Internationale Energieagentur
Bremi:
Einer unserer fünf Forschungsminister präsentiert uns heute eine
Bundesforschungsvorlage. Sie, Herr Bundesrat Ritschard, sind der dritte
Minister, der uns innerhalb von 12 Monaten Energieforschungsanträge
stellt. Vor einem Jahr war es Ihr Kollege Hürlimann, der den EURATOM-Vertrag
vorlegte, vor einem halben Jahr folgte Herr Bundesrat Honegger mit der
Energieforschung als Bestandteil des sogenannten Impulsprogrammes. Wir
beurteilen diese Vorlage deshalb im Rahmen aller unserer Anstrengungen
auf dem Gebiet der Energieforschung. Es drängen sich dabei wenige,
deutliche Bemerkungen auf. Wir gestatten uns diese kritische Würdigung
auch auf die Gefahr hin, dass die ETH-Leitung und das Amt für Wissenschaft
und Forschung wieder ebenso merkwürdig und ungehalten reagieren, wie
sie das vor einer Woche anlässlich einiger kritischer Bemerkungen
bereits getan haben.
1. Die Qualität
der Forschung hängt nicht von der Anzahl der eingesetzten Franken
ab, sondern von ihrem Wirkungsgrad. Die vom Staat eingesetzten Forschungsfranken
werden auch in unserem Land nicht durch die Inflation, sondern in unerträglichem
Mass durch die Bürokratie aufgefressen. Einige karitative Hilfswerke
weisen die totalen administrativen Kosten gesondert aus, um darzustellen,
wieviel effektiv der Zweckbestimmung dient. Ein solches Denken müssen
wir auch auf die Forschung übertragen. Auch mit diesen Bundesbeschlüssen
soll wieder eine neue Koordinationsstelle etabliert werden, deren Aufgabe
es sei, Beziehungen zu anderen Amts- und Koordinationsstellen zu pflegen.
Für die Kontrolle der Finanzen verfügen wir bereits über
genügend Instanzen, und wir sind der Auffassung, dass es keiner neuen
Bürokratie bedarf. Mit unserer internationalen und nationalen Forschungsbürokratie
frustrieren wir leistungsfähige Forscher, und den andern geben wir
eine Ausrede für den Misserfolg. An Konferenzen mit Protokollen, Berichten
und Publikationen von Büro zu Büro produzieren wir keine Kalorien,
und wir sparen auch keine ein. Im übrigen - um in der in dieser Woche
üblichen Landwirtschaftssprache zu sprechen - hat noch nie ein Huhn
während des Gackerns ein Ei gelegt.
Die freisinnig-demokratische
Fraktion stimmt den drei Bundesbeschlüssen zu, weil wir dem Bundesrat
zutrauen, auf die beabsichtigten neuen administrativen Massnahmen zu verzichten.
2. In der Energieforschung
gehen wir mit der Internationalisierung zwangsläufig einen Weg, der
sachlich gerechtfertigt ist, aber doch auch sichtbare Gefahren enthält.
Der Bund schliesst seit Jahren zahlreiche
Verträge ab, die uns verpflichten, die unsere eigene Entscheidungsfreiheit
mindestens kurzfristig beschneiden und mit denen wir jene Mittel reduzieren,
die wir im eigenen Land noch einsetzen können. Aus zahlreichen Gesprächen
habe ich den Eindruck gewonnen, dass sowohl in der Bundesverwaltung wie
in der Industrie und in den Hochschulinstituten der Ueberblick
über die Verträge und die daraus entstehenden Rechte und
Pflichten verlorengegangen ist. Ich richte mich mich deshalb hier in aller
Form an die schweizerische Wirtschaft, an ihre Verbände und an die
betroffenen Institute der eidgenössischen und kantonalen Hochschulen
mit zwei Aufforderungen:
Vorerst: verschaffen Sie sich rasch einen umfassenden Ueberblick über
alle Verträge, die der Bund direkt oder indirekt mit ausländischen
Staaten, Organisationen und Instituten abgeschlossen hat. Stellen Sie fest,
welches die Rechte und Pflichten, welche die Berechtigten und Verpflichteten
sind und was bisher mit diesen Verträgen getan wurde. Ferner: beurteilen
Sie diese Informationen und teilen Sie uns Ihre Beurteilung mit. Wir möchten
uns davon überzeugen, dass wir uns nicht mittelfristig Optionen verbauen
und Chancen ungenützt lassen.
Diese beiden Aufforderungen sind nötig, weil sich offenbar die angesprochenen
Kreise heute noch nicht hinlänglich und systematisch mit dieser Materie
beschäftigen. Wir stimmen den Buhdesbeschlüssen heute zu, weil
wir auf eine enge und unkomplizierte Zusammenarbeit zwischen Bund, Hochschulen
und Wirtschaft hoffen. [redaktionelle
Hervorhebung]