Anton Keller, Genf
022-7400362 swissbit@solami.com
¦ .../a2.htm
05.5117
- Fragestunde. Frage. Kaufmann Hans
Verfügungsgewalt über SNB-Gold im Ausland
05.3172
- Postulat. Freysinger Oskar
Strategische Rohölreserven im Ausland
05.3166
- Interpellation. Freysinger Oskar
Primat der Politik beim Verwalten der Goldreserven
04.5154
- Fragestunde. Frage. Günter Paul
Wo ist unser Gold?
04.3283
- Postulat. Grüne Fraktion
Begrenzte Ölvorräte. Szenarien
03.5101
- Fragestunde. Frage. Scherer Marcel
Stopp des Goldverkaufes aus den Währungsreserven der SNB
03.5038
- Fragestunde. Frage. Günter Paul
Schweizer Gold in den USA
03.3213
- Interpellation. Abate Fabio
Nationalbankgold für Eisenbahn-Grossprojekte?
03.2004
- Petition. Hirt Walter
Goldverkäufe der SNB sind einzustellen
02.447
- Parlamentarische Initiative. Dupraz John
Goldreserven der Nationalbank. Ausgewogene Verteilung
02.3593
- Interpellation. Steiner Rudolf
Fehlende Depeschen im EDA
02.3452
- Motion. Merz Hans-Rudolf
Verwendung der veräusserten Goldreserven
02.3089
- Interpellation. Merz Hans-Rudolf
Verwendung der Goldreserven nach dem 22. September 2002
02.1159
- Einfache Anfrage. Baumann J. Alexander
Verunstaltung des schweizerischen Hoheitszeichens
00.3560
- Motion. Riklin Kathy
100 Millionen Franken zur Beschleunigung der Bildungsoffensive im
Jahre 2001
00.3298
- Motion. Freisinnig-demokratische Fraktion
E-Switzerland. Gesetzesänderungen, Zeitplan und Mittel
00.3293
- Motion. Zisyadis Josef
Eidgenössische Pensionskasse für die Landwirtschaft
00.3149
- Interpellation. Guisan Yves
Stiftung solidarische Schweiz. Wie weiter?
98.3495
- Interpellation. Stamm Luzi
Kritik an der Bergier-Kommission
98.3476
- Interpellation. Gusset Wilfried Ernest
Goldreserven der SNB in den USA
98.3244
- Interpellation. Schlüer Ulrich
Der Bundesrat und das Völkerrecht
98.3137
- Interpellation. Hollenstein Pia
Aufklärung bezüglich Mobutugelder
98.2016
- Petition. Wahl Edouard
Revision aller Todesurteile sowie Revision aller weiteren existenzbrechenden
Strafurteile wegen Landesverrat sowie Petition für die Revision des
Washingtoner Abkommens von 1946
98.1145
- Einfache Anfrage. Gusset Wilfried
Ernest
Einsatz der Nationalbank-Währungsreserven für die Grossbanken
97.5037
- Fra. Schmied Walter.
Golddeckung des Frankens
97.3629
- Interpellation. Sozialdemokratische
Fraktion
Raubgold und die Schweiz
97.3364
- Interpellation. Felten Margrith
Nabelschnurblut
97.3073
- Interpellation. Spielmann Jean
Nutzung des Nationalbankvermögens
97.3027
- Interpellation. Aguet Pierre
Verschlechterung des Image der Schweiz und der Schweizer Wirtschaft.
Rolle der Banken
97.1148
- Einfache Anfrage. Dardel Jean-Nils
Gestohlenes Gold aus Südafrika
97.1116
- Dringliche Einfache Anfrage. Rechsteiner
Paul
Die Schweiz und das Raubgold
96.3016
- Interpellation. Tschopp Peter
Währungsreserven. Änderung der Politik
91.5033
- Fra. Ziegler Jean.
Kriegskasse der P-26
90.5157
- Fra. Hafner Rudolf.
Einlösungspflicht für Banknoten
88.1078
- Einfache Anfrage. Weder Hansjürg
Amerikanisches Abhörzentrum Shakarchi?
86.928
- Interpellation. Salvioni Sergio
Entgegennahme von Geldern zweifelhafter Herkunft
86.568
- Interpellation. Oehen Valentin
Wiedereinführung des Goldstandards
85.512
- Motion. Bürgi Jakob
Finanzplatz Schweiz. Förderung
url: www.solami.com/cvgold.htm
(3.1.06)
Von Claude Baumann
Zuerst die schlechte Nachricht: Die Goldreserven der Schweiz werden zu einem fast lächerlichen Preis verkauft. Und nun die noch schlechtere: 300 Tonnen sollen nicht mehr dort sein, wo sie sein müssten. Von Claude Baumann (Text) und Dirk Fellenberg (Bild)Würde man alles Gold zusammenschmelzen, das je gefördert wurde und in Tempeln und Tresoren, in Museen und auf dem Meeresboden liegt, entstünde ein Würfel mit einer Kantenlänge von gerade mal zwanzig Metern. Man könnte ihn in einem Öltanker versorgen oder unter den Eiffelturm schieben, wie die Deutsche Bank errechnet hat. So dicht und so knapp ist Gold.
Den Schatz in der Heimat hüten
Viele Schweizerinnen und Schweizer gehen davon aus,
dass unser Gold noch immer im amerikanischen Fort Knox im Bundesstaat Kentucky
gelagert sei, wo während des Zweiten Weltkriegs zahlreiche europäische
Staaten ihre Goldvorräte in Sicherheit brachten. Andere Vermutungen
gehen dahin, dass das Gold in einem unterirdischen Bunker in New York liegt.
Doch die Nationalbank, so haben Recherchen der Weltwoche ergeben, baute
in den letzten Jahren ihre Goldbestände in jenen Ländern ab,
wo der Schutz von Staatsguthaben nicht mehr gesichert ist. Dazu zählen
auch die USA. Das dortige Rechtsverständnis wird wegen seiner Unwägbarkeiten
als Risikofaktor betrachtet - «weil es eine Realität des amerikanischen
Systems ist, dass ein Richter einfach kommen und aufgrund einer Klage irgendwelche
Vermögenswerte konfiszieren kann», sagt ein hoher Mitarbeiter
der SNB. Mehrheitlich repatriierten die Notenbanker das Gold, wie inoffiziell
eingeräumt wird: «Der grosse Teil unseres Goldvolumens lagert
nun an verschiedenen Orten in der Schweiz.» Und: «Von den informierten
Kreisen geht niemand mehr davon aus, dass Schweizer Gold in den USA liegt.»
Den kleinen Teil, der sich noch im Ausland befindet, hat die SNB in sogenannte
Triple-A-Länder transferiert. Gemeint sind damit Länder, in denen
ein historisch gewachsenes Rechtsverständnis existiert, das Staatsguthaben
zuverlässig schützt. Dazu zählen vor allem Kanada und Grossbritannien,
wie es bei der SNB intern heisst.
Das ist ein Paradigmenwechsel: Über Jahrzehnte
hinweg verliess sich die Schweiz auf die Dienste der USA. Heute, in einer
Welt mit veränderten geopolitischen Akzenten, ist das nicht länger
der Fall. «Wenn irgendwo auf der Welt etwas passiert, das unsere
Goldbestände tangiert, rufen wir die Vorräte ab, schicken sie
anderswohin oder bringen sie heim», lautet nun die Devise der SNB.
Oder mit anderen Worten: Die Schweiz will ihren Goldschatz nicht länger
dem latenten Zugriffsrisiko amerikanischer Richter aussetzen.
Offiziell macht die SNB dazu keine Angaben - «aus
Sicherheitsgründen», wie Nationalbank-Sprecher Werner Abegg
anfügt. Ein Staatsgeheimnis? Selbst dem eher besonnenen früheren
Bundesrat Kaspar Villiger platzte einmal im Nationalrat deswegen der Kragen.
Entnervt erklärte er: «Wo diese Goldbarren
nun genau liegen, kann ich Ihnen leider nicht sagen, weil ich es auch nicht
weiss, es nicht wissen muss und es nicht wissen will.»
Wie gross der Schweizer Goldschatz nun tatsächlich
ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Offiziell besitzt die
Schweiz 1290 Tonnen. Mit einem Wert von rund dreissig Milliarden Franken
machen sie einen Drittel der SNB-Aktiven aus. Ob das Gold aber auch physisch
vorhanden ist, bleibt umstritten. «Zwischen den ausgewiesenen und
den tatsächlich vorhandenen Goldbeständen besteht keine Differenz»,
sagt Werner Abegg. Manche bezweifeln dies. In der Vergangenheit waren das
vor allem die sogenannten Goldbugs. Jene Leute also, die das gelbe Edelmetall
seit Jahr und Tag vergöttern, viele Goldbarren in ihren Tresoren horten
und sich an die Zeiten erinnern, als die Welt noch in Ordnung war, weil
alle wichtigen Währungen mit Gold gedeckt sein müssten und die
Notenbanken nur so viel Papiergeld drucken konnten, wie sie dafür
Gold zur Deckung hatten.
Heute ist das passe; selbst die Schweiz hob mit
einem Parlamentsbeschluss von 1999 die Goldbindung des Frankens auf. Der
im vergangenen Jahr verstorbene Zürcher Privatbankier Ferdinand Lips
zählte bis zu seinem Tod zu den Verfechtern des Goldstandards, weil
er davon ausging, dass das Papiergeld dereinst wertlos werden würde.
Umso wichtiger seien daher hohe und gesicherte Goldbestände. Lips'
Publikationen gelten heute als Offenbarung für viele Goldbugs, die
davon besessen sind, dass ein Grossteil der Reserven der Zentralbanken
gar nicht mehr vorhanden ist.
Abnehmende Bestände
Anfang Jahr nun erhielten sie überraschend
Sukkurs vom französischen Finanzkonzern Credit Agricole, der mit einer
56-seitigen Studie für Aufsehen sorgte: Darin heisst es, dass die
westlichen Zentralbanken - und damit auch die schweizerische - heute nachweislich
10 000 bis 15 000 Tonnen Gold weniger besitzen als die offiziell gemeldeten
31 000 Tonnen. Autor der Studie ist der britische Metall- und Minenexperte
Paul Mylchreest von Cheuvreux, einem Brokerhaus, das zum Credit Agricole
gehört. Für seine Berechnungen stützte er sich auf historische
Daten, er untersuchte die Aktivitäten mit Derivaten aus den Berichten
der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), und er besorgte
sich Ein- und Ausfuhrzahlen von Goldtransfers von und nach Grossbritannien,
einer der wichtigsten Drehscheiben für das gelbe Metall. Tiefere Goldbestände
hätten die Zentralbanken deshalb, weil sie einen Teil davon fahrlässig
ausgeliehen haben, sagt Mylchreest. Als der Goldpreis zwischen 1980 und
1999 von 850 auf 250 Dollar pro Unze absackte, hätten zahlreiche westliche
Notenbanken einen Teil ihrer Reserven gegen eine bescheidene Kommission
(rund ein Prozent) an grosse Geschäftsbanken wie JP Morgan, UBS, Goldman
Sachs oder die Deutsche Bank ausgeliehen. So Hesse sich das Gold rentabler
bewirtschaften, als wenn es in den Tresoren lag, argumentierten die Zentralbanker.
Die Geschäftsbanken verkauften das Gold weiter an andere Finanzinstitute
oder an Schmuckhersteller und legten den Erlös in besser rentierende
Staatsanleihen zu etwa vier Prozent an. Das war leicht verdientes Geld,
solange der Goldpreis tief blieb oder sank. Sobald die Finanzinstitute
ihren Verbindlichkeiten gegenüber den Zentralbanken nachkommen mussten,
beschafften sie sich das benötigte Gold zu tieferen Preisen am Markt.
So funktionierte der Gold-Carry-Trade, wie Experten diese Transaktion nennen.
Nach dem Börsenkrach von 2001 und 2002 veränderte
sich die Ausgangslage jedoch drastisch, da der Goldpreis nachhaltig zu
steigen begann. Viele Investoren entdeckten im Gold eine Anlagealternative
zu den Aktien. Gleichzeitig begannen asiatische Zentralbanken, Edelmetall
zu kaufen, um ihre Währungsreserven aus der Abhängigkeit des
Dollars zu befreien. Für die im Gold-Carry-Trade involvierten Banken
hatte das ungeahnte Folgen. Sie konnten sich nicht mehr am Markt zu günstigeren
Preisen mit dem benötigten Gold eindecken. Und das effektiv ausgeliehene
Gold hatten die Schmuckhersteller längst zu Ringen und Halsketten
verarbeitet, oder es lagerte in den Tresoren der Käufer. Mit dem weiteren
Anstieg des Goldpreises in den letzten drei Jahren hat sich die Situation
so zugespitzt, dass die Geschäftsbanken den Zentralbanken bis zu 15
000 Tonnen Gold schulden. Zu viel, als dass sie es jemals physisch wieder
zurückbezahlen könnten, resümiert Paul Mylchreest.
Zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommt auch
der Zürcher Publizist und Finanzexperte Walter Hirt in Bezug auf die
Schweizerische Nationalbank. Er geht davon aus, dass die physischen Goldreserven
der SNB nicht 1290 Tonnen betragen, sondern bis zu 300 Tonnen tiefer sein
könnten - was immerhin einer Differenz von aktuell 7,5 Milliarden
Franken entspräche. Walter Hirt stützt seine Annahmen auf Hinweise
in den Geschäftsberichten der SNB, wonach mehrere hundert Tonnen Gold
ausgeliehen seien.
Selbst heute, nachdem die Gold-Carry-Trades aller
Zentralbanken aufgrund des gestiegenen Goldpreises massiv rückläufig
sind, weist die SNB per Ende 2005 immer noch 135 Tonnen Gold aus, das physisch
an in- und ausländische Finanzinstitute ausgeliehen ist. Ein Risiko?
Als Sicherheit habe die SNB dafür «Effekten» - gemeint
sind erstklassige Obligationen - erhalten, sagt Nationalbank-Sprecher Werner
Abegg.
Tiefere Reserven, explodierende Preise
Walter Hirt, der bereits 2002 mit einer Petition
das Parlament in Bern auch dazu aufrief, die Goldverkäufe der SNB
einzustellen, weist indessen daraufhin, dass sowohl die deutsche wie auch
die britische Zentralbank als Folge von Carry-Trades in den letzten Jahren
die Höhe ihres ausgeliehenen Goldes nachträglich korrigieren
mussten. Das ist brisant. «Wenn sich die Erkenntnis weiter durchsetzt,
dass die Goldreserven westlicher Zentralbanken tatsächlich tiefer
sind, wird der Preis explodieren», sagt Marc Gugerli. Der vierzigjährige
Zürcher zählt in der Schweiz zu den profundesten Kennern der
Materie. Mit seinem Know-how berät er so renommierte Finanzhäuser
wie die Bank Julius Bär, die Zürcher Kantonalbank oder Lombard
Odier Darier Hentsch. Daneben betreibt er mit einigen Partnern einen eigenen
Goldfonds. Insgesamt verwaltet er eine Milliarde Franken, die in physisches
Gold (Barren) und in Goldminenaktien investiert ist.
Als sich Marc Gugerli vor bald zehn Jahren «aus einem Bauchgefühl
heraus» für das Edelmetall zu interessieren begann, kostete
die Unze 250 Dollar. In den Neunzigern habe sich niemand für Gold
interessiert, erinnert er sich. Die Welt stand im Bann der New Economy
und des Aktienbooms. Er fand aber, dass eine Anlageklasse wie Gold, die
jahrhundertelang als Gegenwert für Papiergeld gedient hatte, nicht
einfach verschwinden konnte. Darum machte sich der UBS-Banker selbständig.
Inzwischen ist Gugerli überzeugt, dass der Preis für eine Unze
Gold in den nächsten Jahren «auf 1000, 2000, möglicherweise
sogar auf 5000 Dollar» steigen wird. Wenn er das sagt, wirkt er so
gelassen, dass seinen Projektionen etwas Selbstverständliches anmutet.
Derzeit kostet die Unze Gold knapp 600 Dollar, umgerechnet etwa 750 Franken.
«Gold ist extrem knapp», sagt Gugerli.
«Der globalen Nachfrage von jährlich knapp 4000 Tonnen steht
ein Angebot von 2500 Tonnen gegenüber. Bisher konnte die Lücke
durch die Ausleihungen und Verkäufe der Zentralbanken grösstenteils
ausgeglichen werden. Doch je stärker die Nachfrage zunimmt, desto
weniger wird das möglich sein.» Von der Angebotsseite ist auch
nicht viel zu erwarten, da viele Explorationsfirmen es versäumten,
neue Vorkommen zu fördern. Aufgrund des tiefen Preises lohnte sich
das gar nicht mehr. «Das Fehlen neuer grösserer Goldfunde wird
darum auch künftig den Preis stark beeinflussen», bestätigt
SNB-Direktor Philipp Hildebrand.
Gold, lange verschmäht, avanciert damit vom
Rohstoff zum hochlukrativen Investment. An der Börse hat sich das
noch kaum niedergeschlagen. Die existierenden Reserven, inklusive offizieller
Bestände der Zentralbanken (31 000 Tonnen), machen heute 1,4 Prozent
der globalen Marktkapitalisierung aller Finanzprodukte aus. Zum Vergleich:
Im Jahr 1934 machte das Gold gut 20 Prozent der weltweiten Börsenkapitalisierung
aus, 1982 waren es sogar 25 Prozent. Auch der Wert aller Goldminenfirmen
ist mit rund 200 Milliarden Dollar ein Klacks. Er entspricht gerade einmal
jenem eines Blue-Chip-Unternehmens wie Shell oder Toyota.
Gold als heisseste Anlage der Zukunft? Selbst wenn
die Volatilität wie bei allen anderen Rohstoffen überdurchschnittlich
hoch ist und es dadurch auch immer wieder zu Kurseinbrüchen kommt,
zweifeln die Experten kaum am langfristigen Kurspotenzial des Edelmetalls.
Der Amerikaner Jim Rogers, der in den siebziger Jahren als Finanzpartner
von Investor George Soros ein Vermögen machte, geht davon aus, dass
sich die Welt erst am Anfang einer fünfzehn- bis zwanzigjährigen
Rohstoffhausse befindet. Einmal mit dem Motorrad und später mit einem
umgebauten Mercedes reiste er um die Welt und verschaffte sich einen Eindruck
vom riesigen Rohstoffbedarf in den Schwellenländern. Weil der Aufbau
neuer Förderanlagen noch Jahre in Anspruch nehme, dauere der Rohstoffboom
länger als jede andere Hausse, betont Rogers. «Dass sich der
Ölpreis wieder abschwächt, erwartet ja auch niemand.»
Der Amerikaner John C. Hathaway von der Firma Tocqueville
Asset Management zählt zu jenen Menschen, die als Fondsmanager täglich
grösste Mengen Gold bewegen. Auch er geht von einem Unzenpreis in
vierstelliger Höhe aus. Seine Gründe für den Anstieg: «Im
globalen Finanzsystem mit seinen vielen Derivaten stecken mittlerweile
enorme Risiken. Auch die Höhe der Verschuldung amerikanischer Haushalte
und die Blase im Immobiliensektor beunruhigt», sagt Hathaway. Als
weiteren Unsicherheitsfaktor wertet er die Tatsache, dass mehr als vierzig
Prozent der amerikanischen Staatsanleihen von ausländischen Schuldnern,
darunter zahlreiche asiatische Zentralbanken, gehalten werden. Besinnen
sich nur wenige Notenbanker darauf, dieses Dollar-Engagement zu reduzieren
und stattdessen in Gold zu investieren, wie das in den vergangenen Jahren
der Fall war, steigt der Unzenpreis weiter.
Als das Gold im vergangenen Mai auf 730 Dollar kletterte,
verglichen zahlreiche Auguren diese Entwicklung mit dem Höchststand
von 1980, als es bis auf 850 Dollar gestiegen war - auch damals in einer
Zeit, die von Inflationsängsten, politischen Konflikten und einem
hohen Ölpreis geprägt war. Was allerdings viele Marktbeobachter
vor Monatsfrist nicht berücksichtigten: Relativ gesehen entsprächen
die 850 Dollar von damals einem heutigen Wert von 1700 Dollar. So besehen
hat der Goldpreis noch viel Potenzial. Darum erstaunt es kaum, wenn Analyst
Paul Mylchreest seinem Goldreport den Titel gab: «Start Hoarding!»
- (Fangt an zu horten!)
Angesichts steigender Preise hat auch die Finanzwelt
in den letzten Jahren reagiert und eine Unmenge von Produkten und Indizes
lanciert. Weit verbreitet sind sogenannte Exchange-Traded-Funds (ETF).
Dabei werden mehrere Goldminenaktien zusammengefasst und gemäss einem
Börsenindex angelegt. Bezogen sich solche ETF Ende 2003 noch auf rund
zwanzig Tonnen Gold, haben sie heute die Grenze von fünfhundert Tonnen
überschritten. Das belegt, welcher Nachfrage sich das Edelmetall bei
Anlegern bereits erfreut.
Verkaufen? Reines Wunschdenken
Nachdem die Schweizerische Nationalbank die Hälfte
ihres Goldes verkauft hat, kommt den verbliebenen Reserven eine umso grössere
Bedeutung zu. Schliesslich geht es bei den Goldreserven um eine Art Notgroschen
unseres Landes, selbst wenn der Schweizer Franken heute nicht mehr durch
das Edelmetall gedeckt sein muss. Die 1290 Tonnen entsprechen einem Anteil
am Bruttoinlandprodukt von 12,5 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt
die Schweiz damit im Mittelfeld, gemeinsam mit Dänemark etwa. Allerdings
besitzt der skandinavische Staat keinen bedeutenden Finanzplatz wie die
Schweiz. «Deshalb entbehrt die Auffassung jeglicher Grundlage, wir
verfügten noch über <überschüssige> Währungsreserven»,
sagt Hansueli Raggenbass, Präsident des Bankrats der SNB. Umso unverständlicher
ist es, wenn Politiker von SP bis SVP weitere Gold verkaufe suggerieren.
Der Bundesrat und die SNB haben sich davon distanziert. «Weitere
Verkäufe sind reines Wunschdenken», sagt SNB-Direktor Philipp
Hildebrand.
Mehr Sorge bereitet den Währungshütern
die im September zur Abstimmung gelangende Kosa-Volksinitiative. Sie fordert,
dass Gewinne der Nationalbank der AHV zugeführt werden. Allerdings
gehen die Initianten von einem gleichbleibenden Gewinn der SNB aus, der
in den letzten Jahren gerade dank der Goldverkäufe überdurchschnittlich
hoch ausfiel. Um solch einen weiterhin zu garantieren, müsste die
SNB ihre Aktiven riskanter bewirtschaften. Damit verlöre sie aber
ihre Unabhängigkeit und würde zum Spielball politischer Begehrlichkeiten.
In einer Zeit, in der sich geopolitische Akzente verschieben und sich manche
Staaten veranlasst sehen könnten, Restriktionen beim Goldbesitz zu
erlassen, weil kein anderer Rohstoff in der Menschheitsgeschichte eine
längere Beständigkeit besitzt, kann sich die SNB das nicht leisten.
Wie haushälterisch man mittlerweile mit dem Gold umgeht, beweist die
Zürcher Kantonalbank (ZKB). Vor kurzem lancierte sie einen ETF, der
sich darauf beschränkt, in physisches Gold zu investieren. Mit anderen
Worten: Jede Einzahlung in den Fonds wird mit Goldbarren unterlegt, so
dass der Investor sein Investment jederzeit in Bargeld oder auch in physischem
Gold zurückfordern kann. Damit hat der Anleger die Gewähr, dass
er seine Einlage, selbst wenn es weltweit zu einschneidenden Restriktionen
im Goldhandel käme, zurückfordern kann.
Für die ZKB setzt das voraus, dass sie für
den finanziellen Gegen wert des Fonds laufend neues Gold am Markt, namentlich
in Zürich, London und New York, beschaffen muss. Darum fährt
auch regelmässig ein gepanzerter Lieferwagen am Hauptsitz der ZKB
an der Zürcher Bahnhofstrasse vor und liefert neue Barren ein. So
stapelt sich das Gold in den Tresoranlagen der Zürcher Staatsbank.
Bleibt zu hoffen, dass dafür nicht bei der Schweizerischen Nationalbank
auf der anderen Strassenseite einige Tonnen im Tresor fehlen.
Literatur:
Peter L. Bernstein:
Die Macht des Goldes. Finanzbuch, 2005.454 S., Fr. 69.40
Ferdinand Lips: Die
Gold-Verschwörung. Kopp, 2003.382 S., Fr. 33.60
Robert Nef, Walter Hirt:
Eigenständig. Die Schweiz - ein Sonderfall. Moderne Industrie, 2002.
362 S., Fr. 45.60
Jim Rogers: Investment
Biker. Börsenmedien, 1998.497 S., Fr. 74.50
Petition gegen Goldverkäufe:
www.walterhirt.ch/gold—snb.html
Gold-Studie von Cheuvreu
im Internet: www.gata.org/CheuvreuxGoldReport.pdf