SPIEGEL ONLINE - 02. August 2004, 16:22
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Schilys Flüchtlings-Bollwerk
"Da redet
jemand laut mit sich selbst"
Während Schilys Vorstoß zur
Einrichtung von Auffangstellen für Asylbewerber in Nordafrika hier zu Lande heiß
diskutiert wird, gibt es in den davon betroffenen Ländern kaum eine Reaktion auf
die Idee des Bundesinnenministers. Davon unbeeindruckt, präzisierte der
SPD-Politiker heute seinen Vorschlag in einem Interview.
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AP
Innenminister Schily zu Auffanglagern:
"Gerichtliche Kontrolle muss es da nicht
geben" |
Berlin - In der ägyptischen
Botschaft in Berlin gab man sich heute höflich diplomatisch: "Es ist sehr
schwierig, bloße Ideen zu kommentieren", hieß es in einer Reaktion auf die
jüngsten Vorschläge des Bundesinnenminister Otto Schily. Dem SPD-Politiker
schwebt vor, eine EU-weite Auffangstelle für Asylbewerber in einem
nordafrikanischen Staat zu errichten. Noch bevor die Flüchtlinge überhaupt
europäischen Boden betreten, so der Plan des Innenministers, soll bereits
festgestellt werden, ob sie nach der Genfer Flüchtlingskonvention Schutz
beanspruchen können.
Doch so lange es kein formelles Ersuchen der EU
gibt, waren sich nordafrikanische Diplomaten heute einig, wird es wohl keine
offiziellen Reaktion aus der Region geben, aus der Schily gerne einen Vorstopper
für die EU machen möchte. In zwei nordafrikanischen diplomatischen Vertretungen
hieß es, sinnvoller sei es ohnehin, die Fluchtgründe in den Ursprungsländern der
afrikanischen Flüchtlinge zu bekämpfen. Die Presseabteilung der marokkanischen
Botschaft erklärte gegenüber SPIEGEL ONLINE, eine offizielle Reaktion der
Regierung in Rabat gebe es nicht.
"Da redet jemand laut mit sich
selbst", kommentierte ein nordafrikanischer Diplomat, der nicht genannt werden
wollte, Schilys Vorgehen. Auch in der Presse in der Region hat der Vorstoß des
SPD-Politikers bislang noch keinen Widerhall gefunden.
Innenminister
Schily scheint es unterdessen nicht zu stören, dass die von seinen Plänen
betroffenen Staaten eher verhalten bis uninteressiert reagieren. Er präzisierte
heute in einem Interview seine Vorstellungen und plädierte für eine
EU-Außenstelle vor Ort, die Asylbegehren bearbeitet. Damit hätten jene
Flüchtlinge de facto keine Chance mehr, in Deutschland Asyl zu beantragen.
"Asyl-Shopping sollte unterbleiben"
Zwar vermied Schily in
dem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" auffällig das Wort "Lager", doch in
der Sache blieb Schily hart: In den "Auffangstellen" werde es nicht mehr möglich
sein, Asyl in Deutschland zu beantragen, sagte der SPD-Politiker. Dies sei nur
auf deutschem Boden möglich, der aber nicht erreicht werde. Dies sei eine
"faktische Frage". Die EU soll nach den Worten des Ministers prüfen, ob man "in
Nordafrika probeweise eine Außenstelle einrichten kann". Diese soll feststellen,
ob Migranten unter dem Schutz der Genfer Flüchtlingskonvention stünden. In dem
Fall müsse ihnen Schutz gewährt werden, ansonsten müssten sie in ihre Heimat
zurückkehren. Die Prüfstelle könnte nach den Worten des Ministers "die Vorform
einer europäischen Asylbehörde" sein.
Es sei dann auch Aufgabe der
Aufnahmestelle, für legitime Flüchtlinge eine Aufnahmeregion in der EU zu
finden. Der Wunsch, beispielsweise Asyl in Deutschland zu erhalten, sei damit
nicht mehr erfüllbar: "Das ist nicht die Entscheidung dessen, der Asyl sucht.
Asyl-Shopping sollte unterbleiben", sagte Schily. Wenn ein Flüchtling ein
legitimes Schutzbedürfnis habe, bedeute das nicht, dass er "auswählen kann, in
welchem Land er sich besonders wohl fühlt und wo die Sozialsysteme am
günstigsten" sind.
In einer Europa vorgelagerten Flüchtlingsstelle spiele
das deutsche Grundrecht auf Asyl "keine Rolle", wie der Minister sagte. Daran
wolle die Bundesrepublik auch nichts ändern. Eine gerichtliche Überprüfung der
Entscheidung der Außenstelle müsse "es nicht zwangsläufig geben". "Wir sind
außerhalb des Rechtsgebiets der EU", fügte Schily hinzu.
Schily kam in
dem Interview nicht mehr auf die Grünen zurück, die er noch am Wochenende wegen
ihrer Kritik an seinem Vorschlag angegriffen hatte. Dabei hatte er auch
Außenminister Joschka Fischer nicht verschont. Schily hatte unter anderem
erklärt, nicht jeder erwerbe automatisch einen Anspruch, nach Europa zu kommen,
wenn er sich Schleuserbanden anvertraue oder in seeuntüchtigen Booten aufs
Mittelmeer wage.
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