Im Gegensatz zu manchem greenhorn und Unverbesserlichen
in der Runde,
Du beanspruchtest nie ein Monopol für gute Ideen.
Mit Dir konnte man deshalb Rosse stehlen -
auch wenn diese im Nachhinein sich manchmal als Esel
herausstellten:
die Bürgerrechts-Novelle, die neue SchKG-Arrestklausel,
und das weitereiternde
Sidik-Desaster sprechen für allzuviele.
Durch Rückschläge unbeirrt, res publica
war stets Deine vocation.
Deine aus tiefen Quellen schöpfende Resonanz,
Dein Rat und Deine diskrete Signalweiterleitung und -steuerung
trugen in unzähligen Fällen beachtliche Früchte.
Symptomatisch der Fall des auflüpfigen Auslandschweizers
Guido P.
dessen verdienstvolle Bürgerart einen Westflügel-Seldwyler
veranlasste
den Genfer Fiskus auf den in Paris praktizierenden Guido
zu hetzen.
Ein Entwurf für eine parlamentarische Anfrage dazu
genügte Dir,
um den entgleisten EDA-Dünnbrettbohrer in no time
dazu zu bringen,
mit abgesägten
Hosen und geneigten Hauptes den Rückzug anzutreten.
Instruktiv auch der Fall der von Belgien betrogenen Kongo-Schweizer.
Ihr Vertreter Paul B. hatte jahrelang von Brüssel
Gerechtigkeit erwartet,
ohne einzusehen, dass dies Träumern und Amateuren
vorbehalten ist.
Erst auf Deinen Rat hin und mit Deiner Mitwirkung
kam dann die zukunftsweisende sogenannte "interne
Lösung" zustande,
welche die geschädigten Pensionsberechtigten endlich
zufriedenstellte.
Die von Dir betreute amicus
curiae i.S. Aerospatiale
ist der 1815er
Neutralitätserklärung von Pictet de Rochemont würdig;
sie gehören beide zu den Sternstunden
der Schweizer Aussenpolitik.
Seither, und in neuester Zeit in zunehmend beunruhigendem
Masse,
hat man dagegen eher Anlass von Schwachstunden
zu reden -
again not because but despite of your valiant best
efforts!
Alles in allem: not too bad for a modest man,
a classical scholar and a fin connaisseur
of the art of the possible.
Und ein Ansporn für manch andere, hier
und dort,
es Dir gleichtun zu wollen.
Salve! Anton Keller
Genf, 30.September 1998