Sehr geehrter "Iconoclast"
Ich danke Ihnen für Ihre Nachricht vom 5. September und erläutere Ihnen gerne die Position des Bundesrates bezüglich dem sogenannten Kohäsionsbeitrag:
Der Bundesrat hat - unter Vorbehalt der Genehmigung durch das Parlament - entschieden, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der neuen EU-Mitglieder in Osteuropa mit insgesamt einer Milliarde Franken über eine Laufzeit von 5 Jahren zu unterstützen. Der Beitrag wird in Form von Projekten geleistet, die von der Schweiz in Zusammenarbeit mit den Empfängerländer autonom ausgewählt und durchgeführt werden.
Die Finanzierung erfolgt budgetneutral, d.h. er führt nicht zu einer stärkeren Belastung der Steuerzahler. Als rechtliche Grundlage soll das neue Bundesgesetz über die Ost-Zusammenarbeit dienen, welches vom Parlament in einem referendumsfähigen Bundesbeschluss verabschiedet werden muss.
Dieser Beitrag an die wirtschaftliche und soziale Kohäsion der erweiterten EU ist ein Akt der Solidarität. Seit Ende des Kalten Krieges hat die Schweiz die Transition der ehemals kommunistischen Staaten in Osteuropa zu Demokratie und Marktwirtschaft in verschiedener Hinsicht substantiell unterstützt. Dieser Kohäsionsbeitrag ist eine Fortsetzung dieses Engagements.
Zudem ist diese Unterstützung ein Beitrag zur Verankerung der Freiheitsrechte und der Demokratie in den Ländern Osteuropas und damit zur Stabilisierung unseres Kontinents. Davon profitiert auch die Schweiz.
Und schliesslich trägt die Schweiz mit ihrer Unterstützung zum Aufbau von wirtschaftlichen Wachstumsregionen bei. Damit werden diese Länder zu zunehmend interessanten Handelspartnern und Absatzmärkten für die Schweizer Wirtschaft. Dies schafft auch Geschäftsmöglichkeiten für Unternehmen in der Schweiz.
Mit freundlichen Grüssen
Micheline Calmy-Rey
Bundesrätin
Kann Schweizer 1 Mia Beitrag
für EU-Kohäsionsfonds
die Brüsseler Titanic
vom Untergang bewahren?
Kaum, wenn dazu aus dem
2 Mia-Versuch zur Rettung der Swissair
Lehren zu ziehen sind.
von Iconoclast -
022-7400362 - swissbit@solami.com
- 5.9.2005
Alternativ, d.h. im Falle eines Volks-Neins i.S. Osterweiterung des Freizügigkeitsabkommens mit der EU (www.solami.com/commercetreaties.htm#1999) ist nicht ohne weiteres einzusehen, weshalb ein solcher Milliardenbetrag nicht wirksamer und beidseitig zufriedenstellender echt bilateral eingesetzt werden könnte. Z.B. auf dem Weg über traditionelle Kreditfazilitäten, über eine entsprechend ausgebaute und auch für KMUs real beanspruchbare Export-Risiko-Garantie, sowie über weitere seit Generationen bewährte Instrumente zur bilateralen Handelsförderung. Und zwar auf eben jener Grundlage, welcher der derzeit überwiegenden Dioptrie und Argumentation nicht entspricht, und massgebenden Schweizer Wirtschaftskreisen offenbar nicht in den Kram passt. Zu fragen ist, ob dem so ist, weil diese Wirtschaftsführer ihrer Hausaufgabe immer noch nicht nachgekommen sind, welche ihnen ihr damaliger Vordenker, Repräsentant und Nationalrats-Sprecher Ulrich Bremi schon 1979 nachdrücklich ins Stammbuch geschrieben hat ("Wir möchten uns davon überzeugen, dass wir uns nicht mittelfristig Optionen verbauen und Chancen ungenützt lassen": .../bremiiea.htm)? Oder weil sie selbst - wie das aus denselben Kreisen stammende, selbstschädigende und aussichtslose Begehren auf einen Freihandelsvertrag mit den USA(.../europa.htm) vermuten lässt - credo-widrig an mehr Papier und Leerhülsen interessiert sind? Und dass sie im übrigen keine Ahnung oder Vertrauen haben bezüglich der längst abgeschlossenen und in Kraft stehenden Handelsverträge der Schweiz (.../commercetreaties.htm). Das wäre umso bedauerlicher und alarmierender, als diese Verträge allesamt über bewährte Personenfreizügigkeits-Klauseln verfügen, die unserer Wirtschaft und Gesellschaft, ohne jedigliche Dumping-Gefahr, auch weiterhin alle gewünschten Zuzüger bringen könnten, wie dies seit über 150 Jahren geschieht - nota bene auch von ausserhalb des EU-Territoriums.
PS: Wer mit Langzeitprognosen die eigene Klarsicht
zu verstecken sucht, riskiert von der Realität "vorzeitig" eingeholt
zu werden. Dazu gehört Pascal Couchepin's 1992er Vision von
der "EU-Auflösung auf lange Sicht" (Chantal Tauxe, "Suisse-Europe:
le désamour", HEBDO, 1 sept. 2005, p.20). Denn diese
Prophezeiung hat nun handgreifliche Konturen angenommen, nachdem - wie
im folgenden Memorandum (.../verostung.htm)
und besonders nachdrücklich im Mailwechsel mit der economiesuisse
(.../economiesuisse.htm)
aufgeführt - der französische und der holländische Souverän,
und nunmehr auch das deutsche Verfassungsgericht Kernstücke der europäischen
bürokratischen Gesetzgebung aus den Angeln gehoben haben.
Übrigens bleibt offen, ob der milliardenschwere
Steuergeldereinsatz zur Bewältigung des Swissair-Grounding mit einer
andern
Führungscrew nicht zur allseits erhofften - und auch vorgespurten(.../SWISS.htm)
- Wiedergeburt einer weltweit erfolgreichen nationalen Fluglinie
hätte führen können. Und ob er wirklich so aussichtslos
war, wie das auch vom derzeitigen Resultat her gesehen werden mag.
Wie wär's wenn wir das
"Eingemachte" berücksichtigten?
oder: ist die Osterweiterung
des CH/EU-Freizügigkeitsabkommens noch opportun?
von Anton
Keller, Webmeister, Genf - 022-7400362 - swissbit@solami.com
- 5.9.2005
Darüber hinaus haben schon 1991 die Präsidenten Mitterrand und Havel die Umstände aufgezeigt, welche auf eine Europäische Konföderation hinweisen (.../a21.htm). Eine solche ist übrigens schon von andern verdienten Europäern vorgespurt worden (.../france.htm). Und sie stösst mehr denn je – und nicht nur unter Euroskeptikern – auf positive Resonanz. So, dass nicht nur kein Anlass besteht für den von economiesuisse weiterhin empfohlenen Biss in den faulen Apfel. Das Schweizer NEIN zur europäischen Verostung dürfte im Gegenteil weit über unsere Grenzen hinaus begrüsst werden, und zweckmässigeren Lösungen die Bahn brechen.