Nationalbank und ihren Bemühungen, den Eurokurs nicht unter 1.20 Franken fallen zu lassen: In den gegenwärtigen Turbulenzen geht jeder, der im dänischen Hypothekenpfandbriefmarkt investiert, ein beträchtliches Währungsrisiko ein.




Handelszeitung     6.Juli 2012

Steuerflucht: Das lukrative Geschäft mit neuen Pässen
Von:Olivia Kühni

Für Schweizer Finanzhäuser ist es fast unmöglich geworden, das Geld reicher Amerikaner zu verstecken. Stattdessen  besorgen sie ihnen mit Hilfe von Spezialisten einen neuen Pass.
US-Pass: 1780 Amerikaner gaben 2011 freiwillig ihre Identitätspapiere ab – das sind sieben Mal so viele wie noch 2008.

Ekaterina Mavrenkova hat diese russischen Augen – ein durchscheinendes Grün und manchmal eine Sekunde Traurigkeit  darin. Ihre Haare sind perfekt fixiert, an den Ohren stecken Perlen. Sie empfängt die Besucher in einem Raum mit  dunklem Parkett. Die Bücherregale reichen bis unter die Decke. Von den quietschenden Trams und dem Leben draussen  am Zürcher Römerhof hört man nichts. «Reiche Menschen», sagt Mavrenkova, «brauchen Hilfe.» Sie lächelt. Wieder ist es  die Schweiz, die sie ihnen bietet.

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Mavrenkova ist Managing Partner der Firma Henley and Partners in Zürich. Das Büro ist Weltmarktführer in einer diskreten  Branche. Es beschafft Niederlassungsbewilligungen und Pässe verschiedener Staaten. Die in den USA ausgebildete  Ökonomin schiebt ein Buch über den Tisch. «The Global Residence and Citizenship Handbook» heisst es. Geschrieben hat  es Mavrenkovas Mitarbeiter Christian Kälin. Der Zürcher Anwalt ist der Star der Branche. «Where liberty dwells, there is  my country. Benjamin Franklin», steht in seinem Vorwort. Wo die Freiheit zuhause ist, da bin ich es auch.

Neue Pässe für Amerikaner
Nun kehren immer mehr Nachfahren von Benjamin Franklin ihrer Heimat den Rücken. 1780 Amerikaner gaben 2011  freiwillig ihren Pass ab – das sind sieben Mal so viele wie noch 2008. Der Hauptgrund ist der Internal Revenue Service  (IRS), die Steuerbehörde des Landes. Das Gesetz verpflichtet jeden Amerikaner dazu, jährlich eine Steuererklärung  einzureichen, wo auch immer er lebt und arbeitet. «Das hat jahrelang kaum jemanden interessiert», sagt ein  amerikanischer Anwalt, der Bürger bei Streitereien mit dem IRS vertritt. 2008 trafen 214000 Dossiers in Washington ein –  bei über 6 Millionen Amerikanern, die im Ausland leben.

Doch in den letzten Jahren droht das IRS in kürzer werdenden Abständen schriftlich mit drakonischen Strafen bis zu  strafrechtlicher Verfolgung. Am Himmel ziehen die dunklen Wolken von Fatca auf, dem Gesetz, das dem IRS automatisch  die Daten aus den Bankkonten im Ausland besorgt. Genau für diese Fälle sind die Schweizer zur Stelle. «Henley und  Partner sind schlicht die Besten in diesem Business», sagt Anwalt Phil Hodgen.

Der gross gewachsene Hodgen, der eine runde Brille trägt, lebt in einem Vorort von Los Angeles. Er erzählt eine Anekdote  nach der anderen. E-Mails beantwortet er innerhalb einer halben Stunde, unabhängig von der Uhrzeit. «Das Vermögen  reicher Menschen ist ja meist versteckt», sagt er bei einem Treffen in Zürich. «Aus¬ser in Beirut. Wenn Sie der Glitzertyp  sind, dann müssen Sie unbedingt nach Beirut ziehen.» Hodgen ist oft in Beirut, ebenso häufig in Dubai, Genf und  Hongkong. Seine Spezialität ist es, US-Amerikanern dabei zu helfen, ihre Staatsbürgerschaft korrekt und möglichst  kostengünstig loszuwerden. Über mangelnde Arbeit kann sich der Anwalt nicht beklagen. «Es ist definitiv etwas im  Gange», sagt Hodgen.

Mavrenkovas Zürcher Büro verhilft jede Woche einer oder zwei Familien zu einer persönlichen Lösung. Wie viele der  Klienten US-Bürger sind, sagt die Chefin nicht. «It depends», ist ihre Antwort auf eine ganze Reihe von Fragen – nach  ihrem Honorar, nach den gesamten Kosten für einen neuen Pass. Schliesslich nennt sie die Staaten, aus denen tendenziell  viele ihrer Klienten stammen: Der Nahe Osten, die Länder der früheren Sowjetunion sowie die USA. Staaten «mit  gewissen Turbulenzen», sagt Mavrenkova und lächelt.

Früher liessen sich Vermögenswerte an Orten wie in der Schweiz, Liechtenstein oder auf einer der vielen kleinen Inseln  rund um die Welt verstecken, schreibt Anwalt Kälin in seinem Handbuch. «Heute aber bleibt angesichts des politischen  und rechtlichen Klimas nur ein sinnvoller Rat: Lege offen oder zieh weg.» Ein neuer, allenfalls zweiter Wohnsitz sei nicht  länger nur eine Option für Menschen aus politisch instabilen Ländern – sondern auch für jene aus Hochsteuerländern wie  die USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Niederlande oder Grossbritannien. «Der Umzug in ein Land mit einem milderen  Steuerklima ist eine zunehmend attrak¬tivere Möglichkeit für viele, die nach ihrem Empfinden mehr als ihren fairen Anteil  bezahlen und die den zunehmenden Abbau ihrer Privatsphäre nicht mögen.» Nicht nur ein Investmentportfolio müsse aus  Sicherheitsgründen diversifiziert sein, so Kälin, sondern auch das «Niederlassungs- und Staatsbürgerschaftsportfolio».

Weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit ist in der Steuerflucht¬industrie ein lukrativer Geschäftszweig gross  geworden. Niederlassungsbewil¬ligungen lassen sich heute ganz einfach kaufen. Wer sich in der Schweiz dazu verpflichtet,  mindestens 150000 Franken jährlich pauschale Steuern zu zahlen, erhält den Schein. In Grossbritannien muss der  Interessent 1 Million Pfund in britische Staatsanleihen oder britische Unternehmen investieren. Hongkong verlangt, dass  10 Millionen Hongkong-Dollar über sieben Jahre hinweg angelegt werden, in Malta muss der Neue zusätzlich Immobilien  erwerben.

Die spezielle Rolle Österreichs
Drei Staaten bieten gegen Investitionen gar ihre Staatsbürgerschaft an: Die beiden Karibikstaaten St. Kitts and Nevis und  Dominica sowie Österreich. Auf dem Weg in die Steueroase fällt eine Menge Papierkram an – und damit eine Gelegenheit,  viel Geld zu verdienen.

«Wir beobachten schon eine Weile, was Henley und Partner macht», sagt ein Privatbankier im vertraulichen Gespräch.  Nicht wenige von ihnen schickten ihre Klienten an den Zürichberg. «Ehrlich gesagt prüfen wir gerade, ob das ein  möglicher Zukunftsmarkt für uns sein könnte», sagt der Mann. «Lassen Sie mich wissen, wie es läuft für Henley.» Noch  einmal die Frage an Ekaterina Mavrenkova: Wie viel verlangen Sie für einen neuen Pass? «It depends», es kommt darauf  an. Man spricht von einer Pauschalen von umgerechnet 500000 Franken. Mavrenkova lacht. «Das ist definitiv zu viel.»

Wer sich auf dem Weg hinunter in die Stadt noch einmal umdreht, sieht an der Fassade über Henleys Büro eine rot- schwarz-grüne Flagge hängen. Es ist die Flagge von St. Kitts and Nevis. Das Konsulat des Karibikstaats in der Schweiz  liegt im 1. Stock über dem Büro von Ekaterina Mavrenkova. «Viele Leute finden, dass man Staatsbürgerschaften und  Niederlassungsbewilligungen abwertet, indem man sie anbietet, schreibt Anwalt Kälin in seinem Buch. «Aber dieser  veraltete Gedanke spiegelt nicht länger die wahre Natur der Einbürgerung durch Investition.»

Neue Heimat: Karibische Pässe für Superreiche

Staatsbürgerschaften
Niederlassungsbewilligungen sind fu?r reiche Ausländer einfach zu beschaffen, Staatsbu?rgerschaften nicht. Ausländer  mu?ssen meist jahrelang in einem Land gelebt haben, bis dieses ihnen den Pass u?berlässt. In der Schweiz sind zwölf Jahre  Pflicht, in Hongkong sieben, in Singapur zwei, in Kanada drei. Doch drei Staaten lassen mit sich reden, wenn der  Interessent sich grosszu?gig zeigt.

St. Kitts and Nevis
Das Inselpaar in der Karibik zählt rund 50000 Einwohner. Bis 1983 war der Staat ein britisches Protektorat. Traditionell  lebt die Insel vom Anbau von Zucker. Doch der fortschreitende Preiszerfall – unter anderem, weil die USA ihre  Zuckerproduzenten massiv subventionieren – sowie eine misslungene Verstaatlichung haben die Industrie zerstört. Die  staatliche St. Kitts and Nevis Sugar Industry Diversification Foundation (SIDF) soll nun in neue Wirtschaftszweige wie  etwa den Tourismus investieren. Wer die SIDF mit 250000 Dollar unterstu?tzt, kann nach einer Bearbeitungsfrist von bis zu  vier Monaten Bu?rger des Ministaates werden. Ähnlich grosszu?gig zeigt sich Dominica. Der zwei Inseln weiter nördlich  gelegene Staat verlangt gar nur 100000 Dollar fu?r einen Pass. Dafu?r ist dieser Pass nicht ganz so praktisch: Bu?rger von St.  Kitts and Nevis können weltweit in 131 Staaten visafrei einreisen (auch in die Schweiz), jene von Dominica nur in 82.

Österreich
Besonders attraktiv ist allerdings ein österreichischer Pass. Normalerweise mu?ssen Personen zehn Jahre im Land leben,  bevor sie ihn erhalten. Jedoch erlässt Paragraph 10, Absatz 6 des Staatsbu?rgerschaftsgesetzes diese Pflicht, «wenn die  Bundesregierung bestätigt, dass die Verleihung der Staatsbu?rgerschaft wegen der vom Fremden bereits erbrachten und  von ihm noch zu erwartenden ausserordentlichen Leistungen im besonderen Interesse der Republik liegt». Die Minister  können so auf Empfehlung der Beamten im Innen- und Wirtschaftsministerium Ku?nstler, Sportler oder Investoren im  Eiltempo einbu?rgern. Das Gesetz wird in Österreich immer wieder kritisiert, weil es keine klaren Kriterien enthält.





September 29, 2012

As Money Pours Down, It’s No Wonder That Stocks Are Up
By JEFF SOMMER

THE markets are getting plenty of help from the world’s big central banks. Will it be enough to keep the current rally going?

The overall economy is sluggish at best, and unemployment has remained above 8 percent since early 2009. Yet despite a decline last week, stock investors have been on a roll. In the three months ended on Friday, the Standard & Poor’s 500-stock index rose 5.8 percent. In Europe, stocks fared even better for the quarter, with the Euro Stoxx 50 index up 8.4 percent. Japan was a laggard, as the Nikkei index dropped 1.5 percent, but in Hong Kong the Hang Seng index rose 7.2 percent.

During much of this period, the Federal Reserve and other central banks have been flooding the planet with money. Cause and effect is hard to prove, but it seems reasonable to assume that the central banks have had something to do with the markets’ buoyancy. “Clearly central bank actions have been a major factor in the market rally,” Ethan Harris, chief North American economist at Bank of America Merrill Lynch, wrote in a recent report. News reports of “super dovish” announcements by the Fed and the European Central Bank correlated neatly with stock market climbs, he found.

On Sept. 6, for example, Mario Draghi, president of the European Central Bank, said that under certain conditions it would buy unlimited amounts of government bonds, a move that could lower borrowing costs for Spain and other troubled countries in the euro zone. Stocks immediately rose around the world.

The next week, the Fed met the market’s expectations, and then some. It extended its plans for maintaining near-zero short-term interest rates into the middle of 2015. And it announced that it would increase its bond-buying to a total of $85 billion a month for the rest of the year, with a focus on mortgage-backed securities, a program aimed at giving the housing market another lift. What’s more, the Fed linked the duration of its loose policies to the state of the job market. As long as the unemployment rate remained unacceptably high, the Fed planned to maintain its expansionary monetary policy, Ben S. Bernanke, the Fed chairman, said in a news conference.

“We will be looking for the sort of broad-based growth in jobs and economic activity that generally signal sustained improvement in labor market conditions and declining unemployment,” Mr. Bernanke said.

Last week, however, the markets gave up ground. The central banks aside, it’s easy to see why the bullish mood might darken quickly. A partial list of dangers includes rising tensions in the Mideast, a contentious election campaign and a looming “fiscal cliff” in the United States, an unresolved and multifaceted financial crisis in Europe, and a global economy that is far from robust.

Little of this would appear to augur well for stocks, except that the central banks have tilted the odds on the bullish side, at least for now, some analysts say.

“A modestly growing economy with the cyclically sensitive sectors at still-depressed levels is a relatively stable and safe, if not exciting, environment,” said Larry Kantor, head of research at Barclays, in a recent report. “When this is combined with a central bank committed to aggressively supporting growth through higher asset prices, it amounts to a very attractive environment for taking risk.”

In fact, Barclays calls the current version of its flagship quarterly research publication “Global Outlook: Don’t Fight the Fed.”

OF course, no one knows where the markets are going day to day. After their recent run upward, and even without the emergence of any nasty news, stocks could easily “consolidate,” that is, decline for a while before moving upward again. And because the global economy is already rather weak, an external shock — a disruptive geopolitical event — could alter perceptions abruptly.

Some analysts are not upbeat even now. The Economic Cycle Research Institute, an independent forecasting organization with an excellent record, says it believes that the United States is already in recession, and that action by the Fed won’t change that. “Unfortunately, the economy is just going to have to ride out the business cycle,” Lakshman Achuthan, chief operations officer of the institute, said recently. “The Fed’s actions have been increasingly ineffective.” The relationship between the economy and the stock market is complex, he said, and it’s not always clear whether the market is predicting the direction of the economy, reacting to it or responding to other factors.

Robert Rodriguez, managing partner and chief executive of FPA, an asset management firm in Los Angeles, says it’s possible that fund managers, seeking to bolster their returns, will “continue to pile into stocks in the remainder of this year and push them to even higher levels.” But he says he believes that the market is already overextended, and his firm has begun to reduce its stock exposure.

Mr. Rodriguez anticipated the subprime mortgage crisis and the financial crisis. But, as he acknowledged ruefully in an interview, he “was early, and got out of the market too soon, and could well be doing so again.” Still, he says he fears what he calls “the unintended consequences of the expansionary activities of the central banks.”

Another credit bubble is likely if the banks persist in trying to prop up the global economy, he said. As he sees it, the fundamental problem in the United States can’t be solved by the Fed. “We must get our fiscal house in order,” he said, “and we have only a limited amount of time to do it.”

For the next several months, though, he suspects that Wall Street’s fascination with the Fed may well keep stocks rising.




Schweizer Monat    Dezember 2012

Schönwetterchancen
Von Thomas Schmidheiny

Die Schweiz ist nach wie vor eine Insel der Stabilität. Als solche verfügt sie über das Privileg, nicht handeln zu müssen. Will sie ihre Position bewahren, sollte sie es trotzdem tun. Einige konkrete Reformvorschläge.
Wohin treibt die Schweiz? Wohin soll sie steuern? Die Grundsatzfrage ist zu unserer ständigen Begleiterin geworden. Sie schwingt ständig mit, in Gesprächen mit Unternehmern, am Familientisch, am Stammtisch, unter Freunden. Ernsthaft gestellt wird sie freilich erst dann, wenn die angeblich bewährten Positionen plötzlich ins Rutschen geraten.

Meine Grossmutter pflegte zu sagen: «Der Mensch muss müssen.» Dieser Satz hat mich geprägt. Wer nicht muss, handelt nicht. Bequemlichkeit und Trägheit obsiegen über den Willen zu Veränderung und Verbesserung. Gleiches gilt für die Eidgenossenschaft: Die Schweiz verändert sich nur dann, wenn der äussere Druck so gross ist, dass sie nicht mehr anders kann, als sich zu bewegen. Dies scheint zurzeit in vielen Bereichen nicht der Fall zu sein. Selbst in den Dossiers Flughafen und Steuerabkommen wurden nur halbherzige Strategien ausgearbeitet, die bloss für den Moment geschaffen sind. Wir wursteln uns durch. Und wir lesen es Tag für Tag in den Zeitungen: Es geht uns in der Schweiz relativ gut, mit Betonung auf «relativ». Die Staatsverschuldung ist dank Schuldenbremse gesunken, der Wohlstand ist intakt, die Arbeitslosigkeit gering, die Lebensqualität hoch – Vergleiche mit den Staatshaushalten der USA und der Länder der Eurozone versichern uns täglich aufs neue: Die Schweiz ist nach wie vor eine Insel der Stabilität.

Diese Sicht bekommen wir von aussen immer wieder bestätigt. Asiatische Beobachter drücken uns gegenüber regelmässig ihre Bewunderung aus, und wir erinnern uns gerne an den ehemaligen französischen Justizminister Robert Badinter, der sagte: «La Suisse est une chère, vieille et grande nation européenne.» Gleichzeitig besteht im Innern ein geradezu lustvoll ausgelebter Hang zur Selbstkasteiung, der von der veröffentlichten Meinung gerne angefeuert wird. In besonderer Erinnerung bleibt dabei der Slogan der Expo in Sevilla, der da lautete: «La Suisse n’existe pas.» Zwischen dem realen Wohlstand und der virtuellen Miesepeterei sehe ich einen Zusammenhang: Man muss es sich leisten können, sich selbst schlechtzureden.

Ebenfalls leisten können wir uns den Eindruck, der Devise meiner Grossmutter zu widersprechen und nicht handeln zu müssen. Materieller Komfort entzieht langfristig ausgerichteten Veränderungen ihre stärkste Triebkraft. Eine alte unternehmerische Lektion lautet jedoch, dass langfristig angelegte Veränderungen besser aus einer Position der Stärke als aus einer Position der Schwäche angepackt werden. Denn das vergleichsweise schöne Wetter bietet die Chance, sich auf mögliche Stürme vorzubereiten.

Offenheit, Unternehmergeist, Sicherheit
Neben der politischen und sozialen Stabilität besteht eine der grossen Stärken der Schweiz in ihrer Ausrichtung auf die ganze Welt. Natürlich sind wir geographisch, kulturell und wirtschaftlich in Europa verankert, doch die Schweiz ist ein globaler Hub, der sich durch Weltoffenheit in vielen Belangen auszeichnet. Es ist manchmal verlockend, mit Blick auf den Flughafenstreit mit Deutschland Gedankenspiele über Einschränkungen für deutsche Lastwagen und laute deutsche Güterzüge anzustellen. Aber die gedanklichen Verlockungen stehen einer einfachen Erkenntnis gegenüber: Einigelung hat die Schweiz noch nie vorwärtsgebracht.

Die globale Ausrichtung zwingt unser Land, eine Flexibilität zu bewahren, die manche «Pragmatismus» nennen, andere «Problemlösungsorientierung». Es gibt meines Wissens in der Schweizer Industrie zurzeit wenig Restrukturierungsbedarf – der Grund ist einfach: Die Unternehmen sind dem internationalen Wettbewerbsstress ausgesetzt, der sie fit hält. Der Heimmarkt war stets zu klein. Es blieb bloss die Flucht nach ausserhalb. Nach China, Indien, Mexiko, Indonesien, Russland, Südafrika oder anderswohin. Diese Orientierung hat einen Unternehmergeist gefördert, der sich nicht bloss auf die Spitze von Unternehmen konzentriert. Unternehmerisch gedacht und gehandelt wird auch auf unteren Stufen im Herstellungsprozess – dort, wo es konkrete Probleme zu lösen gilt. Es ist kein Mythos, sondern für mich gelebte Erfahrung: Der Werkplatz Schweiz zeichnet sich durch eine breite Verteilung von Leuten aus, die mitdenken und eigenverantwortlich handeln. Diese Situation verdankt sich ganz einfach dem «Müssen», von dem meine Grossmutter sprach.

Die Kultur der Eigenverantwortung leben wir auch im politischen Bereich, wo es um die Regelung des öffentlichen Lebens geht. Die direktdemokratische Mitwirkung in politischen Prozessen bringt Konstanz, und Volksentscheide sind fast immer vernünftig. Wie würden Leute heute darüber abstimmen, wenn man sie über einen kurzfristigen Ausstieg aus der Atomenergie entscheiden liesse? Sie würden eine Kosten-Nutzen-Analyse anstellen und zum Schluss kommen: Der Ausstieg ist zwar gut gemeint, kostet aber (noch) viel zu viel. Der gesunde Menschenverstand des Volks ist meist ein weiser Bremser unfinanzierbarer Vorhaben – denken wir auch an die Abstimmung über die Vorlage einer Erhöhung der Ferien, die klar abgelehnt wurde. Das Volk hat sich eine gesunde Grundskepsis gegenüber illusionären Versprechungen des Staates bewahrt und hält diesen über Abstimmungen zu Sachfragen im Zaum. Informierte Bürger wissen sehr wohl, was unser Land fit hält und zukunftstauglich macht – und was nicht.

Andere helvetische Wettbewerbsvorteile gehen im Alltagsleben leicht vergessen. Zum Beispiel die physische Sicherheit. Dass meine Kinder sich frei bewegen können, ist ein riesiger Vorteil, der mir jeweils erst wieder bewusst wird, wenn ich aus asiatischen und südamerikanischen Metropolen zurückkehre. Oder die öffentlichen Schulen. Oder das duale Bildungssystem. Das Niveau ist beachtlich, Schule und Ausbildung bieten den Jugendlichen gute Startchancen für ihr späteres Leben. Oder die Vielsprachigkeit und die kulturelle Sensibilität, die wir uns aneignen, weil es einfach dazugehört. Dank dieser Eigenschaften bewegen wir uns leicht und gekonnt in anderen Kulturkreisen, in den künftigen Zentren des Wachstums. Auch wenn die Leistungsorientierung unter dem materiellen Wohlstand gelitten hat, ist gerade unter Vertretern jüngerer Generationen wieder ein dynamischer Ehrgeiz zu spüren.

Innere Zerstrittenheit, Verunsicherung, Schnellschüsse
Die selbstbewusste Betonung von Stärken kann indes nicht über die Schwachpunkte eines Systems hinwegtäuschen, das Mittelmass fördert und eine Politik unterstützt, die sich an immer kürzeren Zyklen orientiert. Während der internationale Wettbewerbsdruck Schweizer Unternehmen robust und anpassungsfähig gemacht hat, verfügen unsere Politiker kaum über Erfahrung im Umgang mit politisch aufgebautem Druck aus dem Ausland – in den letzten 20 Jahren war die Schweiz vor allem mit sich selbst beschäftigt. Dies hat auch zwischen Parteien zu politischen Verwerfungen geführt, die klare Allianzen unmöglich machen. Viel Druck von aussen, wenig Persönlichkeiten mit Erfahrung in harten Verhandlungen, Schönwetterpolitik und innere Zerstrittenheit – diese Konstellation schafft Verunsicherung und wirft zu Recht die Frage auf, wie es langfristig um die Stärken und die Stabilität der Schweiz bestellt ist. Einige Symptome aus jüngster Zeit mögen dies verdeutlichen.

Wie kann eine Regierung eine epochemachende Energiepolitik auf den Tisch bringen, ohne die dazugehörenden Ideen und Träume einer ökologischen Steuerreform gleichzeitig miteinzubeziehen? Der mediengetriebene Ausstiegsbeschluss aus der Kernenergie im Nachvollzug eines innenpolitischen Entscheids von Merkel erinnert daran, was Hans Schaffner, der frühere Direktor der Handelsabteilung, jeweils zu sagen pflegte: Der Bundesrat hat entschieden, unbeschwert jeglicher Sachkenntnis.

Wie kann man eine Sicherheitspolitik definieren, ohne diese auf künftige Cyberkriege zu fokussieren, sondern das Gewicht auf neue Flugzeuge zu legen?

Wie kann eine Regierung eine Erbschaftssteuer mit Rückwirkungsklausel einfach nur zur Kenntnis nehmen, obwohl dieses Steuersubstrat klar in die Kantonshoheit gehört und eine solche Vorlage fundamentale Prinzipien unseres Rechtsstaats mit einem Trick auszuhebeln versucht?

Wie kann noch von Rechtssicherheit gesprochen werden, wenn auf Druck des Auslands Gesetze gebrochen oder rückwirkend uminterpretiert werden?

Wie kann sich die Schweiz leisten, im Steuerstreit mit den USA nicht auf Figuren wie die ehemalige amerikanische Botschafterin Faith Whittlesey zurückzugreifen? Wer kümmert sich um die systematische und jahrelange Pflege eines internationalen Netzwerkes von Freunden der Schweiz?

Die Stimmung hat sich verändert
Medienwirksame Schnellschüsse und opportunistischer Aktivismus führen zum Eindruck, dass sich das politische System verselbständigt und politische Willkür zunimmt. Allerdings verhält es sich auch so, dass sich die Stimmung unter den Bürgern in den letzten Jahren verändert hat – die soziale Kohäsion ist fragiler geworden. Eine kleine Gruppe von Leuten hat in den letzten zehn Jahren mit überrissenen Salären, die sich nicht ihrer Leistung, sondern ihrer Position verdanken, Teile des sozialen Kapitals dieses Landes nachhaltig beschädigt. Sie sind zu den unfreiwilligen Wegbereitern gefährlicher Initiativen geworden, die staatliche Eingriffe in die Festlegung von Löhnen privater Organisationen (1:12-Initiative) oder föderalismuswidrige Steuerprojekte (nationale Erbschaftssteuer) fordern. Referendum und Initiative wurden im 19. Jahrhundert geschaffen, damit die katholische Minderheit nicht von der
damals herrschenden reformiert-freisinnigen Mehrheit dominiert werden konnte. Heute ist es genau umgekehrt: Der Aktivismus von Randgruppen nutzt die direktdemokratischen Instrumente zum Schutze einer Minderheit, um die stille Mehrheit vor sich herzutreiben. Die Tendenz dieser Vorhaben geht zumeist in die gleiche Richtung: mehr Eingriffe in die Freiheit von Bürgern und Unternehmen, mehr unfreiwillige Umverteilung, mehr Staat.

Wohin ein überbordender Staat führt, lässt sich zurzeit überall in Europa beobachten: in Zwangslagen, die sich zu verstetigen drohen. Die Schweiz kennt die Tradition der Eigenverantwortung und des persönlichen Engagements in diesem Staat. Aber ebendieser Staat wurde in den letzten Jahren kontinuierlich um 3 bis 4 Prozent ausgebaut – die Wachstumsrate der helvetischen Staatsquote übertrifft jene unserer Nachbarn. Kantone und Bund wissen nicht, wie sie ihre Aufgaben wahrnehmen können, ohne die Gesamtbelastung für Mittelstand und Unternehmen ständig zu erhöhen, und im Umgang mit Einnahmenausfällen, die sich für die nächsten Jahre abzeichnen, herrscht in Politik und Verwaltung Ratlosigkeit.

Die Diskrepanz in den Denkprozessen zwischen Politik und Wirtschaft wächst, und Unternehmer werden in der Politik zunehmend zur Rarität. Als ein schweizweit bekannter Thurgauer Unternehmer aus dem Nationalrat zurücktrat, folgte auf ihn eine Kindergärtnerin. Das nationale Parlament wird dominiert von Politprofis, Juristen und Verbandsleuten. Man vermisst Persönlichkeiten, die wissen, was Verluste und Kundenbedürfnisse bedeuten, und sich gewohnt sind, strategisch zu denken.

Eine Strategie braucht das Land
Die Hervorhebung von Stärken und die Benennung von Pro-blemen sind unvollständig ohne konkrete Vorschläge, wie Stärken langfristig erhalten und Schwachpunkte beseitigt werden können. Ich beschränke mich dabei auf einige wenige Punkte, die mir besonders wichtig erscheinen – in Frageform.

Sorgt unser parlamentarisches Wahlsystem dafür, dass die besten Köpfe in die Landesregierung kommen? Zum Schweizer Modell gehört eine Konkordanzregierung, in der alle relevanten politischen Parteien angemessen vertreten sind. Die Rolle der Opposition spielt das Volk, das aber nicht entscheiden kann, aus welchen Persönlichkeiten sich die Landesregierung zusammensetzt. Der Vorschlag einer Volkswahl des Bundesrats geistert seit über 140 Jahren durch die Schweiz, wurde aber immer wieder verworfen – zuletzt erst kürzlich durch den Ständerat. Was in Kantonen funktioniert, wird auf Bundesebene grundsätzlich als untauglich erachtet. Die Skepsis gegenüber neuen Wahlverfahren ist helvetisch logisch, doch gibt es auch bedenkenswerte Varianten. Zum Beispiel Jürg Niehans’ Modell einer Blockwahl: 7er Tickets stellen sich mit einem Regierungsprogramm en bloc zur Wahl. Wollen sie eine Chance haben, müssen sie parteienmässig, regional und sprachlich breit abgestützt sein.

Wie organisiert sich künftig die Schweizer Zivilgesellschaft und wie erneuert sie das Milizsystem? Ich kenne keine soziologischen Studien, die den integrativen Effekt der Rekrutenschule wissenschaftlich gemessen haben, aber ich habe selbst erlebt, wie viel Zusammenhalt der Dienst mit Leuten aus anderen Sprachregionen und Tälern geschaffen hat. Die Rekrutenschule hat einen unschätzbaren Integrationswert. Wie könnten weitere institutionalisierte Integrationsmaschinen aussehen? Neue Modelle, die Bürger zu zivilgesellschaftlichem Engagement animieren, sind darauf angewiesen, dass Unternehmen ihre Kader für Milizaufgaben freistellen. Zu wünschen wäre, dass auch grosse internationale Firmen, die bisher eher wenig für lokale oder regionale Politik übrighatten, den Wert des lokalen Handelns neu entdecken. Zeitliche und karrieretechnische Anreize können bewirken, dass auch hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland sich im Schulrat engagieren und ihre wertvolle Zeit in Nachbarschaftshilfe investieren. Das Umdenken hat eben erst begonnen.

Wie können wir erreichen, dass auch Unternehmer neben dem Einsatz für neue Kunden, neben Sitzungen und Reisen noch Zeit und Energie für Politik finden? Parteien könnten systematisch auf Nachwuchsunternehmer zugehen und ihnen jene Unterstützung bieten, die zur Bewältigung der Papierflut aus den Parlamenten mittlerweile nötig ist. Man könnte über Möglichkeiten nachdenken, ein politisches Mandat auf mehrere Personen zu verteilen. Eine gewählte Person könnte dann Stellvertreter benennen, die sie während ihrer Abwesenheit ersetzen.

Wie erhalten wir uns gesunde Staatsfinanzen, die künftige Generationen davor bewahren, für heutige Defizite aufzukommen? Dem Hang zu Mehrausgaben zu begegnen gleicht Odysseus? Herausforderung, dem Gesang der Sirenen zu widerstehen. Odysseus liess sich an den Masten seines Schiffes binden, um sich vor sich selbst zu schützen. Das fiskalische Äquivalent ist die Schuldenbremse. Sie hat sich bewährt und könnte auf alle Sozialwerke ausgeweitet werden. Automatische Mechanismen zu Anpassungen an demographische Entwicklungen und höhere Lebenserwartungen verhindern zus&