NATIONALRAT
VALENTIN OEHEN
[www.solami.com/oehenkopp.htm]
re: vorzeitige RechtshilfeFrau Bundesrätin Elisabeth KOPP
EJPD
3003 B e r n
Sehr geehrte Frau Bundesrätin,
Mit gestrigem Schreiben laden Sie mich ein, Ihnen
die Unterlagen zur Verfügung zu stellen, welche mich zum nunmehr öffentlich
erhobenen Vorwurf der vorzeitigen Rechtshilfe veranlasst haben. Ich
nehme diese Gelegenheit wahr, um Ihnen gleichzeitig auch die Namen Ihrer
Mitarbeiter zu nennen, gegen welche m.E. aus den mir vorliegenden Unterlagen
ein dringender Straftats-Verdacht besteht (Art.267, 271, 273, 312 und/oder
320 StGB): Herrn Pierre Schmid, Herrn Lionel Frei, Frau Christine Münch.
Ihr Schreiben überrascht mich insofern, als
ich den Vorwurf zeitig und vertraulich schon mit Schreiben vom 30.Januar
1985 an den Herrn Bundespräsidenten zuhanden des Gesamtbundesrats
vorgetragen habe, und zwar gestützt auf eine eingehende Dokumentation.
Weitere an sich kaum übersehbare und auch nicht verschlüsselte
Alarmsignale sollten auch Sie erreicht haben, und zwar in Form von parlamentarischen
Vorstössen (z.B. meine Interpellation "Internationale Rechtshilfe
in Strafsachen", Nr.85.344 vom 8.2.1985, samt Begründung), durch persönliche
Interventionen von auch beruflich interessierten Kollegen, sowie durch
die Ankündigung der ständerätlichen Geschäftsprüfungskommission
die BAP-Rechtshilfepraxis auf ihre Vereinbarkeit mit dem gesetzgeberischen
Willen überprüfen zu wollen.
All dessen ungeachtet erfolgten am 20.Februar der
Versand der nicht schon neun Monate zuvor freigegebenen Unterlagen im Rechtshilfefall
Santa Fe, und am 4.März die Uebergabe der Authentifikationsunterlagen
an einen Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Bern im Rechtshilfefall
M + P, welcher die BAP-Referenznummer B 54333 CM trägt.
Mein Vorwurf der vorzeitigen Rechtshilfe bezieht
sich auf beide Fälle. Er lässt sich sowohl rechtlich, als auch
politisch begründen.
A Rechtliche Begründung
Fall Santa Fé (französische Zusammenfassung:
Beilagen
5 und 6)
1. Gemäss EJPD-Brief vom 21.6.82 sind die Herren
Schmid und Frei wegen Befangenheit und unstatthafter Beratung amerikanischer
Regierungsvertreter bei der Vorbereitung und Ausgestaltung des ersten Rechtshilfebegehrens
i.Sa. Santa Fé in den Ausstand gesetzt worden.
"Aucune disposition du Traité, ni de la loi y relative ne prévoit d'obligation pour l'Office central de l'Etat requis d'informer les personnes touchées par une requête étrangère de l'existence de celle-ci."berührt sodann merkwürdig, denn sie steht im Widerspruch zum unmissverständlich zum Ausdruck gebrachten gesetzgeberischen Willen.
"The continued pendency of the anpeals before the Swiss courts will result in delay and frustration of the administration of justice in this case. Therefore, the defendants H..., P..., and their American counsel are directed to immediately direct their Swiss attorneys to withdraw, terminate and conclude their appeal from any and all Swiss court or courts in which they now pend. ... Any further violation of this Court's Orders will result in imposition of sanctions appropriate to civil contempt."
"On peut dire que le retrait de l'opposition et de l'appel n'est pas valable pour deux raisons:B Politische Begründung
Premièrement, la volonté exprimée pour retirer n'était pas libre mais était exprimée sous la pression; deuxièmement, le retrait a été fait sous réserve, à savoir la réserve qu'il était précisément fait sous la pression."
"Par conséquent, la décision par laquelle l'Office Fédéral de la Police et le Tribunal Fédéral ont pris note du retrait est sujette à révision une fois que l'expression de la volonté du plaignant est à nouveau libre. En particulier, il m'apparaît que les articles de la LOJ et de la LPA qui disposent que les délais ne courent pas aussi longtemps que le plaignant est empêché, sans sa faute, de déposer une plainte ou un recours devrait également s'appliquer à une situation où le plaignant ou le recourant est empêché de continuer une procédure qu'il a commencée et est force de retirer sa plainte ou son appel. Les deux situations me semblent analogues et les critères concernant le point de savoir si une plainte a été ou n'a pas été déposée ne devraient pas être considérés comme des critères décisifs."
9. Die in Punkt 8 angeführte Rechtslage veranlasste mich auch zur Einfachen Anfrage "Abwehr amerikanischer Rechtsübergriffe" Nr.85.622 vom 7.März 1985. Wie das auch in den beiden Leitartikeln des Wall Street Journal vom 22.2. und 18.3.85 ("A Swiss Mistake" und "Swiss Questions" [www.solami.com/walderbsi.htm#WSJ]) unmissverständlich zum Ausdruck gebracht worden ist, ist eine nachgiebige, ja kuschende Haltung unserer Behörden gegenüber amerikanischen Pressionen und Rechtsübergriffen verhängnisvoll und keineswegs verantwortbar.
"Das amerikanische Justizdepartement schützt diese Mittel [zur Durchbrechung z.B. des Schweizer Bankgeheimnisses mittels Beugestrafen und andern amerikanischen Rechtsinstrumenten] ausdrücklich, wie aus einem Telegramm an alle amerikanischen Staatsanwälte hervorgeht, welches der BaZ vorliegt. Im Telegramm wird vermerkt, dass mehrere ausländische Staaten wegen diesen Methoden ‚harte Proteste’ eingereicht haben, und zwar beim Justiz- wie beim State Departement (Aussenministerium). 'Wir haben diese Proteste zurückgewiesen und haben auch nicht die Absicht, die hart errungenen Gewinne in dieser Schlacht wieder aufzugeben, aber wir möchten diese Gelegenheit wahrnehmen, um diese Proteste in Beistandsofferten an die betroffenen Länder umzuwandeln', heisst es in diesem Telegramm des amerikanischen Justizdepartements." [www.solami.com/walderbsi.htm#Übergriffe] Beilagen 37 und 3812. Das sind gravierende Umstände, die auch ich unter keinem Titel hinzunehmen bereit bin. Der einzig adäquate Lösungsweg ist m.E. von unserem Kollegen Hans-Rudolf Früh aufgezeigt worden, und zwar in seiner von 35 Ratsmitgliedern verschiedener Fraktionen mitunterzeichneten Motion "Wahrung der Schweizer Souveränität" Nr.84.400 vom 23.März 1984 [www.solami.com/motionfrueh.htm]. Auch wenn die Ueberweisung dieser richtungsweisenden Motion durch die Räte noch aussteht, ihre Verwirklichung im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten drängt sich auf und ist vor allem nicht durch irgendwelche Gänge nach Canossa zu erschweren oder gar in Frage zu ziehen.
»Ich danke Ihnen für Ihre klärenden Worte. Diesen müssen nun Taten folgen. Denn für den Gesetzgeber eines souveränen Staats ist es unerträglich zuzusehen, wie die eigene Verwaltung dem befürchteten Missbrauch von Spezialvereinbarungen zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens Vorschub leistet, indem schwerwiegende Eingriffe in die Privatsphäre und das Bankengeheimnis zu rein zivilen Zwecken, und im Falle des "manisch depressiven" John Fedders von der amerikanischen Börsenaufsichts-Kommission gar zugunsten seines persönlichen Steckenpferds eingesetzt worden sind, und uns nun sogar noch eine lex Fedders, eine völlig verfehlte Insider-Gesetzesnovelle zugemutet werden soll.Mit vorzüglicher Hochachtung
Insbesondere die Herren Pierre Schmid und Lionel Frei, sowie Frau Christine Münch, alle vom Bundesamt für Polizeiwesen, haben sich für jahrelang liebedienerisch geleistete Rechtshilfe zu verantworten. Mit ihrer arroganten und skandalösen Missachtung klarer gesetzgeberischer Rechtsschutz-Bestimmungen und Willensbekundungen haben sie bereits eine Untersuchung durch die ständerätliche Geschäftsprüfungs-Kommission ausgelöst.
Es wäre unter diesen Umständen stossend und geradezu unverantwortlich, Ende Monat diese Leute als unsere Unterhändler nach Washington zu schicken, um den immer dreister werdenden amerikanischen Rechtsübergriffen entgegenzutreten. Es bestünde nämlich nicht nur die Gefahr, dass sie dort vor allem ihre eigenen Fehler zu kaschieren suchten, sondern dass sie nach dem Leitartikel "A Swiss Mistake" des Wall Street Journal vom 22.Februar [1985: www.solami.com/walderbsi.htm#mistake] von den Amerikanern nicht mehr ernst genommen würden. Die mir vorliegenden Dokumente begründen zudem den dringenden Verdacht, dass sie sich der Verletzung der Artikel 267, 271, 273, 312 und/oder 320 des Strafgesetzbuchs schuldig gemacht haben.
Ich bitte Sie daher zu bestätigen, dass die genannten Personen auch strafrechtlich zur Verantwortung gezogen und unverzüglich im Dienst suspendiert werden. Oder wollen Sie allen Ernstes den Standpunkt Ihres Vorgängers, Bundesrat Häberlins, wiederaufleben lassen, dem es schon 1931 nicht gelang, dem hierzulande massgebenden Gesetzgeber die Immunität von Beamten vor Strafverfolgungen beliebt zu machen, als er plädierte:
"Bis jetzt hat man die Dummheiten noch nicht mit Gefängnis bestraft. Man kritisiert einen, wenn er Dummheiten macht, verwendet ihn vielleicht nicht mehr ... Ein solcher Mann wird ohnedies bestraft genug sein. Er wird mit abgesägten Hosen heimgerufen werden und vielleicht dem Gespötte preisgegeben sein. Wenn er liederlich gehandelt hat, wird man ihn gehörig rüffeln, aber einsperren soll man ihn nicht. Ich weiss nicht, ob nicht jetzt schon ziemlich viele Leute eingesperrt werden müssten, wenn jeder, der aus Fahrlässigkeit die Eidgenossenschaft geschädigt hat, hinter Schloss und Riegel gesteckt würde. ..." (Sten.Bull. 1931 SR 662)»
TO: All United States Attorneys
re: Subpoenas to Obtain Records Located in Foreign Countries for Use in Criminal Cases
It has been noted that federal prosecutors are with
increasing frequency obtaining the issuance of grand juiy and trial subpoenas
duces
tecum for the production of banking, financial, and commercial records
which are stored within a foreign country. Typically, such subpoenas are
served on a Uniled States based entity, such as a bank or businrss enterprise,
which maintains an office in the foreign country where the subpoenaed records
arc located. Typically, too, the subpoenaed records are "protected" by
the bank and/or commercial secrecy laws of the foreign country.
Two recent court dccisions upholding the use of
such subpoenas. In Re Grand Jury Proceedings Bank of Nova Scotia,
691 F.2d 1384 (11th Cir. 1982). cert.den., 103 S.Ct. 3086 (1983) and In
Re Grand Jury Subpoena Directed to Marc Rich & Company, A.G.,
707 F.2d 663 (2 Cir. 1983), cert. den. _ U.S. _ (I983), have dramatically
improved the potetial for law enforcement access to the records of foreign
bank accounts and business transactions used by narcotics traffickers,
organiced crime figures, and white collar criminals to launder the proceeds
of illegal activities or to engage in tax evasion or tax fraud schemes.
Another important aspect of these cases is the willingness of the courts
to impose substantial daily fines - $25,000 in Bank of Nova Scotia
and $50.000 in Marc Rich - to compel compliance with their orders
to produce records located in foreign countries.
The Bank of Nova Scotia and Marc Rich decisions
clearly demonstrate that use of a subpoena to obtain foreign records is
a powerful weapon which the department will vigorously support in appropriate
cases. It should be borne in mind, however, that it is not the only method
- or indeed in most cases the most effective, economical or timely one
- for obtaining such records. Moreover, since this method involves assertion
by the United States of jurisdiction which may be in conflict with the
bank or commercial secrecy laws of a foreign country, its uncoordinated
use raises various questions of infringement of foreign sovereignty which
can seriously damage United States foreign relations and adversely affect
other cases under investigation. In this regard, several foreign countries
have recently lodged strong protests with both the state and justice departments
against the use of such subpoenas. We have rejected these protests and
do not intend to relinquish the hard fought gains we have won in this battle,
but we do want to seize upon this opportunity to convert these protests
into offers of assistance by the countries concrrned. It is with this in
mind that the following has been promulgated.
In order lo assess the magnitude of the potential
effect of such subpoenas on our foreign relations, it is essential that
the office of international affairs of the criminal division be advised
of the status of all such outstanding subpoenas. Accordingly, each United
States attorney is requested to provide the criminal division by immediate
return telex the following data as to each such subpoena:
1. Caption of case or grand jury prpceeding.In cases where enforcemenz proceedings are either in process or imminent, the office of international affairs of the criminal division shall be consulted immediately. The office of international affairs shall also consulted prior to initiation of enforcement proceedings relative to all other outstanding subpoenas.
2. Type of offense involved.
3. Name of person or entity subpoenaed.
4. Type of records subpoenaed.
5. Name of foreign country where records are located.
6. Date of issuance of subpoena.
7. Rerurn date.
8. Whether subpoenaed person or entity is cooperating or is opposing production.
9. Status of current or proposcd enforcement proceedings.
1. The availabilily of alternative methods of obtaining the records in a timely rnanner, such as use of mutual assistance treaties, tax treaties or letters rogatory.D. Lowell Jensen Associate Attorney General
2. The indispensability of the records to the success of the investigation or prosecution.
3. The need to protect against thw destruction of records located abroad and to protect the ability lo prosecute for contempt or obstruction of justice for such destruction.
NATIONALRAT
VALENTIN OEHEN
Dear Mr. Shad,SECURITIES AND EXCHANGE COMMISSION
attn. Mr.Shad, Director
Washington DC 20549
From the response my letter to Mr.Fedders drew,
I regret that same has only "been brought to the attention of the relevant
people responsible for this case within the Division of Enforcement."
(Mr.M.D.Mann's reply of March 4). The events since then are not seen to
have improved the chances for more effective and prompter legal assistance
even in cases clearly covered by the treaty of 1977. And if the SEC persists
in using this treaty for other than serious crime cases in the sense of
the Swiss penal code (Offizialdelikte), and if the US Government will not
revoke the instruction to all US attorneys, issued November 17/22, 1983
by the Associate Attorney General D.Lowell Jensen of the Department of
Justice and concerning "subpoenaa to obtain records located in foreign
countries for use in criminal cases", the friends of the United States
in our Parliament - such as myself - will be hard put to support any
further legal assistance and not to call for stern counter-measures. The
purpose of rny letter of January 30 was to avoid exactly that. If assurances
in the above sense can promptly be given and will be honored without any
further breaches of our sovereignty, I would be prepared to support measures
for accelerating the legal assistance procedure.
In the Santa Fé case I would like to find
out on what basis and how an American judge was able to freeze and keep
frozen funds deposited in accounts of the Geneva branches of Credit Suisse,
Chase Manhattan, City Bank a.o. without corresponding legal assistance
requests. And how, according to the US Senate Report "Crime and Secrecy"
of Febr 1983 (S.PRT. 98-21, p.164), in the US v. Sterling case, on what
basis and by whom Mr.Robert Sterling's account at the Heusser Bank in Basel
was blocked.
Sincerely yours, Valentin Oehen
Dear Mr. Oehen
Chairman John S.R. Shad has asked me to respond to
your letter to him dated March 22, 1985.
We are very pleased to learn that you are prepared
to support measures for accelerating the Swiss-U.S. legal assistance procedure.
We believe that such new measures would further enhance the present mechanism
and thereby assist in avoiding conflicts between our two legal systems.
With respect to the Santa Fe case, your letter requested
we explain how an American judge could freeze and keep frozen funds deposited
with Credit Sulsse, Chase Manhattan and Citibank.
Based upon a showing that a freeze is warranted,
a U.S. Judge has the authority to freeze assets within his jurisdiction.
All of the banks involved in the Santa Fe case had a presence in the U.S.
sufficient to support a finding that the court had jurisdiction.
Further, it is the Commission's understanding, based upon papers filed
in federal court in the U.S. by these banks, that the funds which Judge
William C. Conner froze in the Santa Fe case were on deposit with U.S.
branches of these Swiss banks at the time they were frozen. With
respect to one of the other defendant banks, Lombard, Odier & Cie,
which held their customers' funds in Geneva, Judge Conner froze an equivalent
amount of assets in the accounts of Lombard in the U.S. Judge Conner
was thus able to exercise his own jurisdiction to freeze the funds without
causing any violation of Swiss sovereignty. It was therefore unnecessary
for the Commission to consider requesting legal assistance from the government
of Switzerland.
With respect to the blocking of the account of Robert
Sterling at the Heusser Bank in U.S. v. Sterling, this case was handled
by the U.S. Department of Justice. However, it is my understanding
that this block was implemented by the Swiss authorities pursuant to a
request for judicial assistance. I am certain that your question
concerning this case thus can best be answered by the Swiss authorities.
Sincerely,
Gary Lynch
Acting Director