Greece matters

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REFERENDUM The government is planning to hold a referendum by the end of the year,
Interior Minister Haris Kastanidis told MPs in parliament today.
He specifically ruled out asking the electorate if they wished to remain in the eurozone or not,
but said the referendum will deal with important matters facing Greece. Athens News, Oct.5, 2011

26.Okt 12    Wenn Geld parkieren Geld kostet, Tages-Anzeiger, Philipp Löpfe
24 Oct 12    Prison May Be the Next Stop on a Gold Currency Journey, NYT, ALAN FEUER
1.Juni 12   Wie eine irische Kleinstadt dem Euro trotzt, Tages-Anzeiger, Raphaela Birrer, Kommentare
25.Mai 12   Gefahren des Papiergeld-Systems, NZZ, Michael Ferber, Kommentare
24.Mai 12   Adolf Muschg: Arbeitslose Jugendliche sind grösste Ressourcen-Verschwendung, Die Welt, Swissbit
22.Mai 12   Klaus von Dohnanyi: Europas Zukunft kann nur Einheit in Vielfalt sein, Die Welt
29 avr 12   Nicolas Sarkozy: Vers l'Europe des nations, lafranceforte.fr
23.Mai 12   Parallelwährung als Alternative, NZZ, Christof Leisinger
22.Mai 12    Ziel: Mobilisierung brachliegender Produktionskräfte, NZZ, Anton Keller
22.Mai 12   Thomas Mayer: «Der Geuro wäre eine inoffizielle Parallelwährung», Tages-Anzeiger, Interview: Bernhard Fischer
22.Mai 12   Adolf Muschg: Arbeitslose Jugendliche sind grösste Ressourcen-Verschwendung, NZZ
22.Mai 12   Jugendarbeitslosigkeit: Ohne Arbeit und Perspektive, NZZ, Richard Bauer
21.Mai 12   ILO:Warnung vor einer «verlorenen Generation», NZZ, chs./(sda/afp)
27.Apr 12   Adolf Muschg: junge Arbeitslose sind grösste Ressourcen-Verschwendung, Arena SF
12.Mär 12  Barry Eichengreen: Regionale Parallelwährungen sind ein Chaosrezept, Tages-Anzeiger, Philipp Löpfe
14.Nov 11   Staatsrecht 101 - 107, Anton Keller
6 Oct 11   The Ticking Euro Bomb: How the Euro Zone Ignored Its Own Rules, Spiegel, Ferry Batzoglou et al.
5 Oct 11   The Ticking Euro Bomb: How a Good Idea Became a Tragedy, Spiegel, Ferry Batzoglou et al.
4 Oct 11   'The Finale of the Greek Drama Is Drawing Closer', DER SPIEGEL, DPA, Kristen Allen
24 Jul 11   Greek Bailout Negotiator Predicts Some Benefits for Banks, NYT, JACK EWING
11.Jul 11   Was wenn der "gigantische Goldschatz" auch weg ist?, NZZ online, Anton Keller
10.Jul 11   Anton Keller an Frank Schäffler, MdB
5 juil 11   Andreas Schweizer: au Secrétaire de la Communauté Genevoise d’Action Syndicale
2 Jul 11   Anton Keller to H.E. George Papaconstantinou
14 Jun 11   Paying Greek debt, FT.com, editorial
14 Jun 11   New Greek bank plan ‘set to cost €20bn’, FT.com, Peter Spiegel et al.
14 Jun 11   Bernanke to Congress: Don’t allow the U.S. to default, Washington Post , Felicia Sonmez
14.Jun 11   Die Köpfe der Eurokrise - Wer jetzt über die Griechenland-Hilfe entscheidet, NZZ Online, DDP
13 Jun 11   Agency Cuts Greece’s Debt Rating Again, NYT, LANDON THOMAS Jr et al.
13 Jun 11   Tit-for-tat: Squaring the Greek circle without a haircut, GOGEL, Anton Keller
12 Jun 11   In Greece, Some See a New Lehman, NYT, LANDON THOMAS Jr
11 Jun 11   Deutsche Bank’s Chief Casts Long Shadow in Europe, NYT, JACK EWING et al.
6 Jun 11   Betting On the PIGs, streetlightblog
June 11   Exposure of various parties to PIG debts, BIS Quarterly Review
20.Mai 11   Ein neues Antlitz für die Ökonomie, Tages-Anzeiger, Simon Schmid
16 mai 11   La dette américaine atteint le plafond autorisé par les parlementaires, LEMONDE, AFP, Reuters
19 avr 11   Geithner défend la dette américaine pour rassurer les créanciers, Reuters
11.Mär 11  Laurence Kotlikoff: «Die USA stehen schlechter da als Griechenland», NZZ Online Marco Metzler
10.Mär 11  US-Staatsanleihen vom weltgrössten Rentenfonds verschmäht, NZZ Online, Reuters
26.Feb 11   Die fatalen Folgen der lockeren Geld- und Schuldenpolitik, NZZ Online, Nicole Rütti, Kommentar
16.Jan 11   Beat Kappeler: Ein kurzer Leitfaden für die Rettung des Euro, NZZ am Sonntag
3 Dec 10   Europe’s financial contagion, Washington Post, Neil Irwin
26 Jan 05   Stephen Roach: "This is an utterly insane way to run the world economy", BBCnews




NZZ am Sonntag    16. Januar 2011

Ein kurzer Leitfaden für die Rettung des Euro
Beat Kappeler

Der Austritt eines Landes aus dem Euro ist machbar, und er ist nicht das Ende der Europäischen Union.

Diesen Schluss ziehen Experten der Bank Schroders aus den seit 1945 sage und schreibe 71 aufgelösten Währungsunionen. Zwei davon fielen noch vor gar nicht langer Zeit in Europa auseinander, nämlich jene zwischen Irland und Grossbritannien 1979 und jene zwischen Tschechien und der Slowakei 1993.

Der technische Verlauf ist dabei wichtig, wobei die EU sich weigert, einen solchen «Plan B» zu erwägen. Bei guter Vorbereitung kann er jedoch gelingen. Die Vorstufe dazu ist in der EU spontan in vollem Gang. Die Banken der Mitgliedstaaten hatten wechselseitig grosse, kurzfristige Einlagen untereinander, doch diese lösen sich vor aller Augen auf. Die Banken Irlands, Portugals, Spaniens und Griechenlands litten unter massiven Abzügen solcher Gelder ins EU-Ausland.

Die Europäische Zentralbank EZB sprang in die Lücke und deponierte 340 Mrd. € in diesen Banken anstatt der Einleger. Die nationalen Bankguthaben entmischen sich daher, und wenn sich die ausgetretene, neue Währung abwertet, reduzieren sich allfällige Verluste der auswärtigen Einleger schon gewaltig. Je gewichtiger die Gerüchte über den Austritt eines Landes werden, umso gründlicher leeren sich die Konten.

Nur die EZB wird Verluste einfahren und umso gefährdeter werden, je länger man die Ablösung verdrängt. Deshalb zwang man die Griechen und Iren, Hilfspakete aus Steuergeldern der nördlichen Euro-Staaten und des Weltwährungsfonds anzunehmen. So sichert die EZB ihre Riesensummen ab.

Die folgenden technischen Schritte zeigte die Slowakei 1993. Entweder hält man am Stichtag schon neue Noten bereit, oder man erklärt nur Euro-Noten mit einem auf Bank und Post verabreichten Stempel als gültig. Der Kurs aber ist immer noch 1 : 1.

Im Tagesverkehr werden die Käufer von Waren und Diensten die Verkäufer sofort zur Annahme der neuen Währung zwingen. Die Banken werden einige Tage geschlossen und alle Konten der Vorwoche auf die neue Währung umgeschrieben. Andere Verträge über Guthaben, Leistungen und Schulden werden gemäss der Währung ihres Gerichtsstands umgeschrieben. Die Slowakei kontrollierte auch einige Tage lang den Euro-Schmuggel an der Grenze.

Denn nach den grossen Beträgen, welche die Banken retteten, werden auch die kleinen Leute ihr Geld auf vielen Wegen sichern. Geld fliesst ab, und schon wertet sich dabei die neue Währung laufend auch ab, was der Zweck war. Der austretende Staat erhöht nun die Zinsen, und wenn die Abwertung den Akteuren genügend erscheint, fliesst das Geld in Mengen zurück – in der Slowakei schon im Laufe der folgenden Quartale.

Es folgen einem solchen Austritt also turbulente Wochen, und das Glücksrad lässt die einen gewinnen, die andern verlieren, mit Wut, Enttäuschung, auch Konkursen. Manche Verlierer werden vor Gericht gehen. Doch die Gewinne und Verluste entsprechen eigentlich nur dem, was zwischen den Schuldnern und Gläubigern wegen der Kursbrüche in Franken, Dollars, Euro, Zloty in den letzten Monaten abgelaufen ist. Es schmerzt, wird aber klaglos erduldet.

Realwirtschaftlich wichtigere Trends folgen. Die Exportfähigkeit des ausgetretenen Landes steigt an, dies sichert auch die Rückkehr der Gelder, sodann mehr Beschäftigung, Wachstum, Kapitalbildung. Seine Auslandschulden in Euro, Franken oder Dollars werden schwerer, doch ohne Austritt müssen die südlichen Euro-Staaten auf Befehl von EZB und Weltwährungsfonds so lange Deflation betreiben, bis ihre inneren Preise und Löhne um etwa 25% gesunken sind – damit steigt der Schuldendruck genauso stark an. Ohne diese Preissenkungen würden die Südländer nicht wieder wettbewerbsfähig gegenüber dem Norden und wären jahrzehntelang auf dessen Hilfspakete angewiesen. Doch gegen beide Varianten werden eines Tages politische Parteien im Norden oder Süden aufstehen – und den Austritt aus dem Euro verlangen.

Zerfällt die EU deswegen, wie die Politiker drohen? Keineswegs, denn die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft EWG und die Europäische Gemeinschaft EG florierten 40 Jahre lang ohne Währungsunion. Grossbritannien wertete 2008 um 25% ab, blieb aber voll im EU-Binnenmarkt.

Für die Schweiz wird der Austritt schwächerer Länder den Franken entlasten, den Rest-Euro anheben. Dieser würde nicht schwächer, sondern stärker, als Alternative zum Dollar, die er werden wollte. Es wäre Masochismus, wenn das Schweizer Parlament die 18 Mrd. Fr. für den Weltwährungsfonds spendierte, damit dieser mit Hilfspaketen den Kurszerfall des Euro verlängert. Und es ist Sadismus, diese drückende Agonie den südlichen Euro-Ländern aufzuerlegen.

Getrennt von einem allfälligen Austritt aus dem Euro bleibt die Schuldenfrage. Die meisten Beobachter halten Irland, Portugal und Griechenland für bankrottgefährdet. Mit der laufenden Abmagerungskur werden sie bald an einen Punkt kommen, wo das staatliche Defizit nur aus den Schuldzinsen besteht, der Haushalt aber ausgeglichen ist. Dann lohnt es sich, die Zinszahlung zu stoppen, die Schulden neu auszuhandeln, weil das Land dann kein neues Geld der andern mehr braucht. Da von Mai 2013 an Angela Merkel und Nicolas Sarkozy die Anleger an allfälligen Verlusten teilhaben lassen wollen, wird niemand mehr günstiges Geld zur Verlängerung der alten Schulden geben. Dann kommt die spannende Zeit der Euro-Austritte und Staatsbankrotte. Nur eine volle, dauernde Haftung des deutschen Steuerzahlers für den Süden würde dies vermeiden – sonst wird der Plan B gebraucht.




GOGEL    June 13, 2011

Tit-for-tat: Squaring the Greek circle without a haircut
by Anton Keller, Secretary, Good Offices Group of European Lawmakers

In text-book language, the Statement by the European Commission, the ECB and the IMF on the Fourth Review Mission to Greece of June 3, 2011 said it all hardly camouflaged:

    "... reinvigoration of fiscal and broader structural reforms is necessary to further reduce the deficit and achieve the critical mass of reforms needed to improve the business climate and pave the way for sustainable economic recovery. ... Unit labour costs are set to decline further ... further sustained deficit reduction ... significant downsizing of public sector employment, restructuring or closure of public entities, and rationalization in entitlements ... assets for privatization with the aim of realizing revenues of EUR 50 billion by the end of 2015 ... liquidity remains tight, but policies are in place to ensure adequate liquidity provision for the banking system ... the government will reduce tax exemptions, raise property taxation, and step up efforts to fight tax evasion ... authorities are increasing capital requirements to further strengthen capital buffers, giving priority to private market-based solutions."
    The "agreed comprehensive policy package" and "the financing modalities for Greece’s economic program" may then lead to the next emergency infusion to "become available, most likely, in early July." With the perspective that strict implementation of these policies "will help to restore fiscal sustainability, safeguard financial sector stability, and boost competitiveness to create the conditions for sustained growth and employment." Amen!
For those Greek citizens and enterprises not covered by the €uro umbrella, for those making up the neglected real economy and constituting civil society and thus immobilized or hurting by the very tight liquidity thus officially noted, for all those down-trodden Greeks the answer, manifestly, cannot be found in the proverbial text-book inside-of-the-box.

As is the case in almost all sovereign tourist destinations worth their name, local services and goods can all be paid in US$ and, more and more, also in €uros. Egypt is an example, but Greece also. If tourists were obliged to haggle with local currencies, many sales would not occur at all, entailing significant individual and national opportunity costs. By the same token, as is the case in almost all sovereign oil-exporting countries worth their name, local services and local-content goods are almost all paid in local currencies, providing for local markets to evolve essentially isolated from currency and economic turmoils abroad, resulting in significant individual and national opportunity benefits in the form of local market-driven economic growth, stability on the labor market, housing, taxation, etc. Iraq is an example. But with regard to its non-tourist sectors, Greece could also become one - if it re-introduced a complementary non-€uro local currency drawing inspiration from, testifying to and priding oneself of the great Greek past, like Alexander, Croesus, nomos - you name it!

According to preliminary consultations and research, current European law is not seen to either provide for or stand in the way of national central banks of EU member states - or of other national or local public or private entities - to issue bank notes or other legal tender instruments, like coins, or to set up other payment systems particularly for local services, local-content goods and even local taxes. Indeed, Protocol No 4 on the the Statute of the European System of Central Banks and of the European Central Bank (C 115/230, Official Journal of the European Union, 9.5.2008 - http://www.ecb.int/ecb/legal/pdf/en_statute_from_c_11520080509en02010328.pdf;Greek version) stipulates in Art.16, Banknotes:

"In accordance with Article 128(1) of the Treaty on the Functioning of the European Union, the Governing Council shall have the exclusive right to authorise the issue of euro banknotes within the Union. The ECB and the national central banks may issue such notes. The banknotes issued by the ECB and the national central banks shall be the only such notes to have the status of legal tender within the Union."
In this light, all Greeks wishing to mobilise and bring to fruition their currently idle or underutilized individual, local and national productive forces may feel free to reflect and network on the ways and means to attain this objective which indeed may significantly contribute to the said creation of "conditions for sustained growth and employment." As such, this is not intended to be in contradiction with any institution or authority. And it is expected to be supported by those in- and outside of government as well as by all civil society actors of good will. Being complementary to all other efforts to unlock and develop existing potentials particularly among the young and active - and re-activatable - generations, it is seen to offer a practical pathway for both Greece and its banking friends to successfully overcome the systemic limitations of the currently pursued text-book economic and political spiral into the abyss. And to do so with intelligence, dignity and haircut-free. Q.E.D.
 

postscript:
Those interested in participating in the research, development and eventual realization of the ideas thus outlined are invited to bring this evolving ebook to the attention of whom it may concern, to offer their critical comments, make suggestions and network with those in a position to make things happen. A special invitation is herewith addressed to those who have expertise in related fields, like IT, mobile payment systems, complementary currencies, social services (pension systems, unemployment compensation systems, training and retraining systems, etc.), private and public work programs, cooperatives, labor unions, complimentary national education systems (tutoring, etc.).
After July 1, 2011, a special website and email address is planned, with facebook, twitter and other communication platforms eventually used for effective communication among all stakeholders.
The author, of course, has no monopoly for good ideas either. And so he should not be relied on either for carrying the brunt of communications, at least not more than he can handle effectively in this initial phase. In this sense, and due to his lack of mastery of the Greek language, he would appreciate to be contacted notably by English-, French- or German-speaking representatives of youth organizations, other civil society associations and involved government agencies (swissbit@solami.com).



Zur Quadratur des Griechenland-Zirkels
("Tit for Tat: Squaring the Greek circle without a haircut": www.solami.com/outofthebox.htm)
Anton Keller, Secretary, Good Offices Group of European Lawmakers, swissbit@solami.com
 
Genf, 28.Juni 2011 - Veranlasst durch den richtungsweisendenBeitrag "Orwellsche EU" von Frank Schäffler (MdB) und Norbert F. Tofall (Schweizer Monat Juni 2011) bin ich auf eine bisher scheinbar allseits übersehene Rechtslücke im EU-Währungsrecht gestossen. Diese Gedankenskizze entspringt derselben Grundhaltung, wie sie u.a. schon in meinem 1997er ebook"OECD - An Orwellian Instrument?" zum Ausdruck gebracht worden ist (.../Orwell.htm). Und welche mich schon an anderen Fronten mit andern Zeitgenossen - z.B. Franz Josef Strauss, Graf Otto von Lambsdorff und Otto von Habsburg - zu gemeinsamen Bemühungen wider den Zeitgeist veranlasst hatte.

Es geht also - parallel zum €uro - um die Wiedereinführung lokaler und nationaler Zahlungsmittel für Dienstleistungen und Güter mit einem hohen Grad an lokalem Ursprung. Dies zur Stärkung des individuellen und nationalen Selbstwertgefühls und Selbstvertrauens als Voraussetzung der Generalmobilisierung der lokalen und nationalen Produktivkräfte - und damit in der Gegenrichtung zur zwar lehrbuchmässigen aber meist wirtschaftlich, gesellschaftlich und individuell ruinösen Schuldensanierung. Das seit 77 Jahren gesamtschweizerisch erfolgreich verwirklichte antizyklische und anti-rezessionäre Komplementärwährungssystem WIR umfasst rund 70000, d.h. ein Viertel aller hiesigen KMUs, und bildet damit - laut dem ehemaligen belgischen Zentralbankier Prof. Bernard Lietaer - das zwar kaum zur Kenntnis genommene und vielfach verschmähte Rückgrat für den andauernden relativen Erfolg der Schweizer Wirtschaft insgesamt.

Obwohl darüber die wesentlichen Hausaufgaben erst noch zu machen sind, ist es denkbar, dass im Falle Griechenlands (und anderer EU-Staaten) eine schnell wirksame, markt- und gesellschaftsstabilisierende Einführung eines analogen Systems in Verbindung mit mobilen Zahlungsmitteln (d.h. mit handys) möglich, zweckmässig und angezeigt ist. Selbst der kritische blogger Dr.Karl Schade dürfte sich davon überzeugen lassen, ganz abgesehen von Daniel mit dem von ihm vertretenen, scheinbar in dieselbe Richtung weisenden bitcoin-System (das ich mir noch genauer anschauen muss).
Zur gesuchten Quadratur des Griechenland-Zirkels mögen zudem die folgende Hinweise dienlich sein.

Die konsultierten EU-Bestimmungen sehen zwar eine Zweitwährung nicht ausdrücklich vor; u.E. schliessen sie eine solche aber auch nicht ausdrücklich aus, wie das entsprechende BZE-Protokol 4 besonders klar in der englischen Fassung nahelegt:

ÜBER DIE SATZUNG DES EUROPÄISCHEN SYSTEMS DER ZENTRALBANKEN UND DER EUROPÄISCHEN ZENTRALBANK
(C 115/230 DE Amtsblatt der Europäischen Union 9.5.2008)
http://www.ecb.int/ecb/legal/pdf/de_protocol_6_from_c_11520080509de02010328.pdf

Artikel 16    Banknoten
Nach Artikel 128 Absatz 1 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union hat der EZB-Rat das ausschließliche Recht, die Ausgabe von Euro-Banknoten innerhalb der Union zu genehmigen. Die EZB und die nationalen Zentralbanken sind zur Ausgabe dieser Banknoten berechtigt. Die von der EZB und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten sind die einzigen Banknoten, die in der Union als gesetzliches Zahlungsmittel gelten.

Die insbesondere vom deutschen Finanzminister - u.E. grundsätzlich, und angesichts der höheren Risikozinsen umso mehr zu Recht - geforderte Beteiligung der privaten Anleger an einem weiteren Zeitgewinnpaket könnte damit auf einen allgemein akzeptablen längerfristigen "Zinshaarschnitt" beschränkt werden. Die uns real scheinende Gefahr eines zumindest europaweiten Finanztsunamis dürfte auf diesem Weg fürs erste gebannt werden. Dies allerdings nur unter der Voraussetzung von begleitenden und schnell greifenden Massnahmen, welche das Marktvertrauen zurückgewinnen und auf Dauer stärken werden. Dies wiederum ist erfahrungsgemäss unter einem traditionellen Diät-Regime (Kaufkraft-, Investitions- und Beschäftigungsabbau, etc.) nicht zu verwirklichen - im Gegensatz zur Situation, wo mittels hinreichender lokaler Zweit-Zahlungsmittel die lokale Produktion und der Konsum von Gütern und Dienstleistungen angekurbelt und brachliegende Potentiale so mobilisiert werden (siehe dazu auch unsere Kurznotiz "Tit for Tat: Squaring the Greek circle without a haircut": www.solami.com/outofthebox.htm).




GOGEL    July 2, 2011

Your Excellency,

By way of the good offices of the Greek Mission to the UN in Geneva, I take pleasure addressing you the note I've sent on July 1 through your Ministry's internet message center:

    to: H.E. George Papaconstantinou, H.E. Giannis Maniatis
    re: greek debt: frei nur bleibt wer seine Freiheit gebraucht
    This is in response to your commendable recent Financial Times contribution "Give Greece time to prove it can do the job" (FT, June 27, 11).  [I've also noted, as another source of inspiraion for the way forward, your IMF press conference record of April 25, 2010] And a modest request: Dont give up - like all of the 22 Greek MEPs seem to have done as all of them have failed to even look at our research results concerning Greek's remaining national freedom & prerogatives to promptly help unlock its idle productive forces - in conformity with EU treaties but independently of the Euro - with a newly reintroduced local or national currency (see: www.solami.com/outofthebox.htm & www.solami.com/quadratur.htm). Tellingly, I've gotten more response - and encouraging at that - from the leadership of the World Bank, IMF, EU, German Finance Ministry and Members of the Bundestag than from representatives of Greece. Perhaps you can and want to change that.
 At this stage I may add that the text I've sent on June 28 2011  16:39 - so far in vain - to all 22 Greek MEPs reads as follows:
Dear Member of Parliament, Cher Membre du Parlement, Sehr geehrtes Parlamentsmitglied,
   Auf dem Hintergrund wachsender Unsicherheiten und unbehelflicher Gestikulationen anempfehle ich Ihrer besonderen Aufmerksamkeit meine einführende Kurznotiz zur europarechts-konformen Wiedereinführung lokaler Währungen. Damit könnten die brachliegenden produktiven Kräfte mobilisiert, und das Selbstwertgefühl und das Marktvertrauen dauerhaft zurückgewonnen und gestärkt werden - im Gegensatz zu den derzeit erwogenen, auf Zeitgewinn ausgerichteten, jedoch oft individuell, wirtschaftlich und gesellschaftlich ruinösen Schuldensanierungen. Für weitergehende Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
   On the background of growing uncertainties and unhelpful gesticulations, I am pleased to submit to your particular attention my introductory notice on the EU-compatible re-introduction of local currencies.  Idle productive forces could thus be mobilised, with individual hope and confidence lastingly regained and the market strengthened - in contradiction to the individually, economically and socially damaging effects foreseeably entailed in the presently considered myopic debt re-shuffling. In the event, please contact me for further questions.

Frei nur bleibt wer seine Freiheit gebraucht: Zur Quadratur des Griechenland-Zirkels
("Tit for Tat: Squaring the Greek circle without a haircut": www.solami.com/outofthebox.htm#haircut)
Anton Keller, Secretary, Good Offices Group of European Lawmakers, swissbit@solami.com

    Genf, 28.Juni 2011 - Veranlasst durch den richtungsweisenden Beitrag "Orwellsche EU" von Frank Schäffler (MdB) und Norbert F. Tofall (Schweizer Monat Juni 2011) bin ich auf eine bisher scheinbar allseits übersehene Rechtslücke im EU-Währungsrecht gestossen. Diese Gedankenskizze entspringt derselben Grundhaltung, wie sie u.a. schon in meinem 1997er ebook "OECD - An Orwellian Instrument?" zum Ausdruck gebracht worden ist (.../Orwell.htm). Und welche mich schon an anderen Fronten mit andern Zeitgenossen - z.B. Franz Josef Strauss, Graf Otto von Lambsdorff und Otto von Habsburg - zu gemeinsamen Bemühungen wider den Zeitgeist veranlasst hatte.
    Es geht also - parallel zum €uro - um die Wiedereinführung lokaler und nationaler Zahlungsmittel für Dienstleistungen und Güter mit einem hohen Grad an lokalem Ursprung.  ... [Volltext]
On June 30, at the UN in Geneva, we had a seminar, moderated by Hamish Jenkins (Programme Officer, UN Non-Governmental Liaison Service NGLS) with Mr. Pedro Paez (ancien ministre de la coordination économique de l'Equateur, membre de la Commission Stiglitz, et actuellement dirigeant de la Commission présidentielle de l'Equateur pour une nouvelle architecture financière). The seminar was organized by EcoAttitude, CommunityForge, GEN and NGLS. The cases of Greece and Ecuador were discussed, with several knowledgable participants agreeing on the significant contributions parallel currencies can be expected to make for unlocking idle productive forces and thus for lastingly overcoming urgent national economic problems such as those currently burdening Greece. At last week's Presidential Conference in Jerusalem, I've also spoken on this subject notably with James D.Wolfensohn (formerly at World Bank) and Jacob A.Frenkel (Chairman J.P.Morgan Chase) who - though initially sceptical - indicated to be available for following up the ideas promoted notably by Bernard Lietaer (formerly at Belgian Central Bank), James Stodder (Rensselaer Polytechnic Institute), Tobias Studer (University of Basel, WIR Bank), Frank Schäffler (MdB), and others (see ebook: "WIR - SMB's anti-recession complementary currency").

I'd thus greatly appreciate your prompt attention and reply, and shall be honored to attend to any question you may have. Meanwhile, I take this opportunity to assure Your Excellency of my highest consideation.

Anton Keller, Secretary, Good Offices Group of European Lawmakers
004127-2812477 - swissbit@solami.com




Andreas Schweizer    5 juillet 2011

Cher Secrétaire de la Communauté Genevoise d’Action Syndicale,

Dans le cadre des travaux de pensée latérale de Monsieur Anton Keller (qui nous lit en copie), je vous sollicite pour une demande d’information à caractère international.

   1. Parce que votre communauté syndicale est unique en Europe et que par son ancrage à Genève, elle est prédestinée à se mettre en rapport avec d’autres organisations syndicales à travers l’Europe et le Monde.
   2. Parce que l’Europe doit reconnaître la contribution et l’héritage de la Grèce pour l’émergence de la démocratie dans l’histoire de l’Humanité.

Nous souhaitons pouvoir – via l’intermédiaire de votre organisation – nous mettre en rapport avec les organisation syndicales faîtière grecques pour proposer une alternative à la gestion de la dette grecque.

Il s’agit de favoriser – notamment  par les faîtières syndicales grecques – l’émergence d’une monnaie locale qui répond aux besoins les plus pressants des populations de ce pays membre de la communauté européenne, tout en permettant l’assainissement des dettes publiques de ce pays envers les bailleurs de fonds.

En vous remerciant de nous mettre en relation avec les organisations syndicales de ce pays, je vous adresse, Cher Secrétaire, mes plus cordiales salutations  et vous transmets quelques messages prospectifs de Monsieur Keller, concernant cette problématique.

Andréas Schweizer




GOGEL    10.Juli 2011

Sehr geehrter Herr Friedrich,

Herr Schäffler liegt wahrscheinlich nicht falsch, wenn er das staatliche Geldmonopol als ein Grundübel im Visier behält. Die Bedingung, es "in einem ersten Schritt" zu Grabe zu tragen trägt m.E. aber den Sisyphus-Bazillus in sich. D.h. das vorgegebene Ziel ist unter den gegebenen Umständen zumindest nicht in absehbarer Zeit, und jedenfalls nicht innert nützlicher Frist zu erreichen. Seine Verfolgung - soweit sie nicht nebengleisig, sondern prioritär erfolgen soll - erscheint mir damit eine unangezeigte, ja unverantwortliche Verschwendung knapper Zeit-, Goodwill- und Finanz-Ressourcen darzustellen. M.E. kann dabei sogar von einer echten Behinderung von Massnahmen gesprochen werden, welche auch politisch real, relativ schnell und mit signifikanter Wirkung umgesetzt werden können. Dazu gehört die (Wieder-)Einführung lokaler und/oder nationaler Zahlungsmittel zur Mobilisierung brachliegender Produktionskräfte und –mittel. Dies im Sinne meiner kürzlichen Anregungen an die Herren Minister Juncker, Rehn, Schäuble und Papaconstantinou – which, tellingly, still await the courtesy of a reply. Im übrigen mag Kollege Lietaer – oder ein anderer sich angesprochen fühlender Mitempfänger dieses Mails – kompetenter und eingehender auf Herrn Schäfflers Ausführungen anworten, wozu ich hiermit kameradschaftlich einlade.

Ich benutze die Gelegenheit, Herrn Schäffler und seinen  Mitstreitern auf diesem Weg eine bemerkenswerte Kurznotiz über einen Plan B zum gegenwärtig verfolgten Euro-Patchwork ihrer besonderen Aufmerksamkeit anzuempfehlen (Beat Kappeler, „Ein kurzer Leitfaden für die Rettung des Euro“, NZZ am Sonntag, 16.Jan 11: www.solami.com/WIR.htm#Leitfaden).

Mit freundlichen Grüssen

Anton Keller
+4127-2812477

Dirk Friedrich wrote:

AW: frei nur bleibt wer seine Freiheit gebraucht: Zur Quadratur des Griechenland-Zirkels
"Schaeffler Frank" <frank.schaeffler@bundestag.de> [+]
An: "Anton Keller" <swissbit@solami.com> [+]
Cc: alexandergraf.lambsdorff@europarl.europa.eu [+]

Sehr geehrter Herr Keller,

im Nachgang zu Ihrem Telefonat mit Herrn Schäffler darf ich in dessen Auftrag antworten. Entscheidend für Herrn Schäffler sind nicht
bestimmte Geldformen oder -konzepte, sondern die Freiheit, unter allen Geldangeboten wählen zu dürfen. Dazu muss in einem ersten
Schritt das staatliche Geldmonopol fallen.

Erst dann haben Unternehmer als Anbieter von Geld das Recht, ihr Produkt anzubieten, so wie Sie dieses mit dem WIR-Geld tun. Erst
dann können sie Abnehmer und Mitmacher finden, ohne dass sie einen Wettbewerbsnachteil erleiden. Die Grenzen für die Anbieter von
Geld sind die gleichen wie in jeder anderen Branche, sie dürfen nicht betrügen und andere nicht zwingen ihr Produkt abzunehmen. Vor
allem dürfen sie nicht den Staat missbrauchen, um ihr Geldkonzept durchzusetzen. Herr Schäffler plädiert für einen allumfassenden
Währungswettbewerb. Da sich erst im Wettbewerb zeigen wird, welches Angebot das für die Geldnutzer vorteilhafteste ist, wird sich Herr
Schäffler nicht für einzelne Geldformen aussprechen.

Freundliche Grüße

Dirk Friedrich
wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestagsbüro Frank Schäffler, MdB Mitglied im Finanzausschuss
Platz der Republik 1
11011 Berlin
Tel.: 030/227-74070   Fax: 030/227-76071




NZZ online

zu: Die USA kommen im Budgetstreit nicht vorwärts, 11.Juli 2011
Anton Keller (11. Juli 2011, 23:20)
Was wenn der "gigantische Goldschatz" auch weg ist?
@Kropp - Die Financial Times Deutschland berichtete am 17.6. Rep. Ron Paul "zweifelt an US-Goldreserven". Seine Hearings ergaben keine Gewissheit über Bestand & Qualität des angeblich in Fort Knox Eingemachten (www.solami.com/goldies.htm). Auch hierzulande rennen Parlamentarier in eine Wand, wenn sie den physischen Verbleib unserer restlichen 1040t Gold kontrollieren, resp. deren Rückführung bewirken wollen. Zeit also für einen Plan Bis, der ursprünglich für südliche Euroländer gedacht war: Wiedereinführung lokaler Zweitwährungen (à la WIR) zur Mobilisierung der brachliegenden Produktivkräfte und -mittel (.../outofthebox.htm). Utah hat im März Gold als unbesteuertes gesetzliches Zahlungsmittel wiedereingeführt, und 13 weitere US-Staaten sollen entsprechende Gesetzesvorlagen unterwegs haben.




Arena SF    27.April 2012

Geld für alle: Vision oder Spinnerei?
Sxhweizer Fernsehen, Arena, 27.4.2012
(Auszüge, red.Hervorhebung - Transkriptredaktion: AK, 027-2812477 - swissbit@solami.com)

Rudolf Strahm: In Europa – im Gegensatz zur Schweiz – sind ein Viertel der Jugendlichen arbeitslos. Es gibt für einen jungen Menschen keine grössere Demütigung als das Gefühl er werde nicht gebraucht. Arbeit und Entwicklung von Fähigkeiten in einem bestimmten Beruf, in einem Handwerk, schafft Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Erfüllung.

Daniel Straub: Mehr als die die Hälfte der in unserer Gesellschaft geleisteten Arbeit wird nicht entschädigt. Darunter fallen Familienarbeit, Pfadfinderleitung, Vereinsarbeit, etc.

Adolf Muschg: Ich will mich nicht äussern zur Finanzierbarkeit [des von den Initianten vorgeschlagenen bedingungslosen Einkommens]. Mich ärgert etwas in unserer Diskussion. Es ist die Abwehrhaltung zum vorneherein. Es geht darum, dass wir in unserer nicht nur schweizerischen, sondern weltweiten Situation neue Optionen brauchen. Wir sind uns alle einig, dass der Staatssozialismus gescheitert ist. Wir erleben jetzt, zu welchem Grad der globalisierte Kapitalismus scheitert, zu welchem Grad er Ressourcen verschwendet. Und eine der grössten Ressourcen-Verschwendungen ist die der jungen Arbeitslosen. Zum Glück haben wir hierzulande noch nicht so viele. Aber es gibt immer mehr. Es sagt mir auch niemand, dass die arbeitslosen jungen Leute in Griechenland, Spanien, etc. nicht arbeiten wollen. Es gelingt ihnen aber einfach nicht in diesen angeblich sich selbst regulierenden Markt einzudringen. …

Rudolf Strahm  Aber die wollen doch eine Entschädigung. Sie wollen schaffen, das ist richtig. Sie wollen aber eine Entschädigung. Sie brauchen dies für ihr Selbstwertgefühl, sie wollen Bestätigung dafür, dass ihre Arbeit etwas wert ist. …

Adolf Muschg: Entschädigung, mein lieber Freund, hat mit Schäden, mit Schadenersatz zu tun. Davon rede ich nicht. Ich rede von einer Investition, und zwar von einer gesellschaftlichen Investition mit dem Sinn, Gegebenheiten in Frage zu stellen, die in der Regel nicht hinterfragt werden, die wir aber vermissen, wo wir etwas brauchen. Und da gibt es eine konstruktive Antwort auf diese Situation, und die heisst: „Lasst uns hören wie das wäre!“ Das hat nichts mit Phantasie und nichts mit Idealismus zu tun, sondern mit „Was ist Dein Modell?“ Nehmen wir nur schon den ausserordentlich mehrdeutigen Begriff Arbeit. Man wollte einmal von der Arbeit befreit werden. Der Begriff der entfremdeten, der nicht genügend entschädigten Arbeit war Teil der sozialen Bewegung. Dann haben wir das Postulat des Rechts auf Arbeit. Wir haben also Ambivalenzen. So, wie nicht nur die schweizerische, sondern die globale Wirtschaft heute funktioniert, kommen wir damit nicht zu Rande (zschlag). In dieser Situation brauchen wir Leute, wie die Initianten, welche vorschlagen die Sache von Grund auf neu zu durchdenken. Und welche uns allen nicht nur zumuten, sondern auch zutrauen wieder bei Null anzufangen.

Wir reden hier von Intelligenzgeschöpfen, von Menschen, und nicht von Meerschweinchen, deren Verhalten mit Anreizen gesteuert werden mag. Ich wünschte mir eine weniger primitive Perspektive. Es kann nicht alles von Geld abhängen, mit Geld bewertet, und mit Geld geschaffen werden. Mit Geld allein wäre die Schweiz nicht geworden was sie ist. Wir haben vielleicht unterschiedliche Ansichten zum Begriff Leistung. Eine Leistung ist für mich nicht nur etwas das sich auszahlt und deshalb lohnt. Selbst im Erziehungs- und Gesundheitswesen denken wir vorwiegend monetär, und deshalb sind wir denn auch da wo wir sind.

Jürg Stahl: Herr Muschg, ich teile Ihre Ansicht, dass wir in unserem Land nicht nur monetär leben. Ein grosser Teil der Arbeit wird hierzulande ehrenamtlich verrichtet, in Vereinen und so, wie schon erwähnt. Dies ist auch eine Eigenheit der Schweiz. Diese Leistungserbringer wollen nicht entschädigt werden, die machen das aus Überzeugung, aus Spass, aus Dienst an der Gemeinschaft. Die wollen mithelfen, mitschaffen. Das ist keine monetäre Sache, sondern eine Sache der Anerkennung. Ich rede mit Ihnen gerne über neue Modelle. Aber nicht über eine pauschale monatliche Staatsrente von 2500 Franken. Das ist ein falscher Ansatz.

Adolf Muschg: Das ist ein Gedankenanstoss. Wenn Sie ihn aufnehmen, umso besser.




NZZ Online    21. Mai 2012, 10:02,

Uno wegen Jugendarbeitslosigkeit alarmiert
Warnung vor einer «verlorenen Generation»
Internationale Arbeitsorganisation fordert aktivere Arbeitsmarktpolitik

Das Uno-Gremium der Internationalen Arbeitsorganisation äussert sich in einer Studie besorgt über den Arbeitsmarkt für Jugendliche in Europa. Mit der Finanz- und Euro-Krise drohe hier eine «verlorene Generation» heranzuwachsen. Vielen Jugendlichen in Europa bleibt nichts anderes übrig, als sich die Langeweile mit Fernsehen zu vertreiben.
chs./(sda/afp) Die mit der Krise in Europa drastisch gestiegene Jugendarbeitslosigkeit wird nach einer Studie der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) mindestens bis 2016 auf «dramatisch hohem Niveau» verharren. Der eingeschlagene Sparkurs behindere eine rasche Erholung der Arbeitsmärkte für Jugendliche.

Arbeitslosenquote steigt um ein Viertel
Die in Genf ansässige Uno-Organisation empfiehlt den Regierungen deshalb, ihre Arbeitsmarktpolitik aktiver zu gestalten. Das berichtet das deutsche «Handelsblatt», dem der Bericht nach eigenen Angaben vorliegt. Nach den Berechnungen der ILO hat sich die Arbeitslosenquote in der EU und anderen entwickelten Industrieregionen bei den 15- bis 24-Jährigen zwischen 2008 und 2011 durchschnittlich um 26,5 Prozent erhöht.

Zahlen zeigen nicht die ganze Wahrheit
Gemäss jüngsten Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat hat die Quote der arbeitslosen Jugendlichen in den 17 Euro-Ländern im März 2012 das Rekordniveau von durchschnittlich 22,1 Prozent erreicht. Die reale Lage ist nach der Analyse der ILO allerdings «noch schlechter, weil sich junge Menschen in massiver Zahl vom Arbeitsmarkt zurückgezogen» hätten.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs wollen am Mittwochabend in Brüssel darüber beraten, wie der EU-Fiskalpakt um einen Wachstumspakt ergänzt werden könnte.




Neue Zürcher Zeitung    22.Mai 2012

Jugendarbeitslosigkeit
Ohne Arbeit und Perspektive
Soziale und gesamtwirtschaftliche Folgen der weltweiten Jugendarbeitslosigkeit
Richard Bauer, Genf

Vielen Jugendlichen in Europa bleibt nichts anderes übrig, als sich die Langeweile mit Fernsehen zu vertreiben. (Bild: Imago)
Die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen steigt weiter. Prekäre Jobs sind keine Lösung, denn sie führen zu selten zu einer festen Arbeit. Jugendarbeitslosigkeit drückt auf die Volkswirtschaften.
Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) lässt einmal mehr die Alarmsirene ertönen. Gegen 75 Mio. Jugendliche sind ohne Arbeit, das sind 4 Mio. mehr als auf dem Höhepunkt der Krise 2007/2008. Eine Besserung ist noch nicht in Sicht. In ihrem eben veröffentlichten Bericht «Global Employment Trends for Youth 2012» prognostizieren die Genfer Experten für das laufende Jahr einen weiteren, wenn auch nur leichten Anstieg. Demnach sind dieses Jahr 12,6% der Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren ohne Arbeit, nächstes Jahr werden es 12,7% sein.

Der weltweite Durchschnitt verdeckt das wahre Ausmass der Misere. Je nach Land und Region ist die Zahl der jungen Arbeitslosen auf besorgniserregende Höhen geklettert. 2011 lag die Jugendarbeitslosigkeit in den Industriestaaten bei 18%, im Mittleren Osten bei 26,5% und in Nordafrika – im Schlepptau des «Arabischen Frühlings» – bei knapp 28%. Überall steigt die Arbeitslosenquote weit über diejenige von älteren Arbeitnehmern. So ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich junge Menschen ohne Arbeit durchschlagen müssen, dreimal höher als bei älteren Berufstätigen. Dramatisch sind die Zahlen, die das Ausmass der Langzeitarbeitslosigkeit bei Jugendlichen abbilden. Von allen arbeitslosen Jugendlichen waren 2011 bereits mehr als ein Jahr ohne Stelle in der Slowakei 34%, in Kroatien 36% und in Spanien 46%.

Glaubt man der ILO, so ist das Leben für Berufseinsteiger alles andere als ein Zuckerschlecken. Finden sie Arbeit, dann sind es häufig schlecht bezahlte Beschäftigungen mit tiefer Produktivität, Temporärstellen oder Tätigkeiten, die nicht den Berufswünschen der Jugendlichen entsprechen. Die Chancen, dass ein prekärer Job zu einem Sprungbrett für eine feste und gut bezahlte Stelle dient, stehen schlecht. In den Ländern der EU ist sowohl die Zahl der Teilzeitjobs als auch die der Temporärstellen bei den Jugendlichen rascher gestiegen als bei den älteren Arbeitnehmern. Junge Arbeitssuchende werden häufig im späteren Leben diskriminiert, weil Arbeitgeber sich scheuen, Mitarbeiter ohne Berufserfahrung einzustellen. Kommt eine Krise, werden auch wieder diejenigen entlassen, die am kürzesten in einem Unternehmen tätig sind.

Viele Jugendliche sind so frustriert, dass sie gar nicht mehr auf Stellensuche gehen oder, der Not gehorchend, länger in der Ausbildung bleiben, als dies nötig wäre. Die ILO schätzt, dass, um diesen Faktor korrigiert, die tatsächliche Jugendarbeitslosigkeit weltweit um einen Prozentpunkt auf 13,6% steigt. Keine oder nur eine prekäre Stelle zu haben, ist ein Nährboden für soziale Ausgrenzung. Die Unmöglichkeit, eine adäquate Beschäftigung zu finden, schafft das Gefühl, für die Gesellschaft nutzlos zu sein, und verführt zu Müssiggang.

Jugendliche ohne Arbeit belasten zusätzlich die angeschlagenen Volkswirtschaften und bedrohen die Wachstumschancen. Wer zu Untätigkeit verurteilt ist, trägt nichts zur Wohlstandsvermehrung seines Landes bei. Auch wird weniger gespart und weniger konsumiert. Familien müssen Kinder weiter durchfüttern, was auf das verfügbare Haushalteinkommen drückt. Schliesslich leiden die Staatseinnahmen unter weniger Steuersubstrat und die Sozialwerke unter mangelnden Beitragsleistungen.

Leserkommentar
Anton Keller (22. Mai 2012, 15:59)    Adolf Muschg: arbeitslose Jugendliche sind grösste Ressourcen-Verschwendung
In der Arena zum bedingungslosen Einkommen (27.4.12) brachte es unser Landesvordenker auf den Punkt - ohne die Initiative selbst als Panacea zu überwerten (www.solami.com/outofthebox.htm#2500). Besonders in südlichen EU-Staaten grassiert die explosive Mischung aus EU-geförderter Staatsverschuldung, mangelhaftem Ausbildungssystem, Jugendarbeitslosigkeit & gemeinschädlichen „Einsparungen“. Orientierungslose Gestikulationen von Routine-Politikern & -Sherpas sind kein Ersatz für zielführende Lösungen. Angezeigt ist die Mobilisierung der brachliegenden Ressourcen mittels Parallelwährungen für lokale Güter, Dienstleistungen & Steuern. Der ehem. belgische Zentralbankier Bernard Lietaer erinnert uns an das WIR-Geld, welches sich als anti-zyklischer & anti-depressiver Wirtschafts-Katalysator bewährt hat (…/iconoc.htm#mantra). Nicht das EU-Recht, sondern mangelnder Tiefgang & Vorausblick stehen solchen Lösungen im Weg.


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Tages-Anzeiger    22.Mai 2012  14:38

«Der Geuro wäre eine inoffizielle Parallelwährung»
Interview: Bernhard Fischer

Der Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, sorgt mit seinem Vorschlag einer Parallelwährung in Griechenland für Schlagzeilen. Der Vater des Geuro erklärt im Interview, wie die Währung funktioniert.
Thomas Mayer (58) ist Chefökonom der Deutschen Bank. Der oberste Volkswirt der DB hat mit seiner Analyseabteilung das Konzept einer Parallelwährung für Griechenland ausgearbeitet, um einen Austritt aus der Gemeinschaftswährung zu verhindern. (Bild: Reuters )

Die guten Ratschläge für die Zukunft des Euro häufen sich. Herr Mayer, inwiefern hebt sich Ihr Vorschlag des sogenannten «Geuro» von diesen ab?
Erstens soll das Konzept des Geuro die widersprüchlichen Positionen in Griechenland vereinen. Zwei Drittel der Griechen wollen im Euro bleiben. Es ist also relativ unwahrscheinlich, dass ein neue griechische Regierung ein Referendum über den Euroaustritt abhalten würde. Zweitens: Es kann rechtlich gesehen ohnehin kein Land aus dem Euro rausgeworfen werden. Und drittens: Es gibt eine Dreiviertelmehrheit in Griechenland gegen die budgetären Anpassungsprogramme. Aus Washington, Brüssel und Berlin höre ich deshalb bereits, dass die Zahlungen gegebenenfalls bald eingestellt werden. Es braucht also eine andere Lösung.

Welche?
Mit dem Geuro, einer im Land gültigen Zweitwährung neben dem Euro, kann zumindest das Defizit Griechenlands vor Abzug der Zinszahlungen aufgefangen werden. Damit können laufende Kosten wie etwa Saläre für Staatsbedienstete, Pensionen und Ausgaben für notwendige Importgüter weiter bezahlt werden (siehe Box links).

So funktioniert der Geuro
DB-Chefökonom Thomas Mayer erklärt, wie's geht: Statt Euros werden künftig Schuldscheine ausgegeben. Dazu ein Beispiel: Der Staatsbedienstete, beispielsweise ein Soldat, bekommt statt Bargeld Schuldscheine. Der Staat sagt: Ich schulde dir einen Betrag, der durch den Schuldschein verbrieft wird. Denn Euro habe ich derzeit nicht genügend, aber ich arbeite daran, diese wieder zu bekommen, um dich dann wieder in Euro bezahlen zu können. Um im Inland seine Rechnungen weiterhin bezahlen zu können – und weil die Schuldscheine kein eigenes Zahlungsmittel sind –, müsste der Soldat die Schuldscheine gegen die abgewertete gültige Bezahlwährung, den «Geuro», eintauschen. Auch Händler müssen ihre Preise wiederum an die Kaufkraft anpassen, die durch die Schuldscheine repräsentiert wird. So wird ermöglicht, dass notwendige Produkte weiterhin konsumiert und Rechnungen bezahlt werden können. Die Schuldscheine können aber auch behalten werden, in der Hoffnung, diese später wieder im Verhältnis ein zu eins gegen Euro zurückzutauschen.
Kann der Geuro Kapitalflucht und Bankrun verhindern?
Die griechischen Sparer halten derzeit noch circa 160 Milliarden Euro an Einlagen. Die EU sollte den Griechen anbieten, dass deren staatlicher Rekapitalisierungsfonds zur Finanzierung der griechischen Banken von den Eurostaaten übernommen wird.

Wie?
Der griechische Rekapitalisierungsfonds würde in eine Bad Bank überführt. Die griechischen Banken, die momentan am Tropf der EZB hängen, würden aus der griechischen Wirtschaft quasi herausgelöst und in eine euroweite Bad Bank überführt. Ein Bankenkollaps könnte dadurch vermieden werden. Die Einlagen der Sparer wären damit gesichert, und die Griechen hätten nicht mehr die Sorge, ihr Kapital zu verlieren. Ein Bankrun würde damit verhindert werden. Natürlich ist das für die EU nicht kostenlos. Diese müsste noch mehr Geld in die Hand nehmen als ursprünglich geplant.

Wie soll der Geuro verwaltet werden?
Der Geuro wäre eine inoffizielle Parallelwährung, und Griechenland bliebe im Euro. Eine separate Zentralbank zusätzlich zur griechischen (Euro-)Zentralbank würde nur den Geuro-Kreislauf managen. Die Binnenwirtschaft Griechenlands wird damit stabilisiert, ohne dass das Land den Euro verlassen müsste.

Es geht das Gerücht um, Deutschland verfolge eine Doppelstrategie: einerseits den Euro samt Griechenland als Mitglied retten zu wollen, andererseits sich für den Eurozerfall zu rüsten, indem man notfalls als Hegemonialmacht daraus hervorginge.
Ich kann diese Gerüchte nicht nachvollziehen. Aus der Sicht Deutschlands sind die vertraglichen Grundlagen der Europäischen Währungsunion suspendiert. Die No-bail-out-Klausel im Maastricht-Vertrag wurde 2008 umgangen, so wie auch das Verbot der EZB umgangen wurde, zur Staatenfinanzierung beizutragen. Aus deutscher Sicht sind damit die Vertragsgrundlagen der Währungsunion nicht mehr vorhanden.

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Was könnte Deutschland zu so radikalen Ansichten treiben?
Deutschland hat gehörige Risiken in Kauf genommen, um wieder zur Vertragsgrundlage zurückzukehren. Nicht nur trägt Deutschland mit 211 Milliarden Euro zum Euro-Rettungsschirm EFSF bei, sondern die Bundesbank allein hat Forderungen von zusätzlich 644 Milliarden Euro gegenüber der EZB. Deutschland ist enorme Vorleistungen eingegangen, um eine Gemeinschaftswährung zu stabilisieren, deren vertragliche Grundlagen nicht mehr gegeben sind. Das zeigt für mich ganz klar, dass die deutschen Eliten und Verantwortungsträger ein starkes Interesse daran haben, den Euro zu stützen.

Wenn es dieses Bekenntnis gibt, warum ist es dann so schwierig, das umzusetzen?
Das Problem der Politiker ist, dass sie die Bevölkerung davon überzeugen müssen. Diese wird zunehmend skeptischer, dass all das, was ihr früher erzählt und garantiert wurde, so nicht mehr stimmt. In unzähligen politischen Reden wurde behauptet, die EZB sei mindestens so unabhängig und entfernt von der Staatsfinanzierung wie die Bundesbank. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler, der einmal Staatssekretär im Finanzministerium war, sagte, dass ein Staat eher pleitegehen als ausgeschlossen würde. Das stimmt nun so nicht mehr.

Was ist Ihre Prognose für den Euro?
Wir wurden nun von politischer Seite über den Krisenmanagement-Mechanismus in der Währungsunion informiert. Der ist aber noch nicht vollständig. Der Vorschlag eines Europäischen Währungsfonds liegt auf dem Tisch, drei Viertel des Weges sind hier schon gegangen. Was jetzt noch ansteht, ist eine Bankenunion, die für die Restrukturierung und die Überwachung der Eurobanken zuständig ist und die Einlagensicherung auf eine europäische Ebene hebt. Der zweite Punkt, den uns diese Krise einbringen wird, ist die Einsicht, dass die Währungsunion kein geschlossener Club sein darf, sondern dass es auch möglich sein muss, wieder auszutreten, und zwar mit einem Rückkehrticket.

Kann das US-amerikanische Fed-System für die Bankenunion beispielgebend sein?
Das kann man nicht eins zu eins kopieren. Aber an der Federal Deposit Insurance Corporation (US-Einlagensicherung) kann man sich orientieren. Die FDIS hat die Kompetenz, die Banken zu restrukturieren, zu schliessen und zusammen mit dem Fed die Banken zu überwachen. Bestimmte Elemente kann man durchaus kopieren.

Apropos USA: Häufig wird der Vergleich gebracht, auch die Vereinigten Staaten würden beispielsweise Idaho nicht wegen schlechter Wirtschaftsdaten aus dem Dollar werfen. Gilt das nicht auch für die Eurozone?
Zwischen den USA und der Eurozone gibt es einen wesentlichen Unterschied: Die Vereinigten Staaten sind eine politische Union, die Eurozone nicht. Was die US-Regierung aber macht, und was auch in der Eurozone anwendbar wäre, ist, einzelne Länder nicht einfach finanziell zu retten. In den USA gibt es das seit 1840 nicht mehr, seitdem wurde kein einziger US-Bundesstaat mehr vor dem Bankrott gerettet.

Wie geht das?
Per Subsidiaritätsprinzip wird in jedem einzelnen US-Bundesstaat über das Budget entschieden, dann muss dieser aber auch dafür haften. Die USA sind die bessere Blaupause für die Eurozone: In den USA werden die Bundesstaaten nicht über Budgets querfinanziert. Im Gegensatz zu Deutschland, wo zum Beispiel die Freie Hansestadt Bremen, das kleinste Bundesland Deutschlands und ein ausschliesslicher Kostenverursacher, von den anderen deutschen Bundesländern finanziell aufgefangen wird. Bremen ist quasi das Griechenland Deutschlands. Die anderen Länder querfinanzieren das Bundesland ohne Aussicht darauf, das Geld je wieder zurückzubekommen.




Neue Zürcher Zeitung    23. Mai 2012

Eurokrise
Parallelwährung als Alternative
Griechenland hat nicht nur die Option «Austritt mit grossem Knall»
Christof Leisinger

Nur eine eigene, schwache Währung könnte die Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen, lautet eine Logik. Ökonomische, soziale und politische Konflikte mit unvorhersehbaren Ansteckungseffekten liessen sich durch die Einführung einer Parallelwährung in Griechenland vermeiden. Die Rückkehr zum Euro wäre bei solider Entwicklung möglich.
Die griechische Wirtschaft wird laut den Prognosen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stärker schrumpfen als bisher erwartet. Dies gelte selbst dann, wenn das Land notwendige Strukturreformen ausführe und die Voraussetzung für die Auszahlung von Finanzhilfen schaffe. Das kann die Diskussion darüber intensivieren, ob Griechenland den Euro aufgeben sollte. Nur eine eigene, schwache Währung könne die internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder herstellen, lautet die Logik.

Allerdings gibt es nicht nur das «Dabeibleiben» oder das «Austreten mit grossem Knall», sondern weitere Möglichkeiten. Zum Beispiel die Einführung einer Parallelwährung zum Euro. Sie könne helfen, eine ökonomische, soziale und politische Katastrophe mit unvorhersehbaren Ansteckungseffekten zu vermeiden, ohne dass die europäischen Institutionen und der Internationale Währungsfonds taktischen Erpressungsversuchen nachgeben müssten, heisst es in einer Studie der Deutschen Bank.

Durch die Ausgabe von handelbaren Schuldscheinen werde die griechische Regierung auch ohne Unterstützung der internationalen Geldgeber in die Lage versetzt, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Rasch würden sich die Papiere als allgemein akzeptiertes Zahlungsmittel im Inland etablieren und zum Kauf von Waren und Dienstleistungen aller Art verwendet werden können. Zur Abwicklung internationaler Geschäfte, zum Beispiel für den Import von Rohstoffen, müssten die Schuldscheine in fremde Währungen getauscht werden. Experten rechnen mit starken Kursabschlägen. Die Deutsche Bank geht im Verhältnis zum Euro von einem Minus von etwa 50% aus.

Während die Exportwirtschaft Griechenlands von einem Tauschverhältnis dieser Art profitieren und wachsen könnte, würden die Preise der Importgüter unter Umständen deutlich steigen und den Strukturwandel in der griechischen Wirtschaft beflügeln. Zusammen mit einer soliden Haushaltspolitik der künftigen griechischen Regierung eröffne dies die Möglichkeit zur Stabilisierung des Wechselkurses der Parallelwährung und schliesslich zur Rückkehr zum Euro, heisst es weiter.

Die griechischen Banken allerdings müssten mit weiteren Lasten rechnen. Um die Geschäftsbanken nicht zusammenbrechen zu lassen, wären Hilfen von den Euro-Staaten über den europäischen Rettungsschirm EFSF unumgänglich. Das würde als positiver Nebeneffekt dazu führen, dass die Einlagen der Banken unter diesen Rahmenbedingungen garantiert werden könnten. Nach Ansicht von Experten liesse sich so das Vertrauen der Kontoinhaber bestärken und liessen sie sich davon abhalten, weitere Gelder abzuheben. Gerade die griechischen Banken mussten in den vergangenen Monaten erhebliche Mittelabflüsse hinnehmen.

Die Einführung einer Parallelwährung ist keine neue Idee. Vor der im Juni anstehenden Wahl in Griechenland aber wird sie interessant. Denn Umfragen deuten darauf hin, dass Parteien, die den notwendigen Sparkurs ablehnen, die Mehrheit erlangen könnten.

Leserkommentar
Anton Keller (22. Mai 2012, 22:42)  Ziel: Mobilisierung brachliegender Produktionskräfte
Der vom Chefökonom der Deutschen Bank, Thomas Mayer, in die breite Öffentlichkeit getragene Vorschlag, den Euro in Griechenland – und andern EU-Staaten – mit einer lokalen Parallelwährung zu ergänzen, ist mehr als prüfenswert. Denn damit – und nicht mit weiteren die Volkswirtschaft schwächenden Sparmassnahmen & „Rettungsschirmen“ für fremde Hochzins-Geldgeber – könnten die darniederliegenden Schaffenskräfte & Produktionsfaktoren reaktiviert werden. Wie der Initiant, der ehem. belgische Zentralbankier Bernard Lietaer betont, müsste diese – evt. elektronisch, per Handy zu handhabende - Lokalwährung auf lokale Bedürfnisse, Güter, Dienstleistungen & Steuern ausgerichtet werden. Lietaer verweist auch auf deren anti-zyklischen Effekte hin. Und dass die Schweizer Wirtschaft ihre andauernde Resilienz nicht dem Bankgeheimnis, der Schokolade, etc., sondern dem seit 1934 erfolgreichen WIR-System verdanke (www.solami.com/WIR.htm).


16 Kommentare
Tages-Anzeiger    1.Juni 2012

Wie eine irische Kleinstadt dem Euro trotzt
Von Raphaela Birrer

In Clones in Irland kann wieder mit der früheren Währung Punt bezahlt werden. Das Experiment lockt Menschen aus dem ganzen Land in die Stadt – und hat so die lokale Wirtschaft angekurbelt.
Unerwartet grosser Geldsegen: Eine Ladenbesitzerin in Clones mit einer Punt-Note. (30. Mai 2012) Bild: AFP

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Europas Déjà-vu-Erlebnis
Angst gegen Wut
In Irland wächst vor Referendum Zustimmung zu Fiskalpakt
Links
Artikel auf Guardian Online
Die Homepage des Experiments

Europa hat mit Spannung auf das Ergebnis des irischen Referendums zum Fiskalpakt gewartet. Nun ist der EU-Vertrag, der strengere Regeln zur Haushaltsdisziplin vorsieht, angenommen worden. Die irische Regierung hatte das Abkommen bereits unterzeichnet. Die schwierige Wirtschaftslage in der EU und die labile Gemeinschaftswährung haben einen irischen Jungunternehmer erfinderisch gemacht: Der 21-jährige Ciaran Morgan hat ein Experiment lanciert, in dessen Rahmen in seiner Heimatstadt Clones mit der früheren Währung Punt bezahlt werden kann.

Pubs, Lebensmittelläden, Coiffeurstudios: Morgan konnte zahlreiche Läden in der Stadt von seiner Idee überzeugen, künftig neben dem Euro auch wieder Punts als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Für die Umsetzung seines Einfalls bedurfte es der Abklärung mit der Zentralbank in Dublin. «Wir waren erstaunt, als wir auf diese Weise herausfanden, dass noch rund 285 Millionen Punts als legale Währung umgetauscht werden können», sagt Morgan gegenüber dem «Guardian».

Gesetzeslücke genutzt
Wer noch Punts unter der Matratze, in Sparschweinen oder auf der Bank aufbewahrt, der kann nun also seit März in den Läden in Clones mit dem Ersparten bezahlen. Konkret können die Kunden ihr Geld in laminierte Gutscheine umtauschen, die sie anschliessend in den 45 teilnehmenden Geschäften in Clones einlösen können.

Morgan und die Ladenbesitzer in Clones machen sich damit ein gesetzliches Schlupfloch zunutze, das es ihnen erlaubt, die noch vorhandenen Punts als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Das stünde auch anderen Städten oder Dörfern frei – bisher ist lediglich noch niemand auf die Idee für ein solches Zahlungsmodell gekommen. Und Morgan scheint damit einen Nerv der Iren zu treffen: Nostalgiker können noch einmal mit den Scheinen irischer Helden aus der Vergangenheit bezahlen und damit der neuen Währung – dem Symbol für die Integration des Landes in die angeschlagene EU – für die Dauer einiger Zahlungen trotzen.

Kursgewinn fliesst in Infrastruktur
Das Experiment hat der von der Wirtschaftskrise gezeichneten Stadt bereits einen Geldsegen beschert: Die Kunden kämen von überall aus dem Land nach Clones, um ihr Geld auszugeben, erläutert Student Morgan, der auch im Shop seiner Familie arbeitet.

Beim festgelegten Wechselkurs resultiert für die Initianten des Projekts ein Gewinn von sieben Eurocents pro Punt. Dieses Geld fliesse nicht den Shopbetreibern zu, sondern werde in die Infrastruktur der wirtschaftlich schwachen Gemeinde investiert, betont Morgan.

Finbarr Dunwoody, der Präsident der Handelskammer von Clones, ist ebenfalls überzeugt vom Konzept: «Vielleicht ist das ein Vorgeschmack darauf, was noch folgen wird. Vielleicht ist das eine kleine Warnung an Brüssel, dass Clones und Irland einen eigenen Weg aus der Misere finden werden.»
 

16 Kommentare
Mirko Babic    01.06.2012, 18:24 Uhr     2 Empfehlung
Ja richtig! So sollte es sein man muss sich währen gegen den Euro Imerialismus die nur Armut bringt! Irland wird sich früher oder später trennen von dieser Pseudo Währung.

martin meier01.06.2012, 15:10 Uhr     4 Empfehlung
Wenn ich die Entwicklungen in Europa so beobachte, werden bald weitere EU-Länder wieder ihre Landeswährungen einführen müssen.....

Max Hauser    01.06.2012, 14:33 Uhr     2 Empfehlung
Die älteste Lokalwährung ist der SFR ;-)

Walter Boshalter    01.06.2012, 12:36 Uhr     1 Empfehlung
Nettes Marketinginstrument. Oder kann ich in Clones mittels Punt auch die Steuern bezahlen?

Thomas Maurer    01.06.2012, 12:34 Uhr     4 Empfehlung
die nationalbank ist gerade dran, die krüppelwährung euro wider im grossen stil bei 1.20 zu stützen,
wann wird endlich damit schluss gemacht? der euro ist geschichte....

Frank Zuffnik    01.06.2012, 12:22 Uhr     5 Empfehlung
Soso, man lockt Menschen aus dem ganzen Land in die Stadt und hat die lokale Wirtschaft angekurbelt. Und was genau wird enn nun in ganz Irland besser? Mehr als Umverteilung ist das ja auch nicht, denn Wachstum im bestehenden System wird ja keins generiert. Den wenigen Clonern seis gegoennt, aber das zeigt ja nun nicht mehr als dass Mehr immer irgendeiner bezahlen muss, egal wie das Papier heisst.

pierre bourdon    01.06.2012, 12:00 Uhr     7 Empfehlung
Ja, das Experiment von Wörgl nicht vergessen! Und die Freiwirtschaft überhaupt! Ich staune immer wieder, dass Leute, die sonst ziemlich gut informiert und gebildet sind, mit diesen Stichworten absolut nichts anfangen können. Als obs verbotenes Land ist!

Margot Helmers    01.06.2012, 20:39 Uhr     0 Empfehlung
Das Experiment von Wörgl war so erfolgreich dass man es bald mal verboten hatte. Schon seit Wochen muss ich immer wieder daran denken ob das nicht auch eine Lösung wäre. Vor allem für die vielen jungen Arbeitslosen die jetzt für die Finanz- und in Folge Wirtschaftskrise bezahlen sollen wäre eine Paralellwährung evtl. eine Lösung.

Anna Marie Z'Graggen-Akaoui    01.06.2012, 11:57 Uhr     0 Empfehlung
In Italian kann man heute noch vielerorts auch in Supermärkten mit Lire bezahlen. Davon wird anscheinend kräftig Gebrauch gemacht. In Viareggio z.B. hat ein Barbesitzer einen Zettel ausgehängt, wonach bei ihm der Espresso mit Lire bezahlt werden kann. Innert 10 Monaten hat der Mann 14 Mio. Lire kassiert. Banca d'Italia schätzt, dass noch immer Milliardenbeträge der alten Währung im Umlauf sind.

Tom Baer    01.06.2012, 11:52 Uhr     3 Empfehlung
In der Schweiz haben wir auch Komplementärwährungen wie den WIR, der sich antizyklisch verhält.

Peter Haller    01.06.2012, 11:37 Uhr     14 Empfehlung
Vergleiche dazu auch das Freigeldexperiment in Wörgl (das Wunder von Wörgel), welches dermassen gut lief, dass es zum Schluss verboten wurde.

Hans Reuter    01.06.2012, 11:16 Uhr     10 Empfehlung
Ist doch schon mal ein Anfang. Die Printausgabe der Rheinischen Post von heute meldet, dass die Druckerei De la Rue, UK, bereits die neue Drachme druckt.

Andreas Steiner    01.06.2012, 11:14 Uhr     3 Empfehlung
Lokalwährungen nennt sich das, wird in Zukunft das Thema sein. Also nichts neues.

Manuel Lehmann    01.06.2012, 11:09 Uhr     16 Empfehlung
Hat vermutlich eine ähnliche Funktion wie eine Regionalwährung. Diese kurbeln immer wieder und in der Krise vermehrt regionale Kreisläufe an. In Griechenland, Argentinien, wo auch immer. Aber auch in Deutschland gibt es um die 100 Regionalwährungen. Meist funktionieren sie ohne Zins oder sogar mit einem Minuszins.

Rolf Schumacher    01.06.2012, 11:02 Uhr     49 Empfehlung
Geniale Idee. Das sollten andere Städte-Staaten auch machen. Eine solide eigene Euro (resp. Dollar) -unabhängige Währung zu kreieren. JF-Kennedy tat es auch, leider wurde er, bevor der die zweite Fderal-Reserve-(Wallstreet-Mafia) unabhängige Tranche unter Volk bringen konnte erschossen.

David Stoop    01.06.2012, 14:15 Uhr     3 Empfehlung
@Rolf Schumacher: nur als kleine Anmerkung: im Artikel oben wird ausdrücklich erwähnt, dass das Ganze mit einem FIXEN Wechselkurs zum Euro stattfand. Um genau zu sein, hat man also nur ein andersfarbiges Papier benutzt und in Wahrheit trotzdem mit Euro bezahlt. In Sachen Geld sollte man sich nicht vom patriotischen Marketing blenden lassen.